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Full text of "Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Litteratur"

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ZEITSCHRIFT 



F^ 



DEUTSCHES ALTEBTHUM 



UBAAVSGEGEBEN 



MORK HAÜFT. 

- - e. 



DRITTER BAND. 
LEIPZIG 

WEIDMANN'sCUE BUCHUAMDlüNO 

1843. 





fl. ^^l^o. 



BRUCHSTUCKE VOM NIEDERRHEIN. 

Dffi* koniglick preufsische steuermspectur tmd vereinseon- 
troUeur C. Becker^ dermalen m Pqfsau^ Versendete mir 
unterm 2$n Juni 1842 fügende v&n bücAerembänden übge- 
iosie pergamentblätter. 



Em foii&btatt^ 2 spulet, je 4ä zmlen^ somit 180 vefä^ 
um Fmidnni*, aus einer lateinischen bibel (Kaln, Quentei^ 
t^Z7)fß'ä&er eigmthum der abtei Eltm tmweit Clene^ ab- 
gelöst* 

anjang Swas gesundet hat ziu leben 

Vn swem er scaden habe getan 

Des habe er in alles ledic gelan 

Swer des giet der ist bet^^gen 

Vn hat den pabesi angelogen 
:^ Me aflais liggent da m'^der 

Wan gell vn gib wieder 

Dein aflais dünket toren gut 

Dem e^m goch dem andern tut 

Die genade esele wol geziemet 

Das er eines ochsen zuude nl^et 

(M)arhoeten vn ander wi'Tte 

Geburen vfi hirte 

Vergebend alle zünde da 

Die genale ist niergen anderswa. 

' bei dieser gelegen hei'i jnöge bemerkt wurden daß bei Wh. Grimm 
#, vt Straf^bur^er papierliaiid schritt mid laiLtü ü^s 15a jb. geiet^n 
den mufx. 

2, F, D. A. HL f 





2 PRBIDANK. 

Die folge der spräche ist diese, 
s. 1 sp. a. 150, 3. 4 : 5. 6 : 7. 12 : 13. 24 : 25. 22 : 23. 
26 : 27. 151, 1:2. 7:8. 9 : 10. 11 : 12. 13 : 14. 
150, 8:9. 10 : 11. 20 : 21. 151, 1 s 2. 7 : 8. 9 : 10. 
11:12. 13:14. 150, 8:9. 10:11. 20:21. 151, 
3:4. 5:6. 148, 4:5. 6:7. 8:9. 10 : 11. 153, 

7 : 8. 148, 14 : 15. 

s. 1 sp. b. 148, 16 : 17. 18 : 19. 20 : 21. 153, 23 : 24. 

25 : 26. 163, Vf %\ 154, 1. 151, 23 ; 24. 154, 2:3. 

4 : 5. 39, 10 : 11. 12 : 13. 14 : 15. IG i 17. 129, 

9 s 10. 11 : 12. 19 t 14. 132, 2 s 3. 4:5. 21, 17 :1A 

%\ :22. 11 -.12. 18 : 14. 45: 
s. 2 spi a. 21, : 16. 19 t 20. 28 : 24. 25 : 26, 22, J2:I3. 

14 : 15. 23, 7 : 8. 9 : 10. 177, 3 : 4. 23, I j 2. S-,4. 

5; 6. 22, 4 : 5. 2 : 3. 22 : 23. 2\ : 25. 26:27. 6.7. 

8 : 9. 10 : 11. 178, 14 : 15. 16 : 17. IS : PJ. 

s. 2 sp. b. 178, 20 : 21. 22 : 23. 24 i 25. 26 : 27. 177, 

9 f 10. 11 1 12. 65, U : 15. 16 : 17. 70, 12 i 13. 
14 : 15. 16 : 17. 128, 14 M 5. 18 ; 19. 16 i 17. »i 
2 : 3. 4:5. 66» 13 : 14. 15 : 10. 17 : 18. 19 i 20. 
21 :22. 23:24. 67, 1 Durch wort elti wihierslange gal« 

hiermit abbrechend. 



2 



Bruchstücke emes gewichtes 9on kHnig ^-fffoff ron Nas^ 
sau und seinem fall in der schlaeht bei Goiihfim am 2w Juli 
1298. gänzlich verschieden pon dem gedithtr tivs Hüzclm 
(bei Rauch scr. rer. austr. 2 und Graff Dhit. 3, 314,^,) 
das demselben gegenstunde gewidmet IsL 

Der dichter xeigt sich im kämpfe gpgenwuriig (192. 
290); daher seine lebendige theilnahmr, schie kinge um die 
einzelnen gefallenen (259. 465) und mim^^ttZ/rh um dm kö~ 
nig Adolf (djen vait von R6me 229, den ltma;vre 24(3, 265, 
271) selbst (531 ^.), den die ßirsten dtwh alh gewühlt hat- 
ten (526). wer an seinem tode recht schithi ^i wifi er m'ckt 
sagen (525), auch nicht rechte wer aus der stidüi-ht gtfla^ 
hen (368. 594). 

Dqfs er vom Niederrhein war xeigl die spravhe (ob^ 



ADOLF VON NASSAU* 



ickon $€!irciberß ächtig km ten eine zweite ab&ckrijt termuteti 
i^ßeft) und seine tmischiedene thetinakme ßlr Adolf (52^ 
— ^b^)\ doch ist er mich g'erecht gegen die feinde (2Q7). 
aber tr sagt xQgftt vaa unser stden (323), mmiittdbar urft 
den ktmer war er im aHgenhUcke von dessen falle nicht • 
fhfo ihm Albrecht unter die äugen gestochen und die wild- 
und rmigrafen ihm vollends zum todc ver hülfen hat ihm 
Dietrich von Braubach erzählt (371), aber dos gedieht tnuß 
unmittelbar nach der schlackt gefertigt worden setn^ als 
niuma;re im reiche : er redet Adolfs sokn Robert mit dem 
besten wünsche €tn, als wäre derselbe noch in Albrechts 
oder in des Mainzers gefangenschaft (386). 

Das vielieiekt nickt kurse gedickt ist deshalb durch- 
webt von lebendigen selhstau/gewor/bnen und rasch beant- 
worteten fragen (313. 420, 430) tind scheint überhaupt reich 
an frischen zügen gewesen zu sein, so keifst es z. b. d^ 
noch ein rosenrotker mund sich freue der tapfcrkeit des 
ritters den jener jsum kämpfe getrieben (599, vergL 9. 50. 
105- 569)j ja daß die engel lachen und gott ß'age mn die 
tapfcrkeit Dietrichs vanKimsberg (580/.), bei dem er^sich 
Dietrichs von Bern erinnert (582), wodurch wir berechtigt 
werden bei der bezeichnung des unmittelbar vorhergehenden 
Siegfried von Lindau (von Lindauwe Syverit, de was ein 
enstelicher smit 579) auch an Siegfrieds aufmithnlt in der 
schmiede (ff'^. Grimms heidens, 72 JT.) zudenken, wie nicht 
minder kurz vorher (568 ff^) in de^i warten Markolf von 
Larhcym lach da doit, der sin lierze ney geboil zii valsübe 
noch zu dorperheit eine anspieli/ng an den Markolf im Hede 
zu vermut&n. 

fVas wir über die schlackt bei Gollheim aus den ein- 
zelnen chromken^ Albert von Sirq/Hurg, ÖUokar von 
Homeek (ganz auf Albrechts seile), Elle/i/inrd, Hagen, bis 
auf Günderode, Eichhorn, Menzel^ an einzelheiten wifsen 
hat der jetzige Kölner coadj'utor Johann Geissei als dom- 
capitular zu Speier in der schriß 'die schlackt am Ha^mi- 
buhl und das kimigskreuz ^u Gollheim^ {Speier 1835. 114** 
ß'>) zusammengefaßt i dock war ihm Hir^eHns gedickt in der 
DinUska entgmtgen. unser bruchstück fügt manchen nam 




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ZEITSCHRIFT 
DEUTSCHES ALTERTHÜM 

lIRnAUSGBGBDSN • 



MOKIZ UAUPT. 



^ V"# 



DRITTER BA^Ü. 

Tim 

HILDEBEAHfl) ^ >. , . . - * 

LlBKAPr. . 7- . :• -i :K 



LKIPZIC 

W K I D M A N n'H i; n It IUI tl II II * M II i. |i K tt 




JH. ^q\^0. 




BRUCHSTÜCKE VOM NIEDERHUEIN. 

flffr kömgHck preufsi^he steueruispectür tmd t^ereinscafi- 
iroiieur C. Becker, dermalen in Pqfsmi^ übersendete mir 
unterm %%n Juni 1842 Jbigende v&n bücherembänden abge* 
löste pergamentblätter. 



Em Jbli&blalt, 2 ^atteft, je 45 Zeilen^ somit 180 verse^ 
tmt Freidimk^j aus einer lüteiniscken bibel (Köln^ Quentei, 
1527), Jrüker etgenihum der ubtei Ellen tmweit Cievef ab- 
gelöst* 

anfang Swas g^esündet bat zin leben 

Yd swem er scaden babe getan 
Des habe er io alles ledic gelan 
Swer des p'et der ist bet^gen 
Vn bat deo pabest angelogen 
= Alle aflais liggent da m'^der 
Wan gelt vn gib wi'der 
Dein aflais dutiket loren gilt 
Dem eyn goch dem andern tut 
Die genade esele wol gezi*met 
Das er eines ochsen zünde ni^met 
(M}arbceten vii ander wi^'rte 
-^, Geboren vS hirte 

Vergebend alle zönde da 

Die genate ist niergen anderswa, 

' &ei äi^s^T geleffsTihütt m'öffß bemerkt jiK^rden dtjß bei W^h, Grimm 
*, VI Straräborger papierhaiidaehrift und mitte des ISji jt- g^leten toer-' 
den mti(fi. 

Z. F. D. A. III» I 




'f 



10 ADOLF VON NASSAU. 

Dye kaner e driac a drinck. 

Mit wisen sleyaen swinc a awinok, 

Wye varieh ongen klicke. 

Rode nandeliQ neii zu dicke 105 

Van vures varwe sohine 

Vp ritters heyse pine 

Sünder lachgeiiehe. 

Da geaajrssen alle geliehe 

Rittere vnde vranwen. no 

Nu sal man wunder achauwen. 

Vp stoynt der eydel lijf wol zart, 

De yranwe, di* gevragit wart: 

Si sprach alsas 'eyn vnd^scheii 

Geil mir der massenie sin, 115 

Als ich al hey gelerii bin. 

Ich bin alsns gelerei hey: 

Deynst gerde loyns hey. 

Der ritter haii gedenit vil. 

Ist dat eme genügen wil 129 

Also dat dat eydil wijf 

Eme ir herze deyliV sunder lijf 

Mit sinne vnde mit muyde 

Vnde anders neit dan durch häyde 

Sins liues vnde ir eren, 125 

Wil eme den loyn neit mcren, 

Hey hait wail reohtis lonis zil. 

Vurbas ich nch sprechen wil^ 

Dat sal an siner k&re steyn: 

Si in mach ym anders neit uilgeyn, 130 

Hey in solde he lonia sin gewert 



j.. 



Eyn alder heyden sprach hey vor 
'Quid non sentit amor?' 
Minne ist gar behende. 
Ich wene, alle wende 
Dey minne vmbe luge. 
Zu minnen horit vuge: 
131. 13^. durchschnitten. 



135 



^ 



ADOLF VON NASSAU, 

Sijn vnde bebend icheil 

Of di* zu rechter scbaiizö drmt 

Eyn deil dü^enlhaftis wijf, 

Ir ere vh irs vriiodis lijf| 

Viiuerlnstidi mögen l mü. 

Ich begiedes bi deme eyde min 

Vndc bi der niiniien krönen, 

Si sal vminer deynstes Ionen/ 

Den vorten min vürsprege neic. 

Dye niinne da neil langer sweiCi 

Van gnjlge greue ticrräcrt 

Der volge da gevragit warL 

Vau spajnbeyjn greue Johao 

Mit eme vi*l oiscü dar an, 

Vfi der ritter massenie gar. 

Mit deme reif dye voige dar 

Vil manger vranwen roder mül. 

Min viirsprege nonli da 8tanL 

Den diichle dal vrdeil also reyclil- 

Van gryffensteyn der minne kneyt, 

Dar vrdeil mir heschreuen wart, 

Icli machde mich np mine vart, 

Mine vraawe ich allcyne vanti 

Den breif stimcbte ich in ir liaoU 

Dal ingesegii si besach, 

Dat ouch der warbeide iach. 

Dal drüchde si au eren müol. 

Dar ane eyne gülden slralc stiiiil, 

Eyu belhimt 6p lasure 

Na der minnen euenlüre. 

Si sprach 'siut ich eme dan lonc sol, 

Kiinde ich den loyn dan brenge wal, 

Als ich van herze eme ganl 

Eyu süysser lyf, hey Icyuer man, 



H 



14D 




14EI 



150 



155 



IM 



m 



170 



141. nach 
Spanheim 



138, nach SiJn {= sk) comma. 140, Byn eyiil' 

(Sfttfn/wim) m der PfaU, an das Zweibj-ücltüf^h^ ^t-ünsenä 

157. L kaly^bl 158, /. Dat löO. bh] micH, ak^ comg^t 

Ifil. L smuehte 




i«i' 



f t ADOLF VON NASSAU. 

Wye mach ich dir doch wed^legea? 

Wenich spranc vik hegen 

Kans du Ujf vnde goyt 

Nei ritier ritieriiche droyc 175 

B 1 a 
Dye schar vn dey baneyren 
Begfinden sich r&Ueyren, 
Tamburen slach, basunen schal, 
Dal her sich wegede oner al I80 

Des Ysz zoygens ane wanc. 
Den le(]r)sen man zu velde sanc 
'In gotis namen varen wir.' 
Hey weinde manger, gel&fdes mir, 
Sine Sunden, dan sinen lijf, ig5 

Sine kint vn onch sin schone wijf. .;. 
Avoy euch wechte d' viande her. 
Wi* geinck d(e)s segil in dal mer. 
Also gein(t) dey b(an)eren zu. 
Ey was d(er) and(er) koninck da : 190 

Vp orse h(i*)U hey strides gar. 
Var Jiermlin eyns lewen war 
Nam ich, np kelen dar gesiracht; 
Vn genck des aren adel macht 
Der lewe climmet vn streyuil: 195 

Dat ors dal weigit rn leyuit, 
Schar de erde, beis den z&m. 
Der y&rste sänd* schriches s5m 
Heilt hey behagel vn fier, 

Eynis stolzen herzen solde gier. 200 

IkCt tnriste kan hi* dye sine manen. 
In sine haut nam hey den vanen 
Vn beval in eymc ritter wert. 
Der eren dicke hait gegert. 
Hey sprach *nim, ritter begemuyt, 205 

Minen vane, lijf vn oüch mi gfiyt 

173 — 175. $0. \$%, runde kiammem bejieieknen buehsiabem die im 
der handeekrift ausgebrochen sind. 186. nach kint eomma. 

m. i. Van 194. /. gejn und adelmacht ^m. L soldegier 



^ 



ADOLF VON NASSAU. i» 

Miner eren schHa, mins laodes beit 

Miws . , d - . dr«i)l 

b 

Den heim stiirtzit der vä der. 

Ilcjr waii orsen grois ^etwioc 21ft 

Hyc zft V runde driac a drinCp 

Sich beval €y maych deme ma*re 

'Hie lach vaste % nele wage 

Lijf, gilyt, seie vn cre- 
i ' Ko . . vz ich mcre ' 215 

#A Dal la{is ic)h siu. des was genftch* 

Äwoy eyn ors dort Lerre driJch 

Den man den Icwen vn aren. 

Geiszhelen kiint is vn ham. 

Dar ap was ouch reyche gelimfp. 220 

Hey geynck ouch ernst viir den schimp : 

Id koste me dan eyneo pageti. 

Gayn eyii zoygen vii wagen 

Sacli man baneir van beider syt. '^ 

We hey tusclien neder lyt, 2^^ 

Ich mcynen zu vergaderuugcn 

Vnder orsc samenungen, 

Der melm moys wyere da sin dach, 

Alsüs de vait van Rome sprach ■;* 

'Ciot du wAuderrerej 230 

Beschirme mich sundere! 

Zu viirders hude de ere min« 

Ich laisscn an dinen genade sin, 

Wye is kome vmbe den lijf, 

Byede kint vnde wijf 

Beoeijle ich diner gnde. 

Verli mir eyn gans gemüde 

An gelauen vn an rilter wer 

Ich en vorlc neit der viande her 

Lais niich * . . . d - *^^ 

210. L Hey wat 213. es steht var« \_L cnwägo Upt.^ '^14, nach 
Lgf comma. ^15, KoOae) v. i. m. {_^h^r kom da u^ Üit lucre, ffpt<} 
21Ö. nach Uwea mmma. ^33- L Beyde {hui^^^ nnd Robert) 

339. vorte] vorhte ^40. abgeschnitten. ' 



235 



14 



ADOLF VON NASSAU. 



Vnde van herzen dar geheistit, 

Si erstapet vh ersetzt! t 

Stolzeliche gewerder arm. 

Deme beheym was zom vn härm. 

Want hye dat vnsanfle leit 245 

Dat in der Romer oner reit. 

Wey wi stolzeliche dar 

Dye vlogel erswanc der adel ar 

Ind gayn des lewen clayn hie. 

Wye doynt de orsl da miidet sie; 250 

Si sciiment vn demppent 

Vnde oach sere wrempent 

Sich van mangen wunden, 

Dey k&ninge beyde hayn beslayn. 

Nu mnssent suchten vn clayn 255 

Vnde vlein gode vmb ir lijf 

Alle reyne suysse wijf. 

Dye ors in beyden lagen doit« 

Des iamerde mich ir beyder noit. 

Ir beyder ellent dat was starc. 260 

Vnder in sich eyn lewe barch, 

Der öach geyn deseme lewe vaeht: 

Sulzger kouer&nge macht. 

Halpt up eyn ander kaslelaya 

Deme Romer: da war is gedayn, 265 

Als hey is euch hait gemachil me. 

Ouch duyt mir dat vallen we 

Dat der beheym neder viel: 

Vsz sime yedelen verge wiel 

Eyn vrspruoc heis vn roit. 270 

Do lach d' beheymm* vür dem rom* doit. 
d 

Mine vreude di* moys w*den twert: 
)M; so. 244. der Zawüch, Szuppan von Böhmen, mit 200 reisigw 
(GeUsel s. 29). 250. nach ors und 252. nach Sich comma, 

261. wer führte dies wappenf 263. doch wohl Sulfher {wie 467) 
264. /. Halp 265. nach Romer eomma. war] /. was 

269. yedefen = eydelen, edelen. 271. Do lach d^ stark beseJmitUn, 
272. die über der »eile naehgeiragen, l. twerc. 



\ 



ADOLF VON NASSAU. H 

Ich scyn 011 in diu eydel fert 

y-inlc iö tliuc rcytier wiiride vJos. 

In ianicr bougeti vfi lloU 27Ä 

Miis idi mit^h ymme sieissen 

fif|, VuJe minc ou^eu sich ergeissPD' 

Vp deine orse hej^ wenede vn waa^. 

Van wunden vA is iatner cranc^ l| 

Van der wal wart hey gevitri. 2Ärt 

la luuldc manith swert gerurt, 

•45 Metzer, speis vfi sch(o)s, M 

Dat ors begois de(r) wiiiide vlos , «|( 
Üal id van hlude (doi)t seig, J| 

Van me ttrse hey ücd(e)r ste(jg>, H 285 

Dat hey zu hcrbergeii quafiiJ>* h 

C|^ Dye waypeu iiian vao enie jiftni II 

Bludiüh vfi zu bauwen. .ifw^^tfil 
Dar geyiick man vasle f^chaiiwen f 
Vn dis minc ou^cü nauie war ,|f 290 

Vp golt von zabel eyn adel aF> oiM 
Was geslayn vn gelait i M 

Van nie riebe hi^ dese waype diait|i 
Van arde hi* an deir waypen bait- jj 
Eyu lewe in hoher werde slaiL < 295 

Van kevlc up golt gestain, 
Den hl" vi! dicke bait gedain 
llerzen scliickes lere. \ 

Hye ist eyu rieh biirgare * 

Kenmc Rodulf, dey d* kmie ple^git. 300 

Wisset dal hi'* bait geseigil 
Eyn lewcj eyu rittet vnde eyn ar 

(ii) d , - , . ^ - ■ 

B 2a 
Hey heist wigant van rrancki^u, 
üf Geirlach van klecn: 305 



173. /. r^^rc {s. 269) 275. «ach bnitFcn, %n. navh w&adtni, 

2Ö2. mek speis eomma, 27fl. /. jiuucTcriiiic 20 L /. aiideir 

(ander) S95. in] afp, ük?r a Ut ausgekral^^L 
1U3, 2ÜÖ, /. gesUiQ "2^8- /. seh riet us 

ritlor ciimmula. 303. ttfCffgreJcAfft^un. 



200. kevlc :=:kek 
303. nar/t lewe Uftd 



16 ADOLF VON NASSAU, 

Man sach si ritlerliohe steen. 

Ayn, dak ich in h*xen iaa^ drayn» 

Owi owi wolde ich sayn 

Van eyme hirrS wandeia Tri — - 

In räcke wey der seine si — SlO 

Hey droych in siner werder hatit 

Den ianeyr van byeger lanl. 

Of der baneyr bieue da? 

Ja si sicherliohe ia. 

Si vüyrte eyn ritter in d* hanl, Sl5 

Deme vleyn ist veie vnbekantt 

Dat wissen! s&nder longen. 

Hei dreil noch vnder engen 

(Ich spreche id s&nder smeychen) 

Die rechte Stridens seygen, 320 

IngesegU vnde hantreste. 

Yur wair hey was der beste 

Hye her ran vnser siden. 

Man sach in tH Wale striden, 

Biden vnde balden, 32S 

In groysser eren walden. 

Hedde ich sidpe vd kftnst 

Vnde s&ysser minnen dene gftnst, 

So wolde ich in vyseyren* 

Hei geinc mit deme baneyren 330 

Ey bas vnde bas da drängen, 

Vmbe sinen heim ercl&ngen 

Hortte her vn der swerte, 

Vp der rcychtcr verde 

Want man den eidelen vorlauft 335 



b 
Des alden vnde des wisen. 
Oach m&ys dey werilt prisen 
Den milden vn den reynen. 
Wissent ir, wen ich meynen? 



308. nach Owi eomma, 310. In rucke = lebn nioelie ^11. /. 
Beyerlant 316. vleyn] vergl, 1^56. 321. naek InsesegU eomma. 
331. By =: le 335. /. Vant * abguehnüim. 



ADOLF VOrV IVASSAi;, 

Den^ na der schümferlureii 

So laitge künde du reu 

Stende in ritterlicher wer. 

Eyn grois conreide^ c) n mkhti her 

Begunde iatgay^tt eyn hrocben. 

Sin swert dat was zn brachen« 

Als sin ritter art in heis, 

Den heim hey up dat hoyA steis, 
^* Siii ellent ouch zu weuich sleif: 

Mit deme metzc hey si ane leif 
AI hurten in der viande schar, 

Wyc driiiigc si lu her vu dar! 

Si driingen in mit groisser nait 

Dat hey de hant loris strecke hoit, 

An ganzen eren vmbe drogen^ 

Der Slam van katzeuellcubogen, 

Eyuerart de suysse grene: 

In geinis valscbes heue 

In sjmc herzen ney geveii. 

Dem konincge da des rieb es crane (veil), 

Do hey van sime raydc scheit. 

Hey sloicb in doitj de eme dal reit. 

Swicb, minne, swich a swich 

Va deme selae stamme ein blü(des zwieh) 

Ich meyne des greue broder d** • . . 

Na sime arde künde hey d . . , 

Hey deyde so rillerliche w(er) 

Dal viir emc weich der v(iandc her) 



i - . j . e . reycbter zyt van ym sleich^ 
(D)at is mir herzelicbe leil, 
(Vnd)e van erae iluchlich reit: 
(D)al hait van brilbacb deydericb 



17 
U9 



345 



sao 



355 



360 



365 



370 



310. Den == Ben der 3*8, melze] vergi. melier J8^. 353. L 

ttrobedrofea 355. über Eberhard von iCatzefieUenbogpn s. Geüsül 

#. 6Ö, 3. 103, 35». 371. Braubach (Brcitbach) im ker-^o^thum Na^- 
Mau^ am Rhmn an der granxe der graf schuf i Hatsenetlenbogon. G*r- 
iaeh vm Breubaeh viat Adorfs sengmeUter. 

Z. F. D, A. III. 2 




» 



AFIOfi? VON NASSAU* 



4 (Al^io walc lii^scfhftjfii mich* 

(Va)i] sehoiii«*rke miii \Crt kfinraii 

Dpr fliirltte icaf ia ^cyue raii, 

(W)aiil cmc brrzvUcrHc was» Ifit 37 Ö 

(0)al ef tr fcein dauoc» reit. *;« 
» Awi^ dfÄ arffl arcD barn 

Vil rittcriiehcii kvnm varn, 

{Na> der rillcrftdiefU! vcsle nr zoiiisk, 

(Na) jtime artl« vaibc Iromtli S$ff 

(Alj5 des adcl arcti kial 
9« (Gey)n der siifiiien sduoe wentch btiiiU 

* (So) kai) dey reycltte dar iti uol stant. 

, . n sach in swiiEiaie vn vam, 

(Uot) licy mtist stn d' weHiL werLs m 

(Dps k)onmcges kinl i^reije ito|>rrrt 
^ fV3)ti dir m dar ich ncil sprcrlir mr, 

(Wao) icii wuosgrn dal id dir ep(;e 

(Wey) ich mir selue gunit 

(Vn i)ch waie wtitisgeii kiindc. 3MI 

(8c)bauwe, minue, sidiaiiwo: 

(UaLJ ktut van nassauwe 

(8ai)eh man in den vinnden wayn t 

(Du) eme de mcrc borte sayn 

(Dal) der koriinc wcrc doit, 3i05 

(Den he Jim hey zu me hoifde ball; 

'(Vnde) is min birrc doit gelinge, 

(So will)c ich dnn leydes pli'^ent 

sint bliuen hey/ 

d 

Ja her, sichediche. ioO 

Min hirre Johan ritlerlkhc 

KiiDde sine war dar bnj;en, 

Bis dat hey wart geuangen. .^» 

Alreirst sach man stride 

Van der ander sidciu 405 

Das . . t van wenste vasle geinc, 

373* Sßkoneük im Tf^ersv/tBit, in der RifiL 37R /, künde T 

386. /. Rupert 39D- k-ydes dfirühtnehett tmä Utetfefhqft. 

390. ab^ertfteit und beseäutit^n. 406. Dis . . t ^Hosehm. 



i 




I 



b 



ADOLF VON NASSAU, 

Man sloch, man stadi, man reync 

Wal üQch da der viüiide was, 

De geuangen man up taste las. 

Wc wie ritterliche lii*lt 

Eyii nLter, ie des vaneu wi'U. 

Ich oeymcn dat up niincR eit, 

Lege euer se dey erisleohcit 

latgaiü der heidenheit geschart. 

Des döufes vane wei-e bewart 

An deme r(itler), de müdes rieh 

Lies ouer ore eit dringe sich- 

Ncyfi sia vorder driitti, siu stolzer hurt 

Magdc in de viande inange fürt- 

WqU ir wissen, wc dat w^ere? 

!d was der randeckere 

Deyderich^ gehorft van riUer art. 

Den vanen up die reychte vart 

Künde richten vh wisen: 

Also dat nuisseu prisen, 

Sinen ellcuthaflen lijf 

Ritter vnde giiijde wijf. 

ßi deme vane gelichis scheyD 

De baneyre van eppensleyn. 

Hait ir ere wol ^ehandcl sin? 

Dat dunkit mich wal mogelicJi. 

Sin swcrt flaHUiieret au sin haut, 
Als id van viire were verbrant 
Der viande saaieuünge 
Leyt sine vergaderünge 



i 
i 



1/ 

I 



1% 



410 



41d 



420 



42§ 



430 



435 



407. nmh sl&ch und naeh stach t^^mmafü. il6. An kleiner . - . , 
de 417. eit. =: ibt, üibt 421. Rand^^k an der Alimuht 

423- Ik. = De d.. 4^9^ vergL Biul. 3, 33K ^om ^^^^'^^^ 

Eppen^fi'üi war Gerhard, der eri^bischof von Mam^, '^'* ^ '^^^ ^^ 
gani,e wendufig der vf^rhällnisse mrsthuidet hatte, ^^ .^'^v'J^I^^^^^ 
AduiJ'j meinem na^ou verwaTtdfen, früher durch aUa ""^^^^.^^J" ^ 
ilberraichmg ^ur wähl verhufftfi, jtlst mäer ihn ^'''^'^„^J^ hatte 
s.Ut und mu .einen ^e^ner Mt^reeht von O^ierrc.^^^^^^ 
430. müh ere t^mnma. L gehandelt sjch 431^ ** e 
43J- durchichmiien. ^i,. 







ADOLF VON NASSAU; 

Vnnuiyiiiteii rittcrlirlie 

Uli 6fiier hurte riebe, *u 

"Vlftre, here, wmr a warl 

Vi der ;trid' siden vur du sritar 

l{f o riUcr ouch mit sporin Klfiieti : 44t 

tch mpynrn^ «If di'ii .tiik^^r dmiib. 

Bin ors ho md« »UiUt 

Quam noch snctJer d^Fiu cyii Wz 

Abo mil spomi dnt gemeint. 

We vtyt gefuslet vä |;edrtDL 44S 

Z&nl in silier hutit dat fiw<*fl. 

Hef qaam Ah liey der vinnde g^tt. 

We td wolde mirkeii, 

8 in itwert gcin^k wol dar w^k^^n« 

lliiuwcfi vndc »cUinimeti, ißß 

Oanstren %ndc gelimmen, , ^'tMis*^^^ w*"-!^ 

Wunden vfi screo. 

Van ritleren liue ftrtn 

Ir werde lüde .spene. 

Ob hei dat wail id bene 45$ 

Mit sime stolzen hurte? 

Ja in der viande ftiric 

Gein hey der broste 

Vn rosten vnde vntroslen, 

Wen hey gayu im sach ridcn. 410 

Wisset dat sin strlden 

Vnd oucU sine ritterliche dait 

Den vianden velc geschadit hait* 

Van siner dait sade ich nch me, 

Want dat mir iainer deit so we: 4§s 

Jamer krenkil mir den sio, 

Als ich gedenckc reychte an in» 

Her kfindc siilghcr werren pleyn, 

Were hey doit da ncit gcleyn, 

Her were nümer worden quijt 4M 

Der eren van beyder sijt. 

436. Vnmaysf^n] y über der ^ei'ie nachgEtragen. 4i!. weleh«^ rü^ 

ters Wappen? 454. 455. no. iU. L Cetoc — bresten 

459* Vq roÄien] gemeint üt wohl anrusteD, nicht uöraatea, mtrest^it. 



ADilLF VOJS NASSAU. 

KflUinck adolf vojt den aioeii ot 

Stich stach va a va. 

Dat wcfder was vnmayse hcys 



^ 



Ob mannit wieder drungful 

Ja a koueruüge 

Brachte ej^n weder dringen. 

Man horte swert erditigiii 

Vfi sach dye koniocge strideo, *h 

ßcy zagen daiioe rideu. «4 

Wye mir mit vragen komit hi,' • «»«^ 

Wey geriten danne sil 

Gein deme in halde ich geyne baichs td 

Ich weis dat in gcyn min maich 

Noch gein minre hirre danne reit. 

Were dat gescheit, dat wVe mir leil. 

Koninck adolf vnüersunne dranc. 

Als eyn man de na dem dode ranO!^ 

Hey süctilc den van oistenrich» ' 

Van dem hey zu hant kirde sieb. 

Mir ^äde eyn ritter, de id sach, 

Dat hei in vnder ougen slaeh. 

Hey sach intgayn eme dringen 

Zwen brucfee vn Unningcn >/. syn*^. 



2t 



475 



480 



-M85 



490 



495 




475, iU. darchschnfiten, 477—479, lo. [481- L koniuzzküeiieB HpL] 
485. kiirh] d. t\ h-dc (: mÄc) 49 t* oUtcnriche, aber das zweite e ausge- 
kral^i. 492. hey über der zeiie naehgeh^ag&n. 494. vergL 315* 
496. Zweibrürken imd Leiningen {im fVesierrich) hieitfin %u ^fbreeht 
{Gtissel s. 2Ö. 3t. Dint. 3, 321). i}ber den ratfhgrqfen (oomes birsultts) 
ad^r die ran/igr({fen, den comes de Gemino poiite (496), den comes 
Silveslei- oder qaidam miles *. die. sielten bei Geissal #. 19t ^, der 
grttf voit Zweibrüf-fion ertrank baid darutif in der Bliexj d&r graf mn 
Leiningen wirrdt^ wabnit innig j der wildgraf wurde von meinen ei- 
genen Ißttten umgebraehtf der erzbixehqf VQn Hainz ßel bei tische 
ptötzliGh todt ans seinem sefsel {Gei$sei s. 109). dies altes, was diB 
seif^ und aiteh noch Himif^tbofejtj ah slraf« ansah ^ fta'lte unser dich' 
ter in seiner kiage aueh erwähnt, wenn es schon geschehen g^weitn 
a^äre, er dichtete also wotil immittelbar nach der schlackt. 




« ADOLF VON NASSAU. 

Vn 4ey iNuleyr van veldenze. 

Of sich dat spil eil schenze? 

Sich »chenzii leider vn dat spil: 

Ruch vnde wildegreaen vil, 500 

In der konreide hey sin slois. 

Sin hoyft was des helmes blois. 

Als hey den r&wen gege sacb, 

'Her min ors' vn sprach 

Ich seyn hey den reychten stayn, 505 

De solen vnder sin gedayn: 

Alher wir willen sacken sie.' 

'Ja man vindit vns alhie' 

Sprach de ru Georgias: 

'Dem dinge is rechte nfi al das 510 

Wir nä komen ap dat velt. 

Ir vindit hey stridis wider gelt 

Van vnser massenie. 

Dye swache vadie, 

Den Wirt van uch han geleden, 515 

Des in wirt vr vcrt hy neit vermeden. 

Bintfleiz vnde gudemare 

Dar vuirre is vns vmmere, 

Wat vns den schaden han gedain 

(ü) . . . hain 520 

c 

(ein bro)chen. 

(E)me>wart dat ors gestochen 

(0)wi der jemerlicher noit. 

(D)er werde koninc de lach doit. 

(W)en sal ich des geyuen scholt? 525 

(D)ye vürsteh hatten eme gebult, 

(B)eyde gemannit vn gesworen, 

(6)emeyne hatten si in gerkoren 

497. FhldetiM attf dem Hundsrüek, %wifohen Trier und der grt^f$eiu{ft 
Spanheim. vergL Diut. 3, 3:^1. . 499. vn] /. iv 681. so^ 

603. l. de 506. /. de 509. vergL Diut. 3, 3!^ Der rÄckgrAve 

voo Stolaenberfl loTpi aod der von Lielitenbero Der edele werde Jo- 
fc«n. 616. /. wir 6m la%\. fiut gan» wegg^ehmtUn. 

521. (ein br)MUa] vergL 344. 



I 



.v.J 



i 



ADOLF VON NASSAU; 

( Vjfi in weis iieU> wey sin rej^ui^ icyue 

. . ai ist an dui re gegeyuen. 

fl)ch miiys den rlnen koninc ckgen, 

(W)aat an eme wart ersUgon 

(E)y]i crist«n koninck, ein greue wcrt^ 

(Ey)n ritier koiißj tle si» swerl 

(In) wiues deya^tc dicke erzoycb. 

S(iii) eydil licrze was so lioycli 

<Ua)(, uey geyzi« vndait drin ioqtiani. 

(Iv'h) wiile deymc dage weysen gram 

(Dal i)n d^y suiine ey bescüein, 

(Dil e)ni€ begangen wart de meyn. 

(Ow)acb dat b^y des tieit in genoys 

(Dii)t in den crisinis üos begoys 

{\)fi de kröne wart sin boifdis dacbJ 

{V)an des rade dat geschach 

(D)at bey siis is doli gel ey gen, 

(D)e in küode neit giider wilze pleygeii 

(0) koninc adoif, bo gebore bluit, 

(I)n der rainne zwyge schone id bliiit, 

(D)ü brelil^illerschcftfi Oiiicb; 

(R)ilters eilent, wiues schüch 

(V)au dimc reyme Uue scbeyn, 

(Bi) namen du were ye der eyn, *• 

(D)e rilters orden reychtc dcyde. 

(G)ot durch siner oitider beyde 

(D}ine eydel aelc wiue 

(Z)n dcme vroncn paradlsel 

(Kjiinde ich vür iamer sage nie, 

(Sjo sade ich wye id den seinen ge^ 

. . . de bi eme ledcu noit, 

fW^Jey dri iiiinge hirrc läge doit, 

(V)an den ich nu zeirst siirach. 

(O)weincr vnde owach, 

(D)at ich ir eynis hayn gedacbti 

(D}at halt mir mWen iamer bracht* 



5dO 



53Ö. (D)at U hl 
üHdß weggeschnitten. 



555, /. wUe 550, (Den) de? 564. am 




n 




y]l^ 



U ADOLF ym NASSAU. 

d 
Eyo iuBC arme man doit da liget, 565 

Des iugeDt brachte gude werc 
Wilhelm van bronen berch: 
Markolf von larbeym lach da doH, 
Der sin herze ney geboit 
Zu valsche noch zä dorperheit. 570 

Ir sult wissen dat hey steil 
Reychte als eyn ritter solde: 
De lach doit up der molde. 
Dey andren, dey da leyfden, 
In groysser noit si streyfden 575 

Vn schreyden durch d* viande dor, 
Nassauwen, yuilen, läres borg, J. 2ij. 
Vn lyndauwe syuerit 
De was ein enstelicher smit ; 
Van kirensb&i^ deyderichi 580 

Deme andren deyderich gelieh 
Dye van berne was genant: 
Sin swert dat geinc an siner hant, 
I ?at got se lafijyrach de mere 
We der ritter were ; 585 

Dey engele musten lachen^ 
Dat hey is sus künde machen: 
Van rijoberg her Johan 
Stoynt reychte als eyn man, 
De sich der viande künde neyren ; 590 

Eyne sicherhi*t must in doch neyren: 
Noch dan stoynt hey zo bile 
Vur in eyne lange mile. 
Pbia phia phie! 

Si nennent in der vrie. 595 

Van wirtbach herman 
De viande geinc alunen an 

567. Kronberg in der JFetterauf 571. /. alrdt 576. /. durch 

de viaade dorg 577. schwerlich Laurenzhurg im Aaehen$ehen, viel- 
mehr l^aurenb'urg dessen grqfen von 1160 an den namen Nassau führ- 
ten {Geissei s. 69). 578. /. Vfi van L. oder Van L. 579. /. cn- 
gestiicher 588. Rheinberg im Clevisehen. 597. aldnen Parz. 



i' 



i^ 



ADOLF VON NASSAU. 25 

Als eyn riltcr hey ouch stunt. 

Des lachet noch eynrod^ munt, 

Des grasse leche dar zu dwanc 600 

Dat sin swert so lüde erclanc. 

Van mayle er Conräit 

Sine ere wail bewart halt. 

Dat wissent sicherliche, 

Hey streyt gar ritterliche 605 

Dey bi eime war waren, 

Kunden so gebaren 



337, tQ. Ufr. Trüt, ^489. 608. abgeschnitten. 



SECHZIG RÄTHSEL UND FRAGEN. 

Versinnlichnng des geistigen, yergeistignng des sinnlichen, 
personificierong des unpersönlichen, verschönende erhebung 
dessen was alltäglich vor uns liegt, alles das gehört zum 
Wesen des rätbsels, wie es zum wesen und zu den mitteln 
der poesie gehört ; und so möchte kaum ein volk sein das 
poesie besäCse und keine freude an rathseln. aber vor allen 
zeigt sich die deutsche poesie, die ältere wenigstens, ganz 
durchdrungen von einem zuge nach räthselhafter anschauung 
und rede, die Utterarhistoriker zwar nehmen keine notiz da- 
von : Gervinus in seinem gi'ofsen vielbändigen werke berührt 
diese seite mit keinem wort; und doch haben wir in zwei 
gedichlen, die wahrlich nicht unbesprocfaen sind, augenfällige 
ausläufer jenes zuges, im Traugemundesliede^ den volksmä- 
fsigen, im kriege auf der Wartburg den gelehrt -meistersän- 
gerischen ; mid doch streift das räthsel dem inhalte wie der 
form nach an das li^enmärchen (der Tannhäuser vdH. 2, 97^ 
mischt lögen und räthsel neckend untereinander), das Sprich- 
wort (vergl. unten 52), die priamel (31), die gnomische poe- 
sie überhaupt (vergl. 4. 5. 47. 53. 55. 56 und die räthsel bei 

• Jae. Grimm altd. wäld. 2, 8 ff. schreibt Tragemunt, wie im Orendel 
steht, die handschrift Trovgetnunt, bei einem entstellten, fremdworte 
wie dieses ist (mittellat. dragunutnut drogamundus dolmetscher, ei> 
^Btlioh Tiirko|B«ie). sckeiat mehr als eiae form zuVikig. 



j:^ 






J AkösGÄ«^ 



•^^ yuy^<, 9<m/tffrfH^m^ rm^w^^ /imy \ ft^^ 



26 



RÄTHSEL UND FRAGEN. 






Rcinmar von Zweier vdH. 2, 187*. 192^ 21f. 217^ 221*); 
and doch giebt es nithsel die man ebenso wohl märchen nen- 
nen könnte (58), und in märcben sagen and altertfafimlichen 
rechtsgebräuchen unseres Volkes wiederholen sich fragen 
nnd befehle and bestimmangen von absiehilich räthselhafter 
Schwierigkeit and anverständlichkeit (3. 50. 59. rechtsal- 
terth. 255. 257 ff.). 

Ich wünschte das interesse welches diesem nach die räth- 
sei verdienen durch nachfolgende auswahl von neuem anza- 
regen, sie beruht auf einer alten Sammlung in kleinoctav 
öder sedez, die unbetitelt und undatiert, aber, soviel aus der 
Schrift zu entnehmen, anfangs des 16n Jahrhunderts zu Aug - 
burg bei Hans Froschauer gedruckt ist. dahin weisen auch 
die sprachlichen eigenthümUchkeiten ; nur derratm 21 für 
erraten ist mehr bairischer und fränkischer art. wie sich 
dies rathbüchlein zu dem von Görres volksb. s. 175 angeführ- 
ten verhalte, ob vielleicht nur als das ältere original, kann 
ich, da jener neuere druck mir abgeht, nicht bestimmen ; von 
dem Stnüsburger räthselbuche das Panzer verzeichnet (zu* 
Sätze zu den annalen s. 25) ist es verschieden. 

Eine auswahl also : sechzig von mehreren hnnderten, so- 
viel eben nöthig schien um das ganze farbenspiel dieser dich- 
tongsart, den leichtsinn neben dem ernst, die ungescheute 
derbheit neben der zartesten Zierlichkeit, zu characterisieren ^ 
was minder bezeichnend, so wie manches das jetzt noch gäng 
und gäbe ist, habe ich übergangen : so die allbekannten lüth- 
sei f^ier bain erwüscht am batn; Es flog ein vogel feder* 
lo/s; fVas hat sein bäsem vol stein. 

Von einer art räthsel, deren mir aus früheren jahrhun- 
tlerten keine bekannt sind, zeigen sich in diesem rathbüoh* 
lein die ersten und gleich auch reichliche spuren: es sind 
(der unterschied geht ziemlich sicher durch) die nicht mit 
Raty sondern Ein frag eingeleiteten, hier ist weniger poe- 
tisches; auch die reimform mangelt: die hauptsache ist ein 
ne<;|Lender witz, mitunter auch ein Wortspiel, und die au^ 
lösung ist mehr durch conventioneile willkür bedingt, nicht 
wie bei den eigentlichen rätbseln die nothwendige summe 
all der poetisch umschreibenden einzelheiten oder der natür- 
liche träger des angegebenen merkmals. der^eicben fragen 



RATBSELUND FRACOSN. 27 

also finden sich hier zuerst ; a^h jetzt noch sind sie allbe- 
liebt; für das 17e Jahrhundert bezedgt sie Paul Fleming 
(poel. wäld. 4s buch) als ein geläufiges unterbaltungsmittel, 

der giebet rätzel auff, worein wöl alles geht; 

was lieget, wenn wir stehn^ und wenn wir liegen, steht; 

warimm man käse schabt (29). was eine bunte ziege 

wol habe vor ein feil, vor was die elster fliege. 

was doch wol dieses sey, das nickt hat haut, nicht haar, 

und wenn es kömmt zur weit, so brummt es wie ein bahr. 

wariimm derjuchs nicht fleugt, was zwischen beinen wachset, 

und was der schnacken mehr, 
1 Radt. Es ist von oben herab kommen, hat vil leydens 
an sich genommen, von hitz kelt vnd besehneyden. noch 
vil mer m&fst es leyden. hat nit lang do heim gesogen , 
in die frembt ward es gezogen, mit fich vnd leüten ^o 
es het. sein leger warn nit linde bet. lust noch freüd es 
nie begert. xxx.. pfenningwas es wert, verkaufil gefan- 

. gen gebunden ward es hat geschlagen gezogen gefurt 
manch fart. ein kreütz gemacht daran gespert. nyemant 
wart funden der do wert, sein seydt verwundt vnd ander 
glider. nindert geschondt hoch oder nider. daraufs flofsen 
heilsam brunnen. in der finster gantz on sunnen. eim 
yeden menschen zu gut. der sich darzu schicken thut. 
Ant Ein weinfafs das kompt vom bäum herab leyt hitz 
so es gebrut wirt in haissem wasser. vnnd auch kelt zu 
seiner zeyt. vnd von dem pinder geschniten. Es saugt 
oder facht den wein nit [ang an eim ort. sunder wirt ge- 
furt vnnd gezogen in die frembdt von pferden vnd fur- 
leuten. sein leger ist hart, ein klein fafs gilt xxjl, pfen- 
ning. wirt gefangen so es die raiff hat. gepunden ge- 
schlagen gezogen gef&rt hin und her. das kreütz auff dem 
legner mit schliessen gespert. Die wunden ist der spunt 
vnd die zapffen löcher, daraufs -fleust der wein, eim ye- 
den zu nutz der in praucht. in der finster gantz on sun- 
nen« das ist in dem keller. 
2 Rat. Ich sach drey starcher waren fast grofs. ir arbayt 

1. die versleichung Christi mit dem weinsloeke (s. leeeb. 1, 975), leickfc-^ /. rf^// 
diftiiis omgekehrt. eine älmliehe persooifieatioii des weiaes bei Nicol. -^ ^t^./t^. 
MaMel, lesek. 3, 1, )M9. ^ 



m 



28 



RÄTHSBL UND FRAGEN. 



jn^l^.r,3i/ 



was on Tnderiofs. der ein sprach, ich wdt das nacht 
wer der ander des tages ich beger der drit es sey nacht 
oder tag kein r&w ich nimmer haben mag. Ant. diie 
Son der Mon vnd der WindL 

Es was einer bescheiden zä kommen wann die haaren zu 
ein worden geen. vnd die ynrawigen still steen. vnnd 
wann die nassen tmcken werden, vnd die leät vergessen 
ir geberden, vnd so auch das leicht das schwer hebt, 
vnd das todt das lebendig vergrebt. Ant. Die bauren so 
man die tisch zu samen legt die vnr&wigen sein die thfir 
zu gethon. das nafs sein die trinck geschir. vergessen 
der geberden, das ist im schlaff, das leicht sein die fe- 
dern im bet. das schwer die menschen daranff ligen. das 
todt ist die eschen, das lebendig ist das feüer. 
4 Rat ein nagel hell ein eysen. ein eysen ain pferdt. ain 
man ain schlofs. ain schlofs ain landt. 
ifrV* #-*i*-^' ^ ^ ^*" ^^^ **"° ^®^* vngeferlich drey jar. drey zäun ein 
hundt. drey hundt ein pferdt. drey pferdt ein menschen, 
drey menschen ein sehne ganfs. drey sehne genfs ein 
hirschen. ~ 

6 Ein frag, wie vil vnser bergot thnchs zu einem par 
hosen bederff. so der hymel als die heilig geschrifll sagt 
sein stul. vnd das erdtrich sein fursschemel ist. Ant. 
ein eilen thuchs ist genug [einem armen menschen^ dann 
Christus spricht was ir einem aufs den minsten der mei« 
nen thut das habt ir mir gethon. 

7 Ein frag, welchs das gröst wunder werck gottes sey, 

4. vergl. Freidank 79, 19. Reinm. v. Zw. vdH. 2, 21%^. 

5. kein räthsei, sondern biols wegen der formellen ähnliehkeit mit dem 
vorigen auch in das biichlein aufgenommen, die vier ersten stufen 
schon in einem spmche Reinmars y. Zw. vdH. 2, 210*, eine weitere 
ausfiibrnng im liederb. der Hätzlerinn s. lxix ; vergl. J. Grimm Reinh. 
8. IV. Geilers * über den neunten zäun' (rechUalterth. s. 216) bedeutet 
also 'über 27 Jahre.' 6. als aotor einer ähnlichen deutung und 

(f^j A^,^jy.^i^wendnne der beiden biblischen stellen nennt Joh. Pauli ach. und 

ernst 282 (Frankf. 1550) einen schwäbischen bauem, Hans Werner von 

':'ZM Villingen, vergl. Berlhold^s. 302 fragen wir einen Juden wä got »i 

^ und waz er tuo, so spriehet er 'er^izet ü£_dem himel, und» g^nt im, 

4^ iL ^"^h^- ^^!L^^^V^M^J^die_jt^n.* ow^, lieber got, s6 müestest du %w6 

lange hoeen hän, nach der rede. 7. Quid est nutius miroMe 



l 



v 

4 



RÄTHSEL UND FRAGEN. 29 

Ant. das er so vil menschen geschaffen hat. doch kains 
dem andern gleich ist. 

8 Ein firag. welches die edelsten vnd achtbarsten heiHgen 
sein. Ant* sandt Martin vnd sant Jörg die reitten. müs- 
sen die ander zu fnfs geen. 

9 Ein frag. Welchs der geringst oder der leychst heylig 
sey. Antwort, sandt Quinten, der geen. iüj. aoff ein lot. 

10 Ein frag. Welcher heilig der gröst füller sey. Ant. 
Johannes euangelista. dann so einer so wol getruncken 
het. das im die zung sein bein vnd ander gelider ver- 
sagten. Dannocht mufs er sant Johanne^ segendrincken. 

11 Ein frag. Was in der kirchen nach dem Kyrieleyson 
gebett vnd gesungen wirt. Antwnrt. Das Christeleyson. 

12 Ein frag. Wo für die bauren vnsern hergot am maisten bitr 
ten. Antwurt. Für die Reysigen pferdt. dann wo die selbigen 
abgiengen. wurden die edeleät die bauren mit sporn reyten. v 

13 Item so einer., xxx. meil zu einem guten freündt het vnd 
solt in zwayen stunden oder dreyen das sy beyd ir hend 
aufs eim wasser weschen. vnd die selbigen an eiiaier ma- 
teri trücknen. Ist die frag wie das geschehen müg. Ant. 
des morgens in dem taw zu weschen vnnd in dem windt 
zu triicknen. 

14 Rat was übergint das wasser vnd trinckt nit. Ant. ein 
kuscheU,. ^ 

15 Rat. Welchs sein die fünff köstlichen vnd besten wasser. 
Ant. der taidf. das weychwasser. das wasser so man für 
die sündt weynt. wasser der weynenden kindt so man 
sy straflfk. vnd das wasser so die mfiln treybt. 

16 Ein frag, welcher stein am maisten im Rein sein. Ant. 
Der nassen. 

17 Ein frag. Welcher dreck ain land schad sey. Ant. den 
die kä in das wasser fallen lafst der kann das erdtreich 
nit düngen oder bessern. 

18 Ein frag. Welches das meisterlich vnd kunstreich thier 
sey. Antwurt. ein saw. so die ein alten dreck ifst macht 
sy einen jungen daraufs. 

quod deuM unquam in parva rt fecerit? 'divertitas et exeetleniia /«• 
eieruni' legende vom h. Andreas, altd. wäld. %, 29. 
10. Jobattnes minne, Joh. segen, s. mythol. s. 37. 



ao 



RATBSBL UND FRAGEN. 






. ^^ 19 Radt ritt er. Zehen vftgel gat. Der «irst ynder den hat 
'^T } */ ' ' /• kam mut. Der ander hat kain magen. Der drit mangelt 
. des kragen. Der vierd hat kein zung Der fun£Ft seü^ 
sein iung. Dem sechsten gebrist auch sein gail. Der sf- 
bendt singt über sy all. Der acht veriinndt die künfftig 
zeit. Der neündt fleugt vor all ander weyt. vnd der ze- 
hent ist so weyfs. das er ifst drey ierige speyfs. Ant. 
Der erst die thürtel thaub nach abgang irs gemagels. 
Der ander ein habich oder keützlein. Der drit ein bien. 
Der vierd ein storck. Der fiinfft ein fledermaurs. Der sechst 
ein eyl. Der sibendt ein nachtgal. Der acht ein ban. Der 
neündt ein schwalb. Der x. ein krametfogel ifst wechaltem. 

20 Rat. Ein vogel in der lüfft schwebt seins gleichen auflT 
erdt nit lebt, sein flügel sein in der hitz gewachfsen. 
wann in hungert irst er syben ochrsen. Ant. Der hm 
auff der kirchen. seins gleichen hat kein leben, sein flu- 

^ gel sind im fear gemacht, er hat nymmer hnnger. 

21 Rat. Es stat in dem taw als ain schöne iunckfraw. ist 
weifs als der sehne, vnd grün als der klee. darzu schwartz 
als der koll. seindt ir weyfs ir der rats wol. Antwurt. ain 
specht der badt sich im taw vnnd hat die obgestimpt Curben. 

22 Es nist auff den decbern hat lang rot bain. weyfs grofs 
flügel. ain gelen Schnabel vnd legt eyer. Antw. ain stArckin. 

23 Ein.fiag. Warnmb der bering an der Stangen hang. Ant. 
vmb den grat. 

24 Ein frag, welchs das best an den fischen zu essen sey. 
Ant. Salmeus infederis rupis hechtilisque in leberis. Car- 
peus in zünglis ifs alius im mittel drommis. Stockfisch in 
blasiis krepsius in schwantzis barba meülein lecker bifs. 

25 Ein frag. 'Ob der bundt am schwantz hang oder der 
schwantz am bund. Ant. bebstu den hundt bey dem 
schwantz übersieh so hangt der hundt am schwantz. hebst 
aber den kopff übersieh so hangt der schwantz am hundt. 

' 19. wörtlich wie das schwed. räthiel altd. wäld. 2, 11, nur dar« der zweite 

vogel dort der kibitz ist, während im Trangemiindslied iv der swarbe 
(scharbe, taucher?) keinen magen hat. 20. in hexameter umgeforint 
von Joh. Gildas, dem Grammatiker, leseb. 2, 163. 21. im Trauge- 

mundeslied xii von der elfter. 24. also macaronische ^rodie der 

schola Salernitana nocb^vor Joh. Fisehart: geseh. d. hexam. T. 26f! 



RATH8EL UND FRAGEN. Sl 

26 Ein frag. Welchs thier aim woIfP am aller gleiehslen sey. 
Antwurt. die wölfBn. 

27 Es schickt ain rilter über rein, seiner liebsten frawen 
sein, galten wein on glafs. vnnd alle andere trinnckfafs 
rat warjnn der wein was. Ant. er schickt ir traoben 
darjnn het sy den wein. 

28 Rat es stat hoch ob dem haufs. hat grfifs als ein maufs. 
ist weyfs wie der sehne vnd braun wie der klee. auch 
grien wie das grafs. sag gutter fründt was ist das. Ant, 
ain Baum nurs. 

29 Warumb beschneydt man den käfs. Das er nit federn 
hat das man in beropffen kan. 

30 Ein frag. Wann ein mensch in ein würtzkram oder ga- 
den gel. Was am ersten riech. Antwurt. Des selbigen 
menschen nafs. 

31 Item. Welchs ist ein wald on laub. ein strafs on staub, 
ein haufs on rauch ein volck on gauch. ein land en dieb. 
ein geselschaffit on lieb. Antwurt. Der wald ist ein thann 
wald. Die strafs ist ein schiffreich wasser. Das haufs ist 
das paradeyfs. Das volck ist Enoch und Helias. Das 
land OH dieb ist der himel. Die geselschafft on lieb, seia 
die in der hellen. 

32 Ein frag. Wie ofift einer sein hart geschoren hab. Ant« 
Ein mal das ist zu dem ersten mal das was der hart, 
darnach seins als stümpff. 

33 Ein frag, so einer in aim guten bet leg was er am mai- 
sten begert. Ant. das das bet geöffnet wer ynd er aufs^ 
auff dem bet leg. 

34 Rat. Was geet über wasser und netzt sich nit. Ant» 
die Sunn. 

35 Rat. wann man es h6rt so erschrickt man vnd hfirts nit 
gem. hats dochr ye lenger ye lieber. Ant. ain pferds ey- 
sen so das ein reytter anff dem felde hört klappern das 

31. abweichend das räthseUied in Büschings wöchentl. nachr. 1, 68^ 
'Die milchstrars am himmel ist ohne staub, Der fichtenwald ist ohne 
laub.' übrigens ist dies räthsel in der ganzen abfafsnng nnd in ein« 
zelheiten ein widerklang der priamel j4iH Junge maid on Heb in 
Weckherlins beitr. s. 59. 



1*1 



32 RATHSBL UND FRAGEN. 

es abfidlen wil erschrickt er. md so ers lenger hArt so 
er mer faoift das selbig in die herberg zä bringen. 

36 Ein frag, wanimb ain messer ain messer hails. Ant. das 
es ein beftt hat. dann on das selbig hieb es ain lomel 
vnd nit ain messer. 

37. Rat. Was ist das. ain lebendiger anff ainem todten safs. 
vnnd als der todt lachen thet starb der lebe »d ig nufiT dc^r 
stett. Ant. der todt ist ain klumpen schmaltz io atoeui 
tjrgel* der lebendig ist ain brinnender wicht oder dacht. 

38 Ein frag. Welchs das getreust thier sey. Ant. ain laafs 
die 16fst sich mit eim hencken bleibt bey im h\h in todt* 

39 Item zu fragen, welcher vnder aim roUer vmi tiem liencker 
der frumst sey. Antwurt. derhencker. vr&arli, der selbig 
fürt das leicht böfs volck aufs der stat von den leiitteo. 
so füret sy der roUer hinein. 

40 Ein frag. Welchs den frawen das nutzst vnd best ha&l- 
werck sey. Ant. die waffen schmidt die madtcri be^^ell 
oder agst do mit man das holtz hawt. das stinsl vi] [eicht 
die man auff den bösen weybem entzzway sciiingen. 

41 Rat. welchs hantwerck am meisten stilt. Ant. die Mffel 
macher vnd die kefsler an den pfannen machen vil stil. 

42 Rat. Der es macht der darffs nit. der es kaufft der wüs 
nit. der es praucht der waifs nit. Ant. ein toden lad. 

43 Rat welcher vnderm bartscherer oder vnder aim mader 
der das gras abscbneit die gröst freyhait hab. Ant. der 
mader mag auff sein stümpff hofiem oder sein nottnrflFt 
thun das wirt dem scherer nit zu gelassen. 

44 Ein frag. Wanimb die storcken nit auff der mül nisten. 
Antwurt. Sy fürchten der müller stell in die ayer. 

45 Ein frag. Wie hoch vom himel her ab sey. Antwurt« 
Das waifs nach got nyemant dann der teiifel der hat es 
gemessen, vnnd mag nit wider hin auff kommen. 

46 Ein frag. Welch zeit die best zu lachen sey. Antwort. 
Der aprill oder sunst so es rengnet werden vil lachen 
oder vil pfltzen. 

47 Rat. ein bäum bat dreyzehen efst vnd yegklicher ast hat 

. « 
45. vergl. die stelle aus der legende vom h. Andreas altd. wäld. ^, 30. 
47. weiter ausgeführt in Steinhöwels Aesop, leseb. 1, 10G9. in der 
Würzburger handsehrift 



,r 



RATHSEL UND FRAGEN. S 

.iiij. nester. vnd in^yegUchem nest syben iuDgen. der bat 
yeglicher seinen namen besonder. Ant. das iar hat .xij. 
monat. die monat .iiij. wocfaen. die wocfaen ir tag. 

48 Ein frag. In welchem landt man nit efs oder trinck. Ant. 
in dem elsefs do zeret man. morgen zeren. zn ims ze- 
ren. vesper zeren. abends zeren. 

49 Ein frag* In welchem landt kain pferdt sey. Ant. Schwa- 
ben do sein rofs. . 

50 Ein frag. Wie ferr von aim ort der weit an das ander 
sey. Ant. ain tag raifs. als die sonn bezeugt mit irem 
auffgang des morgens, vnnd nider ganng des nachtes. 

51 Ein frag. Welches das fr6Iichest volck auff erdtreich sey. 
Antwurt. die gaysüichen die in den Clostern vnnd Stiff- 
ten. wann die singen tag vnnd nacht. 

52 Ein frag. Welches die frdlicbsten frawen sein. Antwurt. 
die yennen so die kinder seügen singen ofil so ander 
leüt schlajßpen als man spricht, welcher ain saügets kind 
hat der hat ain singenden^ fraw. 

53 Ein frag. Wer gestorben vnd nit geborn sey. Ant. Adam 
und Ena. 

54 Ein frag. Wer geborn sey ee dann sein vatter vnd mat- 
ter. Ant. Adams kinder. 

55 Ein frag. Welcher mensch hat ain gantz viertaii der 
weit get6dt oder vmb bracht. Ant. Chayn erschlug sei- 
nen br&der Abel darvor lebt niemandt dann sy zwen vnd 
ir eitern adam vnd eua. 

Est arbor quedam retinen* ramos duodenos. 

Quinquaginta duos rami refinenf sibi nidos. 

Nidorum qnisque Septem volucres habet in se. 

Et volucrum quisqtie sibi nomen habet speciale. 
von einem vater, zwölf söhnen und deren je sechzig theils weifsen, 
theils schwarzen töchtern Cieobulns anthoi. gr. Jac. 1, 5^; von einem 
viereckichten wagen mit zwölf rädern, zwei and fünfzig frauen darauf, 
vierzehn theils weifsen, theils schwarzen rossen davor, oder mit vier rädern 
and zwölf fuhrlenten Reinm. v. Zw. vdH. !2, %\V^, 50. die zweite frage 
im abt von Canterbury (Percy 12, 3, 7) und in Bürgers kaiser und abt. 
53. vergl. got hiez werden einen man der nie geboren wart von vrou^ 
wen Übe; diu vater noch muoter nie gewan, die nam er im »e wtbe 
Tannb. vdH. J^, 97^. 54. vergl. ein bruoder sinen bruoder sluoc 

S da% ir beider vater wart geborn Reinm. v. Zw. vdH. %^ %%\.^. 
Z. F. D. A. lU. 3 



84 



RÄTHSBL UND FRAGEN. 



56 Ein frag. Wer gesebryen faab das die ganüE well hört. 
Antwort, der esel in der archen noe. 

57 Stunden so vil firawen fein, als tropfen seindt im rein. 
vnd wer dir aaffgesetzet zu biifs. sy hinüber zu Aren 
troekens fufs. on brücken, schiff, steg karren oder wa- 
gen, ich lob dich frey kanst dn mir es sagen. Antwart. 
Geb ir yegklich ein tropffen auff die zung. so beleibt kain 
wasser mer da. 

58 Item drey frawen worden verwandelt in bJunien aufT dem 
feldt sten. doch der ayne mocht des nachts in irem hauTs 
sein, sprach auff ain zeyt zu irem man. ah sich der 
tag nabel widerumb zu iren gespilen auff i^s lelil komm^ji 
vnd ain blum werden mufst. so du heul vor mHU% 
kumbst vnd mich ab brichst wirdt ich eriulkl vod flirliin 
bey dir bleiben, als dann also gescbach. Nini h\ die frag 
wie sy ir man gekent hab. so die blumeii j^anU gleich 
vnd an im selbs kain vnderschaydt was. Anlwurtt dir 
weil sy die nacht in irem haufs vnnd nit auJI dem feldt 
was fiel der taw nit auff sy als auff die and cm zwo. do 
bey sy der man kant. 

59 Rat. wer ist des maus liebster vnd getreuster fireündt. 
vnd wer ist sein ergester feind. Antwurt. sein weih 
nach dem die wol oder übel wil. 

60 Ein zu fragen welchs der mittelst buchstab im Abc sey. 
Aatwurl. Das b. 



56. vergl. dar nach ein hunt erbal, daz alle Hute die dS lebten hör- 
ten smen schal Tannh. a. a. o. 58. in der oenesten ausübe der 
märclreo das 160e. 59. vergl. die in den märchen 3, 176 f. an- 
gerührten erzäbiangen ans den cento noveUe antiche, den gestis Rom. 
and Paulis schimpf and ernst. 

WILH. WACKERNAGEL. 



m 



SAGEN UND M.\JICHEN AUS DEM AARGAU, 

1 

's isch einisch e ma in es richs has tho, und isch im 
stal iibernacbtel, cso um zwölfe umme cbunt eine mit cme 
scckel voll gäld, uud het ue vcrlochet und gseil jetZj täfel, 
hifet, bis se eii wiFse geifsbock dur der stal hindere jage/ 
am rudere morge isch de ma siner waege gange, aber vo 
der 7Ai a händ si ekefs veb meh ha chönnc i dem stal : al- 
les isch druf gange, übers jobr isch de ma wider derl yer- 
by cho, und wo ner ghciert hei wies au mit dem staJ slöi, 
so bet er nes gseit was er i sälber naeht gseb gha het. do 
händ se en wifse geibbock gehäuft, und ne dur der stal bin- 
dere gjagt, und alles iscb wider guet gsi, unds gäld händ sc 
uTse ggrabe, und dem ma au en schiene theil dervo gge. 



Einisch bet zRinach bi der bürg obc e chnäcbt mit sim 
ineister z'acher tribe, do ebömme zwe der herg ab, und me 
het ene aües gseb, weder der chopf mt. wo se do noch bi 
de marksteine gstande sind, sind dl zweu vordere ross vor 
umme gange, do het der chnächt zum meister gseit 'meistere 
i fare niirnme/ 'he, worum nil?' 'he, gsebst dene zwe dert 
oben abe cbo?' 'abba! i gseh niiti far du zue P 'i fare mi- 
ner seel nit ztie, chuni, trib du: i wiL binde ha. gsehst, 
dross wand ati nümme fiirse/ ja, do chömme di zwe und 
spanne dschnuer Ubtr all drei marksLei bindere und bim 
leiste händ se enand gge und ufglcit mit de haggene, dafs es 
bi miner wohre seel gstobc het; und do sind se wider gange 
und fürt gsi und vcrscb wunde.' 

3 

's isch einiscb e kiinig gstorbe ; si frau und zweu cbind 
sind nü am laebe blibe, es meiteli und es biiebli, do händ 

* verf(/, Jiagen 1, 374. 

3* 




36 SAGEN UND MÄRCHEN AUS DEM AARGAU. 

se einisch dniaeter gfrogl weles vod ene daTs einisch moers 
künig wärde. do seil se zoe-D-ene 'liebi chind, gosDd jetze 
zämme i wald ufse und suechel das blaemeli wo-n-ech do 
zeige, und das, wo^s von ech zersl findl, das moefs einisch 
künig wärde.* do sind di zwen zämme gange, ond im wald 
sind se bim soeche e cbli ofs enand cho, ond smeiteli bei 
sblüemli zersl gfunde. do denkls, es well sim bniederii no-n-e 
cbli warte, und lit n«bem wald i scbalte, nimnl sblüemli i 
dband und schloft i golls namen i. der wile ebont sbäebli 
au a das örlli, aber sblüemeli bei er nonig gfiinde gha. 
wo-n-ers do aber im bändeli yo sim scbwösterli gseb bei, 
so cbnnt em öbbis scbröckeligs zsinn, 'i will mis scbwö- 
sterli ermorde, and em sblüemeli neb, and bei gob mil, mid 
denn wird i künig/ denkt und tbo. er bets tfledl and ijB 
wald verscbarret nnd bärd drüber deckt, und kei mooscb 
bei nül dervo gwüfst. no mengem mengem johr iscb e biiie- 
büebli dert uf der weid gsi mit de schoeflene, and find! es 
lodtebeindli am bode vo dem meiteli; do macbt er e par 
löcbli dri wie amene floetli, und blost dri. do bet das beindli 
gar erscbröckli trurig afoh singe de ganz gschicht, wie smei- 
teli vom brüederli umbracht worden isch: me bei moege de 
balle tbrsene briegge, wemme das lied gboert bet. do gobt 
einiscb, wo das büebli so gfloBtet bet, e ritter dert verby: 
da bet em das floetli abgcbauft, and iscb dermit im land um- 
me zöge, und bet an allen orte uf dem beindli gspilt. einisch 
bei do au di alle künigi dem ritter zueglost, und iscb ganz 
trurig worde, and hei der söhn abem thron gstofse, und 
briegget erer laebtig*. 



Der güggel bet einiscb zue sine büendlene gseit 'chöm- 
mel weidU i dstuben ufe goh brolbroesmele zämmebicke ufern 
tisch : euse frau iscb uGsgange gob ne visite mache.' do säge 
do dhüendli 'nei nei, mer chömme nit: weist, dfrau balget 
amme init is.' do seil der güggel *se weifs jo nül dervo. 
cbömmet er numme : se git is doch au nie nül guets.' do 
säge dhüendli wider 'nei nei, s isch ufs und verby, mer goend 
nit ufe.' aber dcF güjfgel bet ene kei ruei glo, bis se end- 

• vergl. märehen n» 128. 




SAGEN UND MÄRCHEx^ AUS DEM AARbAÜ. 



37 



iig gdDge siod, und ufe tisch, uud do brotbra^SDieli zämiiie 
gla^se hend in aller slreug«. do chunt justcmerit dfrati derzue, 
and uimmt gschwjnd e s tacke iiud steubt se übe und regiert 
gar ^rii^cti mil ene. uud wo se do vor em hus unde gsi 
sind, so säge do dbiiendti zum güg^el ^^^e gse gse gse gse 
gse gseb&L aber?' do liet der güggel giacbet und uutntne 
gscit 'lia ba bau is nilgwüfst?* do band se cbonoe goh. 

WILH. WACKERNAGEL, 



DIE VOGELHOCHZEIT 



Es wolt ein Reiger tiscbeii, 
aufl" einer grünen Hej'den, 
da kam der Storek, 
vnd stahl jm seine kleyder. 

Da kam der Sperber here, 
vad brach i >ns uewe märe, 
wie das die Braut 
schon aulsgegebeu were. 

Fraw Nachtigall die war die Braut, 
der liolraan gab sein Tochter aufs, 
der VVidhopff, 
der selbig tropff, 
der bupffel vor der Braut auii". 

Die Trostel hat die Heyralh gemacht, 
vor einem grünen Walde, 
die Amschel mit jrem Oesang, 
die lobt die Braut mit schalle. 

Der Güui|>el was der Bräutigam, 
der Adler auf die Hochzeit kam^ 
der Fafshan, 
die zweoe waren vomen dran. 

Der Schwänze Raab der was der Koch, 
das sach man an seinen Kleydern wol, 
der Gruuspechlj 
der war des Kuchenmeisters Kneehl- 

Die Alster die ist schwartz vnd weii'a, 
die macht der Braut zu Hoff Speifs, 



11 




38 



DIB V06BLH0GHZBIT. 



der Fincke» 

der bracht der Braot zo trincken. 

Der Pfau mit seinem langen schwantz, 
der f&hrt die Braut wol zo dem Tantz, 
der Emmerling, 
der bracht der Braat den mähelring. 

Die Henn wol zu dem Tantze gieng, 
der Han der fährt den Reyen, 
der Greiffe, 
must antr der hochzc^t pfeiffen. 

Der Gotzgaoch war der Kämmerling, 
der fuhrt die Braut zu schlaffen, 
der Baumheckel 
kam auch hernach gelauffen. 

Der Stieglitz mit seiner witz, 
der wolt die Braut ansingen, 
der Rotkopff*, 
mit seinem Kopff*, 
der wer auch gern darinnen. 

Der Eyfsvogel was wol gezieret, 
das Behemlein der Braut hofBeret, 
der Schnepffe, 
der wolt die Braut anzepffen. 

Der Sittig was ein frembder Gast, 
kam auff die Hochzeit geladen, 
der Stare, 
wolt mit der Braut nur baden. 

Da kam sich auch die Tnrteltaub, 
vnnd bracht der Braut rin grfine Scbaob, 
die Meise 
wolt mit der Braut auTsreisen. 

Die Ganfs mit jrem langen Kragen, 
die führt der Braut den Kammerwagen, 
die Ente 
fuhrt das Regimente. 

Noch weifs ich einen Vogel gut, 
den darff ich euch nit qennen, 
ja wenn jhren secht, 
jr würd jn all wol kennen. 




OIE VÖtiGLUOCHZElT- — t^UfM^ 3» 

Also bat die Hoclizeit eia eml, 
wie jr tiie Labt veruotumeti^ 

wer tliescs nll glauben wiUt 
soll selbst zur hot^bzcit kommeti. 
ENDE, 
Auf ehtetn ßiegmdffi hiatip vm 1613 (ahne angahc det 
flrttcknrtm) ah Das am/fr Lkd ; das ef^st(*. Der Stigeiäsi^ 
tüürin ihr spqfs nur weiter am^espojmen wird^ steht im 
leseb. 2, 229.jf. einige reime scheinen auf eine ursprilng- 
Ikk niederdetäsckc abfafsufig hin^mvvisen ; der anstafs aber 
^u solchen diciittingen mag von den angrenzenden Slawen 
gekommen sein, wo uns dergleichen häußger begegtien^ 

WILH. WACKERNAGEL. 






NIEDERLÄNDISCHES LIED VOM 
BRENNENBERGER, 

(I Vau Brandenborch- 

•Hfit is gheleden iaer ende dach 
dat Brandenborch gheuangen lach 
Oheworpeu in cenen toreu 
Vau stceuen waren die muercu. • 

Daer lach hi nieer dan seuen iaar 
Sijn hayr was wit zijn baert was grau 
Sineu roaden niont verbleeckcn 
Vander Uefste was hi ghewekea, 

Si leyden hem op ecneo disch 
Si sncden hem wt zijii berte inseh 
Si ganeni der üefste teten 
Tot eene morghen oabijteii, 

Nv hebbe ick ^ghetenllat hcrte zijü 
Daer op wil ghedronckcn zijn 
Nv scheuet mi eeßS te diiücken 
Myn bcrte wil mi ontainckeu, 

Dea eersten dranc mer die sl drauck 
haer herte in duyseat stucken spranck 
Nv belpl maria maghet reyn 
Met uwen kindeken cleyne. 



40 NIEDERLÄNDISCHES LIED VOM BRENNBNBERGBR. 

Mer die dil liedeken eentwerf sanc 
Een viy sluymer was hi ghenaemt 
bi heaet so wel gfassonghen 
Yander liefster is hi gbedronghen. 
Aus Een scboon liedekens' Boeck, Antwerpen 1544 bet 
Jan Ratäans, bl. 92 rw. 93 vw. 

WILH. WACKERNAGEL. 



4(4 



if^M/H. 



ALTDEUTSCHER CENTO. 

Auch die altdeutsche poesie hat gleich der des absier^ 
benden alterthumes ihre centonen: beispiele sind das akro- 
stichon am schlufse des schachzabeUmches von Konrad von 
Ammenhausen (Diut. 3, 451 — 454) und ein lied in Rhaus 
biciniis (leseb. 2, 38 f.). toas aber den altdeutschen cen^ 
tonen eigen und vielleicht ein vorzog derselben vor den an-- 
Uken ist, es wird da keine künstlerische Verschmelzung, 
sondern wie in musikalischen quodlibeten nur eine launig 
neckende zusammenhäußing unverbundener unvermittelter 
einzelheiten beabsichtigt, 'ein hochspringen und weitwaiden 
auf der beide der wertet werth ßtr uns haben diese Spie- 
lereien dadurch da/s sie zeile um zeile bald den at^fang 
eines verlorenen liedes, bald einen sprichwörtlichen scherz 
des Volkes, bald dies oder jenes ähnlicher art uns über- 
liefern, und so mögen denn auch aus einer breslauischen 
handschrift des i5n jahrh. (iv. foL%h) folgende verse mit- 
getheilt werden; sie stehen unabgesetzt auf der rückseiie 
des letzten blattes. 

Gekomen is der winter 

wo solle wyr vor hiccze gebleyben 

ocbzen das sint lynder 

frauwe vor^ meccze lotb vns dy rede bescreiben 
|. ^;^e. was man bawer^ reyth das sint tencze 

Is das nicbt eyn wunder gros 

das eyner her von reyne schos 

der reyn vleast heym^ vor meneze 

knapen das sint Icnetbe 

Do quam der aide ruperecht 
1. abkiirxung von fhiuwe. 2. d. IL hewer heuer, 3. wohl hin. 



ALTDEUTSCHER CENTO. 



41 






ber sich frawe her wyrt czclit vikB rechte 

lütgart trcyb dy k eiber in dy awnc * 

Maa grub hauwer- rubeu aas der erdeo 

her Wirt machi vds dy erde nas 

meyu lyp ist mir worden has^ 

was rolh sal myr wenlea 

löiibir JD weiden 

dys sint des somers au eren reyzen^ 

dy hazen loffen balde 

dy pbofen schcyren laute treteo weysse* 

2* d. h. bewer htmer. 4. die sint des somers an ivtu 

4. dit! pliafen fichreyen laute, treten leistj? 

WILIL WACKERNÄGEL. 



SEGENSFORMELN- 

1, handschri/i der waßierkirchbihlmthck mi Zürich C ^y^ts 

bl, nK 

Contra rehin* Prlmo die pater noster. in dextram aurem. 
Marbphar. nienetar, mvntwas, marhwas. war comedvdo. var 
indinee. eiprige, iodine mansere. daz dir zeboze. ter. paler 
noster< 

2. vrj^ähkmg- m der Heidelberger kandschriß 341 AA- 166*, 

ntick der brntttnaeht tritt die mutier in das gmnach 
der nmieermählten. 

si spratih got griiezc iach, kiDderl 

ros nndc rinder, 

kotn unde win • 

bescher iu unser trehtio ! 

saelde nnde heil, 

guotes ein miehel teil 

immer fiwicÜche, 

und oßch sin himclriche * * 

teile er mit iu beiden V 

diu vrowe was bescheiden a. s. n\ 
der alte sprucli den der dichter hier benutzt hat (er selbst 
macht keine dergleichen verse) wird mit dem warte himel- 
riebe geendigt haben, vmi segenswü/ischen im beginn der 
brautnacht Heinr, l^ist . 672 ff. 




» 



SBGBNSFORMBLN. 



1^ 'TiiCHo^ Om. *, »•*B 



I :il 






i 






3. pergamentblättchen des iAn Jh., »wischen dem gebätke 

des Eichwqlds^ eines alten gefängnisses in Basel, ge^ 
ßinden. 

•}• Ich wil hivl vf sUo TwiA^. nfc.u» 

Ich wil in gotes namen binnan gan 

leb wil leb wil {so) mich begvrteD 

mit den gocz Worten 

mit den sige rinen 

mit allen geweren dingen 

daz mir alles daz holt si 

das sant dem tag vf si 

div svnne vnd ovecb der mane 

krist selbe ameN. 

Div helle si mir verspert 

ölle Waffen sin mir ver wert 

want alein eis daz stiebt vnd sanit 

swa mans hin wist. amen. 
ßlr sige rinen lies sjgenngen: vergl. den siegstein könig 
Nidungs f^ilk. saga 25, den siegring in einem verumndten 
magyarischen märchen bei Gaal s. HA ff., den ring des 
Scharfenbergers der ie nicht sigpser war, bei OUokar 541% 
und Jac. Grimms mythol. 630/. — vor ver wert ist wi- 
derlegt ausgestrichen. — sanirif. A. snit, snidet. 

4. pergamentblatt des 14n jh. im kloster Einsiedeln. 

ich beswer alliv wafen gaot 

bigot vnd bi sim vil heiligen bluot 

bi sinen heiligen 5 wnden 

di Vnserm herren dnrch sin site drnngen 
das alliu wafen as lind gegen mir sient vnder mir vnd ob 
mir hinder mir vnd for mir vnd nebent mir as der sweis 
was den vnser fron sancte Maria swist do si irs lieben trut 
klndes maget wis an dis weit gnas das mich kein wafen 
snid das ie gesmidet wart sit das krist geboren wart in got- 
tes namen amen. WILH. WACKERNAGEL. 



43 



SIEGFRIED UND FREYR. 

Saio Grammaticas hat aus in seiaer däiiischea gescbiehte 
mehrere s«i{^eti von dracbeukumpfen aufbewahrt deren nähere 
erwä^ung im vergleich mit der Nibehmgcnsage der zweck 
der folgenden aihhandlung ist. wir stellen zunächst die drei 
wichtigsten erzähl ungrn in der kürze zusammen, 

1, Der schätz des königs Frotho ist durch die kriege 
seines vaters Hading erschöpft, es wird ihm von einem un- 
genannten gcrathen einen d rächen zu tödtcn der auf einer 
insei einen schätz bewacht. Frotho bedeckt nach der eiv 
mabnung desselben körpcr und Schild mit einer rindshaut um 
sich vor dem gide zu schützen, lödtel den drachen, als er 
von einem wafser wo er geliunken hatte zurückkehrt, und 
nimmt sein gold, Saxo 2 s. 20 Steph«. 

2. Fridlev, söhn Frothos des 3n, läfst durch gesandte 
um Frögertba, die tochler des norwegischen königs Am und, 
werben» obgleich diese ihn liebt, weist der vater die gesand- 
ten schnöde ab; andere welche die Werbung abermals an- 
bringen läfst er sogar tödten, als Frotho sich schon geni- 
stet hat um die braut mit gewaJt zu erstreiten und einst in 
der nacht das lager verläCsty rathcn ihm drei über ihm flie- 
gende schwane den riesen Ilythin, der den söhn des königs 
von Thielemark gerauht hat^ zu tödten. zugleich schenken 
sie ihm als beistand zum kämpfe einen mit versen beschrie- 
benen gürteh Frotho folgt dem rathe der schwane, ver- 
wundet den riesen, zw^ingt ihn zur flucht und nimmt ihm 
sein gold, welches in einer hole verborgen war* nachher 
wird auch Amund überwunden und fällt in der Schlacht, noch 
auf der brautfahrt heflndlich verweilt der held eine zeit lang 
bei einem gewissen GmbbOj mit dessen tochter er den Olaf 
erzengt, als er spater mit Frögertha nach hause zurückkehrt, 
w^ird er an eine unbekannte inscl verscli lagen, woselbst ihm 
gcrathen wird den drachen der da auf einem schätze liege 
zu tödten, die einhüUung in eine stierhaut bilfL auch hier 




44 



SIEGFRIED UND FREYR. 



zum siege, er eriegt den drachen, ab er aas dem waTser 
hervorlaocbt, und bringt den hört aof seinem schiffe davon. 
Saxo6 s. 99—102. 

3. Alvilda, die schöne tochter des gothischen königs Sy- 
vard, war so keusch dafs sie beständig vor männem ihr ge- 
siebt verhüllte, ihr vater verschlofs sie in ein nnzagängli- 
ches gemach und setzte eine natter und einen il rächen zu 
ihren Wächtern, nnr der überwinder dieser lEiierc sollte sie 
znr gattin haben; wer aber vergebens den zui^^ang zo deio 
gemache suchen würde, dem sollte das faaiipt abgeschlagen 
und auf einen pfähl gesteckt werden. Alf^ drr sr»bn des kö* 
nigs Sigar, ausgezeichnet durch sein glänze ntl es baui>Uiaar, 
tödtet die thiere*, nachdem er sich mit einr m b tu Ligen Teile 
bedeckt hat. aber Alvilda verschmäht den fi i ier, der jlir von 
ihrer mutter verhaTst gemacht ist; sie begibt sic)j als inaaii 
verkleidet zu schiffe und treibt seeraub. Alf, welcher sie 
lange vergebens gesucht hatte, geiäth zufällig mit ibr in ei- 
nen kämpf, erkennt sie aber dadurch dafs eiuer seiner be- 
gleiter ihr den hekn abschlägt und vermätjit sieb mit ihr. 
Saxo 7, s. 126 — 28. 

Dies ist der wesentliche Inhalt von drei sagen welche 
eine grofse Übereinstimmung unter sich und mit der Nibe- 
lungensage zeigen, und es sind besoDdri^s die mythisch 
scheinenden punkte der Nibelungensage, rlie orlegnng des 
drachen, die erwerbung des hortes und iJie t^efreiatig der 
Jungfrau aus dem mit der waberlohe umj^M^iencn gemache, 
welche in diesen erzählungen, freilich in dei- t iiu n mAxr m 
der andern Weniger deutlich und vollständig, wiederkehren. 

Die erwerbung des hortes fehlt freilich in der dritten 
erzählung, welche neben dem drachen noch eine natter über- 
winden läfst (eine häufung der gefahr, die für uns weiter 
keine bedeutnng hat), ist aber noch in den beiden ersten, 
wie in der nordischen und angelsächsischen sage von Sieg- 



* torridum ckalybem foreipe eomprehensum hiantit v^erae fauet^ 
bus immersü; «iae echt mythische kampfweise. so fafste der rieae 
Geirrödhr mit einer zange einen glühenden eisenkeil und warf ihn gpe- 
Sen Th6rr : dieser fieng ihn und schleuderte ihn mit solcher starke zu- 
rück dafs er Geirrödhr und die eiserne s&ule hinter welcher er sich 
verborgen hatte darchbobHe. Sa. 115. vergl. Saz« 8 s. 163. 



>' 



SIEGFRIED ITND FREATl. 



45 



fricd oder Siegmutid mit dem dracbcukanipfe verbnaden. auch 
das hat die sage vou Fridlev noch in übcreioslimmung mit der 
angelsächsischen von Sie^mund erbauen, dafs mit dem borte 
das schi£r des siegers beladen wird, der ungenannte wel- 
cher Frotho und Fridlev zum kämpfe aufreizt vergleicht sich 
dem Regino der uordl sehen sage, der Siegfried zu dem aben^ 
ieuei' bestimmt, der d räche wird von Frotbo getödiet als 
er von dem wafser zu seiner hole zurückkehrt, nach der 
edda und der Völsnngasage auf dem wege zu dem bache; 
die sage vou Fridlev läfst ihn unmittelbar aus dem wallet 
hervorkommen, merkwürdig ist der zug dafs in allen drei 
erzähl ungen die beiden sich durch einhüllung in häute vor 
dem drachengifle scbLitzen. fast mochte icb darnach anneh- 
men dafs die sage vou Siegfrieds unverwiiudbarkeit, von 
welcher der norden nichts weifs, einen ähnlichen Ursprung 
habe, dafs demnach der held vor dem dracbeukampfe durch 
irgend ein mittel vor wunden geschützt wurde*, doch hat 
auch Frotho ein hemd welches ihn unverwundbar macht. 

Neben dem drachcukampfe keunt die sage von Fridlev 
noch die Überwindung eines ricseUj dem ehenlalls sein gold 
geraubt wird, da auch nach der spätem deutschen Nibelun- 
gensage aufser dem drachen ein riese zu überwältigen ist, 
und diese erzäblung wafirscheiDlicb aus der echtem dafs der 
riese FAfuir in drachcngestalt auf dem golde lagerte ent- 
sprang*'', so mochte auch die däuiscbc sage früher auf ähn- 
liche w^eise erzählt haben dafs Fridlev einen riesen in dra- 
cbengestalt überwand, die aufmunterung der schwane stimmt 
mit dem bekaimlen rathe der vögcl in der Siegfriedssage ^ 
nur bezieht er sich da auf den mord des zwergs Ilegino, 

Die sage von Fridlev hat die erlegung des drachen nur 
in einem sehr [ockcm zusammenhange mit der erwcrbnng 
der Jungfrau ; sie läfst den kämpf zufällig vor sich gehen 
als der held die braut schon heimführt, wahreud er ein mil- 



wie Pet*SRits zu dem kämpfe mit der Gor^ä den ita^icfatbar ma- 
cbendca beim des tfades oder Pwrodiir naeb dem inabinni^i zum dra- 
cheaftreiLe einen ansichtbür maebendeD steiii bekummL. bekam Siegfried 
die tartikiippe vor dein draeiieükampfe? 

" s. meinen versuch einer mj-tholügiaelien erklarnng der Nibelan- 
gensage s* 33 f. 



1 



48 



SIBGPRIBD UND PRBYR. 



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1 i 



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•>r 



tel zur erbogiing derselben sein sollte, eben so angenau 
ist die erwähnang einer zweiten geliebten, der toobter des 
Gmbbo ; doch dentet diese sage an, daTs anch hier ursprang- 
lieh zwei weibliche wesen auf ähnliche art vorkommen moch- 
ten, wie in der Nibelangensage Kriembilde neben der ver- 
schmähten Brtinhilde auftritt, and so ist f*^ auch wtirkiieb 
der fall in der erzählong von Regner Lclln (^£,% die wir hitr 
einschalten. 

Regner freit am Lalhgertha, von liehe zu ihr crgril^ 
fen als er sie in den scharen der männer kämpfen sah unl 
ihm die wallenden haarlocken verriethen tlals mt ein wfA 
war. die Vermählung wird gefeiert naih^cm er einen hwt 
und einen baren getödtet hatte welche ihr ^etnach bewa^Ak 
ten. später aber verschmäht er sie und wirbt uiu Thon, 
die tochter des königs Heroth. dieser luith' ihr vater dr^- 
eben zum aufziehen gegeben, die aber mil der ze'U saleh« 
gefahr drohten dafs die Jungfrau dem bc steger derselben 
zur belohnung versprochen wurde. Regners der sich um ihr 
gift unschädlich zu machen in ein wollenes gcwand gehälU 
und sich mit demselben ins wafser gestiirs:t hatte, damit er 
durch das sich ansetzende eis fester würde*, todtet die dra- 
eben und erwirbt Thora. Saxo 9 s. Kit» \L .s[Kiter ^^rde 
er in einen mit schlangen angefüllten kerkrr >,'e warfen und 
verlor durch ihre bifse das leben, ebend. s. 176, 

Hier erscheint deutlich die kriegerisrfie it,iL-Iiher thu 
Siegfried verschmähte Brünhilde. aufsarctem luin^i von dem 
kämpfe die erwerbung der braut ab*% wie iwu-h in der sag« 
von Alf, wodurch beide dem echten typis Jer Nibetuagea* 
sage sehr nahe kommen, denn die erle^nn^ de^ drarhcn und 
das eindringen in die mit der waberlohe um^^i-hene hurg oder 
die unterweit stehen auch dort, wie ich in meiner erwäbo- 
ten abhandlung nachgewiesen zu haben glaube, in einem ia^ 
nern zusammenhange, die waberlohe hat freilich auch die 
* so hier statt der eiDhüllang in eine stierbaut. 
* * im übrigen erinnert die erzählang von Regner Lodbrog mehr an 
die von Ortnit, in dessen sage die auffätterung von dracben vorkommt^ 
auch Regners ende vergleicht sieb dem von einem drachen verschlan- 
genen Ortnit. die sage vom schlangenkerker erscheint nur als eine am. 
dere Wendung, die sich in der nordischen Nibelungensage auch fälsch- 
lich an Gunnar geheftet bat. 



SIEGFRIED UND FHEYR. 



47 



r 

I sage von Alf sdiwinden bTsen^ obwohl das imzugän gliche 
gemach noeb hin lau glich die friiherc gröfsere ilbereinalimDiiiiig 
der sagen andeutet, auch hier ist es t\n verwandier (der 
^ vaLer) welcher die Jungfrau eiageisrhlorBeu hat, wie wir das- 
selbe bei der Nibelungeus&ge (versuch s. 67) nach verglei- 
cbung des mythus von Freyr und Gerdhr imd der vielfachen 
erzäbfungeu von eingaschlori^eneD tochtcru anuebnieii luusten. 
die sage von Fiidlev läfst nur die tochter dem freier versa- 
g^en und seine gesandleu iodlen, währeud rieh liger der (reier 
der Alviida das leben verwirkt wenn ihm die kämpfe miß- 
lingen, wie in der deutschen gage von Brünhilde. noch mag 
hier der ühereinstimmende zug augeTührt werden dafs Sieg- 
fried nach der edda (Sa?m* lOvl) in üriinbtide ein weib et^ 
kennt, nachdem er ihr den heim abgenoinmen hat, wie ein 
gleiches bei Alviida geschiehL als ihr der heim im kamjtfe ab- 
geschlagen ist, bringen wir nun auch die namen in auscblag, 
halten wir besonders Fridlev zu Siegfried und bedenken wir 
dafs in Alfs geschtechte in den namen seiner sub wester 
Sigae, seines vaters Sigir, seines grofsvaters und bruders 
Syvald sieb das wort Sieg eben so wiederholl, wie in den 
namen der Völsungen, so können wir nur noch zweifeln ob 
diese erzählungen unmittelbar aus der sebon ausgebildeten 
Nibehingensage» die ja auch in Dänemark bekannt war, aus* 
geflofsen sind, oder ob die mythischen gmndideen die sieh 
in Deutsch fand an Siegfried geheftet haben hier träger an 
den sagenhaften dänischen königen und beiden fanden, ich 
möchte mich mehr für das letztere entscheiden, weil die Über- 
einstimmung in manchen freilich für den mythus gerade nti- 
wxsentiichen punkten, namentlich die aus der geschicblc auf- 
gekeimte räche der gattin^ fehlt. 

An eine historische erklarung dieser sagen wird hier 
wohl niemand denken der den eharakter der altern geschieh- 
ten bei Saxo nur obenbin kennt, ich habe in meiner ange- 
führten abhandlung zu bcgriinden gesucht dafs uns in den 
mythischen tbeilen der Siegfriedssage ein mylhus von dem 
gotte Freyr geblieben ist : die dorP vermutete identität des 
Frcyr und Siegfried, welche sich besonders auf das überein- 
stimmende Wesen des gotles und des heros stützt, scheint 




48 



SIEGFRIED UND FRBYR. 



/ HJ^37T. 



durch diese sagen bei ISipco, besonders dnreh die drei ersten, 
eine erwünschte äoTsere bestätigong zu bekommeD. 

Betrachten wir znnächst die sage von Frotho. es ist 
früher schon mehrfach von andern bemerkt daTs Saxo Ha- 
ding, den vater des Frotho, mit seiner gemahlin ein lied sin- 
gen läfst welches in der jungem edda der seegott Njördhr 
und seine gemahlin Skadhi so anffaliend ähnlich singen dafs 
Saxos gedieht fost für eine Übersetzung des eddischen gel- 
ten könnte*, es könnte dadurch die Vermutung räum gewin- 
nen, dafs unter Hading und seinem söhne Frotho Njördhr 
und sein söhn Freyr verborgen sein möchten (wie ja auch 
sonst Saxo götter in die reihe der dänischen könige ve^ 
setzt und Njördhr mit seinem söhne Freyr in der reihe der 
schwedischen könige erscheint), oder dafs wenigstens mytken 
von diesen göttem auf sie übertragen sein dürften, diese 
Vermutung wird dadurch bestätigt dafs auch die art wie 
Hading seine gemahlin erhält, mit einem eddischen mythos 
von Njördhr stimmt. Saxo erzählt s. 16 folgendes: 

Regnilde, die tocbter des königs der Nitherer, war ei- 
nem riesen verlobt. Hading tödtet denselben, empföngt aber 
in dem kämpfe mehrere wunden, auctorem beneficü puella 
crebris offtisnm viäneribus, tgnara, medendi cura proseqm- 
tur. cmus ne notitiam temporis interiectus eriperet, cnts 
eins annulo vulneri incluso obsignatum reliqmL eadem posi- 
modum a patre eKgendi mariti libertale donata cantraeim 
convivio üwentutem curiosiore corporwn aitrectatione tusirO' 
bat, depostfa quondam insignia perquirens. spretis omnibu^ 
Htidingum, latentis annuli indicio deprehensum anq^ectäur 
eique se coniugem donat qui coniugio suo giganlem potiri 
passus non ßierat. wenn wir bei dieser erzählung beson- 
ders ins äuge fafsen dafs es der Jungfrau gestattet warde 
sich einen gatten zu wählen und die eigene art bedenken 
mit der sie dabei verfuhr, so fällt uns augenblicklich wieder 
Skadhi ein, der die Äsen, als sie zu ihnen kam um ihres 
Vaters tod zu rächen, die erlaubnis gaben sich unter den 
göttern einen mann zu wählen, doch unter der bedingang 

* Njördhr singt daPs ihm das wohnen in den gebirgen zuwider sei, 
Skadhi daPs. sie nicht am seestrande wohnen möge : eben so Hadia^ 
nnd seine gemahlin. 



SIEGFRIED UND FREYH. 



49 



dafs sie von den zu wühlenden nur die fufse sehen sollte, 
sie wählt Njürdhr, den sie wegen seiner gläuKenden fiifse 
für Baldr hielt* auch der tod des riesen läfsl sich mit dem 
lode des Thiassi vergleichen, der sich Idhunu hatte ver- 
sprechen laFsen. freilich hat Saxos erzähl ung eine ganz an- 
dere weadung bekommen. 

üer erwähnte mythüs von Njördhr ist der einzige den 
wir von diesem gotte in einiger Vollständigkeit kenoen i wes- 
halb es kaum gelingen kann anderes von Uading erzählte 
mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf diesen gott zurückzufüh- 
ren, die andeutung einer andern erzählung, Sj£m. 64'', dafs 
NjÜrdhr einst nach asten d. h* zu den riesen als geisel ge- 
schickt wurde und dafs dort dfe tochter d^s Hymir ihn mis- 
hnndeUen^ ist zu an verständlich als dafs sie sicher mit Ha- 
dtngs gefangen Schaft zusammengestellt werden könnle, zumal 
da Saxo s. 12 ihm diese gefangen schaft nur weissagen und 
piittel zur hefreiung angehen läfsL^ nachher aber darüber weg- 
eiltf weil er wahrscheinlich nichts vor sich hatte als das lied 
welches diese Weissagung enthielt, es scheint sonst noch 
manches in Hadings geschichte mythischer natur, wie na- 
mentlich sein Verhältnis zu der riesin Harthgrepa s* 10 ff., 
seine fahrt in die unterweit s. 10, welches ich nur anführe 
um zu zeigen wie mythisch die sagen von ihm sind, doch 
dürfen wir nit^ht ühergehen dafs Hading als Stifter des jähr- 
lichen Fröhlot von Saxo s, 16 erwähnt wird, was wieder 
eine nähere Verbindung mit Freyr andeutet, denn diese sage 
läfst sich eben so wohl als eine historisierte fafsen als wenn 
es Sn- 354 heifst dafs Njördhr und Freyr zu opferpriestani 
bestellt sein. 

Haben sich so nacbweislicb wenigstens einige mytben 
von Njördhr an Hading, Frothos vaterj geheftet, so knüpft 
sieh auf der andern seile an den namen Frotho bei Saxo 
friede nnd freigebigkeit^ was beides auf den gott Freyr passt, 
im übrigen trägt die geschichte von Frotho dem In, abgese- 
hen von dem drachenkampfc, nicht den mythischen cbarakter 
wie die seines vaters Hading, obgleich dessen ungeachtet 
einiges von ihm erzählte auf dem bodcn des mytbns wurzeln 
möchte, die cdda deutet eine feindschaft zwischen Freyr 
und Freyja an, da Loki der Frcyja Saem. 64* vorwerfen kann^ 
Z. F. D. Ä. IlL 4 



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I 



'■ii 






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i 59 ÜIGFftlBr UND PBBTR. 

ne habe Sft gölter gegen ihreB iNraderau^em^:. Saxö .w^Ub 
s. fti rm timem streite Frolhos mit seioen aehwirstem Sv«»* 

i ibrita uDd Ulvilda*, und die bittere i^int ihren galteä anf 

Ffoiho za iödten. 

! Zweimal wendet Frotho nach Saxo 8.21« 27 die kriegn^ 

list an dafs er am die feinde zn tensehen die uehrioht'¥oa 
seinem lode ansbreiten nnd sieh einen grabhiigel errfehtea 
lä(st*\ an und fiir sieh scheint das wohl ohne kedeutoiig* 
wenn nun aber ron Frotho item Sn, dem vater des Fridlev^ 
-umgekehrt bei Saxo 5, s. 96 erzählt wird dafs sein lod drei 
jähre lang verhehlt wurde ui titae sipmlatiane prapagaü 
iampridem httperii termines taerentur pristinaque dmeü au- 
vtariiate subniwi consuetam a subiectü penstonem^ elit^rwii^ 
«nd wenn von Freyr selbst historisierend berichtet wird*}*^ 
inan habe aus gleicher absiebt seinen tod verhehlt, der zins 
sei auch drei jähre nachher noch in seinen grabbügel ge* 
hrai^t, zugleich aber dafs ihm menschen geopfert wurden^ 
so dürfen wir auch die sage von Frolho für eine verduii'^ 
leite gestaltung eines ucsprünglich * auf den gott Freyr sich 
fasziehenden mythus bsdten. 
' Der tod Frotho des 3n, den Saxo a. a. o. erzählt, dafa 
eine matrona magieae rd petita sich in eine seekuh ver^ 
wandelt und ihn zu lode gestofsen habe, könnte in einem 
mythischen zusammenhange mit der sage stehen dafs die 
idrmcbenkämp&r sich, in stierhiute wickeln um sich VordiBm 
gifte der dradben -2u schützen* daf» wenigstens der staec 
ttieht ohne bezug auf Freyr ist, geht daraus hervor dafs 
S^.^'iV' ßreyr unter den stiemamen hat und dafs der fiese 
Bell (von at belia brüllen wie eine kuh) von Freyr gelödtel 
iwmrde. 

V. Diese Zusammenstellungen waren nidit zn übergehen, 
twean ed auch beber gelang Ilading an Njördhr als Frotho. 
aü Freyr anzuknüpfen, von Fridlev, dem zweiten draeheft« 
lüdler, dessen vater und dessen söhn. beide den namenFruH 

* freilich zwei, fchwestern statt einer, aber nach dem Mers^barger 
pfedichte hat Freyja die Fulla zur Schwester. 

*• auch der drachentödter Fridlev wurde todt sesagt Saxo 6, «. 96. 

f Yftgl. 1, 0. li Olaf. Trygv. % iM. Skalb. ieh habe ditfs«^ 
%%^KMA trey« wesen erlttntert vera. a. 119. * ; 



iäi. 



SlEGPRlßÖ UND FREYR. 



j^t 



tho ftihreti, weifs ich nur beizubringen daFs sein tiAme reciit 
gut eia bei Dame des den frieden Hebenden Freyr sein kann^ 
so wie denn auch der narae der Frögerlha mit Gerdhr, 
Freys gemalilin, stimmt. 

Von Air, dem dritten dr^cheiitödter, berichtet die sage 
aurserdem nur sehr wenig, doch mag die erzählung von sei- 
ner verwandten Syrilha (Saxo s. !25) hier eine envagnng 
finden , weil sie uns auf ein ähnliches mythisches gebiet 
führt. Syrillia erlangt von ihrem vater die erlaub nis dafs 
unler ihrea vielen freiern nur derjenige ihr gemahl werden 
dürre der es bewürke dafs sie ihn ansehe, die meisten 
aastrenguogen diese gnnst zu erlangen macht Othar; aber 
da er lange vergebens sich darmu bcmulit hat, verläfst er 
sie. darauf wird die Jungfrau van einem riesen entRihrt^^ 
ans dessen gewalt sie Othar nach erjegung desselben be- 
freit, der riese halte ihr das haar in einander gekochten 
oder, wie es mit Saxos Worten heifst adeo auiem gigante^ 
seduiftüs pueilm caesant^fn ne^nii öömanim asiricthne re- 
tnnjcemi ut pihrum perples'fi congerifs crispata quadam 
coküerentia teneretar nee faciie praeter Jerrmn quis pos- 
set consertos üiumt/m e^fricare comphams. da Othar des- 
sen ungeachtet keine gnade findet, verläfsl er sie abermals. 
Syritha irrt jetzt in der einsamkeit umher, bis sie bei einer 
^femina sihestrh immnnüque die ziegen hüten mufs"^. Othar 
befreit sie wieder, das iibrige lafseu wir mit Saxos Worten 
folgen* üumque S^üka more prisUnQ decursiä late scopu- 
lü in Ebhonis forte sedes erronea pervmtüset^ nuditütia ei 
inopiae ruhore egentinin se ßiiam astmehat. ammadifertens 
autem hanc Othari mater quamt^is marcorü iliitma innpique 
ctmtectam amiculo n genero^ns pultutasse^ ramalihia, hono- 
rato sed^ndi iaco mMeptam reverenda secum cmmiate de* 
tinuA, nohiHtutmi quipps ptrghäs index formae prodebat 
ei vtätu genus interprete resuitabaL quam videns Otlmrus 




fH- 



23). 



' DAcfa dem Hede bei Sßxo s. 126 geschah das mehrßre male. 
mit dii^scm %u^c bat Ühnlichkeit das märchea von dor koai^stücft- 
ter die von lisrer dicneriD bcii ibreia gcmahk verdrMogt diu g'dast hü- 
ten muh K, M, n. 8&, aber auch ikndewa in irnserßr ei^ähJnng: l]ad«t 
i\ch in mebrerea mircken ähnlich. 




I I f 

I f 



52 SIB6FRIBD UND PRBYR. 

cur tmlium pepto aiseurarei mquirii *. cubt$ nimum cer- 
thu eaperiunu ni^turam siU/eminam Jhtgit emsfue iaraam 
conscmdens lucernam SffrithM gestmdam eommiitii. qumt 
cum absumptis paene lychnü admoio propias igne jareme- 
retur, tanium paäentime spedmen prmelndt ut mamum absque 
motu continere vüa nuUam urdorii moleiiiam semüre cro- 
I deretur. ewtemum quippe aesium cohibebai imterwr et pru^ 

ritäntis anüni /ervar adustae cutis incendium temperabat. 
quae deimm ab Otharo manui eonsfilere iussa placidoe in 
eum abtutus verecunda luminum erectione convertit Mtatimque 

(semoto nvptiarum ßgmento genialem torum mtpiura com- 
^ scendit^ 

I Das sträuben der jangfraa gegen die nmarmung des man- 

nes findet sich in der Mibelangensage bei Kriemhilde and 
Brtiniiilde und in dem mythus von Freys wert)ung um Gerdhr 
wieder, zeigt also danach schon diese erzahinng einige 
Verwandtschaft mit der von Freyr und von Siegfried, so 
führt Syritha selbst, die verwandte des drachentödters Alf 
(sie ist die Schwester seines vaters), auf eine dem Freyr 
nahe verwandte göttin. weil nämlich offenbar Syritha aiB- 
herirrt um den geliebten Otbar, der sie verlassen bat, zu 
suchen, so ist es einleuchtend dafs wir hier dem hauptia- 
halte nach den bekannten mythus von Freyja (Sn. S7) ha- 
beii, welche Odhr der sie verUrsen bat sucht, zum über- 
fluTs stimmen auch die namen. der name des mannes ist 
' derselbe; Syritha läfst sich mit Syr, einem beipamen der 

Freyja**, zusammenstellen, darch diese hier von einer ver- 
wandten des Alf geltende erzählung erhält also die annalinie 
daffif der drachenkampf sich ursprüng^ch auf Freyr beziehe, 
und dafs folglich der Siegfriedsmytbus ebenfalls zuerst von 
Freyr galt, eine neue begründuag. obgleich wir nun nicht 
näher erweisen können in wie weit der mythus von Odbr 

* also avch Syritba verbiillt sich wie Alvilda, Alfs geliebte, der 
name Kriembilde, der vom altn. grtmä larva (vergl. gramm. 1, 189) 
' abzoieit^o ist, iLönote die yerbüllte bedeuten nnd anf einen äbnlicbea 

verloren gegangenen zng in der Nibelnngensage weisen. 

** Sn. 37. sie bel^am den namen als sie Odhr saehte. in dem 
zweiten theile der composition Syritha liegt wohl das ahd. iH$ nys- 
pha, altn. dU oder dit ans tÄ>. vergl. Jac. Grimm über zwei ent- 
I deckte gedieh te s. 5. 



SIEGFRIED UND PREYR. d3 

bei Saxo getrübt ist, da er in der edda nicht aLusfuhrlieh er- 
zählt, sondern nor angedeutet wird, so scheint es dock ein 
eeht mythischer zag dafs der riese der Syritha das haar 
in einander geflochten hatte, da aach die deutsche frau Holle 
verwirrtes und struppiges haar hat*,, so gewinnen wir ans 
dieser erzählung theils den mythischen gmnd der sage (die 
nach der analogie von Sifs abgeschnittenen haar erklärt wer- 
den murs), theils wird dadurch meine firüher (versuch s. 129> 
aufgestellte Vermutung, dafs die Holle Freyja sein dürfte, 
bestätigt. 

Haben wir so zunächst die Verwandtschaft der drachea- 
tödtersagen bei Saxo mit der Nibelungensage erwiesen und 
darauf bei den beiden derselben und ihren verwandten mehr- 
fiiche, freilich mehr oder weniger sichere, spuren gefunden 
welche auf die vanengötter und vornehmlich Freyr führen, 
so wird dadurch, weil Untersuchungen wie die "vorliegende 
wegen unserer armut an echten quellen für die de^utsche 
und nordische mythologie nothwendig an einem gewissen 
mangel an ganz evidenten beweisen leiden, die angenommene 
Identität zwischen Siegfried und Freyi* freilich noch nicht 
ganz gewiss, sie hat aber eine neue nicht abzulehnende be* 
stätigung erhalten, flüfsen die reinen quellen reichlicher, 
wir würden mit grefserer Sicherheit behaupten können dafs 
wir in den ersten büchem des Saxo und überhaupt in deut* 
sehen und nordischen sagen einen rdchem schätz von wenn 
auch getriftten und entstellten mythen besitzen als wir uns 
jetzt gestehen dürfen. 

* über das stmppise haar der Holle und den hollenzopf t. myth. 

WILHELM MÜLLER. 



BEITRAGE ZUR KENNTNIS DES MITTEL- 
NIEDERDEUTSCHEN. 

Durch die gute des herm pastor Thilo zu Daberkow in 
Pommern wurde mir eine alte kirchenagende mit fortlaufen- 
der niederdeutscher Übersetzung, die sich in der kirche zu 
Bartow befindet, auf einige zeit zur sprachlichen beniitznng 



I* 



i 



Ifüflfl' 



H ZUA KENNTNIS OBS MNB. 

ilberiirMn. lie ßsdd sich zwar okae Kwetfei Boch in Tie- 
ien lüithea PomncrBS md MecUeobiirgs, isl aber so viel 
ieb weiÜB m hiasicbt aaf die dario eslkalleae niederdeat- 
»cbe iprache neeh nickt beimUt wordea. obgleich sie in 
der miUe des ite jh. abgefafsi ist nnd namentlich in den 
Uatverhältnissen schon sehr von dem älteren mittelnieder- 
deuLs«hon za dem heutigen plattdeatscheo sieh hinneigt, so ist 
doch die spräche dieses amfangreichea denkmals in vieko 
panLteii noch entschieden anfderstule des üjüii. ua^ Ißltiti 
daher als zeagnis ans der begiooeiiden über^angspcrtodt 
mancha interessante erseheinongen dar^ dt« hier koneUcJi 
Kusammen gestellt werden sollen. 

Übrigens ist die spräche nicht durehgänpg gani gietch^ 
sondern es zeigt sich in den etwas tpHter abgefarslett vor- 
reden, nnd in einigen theilen der A^etida wclrhe aus «fem 
I7ii jh. herrühren mögen, eine merkliihe verß^ehting. 

Das bnch besteht ans zwei abtheilnngen welche n«cb 
ihre besonderen titel haben. 

1. Kercken Onlenmge im Imde iho Pamem darek A 
dorcklMohtigen kochgebarnen forsten nnie herren, herm 
Barnim unie herrn PkHipsen hocklöjfftiker geieckims^ beidt 
ket^togsn tho Stettin, Pamem, der Cafsuhen unde Wendern, 
forsten tho Rügen Wide graven tho Gutzkow etc. anmet^ 
lick up dem Landdage tho Treptow, Anno x.dxzxt. gw 
tiaten, unde itztmd vemer dorch de darchHkhiigen hoch- 
ge&amen forsten unde herren^ herm Bmmim den öldem, 
Herrn Johann Friederichen, herm BugsU^fen, herm Ernst 
Ludewig, herrn Barnim den Jüngern unde herm Casimim, 
geveddem unde gebroder, hertogen thd Stettin, Pampm ßte^ 
up radt der theologen unde bewilliginge der Landstende 
torfiyet unde vörmeret. Olden Stettin, drückt unde vor- 
legt idt Friderich Ludwig Rhete, köningl. boeckdrücker. 
Anno 1690. 

Voran gehl eine Verordnung des kön%s Karl von Schwe- 
den die cinfubrung dieser KO. betreffend, in hd. spräche, ge- 
geben zu Stockholm am 28n juni 1688. dann folgt eine lange 
vorrede der damaligen herzöge in Pommern (Barnim des Sit. 
u« s» w.) in welcher wiederum eine Verordnung der beide« 
suerat gßDapnten herzöge Barnim und Philipp enthidton ist, 



ZDRKeNNTNIS'OESMNO. «5 

flMt hd. ufti wi. text. voa 1563^ däM Mgt die Kl>* auf 
111 foUoUättern; • y. 

2. Agenda dai is.ordeninffe 4er hilKgen kerckemmfitet 
wtde ceremonten, wo sick -de parrherren, seelsargere- imdM 
kerckmdenere in.örem ampte koUen »chölen, b^teliei tm 
de kereken in Pamern up^ beeM.der dorchlücktigtm i^cAi 
gebamen herren hertn Barnim des ölderen eta, Anno f 568« 
Oidm SteUin Anno I69K varrede von 156$.. dan» der 
text der Ag. auf 463 foliobläUern ;, .s^Kvt^^bl ,text ak toiv 
rede in neben einander ^urUaufeader hd. und nd. mundaffU 

Daniua erhellet dafs die KQ. zuerst 1535 abgefault 
iRTorden nnd 1563 in erneuter gestalt wieder erschienen ist» 
inporauf ihr 1568 die Ag. naehfolgte: beide zusammen aber, 
sind 1690. 1691. auf befehl des Schwedenkönigs, ohne w.e^ 
s^ntliehe Veränderung wie es seheint, wieder abgedruckt wcnt^. 
den. wir haben also mit wenigen ausnahmen ein denl^mal 
der ad. mundart aus der milte des Hn jh/ 

1. VOCALZERDEHNÜNG. 

■'■••-' ■ ' * 

In den meisten der hier abzuhandelnden lauüichen ^r«u»f 
malischen und ety^mologiscben erscbeinungen zeigt sieb eioi 
enUchiedener parallelismus des mnd. mit dem mnU* da ja 
auch diese beiden mundarten in der nächsten blutaverwandtn 
nchaft zu einander stehen ^ das mnd. ist dabcd nicht selten 
im vortheily indem es deutlichere «woirtformen und durcbge* 
bildetere gesetze darbietet, so auch bei der vocalzerdebuiii^gi 
von der Griäim fiir ^as mnl. in seiner darstelluagderirnftt^ 
vooale handelt; denn di^ entsprechende mnd« lauieigentbümt 
liehkeit ist nicht nur über, mehr .laute ausgebrettet, sonderit 
hält sich auch in. bestimmteren griinzen und tritt überhaupt 
in viel organischerem Charakter auf ala die mnl. dies mHb 
näher erörtert und nut beispielen. belegt werden, . :.] 

1. vocalzerdehnung nenne ich den eintritt eines knraien 
riantes hinter einem ursprünglich einfachen oder einfach |tet 
wordenen langen laute um denselben im seiner länge zu::ber 
achntzen, wobei der alte laut bleibt und nur durch das naftk- 

* [die pommersdie agende ward laersi 154!^' zu Witlesli«r^:i^ 
^raa^t. J* 6. L. ÜMCgarten.] . : ^n 



fl9 



ZUR KENNTNIS DES UND. 



^ 



a 






' j 



ballende e in der erhaltung des sritmabes seiner silbe mmr- 
terstStzi wird, welches durch andere einfltilse bedroht war. 
diese erscheinnng hängt nämlich genan mit einer andern m- 
sammen die im folgenden abschnitt behandelt werden wird, 
mit dem bestreben der mnd. spräche die consonantiseh aus» 
lautenden Wörter in ihrem aoslaat genan nnd deutlich vom 
dem folgenden worte abzngränzen, wodurch sowohl der ans* 
lautende consonant mit gröfserer härte und schärfe henror- 
gestoTsen werden mufs (also dem inlautenden consonanten 
immer wo es möglich ist ein härterer im auslaute entspricht), 
als auch der vorausgehende lange vocal in seinem settmaTse 
beeinträchtigt werden mufs, weil die Verschärfung des anslavtn 
auch leicht zur eiligeren ausspräche der ganzen silbe ver- 
leiten mag. dadurch finden die mnd. zerdehnungen ihre or> 
ganiscbe bedeutung und die art ihres aufiretens eine genü- 
gende erklärnng: sie gehen nr^pringlich hervor ans dem 
streben des Sprachgefühls dem durch den harten auslaut g^ 
fährdeten einfachen vocale seine alte länge zu erhalten und 
finden sich daher eigentlich nur in geschlofsnen d. h. con- 
sonantiseh auslautenden silben, und zwar in solchen deren 
vocal eine einfache länge ist. dies ist der ursprängHohe und 
organische bezirk der mnd. zerdehnong, welchen sie aber 
Ifaeils nicht völlig ausfiillt, indem nicht alle Wörter wo zer- 
dehnung statthaft wäi*e dieselbe erleiden, theils auch über- 
schreitet, indem auch eigentlich kurze vocale zuweilen von 
derselben ergriffen werden und indem auch in offenen silben 
mitunter die zerdehnten laute gefunden werden, während in 
der regel ein durch flexion an die geschlofsne silbe antre- 
tendes e den einfachen vocal zurückruft, aber die mehrzaU 
der fälle sichert dieser erscheinnng die ihr angewiesene 
Stelle und bedeutung. sie zeigt sich am häufigsten bei a, 
0, u nnd modificiert diese laute in ae, oe, ue; bei e, wdches 
in ee übergeht (vergl. 8), hat sie einen etwas unorgani- 
schen Charakter; bei ö und d* findet sie sich nur einzeln; 
bei y, i ist sie meist nur scheinbar und beruht auf einem 
e einer flexions« oder bildungssilbe, so dafs ye als y-e zn 
&rsen ist. als zerdehnung ist für den tlaut blofs gietx ava- 
ritia zu betrachten (ahd. gitsi)y während gedyen bene suc- 
cedere, gedyent successus, pyent inimicttS, vartyen igno- 



ZUR KENNTNIS OBS UND. S7 

scere, vorigen snppeditMre) itye noviis nicht hierli^ ge- 

%. die mal. breehmig des a in ae kann mit der ^r be* 
sprochnen mnd. zerdehnung ae nickt rerwechselt werden, 
weil diese nidit von einem folgenden rm, m, rd, rt abhängt, 
sondern sowohl vor einfiieher, als anch vor dqppeRer con- 
sonanz statt findet, «nd überhaupt auf ganz- anderen gründen 
beraht als die breehung. rergl. Chrimm gr« 1, 278 ff. 283. 
zeitsdir. f. d. alt. 2, 270, 4. 

S. der von GnmiDd (gr. 1, 281 ff.) dai^estellte mnl. 
laut ae hat ganz dieselbe nator wie unser ae und tritt auch 
wie die mnd. zerdehnnngen überhaupt nur in geschlofsnen 
Silben auf, während in geöffneten der alte einfache laut wie- 
der erscheint (Grimm 1, 282). 

4. der mnl. laut oe (Grimm gr. i, 298) gehört gleich« 
&Us hierher und ist im gründe gewiss ganz von derselben 
natnr wie das mnl. ae; aber hier steht das mnd. 'dem mnL 
als reiner und conseqnenter gegenüber, denn dieses ver- 
breitet seine zerdehnung auch über Wörter wo die einfieushe 
eonsonanz durch ein folgendes e als anlaut der endsilbe er^ 
scheint, wodurch also die silbe in der das o steht eine offiat 
wird und der organische gmnd zur zerdehnung wegfallt $ 
denn da der s^enton nun auf dem o ruht, so wird dessen 
länge nicht geschmälert, sondern eher verstärkt, im mnd. 
dagegen, welches sich selbst treuer bleibt, steht entweder 
das alte o oder der neuere laut b an dessen stelle, z. b. 
ropen vocare, woher foenus, bhde sanguine, br^der firater, 
moder mater, rode virga, &ol& emendatio. -^ volen sentire, 
vordämen damnare, nSmen nominare, dröve turbidus, prö^ 
ven probare, geröken curare, söken quaerere, flöken male- 
£cere, köden custodire, möde fessus, vöden nutrire, gröten 
salutare, möthen debere, söte dulcis. 

5. das von Grimm (gr. i, 301 f.) abgehandelte mnL 
ue aber läfst sich mit unserem mnd. ue gar nicht verglei- 
chen, weil jenes durchaus keinen organischen Charakter hat 
und anch an ganz anderer stelle steht als dieser mnd. laut. 

6. mit den getrübten lauten ä, ö, ü können unsere zer- 
dehnungen ae, oe, ue schon nach der ganzen bisher gegebe- 
nen darstellung dieser laute nicht vermischt werdoi, aber 



fli am RKNNIKIS BBS US». 

ft«cb .deswegen nicht weil in unseren fKÜea für dieM ge^ 
trabten laate nirgends andere zeichen als ä, ö, ü voifcoair 
aen . uid also die eigenthümliehkeit des äe, ^€^ Mt schon 
dnreh die sobreihari unnnistöfslich festgestellt ist. 

7. übrigens ist diese phonetische encbcinnng keinen* 
w«gs in alic^ fäUen conseqaent dnr^gefiibrt, ja selbst bei 
den Wörtern welche gewöhnlich mit dem serdehnten last 
gefunden werden wechseln öfters die fiMnen mit den eis* 
fachen längen ab, so dafs es fast scheint als oh es in der 
Willkür des sprecbendea gelegen habe die länge doreb den 
reinen yocallant oder durch zerdehnnng aussudrüsken. 

8. endlich mufs mit diesen erstgenannten lauten noch 
ein Btiderer mnd. laut verglichen werden webdier gleichMs 
ab zerdehnung gefafst werden kann^ nämlieh ee. er drud^ 
überall das lange e aus und entspricht entweder dem abd. 
m\ ot, oder dem ahd* iu^ io^ ia^ te, eo, oder dem abd. t 
goth. ai$ im nd. selbst wechseli er mit e und S (letztams 
scheint immer wie ä auszosprechen), und zwar so *dafs diese 
beiden laute vorzugsweise den offenen, ee TonSgiioh dei 
geschlorsnen silben zufällt. deoMiaeh wSre dieses ee ginz 
▼on einerlei art und natur mit i7e, oe^ ue^ ci#, ite, äs, «nd 
ich zweifle auch nicht 4ars dasselbe nicht bloTs mnfsiger 
irenroter des s und ^ gewesen, dafs vielmehr in der aus* 
spn»he nack dem ersten stärkern e das zweite -leiser naoh* 
UingMd gehört worden sei ; der unterschied liegt nur darin^ 
däfs ee, das wesentliche merknial der mnd. zerdehnung, die 
besiriuränknttg auf die oonsonantisch auslautenden • silben, öfr 
tevs aufgiebt. der grund davon mag wohl darin zu suchen 
sein dafs das e, welches im nd. eine so grofse ausbreitung 
hat und daselbst so oft in unscheinbarer gestaU ftir die klang- 
reicheren laute anderer mundarten auftritt, da wo es als 
volle länge gehört werden sollte (und zwar als e, nicht als 
^), auch selbst als silbenauslaut dem obre nicht genügte, 
soodera siek noch durch den nachschlag des schwächeren 
lautes, gleichsam durch seinen eignen schatten, verstärkte. 

Es ist uns nun noch übrig für die aufgestellfien sitze 
belege zu geben. 

ae =s ahd. d oder a. 
tmert carsits, upvaert ascensio, umen o(»mo, wräeolq^ckeä 



ZUR KENNTNIS DES MNIK M 

iracandia, maendt luna, maendttydt mensis, affgespaent fa- 
tigatus, gehorsaem obedienüa, gaen ire^ iraeeh figer, quaedt 
malos, rae(fr ooiisiliiiBi, dael vallis, laet sine, sehaep ovis^ 
iiaep somnus, underdäe» subioetim, ^o^^ semeo^ sodaett taMa; 
i&r/ yallis, radt consiliniii, iaten sinera, ^ckupe aTes« 
^iofen domure, vorm vaU. 

1. Gir ahd. i^. 

hen merces, sckoet greMMiti, verdrott pignitt gtboedt ias- 
sit, hoenslaginge ca^Uatio, woerdt yerbiim« 
/b^e« mereedis, wordts verbi. 

2. für ahd. aii. 

/(Mp eafsns, Utohep .'adcmrsiis, roeck famiis, soem aiarg«« 
/oe^0r(&A.dignas cui credator. 

geiove fides» gehlen enAere^ hpen eurrere. 
. S^ für ahd. uro« 

&/oeti? sanguia, icii^Ar über, bdiaeff utiliiaa» tf^rio^ skJk 
avrperbivk, boeiverdieh ad poenitentian prompias, bwlpre^ 
iii^BttppIicatio, i»atf<i^V/2cA'la8€ivii&, <siMn fasere, denMi 
modeüia, floeci maledictio, ^^«^ fluctus, egendoem prapnet 
Ui, simf/loet dünvies, gnpedt salnUtio, kroeek eaupona, 
MbaeMotV prudehiia, raep elama, sehe^ ortavit, .soApe/ai«^ 
ffer praeceplor, sckoeldener minister scholae, stoel mlh^ 
uproer seditio, voeth pes. . 

Ink liber, modt auimus, avarmodt superbia, ilok ftUh 
deuBy Alodt sangQis, droob portavit, bokes libri, - b^te poeait 
tentia, ropen clamare, schale schola. 

de. - 

sdet dolcis, neben söte; jr4e^/f6LSubseUia^ aber tiSle sellae» yJAftzta^c 

ue. Cur ahd. u. 
gebmeck usus, liiedi sonus, ruem spatium, kruedt herbai 
unkruedt herba inuUUs, vörhuedt praeputiom, vuel figtti 
vuelheit pigritia. 

vül piger, bruken uti, ^t^?^ haorire, luden aonare, 
brudt spOBsa. 

äe. 
wüest vastus, däetlick perspicuus, gebrüeckUck usitatus. als 
flexion ist das e wohl anzusehen in thilet trahit, 9Wtt videt^ 
geschüet fit. 




•- I 



M 



60 



ZUR KENNTNIS DES UND. 



C09 



/X 



1. for abd. d, m. 
seheed discrevit, erscheen appaniit, dreeff^ pepulit, weeth seit, 
beseheedt reBfonnnm, breetU Ulan, uthbreeden dilaUrc, de^ck 
naza, deel pars, ^fe^/sn dispartiri, eedt 'mnmmuAnm, ßeesch 
caro, heelen mederi, keen^ neen naliiis, kleen panrus, leedi 
inioria, meesea opinari, vormeendtlick creditas, steen lapis, 
sinnigen lapidibus obraere, unters ckeeden discernere. 

beledigen offendere, allene solos, beme crura, bewenen 
plangere, egen proprias, gemene ecelesia, hetem iubere, r«- 
ken tendere, teken signam. — bUve manerel. 

2. für abd. tu, ia, io^ te, eo. 

blees flavit, deeff far, deeffstal fiirlttiii, entsleep obdomiivil, 
leeth iassit, heeldt tenait, ßeeeh effiige, deenst senritian, 
deep profdndus, heeth nomiBabatiir, knee geoa, leeff caLTus^ 
leep cucamt, meedtlinck mercenarias, vorreedi prodidity 
gteeffkindt privignas, theen trabere, deerie animalia. 

anripem adclamarent, biden offerre, gebMem iobere, 
brSf epistola, enttprSten nasei, gSien fdndere, nimmuU 
nemo, nimah Dunquara, prisier sacerdos, v^rdrSien pigere. 

vorlesen perdere, denen servire, dener senms, en^le- 
gen effagere, ümmqfenck amplexns est, leve amor, fep€* 
anare. 

3. für abd. i, gotb. ai. 

heerden pastores, weerdich dignos, weerdigen dignari. — 
vee pecus kann nicbl fSglieb bierber gerecbnei werden, w^il 
anch vehe vorkommt. 

Scbliefslicb will icb nocb bemerken dafs aucb die ben- 

tige plattdeutsebe ansspracbe eine analogie for die eben be- 

sprocbene zerdebnung der älteren spracbe darbietet: das 

lange e nämlicb, welcbes regelmäfsig dem bd. ei gegenüber- 

. stebt, wird entweder als reiner elaut gesprocben oder es 

I klingt ibm ein leiser tlaut nacb, welcber in mancben di- 

i stricten zum breiten bd. ai wird, so dars weeth seit bald 

' = wety bald = w4ity bald = wait gesprocben wird*, der- 

* [die jetzige aserdehnung des ee in ei zeigt sieh anch schon in äl- 
teren Schriften, ick weit, seio, in Siaggerts chronik, eirca a. 15^5. 
deyner, servus. Lisch mecklenb. jahrb. bd. 3 s. 186. kleyne knfs, 
parvi easei. ebend. s. 187. Kosegarten.] 



ZUR KENNTNIS DBS tmO. fll 

seifce fall ist es mit dem nd. ö welches hd, u oder dti eal- 
spriehl ; das o ist entweder ganz reia oder ein karzer idaat 
schlägt nach welcher wieder zu völUgem au werden lutnn. 
z, b.. boek liber ^sabök oder bo*k oder bimk. 

2. AUSLAUT; 

Die vorhergehende auffafsang der mnd. zerdehnnng w»d 
durch eine andere erscheinnng dieser mandart unterstützt 
ond bestätigt in der sich eine sehr feine und consequent 
hervortretende empfindung für den einiuCs des ausbuts auf 
die ausspräche der endconsctnanlen offenbart, um nämlich 
den schlufs eines wertes deutlich in der ausspräche hören 
zu lafsen ist es nöthig einen druck oder eine gewalt auf 
das ende des wertes zu legen. Wodurch fast jeder con- 
sonant unwillkürlich an härte oder schärfe zunimmL das- 
selbe mufs natürlich dann statt finden, wenn ein consonant 
mit einem andern (und zwar wurden) in der mitte eines wer- 
tes zusammentrifft, weil, wenn die laute beide deutlich ge- 
hört werden sollen, die gröfsere anstrengung de^organs zur 
ausspräche des zweiten lautes einen ganz ähnUcfcHi druck 
wie beim wortschlufse auf den vorausgehenden cons0nfuiten 
zurückwerfen und ihn dadurch gewaltsamer bervortöneü la- 
fsen mufs. beide fälle sind also nur eine und dieselbe er- 
seheinung und können deshalb der kürze wegen beide unter 
dem namen auslaut hier begriffen werden, diese lautmodi- 
fication mufs nun gewiss eigentlich in allen sprachen eiiilre- 
ten, aber sie wird nicht überall gleich stark sein können, und 
zwar desto schwächer sein, je lebhafter das temperament des 
Volksstammes und je flüchtiger also seine redeweise ist, so 
dafs sie entweder gar nicht oder doch nur in einzelnen fäl- 
len durch die Schrift ausgedrückt wird, es spricht sich da- 
her in den sehr subtil durchgeführten und ausgebildeten aus- 
lautsyei^nderungen des mnd. eine characteristische ruhe und 
bedächtigkeit des nd. volksstammes gegenüber dem hd; aus, 
indem der Niederdeutsche sich bemüht in dem ebenen lang- 
samen gange seiner rede jedem werte und jedem laute sein 
volles recht zu gewähren und so alles hübsch ordentlich und 
bedächtig abzugränzen, während der Oberdeutsche seinen 



m 



ZUR KENNTPHS DBS U^Ü* 




iJbcT abliMn^ und fflitfttijck« dahin mu^eli^iiileti beifilröiiiffii 
gleiofi memlentheitfl tibf^r dif; unhatU|>tiiikte der rad«! ItidHrr 
mgdi dahin ctH nd^r «ip g^r mit si^h lartreifst aU dafji i^ 
gicii die i^eit nähme jedem Htm recht ruhig zuKOwlIfeti. 

Der emUufN dei« abgntnzeude ii i^pratihdruckeK Mufiicri ftveli 
oatürlich ani de ullir hüten bei deu oiulis, die %'ou sdbsl ihre 
vefschiedeue hHrfe stufen wci^ bezeichnen : er Uif^t keine siufe 
derselben ganx iitiverüchont, sondern verwandeit die media 
10 di« ienais oder aspirata, die du fache teimis in die ver-^ 
sehärAe oder auch in die aspirata und die sonore asptrmla ti 
die florde, sa dal's jeder stumme eonsonant m lange es tf^ 
geiid möglich war steine euij^hmlfichkeit ge^^u den ihm ge- 
leisteten widerstand zn erkennen gab ^ doch konnte die wi9> 
deinng der tentiis in die aspiraU auch oft unterbleiben, wtf 
sieh die tenuis die der media ab hilfe genügte aueb mw 
Selbstverteidigung stark genug diinken durfle. die <aAt 
verhalt sich nun im einzelnen folgender maJsen, 

1 . am meisten niufs^ wie sich von selbst verstftbl^ 4if 
schwäch äte grad des eonsonan tischen lautes der verüfidentag 
unterliegen, also die media ; sie kann entweder (und da^i Ist 
dm gewoholichsLe) in die tenuis oder auch in die a^piratA 
übergehen, und zwar so daf^ die dentale media immer dia 
tenuis wählt» weil en^ im nd. eine dentale aspirata nicht gih%^ 
die dentale tenuis erseheint in der dreifachen form di^ | 
und tl, worin eine wachsende ver^slärkung liegen kann^ mu* 
fserdem wechselt mit f auch th. die gutturale media gtehl 
gewöhnUeh in die aspirata ck über, hei vorausgehe rideni n 
aber in die Lenuis c*-; die labiale media geht in die a&pira^ 
/ überj wohl deswt^geu weil ihr im Verhältnis zum hd* iwrth 
das lautverschiehungsgesptz diese lautslnfc gehiutig ist. übri- 
gens kann nach der natur der nd. laute die labiale media 
eigentlich gar nicht in den auslaut zu stehen kommen^ weil 
sie im inlaut nur tmeigentlich vorkammt; denn da wo sie litt 
hd, steht, mufs natürlich im nd. die aspirata auftreten; 4iB 
formel/ — *—;? I*»i* laL. u. s. w. — nd, — hd. aber, wel- 
che fiir das inlautende h dem nd. ersutz gewähren könnte, 
hat sich fiir das nd, nicht entwickelt, weshalb die labiale 
media daselbst fast nur im anlauL gefunden wird, aus weU 
chem sie nicht bi« in den austaut verdrängt werden kann. 




A 



ZOR^KBIfNTNiSrDES UND.: » 

gtbeim inbere, geblük, gebäth iubel^ geboedi kssit; 
geraden bebe suceedere, g^eedt beoe succetfmt, bidden iHtnr 
re, bau oriiYÜ;. werden fieri, ?£f^/ fit, ' wäH fiebtt^ holden 
leäere,. höldi teneC, hoü tene$ i^ro^eiKr ^leare, trett dakaly 
^nA cakavitf.^iufe fini/s, entsehöp finis; levendt vila, /i9r 
t^S^cfe^ vitae ; vortruwent MucisLy.vortruwmde fidocjite; f«/r^- 
re^amatiis, geleveden amati; vorbSteri emendatüfi, toorbS' 
terde emettdata; ^oi/^ deasy gades iei^ göde dii) biodi »$»r 
guisy i/ode^ saagaints ; ^e/i/< pecaaia^ geides peconiae ; ^ 
«fey» interEcere^ dodt motrs; /yi»^ i»gnQ«9 pmdos pigii«rä» 
panden pfo pignore cajpcre. 

flegen fagere, ^«eA fuge, ^A^/Zt/cÄt refugittm; segm 
viAereali mohyidil^ sichtlick yisAüis ^ leggen fonete^ te^h^t 
ponis, leckt ^mi^ liggen jaeere, laek iacait, lieht iaoet; 
geschegen fierent, geschaeh factum est ; seggen dicere, seoht 
dicit, sech die; swige7t silere, swicht silet; dragen ferro» 
dreckst fers, </rocA tulit-; mögen velle, a/7(;cA vult,^ muckst 
vis; krigen naacisci, krickt nanciscitur ; flegen solere» 
pleckt solet, /^/^^A solebat; ^ö^e traberet, unvorfdcklick 
statim f däcktick strepavs, däcktrge strenui ; sfdtck benemo- 
ratfis, s4dige benemorati; genock satis, genögen sufficere; 
duck ^ea, cfii^e dies; we^A via, mege viae. 

/ifftg^ diu, AmcAr loAgtts, /«itü^jram tardus; gingen 
iveruat» ^i>teAr ivit, umorgeneilick aeterpus; geaantk caA>r 
liieaa, gesenge caRlilenae; anvangen incipere, emfenektMk 
ab iiiitio; umfnevangen- amfieoüj uminetfenek Brnflex-UB e^^ 
junge iuveves, ^nci ipvenis; diages rei, dimi res; kiht 
mnck rex, kömnge reges ; n^[elinck_b^ei^vB^i!^ wye^ 
Unge boniines imperitf ; »»90ißÄV?ciSr mereenarios, meedtlingee 
wearceoarit. 

kebben habere, kifffH habes, keffit haket. 

2. die teauis kann «ich entweder durch sich selbst ver* 
sebärfen, indem statt der einEaehen tenuis im auslaute die 
verdoppelang steht, oder dureh die aspiration« daher gebt 
die gntlnrale tj&naia k theils in ck^ theils in ck über; die 
llJnale tenuis p aber wandelt sieh \viff. 

entwiken aufugere, entwickt aufugit; sprSken .loqui, 
ntreckst loqueris, spreckt loquitur, spreck loquere, sjtrßck 
locutus est; br4ken frangere, ir^oA^ frangit, ^rocA fregit. 



u 



ZUR KBNNTNIS DKS HNO. 




i|U^esilo» ; äirptktn cogilare, dachte cegiUvil. 

eniilj gekfifft tmiUB. — dA);e|;e[i Zop«» carrere, /^i ciiinli 
ri»pän cbmjir«, r^pf damaL 

3. flir die Ubialc reihe beKiUt das iid* eine ioffdlM 
aspirata, eine sciiiore tf ^ dem o^^r. /i und doe lurdc/ 
^ ngr. 1^. im anUut sieht v oft ohne unlerscbiad ßf/* 
aher im intaot st wischen zwei vinalf» hol dtc fiOQOrt Up ' 
rata ihre eigenthümücbe »trllung, uod dafn sie liter amA ii* 
neu weicheren laut hat p^eht schon daraus hervor dab ^ 
sich stets iti ß' wandelt ^ohald mt in den aasianl tritt; i^ 
üen tollere, itrff tolle \ drifven p et lere, driffsi pcUiSt ^V 
pellil, i/r//jf pelle; ^'^'^r/i dare, ^/j^ dal, g*lf ^^f gßi^ 
dit; hiyt^en mauere , ^*^$S^ manct, A/jf/? manc ; schf^ 
scribere, schrifft äcnbit; wißff mnWtt^ wwer muliereüi v 
corpus, /iVej corporis ; hoff aula, Ääi7e# autae. 

3. MEKliWÜRDIGES VON DEN GUTTURALEN 

Bei dem Übergänge der aiederdcutschen dialecte ans ^ 
alten in die mitüere perjode mafs eine du roh greifen de n^ 
gang dagewesen sein die alte lantrormcl ß In cht mnxoff*- 
stalten, denn sowohl im ninL ab auch im älteren rnnd. ^^ 
cht in vielen Wörtern auf welche im alts. ags, und aM*/ 
haben, aueh in unserem mnd* der letzten periode iirf^" 
sich noch mehrere inleressanle beispiele dieser erscbeisu^r 
während das pLd. davon nur einen sehr unbedeutenden r*^ 
erhallen hat\ das englische zeigt spuren beider periarf* 
in eigenthümlicher Verwirrung, indem bald ß^ bald gh ^ 
scheint, welches letztere in vielen Wörtern wie / ausgesprß" 
eben wird, aßer post, /eß sinister, .^/gh suspirare^ ^f^^P 
ridere, ejiovgh salis, cough tussis, auch das ahd. gifcl i*** 
nerhaZb der granzen seines eigenen gebietes beispiele ein** 
solchen wechseis zwischen der gutturalen und labialen reib*! 

' [die verwand eluDg d«s Jt in cht hat die jetzige pomffl^Cl^?^ 
sprÄchc ftoct in maaclien Wörtern i tuchi luft, s^cki iroft, *cAff«Ä* 
s«htFt Kosegartenp] 



zun KENNTNIS U» MMD. « 

khj^um kioeMn kUbo^ftm puLiarey Üb ük tiu, oM^msi krio^ 
ehan kr\fan repere, za YCirgleiebea mit ags. ere^an^ eagl. 
ct^» nord. krinpa^ mod» kripen, nbd. kriecken, lat. r<?- 
ji«re> serpere, griech. dfjwCm, ekr. srap. der äbet^gang der 
labiale ia die gutturalen sobemt demnach immer erst eine 
spätere entwickelung %vi sein und steht im nd, in abhängig- 
keit von einem folgenden t. wichtig ist diese erscheinung 
Tdc die erJdärung einiger dunkler wortformen; weshalb die- 
selbe hier näher beleuchtet werden soll. 

Sacht pladdns, saektmödich mitis, sachimadt mitis ani- 
mns, ahd. satuft^ ags. seß, soft, engl. soft, aus dem älte- 
ren mnd. ist zu vergleichen sachtmodich, zeitschr. f. d. alt. 
i, 541, 15. 19. sachtmodicheift zeitschr, 1, 541,25, sach- 
ten miiigare, wen sik denne sacktet sin böse grünt zeitschr, 
i, 542, 32. der nasal ist also in deo niederd. dialecten 
einstimmig verloren gegangen. 

sachten und sifften ingemiscere, ahd. suftön^ mhd. süif- 
Ifsn, säßen (zeitschr. i, 439, 19. 454^ 559. 2, 198^ 17), 
ags. seofian, engl. sigh. die englische foita ist ebenso &us 
der ags. umgebildet wie die mnd. aus der altnd., die wohl 
der ahd. gleich. gelautet hat; deswegen ist der. guttural in 
sigh und sOchten nicht gleich dem in goth« gasvdgjan^ 
sanskr. suc. vergl. Graff 6, 173. 

achter pone (das noch heutzutage. gewöhnliche wort für 
hinter), achterreden calumniari, ahd. <z/*tor> goth. aftaro^ 
nord. ^flsTi ag6. qfter, engl, aßer^ alt. mnd. und mnl* ocA- 
ier. der achter nsge vorsake im Cato zeitschr. 1, 542. 
4at in i$ mit ackter bieten zeitschr. 2, 321. achtel* loissen 
zeitschr. 2, 321. 

luchi und bifft ae'r, mul. locht (zeitschr. 1, 106), lucht 
(zeitschr. 2, 328), ahd. alts. A^^ goth. hßu^ ags. lyß^ 
engl, to Uß^ altn. hpt. 

luchter sinister; ebeoso im alt. mnd., wente wat dar g\ft 
din vord* hont dat sc diner luchteren umbekant zeitschr. 
i, 544, 24. und im mnl., uut sire bicht* hont, uut sinen 
bichiren voete zeitschr. 1, 103. die etymologie dieses Wor- 
tes ist dunkel: das engl, l^ sinister läfst sogleich an to 
leave relinquere (ahd. lei^'an, altn. leffa, ags« la^an, alts. 
farUbian) denken, dessen part. piät. im engl, würkljch leß 
Z. F. D. A. III. 5 



I "' 



W ZUR KENNTNIS OBS UND. 

heiht nnd die bedeotang relietns, rdiqnos = poslerior wür- 
de vortreirUch zu der obigen mnd. steUe passen, wo die 
rechte band die vordere beifst; aber dann wnrde eine abd 
form leip^r, alte, lefter erwartet weHen mufsen, deren 
vocal wohl zn dem engl., aber sebweHich zn den »nd 
mnl. » stimmt; deshalb wage ieh nicht diese l<M;Lendc spar 
weiter zn verfolgen, sondern sehe in tmhter de» resl eines 
älteren wortstammes: im alte, moste di^ c«rr«poDdier«nd( 
form lußer oder loßer lauten and dies würde auch einen 
abd Stemm luß oder laß vermuten lafse», wovon ich aber 
nichte nachzuweisen veimag. jedesfalls ist wohl das Uuii„ 
laeotu, gnech. Xtuig als verwandt zu vcrpleirhen 

JrüdUscAt nuftiae: datmen am «mäag. nen^' brudUack 
ÄoA/«i ,cA«/ Ag. 190. de brudüachten A^. Vio. dnt d. m 
Sre brndtlacht tq, den maendach leggen \^. ig|. ^„, ^ 
brudtlachten gebrüecklick ü Ag. 172. br^dtfocht.s predm 
serm« nupl-ahs Ag. 174. b. unde am drü,UU-n d^e Jrl 
eme hrudtlacht tho Cana Ag. 409 a. äh.r die ahl form 
dieses Wortes brätlouM brütlauß haben s.ch schon Grimo. 
(deut. rechtsalt. 434) „nd Graff (abd. sprs.l.. 4, ll^o, Z 
.war be.de zweifelnd ausgesprochen, der .rnndJ zu™ iJri- 
fel «her d.e erklärung der zweiten bälfte v..„ !,r„Uouß sind 
auch, wenn man d.e verschiedenen dialectis.hen forn.en des 
merkwürdigen Wortes mit einander vergleicl... gewiss »icht 

tZl rJ^ ''"'"' '^'"^"^ ''"'''' ''"•«' '«^»"i^ ent- 
schieden auf den stemm hlaupa, hUapan, enesc, ab« dui^h 

den mangel des anlautenden h gleid, wieder ^erdaXu» 
ser mnd. W^«,Ä.. im brem. wb. hruUa, bmaoß L 
mnl.^r«/«cj, (zeitechr. 2, 327), Mögt (z^i.schr. t ^Z 
nnd d.c mod.ficierten formen Ar«%/ (zeitsehr > 1301 Ij 
^J^ (-'tschr. 2, 327) lafsen eife alte. f..,:i l^^Uo^::^ 

bön angeboren kann, während von hlopan „,iis,e />rrfM/l 

erwartet werden wonius aber kein öZta„,t w/ 'aU 

eben konnte, die hd. formen dagegen geben ei,.e ^ c "e 

feere habitus der form Mtiauß hrüüoußi läis, eben so 
»cbnell au Klauf klauß M„^ oursus denken als TnUlnZ 



ZDR KENNTNIS D£S MNO. 67 

an hlttup, bridlop an hleapan ; der mangel des anlautes w&r- 
de an und für sich noch nichts entscheiden, da sich fast fiir 
alle mit hl anlautenden Wörter au^h schon ahd. formen fin- 
den in denen das k abgeschliffen ist. aber Graff gibt (4, 
1120. 1121) würklich formen die mit k anlauten, nämlich 
bmihlauft nuptiae, bruthlaufte nuptiis, bruthlaufUc nuptia- 
lem, bruthlauftiges nuptialis; es wäre aber gewiss eine 
schwierigere annähme das h in diesen formen für eine un- 
organische anschwemmung zu erklären als den mangel des- 
selben im ahd. altn. ags. für einen auch sonst oft vorköite- 
raenden natürlichen verlust an ' formfälle, besonders da die 
vollere form würklich vorkommt, aber ahd. hrutiaufii brül- 
Imfiy mhd. brätlouf bräthuß brutioß brutlaff (Grimm d. 
rechtsalt. 434\ bair. bräutläuß, silv. briüof (Schott silv. 
gem. 277) reizen auch auf der andern seite gar nicht zur 
ableitung von lobön^ lobSn spond^re ; denn obgleich der Über- 
gang der media b vor tt^ t in die aspirata f nicht blofs 
niederd., sondern auch hd. ist (vergl. giß, gruß^ kluft von 
den wurzeln gab, grab, klub) und auch von lob6n ein loßi 
loußi erwartet werden könnte, so ist doch bei diesem stam- 
me das Suffix ti sonst nicht geläufig (vergl. gelubeda foe- 
dus, Urlaub licentia), wonach von lob6n eher ein brütlobda 
bräüaub brutlobnissa mundgerecht wäre, während für den 
begriff cursns das suffix ti im ahd. ganz hergebracht ist und 
im altn. der mangel des suffixes an brütlaup ganz zu der 
form hlaup cursus stimmt, aus diesen gründen bin ich über- 
zeugt dafs der zweite theil unseres brauüauf für die hd. 
nord. und ags. formen nur aus dem stamme laufen erklärt 
werden darf; und dahin mufs nun wohl auch das mnl. und 
mnd. sich vereinigen, wären die formen brudtlacht bru- 
lucht brulogt auf nd. boden erwachsen, so müste allerdings 
nur an geloße gelöße foedus, votum gedacht und eine alts. 
form brütloße vorausgesetzt werden; aber dann wäre wohl 
dem mnd. die etymologie des Wortes noch im gedächtnisse 
gewesen und es hätte sich wohl eher eine form brudtlocht 
brudtlöeht als unsej brudtlacht fitVMtU da nun das mnd, 
di^ bedeutung dieses Wortes nicht mehr klar gefühlt zu ha- 
ben scheint und sich auch kein alts. entsprechendes wort 
aafweisen läfst, so glaube ich dafs diese worfcform im alts. 

6» 



I 




fig ZUR RRN?rrNIS DES ILXD. 

iinreier gar uk-hl vorhandm f^we««ti vdi*^r döeh »thr 
nrTstr geliraiH^I» ^kamm^rn i.%L wfiiii sIcK dii^n wÜrktirb i»i 
verltill (was freilich rr»l dureii ctiip i^org faltige *}üT^hfür* 
»chimf^ aller alt*, i]«**!!«*!! erwiesen werden oiüste)* tio Miek 
nur ilif aiiniihin« üliri^^ daf^ sirti.die mnd* tind mal. Mik' 
fiirmeii aus dem mlid. hrnthmß brüthß eiif wickelt IWitalt 
was an und für m\i htl dem l»ckaaiitrn eioflulVe di^ft oU* 
auf die mnd. und ninL NcKrif^j|)rnelie nielit atiirdl<!ii kaui 
be>4(? dialeete waren aUi^r ^rwahnl in vit^lrn wort^m 4f* 
hd, yj iUr beliebtei« trht j^epenöber nn sleilen und liekleü^ 
iJtxi also wcihl bald uacb der atirnAbtne den Kd. rrcmdlti^rf 
nd. gewaudc^ ebenso nher kiinntje Mch in (le^tn fremden lü* 

M kein worle iüi lund* ans ifrtidtincht leicbl br-ndtiarhf bili» 

da namenÜiob im späleni mnd* d^is mbd. 9 fiefir bauSg dtff 

i' ß vertreten wird, r^r^^ tj/n^n Aperin*. efitsprfftf*m ua***^» 

/rff/Ä pius, gnde» dei, i^t'brakt*n tniclus, ^t^^atett (asüB^ f^ 
namen tvaplns, ge^inien ilaiisus, ^t*»prnki*n dieJns, Ä^ 
sperare^ kamen venire u.a. m. niöcrtjte dieser ver^ucb tfl 
dunkle wortform in allen ihren versebiedenen enbeheimmp 
aufzuklaren den ktindi|^en ^cnü^en. 

-'* Übrigens gibl es nufser den hier aus unserer quelle ^ 
bandelten wtirLem mil vht ("fir ß im mnK und im SlUi* 
mnd. nueb viele beispiele iür diesen UiutwediseL leb litv* 
zum scbbil'se noch eini^i^c an. mn[. &gte aut (iniid. fß^^ 
zeilschr. 2, 356. 353. mnl. stirht^n con^üluere zetUebrJi 
326. ebenso im älteren nind. muL scncht bdstile zeitscbr. h 
109. ghescQckl creatus zeiischr. l, 264. cracht f^^^ 
zeilsehr 1, 3<i4i (im mud. unserer (fuelle krnß^ i^&rsck^ 
sUffien)* 

Als eine zweite bemerkenswerlhe eij^entbümllebkeii ^ 
mnd. gutturalen ist ihre verwandtstbaft mit den halbvocii«» 
j und w anzuseben. von der gutturalen media zum balb*'^ 
cal j ist nur ein kleiner sebritt und die provini^ietle 9^ 
spräche in Deutschland vorwerhselL beide laule viellach* <h^ 
her ist es wenig au H all ig bei spiele zu linden wie mud^ JE> 
gßfi cantra^ yegputverdiük praesens; ebenso im Calo zeitecfcf' 
1, 540, wo sieh aber aticb kf*gen und tf^^vu findet (5Hi* 
540.542), mnl. jegpn (zeitschr. l, 108), abd. gugan kägm 
ags, gegen, nord. gagn. — äo gebt auch die gutturale asp** 



ZUR ILBNNTNIS 06S MND. . 69 

rala znweileu ia den halbvoeat ühtti teyen deoom, alls. (tfr 
han^ goth. taihun, ahd. sehan. 

So koDDtc sich nun natürlich statt des balbvocals auch 
der würkliche vocal z an die stelle des gutturals setzen, z. b. 
sleit fcrit, tem decem. vergl. mnl. cratt er acht vis, seide 
dixit, bruloit brulogt niipliae, mhd» vefrtreit^^xiesi^ seit 
dicit, verzeü pavidus, meit yirgo, gekleit accnsaUis* 

Und wie in den angegebenen TäUen eine erweicbnng 
des ursprünglichen guUurals m den halbvocal y oder in den 
vocal i statt finden, so ist auch die Verhärtung eines haN^ 
vocaU zum gutturalen nicht ohne beispiel, und zwar des haliK 
vocals w zur media: «c^ß saes («oo^sus, Graff6>ßS), ags. 
suga^ engl, sewy ahd. m sus, $imi snis; negen novem, 
ags. nigan^ goth. ahd. nitm^ nord. niu, lat* novem, skr. 
navan; wobei das ags. ia übereinstimmnng wil diem nd. die 
gntturale media zeigt. 

Aber diese vereinzelten fälle von erweichten und durch 
vertiärtuttg entsiandenen guUnralen im. msd« fiibren tins zu 
einer auf dem deutschen Sprachgebiete, weiter veffbreitet^i 
erscheinung des wechseis zwischen gutturalen und den halh- 
vocalen w und j, wodurch die eben angefahrten beispkie erst 
in ihr rechtes licht gesetzt werden, es ist dazu natüiüch 
4ie vergleichung der dialecte erfordeiiieh. 

1. Es gibt eine reihe von deulscbea wortstammen wo 
das ahd. als erweiteruog der vocalisoh auslautenden wurzel 
h oder w verwendet oder auch die infiaitivendung mit dem 
' j der schwachen conjugation unmittelbar an den stamm anr 
aeJiliefst; das »bd. Imt entweder das i der se&wa<ibea conj. 
zu j verhärtet oder es zeigt h wie das ahd. ; das nh4« heh 
hält dieses h durchgängig bei. das goth. hat iii entftpre- 
ebend^ Wörtern stammhafles i^ als dessen vet'häctnng das 
kd. h angesehen werden könnte, während, sich zugleich andi 
w aji dem stamme entwickelte, (ur das alts. muh wohl als 
reigel gelten dar& sich weder w noch h in dieier wortreihe 
gefunden habe, sondern blas das i der schwaeken coiguga- 
fion I demgemäb haben das mnd. und nnA. durchgän^g den 
balbvooal y» /• das ags. zeigt standhaft den andern halbvo- 
cal V9 welchen auch das englische in seiaein. w beibehäll^ 



70 ZUR kENKTNIS DES MSD. 

das iiofd- eodtich verachtci jede erwrtteniiig lies sli 
so enUtfbt folgendes ^liema 

goUi. aM* mbd. nhd. di§* mad. agi. 

fotb» ^ailsm «erere^ pü/ö/i »pirarc. 

VkM* säfm s4jan silkan sdwan sercre» mdhun nel^ffi 
uithan ndwiin ndjan occterCf bidj&m M/uin InÜmttf 
wdhan wdn spirare, drdjfin drnhjnn lorquerff, tMj&n 
lif6wnn florcr«, gi^^jun eandfre^ miijau m^hjon vexsttt^ 
dolcstim. 

y^^ spirare, drirjen fragriie» hirje/i crociUre, mtitfen iii^ 
Ifsre, Ä^e« nere, ^a^/i^^ »erere. — iirA<r fovea^ ä^tti fo* 
vcrej drtthe Lorqtieo, rfrinn larquere. 

nhd. ^rt>/ij nmheti^ miken^ biiihtn, wehem t «frpArfw, AÄ 
Atfn^ ff iahen f bemühen ^ mühe, 

ahs. ^/2ia/} serere, also auch wobl mdian^ ndian^ bläimit 
wäiafit drdian i und aas bl^ian florere folgt aucli giM^ 
candere, gam^ian vexare. 

mad« und nmK seyen^ meymf ttttfen^ bleuen, mitf^ 
dreyen. — blöyerii giijyen^ mvye^ benwyen, 

ags* sdvan serere, mdvan meiere, biävan flare, Ä* 
va?i dhregian torquere. — bMt^an florere, g/4t*an candere* 

engL to sow serercj to mam metere, to hhw fltre* 

nord. $6u sä scrcrc, mä meiere, gl4a candere« ^ 
molestare. 

2, Iß einer andern reihe von wurlern steht das Te^ 
faältnis der dialecte zu einander etwas anders; denn wltn 
read iu der ersten j und h vorherschten, so ist hier w über* 
wiegend, die hierlier gcbörigen wortstämmc sind nämüd 
solche deren stammvocal seine neiguog zum ?/laut im aW* 
mhd. ags, alls. mnd, durch anschiebuag oder richtiger darcfc 
production des halbvocals kund gibt 5 das alls. zeigt aöti 
reinere formeo ; das j,^oth. hat wohl in den grurndforweii 
meistens au gehabt, in den ableltungen tritt das suffi^jf^ 
und die formel ggt^ auf. ebenso zeigt sich eine guitiii*iB* 
sierang des (labialen) halbvocals einzeln im nord. und ags*t 



ZUR KENNTNIS DES MND. 71 

aber durchgäogig im verhältois des nni, zum rnnd. ; das 
nhd. hat den halbvocai meist wieder aufgelöst, doch zuwei- 
len auch in h verhärtet, es entsteht uns also die reihe 



goth. ahd. 


mhd. 


nhd. 


alts. 


mnd. 


nnd. 


ags. 


au,ggv,(j) w 


w 


u,h 
nord. 


w 


w 


^ 


v.g 



goth. gabaüan-\ain\;^Te^ /rozMr» confidere, «r^^afides, 
ßrauja dominus, nh^a novus. ver^. blaggv = ahd. plau^ 
glaggv =:: ahd. clau, s. Grimm gr. 1, 119, 1. 

ahd. drewjan drawen minitari, bauan hauwan hattwön 
hauwjan oaedere, büan büwan habitare, briuwan fervere, 
ingru^ (auch wohl gruwän?) horrere, trüih truwen trm- 
wen confidere, triuwa tnwa fides, frawa fiowa frouwa mn^ 
lieri brtuwa poenitentia,. hrmumn poenitere, riwa rdarottwa 
quies, rdwön ruowön quiescere, strawjan sf bürgere, ß^wjän 
ßrowjan Jrewjan gattdere, Jrawida laetitia, scawön scauwön 
contemplari, mwi ntum novus, mwön renovare. 

mhd. houwen caedere, buweh bouwen colere, brouwm 
fervere, getruwen getrouwen confidere, vrouwe femina, rnt- 
wen dolere, rouwen dolorem, rdwe ruawe quies, räwen 
ruowen quiescere, ströuwen spargere, vröuwen vrewen gau- 
dere, schouwen adspicere, nitiu^e novus, ntuwen renovare. 

nhd. drohen, hauen^ bauen^ brauen, grauen, trauen, 
treue, frm, scheuen, rette, ruhe, streuen, freuen, schauen, 
neu. 

alts. githröön minitari, trüön confidere, trewa fides, 
fraho ßrd dominus, hrewan poenitere, ddian mori, strdwian 
stemere, vergl. hSu percussit, sSu seminavit, sn4u nix, sl^ 
hebes (Grimm gr. 1, 244. 245). 

mnd. drowen drauwen minari, howen houwen caedere, 
buwen aedificare, bruwen cerevisiam coquere, gruwen hor- 
rere, truwen confidere, truwe fides, fruwe mulier, schuwen 
reformidare, ruwe poenitentia, rouwe quies^ ströuwen stro- 
wen ströuwen spargere, fiqwde gaudium, frouwen gaudere, 
beschouwen contonplari, nye novus, vomyen renovare (wohl 
Iraker niwe, vomiwen). 

nnd. drougen, hougen, bugen, brugen, grugen, tru^ 




n ZVll KENIMTNIS DES MND, 

4aJ*e, jdrou^eH fmugt^rt tfaudetT, nigr tniva^. 

igs. dhrean dhrcnrjan ftftrt^t/gan miaari, h^ar^^t cae- 
dcrc, brwan fcrvcre, tre&vfjan confidere, trrtM^a Gdes, hftüH^ 
Mi€iiitentiai hnfonm [»ocnUerc^ nfrearjan*/ sfre&ffäM? I|«^ 
gere, /i^ör hjVä aovii», nirian reoovarfJ. 

eogt. ArfM^ rerevisiam coqaeri*, Irwe rem-», «'ror 
j^y^^r sternerCj wr*(i^ dovus. man halte auch jrw»if? nix^ rfrirr 
Irahere, */cti^ ro» g*!g<^" «d, stnigt^M^ irerirnt douffen* 

0ord, brng-ga ferver«, /rtf*r ronßdcre, ^yr ootitSt i^f* 
rcDOvare, 

Durch diese zasaaimcnstellungf in wdc^ier ich die ^ 
aeii für die älteren diaLccte ntdi Hr^ft yad GnntfUt üi 
mnd, nach meiner quctic, die und, ,iuüt dem ntaiide rfei «J- 
kes gegel^en babe, scKeiiU die %'em\indtiehafl der gultnri^ 
len mit den beiden halbvocalcn, besonders aber eine ii<eig«nf 
vieler deutscher dialectc erwiesen zu seiDH^ mit ^ittluratffl 
und dem balbvoeale w io vielen wortslammen ztt weehseti^ 

Wenn wir nun w als den labialen halbvecftl beztiflh^ 
Den, so wie / der gattEirale genannt werden kanii^ so er* 
scheint auch der oben abgehandelte einlritt des chi im mnl 
und nind* für älteres Jf als aus derselben uei^ung ent^i^rütt- 
gen und isl im gründe dieselbe er^scbeinung, nur auf eiafr 
andern, namlich der aspirierten stufe. 

Endlich ist von den gutturalen zu hemerkea dafs sie t^ 
mnd. häufig ansgefallen sind, tiud zw^ar am meisten vor i$ 
aber auch sonst im in- und auslaut. 

^Usse pixjs, osSG bos, siJjis sex, wasj^ cera^ wassen 
erescere, vass vulpes. — na post, nahfT vieinus, itaiferifehp 
vieimLas, homudich süperb us, s/an fcrire (aber siogm. g^ 
slagen)^ tkeen trahere (neben filgeu^ gelogen)^ gvachem 
fieirij geschüet fit (duch geschegen facti sunt, ge&ekach fa- 
ctum est), Seen videre^ säet videl (aber amh vidit, teg^ 
viderunt), teTten muLuarl (ahd. lehanon), leen inutuum (aM* 
kkan)^ vürtyen ignoscere, smäen maledicere, smefick ig««* 
mimösus, gmukeU ignominJa, vorsmaden repudiare^ »ee p^ 
cus, Ciener Cingarus, sede riixit, i^de posuil. 

Die zahl dieser beispicle würde sich leicht noch fi^ 
mehren lafsen, wenn ich über die gränzeii unserer quelle 




Zm KENNTNIS DER MND. 73 

bäile hinausgehen woHen. das mnl. geht anch in dieser er« 
scheinung band in hand nrit dem mod., indem es besonders 
vor der dentalen tenuis gutturalen ausstöfst, z. b. vrut firu- 
ctus (zeitschr. 2, 305) vorte metus (zeitschr. 2, 311) ^re- 
the iniustus (zeitsqhr. 2, Z2\) geslethe genus (zeitschr. 2, 
321) gesut quaesitus (zeitschr. 2, 323) besuet (mit zerdeh- 
nung (ur besut) tentatiis, probatus (zeitschr. 2, 329) ; im in- 
lant zwischen zwei vocalen wider saen negare, obtrectare 
(zeitschr. 2, 341). 



4. STEIGERUNG. 

Was Grimm (gr. 3, 621 f.) von der comparativischen 
nator der suffixe an goth. hvaßar, ahd. huedar und an den 
possessivis nachweist, so wie (3, 635) an ^oth. anpar^ ahd. 
andar, und was er (3, 629) bei gelegenheit des goth. htei- 
duma (sinistei*) vom mnl. rechter erwähnt, das findet in ei- 
nigen wortformen unserer mnd. quelle einen merkwürdigen 
anklang, für das relativum existiert nämlich daselbst auEser 
den gewöhnlichen Wörtern {de, dat, — so, ^ — wat) das dem 
ahd. interrogat. welihhery alts. huilik, entsprechende wel" 
cker, das vollkommen in comparativischer form und flexion z:^ 
auftritt und zwar eben so in einer doppelten weise wie die 
ahd. possessiva unserer unser, iwerer iwer. in ganz ähn- 
licher art erscheint das indefinite pronomen yeder quisque, 
welches in seiner ganzen flexion durchaus comparativlsch 
ist und nur, wie dies im nd. gewöhnlich ist, die definierenden 
endungen im nom. masc. und neutr., und im acc. neutr. 
eingebüfst hat. ich setze die formen der beiden pronomina 
so wie sie in Ag. und KO. in vielfältigen belegen angetrof- 
fen werden I als paradigma hieher. 

1. relativum und interrogativurn» 
a. volle form. 

no». welekSre qni, wekkire qfoae, wefckSre quod. W^-iW-^'^^ 
umlcker. ^»w;^ wi^tA^,/- Tu 

gen. welckSres^ welckSrer, welek^res. f*^»^ ff^- 



r *"r 



74 



ZUR KENNTNIS DES MNÜ 



acc* 



dal* 
aec. 







tveick^retttf welck6rer^ weirjf^mm, 
weiük&en, weick^rCf wekkSre^ meick^r. 



plur< 



b. verkürzte form. 

sing, 
Dom, tretckes, welch ([iiod^ t{iiid. 
gen. iveickeff wehker, wetck^s. 
acü. weicken quem. 

plar* 
num* weicke. 
dat. weichen, 
acc, weiche. 

Die erste Tonn mit dem eomparativsiifSx ist bBi weSlB 
die gebräucblichcre, tiur den f^en. plur. habe ich oiclit If 
getrofT&ß^ beiderlei farmen werden ftir das interro^at. oad 
rclal. verwendet, 

2> ludeflmtum. 
a* starke form- 

Dom. ^eder, yedere^ yeder. 
gen. i/ederes^ yederer^ ^edere^. 
dat. ^edcrern, yedcrer, t/ederem, 
acc. t/f^deren^ yedcre, yeder. 
bp schwache form. 

uoni, ein yedery eme federe, ein yeder^ 
gen. eines i^edcren^ einer y e deren ^ eines federen* 
dat. einem yederen, einer yederen^ einem tfederen* 
acc. einem yedei-en, eine yedere, ein yeder. 

Neben diesen vollständigen formen kommen ancb dj^ 
elidierten yedv.rs^ i/edermy federn vor. 

Diese von weicher und yeder aufgestellten formen äö-- 
gen uns das mnd. noch in ungeschmäterLem besitze eines al- 
ten indogermanischen crbgütes, wovon andere sonst bevai^ 
zugle brtider nur kümmerliche restc erhalten haben; 0^* 



j 



ZUR KENNTNIS DES MM). 75 

dazu geseltea sich noch zwei andere Wörter welche gleich- 
falis auf anerkeDiiang ihrer alterthümlichkeit anspräche ha- 
ben, das ist rechter dexter nnd luckter laevus. wie iiber^ 
hanpt bei örtlichen bestimmun^n wo die vergieichung mit 
dem eignen oder einem fremden Standpunkte in frage kommt 
das comparativverhältnis häufig gefunden wird (vergi. Grimm 
gr. 3} 622 ff.) und wie namentlich für die begriffe recht und 
link sowohl in den alten sprachen als auch in den germa- 
nischen mundarten die comparatiy- und superlativformen auf- 
treten (vergl. Grimm 3, 629), so gibt uns auch unsere 
mnd. quelle diese begriffe nur in der gesteigerten firarm, 
thor rechteren handi Ag. 3, mit siner rechtem handt Ag^ 188 J^i^^ l, ^//. 
und öfter; thor luchteren handt Ag. 117. 226. über die 
Wurzel lucht ist oben bei gelegenheit des wechseis zwischen 
cht und Ji eine Vermutung gewagt worden; was aber die 
comparativische natur dieser beiden wcHrtformen anlangt, so 
ist für sie besonders das ranl. zu berücksichtigen« für rech- 
ter sind mnl. belege bei Grimm (a. a. o;) gegeben; für das 
von ihm nicht erwähnte luchter wiederhole ich die beiden 
schon oben angeführten stellen, vut sire luchi hant, uut H- 
nen hichtren voete zeitsehr. 1, 103, und das mnd. wente 
W0t dar giß din verde hant dat se diner luchteren umbe- 
kant. Cato 24 zeitsehr. 1, 544. 

Für die anomalen comparativbUdungen mufs hier noch 
erwähnt werden dafs, während meUor melius in unserer 
quelle sonst immer bdter heifst, sich doch auch noch die 
form b^t in dem ausdruck desto bit eo melius KO. 20 vor- 
findet; man denk« dabei an die im mhd. besonders geläufigen 
ausdrücke vil baz, michel baz, deste bax, und an die entr 
sprechenden iormen der alten dialecte (vergl. Grimm 3, 
589. 591. 593 ff. 604); als beispiel aus dem altem mnd. bie- 
tet hwe einen anderen nicht bet wan dy Cato 9 zeitsehr« 1 , 544f 

5. PRONOMINALSTÄMME. 

Von den reichen pronominalbildungen der alten spräche 
hat sich in unserem mnd. noch manches ehrwürdige alter- 
ihum erhalteui wenn auch oft entstellt und ohne genaue ver- 
gieichung plastischerer formen unkenntlich, zuerst tritt uns 



n 




KgNNT?ilS DBS MNI>, 



der im di4. iiitil nibd. ta vieiracli ycnn endet« sUunoi «<i^^ 
etilij^^geii* er koiitEit m diT U*rm ieht vor, iehies ^M i|itid> 
i[iiaiii KIK 8. A^. 'J9i> der partitiva gettidv itfitl »udi oliü 
wQt i van nem^fmle rrhts !iO* 72* ichis tho g^rt^H KO^ HW. 
wiir^fift dß msiiat^res ichies torordmrn liO. äO (vei^^ 
Uriinm ^r. 1 ('Zc niisg*> SJ8* :392. SU."!), im CaUi :iä iclT 
uiiquid zeiUrlir. t , 54iK — * mit der nef^atioit erseheifil ^^h- 
fiiUs seltr 4>(l die v allere fonn mckics (orbeu mehU)^ üt 
mit khte»^ ichtjt vei^liclK^n iich sogleicli als |Nirliiiv|CBilif 
erweis I (iritum 3, Ij4. t>7* (>8). für den W^f Jidlit 
komm^ti in tifiAereiit dcttkiiia] beidi^ deutsche l>itduii|C£0 ^ 
gleichem recht neben einander Tor, so wobt aeen ^ ^^ 
fmnn^ ailfr. m^Ri a^s. ndn^ ^tigl» nonr, (eiit^tundi^n aus ^ 
'eiü ((rrinim. ä, 66)^ al» auch k*icn :^ ahd* mhheifif m 
hein^ mlid. mtchvin^ tnrhnn^ iihd. Am/, Äit*. mg*\Ht ™ 
neghöu (enUUintleu aas nth-mn (irimm 3, Odfl".>- 

Eine andere aus dem sLinimc <?«>i erwachsene wnftTMi 
i^i yenuich : yenmch söue eddvr doch (er ^ — tffnnich A*tftf 
gtidi KO, 42» yennhh pri*dfger HO. 43- yennigen kerckm- 
dee/ist liO* 47. afic yenmges hmd^nnge (sine cuiüspianii* 
pedimento) KO. 84. van yf^/iiger tTeatmc Ag. 118. mit f^ 
mger rot^werri/fge der' conscimiien KO. 26 und iu 
anderen stellen, das wort bedeutet, wie die belege 
uUns, quitlam, uud entspricht dem ah 4. cinic, agi. 
maK iitück mig, engl, a/it/ (GrlinniS, 9); aber es istw^ 
mehr als diese Wörter, denn in dem anlautendeo y, / «t***^ 
das pnißx ^o, mhd. /<», nhd, je, so dafs sich yfmnkh m 
ahd. eo eikiV; ullus fGnmu] 3, 52) völlig decktj so wi« J* 
mmidt mit ahd. eamaft* von diesem letzleren worto ist *ö 
bemerken daj's zuweilen der geniLiv^ analog dem gen* ^ 
*e*3 nithtes^ elliptisch als acc* oder nominat. vorkemtut^ s** 
wie also icktes für ichlfis ivkl oder icliteu mal, nkku^ 1» 
nicktes nickt steht (Grimm 3, 67), so hier yemattdes luf J^ 
mnndes ein oder ymnandes yemandt j w//rfif schUien nicht b^^*" 
iickdcs sondage morgens //cmandes absolvcren Ag. 140- ^^ 
rfe c&nsüiefUim nickt i*onverrel noch yemands mwhristtfßi ^^ 
sic4rei werde Ag. 140. dieses prätix ^o, #o, goth- ^m» komfli' 
auch als selbständiges wort vor, wie nbd. je (vergl. Cf**' 
l, 513 ff.), iu der form ^o,- yo dut tmgelücke gröter iSß }l^ 



ZUR KENNTNIS DES MND. 77 

de lebe püriger wert Ag« 179. ya se der gebordi heger smt^ 
yo se gadt levtr heffi Ag. 109. yo neger de tydt der gebot^di 
henan iret, yo mer $e gmle d^moAen sckoleH Ag* 110. 

Ein anderes merkwördiges pronomen ist ^äL ÜftUeJk unns^ 
quisque. schale m biUick mit gretem tolyte ein idtUek sieh 
sUiveH prSvefi Ag. 355. darum sehölen m ein idtliek sin 
criU%e up sick nämen Ag. 356. da dieses wert nur in iler 
bedeutung qnisqne, aber nie ffir aliquis gebraoehi wird, ^ 
bat es nichts mit ahd. etiUih^ nihd. etelioh, nbd. etUch zto 
tbtuK, noch mit mnd. ittelik aliqnis, nnl. ettelik (Grimoi 
89 58. 59), sondern es entspricht dem ahd. iosSurölih, mfad. 
ieslich quisqne, für weiche letztere form auch als verein- 
zelte Varianten ietsUch und itsleich von Grimm angeluhrt 
w^erden (3, 56. 57). diesen mhd. bildnngen ist unser 
idttick ganz gleich und dieses wort löst also den von Grimfli 
ansgesprochenen zweifei ob die bildang iestich auf nd. ge* 
biete gefunden werde, wenn man nicht lieber anuehmen 
will dafs in unserer späten mnd. quelle das wort bloTs als 
ein dem ndid. itzleich, ietsh'ch nachgebildetes gefafst wer- 
den miifse. 

Der begriff talis wird häufig durch sodaen ausgedrückt. 
welck is denn sodaen toordt gades Ag. 40. welcke sint so^ 
dane wordl unde Üiosagen gades Ag. 41. ahd. s6 getan, 
mbd. s6 getan s&tdn (Grimm 3, 62). 

Von den comparativischen formen des rdat. ist schon 
oben gebandelt worden; aber es ist noch ein anderes rela^ 
livam anzugeben welches' auf den ersten WidL, etwas be* 
fremdlich aussiebt, nänüicb wol is qni oder als interrogativ' 
vum quis. wol de gröteste is sy der andern dener KG. 14; 
schal de vader edder wol np smen bev4l vadderen üddet 
KO. 23. wol (quis) entfengt denn söick saorament weerdi* 
gen ? de is recht weerdieh wol den geloven hefft, — wol äderst 
dissen worden nicht gelövet edder ttcivelt» de is unweer^ 
dich Ag. 44. zu erklären ist dieses wol aus ahd. hwioäh 
qualis, welchem eine kürzere form wel weler (quis) gegen- 
übersteht ; mhd. wülh wel (Grimm 3, 47), wobei man sich 
nur über den olaut der mnd. form wundem muTs. 

Andere sprofsen aus dem relativstamme sind das loca(- 
tive wor nbi, mit dem entsprechenden draionstr. dar ibi. 



n 



Xliil KEXNTNTS DES MXD, 



tti^r ti^i dat gcsckrSteft Ag. 42* tifor u denn äöieJk ^i/kemi 
undt drinekent nülit^ tho A^. 43* «Iid. Hit^^ alt«* hrnM 
(Grimni 3, IH4* 185); das modale tro quomoda, *po Ati?» iem^\ 
(er Miiick grot ding doen Ag, 4L cPO A*^/^ de minMüht* Mibid$^ 
vurg^vm Ag, 45* alts. Ai«^ (Urtmiti 3, 183)^ uod das eil^ 
ipreobende demoDStral* do i}i]tim, rtme h^rre Jcsws ChriMim 
m der nacht do he vor r ade n wart Ag* 41- abd. d4^ olCf. 
thuo (Grimni S, iW)\ endlich da^ caittale ftmte nain« wtt 
€lic« durch vän^^ in unserem drukitinl fiir das M* demtt fv^ 
wendet wird, ahd. hvatUa^ aiU, hwand^ mild* t^o»! m| 
ninL if^<iA^ (Grimm 3, 1S3* 184); such m der b^deMf 
usi[ue ad kömmt wenti*. aoch vor, ick de ht^rre din ^odt^m 
ein j/vt^rich godt de aver de de mi knien de sUnde der r^ 
tho htis söke wente in dat drüdde tmde verde getedi Ag, 34 
so auch das mnL ü$de aha fange ah da tejf wiui daü ij 
Herodex mnK Osters|». 521 f^eitschr. *i, 319* im itittd. Btt* 
det sich wente (aam) auch sonst nicht selten , seilsehr. If 
538. 539. 540. 541. 543. 544* 545* 546. 547. 

Als seltene und vereinzelte büdung habe kfa eodliob 
^ n^>l^ ßoch für das gewohulicbe t/Smais das wort ^e werit ttnxptM 
°' ^Zjt und die negation newerle nunrpiam für nihnah anf^ctrsfi»* 

' wente nemamlt kfjft t/ewerie sin egen Jfemeh gchatei Ag. 17?. 

unde dut idt bHer were dat se den weck des i^tendes tmii 
de gnade Christi newerle erkandt hedden KO, 4. maa dfmki 
sogleich an das engl* ever^ never oder an ahd. ^ogüwm 
nsquequat^ue, iogiwar quolihcl, mal* ieweren usquam, mk- 
werfen ntisquam, und ist geneigt die mnd. endung h m\ 
mnl. nieweren ei nullibi, eis ieweren alicuhi (Grimma, 220) 
zusammen zu stellen, wenn aber auch der Übergang der lo» 
calen bedeutung in die temporale niclils aulTaUiges bal, so 
erklärt sir.h doch unser t/e werte, newerle viel leichter aul 
mhd. 5 er werlde nie, zcr werlde immer , iiind. new^ride und 
im brem* wb. iewerle nnquam, imwerfe nunquam» Gritum 
3, 224* 

6. ADVEHBIA UND PARTIKELN* 

Die mnd. adverbia finden sich theils in der geoitiviscbefi 
fonn (Grimma, 88 IT* 12711*) auf es^ a, theils in der schwa- 
chen form auf en (Grimm 3, 94 fr 136 ff*) und auf e (Grimm 



zm KEPflsrmis des mnd; 79 

3, 101 tr. 115 ff.)} wovon ich beispiele geben will. dageSies 
KO. 37. yarlikes KO. 102. vorgeves fitistra. s^et semper 
KO. 83. volgendes postea. ylendes festinanter Ag. 79. 
MÜlleswigends tacite Ag. 246. t^tmdes^ nunc Ag. 105. wr^- 
vels^ nefarie Ag. 134. 

gruwliken borride KO. 4. ersten prtmo KO. 15. vly^ 
tigen Wide trtiwliken diligenter et fideUter KO. 18. untydi- 
gen praematare KO. 23. nömliken nempe KO. 54. de^ge- 
lycken demgelycken pariter KO. 69. moetwilligen petulan- 
ler KO. 85. rycktiken abunde Ag. 23. eintfoldigen simjdi- 
citer Ag. 32. tüchtigen caste Ag. 33. falschliken falso Ag. 34. 
gödtltken divinitus Ag. 38. hefftigen vehementer Ag. 436. 
wysKken sapienter Ag. 444« u^ÄrÄ^^g»«» vcre Ag.379.. »ör- 
xfcA/fg'e;} prüden ter Ag. 421. tydtlikenundeewichliken Ag. 38. 
entliken Ag. 39. weerdigen digne Ag. 44. lyffliken Ag.44. 
gnedichliken Ag. 90. warliken ifTohc\jo Ag. 92. erstüken 
primo Ag. 124. swerliken difficile Ag. 132. ehrütliken 
Ag. 13S. weerdichliken Ag. 148. diitliken perspicne Ag. 240« 
alkhotydigen praemature Ag. 259. demödigen bumiliter 
Ag. 347. geisiliken Ag. 354. uthwendigen Ag. 355. alle- 
Momtliken Ag. 356. hüden h^je Ag. 30. vaken saepe. KO. 
Ag. öfters, z. b. Ag. 180. 186. 

lesterlike ignominiose K0.96. Ungewisse 1\.Q:\^2. v4le 
multo Ag. KO. öfters, stede semper KO. 19. eins edder twye 
semel vel bis Ag. 194. allerdinge Ag. 69, reife iam KO. 90. 
pck rede Ag. 17. allrede iam KO. 9. wenn rede Ag. 77. 
alte wSge semper. in ander wSge aliter. in kenem w4ge 
nulio modo KO. 30. allerdinge omnino Ag. 184. 

thosamende wechselt oft mit dem gewöhnlicheren tkohöpe 
z. b. wat godt thosamende vöget schal neen minsche schei- 
den Ag. 188. so sprSke ick yuw eelick thosamende in den 
killten eestandt Ag. 188. dat se de helle thohöpe buftoen 
Ag. 179. auch steht zuweilen thosamen, dama kamen de 
^orordenten mit einander thosamen KO. 77 und samentlick, 
schalen se samentlick edder sunderlick tqt den negesten sy- 
nodum beseheden werden KO. 77. man vergi. ahd. samant, 
mhd. sament (Grimm 3, 215) und ahd. si samana, »i sa- 
mande, »i houfe (Grimm 3, 147). 

Als beweis daCs das alts. huarba nicht blofs im mnl., 



m zun KENNTNIS DES MNU. 

siMideni aaeh rnnil* i^cinc naelikonunljngi! gebtlit Eil dirut 
ans u Hagerer cjuHte amii^niyifff iicram* de aitmecktiffn gvii 
tmdr rndfr unneM herrefi Jesu Chri»tt\ de di andßrwtrff^t 
Uurtn hefft dorch dal water i/nde dm htlii^tn gtüi A%* U^ 
10 iticb tti BfrL Craiif 595 der üi um mtdef^mf mr^ 
zeiuchr. 1, 94. im iijüK auch dirdrwer/' %mt3chr^ 2, M 
ttber die eoUpr^cbcadcn diilGctiscben fcinneQ rtt%L Gciii 

BemerkeDüwerÜi LsL die ilv|>pfUe fami^ i& der in iifts^ 
rer mtid. quelle und wohl ütif^rhaupt im tnitd. lief hip^ 
öder ausgedrückl wird« uiimlidi dur<:h 4*ddt^ und ffflf. kilt 
wdrler smd in Ag. und HU. völlig g^ng und gäbe and ttsr^ 
den in der weise verwendet daf^ i^tid^r das All^eoisitill 
wort fiir deu l^egriff oder ist* wo^^e^^cn f^Jßv ejgenllkb wd 
^ewöltnlieh ob bedeutet und gleich dem laleiiibrlien ittttf^ 
an seinen frageudeu begriir auf die objeiUv unbeälimmlii? i^ 
lichkeit mehrerer «^ieh gl eicb stehen der Hittc ijberlrli|i^ ^^ 
man auch jetzt Doeh sagt ob dies^ ob das^ uüd wteia^'' 
teraaischen dialect Tür odrr durchgängig nbrr (»ücb ^^ 
^ I nur aus ahd. oba eulsleül) gebrauebl wird* z* b. fumdo'B» 

scknlen de kercke/iäener — säivest neene beerkriige WA" 
noch hanteringe so Srrm stände itngem^fe edder yagtt iff 
f*en KO, 12- rdt schal Qck neen predtger coprUmt tÜ^ 
sckölmeister angenamen edder tho deenate öeßrderi wff^ 
KO* 13. were otersl twhefhfijf^tch ejf'ie daf Jemge VLnt*^- 
KO, 10. seknl idi tho der tiisitnlhn edder sttpermt^^ 
ten hedeneken nnde gev allen stan^ effte mer kerc/mn dlf^ 

tpastori können bmalen werden KO* 16» ^fflt dff «wiw* 
sermone sehölen ansian u,s,w. KO. 20. stunpi mmm*P 
tme psalmen KO. 19. na dein sermonti rfft up eine &^i^ 
gelegene stimde KO. 20. dat 7Hen dorch de ivercke der g^ 
bade gades schale e^e könne den hemme i vor denen KO**' 
wenn ÖPerst de orerieheii ich (es wat gebäth ejße dti^ 
1 KO» 8. m stMen effte dörpern KO. ö. nnde könnm ^ 

» edder effte leem/ger clnsscs syn KO, (51 (oder aucli). ^^* 

schal sk'k nemandt egendom daran anmalen alse efp (<!**•«" 
he tho sinem huse erßliek gelegen were KB. 86- went^^r 
wo! (qiiamvis) de ehristNke kercke nicht up gelyc^ßr^ 
ordeninge der ceremonien gebuwet is Ag. 62. unde ^"'^ 



ZUR KENNTNIS DfiS MND. 81 

im olden testamente hevunden wert Ag. 199. efft he aek 
gedUldick sy? efft he in angst sy? efft he angevochten 
werde? Ag. 203. 

Sonst findet sich im rond. qf niim (zeitschr. 2, 198) 
und of aut (zeitschr.2, 199), auch q/i num (zeitschr. 1, 545), 
t/ie sive (zeitschr. 1, 539); mnl. ef num (zeitschr. 2, 306. 
307. 315. 346), ofove sive (^zeitschr. 2, 306. 313. 316. 350.), 
ogte sive (zeitschr. 2, 353. 356). 

Was die entstehung unserer beiden formen anlangt, so 
entspricht edder goth. dippdu, ahd. eddo, altn. eda; effie 
dagegen alts. eßhö, mnl. o/ie, altfr. jeftha^ so zwar daCs 
beide reihen zusammen gehören und sich ergänzen: edder 
nnd effte sind also eigentlich dasselbe wort und nur dadurch 
hervorgerufen dafs das mnd. hier eine doppelte rolle spielt, 
vergl. Grimm 3, 60. 274. 

7. 6£RUNDIUM SUPINÜM INFINITIV UND 
PARTICIPIA. 

Wenn man innerhalb des niederd. Sprachgebiets das da- 
selbst vorkommende Verbalsubstantiv auf -ent mit dem ge- 
rundium und supinum auf -ende vergleicht, so ist man sehr 
versucht von jenem Verbalsubstantiv als dem mittelpunkte 
dieser erscheinungen auszugehen und gerundium und supi- 
num als casus von demselben herzuleiten, wodurch ein sehr 
organischer und classischer Zusammenhang dieser formen 
entstehen würde; allein durch vergleichung des ahd. und 
alts. überzeugt man sich leicht dafs die sache sich ganz an- 
ders verhält. 

1. vom gerundium haben sich in unserem denkmale 
noch deutliche spuren erhalten; der ahd. endung -ndo ent- 
spricht die nd. -ende: da dieselbe aber stach durchgängig 
für das part. praes. gilt, so ist es im einzelnen falle oft 
schwierig, ja unmöglich zu entscheiden welche von beiden 
formen gemeint sei. sicher als gerundia sind wohl anzuse- 
hen de in sünden moetwillich stakende blyven Ag. 46. bly^ 
ven in erer hiicheh/e stakende Ag. 124. dat du in sünden 
stakende blövest Ag. 164. dat dat rökelose gesinde thor 
bicht unbereidet lapende kümpt Ag. 127, und verkürzt de 
Z. F. D. A. ni. 6 




m /'in KENNTNIS DES MND. 

iapeM kamen Kü« 4S« dif^f^ii isnlsen die iibrigeo falle 
lie^r aU |Mirt< prst^. {^efarsl werden, tmdf iurgnt dex mm* 
äeken jdint* tur uns mit dem hilUgen gefäi hermfdiier wt- 
renäe (deitcendtnteni) A^* 97. irk Mm*h ein hm MinmnA 
(ilaiitem) np dem h^rge Xii*n A|;. 427. dat aihf AUktt 
^Sr&ngerffgvde erdom ttnhngendt (rcsptcifntes) KO, tutt* 
ü^i" wilhny, gnedivhUck hef^t^rt*ndfi unde emjttUvk geb^d^mdf 
(opüiiite» cl impcraiilirs) KCl, vorr, ivi beiuHmi^ «e gnedickÜ^ 
emiMnend^ (ceiUiirüiitlCJi) A^* v<irr. Ührixtum siitrniiff ikm" 
rechtem hundt dvs vadm (sedeolpm) Ag. ^i>. de gmii pH- 
$eden mie mnifviath smgrmh (canlanlci) Ag. 182* cfa AS* 
iige geist iV ram im der unde vam xiine nthgande Ag. 4iE$^ 

UiiBJchcr scbftinen «lir rolp;cadc fäUc* du schalt tmt*tmdi 
fdder stnmide spr^kvn Aj^. 46* de hwben xitigm kn^miA 
vor dem aitar k^. 1*1, he hhh dat tffdtru/txer tmf*imii 
Ag* 95- men rrke den fflffdes Herrn aho sprühende Ag, 214* 
wi jsiftge/f einen iapesftng ane (*nde seggende Ag. 3S8- dwr- 
imder de s ander mit gttdem gewHen unde gedidl der g^itädf 
edder de.i rechten erwnehtende sich schul heg^ren Ag, ITO* 
vergl. Grimm t (^eausf?,), 030, (>3I. 6^4 (T, 
2. der inßniLiv bat überall die endang -en für das iJ- 
lere -an (Grimm 1, 63C). das sapinuiD hat nirgends mrir 
die ahd. alts. ags- endung -anne^ -enne^ sondern uinmit «i 
der seit dem 14n jh. eingeriTseoen vemnrrung ibeil ditrdi 
welche die endnng des gerundii uud part, praes. sich v^ 
das supinum verbreitete^ diiher zeigen sieh überall fonMf 
auf -ende für das dativsupLimm, während das geaitiysapjii» 
ganx erlosclien ist. im ajfufigende Ag, 78. im frag^emät 
Ag, 108. mit heswerende^ mil badende im uf^ water Ag- 2Ä7» 
mit bichtkörende, ahsolverende^ dopende Ag. 10- hoidt wi 
mit lesende^ mit studerende^ mit eormmtende Ag. 10, II* 
mit zetterende Ag. 50. mit bedende Ag. 54. mit predigende 
tmdß singende Ag, 81, tfw theende HO. 48. (ho vormidende 
Ag. 191. tho rullemstreckejide Ag, 236, tho doende KO. 15, 
thö seggende Ag 11. nnd so überall. 

Aber nebea dieser vorhersehenden form zeigt sich auch 
schon der ahfall des eharaktcrisListhen Zeichens in formea 
wie tho besorgen^ tho eorheden^ tko vormiden, tho varde- 




ZUR KBNNTMS DES MND. 83 

refiy tho belegenen, tho wSren, besonders in den vorreden, 
vei^l. Grimm 1, 638 ff. 

3. ans diesem noch deutlich als dativ gefühlten snpi- 
num hat sich nun auch eine nominativform auf ,;ffl^ ent- 
wickelt, welche sehr zahlreich erscheint und von dem infini- 
iiv eines jeden Zeitwortes ein Verbalsubstantiv bilden kann 
das ganz dem nhd. infinit! v mit das entspricht und vollstän- 
dig durchflectiert wird wie ein gewöhnliches substantivum. 
reste dieser bildung hat die heutige pld. volksmnndart noch 
genug erhalten; für unser mnd. denkmal mögen folgende 
beispiele genügen. 

dat anropent unde forderent KO. 110. neen anseent 
der person Ag. inseent KO. 34. vorwisent KO. 14. vor- 
nement}^0. 10. dat ISvent KO. 4 u. immer. tvSsent KO. 4. 
affwSsent KO. 39. ane vorw4tent KO. 42. ane süment 
KO. 106. alle unse doent unde vormögent Ag. 12. datlo^e 
wasschent A^. 23. avenUthent Ag. 31. sölck Sthent unde 
drinckent Ag. 43. dat men doe biddent Ag. 51. ane klo- 
ckenlüdent Ag. 101. dorch dat bloet vorgetent Ag. 229 
ane beenbr4kent Ag. 437. 

des uthreisendes K0.16. vam vötewasschende Ag. 436. 
tho rechtem vortruwende KO. 21. mit sinem unschuldigen 
lidende Ag. 36. ihom ewigen luvende Ag. 74. in unsem lu- 
vende unde stervende Ag. 85. disse vormaninge vam sckre^ 
ekende der öveldedej' Ag. 225. bi/ krancken unde doden- 
wakende Ag. 221. 

Analoge büdongen finden sich übrigens auch im ahd*, 
wo aus dem part. praes. durch das suffix i substantlva mit 
allgemeiner bedeutung abgeleitet werden, winnandi vexatis, 
deilnemandi parsinomia, ßmemandi electus, wentendi diver- 
ticulum, rogenti accusatio, hroafandi clamor, kepanti graüa 
(bei Graff 2, 1142). es würden diesen ahd. Wörtern, wenn 
auch nicht in ganz gleicher bedeutung die nd. formen win- 
nenty deelnSjnent, vomSment, wendent, wrögent, ropent^ 
gSvent entsprechen.. 

4« was das partic. praet. anlangt, so hat dasselbe über- 
* all die untrennbare präposition ge als sein zeichen, in Über- 
einstinunung mit dem nhd., aber in grellem Widerspruch ge- 
gen das und., welches bekanntlich niemals dieses präfix als 

6* 




I '1 



84 ZUR KBNN^miS DES MND. 

Charakter des pari, praet. gebraucht, als anfaog dieser ge- 
wohnheit habe ich in unserer quelle nnr zwei beispiele ge- 
funden, nemandi so tho deenstft kamen is KO. 89. idt is 
dat heil uns kamen her Ag. 452. vergl. Chrimm 1, 641 ff. 

8. WORTBILDUNG UND WORTGESTALT. 

In dieser hinsieht bietet nnser mnd. denkmal zwar nicht 
viel eigenthümliches, aber doch manches bemerkenswerlbe 
was es mit den älteren dialekten gemein hat. 

1. manche präfixe, die sich in der neueren deutschen 
spräche so fest mit manchen Wörtern verbunden haben dafs 
diese ohne sie nicht leicht mehr vorkommen oder doch we- 
nigstens für gewisse bedeutungen ihrer bedürfen, treten 
im mnd. noch nicht in so grofser Verbreitung auf und be- 
schranken daher noch nicht so sehr die zahl der einfachen 
wortfonnen. diese prä6xe sind ge, be, er, ver (vor), win- 
nen affwinnen reciperare, winnst lucrum, wi*rvke societatf.s 
opificum, werve quaestus, ringe exiguus, t^me »patiositSf 
weldich potens, waldt vis, gerichUwaldt vis iudicii, wende 
vestis, Aöre/ipertinere, horcken ohe^ire^ brueck coDsuetudo^ 
brüeckHch usitatus, laven anlaven pol]ii:rri, sick bemi^eh 
contentum esse, tmwisse incertas, vorwisst*// ccrtiorem face- 
re, ledt ledhnate ledemate membrum, biUU preces, Iwtn 
credere, loeffweerdich dignus cui credatur, unlövtsch qni non 
credit (daneben geloven gelöven gelovige), rare perlcului», 
sanck cantus {lavesang, sanckhöker)^ stadm toncedcre, om- 
wennen adsuescere, gastebade convivia. M/pe adiutrix, 
^ deerte (coli.) ajiimalia, stöelte (coli.) sclloc, reken esse, 

V * nätinge usus, smack gustus, röke odor, rufe vasa, vadd^ 

ren compatres (atfich gevadderen), 

waren conservare, rede jam, stan consislpre, fr^en li- 
berare, dröfenisse möestitia, drögerye fraiidiilcDlia, nomen 
nominare, gnaden propitiari. 

ehrbedinge reverentia, inlyvcn ineorj^orare, dreckitck 
tolerabilis, sparen animadvertere, sick holthn sc habere, 
sprengen divulgare, lösen redimere. 

2;. in vielen fällen sind die präfixe durch form oder Be- 
deutung bemerkenswerth. 






.. *■. 



ZUR KENNTNIS DES MND. 85 

vor. 
vorlyen suppeditare, vorlenen mutuari, vorgehen ignoscere, 
vorgeten oblivisci, vorsahen deserere, vorwerven sibi com- 
parare, vorkl4ren explanare, vorschrecken perterrerc, vor* 
lösen redimere, vorlüchten illuminare, vortömen exacerbare, 
üor»ye«renovare, vorh6ven extollere, vorwachten exspectare, 
' vorlöven permittcre. 

vorstören delere, Vordrucken urgere, vortaten dimittere, 
vorlöven dimittere, vorlöffnisse dimissio. 

verbündt foedus, voriruwen matrimonio coniungefe, vor- 
truwinge matrimonium. 

tho, 
ihoriten diripere, thobrSken frangere, thorütten tabefactare, 
thostrouwen dispergere, thosniden dissecare. 

be, 
4^/6t;ei»^in jvita experiri, beerven hereditate accipere, behö- 
ren decere. 

ent. 
entvangen accipere, entvinden sentire. 

Merkwürdig ist das präfix bi in dem worte bJloven_b^ 
hven sttperstitio KO. 21. Ag. 39; es ist nicht wie im engl. 
believe die verstärkende ahd. vorsilbe bi^ sondern die trenn- 
bare präposit. by (bei), welche denselben sinn hat wie das 
griech. na^a (daran vorbei), so dafs byloven mit na^ado^og 
naQadolla in begrifflicher Verwandtschaft steht. 

3. die sufBxe erscheinen meist noch in unverkümmerter 
form und bieten auch manche eigenthümliche bildung dar. 

heit. 
erbarheit dankbarheit sümheit (negligentia) tdelheit. — rei- 
nicheit ewicheit einhellicheit avericheit (magistratns) gerech- 
iicheit lüdelefflicheit (humanitas) einicheit ummestendicheit 
(rerum conditio) minscheit (genus bnmanum) küscheit (casti- 
tas) smaheit (ignominia) starckheit (robur) hocheit (altitudo). 



ermaninge meninge vormidinge mtnschwerdinge betermge 
bekeringe wamtnge upstandinge und uperstandinge (resnr- 
rectio) voriruwinge erdb4vinge (terrae motns) blodtvorgS- 
tinge nätinge vortzagtnge wSlinge (eleclio) uthvorsehinge 



m 



ZUR HKNNTNtä ÜES HNO* 



mff€ ^ 



kenifiHgt, 



cArfj*(endom jMtwestäem kUtiged^m ^grmdom riAffdum um^ 
Meduem (iacremeüliiiii). 

natericküp frundhchop ft/emltjtt^hop tikim^ehßp iamdkchf 
gcmBnMchop tw^gersvhtfp htrTHchop gesehchop eg^nschep. 

t*&rs(m€msse ergemüse gevenü^imüie drS/enme miHqjJWiifr 

arM(edi/€ (mcdicamcD) ihövrrtff* (uraesUgiac) ^ffg^odery^^ 

i/me. 
hulperinne (adiutrix) mannmne (femiiw) mr^A^rimte (ollri^ 

de^ 
hSgedfi (flltitudo) stfrkedfi (rohnr). 

te (2ü blLduDg von colieetjvcn)* 
deerie (aaimalia) stoelle (subselliaj b^delt (sacculifS^ 

düetlick brüecMiek wt/sliek f'rlick^^ fiederfiek 0'''^'^^^*^ 
KO. 27. ItfdtHck fgralus) KO, 52, sammthcä (una) «eW- 
lick (visibilis) umkhlHck (invisibilis) dorfiek (gluh\i&) v^^ 
iiek (certüs) vortaüiiken (cerliorcoa facere) eeiik^ mfnntr 
(mantj) edike fmwm (uxorcs), 

ick. 
wworHeridkh mtick tinich schüldieh wttrdwh^ — herbergich 
(hospitalis) haderieh (coutro versus) z. b, haderige sai» 
(res controversae) Ag* 406* - — surnlrigen fsepararc) 4*'*^ 
derge (singulares) he^ ledigen (septlirej Äg. 256, unvüF^^ 
get (integer) Ag, 280, 

iseh. 
bStisch (mordax =: rixae cupidus) hüdeHsch (Uligiosus) ** 
settisch (l^pi'^^u^) vnlovisch (qui nou credit) söktsch (f*' 
riosus) kindeibeddesch (puerjieralis) kindc/beddesche fi^* 
wen (puerperae). 

# ersclieint aJs absiunipfun^ anderer laute (ahd. a^ &9 *) 
umme circa, undü et, mimcke homo, gesette lex, geH^^ 
kdiciuin, bilde imago, vorbilde^ ßiickte metus^ stücke ^'i 



ZUR KENNTNIS DES MND. . 87 

gemöthe aninitts, ßruwe femina, balde mox, ct^üixe cnix, 
gelyke pariter, daranne iu eo, bevile iussus, schulde ooxa, 
herte cor, predige sermo, herre dooiiaas, stamme sürps, 
denne nain. 

4. viele formen sind als durchsichtig voll und den. ur- 
sprünglichen wortformen nahe stehend zu bemerken. 

gelücke res secundae, ungelücke res adversae, geloven 
fides, gelöven credere, vorgelmpen conciliare, gelyck ae- 
quus, gelycken parem esse, vorgelycken comparare. 

pawest papa, naket nudns, maget ancilla, frömedt pere- 
grinus, vaget praepositus, vögede praepositi, yaget venaUOf 
hövet Caput, entkövedinge decoUatio, wedewe vidua, wertet 
werlt mundus, düdesch germauicus. 

Dahin gehört auch vordegedingen defendere (und die 
abgestumpfteren formen vordedingen vordedigen)^ in älte- 
ren mnd. quellen auch noch deghedingen als simplex; es 
entspricht dem nhd. verteidigen^ vergl. Graff 5» 184. 

5. bemerkenswerth scheinen endlich noch folgende Wör- 
ter tbeils ihrer bildung, theils ihrer wortgestalt nach. 

antlaih facies, £föj9ß*profunditas, siill trabs, limen, siek 
gewennen consuescere, anwennen adsuescere, antwerden re- 
spondere, helle infernum, lepel cochlear, weke hebdomaSf 
middeweke dies Mercurii. 

sweren iurare, dregen fallere, legen mentiri, schepper 
oreator, scheppinge creatio, betichUgen arguere, geröken 
curare, rokelos scelestus, nömen nominare, tagen osten- 
dere, vordömen dämnare, wrögen agc usare ^ vödinge upvö- 
dinge educatio, sindlfloedt diluvies. 

lyck (oeutr.) corpus, $a4t saedt semen, sadtseyer sa^ 
Iäf, wrake ultio, torekerinne ultrix, wraeokgiricheit ira- 
cundia, missgewade stola, lyeJmm lychnam corpus, vmren 
exspectare, wachten vorwachten qffivachten. exspectare^ da" 
get virtus, jöget iuventus, vorlesen perdere, averwinnen 
superare, vormögen potens, dives, köninck rex, erdboddem 
solnm, Olyeberg der Ölberg* 

kitmpstißh futurus, thokumpst tempus futaruin, vomt^ 
ratio, vomufftich ratione praeditus, vullenkamen perfectus, 
vullentheinge ratificatio, vorsmaden repudiare, sick nalen 
appropinquare, qj^öltern devolvere, ummegordeln cingerc, 



I 



m 




zun KßNWNIS DES ^fND 



0» bom^ 



d&rhar preüosiis, Jeenstiiek Otitis, iipffrsinfi^ng^ nfii 
tlin^ft resuiTPciio, pHrxtefutrre praefi^eti^ frofjfevai satinfii 
fifiptfn MjiesT g^f^^^^ UJius* 

hemcH urcrc» r^r kernen conlmrere, hem^h^tt cremii, 
Aarw r«n!«, Aor*^ pecla^Sj yhffcÄ/^ ümor, xii^k Jhüehten ÜBCifT 
god{frächtiek religiosu^^ m^titrajf^ indigeniiB» itoi 
6geiis. 

rfye mecJicamcfif (irxti*hms tnercfs medict (arlistfte), 
adj, iiiid siibsL christiaous, prtiten p rieben da, paseAen pi- 
s cha le , pmgcs ten n r yrr^ x u aT*j , ywVjf ir ßln tstmmn lia p t iiiflfifli 
KO. 22- 56. (Tiindcrf!?)*, pate/te (urni hf^reidnt durtf M 
br&di in der patene, den win in dem kehke Ag.31!* VWll* 
mlrd. diu p^t^ne öesnrhrnt den xtmn der d6 warf! g^^f 
daz grab dd unxer herre imm hc zciL^tcbr. 1, 281J f* 
tat. pntina, pafena* 

di/tg'sdach dies Martis, dortn^tdfieh dies lovis, nwrf*^ 
dedinge nu^ae (vcrgh vordcgedingen^ ahd, taffuäing)^ dft 
pei das klrcbspicl^ vasteiavendt (mnL vastetavont zeil^clir *t 
266)j w^edagcn dolores (vcrgl. rikfdagv opiiJentta zritst^hf 
1, 545), nabeslagen avarua Äg. 10. t'orach^He [iraclcrlapsifl 
KO* 72. wanschapen d^forfnis (vcrgL ahd. scaffhM» ^^ 
mis und ahrL alts. ags. «»ffl/i deElcicri«;, rahd. gcsch^fi^ 
forma, ungeschajfen ticformis), bademHme obstcirix (f^l)* 
abd. m6ma und ahd. Ä/i/tfa fovere)'\ underi^gen diven^ 
Ag. 237. 

iädeie^ffUcktit Immanilas, nätl/rükinge nsn^hmi^ 
hoensla ginge cavillatlo^ nodt sahen res advcrsae, m*enkS^ 
lick canvenicnSj aockkmdvr laclcntes, uthvorsehinge pröti" 
dcntta, maündtt/di mcüsisj undertt/dim thoff/dten intcrdi^* 
leddichgenger oüosus^ wedderstal repuguiintja, ajfsinn^ 
demens, qffTtendick abreptus, 

9, WURZELN. 

AuJscr den schon angeführten durch laut büdung ^ 
geätalt eigenthümlichen mud. Wörtern und auf'ser den ^^' 

' [ßhite wml dns lateinisclie /(*/i* s*iin. Kösegarlen.] 
\_bademome ist wohl bademutter, die das iic'agub<»rue kiü^ **" 
wftschL Kosegartea,] 




ZUR KENNTNIS DES MND. 89 

mologisch merkwürdigen deren erläuterung oben versucht 
wurde (brudtlacht luchter und die pronomina) gibt es im 
rond. noch manchen wortstamm dessen etymologie auf In- 
teresse anspruch hat. 

vorwiten exprobrare Ag. 163. unvorwitliek integer, san- 
ctus Ag. 231. ahd. wixan farwizan imputare, %o\ii. fravei" 
tan, alls. Jbrwitan. 

ouwen oves Ag. 423, skr. avt, griech. otg, lat. ovü, 
litth. awts, ahd. am, nord. äj ags. eova, engl. ewe. 

dörntze eonclave KO. 98. ahd. ft/rwiVf aestuarium Graff 
5, 459. Kosegarten hält das wort für slawisch, drewniza 
herdstätte*. 

tvädeme das pfarrgut KO. 13. 16. 53. Ag. 19. ahd. wi- 
domo (dos), ags. veotoma^ nhd. witthum Graff 1, 778. 

boren tollere, bbringe die hebung KO. 39. ahd. heran* 
vullbort permissio, venia KO. 90. Ag. 134. vergl. ahd. 
muntborto patronus. 

kindelbere baptisma KO. 21. 24. darf wohl des vocals 
wegen nicht zum stamme boren gezogen werden, sondern 
enthält das worl beer cerevisia, wie gildebeer KO. 79. noch 
jetzt ist dies wort das ganz gewöhnliche für kindtaufschmaus 
und lautet kinnelbier, 

kate taglöhnerwohnung KO. 56. noch jetzt im munde 
des Volkes, ags. cote, engl, cot cottage. Leo rectit. 47. 

gildeji convivia. gilden unde gemene geselsckopen 
Ag. 445. dat gildeglas Ag. 446. dat se Sre gildent taten 
anstan Ag. 446. gildebeer KO. 79. eigentlich wohl eine 
handwerkergesellschaft, dann überhaupt schmauserei, vei^l. 
ahd. gelt (pecunia, vectigal, ceremom'a), goth. gild (tribu- 
tum), ags. gild (tributum, cultus, firatemitas), nord. giald 
(pecunia retributio), nhd. gilde, mnl. ghilde (societas) 
zeitschr. 1, 266 f. 

soet fons KO. 98. noch jetzt gebräuchlich ; von seden 
abzuleiten, .wie das ags. seaä (Leo rectit. 72). vergl. ahd. 
slodan coquere, salzsuti salina Graff 6, 166. 

" \dömt%e wird in Lisch meklenb. jahrb. bd. 5 s. 34 darch ein 
slawisches drewoniee herdstätle, von drewo holz, erklärt. Schmeiler 
im bair. wörterb. bd. 1 s. 339 erinnert an ein russisches gomiza \ 
fenerstelie, mit vorgesetztem deutschen artikel. Rose^arten.] 



90 



Zim KENNTNIS DES UND. 



4 



i, 



•I 




imme tt^js KU. 97- fthd. m^* 

timmi*tr**ckeji unberzklieii HO. d0 fsoiiiC ia 
deokmHl imiDcr theen}. f^ergt UL truhm^e^ engl- dSm»*, 
trecken tr^vkurMuäe* 

WiitieL dni de hBHer tko rechter iyefi unde im 
gtk0uwrn wrrdi'n fintff nicht utteHt up ei» jar ttmBig^ 
bracht werde KO. 100; es heir»t dies S0 viel «U im rkh^ 
tig^en Mthlag. «otJii!^ daii wort tiut dem slamiiie w«t restiif 
und dett li^vcHt abgeleileleii abd. witu^ ags. t^ndu^ uati. ^ 
dur, engl, wood (silva) verfUcfaeD werden dürfen T — ^ 
auj»dru<;k \it,X ikr-Ii JeUl gewöhnlich und bexiebl sich auf £l 
icbiagcmt holt Uli ^ der forsten *. 

f^ kaveien. d^it mid^r hemeküii up dm u*/fdem/iorrM mtd 
de ket'ckherre mmpt dem dat he in den kaveien naker^A 
kr ick t a/^e idt ^m nrt antkati xiner hm^en huret tmde r** 
otders herf^ebracht is den baren geiyck tiUvesi brfikm «^ 
der rorkfipen KO- 99. auch dieses wort wird jetxt tto^l^ 
braucht uad hezeichDct das zum batiea Tihige und befttiniBV 

irürsffken negare. dennie idl i/t^rst de friaten 0^ 
gadc gedöffi is vnkai Dorsaken^ mhöittH de pr^digcr mit 
ernste darna fragen up dat nene wedderdope geMchee Ag* Hft- 
ahd* Jarmkhan negare, golb, sakan^ ags. sacan, allnorf» 
saca accusare^ engl, to forsake desererc. vergi* Graffd 
74. 75. 

kosten nuptiae KO, 9L Ag* 174. aventkösten cuenN 
conYivium nocturnum Ag. 172* am t kosten amlaasriebtui^g^^ 
jarmarckede^ spSiplet^e^ feektachoien^ kröge dar men ts$tt 
wi/ftf mMe, braruhwyn edder anders schencket fwde ri» 
hefft^ item kosten^ kindelbere^ gilden, ümptknsien un^ 
gmteryen sckvlen den dach so lange de predigen u^^^ 
mrblivvri KO, 21, — da nupliae die ursprüngliche bcdeutöBB 

[u'^ßTe/ bedeutet vollotoadssoit, Grimui oivlbaL s. 405. iOö- ^"®' 
im ftg3. wird mojia wmfot übi^r^elzl innu a^raiica, uiul alkr^iap ^ 
deuten durt wad uod wadumn wandcmiigi d^ihcr Gnmro den Sü*** 
Der sinkcndCj abiiehmeiidt? mond vermutet* in Stibnit-lLers hair* ^^^ 
ierb^ flndtvt sich b* I s. 3Ü tfeä&ln gedeihen. Kn^ii^garti^n.] 

*' [kavet bedeutet lorü, ahiboJIung. mich jetzL &&^i man Atfi^'" 
lofsen. eei Ut wohl einerlei mit katfel schunr, seil; das mit der 9ok»vt 
abgemeraene, Kose^atlen.] 




ZUR KENNTNIS DES MND. 91 

und convivium nur eipe natürlich abgdeitete'ist, so möchte 
wohl an ahd. kusti kust, ags. cyst electio gedacht werden 
dürfen: wähl, nämlich brautwahl = hochzeit. in der be- 
deutung schmaus sagt das volk noch jetzt austköst (herbst- 
schmaus, emteschmans); in amt könnte entweder august 
als emtemonat, oder ahd. herbist^ altnord. kaust (messis, 
auctumnus) enthalten sein, s. Graff 4, 1018. 

böleken die geschwister Ag. 195. bölekenkiniere ge- 
schwisterkinder Ag. 194. auch in der heatigen Volkssprache 
lebt die letztere Zusammensetzung noch als halb veraltet fort, 
um die etymologie ist man verlegen : vielleicht dürfte an ht. 
ßlius, filia, oder noch lieber an skr. bdlas (puer) bdlakas 
(pueruhis) gedacht werden, welche letztere form wunderbar 
mit der unserigen zusammenstimmen würde. vergl.6rimm3, 
699, 6. Bopp § 652 s. 270 \ 

seeltagm mit dem tode ringen, fast verscheiden wol- 
len, wetin överst de krancke in den lesten tagen lege unde 
seeUagede Ag. 217. wo de krancken rede seeltagen in den 
lesten swaren tagen Ag. 220. dies dunkle wort scheint mit 
Seele zusammenzuhängen. 

solrn, es sich schwer und sauer werden lafsen. dat 
wi mit kummeTj swackheit, schade unde varlicheit unse dach'- 
Uke brodt darvan hebben, sweten, sölen^ sldpen, uns grS^ 
men unde plagen bet in de grove Ag. 181. die zusammen- 
steltung mit sweten und slSpen erlaubt wohl dieses wort mit 
ahd. soldn inquinare, solagön versari, natare, altn. sola 
inquinare CGraff 6, 86) zu vergleichen : eigentlich sich im 
kothe wälzen, daher aber auch wohl sich durch noth und 
Jammer durchzuwinden suchen. 

block, in einen vorslatenen block edder caste KO. 102. 
ahd. lUhhan claudere, biloh clausura. 

beyeren^ an die glocke anschlagen Ag. 424. wenn apo- 
steldage edder andere hillige dage in der wSken vallen, 
de men nicht vyret, könen se de w4kenprMige up de dage 
leggen, dartho beyeren taten Ag. 81. vergl. nord. beria 
(ferirc), ahd. berjan (terere) Graff 3, 201. 

vorhüren locare: derw^gen schälen de visitatoren na 

' [boleken, auch boh, ist das mhd. buole, bale, freund, verwand- 
ter. Koteipurtea.] 



te Zm RENNTNIS DfiB >fND. ^H 

' irme^ yedem ordes f^^Ugtmheit de porfeiffg^ doan d&t de 

1 parrherrTn umh* prt'divünten tdt jy m st&deken rtftftr dor- 

neru aihn^ tho twdtraffligvr kuxlwldmg** den arhrrhuiü dri- 
t>tm nnde d« mengen hovfm tha pachtn^hia itihäüvn «rfAr 
vm'hüren HO, K2* hirmit 4chal kUmpstick qffgf'dan stjti dr 
mirhüi'htgt'! der paiTvn KO- 16. tng\^ to füre, vergl at^ 
hürSn clttmare, Jbrhard/i procUmam, ßrahar& pracco* ■ 

boten fasciwari. up dal de harten ram sSgenmt i^Sm^ 
wicAen undc wttrurggtH^ fhörert/e unde äergel^km aitm 
sehen bihven^ tk^ gades fruchte u/tde iho rcchüm i^ 
iruuyt'ndft (Hq gude gewt^nuH Wi*rdi*n l!0* 21- trenn ffemUm 
inil imlsvker opinwn i/t der l^rc beiadcu, unde d**s9idrig0 
Querwunuenf edder mit svgeneny bäten mule derget^km s^ 
tieUchen w^sf.n ummegmt HO* 28* niao kauo dieses wo«* 
entweder oiit ahd- Ö4m'an bnoyan emeitdarCt ^»^''^ gst^tn 
vergteichca, wo tler begrijf der ^ühue und reiuiguog^ auf Mi 
der Zauberei uber^^e tragen ware^ oder man könale ihd»^^ 
Jan In ödere, uord. bfUa amputare, tr lineare, ags. b^^ 
caedere liierhcr ziehen und für den Übergang der bedenlö*! 
an selbstgeisetuDgen oder andere gevvaUsanic zauber^dW' 
che denken (Graff 3, 224, 232) ^ endlicli erinnere ich n^ 
an das nd, bäten (tausche n), nnL buiten, welchem Gr» 
(zcitschr. 1, 576) aus brem. wb, 1, 174 anfülirl \ 

Wicken praestigiarL jg^gme/tt böten^ wtcken fmdü «^ 
Seggen KO. 2J. es ist ^= ahd. wickön sallare, pracsligiaH* 
Graff 1, 708. 

quaedt malus Ag. 61, 178, 257, vergL Griniin 3, Wß' 

xide humilis, idt schal ock nene iorirmringe gesch*^^ 
idl sint denn de personen hoch edder side twe edder ** 
mai van dem predigstoel gekümh'gei KO. 42, noehjetil** 
pld, gewfibnlicb und auch in ortsitamen {HogenbÜssoWf St- 
dettbllssow). yergl. abd. sid inde, aidor postea, sidero sß' 
rioFi a^n. sidor sidra^ alluord* sirf«r a7V//j erri (Graff 6, 15^^^'* 
wo ßur das Trühere der ^cgensalz ist, während das 0"* 
wort im gegensatse zum bohen steht. 

kinderteiendl kin der zeugen, s. Paulas secht dat chrut" 
like fruwen wenn &e im gehven unde in der ieve g^^^ 

' \bbtefi ist wolil bufsen, beFjsern, jaan sagt kf'ielboter kehelfi^^^'^^* 
üc lene bötüttf deu iahnscbmtjr7, stiLlüo durch Zauberspruch. Ko»e|a£lf?"^ 



ZUR KENNTNIS DBS HND. 93 

blyveny dorch kmdertSlendt gekilliget sint Ag. 110. vergl. 
ahd. %il4n coniendere, stadere, alts. ttlian colere, ags. teo- 
Ion tiolan niti, curare, iiljaf^ parare, procorare. 6raff5, 556. 

essehen postalare, destiaare. essehinge destioatio. dar- 
mii dat rike Jesu Christi alse mit einem scepter wert re- 
ger et, geesscketj gesamlet unde erholden KO. 2. dat he na 
der kerckenordeninge em wille gehorsam syn unde kamen 
war he thom synodo effte sUs geesschet wert KÖ. 46. wenn 
eine parre vaceret schälen de patronen einen godt/Hichti' 
gen vorstendigen geschickeden man esschen Ag. 17« de 
geesschede nye pastor schal sine bicht doen unde commu- 
niceren Ag. 18. im bysyn etUker ander Christen, de men 
dartho esschen unde vorderen schal Ag. 204. dat du schalt 
tho em in den hemmel geesschet werden Ag. 216. dat he 
den fruwen Sre esschinge (ihren beruf) vordraten maken 
wil Ag. 110. de erw4linge unde esschinge der prMiger ge- 
schilth van der christliken kercke Ag. 5. vergl. ahd. eisen 
petitio, eiscdn poscere, petere, eiscunga appellatio, oord. 
aeskja, ags. aescjan, engl, to ask. Graff 1, 493., 494. es 
ist also nhd. heischen, erheischen, wogegen in unserem 
denkmale vorheischen für verheifsen promittere vorkommt 
Ag. 337. 

witteldach . item de pröven up wynachten an gelde 
wursten schinken brodt na gew'önlikem caspelrechte, de wit- 
teldach up paschen dem cöster KO. 98. offenbar sind da- 
mit ähnliche leistungen der bauem an den küster gemeint 
als die pröven an den prediger waren und es könnte also 
an den abd. stamm widamo (Graff 1, 778) gedacht werden, 
der in verkrüppelter und verderbter gestalt darin enthalten 
wäre; aber viel augenscheinlicher und auch den lauten nach 
passender ist eine andere erklärung, die mir Kosegarten brief- 
lich mitgetheilt hat, witteldach möchte wohl ein weifser tag 
sein; auf ostem folgte dominica in albis, weil die getauf- 
ten oder confirmierten . in weifsen kleidem erschienen, ob 
aber gerade diese dominica gemeint sei kann ich noch nicht 
entscheiden*. 

* [witteldach. man könnte den grünen donnerstag vermuten, wel- 
cher mnl. de witte donderdach heifst, und an welchem spenden aus- 
getheilt wurden, Haltaua calend. med. aev. a. 84. doch findet sich in 



94 ZUR KENNTNIS DES UND. 

schSHnge molestia, qaerela. wo ock de pridigere mit 
Privatpersonen edder süss yemtmde in tmgiide tho doende 
hedden, schalen se Sre schSUnge unde gebriken nicht up 
de cantxel bringen KO. !5. 

böne haufiboden. dat easpel is schüldich de wideme 
mit dömtze, cameren, koken, kelUr, böne, soet, schiine, 
stellen, backhus, hakelwerck, wo idt van olders hSrge^ 
bracht, tho buwen unde dem pastori verdioh tho averantwer- 
den KO. 98. 

In den vorstehenden kleinen aafsätzen glaobe ich nichts 
übergangen zu haben was in unserem denkmal einer wi- 
benschaftlichen betrachtung werth gelten kann; den zweck 
dieser darsteiinngen werde ich für erreicht halten, wenn dem 
mnd. dialekte durch dieselben etwas^ mehr zur anerkennung 
seiner ebenbfirtigkeit mit anderen deutschen mundarten ver* 
helfen worden ist. 

pommerschen arkundeh auch witteUehilling, eine kleine abgäbe wei- 
che bei gerichtlicher veriafsung des bauerhofes der Verkäufer dem 
knechte des richters gab, Dähnert plattdeutsches Wörterbuch s. 554. 
Kosegarten.] 

PRITZNOW bei Jarmen in Pommern. 

DR KARL REGEL, ^.ihist. 



ÜBER LIODHAHATTR. 

Scheint es vorschnell über nordische versmafse schon 
bestimmnngen au&ustellen, so* bekennt der verfafser, dem es 
bei bearbeitung einzelner lieder bedürfnis wurde solche zu 
suchen, dafs er keine gesetzgebung, sondern vorläufige festp 
Stellungen nach dem was Grimm und Lachmann über den 
deutschen versbau gelehrt haben, in der ahnung dafs es das 
allgemeine sein müfse, versuchen wollte, wenn auch damit 
nur das bisher darüber gesagte aufgeräumt und der charak* 
ter des versmafses in umrifsen beschriebeji werden sollte. 

In der ältesten sangweise des nordens, dem fomyrli- 
lag, sondern sich zwei hauptarten, je nachdem acht oder 
sechs durch zwei hauptarsen ausgezeichnete kurze zeilen zu 
einer sinnesstrophe zusammentreten, unter den bisher von 



LMDHAHATTR. ö« 

einheimischen Schreibern nnd heraasgebern gewöhnlich in 
sechs Zeilen getheilten versen geböreif entweder jedesmal 
zwei oder jedesmal drei kurze Zeilen näher zusammen, die 
erstere art, wie sie oft in der Glumssaga vorkommt, ist von 
der achtzeiligen im gründe nicht verschieden, nur die andre 
art, wie sie im Hävamftl durchgängig ist, soll hier zur sprä- 
che kommen ; nur sie führt den namen liodahdttr^ worin die 
zweite hälfte wie in bragarhdttr nichts anders als sitte, 
weise, bedeutet, so dafs lioä in gegensatz tritt zum ältesten 
epos, wofür herschend der achtzeilige vers gilt, indess einen 
entsprechenden gegensätzlichen namen gibt es nicht, und 
wenn der altepische vers nach Vorgang der Snorraedda von 
Rask (Mohnike s. 30. 35 u. o.) Starkadarlag benannt wird, 
so tritt jetzt dies entgegen dafs unter Starkadr des alten 
namen auch liodahättr begegnet fomald. 3, 9. 12. 13. wie 
nnn der achtzeilige vers in vier ganz gleiche paare zerfällt 
und von Grimm in vier langzeilen zusammengefafst worden 
ist, so ist dem wesen wie dem gebrauche des liodahftttr eine 
abtheilung nach den beiden hälften, in die es durch den sinn 
allemal getheilt wird, angemefsner; die beiden ersten kurzen 
Zeilen haben allemal denselben Stabreim, wie im Hdv. 94 
dstar fima \ skyli engt madr \ annan aldregi: \ opt fd d 
horskan^ \ er d heimskan n4 fd, \ lostfagur litir (über liebe 
keifen soll kein mann auf den andern jemals : oft fängt beim 
weisen was am thoren nicht fängt, lustsames antlitz). da 
nun was der Stabreim bindet zu einer reihe gehört, wird 
dieses ganze am richtigsten in vier Zeilen getheilt, wie 
ebenfalls schon von Grimm in der ausgäbe der eddalieder 
so oft deren vorkamen geschehen ist; eine vertheilung die 
sich auch rechtfertigt für die Variationen in denen nach alter 
weise sieben- oder mehrzellige verse entstehen würden, wenn 
man nur gesetz und gebrauch dieser versart näher ins äu- 
ge fafst. 



Das wesen dieses rhythmischen banes zu ahnen liegt 
nach der belehrung über den deutschen nicht fern, nach 
allen denen die immer noch metra in den germanischen ver- 



m UODHAilATTK, 

»eil fluclieDf waliir u€ in den nardiäcbeft benntdere hmm 
Si*Ji«ii, soll dieser vcr« eiti adnnisdier s^ßin, mit odrr utal 

ober «eiteii ei» kejumieter/ dazu sÜAiiiil okhl 
ftUgeoicitien der gang der ftlrtiplienibeile» mi-iia maii £e b 
buiigeu mii ilireii aiisfiilluu^eti aucli eitUD«! de* vi 
der allen gleich seUcn wotUe. 

Vor aller riickjEicIit nuf drn umfaDg der gmCicft iniU- 
oen Mutu fdJU aber als hauptsanhi* Piir dae«€ scchi ktfB 
Zeilen iti die äugen die vcrlüiidutig Je eines zwcigUc^b^i 
regelriiäf^ig dreiülüb^en vers&j^JiUe« mii mnt-m kJraera^ 
wöhnlicli zweisüiln^cfi uulersabEe, der als aitie art iAfi0f 
zu den iietdoii äUdkri hetraclilet werden kann* wtmfß^ 
senllicti hl die Verbindung zweier Moklter i^eselftft SttCtfi 
»ecliüzcilJfjeii fvicr lauge z eilen gebenden) versCf dcii* 
k«mimen uueli, x* b. Ludrafn. .^tr. 1J9« 121* 12^. l^ ^ 
den refrain gesioherle tieunÄcilige, und einzelne x. b* Fft» 
15 tiiclil wolil anzufügende dreizeitige (sechs und tk^^ 
dentUche zeilcn gebende^ ^Lro|)li4in vor* aueh das tis0^ 
bene Verhältnis des atabreims ist zwar das dienin'i&*)^^^ 
iinddie ^weiülablgkcil de;« utileri^atzes das herschcJide^ ^^ 

at hddi n/' \iintri \ hujdu aidrrgi 

geii n^ guugüfidai 

opt väo bgfirlfi | ftt*lr f*r sti/a inni Jkr^ 

hiwrs peir ro kt//tSf er koma* 
aber hauptsaohe ist nur dal's ein doppclglicd mit t^ 
einfachen fiililhar verbunden sei r sehr oft. hat da» ö**^ 
nur zwei sLabe, zuweilen bat das letztere deren drti ** 
Oegisdr« 12 

mar ok maeki \ gpf ek per mins ßar, 

ok hoeli'r per svä hffftgi üragL 
und diese dreistablgkeit ist nicht selten, z. b. eb* ^^ *^' 
20- 30. 42, Fiölsv, 1. 2. 3. 4, 11. :?S. 47. Groug* ** '' 
Fiörsk. 25. 24. 25, 26, 36. 37, Alv. 18.34. Ilelg. Haä''* 
Sigurd«!. 11/?. y, 30. 32. lIAv. 43. 46. 47. ilodi in ie^^ 
sten füllen so dafs die zwei hniijjtstäbe zulpJzt und äi^*^' 
ineu stehen, seltner ist der fall dafs die untcrz^iJ** "f 
einen stJib Latj denselben mii jedem gliedc der oberü* ^ 
* Rask vti&\. 37 und danach Legis in den ruDd^ubun. 




LIODHAHATTR. 97 

Hftv. 80» eine äbergangsstrophe ; ähnlich wird die stablose 
qnterzeile Fafhismäi 2 anstoTsfrei, wenn man statt %eng liest 
for ek einn saman (topor : iira.) 

Näher ist der bau dieser, der obersatz hat wenigstens 
vier hebungen mit mindestens einer Senkung, wovon drei 
oder doch zwei durch den Stab gehoben werden, woneben 
anfser auitakt selten nebenarsen vorkommen, jenes minde- 
ste z. b. Häv. 77 deyr fcy \ diyja fraendr. da aber die- 
ses doppelglied nichts anderes ist als eine epische langweile,' 
so kommt hier als das dem liodahättr eigene nur der Unter- 
satz zu ausführlicherem betracht. die einfache schlufszeile 
hat nothwendig drei hebnngen durch wenigstens eine Senkung 
unterbrochen, wovon indess nur zwei den vieren der ober- 
zeile an stärke gleichkommen^ so dafs eine sich mit dem 
tiefton begnügen kann, die Stellung dieser unentbehrlichen 
nebenarse vor, zwischen, oder nach den ändern erzeugt eine 
dreifache form, deren nicht jede gleiche freibeiten hat. die 
beliebteste weise ist dafs die schwächere hebung vorangeht 
und die beiden starken nur durch eine Senkung unterbrochen 
die zeile sohliefsen; nur hier ist ein über partikeln hinaus- 
greifender bis viersilbiger auftakt gewöhnlich, der indessen, 
elision und synizese mitgerechnet, doch nur noch eine neben- 
hebung anzusprechen pflegt, wie in folgenden aus HftvamAl 
genommenen fällen. 

ok viUpu^af konom gott geta. 
opt kaufir ser i Ittlo lof. 
ok kqfdä^ek ßSss väetki vifs, 
peirrar er logdomc arm ^r. 
sialdan hiltir leidr i lid. 

sd fder^ er ßiar. 
dfletißir. 
in andern liedem kommt auf den auftakt vor den drei he- 
bungen zwar auch nur noch eine hebung, aber zuweilen 
mit doppeltem vorschlage wie Sölarl. 21 u. a. unter 4 a.. 
angeführte zeilen, und viele der oben angegebenen belege 
dreistäbiger. tritt dagegen die unbestabte dritte hebung in 
die mitte oder ans ende, so ist zwar noch eine leise he- 
bung auf einem tieftone erlaubt, nicht aber wie es scheint 
Z. F. D. A. ni. 7 



98 UODHAHATTR. 

aof dem dann seltenen und kurzen aafUkI, wie sich in fol- 
genden darstellt, 

lostfugir litir, gest nS gdngända. 

dnnars briostom i, bldndna briostom i. 

füni quiykis affünq, färpu ad ftnna opt, 

hS sofändi mädr sigr, einhvh^om dllan hüg. 

peim er sorgaläusastr sevi. opt er gott pat er gdmlir 

bregdi engt fd sto heiti ftra. gueda. 

selten ist hier mehr als zwei silhen anfUkt, ein längerer 
ist besonders im letzten falle schwerlich gerecht gewesen, 
noch dürfte, auch wenn die beiden haaptarsen vorangegangen 
sind, noch mehr als die eine dritte hebnng nachkommend 
mit höchstens einer Senkung gefunden werden, wie in öUum 
at üppläki. die mittengesteltte dritte hebung erträgt theiis 
dreisilbigen auftakt, ok drekta Hlopvis sonom i hqfi Helg. 
Ha. 19. Grimn. 39. Fafh. 27, theiis noch eine neben sich, 
einmal selbst mit neuer endarse, vigs otraudir, at ^cer 
vega iidi^ Fiörsk. 24, eine der längsten unterzeilen, ähn- 
lich, aber ohne endarse HAv. 122. 

Ob diese ganze niohtepische art des fomyrdalag von 
sechs kurzen Zeilen schon ursprünglich neben der episeben 
von sechs solchen Zeilen bestanden, werden die nicht be^ 
zweifeln die eine anfänglich alleinige herschall der epischen 
dicbtung und form leugnen, wer aber auch niir eine frühere 
Einheit der form annehmen und suchen zu müfsen glaubt, 
dem bietet sich ungezwungen die möglichkeit den liodahAttr 
auf den allgemein germanisch epischen vers zurückzuführen, 
sein obersatz ist noch eine unverkümmerte langzeile von vier 
hebungen, die vier übrigen sind im Untersatze nur zu dreien 
zusammengesunken, nachdem im nordischen sehr früh lange 
Partikeln und die wortendungen ihre betonung verloren, 
und in folge des auch in der otfridischen Strophe sichtlichen 
strebens nach unmittelbarer aufeinanderfolge der letzten ar-* 
sen der zweiten langzeile; welche neigung in dieser nordi* 
sehen rersart begünstigt wurde durch den gedankengang, für 
den sie in^ner ausscbliefslicher in gebrauch kam, der im all- 
gemeinen das ganze mit einer spitze scbliefsen Sollte, ur- 
sprünglich mag also betont worden sein lo$tfagir litir. 



LIODHAHATTR. 99 

olium at ippldki. ob sich di^e belonnng in allen gegen- 
wärtigen versen der art darchführen laGse, würde nicht ein- 
mal nötbig sein nachzasehen, denn das bewustsein davon 
wird für diese zeit, wo man schon ziemlich regelmäfsig zwei 
solcher Strophen zu eitler yerband, eben so wenig in an- 
sprach genommen als für das verhällnis der nibelangenstro- 
phe zar otfridfschen. 

Die gegenwärtige erscheinung aber des Jiodahättr bildet 
allerdings auch nach dem rhythmischen gange einen gegen- 
satz zu dem genannten epischen verse. gleicht dieser in 
seinem einherschreiten völlig dem heroischen verse der al- 
ten, wobei er immer regelmäfsig zwei solcher rhythmischer 
hexameter enger zusammenrückt, so läfst sieh der fall des 
liodahdttr, wie er jetzt ist, ganz und gar nicht mit dem ado- 
nischen, sondern genau mit dem abfall des archilochiscben 
verses von anderthalb bcxametern zusammenstellen. 



Dazu stimmt auch völlig der gebrauch dieser nordischen 
versart. die ganzen lieder die in der edda in ihr abgefafst 
sind ohne Unterbrechung, sind Vaf[>rudnismAl, GrimnismAl, 
FiÖlsvinnismäl, Fiörskirnis, Oegisdrecka, Hävamäl, Alvismäl 
nebst Gröugaldr und S61arlio^. der umstand dafs sich dar- 
unter alle eigentlichen Spruchgedichte, die vier letztern sind 
die einzigen ganzen, befinden und dafs ferner das epische 
versmafs in der Brynbildarquida gerade da wo die rath- 
schläge an Sigurd und die runensprüe^e anheben, so wie in 
der Hervararsaga da wo die rälhsel anfangen, mit dem Ho- 
dabAttr vertauscht wird, bezeichnen seinen Charakter hin- 
länglich als den der gnomischen dichtnngsform angemefsnen, 
was auch allgemein gesagt werden kann, sobald man nicht 
darauf besteht dafs ihr nur angehöre was sententiosen oder 
mgentlich sprichwörtlichen inhalts ist. schon nach dem in- 
balt der meisten eddalieder die ganz dieser versart folgen 
fällt der unterschied zwistchen dieser und der achtzeiligen 
art nicht mit dem von ethischer und mythologischer Weis- 
heit zusammen, betrifit vielmehr eine form ihret dichteri- 
sehen erscheinung. das mythologische hat doch nur gerade 



IQA UODnAnATTR. 

dt AiHtf$ gewand erhallen wo m in fr^ge ond aatworl^ nr^i 
es raUiselweisi; vorgetr^igi^n wird, wie in V'Af|ir« 2Wt«clieti 
dir sein tiiid fi»^ner^ in Fiünikt ab i;es|in(di aaler Skatli^ 
Frcv u. ii* J?^g«*n äkirtiir, in Fiöl»v. wurm hjU .stehmdrr 
fragrorm rügfltnarKig frage und antwort zwischen r*iuUv. nnd 
VinkaLd abwecbscU, — oder wo die verborgnen YeHiti]tois.5e 
der göUer und nrenscben docli nicbt als baudtüiig^ ab gMe- 
der des weftdnimas, wie in der Vfilo^pd enelhlt, sondern wie I 
m GritnnismAI ab »Lücke des wificns, oft mit zjblangmken 
zusammen bangend^ utMl Ichrweis aufgezahli werden. 

Die einzelnen stellen wo liniUbAtlr innerhalb der cpco 
der beiden §agc stall drs epischen vcr§es eintriü begrimden 
sich völlig ähnlich, 2uniicbsl das gci»|>räcb der riejsin llrim- 
gerd mit All! und Helgi, voll Hlreit, nicht lelire oder riüi- 
sel, Helgaqu. liadd, 12—30. die erzählende dnleilung m 
Brynhildartju* 1, str, 1 gehl in e|>ischem rhytbmus, der gr4»&le 
theil in dem hier besprothcnen, weil rnnenlchren und lebens* 
regeln ralhweis atilzählend^ Siguntarqn* IIa str. 19 — 27 Über 
die voi zeiehen des kamiitcs sind geheime glück sieh reit | Lo- 
tus und Andvaris ges]^racb ebenda entwickelt verborgeorft 
wirsea. noch mehr voll von gebeimnlssen und sentiMvien I 
ist das gespräeb mit Fafnir und dem rathgeber Regio, <ki^ 
her denn auch Fafnismal fast ganz bis auf den erzählenden 
schlufs 40 — 44 und bis auf einige lieder der schwalben 32* 
33. 35 in dieser liedform gcdicblet ist. 

Da endlich der Wettstreit zwischen Loki und den gBl^ 
Unncn eben riiuht mythobigiscbe lehre noch Sentenzen cöl' 
hält, Oegisdrecka aber dennoch ganz hieher gehört, nicht 
minder als die katechisiercnde Synonymik in Alvismäl, so 
wird sich der bereich des liodahäür näher bestimmen lafsea I 
auf gewisse arten dramatischer darsteltung^ er beJafst so- 
wohl den feierlichen lehrenden monolog (aufser in Brunh. 1 
und Grimnisrnfkl auch H(\vaiTi. Solar L), der in Gr6ugaldr 
erst auf das gesi»räch der mutier mit dem lehrehittenden 
söhne folgt, als den diaJog im sinne der alten als regefmä* 
fsiges weltgespräcli, namentlich also wo nicht erzählt, soii- 
dcni entwickelt^ etilweder über that und sinn gestritten oder 
über gegenstände des deukens und ergchnisse der erfahrung 
verhandelt wird : solche stellen mögen am frühesten aus dem 



I 



UODHAHATTR. 101 

epos hervortretend, ohne es gerade allemal zu yerlafsen, 
eigene form wegen ihrer erhebnng zur art des allgemeinen 
angesprochen haben. 

In den spätem prosasagen verliert der gebrauch dieses 
verses, der aoch überhaupt seltener wird jemehr drottquaedi 
am sich greift, allmählich seine alte strenge, noch ungestört 
^ ist seine art und sein umfang in den zur heldensage gehö- 
rigen, welche die alten lieder for^flanzen, und in der Her- 
vararsaga, da ihm hier nicht jenes zanbei^espräch, was nicht 
erörterutig sondern handlnng des zaubers war, zufiel, son- 
dern nur die eigentliches wifsen enthaltende räthselrede fom- 
ald. 1, 465 — 87, worauf die gewöhnliche epische Strophe wie- 
der eintritt, im ganzen umfange der übrigen von Rafii her^ 
ausgegebenen sagen ist mir nur folgendes aufgefollen. in der 
Ketilssage ist die versart an vier stellen jedesmal im b^inn 
eines gespräcbs, dreimal (fomaldarsög. 2, 119. 125. 127) 
zur anrede an tröUgeister verwendet. , in der Gkiutrekssage 
für die klagen über die rerlomen drei erbstücke (fomald. 3, 
11 — 13) wozu auch die nicht mit Rafn ächtzeilig abzuthei- 
lende klage über Gautreks that an Snotra, Heimsliga ek veik 
(s. 11), zu rechnen ist. die Hialmterssage hat wieder dne 
wechselrede mit einem tröllweibe (3, 480) im liodahättr, den 
anfang einer nachher achtzeilig fortgesetzten anrede an eine 
blendende Jungfrau (ebend. 489) und ein spottüed (ebend. 477). 
unter den liedem im landnämab6k und in den alten königs- 
sagen kommt unser versbau gar nicht vor,, aufser in einem 
liede auf einen gefallenen beiden, wo man den gleichmäfsi- 
gen epischen gang erwarten sollte, im H^onarmäl, ein deut- 
licher beweis dafs nicht der inhalt an sich, sondern die ihm 
gegebene dichterische form, welche hier fast ganz das ge- 
spräch zwischen den hohen göttem und ihren boten ist, zur 
wähl des verses in guter noch nicht anf blofse lustbariLeit 
sehender zeit das bewegende war. 

In ältester zeit waren vidleieht wie die lieder über ru- 
nen und an^ge Sig. Ha 19 ff., so auch Zauberformeln wie 
die vardlokkur, und Spruche womit unholde angeredet ge- 
fragt und verstanden wurden, im liodhahättr abge&fst: oder, 
sollte es zufallig sein dafs sich die gespräche mit der fel- 
senbewohnerin Urimgerd, mit Pafiiir, mit Andvari ab otter. 



loe 



LlODHAHATTfL 



» t 



and in der Ketüssage dreiaial, in der von Ciantrek wieder 
einmal mit einem tröllweibe in dieser forii bewegen? 

Aus Oegisdrecka and dem spottlied faroald. Zj All slebl 
zu vermalen dafs auch dem alibeliebten, so oft .selbst darcli 
geseize verbotenen niäliods obwohl es spater (fornni. S, 97} 
auch vom drottquaedi ergriffen wurde ^ Ursprung Lieh gendf 
diese liedfbrm genehm war, besonders wt ;:eB ihres gpiuifeu 
oder keilförmig auf breiterer grundlagc ;iur2>t ei senden kwm-. 
womit sie triÄ wie ein epigramm. 

3 

Nicht zu besondem aus dem wescii des Iiadbahitt^llf^ 
vorgegangenen arten gehören einige abweiiiselutigen mii ver- 
wandten maben, die sich auch wo er iieisi-lieiid ist oekn 
ihm finden, wie er aus angegebenen grüQdru unler episclien 
Strophen oft nur den reigen anfuhrlf meist nber durclt ^^^ 
veränderten ton herbeigerufen eintritt, .so eist^beiaeD amti 
umgekehrt in einigen gedichten die su-h in seinetii rhitkmii^ 
regelmäfsig fortbewegen hier und da fieiiiülin^e von andere 
gebundener art die sich nicht ausweise » hUscD. es sind liJ^ 
kurzen ebenmäfsig fortschreitenden zeiit njuturc des epi^^^l^^^ 
fom^dalag, gewöhnlich zur Strophe v^ti ch tit, ok äuüh bu^ 
zu der von sechs hemistichen durch ti^ü iulialt verbuJidcn^ 
und nicht einzig in sp^iter buntliebend nr- /cji, sofiilem scbo^ 
im Hävamil, z. b. str. 82 

i vindi 9kal vid höggva, | ve^ a niu rua ; 

myrki vid man spialla, \ mörg er^t ihtgs augo ; 

d ship skal skridar orkn, \ en 4 fikiiihl til hltfar; 

maeki höggs \ en mey til kossa. 
eine Strophe die man nicht für dreimal i^eii obrrsatz zu ^'' 
nem gewöhnlichen Untersatz erklären ^l unf IiüdhuhAitr t^- 
rückfuhren darf, da auch die letzte ii ilj*:' diis gewöhnliche 
mafs einer seiner unterzeilea überschreitet unü dies docb au^ 
die gleich darauf folgende 8$e str. uit:tit imwcndliar wäre» 
noch auf andere hernach erwähnte sei'liszrili-^e gehüpd«. 
auch wird dadurch das gewebe nicht der ciuheit verlüstiSf 
der einwarf ist aus demselben stolTc inii \Wn Hidcn ^l«"^ 
liodhahüttr. 



LIODHAHATTR. 103 

VeraDlarsang wie slellnag^ dieser abwetchong ist beson- 
ders doppelt. eDtweder vom inhalt hervorgefofeii dieat tit 
dett flurs gieichmäTsig wallender Satzglieder, sein dies sieb 
drängende züge einer Schilderung oder sieh häufende gleich- 
artige lehrbilder, schneller zu befordera, oder sie entstand 
durch ein Torherschend rhythmisches bedärfnis. dem inhali 
gewiss nicht unangemefsen treibt im liede auf Häkons an^ 
knnft in Valhalla die vergegenwärtignng der schlacht in der 
er fiel in unverbrochner strophenpaarung daher ; es sind 
achtzeilige gesetze, denen zum äbergang ein secbszeiliges 
noch gleicher art (str. 9) angefügt ist, während die beiden 
ersten Strophen, die den hauptton des ganzen aokündigen, 
den liodhahättr, noch den Vorgang bei der absendüng der 
Mrnen vor der schlacht enthalten, zweifeln könnte man 
ob in einem so aus sprächen und episoden zusammengesetz- 
ten liede wie HAvarodI die vom gewö'bnUchen versbau ab- 
weiebenden Strophen nicht ans anderen spmcbganzen einge« 
drungen seien, durch das angegebene beispiel aus HAkosar- 
mM mindert sich das bedenken, es findet sich der abs^^rung 
dreimal, str. 81 — 83, str. 85 — ^90, wozwischen 88 regelmä- 
fsig ist, und str. 140. die beiden ersten stellen gehören aar 
meisten hierher ;^ sie geben anfeählungen dessen was nuin 
zu welcher zeit thun müfse, und dessen dem man erst nach 
erprobung, und von anderem dem man nie recht trauen dürfe, 
diese Sätze verhalten sich zu einander würklich ganz anders 
als die einander über oder untergeordneten, grund und folge, 
Vorbild und hanptsache, besonderes und regei verbindenden 
glieder des liodhahAttr; dei* freundliche katalog von irielen 
onter dieselbe vorsichtsregel Menden dingen welcher von der 
mütterlichen sprachweisbeit voi^ehalten wird, das verzdcb^ 
nis der orte, wo die runen anzuschreiben, Brunh. str. 15 — 19^ 
ein namenregister wie Grimnism. str. 27. 28« 30. 46. eine 
fragenreihe Hunecap. Hav. 143 läuft in der that am besten 
•md würksamsten so schnell und ebenmäTsig ab als es^ das 
regelmärsige hin und wiederatbmen der zeilenpaarnng ver- 
anlafst. 

Andern mehr nur rhythmischen grund hi^ die abwech« 
sefaing wo sie am anfang oder zum schlufs für liodhahAttr 
eintritt, nicht eben zur vemuttelnng mit dem epischen verie 



1 



104 



UODHAHATTR. 



geiehiebl dies, wie Mtt MsBmnhiUirqn. t entaehoieD könte; 
«oeh Loihtninmil ftehlierst so (Hr.. >ii. 1^4;.. y^^M ^it 
^eichyenigen RflDatals|>AUr «ngf Eu^a siod, und diese m%i 
haben ab abgesang des ganzen Hdvamät zutelEt eine ^ei'^lt 
gepaarte aehtzeilige Strophe 167^ ähniah Irili das GrimiiisetTil 
am ende str. 53 ans dem herscheDden rhylhmus ; in Bniohlii 
ist Str. 5 wieder nach dem älteren förnynlalag geformt, deat 
damit ab einleitong beginnt das eif^eulliirfje in der Volsimp' 
sage wiirUich so abgesondert vorkommende mit dersa&tn 
vorstropbe anlangende ronenlied. danacfi i^ird sich sagen 
laben, eingang und schlob der leiir- oder wechseliieder ioa^ 
ten, nicht allemal wegen episches inhalls, vielmehr zu stir 
kerer workang oder ebenmäbiger abrundun^ des emschnt}^ 
denden liodahAttr, der mit ptr impar ei u herschreitet, iQ 
gleichgegliedertem gange antreten, ein) eilen de auiTordemn 
gen konnten freilich anch in der mitte wie Försk. 3^ ur 
diesem gange der neuen rede voran j^'phcu. die würLung wtr 
dann, wenn man strophenganze mit einer einzetncD rb)il^- 
mischen oder metrischen reihe verfcleiihrn darfj wie fLir den 
iambisch stechenden vers die anakrusis die durch ihren tn)- 
chäischen fall zor ruhe führte, odpi wie fiir eine zus^nrntn- 
gesetztere reihe die yorbereitende babis^ und das uodakh^ 
sehe nniambbche ende anderer. 

Dab sich in einer und dersetUcti stro}>he des üadab^^ 
beide arten von fomyrdalag ycrinen|,^ten, wie Rask in sei- 
ner Verslehre aufstellte (nach der libcrs. xim Molinikes. 3^ 
— 37), wird nicht zu erweisen sein, er fuhrt Hdkonam^' 
im allgemeinen dafür an, und zwt i ein^cclue stellen aus dcf 
Hervörsage. in ersterem gedieht siml ujle liodtiliAttrstropbeD 
1. 2. 10 — ^21 regelmäfsig; was in gleiche zeilenpaare über- 
geht sind nicht theile solcher atrophen, Bünden) die ganieii 
stucke 3 — 9, aus deni yorhin venijuteirn gründe, die Stro- 
phen aus dem räthselliede aber (l'uni-M. 1, 467 beide) ^^^ 
härten dies nicht, da in ersterer der rcfoiu es ist der au- 
fser der sonst regelmäfsigen stroplie steht, dieser rrfrain a^^^ 
eben so wie sonst die bezcichuunj^ des redenden bald «0 
bald aufser dem verse steht (wie in n;^»kun^u-uial str. l^ 
vergl. mit 13. 16. 17); die letztere slrojihe aber hl v^^-^^ 
zu lesen wie er abtheilt nach sieben einzelnen zeilen 



UODHAHATTR. MI5 

Göä er gäta pin, 

Ge$tr blindiy 

getU er peirrar; 

gengr httnutr 

d gl6d Binar, 

kve^ vid hdtt 

ok kemr d süfa, 
so daÜB die zweite stropheDhalfte in rier kwze zeilea zer- 
fiele and firenidarti(( eingemischt wäre, sondern 

G6d er gdta /m, | gestr bUmdi 

getit er ßeirrar$ 

gengr hamar \ d glod Binar, 

h>eär viä hätt ok kemr d sUja, 
wobei nnr in die erste und dritte zeile eine casur Hält, die l^xte 
aber in einem atbem zn lesen ist, wie Häv. 132, 6 le^i» 
numgi goU ef getr, oder Yaij^r. 41 si^a mehr um sdJtUr 
saman. ein absprang inneriialh der 62n Strophe in die 
82e wurde sie aafheben ; wo letztere, eintritt, ward sie ganz 
eingeführt, kaon id>er nicht mehr als besondere' abart des 
liodahättr selbst gelten« nebenformen können nnr die hei- 
fsen die noch sein grandgesetz and seinen nmCuig im gan- 
zen theilen; diese verdienen eine besondere beachtm^ nnd 
nicht weniger sichtnng. 



Liest man Strophen wie die ans der Henr. 5. aasgeho- 
bene so wie die aasgaben schreiben nnd Bask es yertei- 
digt, so entsteht eine siebenzeSige abart. solcher äbervol- 
len gesetze begegnet man vielen in der Kopenh. edda, entr 
weder so dafs die dortige siebente zeile mit der sechsten 
gleich lang den zweiten reimstab erst bringt, oder so dafs 
sie selbst zwei von denen der sechsten zeile verschiedene 
Stäbe hat; die siebenzahl kommt endlich anch so za wege 
dafs einer von beiden genannten fillen nach der dritten zeUe 
eintrat, nnd so hat Legis fimdgr. 1, 133 als besondere an- 
terart des liodah&ttc die siebenzeilige Strophe mit dem ge- 
setze gestellt dafs nach der dritten dieser sechs Zeilen eine 
vierte ihr ähnliche eingeschaltet sei. 



IM UODHAHATTR. 

Bei deaUchen dichtern des mittelalters sind Strophen 
von sieben gliedem sehr gangbar, nnr steht dann das letzte, 
sei es ein Lehrsatz oder fortfShmng des gedankens, wie eine 
zugäbe aoTser der reimverbindnng. in der nordischen erschei- 
nung dieser art ist es nicht der kehrreim der die Strophe 
übrig ausdehnt, er wird entweder ebenmäfsig gemacht oder 
ganz daneben stehen geUrsen, und wird der gedanke wüiIl- 
Uch weiter geführt oder wesentlidi venroUsÜlndigt, dann trägt 
diese vermeintlich überschiUsige zeile auch einen reim, der 
auch für den rhythmns unentbehrlich war. dies letztere ist 
aber, wie sich gleich zeigt, aneh ein grund gegen die sieben- 
theilung, ein verdachtgrund gegen nachzägler. nächstdem 
ist hier auch noch das unterscheidende düTs kein gedieht ganz 
in diesem um eine zeile vermehrten liodahAttr fortgeht, 
wie dies im deutschen der fall war; die abart ist sogar sel- 
ten, z. b. in Oegisdrecka sind es von 66 Strophen vier die- 
ser art, im Hävam. von 140 Strophen neun, in Vaf^rAdn. 
zwei von 55, in FiÖlsv. eine von 51, in Grimnism. zwei 
von 53 Strophen, im SAlarlio^ von 83 nur eine, solche sie- 
benzeilige mästen nach der richtigeren abtheilung als fSnf- 
zeilige erscheinen, wenn der anhang würklich das rhythmi- 
sche gesetz überschritte, und das ist nicht der foll. 

a. in vielen fällen ist eine solche vorletzte kurzzeile 
für sich gar nichts oder die letzte macht doch erst mit ihr 
zusammengenommen eine würkliche rhythmische reihe aus: 
dies ist einleuchtend in der doch wohl von handscbriflen ge- 
gebenen abtheilung in H&konarmftl, wodurch die zweite Stro- 
phe sieben Zeilen erhielt, 

Braedor ßindo peir Biamar 

or hrynio fara 

kanung und gunnfäna; 

drupdo dilgar 

enn darrar hrütig, 

upp var pd 

hildr of hafin^ 
wo die zeile upp var pd störend für sinn und alliteration als 
eine einzelne dasteht; allenfalls liefse sich reimen upp: var, 
aber die Wörter sind zu tief stehend um einen hauptstab tra- 
gen zu können, und zu lesen ist 



UOOHAHATTR. 107 

Broedor ßmdo peir Biamar \ or bryfdo fara^ 

konung und gunnfäna^ 

drupdo dölgar \ enn darrar hristix^ 

üpp vor pd hildr of häfin. 
der gleiche fall ist Hävam. str. 126, zu lesen 

Sitiom er pd blandat hnerr er Mgia raedr 

einom al/an hug; 

alt er hetra^ enn sä brtgdam at vera^ 

era sd vtnr ö^om, er \iU eät segir. 
hier wurde die vierte zeile in zwei zerlegt, wodorch die 
reime auseinander fielen, denn die tiefliegenden ödram und 
eitt ]u>mmen wemg in betracht ; die zeile wird lang, aber 
nur durch diese ausfüUungen ; haupthebungen sind darum doch 
nur drei darin wie auch in einom allan hug. solch eine 
längere zeile kann auch aus der zweiten entstehen; Grim- 
nism, Str. 29 wird nicht anders zu binden sein als 

Körmt ok Örmt^ ok IXerKgar toaery 

par skal Thdrr vada iag h>et*n, er hon Aömuferr 

at asci Yggdrastü, pvi ai As-brü brenn öll loga^ 

ieilög vötn hl6a. 
nach der Scheidung in der Kop. edda ist/or skal Thorr vada 
schon für sich dritte zeile, und dann die einzige reimlose 
unter den sieben; die einzige siebenzeilige Strophe im S6- 
larliod 2 verschwindet, wenn man, wie die alliteration fordert^ 
die beiden letzten kurzen Zeilen zusammen nimmt, 
Eäinn han 9i opt hardla 
alldri bavp kann manni til matar^ 
dir enn mödr oc megin^litUl 
%e$tr ganganß qf gatu kam. 
es entsteht so eine dreistäbige zeile, aber solche sind sonst 
ungestört gelafsen, wie Oegisdr. 12 und 42 : vei»ia pu pa 
vesall hve pu yegr; was zugleich fiir größere ausdehnung 
dieser zeile beleg ist, wie auch 53. 58 dieses lieds; Häv. 
164; S61. 3. 20 pa er han lagdi d vald hans Ftg-off$; 
21 en peir heiu hanom gulU i gegn; 22. 40. 45. 72 pew 
voro [a/Är] yilliryega; Fiölsv. 1 äetattu her yemadär yanr 
yera. — so löst sich auch die siebenzeilig abgetheilte Stro- 
phe Fiörsk. 27 nothwendig in eine gewöhnliche auf^ worin 
die unterzeile der ersten hälfte beifsen muT^ horva keim 




lOi UODBAnATTR« 

w, mugga heijur tii. ebenio PiaUv. M idilierit üi pn &1 
uptrktfminn mt^gr lU mittna saiü* 

h. eifiigcnial hnvi^H der reim «n eine srbiiD Allikn^ 
reade sechjtUs kon^zeile eitte siebe« te. dieüe cl^rr oeis «iffii 
4ieH«H baadcü wehren uictil als eine neui* übencbäri^c ll- 
gesondert werden., gtl>t »ueli in den viirgekommisiKB IIQa 
evni eine dritte bauptarse für den uatersalz. so Grimo^il 
tat die andere h«iirte 

6liom j^htftH I pm* Mkni ^nn ktima 
^iegis bekki rf. Aegh drekko mt. 
wa A*i Äweii« Af'i^h gegen die auf dem reimworl rfnfti» 
Ilagejide hebung bedeutend 2nrüeklrilt| «iliulirJi Fiönk*!! 
und 28 

at nmtr-smiwm f^u t^ertfir^ er fm At kSrnr^ 4 pH 
Ürimni hari, 4 fnk hotrctiw »tari. 
•mb der r«im ist gerecht selbst neben der alliterallon ^ 
jede rhythmische ejjische zeile, so im obersatee V^f^r 3&i 
doeh konnte der reim auch wohl tirsacbc sein difi i>i^ 
wenn die tirspriinglieh einzelne erste balbzeile von aüdc« 
anders gesungen wurde, diesen underen ähnlichen ümpH 
mit aufnahm, noch näber liegt diese Vermutung für tlic fol- 
genden fiille. 

c, sehr gewöhnlich ist von der sechsten kurzen znl<^ 
die siebente nur eine Variation, bald den ausdnick heircSm^ 
wie FiÖrsk. 10 

myrkf er tUi, \ mal (jupä **k Jhr Jhray 
vrig ßöil it^r. = py^ia pio( ^r* 
so auch Öegisdr. 13, 63. 0«. llAv. 110. 114 <Rnn,) l^ 
152- sogar zwei Solcher Variationen Häv. 136 (« weite bälft*) 
opt or ^kUrpom beig \ ski/in ord koma 
petm er bthigir med ham. 
^ ok sköitir med skram 
^ ük vaßr med vümogom, 
bald ist die übrige zeile bis anf ein einziges ander^i^ geffä^'' 
tes wort congruent, FiÖrsk. 36 (erste hälfte) 
ödn dvykkia \fd pu aldregi 
maer qf pinom mu/iöm. 
'^=z muer af minom munmn^ 
ein wiederholender Säuger fand wahrscheinlich die dreiBW' 




UODHAHATTR. 169 

bige Zeile Boch beCser die ihm aas der sIr. 26 wieder in den 
köpf kam. Yöllig anbedeatend ist und danm sicher aichl 
arspriingUch eingeführt die abwechsehmg ebenda in mitte der 
nennzeiligen str. 36 

tu Urimpursa baüar \ pu sialt boerfan dag 
hrdnga kosfalatts. 
= kränga kostiwän. 
der art auch H4y. 1. 166. 145. 158 und die tautologische 
scblufszeile von Oegisdr. 63. an keiner dieser steilen ober- 
hanpt ist angemeikt dafs eine oder die andere handsehrift 
die nachhinkenden übrigen Zeilen nicht hätte ; es mögen also, 
was bei so alter langer äberiiefernng sicher leicht möglich 
war, früh mit vielem singen durch unfertige sänger ringedmn- 
gene dacapos sein, welche die Schreiber nicht auszufinden 
wusten. dafür liefse sich anfahren dafs in dem spätesten 
am wenigsten gewiss vor dem aufzeichnen gesungenem Sd- 
larliod unter 83 Strophen keine einzige eine solche Variation 
kennt f besonders aber endlich die folgende thatsache. 

d. zuweilen sind die zusätzlichen zeilen wnrklicb erst 
aas dem rande oder aus einer einzelnen handsehrift gegen die 
übrigen aufgenommen worden, anfänglich nur beigeschrieben 
war nach deA herausgebem der Kop. edda 3, 127 die letzte 
zeile von str. 137 (zweite h.) 

%ett pu nS %tyia \ nS ä grind hraekir 

get [prgiörl pu yalopom reL 

[peir muno likn per lesa] 
der zusätzliche grund ü prosperäatem tibi precabuntur, den 
Finn Magnussen schün findet, ist zugleich gegen den sonst 
im heidnischen HdvamAl berschenden ton. sogar zwei uber- 
schüfsige Zeilen, welche beide Variationen der letzten zeile 
sind, haben einige hss. Vaf^rud. str. 41, die darin unrich- 
tig vom cod. reg. abweichen, der sie nicht kennt. 

Ähnlich mag es mit der müfsigen anrede Vaf^r. 42 in 
der letzten zeile stehen, und der zusatz Oeg. 55 dürfte blofs 
glosse zn der vorangehenden dichterischen Umschreibung sein, 
dieselbe annähme eines erklärenden Zusatzes durch fahrende 
gluiger — denn die hss. schwanken hier schon nicht mehr — 
liegt nahe 6r6ug. 16, wo die gerechte letzte unterzeile ok 
siöckr pä Ids qf Imom noch die leichtere wendnng nach sich 



1 



I 



tft LinDnAfrATTR. 




luit «I 9f ß^itmk ß^htr^ ditrrh wrictirf leiste wnrt dms doi 
Mf veHfatliebl «in). | 

e. nmreHlitfliebei verlilttitisses £ti» iCkrt^c^n Ke%te ( 
■ul ^tn i;eieU des LiodiiliAllr aaTrrelab«r ist tio.r die ^ 
htmtJtxU%t ftroplie V'af^r. 3S, die würklkl femf irdlfige t 
len iUU vicTfn gil>l, 

Sf^fm fiat it iionda^ \ üh fiu tfra riik 

1 hf^adan Ninrär um kom med Ata sanüm? 

I hüjbm ok hSrgom \ kann raedr hamn mSr^^m (ii 

ök rardüi kann Xxnm ^lhm~ 



4 

tl f}f€ rar 1*411 nunn i%*um *iff?//i. ^^^ 

1 1 kiaia wird man Aa^en kHnrif n daFn iä& unbetonle im eiM 

1 Stab trare xit Jsam^ die zfile rDtbehrt des rcinif*« ^iif dfn 



Stab trage xit 

hai]|itlirbiin|?eii, i»! »ber dorh im xiisiamnieiiliaiige nsny^^JS^ 
ilg, dennoc'fi crbririgeri aiicfi s^otche fiicbl die iioUiwenfi^S^ 
etile fiifif2eilig«i nacb aller sü\znn^ sieben^eilige^ stmpbf n^ 
xuofhfnen. denn eintnnl grehl fest dafi der liodaMttr ^ 
nur einmal drei glteder habrn kann, so wie difs er sie in^ 
ntl half und fürs andere fehlt es nicht an zeiten difr nbvr 
kebfsätzc zu sein, wie im ilervori^., gunz anberfaaJk ler 
verse stebii^ mögen ^le nun alliterieren oder rt^in ungtbwi'- 
den sein ; so Oegisdr. 55 und 54 der bescbreibende onscbea^ 
satz hn/m tSk vüt harrt i ok dravc af ok quod. — nur in 
den reinen sprücbgedichten finden sich sofcbe unterbrecbn^^^ 
gen natiirlicb nicbt, ^M 

Nach allem bisherigen [HTst sich die siebenzahl der gTi^ 
der für diese« vers nicht erhärten; meist ist die riinfte zeile, 
die nach ricbtiger theilung dieser gljeder auf ^ier Zeilen übrif; 
bliebe^ am gedanken was ein fiinftes md am wagen; die un- 
verdächtigen znsürze aber bilden nur eiue längere vierte 
zeile, verschieden *^^n der vielleicht nicht längereo dritten 
durch die fehlenut^ cäsur, zuweilen wie Oegisdr- 64 AU 
vism. 35 zum abscblul's des ganzen [iedes ausgehaUeit« __- 

5 ^ 

Dazu kommt auch eine abweicbung nach der entgegen* 
gesetzten seite. in einigen gediebten wo liodahlttr herscfat, 
and zwar schon in der edda, erseheinen auth nur funfzetlige 




LIODHAHATTR. 111 

Strophen, die zwar nach der hier befolgten abtheÜnog noch 
vier Zeilen geben würden, aber mit dem wesentlichen man- 
gel dafs die erste oder dritte nicht zweigliederig wäre, wie 
Vaffir. 29 gegenwärtig auftritt, 
Orofi vetra 

dper veri iörd scöpud 
pä vor Bergeimer borinn, 
Thrudgelmer var pess fader 
enn Aurgelmer aß. 
hier wäre aber die vorletzte zeile nach der sonstigen weise 
in zwei Zeilen zu trennen gewesen ; sie bildet würklich eine 
gerechte langzeile mit eäsur nach Thrudgelmer^ worin pess^ 
noch ungeschwächtes demonstrativum, den stab trägt (wie 
Volusp. 15). ganz analog nämlich besteht ein solches hemi- 
stich des obersatzes würklich nur aus einem dreisilbigen 
Worte fornald. 1, 326 istiräa; nicht anders ist Häv. 157 
vdgi d, und aus drei einsilbigen mit zwei bebungen besteht 
di^er theil oft. sind namen im s|Hele so treten die bebungen 
noch enger zusammen, wie Grimn. 33 

Hträr eru ok ßorir, \ peirs af kaeßngar d 

gag'halnr gnaga: 

Ddinn \ ok Dvälhm, 

Dtmeyrr ok Dura^^prör, 
worin der zweite obersatz nicht aufTäUigere gliederung hat 
als der unangefochtene Hftv. str. 76 dSyr ßi, deyja ßräendr. 
derselben art ist Hdv. 146 

Oämn med ksom, | en far klfom Dainn, 

DraHm ok dvergom für; 

Astridr \ iötnumfar: 

ek reist sialfr sumar. 
nur eine Strophe kam mir vor auf die solche abtheilung kaum 
anwentiiar ist, Pörsk. 12, wo die eri^lä r nur nach Vermu- 
tung auszufüllen wifsen : hier stehe, eine ^e wenigstens den 
gegebenen wage hält, die Überschrift hirdtr quad kann wohl 
die erste zeile ausgemaeht haben, wenn ursprünglich wie 
kurz ywhfn ferhxrdir gestanden hätte, die aUiteration wäre 
wie in Häv. str. 80, und auch in. die seehszeilige Strophe 
wird die angäbe wem die rede angehört mit verwebt, wie im 
Hftkonarmftl öfters. 



112 LIODHAHATTR. 

Aach solche gestaltnngen bleiben also wie die unter 4 
angefahrten nnverkämmerte, nar selten etwas fireiere, ans- 
fiihrangen des liodahittrgesetzes, aatErilend nar dorch die 
im nordischen wie schon im niederdeutschen gröfsere aas- 
dehnbarkeit der thesen und nebenarsen, aber ohne deshalb 
den namen einer abart oder nebenform zu verdienen, auch 
die unter 3 angeführten abweichungen dürfen ihn schwer- 
lich in ansprach nehmen; sie beruhen auf gänzlichem ver- 
lafsen dieser art und auf absichtlicher rückkehr zu der ganz 
anders mefsenden und würkenden achtzeiligen aber gleich- 
gegliederten art des fornyrdalags. davon verschieden ist eine 
an umfang gleiche aber im innern bau dem liodahittr ange- 
passte Strophenart, die noch zu berühren ist. 

6 

Eigenthümlich ist der gnomischen Strophe das Verhält- 
nis ihrer jedesmaligen theile wie zwei zu eins, und zu der 
alliteration die zweistäbigkeit dieses einen untergliedes we- 
nigstens gewöhnlich, das hanptgesetz könnte nun auch so 
zur erscheinung kommen dafs auf zwei epische langzellen 
eine solche folgte, wodurch der doppelte umfang entstände, 
dies liegt wtirklich einmal HAv. 148 so vor, wo nach einem 
gewöhnlichen halben liodahftttr von drei Zeilen noch sechs 
solche kurze oder drei epische langzeilen folgen, doch ge- 
rade diese Strophe leidet auch an grofser dunkelheit nach 
ihrem Inhalte, und so möchte sie durch, die übereiosttmmnng 
der ja so jungen hss. nicht hinlänglich sicher sein um 
darauf etwas zu bauen. 

Eine würkliche abart des liodabAttr ist diejenige bisher 
achtzeilige Strophe welche diesen umfang durch gleichmä- 
fsige einsetzung der dieser art eigentbümlichen zweistabigen 
kurzen zeiie erhalten bat. es ist nun vielfach erhärtet dafs 
das grundgesetz der Strophe sich in schon drei alten Zeilen 
ausprägt und deren Wiederholung zwar gewöhnlich aber nicht 
nothwendig ist, dafs es drei-, sechs- und neungliederige verse 
geben kann, desto eher konnten ein paar kurze Zeilen da- 
zu oder dazwischen treten, eine copula die im mhd. leiche, 
in den kürzeren Strophen selbst so oft begegnet, die ver- 



UODBAHATTR. HS 

bindang zweier solcher zeilen zu einer einzigen stniobt sich 
sobald jede ihre Stabe hat: so entsteht eine sechszeiKge ab- 
art, durch eine zweizeilige copula in der mitte oder am ende, 
wie Brynh. 36 

pat raed ek per ip Uunda \ at pu tritir aldregi 
Yoram yarg-dropa, 

Avars pu er hrdär^hani^ 
edr hqfir pu feldan tödr. 
Al/r er i \ ungom syni^ 
p6 m6 htm guUi gladdr, 
ebenso Fiörsk. 31 

med ^urst \HhöJdudom \ \m skaltae nara, 
ed verlaus yera. 
pitt ged ffipi 
ptc mam momi; 
verdu sem ^ütill \ sä er ^runginn vor 
i djmn ofanverda. 
der art ist noch Häv. str. 140, ähnlich Helgaqu. Hadd. 26; 
eine nachgesetzte copula scheint mir in Häv. 159 (Run. cap.) 
zu liegen 

pat kann ek ip ellista \ ef ek skal tu orrosto 
leida langvini 

undtr vandir ek gel \ en peir med viki fara 
\ieilir hilda til 

heilir hildijrä 
koma peir heillir hvadan. 
so auch Oegisdr. 23 wo die rorietzte zeile nach einer hs. 
zu lesen ist. und nach str. 33 ok hefir pu par böm of bo- 
rit. in derselben weise ist Yafpr. 41 vermehrt durch spä- 
tere hss. unter diesen fall gehören denn auch die wieder- 
holten kehrsätze die in Heidreks gedspeki ^o oft den ge- 
wöhnlichen Strophen nachgesetzt sind, Heidrekr konungr 
hygg pü at gätu, vieUeicht ist auch noch der dritte mög- 
liehe fall als nebenart des liodahättr zu bezeichnen, dafs die 
sechszeilige,. nach den ausgaben achtzeilige, Strophe bewürkt 
'wird durch eine nach einem jeden dritten gliede eingesetzte 
reihe von vier Stäben, Brynh. 18 

allar voro hf-skq/har \paer er voro k-ristnar 
ok hver/dar vid inn \ielga midd, 
Z. F. D. A. lU. 8 



114 LIODHAHATTR. 

ak sendar a rii« yego; 

pner ro mei Asom \ päer ro med Affem^ 

s^mar med yUom Vön^m, 

sumar hafa menjskir menn. 
in dieser weise wohl auch Fiörsk. S4. käme dieser bau nun 
auch öfterer vor als es würklich der fall ist, so würde dar- 
aus doch nicht die folge zu machen sein auf giltigkeit der 
unter n» 4 bestrittenen fünfzeiligen, nach den ausgaben sie- 
benzeiligen, Strophe; hier wird die gleichmäfsige ein auch 
sonst vorkommendes ganzes bildende gliederung durch unver- 
dächtige gedankenverbindung geschützt, und, was wohl einen 
unterschied macht, diese Strophe zeigt sich besonders in den 
meist erzählenden einleitungen oder schliefsungen zu den 
lehrhaften ganzen. 

Endlich ist auch noch einer erweiterung der einfachen 
dreigliederigen Strophe zu gedenken, worin nach deiii dritten 
gliede mehr als zwei eben so kurz abbrechender zeilen ohne 
rfiokkehr zum ursprünglichen bau zu einer Strophe zusam- 
men gesetzt werden, das einfachste beispiel dieser art ist 

Hftv. 18 

pat er fia reynt, \ er pü at vunom spyrr 

enom vegin-kunnom^ 
peim er gördo ginregm, 
ok Udi b'mbul'pulr: 
]fä hefir han bezt ef han }fegir. 
nimmt man hier peim er gördo — pulr zusammen, so ergibt 
sich zwar die vierzeilige Strophe in der ausdehnung wie sie 
sonst ist, aber nicht in ihrem ineinandergreifenden bau, die 
Zeilen fallen auseinander, unter diesen ist auch die letzte 
wie das ganze zerbröckelnd, einmal, HAv. str. 139, besteht 
eine solche unordentlich gefügte Strophe diesem letztern theile 
nach aus unerträglichen tautologien, die zu gutem glück auch 
schon in den handschriften eingeklammert sind, wie uns die 
berausgeber, welche die mannigfaltigkeit loben, verratbeu. 
unverdächtig ist dieselbe Zerstückelung in Brynh. 14 ge- 
braucht 

d biargi ^töd \ med brimü eggiar 

hq/di ser ä hößti lualm. 
pd maelti "ümis hqfiid 



LIODHAHATTR. 116 

trSdUct ^ tyrsia ord 
ok sagdi samm. staß. 
so auch Helg. Hadd. 28. noch mehr zerfliebt das ganze 
wo das geseiz des dritten gliedes sidi nicht drei mal wie 
hier, sondern vier fünf mal wiederholt, ersteres flAv. 145 
(Vorwort zu Rune cap.) 

Tunar muntu finna \ ok rdäna stqfi 
miök siöra sXafi^ 
miök siinna stoß, 
er iddi fimbutpulr 
ok giördo ginn regin, 
ok reist hroptir vogna* 
und Brynh. 19 (im nachwort) 

pät ero hökrunar | pat ero biargrunar, 
ok eJlar olrunar, 
ok maetar meginrunar; 
kveim er paer knd 
bvältar ok tspiiltßr 
ser at heillom hqfa. 
niottu efpu ummt 
unz vhifaz regin. 
statt kveim vermute ich znr herstelliing d^ aUilcnration peim. 
oder liefse sieh das zerfoUen des baues abwehren durch zur 
sammennehmung dieser zeile mit Miliar u. s. w. zu Einern 
neuen obersatze, wozu ser — Aq/a Untersatz wäre, so dafs 
eine Strophe entstände wie die vorhin angefahrte Brynh. 18, 
nur gröfserer zweiter copula ? 

Man darf auch nicht verschweigen dafs öfters im besten 
liodahAttr ein drittes glied zweimalige alliteration hat, z. b. 
HAv. 12 yaerom p6 verdir %agn^frA godom. so liefse sich 
in der eben gemannten Strophe das ende niottu — regin zu 
einer zeik veri>indeB, so dafs die form ganz wie Brynh. 18 
wäre. 

pat ero bokrunar \ pat ero biargrunar 
ok allar ölrunar, 

ok maetar meginrtmar^ 
kveim er paer kna ovilltar \ ok ospilltar 
ser at heillom hafa. 
nioUu ffpu namt. mz riu/u» regin. 



116 UODHAHATTR. 

wollte jemand aneh diese erweitennigeD, deren manche ana 
bekannten formein zusammen getragen sind, auf rechnnng 
einer spiteren sehon freier nachsingenden zeit da das faln 
rende volk überhand nahm, nicht als ursprüngliche, setzen, so 
k'äme das ansehn der jetzigen für die eddalieder so jnngen 
handschriften nicht auf. 

Überhaupt zeigt sich die bestimmte einfachheit des alten 
reinen liodahftttr besonders geeignet für anßnge der kritik 
eddischer lieder, und seine beachtung wird auch für geschichte 
der nordischen poesie erstes bedürfnis sein, wenn diese ihre 
gegenstände nicht mehr blofs nach dem Stoffe aus mytholo- 
gie Sittenweisheit und heldensage, sondern nach der innem 
dem inhalt immer weniger fliefsend gegebenen form anord- 
nen und beurtheilen will, denn was im mittelalter unter ly- 
rischer form steht ist es doch zuletzt was sich auch immer- 
mehr im liodahättr befestigt hat. 

Nach dem allen beurtheilt sich auch schliefslich die noch 
bei Legis wiederkehrende , annähme, aus diesem versmafse 
habe sich das drottquaedi entwickelt, dessen ursprünglich 
epische art unverkennbar ist. dagegen sind mehrere beruh- 
rungspunkte der einfiächen und einer ausgedehnteren form 
mit dem mhd. leiche in seinen kürzeren gestalten nachge- 
wiesen, dessen freiere entwickelung in nordischen die ton- 
angebenden hofdichter mögen verhindert haben. 

MARBURG. DR DIETRICH. 



ZU DEN ERFURTER GLOSSEN. 

(bd. 2 s. 204 ff.) 

Aufmerksamkeit erregt ihr aüer und ihre heimat. dafs 
sie nicht völlig thüringischem boden entsprofsen sind verräth 
der abschreiber wo er die glosse unverstanden herüber- 
nimmt; formen wie das entstellte kuuelspcepersa^ plurale 
wie die dunkeln lebdaeloccas, wisphaa^ limas (dies letztere 
ist s. 206 sicher statt limus dem deutschen zuzusprechen), 
endlich ausdrücke wie fathem ulnus, limai glieder, Uran 
muskeln (englisch fathom ulna, orgya, limb membrum, ags. 
scancUra snra) weisen auf nachbarschaft mit den gegenden 



zu DBN ERFURTER GLOSSEN. 117 

die von den Angelsachsen verlaTsen worden waren, ein frii- 
herer mehr hochdeutsch redender Schreiber mag sich erianbt 
baben in den ihm noch deutlichen Wörtern die altsächsischen 
formet nach seinem munde, was wenige diphthonge traf, 
umzufärben. 

Dies zu bestätigen, und was der letzte abschreiber oder 
auch schon ein früherer verunstaltet oder fiir uns unkennt- 
lich gemacht hat theiiweise wieder herzustellen, ist die ab- 
Schrift derselben glossen welche hr professor K. F. Her- 
mann in dem M arbni^er prorectoratsprogramme vom j. 1841 
aus einer hiesigen handschrift mitgetheilt hat auch durch 
die textesverbefserungen dieses gelehrten wichtig, eine ver- 
gleichung beider exemplare zeigt dafs auch der hessische 
mönch des 13n jh. nicht, wie ein früherer mag gethan ha- 
ben, fiir seine zeit die deutschen glossen etwa ganz ummo- 
delte, und dafs selbst dieser Vorgänger dem hochdeutschen 
nur geringen einflufs gestattete, aber einen dem thüringi- 
schen verwandten codex mufs gehabt haben, da bei aOer 
äbnlichkeit doch nicht unmittelbar der Erfurter aus dem 12n 
jh. dem hessischen kann zur abschrift voi^elegen haben. 

Da das genannte programm eben so wie ein früheres 
von 1838, welches den Marbm^er codex selbst beschreibt, 
nicht allen lesem dieser Zeitschrift die an diesem gegen- 
stände antheil nehmen ziir hand sein möchte, stehe hier eine 
vergleiehung, wobei die handschrift wieder eingesehen und 
einiges zur aufbellung der dunkleren Wörter über die beide 
rathlos Ursen bemerkt ist. 

Das nahe Verhältnis beider glossenüberlief4n*ungen zeigt 
der gleiche' anfang, eolorä locaium agrum celtmt id est an- 
deres laut sezan nach der Erfurter, wobei die ^osse nur 
übergeschrieben ist in der Mariiurger, und derselbe schlufs 
in beiden, stomachus graecum est et mterpretatur os et 
subauditur ventris M. auch die summe des inhalts, der, wie 
Hermann nachgewiesen hat, aus Isidorns origg. 9, 4 bis 
zum schlufs und wo die gUedemamen anfangen aus 11, 1 
auszugsweise entlehnt ist, stimmt im ganzen in beiden über- 
ein, auch gleiche Unrichtigkeiten im lateinischen, scemmata 
St. stemmata E s. 205, calus st. glos ebenda, canni st. 
canmi s. 206, arpina st. arvina, gleiche dunkelheiten im 



y 



118 ZU nSN ERFURTER GLOSSEN. 

deotseben, z. b. tmtombus otierE s. 2O69 M nor ohne leeren 
raam danaeh, and gleich dartuf beide canas augan und ge* 
gea das ende vucera nüaUa hoc est kqriüme^^ce E /• '2'- 
8. 207, vitcera vitalia hoc est kort in neikre M. nor hat 
E einiges mehr, namentlich die vier glossen inbuirthißh^ 
vhas, Üchhar, ein schorenlaeh hat M nicht, welche dage- 
gen vollständiger nach mmen wmseud, nach suMingüim tkori 
für eadem et sub-r-^dem et eubhirci hat, wo E leere räu- 
me hat, und noch a. 206 naeh liqutmdo nece mehr gibt et 
Uquamen necethe. M hat aneh einiges befsere, am ende 
der verwandtschafkanamen lanitriees iuorum frmtrum uxoree^ 
im an&ng der i^edemamen pujnUa a pemdäate*, anderemal 
anch fehler, wie /eror si. sorar, wmeubüue at. cubitui. 

Es wäre wünschenswerth näheres über den arspntng 
des Erfurter codex su erfahren, dem Marbnrger ist voi|[e- 
setst 1$, Marie virginie de Aulestwrg^ dieses seiner läge 
nach jetzt gänzlich unbekannte oistercienserkloster war um 
1141 von Boppo dem In grafen von Reichenbacb gestiftet, 
schon 1215 ibtt nach dem näher an der Eder als der Lahn 
gelegenen kloster Hayna verlegt w<irden, wo die mönche 
sich noch eine Zeitlang de Auhiburg schrieben« in der 
bandschrift geht unmittelbar vor onsem glossen ein oitern* 
Verzeichnis vorher über den cydos von 1125 bis 1190, 

Die wichtigeren Verschiedenheiten des Marb, ood., W0« 
bei einige fehler im schreiben lat. Wörter übergangen sind, 
bestehen in folgendem, in z« 3 vom anfang hat burgeego 
E, burgsezan M, urigelazin urigela»ine Hin, geurietkat 
E, JHgelazan, frigelacen*^ sun, g^/nethatM. ein hont- 
gengo E, in haut gegan M, die vier nächsten glossen 
lauten ttader tnage^ müder mage^ maihe (unleserlich) ge^ 
knden, mämen eun in Mf , und zwar an denselben stdlen 
als inE| endlich statt huuelspceperea, heimvrcuua B heifst 

* [t — au If|d. 1t, 1, 87 voeatur mutem pupUla quod Ht pura 
ßi impolbitß, $tt sunt pueilae scheint mir im feigen daCi 2%6, 3 Brf. 
xo. lesen ist pupilla a puritate äieta, eadem et. pupula. Hpt*] 

** nach Hermann fHgelaien. in der hs. ist $un andeuüicb etwas 
höher geschrieben. 

f so las Hermann, wie es denn anch das entsprechende materte- 
rae ßtti erfordert, die hs. scheint mhdren sun, das deprarierte, zn ge- 
hes, wlf 8. 



zu D£N EBPDRT£R GLOSSEN. 119 

es huuil scaperse, heimfrouua M. die vorfaei^hende reihe 
lautet Arrobo datur pro. com'ugio dicta qtitui arra bona et 
dos pronuba et paranimpha. 

Die fernem glossen zu den giiedernanen sind genau 
bei denselben lateinischen Wörtern folgende hoiuedhttr. ianc, 

c 

lebde loccas. wiffas (vielleicht wißas). theneben, gedana, 
ouer. ougan, kinneben, orlappa. the mannes gethtmge, 
uintatkren. uuasend, thungan. ellenbogo vel elen, fathem. 

a 

secundvm quosdam eien. nam graeci n. s. w. lenden. oslen, 
nagala. burstfappa, bvrstbein, warxa. spune^ darÖbersU^- 
hend et aliquando nece, im iext folgt et liquamen nesetke. 
orspinna et est illud durum in aure, lira (1. dicta Herrn.). 
lidera et aliquando limus (wahrscheinlich limas?). Vertibula 
wirfbein. gescoldera. totum interscapilium medietas. pale 
scolderen. räkebein. rukelende, tendenbein. lenden. huf- 
bein, lanca. gofen. unerßfran, kommen, seinkan. scina. 
tkioeh. enkel. betället flesc. rinblood stue gilKstr. ihanna. 
hart in nethre. scood Kran, senuliran. leueriu lapa.^ M. 

Offenbar bat der Vorgänger des hessischen abschreibers 
mehr niederdeutsches bewahrt in den Wertformen als der des 
erfnrtischen, beide bringen uns ungefähr gleich viel unver- 
standenes, in diesem aber wieder hat der Erfurter als der 
entferntere, obwohl fiüher abschreibend, doch grölkere ent- 
Stettungen. zumeist in der für paranympha vorgefandenäi 
Übersetzung huuelspcepersa^ wobei das hwuilscoperse in M 
zum Verständnis hilft, unter der mehrfach erforderlich ge- 
wesenen Voraussetzung eines altsächsischen Originals, die 
endung -ersa ist bekanntlich im alts. vollkommen gerecht 
der hd. -erin entsprechend ; das erste wort der zusammen- 
Setzung mufs also hutäl sein, ein deminutivum von fäibey 
was sächsisch hüve lautete 'mitriola hubeV Dtut. 3, 148. da 
aber fiir den zweiten theil das mhd. sohupfin unpassend ist, 
ein alts. skdpan aber nicht vorkommt, c und t ferner über- 
aus oft verwechselt worden sind, wie auch hier in scemmata 
und umgekehrt in thioth femur, so zweifele ich nicht dafs in 
unserem sehr vergilbten codex oder in dessen orginalf Aa^ 
uilstopersa gestanden hat. stdpgn ist von Lachmann zum 
HiMebrandsliede für das alts. fainläng^ch f^cstcllt, das 



y^ 




m m hrn RnpriRTim ctossEN. 

nofdi-^cbe Keigt aurJi din hciteutnig &«/ iti der dMM rtirtstir' 
»ctilcdefie stopan hier genemnien iftti es gehört ili ible^ 
lun^ dritter ilafe zu stiopan (woher itaufft catsieSf mpn 
DioU 2, 17 in den kennt* ^l*h wc^vaii als ver{»um wctugiliii 
P d^s schwache nord* sU^pa erhalicn bl in der bcdeatiiiig vm 

1 1 üherfiUirzen, meist medial erscheinend tut prol^ibi, Sn. tih 

\ 1,66, und für ohducere ^iKi, stich einen Ihcil ^^t rästn«! 

' oder ein kleid tiberi^ttlrzfn; leücteres z. h. Frid[>id&. c* H 

Mte^pH ki(flshöttnmn und stttfpti qfscr h(flimim cbettds. ancb 
im deuUchcn gilt üicrMtürMm namenüieh für kopQiedecittO' 
gen; üher schhirr ntarz imd vyile ciferl Seb, Braut Bafi- 
9- 90 Slrob. für das gefundene wort spricht die suche« du 
haubeaufsetzen gehörte von jeher zu den rechten und form- 
lichkehen der vennäblungsfeiern, nach Grlmtu recbUaU-44X 
daf& es aber gerade gcschäfl der brautjungfrauen eiamal g^ 
Wesen wäre müste belegt werden, die Hessen benbadblfl 
Z. b. im Rothenburgischen die nur nicht ganz dahia sÜB" 
inende sitte dafs der braut nach der tratiuog voo den idlAi 
verheirateten freundinneu die haube mit gewalt gegen Al 
eigentlichen brautjungfcrn übergestürzt wird» wogegen itf 
letztem eine Verteidigung obliegt dafs die braut nicht p^ 
petzelt' werde, die dann, wenn ihr statt des trauzes fa 
'petzer aufgclhan Ist, den über^vindcrinnen wie dea fich8tf^ 
rinnen etwas zu gute thun muis. danach möchte ein k^ 
sU^ersa mehr Übersetzung von pronuba als von paran^ 
^pha sein. 

Unter den glossen für die gliedernamen fällt Eiinlcbil 
am meisten auf üirri. id est kbdaelovcm E, eirri mit de« 
darüber geschriebenen i. iebde hccas M* schwerlich ei^ 
Zusammensetzung ; schon loccas entspricht den cirf^is völlig- 
'cyrros loec&a* Diut. 2j 340. auch das erste wird pI. seifl* 
wie nachher artfis lithe, ist ^richtig, so kann es sehr woH 
ableitung heifsen, der übrigbleibende stamm aber findet ««s^ 
würklich im nord* wahrscheinlich aus ableitung mit j catr 
Stande nen hppr haar, z. b. vom pferde ok tok ek einn f^ 
ur iagli haus fornald« Ij 331. die alts. form käme dem iö 
der bedeutung so äbnlichen ko^^og (haarbusch, besonders 
die aus pferdehaareu bestehende helmzicrdej und dem M*** 
(mahne und gamäbnler hals) in den lauten näher als j*o^ 




zu DEN ERFURTER GLOSSEN. 121 

nordische form, woneben lapi (ein stück, ein flocken wolle) 
völlig zu der bedeutung des vom g^ssator zu chri vergli- 
chenen griechischen Wortes (loXkog (wollenflocke, locke, 
haarzopf, auch engl, lo^^k dasselbe) stimmen würde, der form 
nach aber mehr zum lat. loba culmns. 

Das unmittelbar folgende zu crines gestellte, aber gleteb 
dunkle wisphas £ bewahrt deutlich eine niederdeutsche aus- 
spräche; wie es les^ ist für das hochd. lefke. die unver- 
setzte form hat der Marb. cod., w\fs(u^ wie wahrscheinlich 
statt wiffas zu lesen ist. die Erfurter Schreibung fordert 
auf zu einem versuch dies wort im angegebenen sinne zu 
rechtfertigen, da Isidor bemerkt crines proprie mulierum 
sunt nnd seine etymologie quod vtttis discemuntur dicti 
vom deutschen glossator aufgenommen ist, so scheint auph 
dieser ein diesem ältesten gebrauche und Ursprünge entspre- 
chendesT wort gesucht und an die mit bändem durchflochte- 
nen zöpfe seiner landsmänninnen gedacht zu haben, wie sie 
in einzelnen hessischen und oberdeutschen gegenden noch 
von den töchtern des landes getragen werden, im englischen 
bedeutet weft aufser gewebe auch zopf, locke, die alts. 
form wäre aber abgeleitet vriefeU^a saxa Diut. 1, 272 ne- 
ben ßall nord. dasselbe, oder wie lefse neben mhd. le/f 
lippe Diut. 3, 291. 

Bei vultus gedena hatE schwerlich eine richtige form, 
die ich vielmehr in dem gedana in M finde, obsehon auch 
da über das a der wurzel ein e übei^eschrieben ist, vid- 
leicht weil das schon seltenere wort, nicht ganz bestimmt 
geschrieben, die letztere lesung begünstigte, denn in einem 
St Flor. cod. des 12n jh. Diut. 3, 147 sieht fades getat^ 
. und noch entsprechender in dem aus dem 13n jh. stammen- 
den alts. vocabular species gedane Diut. 2, 229, so dafe der 
umfang dieser ableituüg etwa so weit als dldog gegangen sein 
mag, obwohl anders als dies und als ^cie^ abstammend^ 
während getdt besonders in der Zusammensetzung hantge- 
täi bekanntlich auch gesdiöpf bedeutet^. 

Woraus Tautombus auer und conas ougan entstanden, 
woher dann tkes mannes geihunche zu camni dentes ver- 
sprengt sei, da zu Imguam M schon thungan hat, erräth 
vielleicht ein anderer. 



I 



%n 



Zt DEN EltPimTEli GLaSSfiN. 



die aVlhfilunj? In M, Mttumhtm t^tiotdftm eien Nitm ürm 
II. i, w*, dureli flrti isidori sehen IcäI »a me 4iifdl die |^ 

Arjfhm (ttrtimi) ipunna e* lifmmtd& mect K t rietitipr 
und niii ehwm weilem zusitze gibt M «ptmr^ difftlicf ^' 
nitfu^mda neee, im Icxt ^1 Hqtmmt'n nt^cHhif^ ita» ^pioi^ 
wird nicht etwa zti dem j^leich vorh«rpcfretideii nheta w 
zith^ii fein^ denti ntil einer für daü verbiUnts fon »«t?^^ 
jto ii*w« b«iiicrkciiswciiheii ableiiimg sceigt »icli /&«« <pw(» 
f/e udijnhn* Diut* I, 491 «nd «rf^y^* fpmth 3, 418. inAi 
j|^/iif altd. bL 2, 196. die andere g1oi$se meiitt »i^fifM 
eigen iHeli die feUhnnt, Abb netz über den geiläntten, w^n«! 
KH meist der fiehmer bereitet wird; genauer wISre, wie iiw 
aacb sontt Imdet, nez^hmern relieulum, Diut« 2» 44* S, 49S 
wäre in dem fol^nden puipa orxpinrtn et esii iltud tbtf^ 
m nure. itra gr/üd paipitor E, — fira quoä pafpif^t "> 
dieses hrti^ wofür Hermann dicta vermutete, ^Tellcickt n0« 
deutsch zu pfdpn wie in icnndlira und jfenuHrm? 

Dafs bei artrj^ lid^ti M statt des nrüprtJngiiobeii W* 
Erf. ([iL) scbon eiirneutrum zn gmndc liege, daför SCsW* 
zit sprechen die glossc arha Hder Dtut. 3, t48. fSf *i 
pl. /j>ß^M aber spricht das nord, und ags. Um gHed* 

Unter den letzten verschieden überlieferten flössen *l**^ 
auch Pfscum quüd est rmdbiood siue biiiistr n. 207 E1»i 
\äk$sih /JL^ rinblood stue gtWsfr M, wo in beiden fallen letzteres ^^ 
i^Jj^ *?i^if ursprünglich geschriebene sein wird, zu dem ^t/str TibW 
sieh bei GrafT nichts ähnliches, denn gektür goth. gi^^^ 
{sacrificlum, vecligal) gehört xu gildan und gUx (cerebii**! 
stimmt in der bedeutung zu wenig, da die mundart der li** 
M auch Versetzungen wie burst aufweist, so zweifele l^^ 
nicht dafs das dunkle wort in dem engl, gfit, nach HbH^! 
mit eiter vermischtes blut bedeutend, wiedergefunden «ff^ 
es müste nur aus der früheren spräche belegt werden, o^ 
die form gleBt^ wofür nach Richard son von Skinner gl^^^ 
mit der Übersetzung ichor gegeben wurde, echt sei, um ^^^ 
verbuni giintfin wahrscheinlTch zu machen, die sich zu ^^^ 
durch lat. ghtten voruusgcselzteu gl im verhalten würde ^ '* 
wie Jliöi^n zu Jlno, wonach das sächs. glH für gfyt stund«* 




zu DEN E»FURTBR GLOSSEN. 12S 

//«• Endlieh ia he^^netksrß (viscera viulia) E därfte kein/.4iUf^^>H^ 
fehler anzunehmen jsein, da fast ganz so M hat hart in ne- ^> ^Y t^- 
thre und die stelle Isidors diese ist item viscera vitalia id ^'»^^if^^'^'^ 
est circun\fitsa (oder cirotm^fhia) oordis loca. wenigstens ob 
der erste tbeil der Zusammensetzung herUiJierxa) ist, wage 
ich nicht zu entscheiden; der zweite aber ist wegen des 
gewöhnlichen innodi viscera nicht anzutasten, denn es findet 
sieh gerade so hochdeutsch viscera inedre Diut. 3, 239« 
MARBURG. DR DIETRICH. 



BIBLISCHE GLOSSEN ZU ENGELBERG 
UND RHEINAU. 

Diut. 3, 422 — 432 werden aus der Engelbcrger band- 
Schrift 1. yij 'altdeutsche glossen in einem lateinischen com- 
mentar zur bibel' mitgetheilt. ich bemerke hierzu folgendes. 

1. die handschrift, eine erst im 12n jh. gefertigte copie 
eines ich weifs nicht wie viel älteren Originals, enthält eine 
fortlaufende worterklärung zu den biblischen Schriften der 
die eommentare des h. Hieronymus zum gründe liegen, die 
erklärenden worte sind theils lateinisch, theils deutsch, die 
letzteren stehen zwar über den zeilen, dennoch gehören sie 
¥0n vorn herein und wesentlich zur ganzen arbeit: ia den 
meisten fällen bt das deutsche wort die einzige erklämng 
des danmterstehenden lateinischen, z. b. 

rmsta. ßgono. obelei wisade. 

Massas caricarum. Benedictionem. Ia£uciculo uiuentiiiin. 
inoongregatione. 

siiftodi. unseßi. 

(Siagultum. Serupulum. Scijdinm. in quo manus lauantur. 
mithin ist der commentar eben so wohl ein deutscher als 
dn lateinischer zu nenneii. 

2. Grraffs abdrnck ist weder genau noch vollstiindig: 
Worte die er gänzlich übersehen hat sind CoUidebantur 
spumten (oder spuritten). purpura purpurpheUoia. Cyda* 
rim houl, Unus sumiwelcher. Inscriptio capitan, 
Scribendi capitalunga. Titulus capitulan. Desursum 
h^f. Ederam ebde. 



124 EN6ELBERGER GLOSSEN. 

Folgeode aber bat er anders gelesen oder geschrieben, als 
würklich in der bandscbrift steht. 

Sabola siula: Gr. 42% suila Retorta gizwimetemo : 

g^ixvvimotemo Fricator gesotanwirt: 423 gisotan wirt 
Papalaram anchevesa: anckweza* Hemiosus holoc^ 
ther : holother Contenebrati ptoumata : ptowneia 

Percrepruisset marivvurda: 424 iVocrepnisset, mari 
vourda Coccum bis tiactum zvvirgigatophellol : aswirgi- 
rato phellol VeteniXt^ubergene: ubermorgene Fi- 

stalas nuosca: 425. nao^ca Babale camis vvüttmes 

(vvmtines) fleisces Sorbiciunculas siifmosili: stf/mno- 

sili . Gratuita ßresebim firgebin Anaglifa manliba: 

manäha Rubigo milttou: mlitou Sieomoros vvildi 

wihcpoma \ vvidimulpama : vvädi mulpmna neraum höh 
l üinhata: 426. ütn. halta Cursim kixolo: kizalo 

Uasa gtzinga: giziuga Conuenticiila cüaminackt(fta: 
conventiculaiDy cüamina chufffta Papillam qfhei (q/hel) 
l sehun Emulari hanzan (haxan) \ biliden StilUcidiis 
trophizuga: trophisunga Depostfetantes affterzittigun s 
q/terzntigun Contestabor xurchunde xutho: ziuho 

Decachorde sebantsetigemo : sehantsetigemo Cynomia 
huntßuiga: 427 huntfliuga Piia stanph: stamph 

Torax prunicB : prunia Glareis grezin : Jk2S grezun 

Gurgastiom rinsa: ruisa Pyramidas irmimuai ir- 

miniula ArmiUas armbdch: 429 armbhck Desolalnt 

moadet: moadet Litara tunichuga: iuniekunga 

Misce scencha: 430 scenckua Bubalis vvüantam: 

wisantain Naulum ferescaz : Jerücaz Lenncnlos 

leunchuliu: leunchulin Sndarium Svezuanch: 431 svet" 
zuanch Architectus vverhmietter': Werkmeister 

3. auf den zehn letzten blatten (67 rw. — 76 rw.) 
enthält dieselbe hs. eine alphabetisch geordnete, aber schon 
im C abbrechende reihe hebräischer griechischer nnd latei- 
nischer Worte mit lateinischen nnd deutschen erklämngen. 
U^nron steht in der Dintisca nichts, die deutschen glossen 
£eses unvollständigen wörteri>uches sind aber folgende. 

* dies and manches nachher allerdinss die richtise bersemos. 



ENGELBERGER GLOSSEN* 



»giotn« lectoritim, le* 

tr. 

tdatum. contra d»tuni. 

ascelLa^ ouchsa* 
hantkaha~ \ basta. 
[< uas pruQarum. L 
mtph&nna. 
im, auis ermgries* 
uis. hekera* L l ut qui- 
n, humbeL 

a. lectulus inhorto. i. 
Ue, 

genus besti^« i. elaho. 
Danile. hantcar* 
a. brantreita* 
\, houba. 

ilum. peplum. fascia 
tfiralis. köbettmk, 
herba gunderebu \ ar- 

im* ^iV/e, 

iuiEi. usclok, 

üa. a^/> piscis. 

. orsiac, 

fo. species calorisi^g-ß- 

15. köueiinc* \ haue- 

liscos. incastratura, i. 

liscos. uncinus. i. cra- 

i. uintime. 

nü. sessorium, i. jfe^ö/. 

uetuEa. I alibi. ars, 

dekseia t harta, 

i aiiser. ^^mj. 



123 

Aöela, öÄif. auis aquaLica. 
Auena* wiltkaberu. 
Äruina. pingtiedo i, tmsh't, 
Alüceo, ioiiito. spdno. 
AssenUor« adulor. sUhiehn. 
Amas. i* angeL 
Birsa. peius, i. kuU 
Botboma. araa. k eimer t. 
fiatholicula* stouf, t. 
Balafium imago. i> biUde. 
Bootes, sydus bubiilcus« öA* 

Bücertys. bubalus. i, wisant. 
Bubalus. iGisani* carnihus 

magnis boai simiUs. 
ßiibo. auis nocturna, i. hno* 
Braca* femoralc. t, brock. 
Bulla, sperula aurea. i« 

rinch* 
Balis ta. sagttta. t genas ia- 

culi. i. Je derart. 
Ballcna. spccies piscis i. 

walira. 
Bastaban* t. brenio. 
Bitumen, glute» terr^?. i. 

erdlim. 
Buculare. labium. i. iabU, 
Braciie. brocke. 
Bip^nnis. barta, \ piaibh 

acuta. 
Botrus. wintrubo. 
BuLirum. kancho. 
Battudo. ßegiieimo, 
Basis, quicquid fundamento 

super ponitur. i. slaJßL 
Balbuüens. t. baipzonie, 
Büüibix, gotweppe wrm. 
Bastenia. species uebicull. 
i, sambuch. 




1» 



enGSLsracsH cajossnt. 




i'p 



« 



Gabt- I ettkaiseilA. L 



BalU. L 

Odarin. nkra, I pdlais, L 

Ciiapjasvio. L gmfimemm, 
CalAiU. c^ul tos. ia foo 
rri bgantar et puaicsdi. 

Cyelile* goiitijfpe. l 
C€iioee|rbilDS. huni/iohotif* L 
(lard ia *■ iiä . hrr^ißsuktig^r, 
Ciptf ji. AÜiiatioi. i. MtmMg^%^ 

Caitor. i. Ä/Ä<»r, 
Caprreliis* ) cinbolns* r^cA. 
Ce«uliti cec-üfl «itgtti.^. hiin-^ 

Capcdo, spccies piscii, i. 

aUmi, 
Cotica. t concula, mmruh^ 

\ lateL 
Caticcr. chrebh, 
Capiis, fakho. 

Caradrion, lericka* 

Carduellns. dhir(/iftfJt&. 
Catumix. perdix. reif hon, 
i] ii u lio ^ scrihge ^m-h . 
Cuutcniim. * caatenalunj. t. 

vanlnr^- 
Caluilliim* chaiwfi^ 
Cfniix. \ coüuuh i. /m/#. 
Cala|rhns. haisfag. 
Cnrtilago. molk os i. rAroJ- 

4« eben jeni^n cc^mmaritar euthalten noch so fiele aa- 
dfrc iibi^r DeiitHclilaiid hin vrrstreulc liandsehriften dafs «* 



IHieai. t cJienialiu ^ap* 

t stmitor. 
C4icl«a. titrrU tu qtt p 

cirtmüun asceoif ttur t. ft- 

dÜMim* 
CripU. u ckuri * 
Ccmcntmm. pAittwür* fß 

mi]ni!i canpitigitBr. 
Caix. chft/h. 
Cemetttarius mmrart* 
Curia, dmckus* \ ^prmek^- 
Curiaits«. ^saga^ 
Caljp§. itaL 
Cauterium. Fefritm i|00 tut* 

malia uruntur* i» ää/«* 
Clauas. tumrnag^* 1 ^ir^et^ 
Clauis slüzii* 
Creagra- chrewit, 
Circinus. risu^, 
Circoliis I cidaa. L rwi^' 
Carra. 1 carruca« l carpci^' 

tum umgant, 
CarpcftUrius. wagenare* 
Ceuacutum. muosgadem* 
CfatQs.calixmodlcus* uii^\ 
Cralera. naph^ 
Coclcar. l^lffiL 
Caütarus naph \ kamt^ti^^ 




RHEfNAÜER GLOSSEN. 



m 



n schönen Untersuchungen Docens (niisceIL2, lOSC) 
hwer fallen sollte darin eine« nachkrs der gnjfisen 
Leu würksainkeit <les tlrabanus Maurus zu erkennen, 
bedauerlicher dal's fiir den ahdruck in der Diuti^ica 
ein minder werth volles exemplar gewählt worden, 
i iu der beuiitzung der übrigen der althochdeutsclie 
tiatz so unzuverlärsig iai, i{ 

will hier aus einer baudschrifl des klosters RE^einau 
i\lj im sprachsch, BibAA)^ die um etwas älter (aus 
i jU.) correeler und reichhaltiger ist, die erhebliih- 
i diinjenlgen Worten nachtragen welche der Hngel- 
ts* fehlen und in den Hinf ersteu theilen des sprach- 
estwxder gar nicht oder unrichtig verzeichnet siiuL 



itiarum zamittwrtL 
i suomdse, .v^,t> 
limisa suiu^ 
Pro rieh ramph , 
prari l vrampk. 
lern vndirjihtafi^ 

smlmn. 
ria scarlttK 
bvn. 
oistan\ ,1, 

ckragmt. , 

iabeL ,,.- 

;a kiüketmi?^ 

wL 

r^ amnal. 

IS wissagaiiühoia* 

m h&gasüL 

warza sicca sca- 
'ttarüvga. 

crdeph eie i/ebinn a . 
i hm halb I grabim 

on \ bus leAUam ida - 



UeBtilahit ziweibiL 
S y re u a r um mti iminmtn 
Denocte clages. 
D e fe c 1 1 imgemago ta . 
Alas scevfumga. 
Priuilegium kantfesti^ 
Benedixit gbteapeMn, 
Heri et nudius tertius ge- 

steren vnde cgesieren, 
Gremium spacka \ eriebo^ 
Novell^ phlmnuu* 
linguosiis rihc/iosfger. 

Manicis kantruhen, 
Osten lacionis romisahs. 

Desertores kereßnhifgv, 

Necessarios noifnmdn, 

Gestatoria pura 1 frfrgfr 
i^tüia. 

Place nl<is Jladen. 

L a q ue a t i 8 gib im ti so ien - 

Caluaric gebe/s. 

Sceuofeia (d. b, scenopoeia) 
giseitwühta. 

Testimonium Iwment. 




1 



128 RHBINAUER GLOSSEN. 

mlmiceps gibure. SusurroBes rpnvsare. 

Paries dealbat^ gichaltv Conmeiidat giUubet. 

mura. Peripsima (d. h. peripsema) 

ScaEun floxskef. vmbünita. 

Ännamenta gixviga. Pedagogus mageMohana. 

Artemoiie segelli. Prophetans varsMgintar. 

Bithalassam xivmelichan. Scarrilitas scejcmmgß* 

Sannentoram itieiiaha. Annatara güariwa. 

Sigaa büigila, Caateriam brennüaren. 
Armi girffota. 

WILH. WACKERNAGEL. 



SALOMONIS PROVERBU IN LATEINI- 
SCHEN REIMVERSEN. 

hi. 1 rw. Salomonis proaeri>ia. quibas sunt incognita. 

Hac adaerlant animuin. ubi discant scienti^ 

gaadiam. 
Sapienti^ principium. babenl timenies dominam. 
Doctrinam patris aadiat. qui legem seraare co- 

gitat. 
Qui aalt animam seraare. legem debet obser- 

aare. 5 

Ergo fili benigne, aadi aerba disciplin^. 
Correptiones noli spernere. si ais regol^ 

obedire. 
Opera iastoram diligat. qai salutem desiderat. 
Verba qaoqae malorum. detrimenta sant bo- 

noram. 
Taam bonorem prospice. ne gaadeat inimicas 

de te. 10 

Caae ut maltam non dormias. ne te deprimat 

paupertas. 
Sed semper operare. si ais animam salaare. 
Ab omni fomicatione. animam taam remoae. 
Nam omnis fornicator. legis est contemptor. 
Nanqaam proferas mendatia. si aera tibi sant 

labia. 15 



SiiLOMOJVIS PRaVERBlA. 
Qiii mendaüo nititun pcrfeclo corde non cJüi"- 

Qui ambulat simpliciter. ambulat coofidealer. 

Qui iDnuit oculis, uon est jq uerbo fidelis. 

Vbi fuerit superbia, ibi erit contumelia, 

Vii autem humijitas. ibi et sublioiitas, 
Non proderunt diiiiti^, ubi perditio anim^. 
In omni qnoque iudilio. Oduciam habe in do- 

mino. 
Honorare parentes. admonent deum iimeiites. 
Qui parcntem hönorat. legem seruare desid^rat. 
Ne sis graüis in domo, ut diteris omni bono. 
Familiam corripere. debes in dilectione. 
Peccata tna plangcre. non debes in crastinuoi 

diä'erre* 
Pf am nostr^ uil^ Icrminus* nobi^ esl incognitus. 
Tuslilia reclomm. uiEa est beatorum. 
. Pro iusticia agonizare. deum est amare. 
Qui despicit aniicum. nuüum limet peccatum, 
Mnlü subueninnt diuiti. sarcina manet paupen\ 

vel teoe 

Beate facit anim^. qui mlsericors est niduf* 

Pauperi et orphano. bic erit in gaudio. 

Qui propriis babundant. borrea illis redundant. 

Multi rapinam diligcntea, semper sunt egentes. 

Sapiens mulier. propria seruat diligenter. 

Qu? au lern est fatua. dissipat in domo qiiesita. 

Lingua placahilis. est semper amabilis, 
Labia doiosa, omnibus sunt odiosa. 
Noü pro amico. inimjcns iieri proximo. 
Quandogue deciinatur amjcus. nuo<juam niuta- 

tur proximus. 
Cum aliquo homine. noü uerbJs contendere. 
Verba enim odiosa. semper odit anima. 
Sperne auarieiam. qti? tibi a ufert animam. 
Cüi enim domJnatun omni tempore tristatnr. 
Fuge ab inuidia, (jn§ infert mortis pocula. 
JXunquam concordia. ubi regiiat inuidiii. 
Qui amat eoncordiam. beatÜieat animam. 



f29 



!^0 



30 



35 



40 



iTt 



tat 



SALOMONIS PROVBRBIA. 



Cim t0iiMto hoanoe. sUbis omhI tempore. 
Stoltos proferl omnia. qu^ habet abscondiU. 
Sapiens agil coosilio. qnieqnid habet in animo 
: Ne derelinqoas amienn. quem habnisli aoti 

qanin. 
Noana non eril similia. qnod erit mutabilis. 
Filiaa sapiens. I^tifical patreai. 
Omne qaod est nimiam. aerlitor in nieiun. 
Omnis aaanis. nolli est carns. 
Perg. handschrift der öffentlichen UbUothek {dnemaU iei' 
Jokfißmiier) zu Strqfkhurg, ge%. A. 167, an» dem 12» 
fah hundert. WILH. WACKERNAGEL. 



55 



BRUCHSTÜCK EINES MARIENLIEDES. 

^fiß)^ ^jvJSlf r?/2s^o, Tn einer handschrift der rekdigenehen bibUoihek hier- 

-vl.M^ ^/^^ selbst ^ welche das somnütm Seyrionis und den commmUff 

p4^. l>c^. fUi.tijdeä Meerobhu enthält, befinden sich atmchen beiden (mj 

^y*rt*^.^/9^, zwei Mur hälße leer gelqfsenen Seiten folgende verse von 

eifim* späteren^ wohl dem 14« jh, angehörigen hand. fl"' 

abkürssungen liefsen sich mit Sicherheit du/lösen, die ein- 

zelnm verse sind durch große buchstaben am anfange wi 

punkte am ende bezeichnet, letztere habe ich weggeleß^ 

find mir daßtr, so weit es ohne willkürliche deutungen w 

den text hineinzutragen möglich war, moderne interpw^' 

tmn anzuwenden erlaubt. 

BRESLAU. DR TH. JACOBI 



O Johannes vil guder 
Na plig wal diner mader l 
Si en hat nit kindes me wan din, 
Nu du ir ganze trnwe schin! 
Ir edel kint hat si verlorn, 
Dal ane wewen wart geborn 
Van ir in einer suzekeit, 
Des hat sl ser und nverleit. 
Johannes, godes drul. 
Du liezes eine müder und eine braul 



1Ö 



BRUCHSTÜCK BlNtSS tf ARIBNLIEDBS. iSf 

Darch live godis nuDne; 
Nu du up dine sinne! 
Sich, dir is vergolden wol, 
Du hast di, di der gnaden vol 
Ist und was und immer ist, 15 

Gebet dir snze erist, 
De dir so vil der minnen schin 
Erzouget hat, iohannes mini * 
Wie sal he dir der minnen me 
Ougen? ime si lof immer roe ! 20 

O Johannes ewangeUst! 

Nu sich, wi lif du gode bist, 
Dar an, dat he di müder sin 
Dir beval, da det he schin 
Di minne und der minnen vlot. 25 

Dar an gedenke, iohannes gntl 
He beval in dine hade 
Marien, di vil gude. 
Nu la si dir bevolen sin, 
Want si is gar der gnaden schritt, 30 

Si is des heiles bume^j:^ 
Der Werder engel suonn^^ - ' ^ 

Si is der schaz der heren ort, 
Di dir beval dat godis wort. 
Nu tröste wal din munelin, 35 

Dat du vil selich mnzes sin. 
Du bist gar selioh, dat is war, 
Nu sage, iohan, wer is diu pinf 
Wer ie entslief tip godes bursl 
Mit also wnnneelicher losl, 40 

Als du, iohannes, minneeliche? 
Ja bistu aller gnaden riehe, 
Dir is di godes mnder 
Bevolen, o vil guder ! 

Nu bud ir ere und plig ir wol: 45 

Dat du min lif, dat stet dir wol: 
Want so we ir ere erbieden kan, 
He si iunc, alt, wif oder man, 
33. /. ereoliort 38. pin]? der reim tterkm^e paf. 

9* 



I 



\9Z 



BRUCHSTÜCK EINES MARIENLIBDBS. 



< 'i 



He sali wal genizeD, 

Want 81 wil im entolizen M 

Der gnaden nnd der seiden schrin, 

Si wil im na bi sin 

In aller not biz an den dol, 

Si en lezl in nil in siner not. 
TUvL snlen wir wider keren 55 

Und salen oeh ynri>at leren 

Van der vil reiner gader 

Marien, godes müder. 

Si was nnz an den dirden dach 

Dat si grozer clagen plach, 60 

Si nam in ir gemude 

Alle irs kindes gade, 

Si gedahte, wi he ir was gegeven, 
Und an sin minnecliche leven. 

Si gedahte an sine raildecheit 65 

Und an sine groze gednldecheit« 

Wie milde he und ouch wi g«t. 

Si nam tut sich sine demat, 
Wi he van ir gol gebom. 

Si en horde van ime nie engeinen zom. 70 

Si gedahte an manege soze lif, 
fiat he der werlte hadde gedan, 
Si en mohte ir weinen nit Verlan, 
Wi he dar umbe wart verspit 
Und der armer luden nit 75 

In verit unz an den dot. 
Dar af waift si in grozer not, 
SI sach ir kint vur ir begraven, 
Si mohte luzil trotes haven, 
Bis dat si gar gevrowet wart, 80 

Do ir kint edel und zart 
Mit wunne erstunt van deme grave, 
Do hadde ein ende ir ungehave. 
O vrowe maget! o minneclich! 
müder aller gnaden ! 85 

Des paradises suzecheit, 
vor Bder nach 71 fehU ein vm. 79. /. trostes 84. fehlt ein vers? 



BRUCHSTICK ELISES MAEUBNUEOfiS. 

Ein burtie aller uiildec^heit, 
Da bist der tnegede gimtne. 
Ein engclische stinime, 
Des himmclnclies wuime, 
Ein kciserllßhes könne, 
Selicb^ sellchf suze, pia. 
Reine, milde, o toaria! 
rose roll o Ulie wiz! 
blume schone! o vrowe prisl 
O morgen sterne l o sunne dar l 
sctiüiier luaeue ! o adelar i 
O tordeldiibel o godes Irou 1 
Der cagel vrodc, der seien Ion, 
Des Sünders trost van gnaden gul. 
Der werclte licht, der wnnnen vlnt! 
werde maget van Uolvat! >• ' 

Dn bist dl gutes kint gebar. 
Dn mir up der gnaden schrtn. 
Der du vrowe nun bist vol* 
Du weist, dal ich bedarf vil wol • 

Dinrer helpen, maget gut. 
Gevrouwe, vroüwe, mir den mut, 
Ervrouwe mir die sele min, 
Vedrif van mir des herben pin, 
Behmde^ reine müder, mich, 
Do np dt ougen und sich, 
Sich an mines herzen not, 
Verdrif van mir der seien dot, 
Bat mir diner gnaden haut, 
Und brich au mir der snnden bant 
Lif uud sele beveie ich dir, 
vrouwe! knom ze leste mir 
An minen eude und alle dage» 
Dal ich id in der not verzage. 
So min sele van mir sal varen, 
So saltu vrouwe mich bevareu 
Vur des duvels banden 
Un4 vur den grozen schänden, 
Äolvtr? «ör oder nach 104 tekeint ein vtft mu ßM*ti, 



133 



m 



f»5 



m 



im 



110 



iti 



ue 




IM BRCiCaSTUGK KINB8 MARIBNLIBDBS. 

Di alle suder Bdeot da, 125 

Da hilp mir o Maria! 
bedenke an dine mildecheii 
Di alles trotea orone treit, 
Uod hilf mir, dal ich knrne dar 
Mit yronden an die engel schar, 130 

Da ich sihe din kini und dich. 
Erhöre reine vroowe mich. 
Da brenc mich var den godes iron. 
Da din edel kaning salomon 
In wnnneclicher wannen ist, 135 

Bi deme da bit rroaden bist. 
Da hilp mir, maget soze, 
1% Dat ich dich loven moze 

Da ich vronden muze taben 
13S. /. tröstet 



ZUR SYNTAX DER EIGENNAMEN. 

u 

Notker, bei dem wir doch zuerst die ahd. prosa in 
natürlichem fit\fs antreffen, hat einen bemerkenswerthen 
Schwung ßir die Stellung des genitivs van eigennamen de- 
nen sich noch ein anderes nomen upposiiiv verbindet, er 
läßt dies voran gehen, dann das subst^ von welchem der 
gen. abhängt folgen, und schliefst mit dem eigennamen. 

Ps. 50, 1 daz er mit Bersabft slief sioes fterechnehtes 
chendnUriae (bei B. der ßrau seines kneehts ü.). 
ßth. 3 pi des cheiseres ziten Zenonis. 
Bth. 20 gagen sines leidares hazze Cipriflni (odiis Cypriani 

delatoris). 
Bth. 226 umbe des cfanninges willen AristeL 
Bth. 226 üzer des chuninges riebe Alcinoi. 
Cap. 15 in des fliegenten gotes kewalt Cupidinis (in po- 

tentiam volüantis stq^eri). 
€ap. 37 erwegettn föne des foreleisen scnndedo Mercmii 

(praecedentis officio concussa). 
C^. 46 legeta si za sinero mpoter minna Majae. 

Die zusammengehörigen genitive werden durch das sie 
hehersehende subst^ getrentU, doch geschieht es niokt noth- 



ZUR SYNTAX DJSR BlGENNAMfiN. 136 

wendig oder alhrwürtSy ». b. ps. 33, 1 lieMt man riche mi- 
nis iater Davidis und nicht mims foter riebe Davidis. 

Dafs die pomphaft scUiefienden geniti»e in jenen be-r 
legen lauter fi^nde namen sind tkut nichts jsur sache^ es 
hätte ebenwohl hei/ien dürfen pi des chaniDges ziteo Ota- 
oheres ; ferner^ glaube ich^ wäre auch 3ful€{fsig gewesen 
dem eigennamen die vordere, der appositian die hintere stelle 
zu verleihen, x. b, ambe Aristei willen des chaninges. bei' 
des beweise ich aus dem ags. Sprachgebrauch. 

Boeth. cap. 19 brät siiit nu [»äs visan goldsmides bAn 
Velondes? wo sich die metrische Übersetzung ausdrückt 
hv»r sint nu (äs visan Yelandes bän [»äs goldsmides? der ÜU. 
text hat auch trennend ubi nunc fidelis ossa Fabricii iaceni? 
was N. gerade nicht nachahmt^ er setzt Bth* 100 w&r ist 
sär nu daz krab des keirden Fabricii? statt des keinien grab 
Fabrioii. * aber die ags. prosa liefert genug andere bei- 
spiele. 
Kembles chartae 2, 131 in usses dryhtnes naman haelendes 

Cristes. 
Thorpes anal. 51 (arb Ädelr^des hsese Myrona cyninges 

(iussu Athelredi Merciomm regis). 
daselbst 84 on ÄdelrMes dagnm kynges« 
ehronöL sax, 638 be AlMdes btoe Yestoeaxna cyninges 

{prece A. fV. regis). 

Aus dem altnordischen ßLllt mir die hergebrachte stein 
lang von saga oder qviia zwischen die genitive ein, Olab 
saga Tryggvasonar, Sigordar frida Fdfiiis baoa^ Brynfaildar 
qvida Budla doftnr, Helga frida Handings bana u. s^ w. 
diese ags. und altn. stellen vefsiehem uns daß auch Not- 
kers weise unnachgeahmt war* freilich läfst eich aus UU 
filas keine ähnliche structur beibringen^ dem sein tewt da* 
zu keinen anlafi gewährte^ es war natürlich diesem fol^ 
gend zu sagen in dagam H6r6dis [»indanis Luc. 1, 5**; 
gibid imma fr&nja sM Ihtveidis attitts is Lue. 1, S2$ ungo- 

• oder Wielaodes, wenn er darauf gekommen wäre wie Ä\fr4d 
Ui Ftbrieins faber %u sehen, was auf den berühmten Feland, Miete ; 
auch fldelis ist passend mit visan vertauscht, 

** ebenso T. ^, i. 8, 1 in tagon Herodes des canioges naeh dem 
tat. ia^diebiur BerodI« Mgi$. 



13C 



ZUR SYNTAX DER EIGENNAMEN. 



^Ji*^ ...• 



ihhch würde aber ein in HerAdU dagam {»iodaiis, DayeMis 
bM attiBS 18, oder in {liadanis dagam HerAdis tdckt gewa- 
Men sein, auch venteht es sich dafs die irenmmg der xu- 
sämmmgehörigen Wörter nicht a^f den fall des gemußt 
ein^usckränken ist, x. b. der acc. durch das verbum ge- 
trennt werden kann; N. Bth, 56 hdfst es alsA GrcgÄritts 
Johaiinem z6h coastantinopolitanam. 

Aus der mhd, spräche gehört nun gans hierher dk 
nmgung von den eigennamen oder appeUatüten derßirsten 
and edeln die Opposition ihres landbesitsses durch ein andres 
wart oder mehrere 9U trennen, dieser besitz wird aber 
nicht mit dem genitiv, sondern den präpositionen von aiet 
üz bezeichnet. 

Pars^ 45, 11 fiz der kängin lant von Zazamanc. 
Lanz. 4418 in des küneges lande yon Maroc. 

5066 ze des herzogen hdse yon dem wizen 8^. 

ßraith. 21, 1 des ftirsten milie uz Osterriche. 
85, 10 der den werden fürsten habe erslagen von 

Kölne. 
H^igal. 8063 eins yiI edeln forsten tot von MerAn. 
Vir, ßrauend. 92, 27 mit hurte er an den grAven quam ▼«" 

Tyrol. 
MS. 2, 152^ waz mac diu käneginne wol jehen von Uagef' 

lant? 

2, 132* danne der edele kröne trage uz Bebeimlaot 

Amgb. 4^ ich bin des grAven kiinfte vrd von 6sterberc. 

des vürsten tot üz Beigerlant. 

MS. 2, 1* in des vürsten d6n von Düringe lant. 

2, 210'* des küneges kint uz Ungerlant. 

Ben. 440 in des haut von Riuwental warf diu magt ir bal« 

454 warf ich den bal in des hant von Riuwental. 

Suckenwirt 18, 295 der des küniges banier truoc vonFraiA- 
rfche. 
Beiderlei nachsetzung^ die des genitivs wie des örtH- 
cken begriffs, behalten auch die Chronisten und Urkunden 
des 13« 14n i5n jh. bei. 

Fritz Closener s. 20 Cunrat grave Cunrates sun von 

Hessen. 
59 des bischofes gesinde von Triere. 



ZUR SYNTAX VBR EIGENNAMEN. 137 

Uritz Closener s. 72 durch bete willen Johannes Twin- 

gers. . 

7S in sante Johannes cappele baptisten. 

Königsho/en s. 283 des küniges tohter von Ungern. 

: 834 herzog Leopoldes tohter von Österrich. 

Lindenblau s. 198 des koniges boten von Bohemen. 

• ■ 203 .des koniges vater von Polan. 

Johann van Guben »itt. jahrb. 6, i by des geczyten von der 

Lipen. 
— 6^ 7 dez son von der Lipen. 

8, 18 von dez volg von Mi- 

chilsberg. 

Hwneyers Ssp, 1, 25 Scrapen kind von Jersleve. 

Heidolves kindere von Wininge. 

Sehäpflin no 768 (a. 1290) mit mines herren hant von Phirt, 

graven Diebaldes. 

Günther 3, 531 (a. 1371) uf sente Andreas abent des heii- 
gen aposteln; 

— ^ r- 3, 281 {a, 1342) vor sente Margareten dage der 

heiigen jnncfrawen. 

— 3, 526 (a. 1371) uf sente Marcus dag des heiligen 

ewangelisten. 

3, 528 (a. 1371) uf sente Yitus und Modestus dag 

der heiligen merteler. 

Höfers deuUche urk. «.15 (a. 1261) na sente Mathies dage 

des apostelin. 

,.17 ^a. 1251) unser vrowen dag^ der 

laszire (lateren). 

_ . ,.29 (a. 1275) an unser vrouwen 

avende der lafsir. 

8. 59 (a. 1300) an sente Andreses dage 

des apostols. 

8. 284 in sente Johanneses daghe bap- 
tisten. 

Rugian. landbrauch üt. 184 von des bischofs gerichte van 

Roschilde. 

P^piko/ern^lA (a. 1282) das hain wir an hern Eberharten 
gesetzet von Stufenegge. 



M 



138 



ZUR SYNTAX DBR BI6BNNAMBN. 



li 



* * i 



Pupikofern^iS (a. 1285) an heni RuadoUes sUt vonSilz- 

bereh. 
n^i% (tf. 1285) in maister Hainriehs hof des chus- 

ters von Goslenze. 

11*14 (a. 1282) se anaer vrowe tnltder jungen. 

fFigands arckh 2, 18 io Johannes hna Ryneken. 

2, 20 (ä. 1861) io Johannes hns van Lone. 

Rfndlinger 2, 291 dragen in mina herren aal van Cobie. 
weüth, 1, 674 alle frige natoe eines appetea sint von 

Ebenheimmonster. 
Mindener urk. n^ 20 (a. 1308) twischen Grerwiges has ns 

M eiUen unde Ernestes hns des pipers. 

— «0 28 (a. 1820) Diderikes wif des wcrers. 

Detmar 1, 31 koninghes Lodewighea sone van Vrankriken. 

und 80 in unzähliichen andern ßUien. namentlich werim 

auch die präposiiianalen willen und wegen auf solche weist 

zwisckengeschoben. 

Detmar 1, 27 dorch siner snster willen Ghertrud mark- 

grefhinnen. 
Kindlinger 3, 470 {a, 1367) nmb bede willen des vorg. mins 

heren. 

3, 471 (ä. 1368) mnme bede willen vrauwen Ri- 

charden. 
Schreiber f reib, urk* «»02 (a. 1296) von der wegen von 

Friburg. 
weisth. 1, 503 (a. 1338) von mins herren wegen von Ha- 

nauwe. 

von eins faals wegen zn Munzcn- 

bcrg. 

Dahls Lorsch s. 38 (a. 1300) von des Stiftes wegen z» 

Lorse. 
63 (a. 1423) von des bischofs wegen z« 

Mainz. 
Kindlinger 3, 377 (ä. 1339) van Gerlages wegen van Bc- 

vercn. 
Duellii mise. 2, 242 von graf Conrads wegen von Helfe''' 

stein. 
Einigemal auch ohne d(nfs (n*Uh oder eigentumen im sfi^^ 






ZUR SYNTAX DER EI6BNNAHBN. 1» 

smd, »* b, Kantzow 2, 430 aoib tiefe willen des sehest 
Hanselmann n"* W^ (a. 1350) durch heiles willen siner sele. 
die Ortsbestimmung lu^fse sich leicht in ein adj* oder ap- 
peUaÜD verwandeln, von des Helfensteiners wegen grafen 
Conrades. am kühnsten scheint die construction, wenn der 
blofse artikel elliptisch verausgeht, in des hant von Riur 
wental = in die hand des (herren) van Riuwental; von der 
wegen von Friboi^ nr wegen der (herren oder leute) von 
Friburg. l^nestes hus des pipers, Diderikes wif des we- 
yers gleicht, wenn man den eigennamen in die letzte stelle 
rückt, des pipers has Ernestes, des wevers wif Diderikes, 
völlig der notkerschen weise, von welcher ich ausgieng. 
unsere heutige spräche hat diese, wie gezeigt worden ist, 
altdeutsche ßreiheit fahren Iqfsen und sich um einen nach' 
drücklichen schlufs des satzes gebracht, 

JAG. GRIMM. 



MANNSNAMEN AUF ^CHARI, -HARI, -Alt 

Ich will zeigen dafs die altfränkisch mit chari, goih. 
mit hari, ahd. mit hari heri, ags. mit here, altn. mit ar 
zosammengesetzten eigennamen dieselben sind, ein Verzeich- 
nis muTs vorangehen. 

Dem griech. K, lat. C hat nach dem gesetz der lant- 
versohiebnng deutsches CH zu entsprachen, wie dem T die 
aspiration TH entspricht, dem P PH entsprechen sollte, da 
aber die goth. mundart CH in H und PH in F milderte, 
während sie richtig TH behielt, so ist auch ahd. dieses H 
und F geblieben, nicht wie e6 sollte 6 und B eingetreten, 
obgleich für goth. TH richtiges D sich einfand, diese stö*> 
rang näher auseinanderzusetzen gehört nicht hierher; es 
sei blofs bemerkt dafs in den ersten Jahrhunderten, wie die 
Schreibung deutscher namen bei Römern lehrt, das organi- 
sche CH noch gegolten haben muCs und dafs es sich auch 
in eigennamen, vorzögUch alt&änkischen, bewahrte« 

Hiemach ist das altfrank. Charibert =: ahd. Heriperht^ 
folglich die Umstellung Bertachari es ahd. Perhtheri, und 
so sind alle namen auf "cbari zu fiifsen, deren ich folgende 



140 



MANNSNAMEN AUF -CHAM, -HARl, -AR. 



sammle. Audcharhu Mabillon d<> 14 (a. 690). öiachar trad. 
patav. n<>36 (a. 899). Aunacharüu Greg, turon. mir. Marl. 
4, 13. concil. paris. iv (a. 573). concil. aatisiod. (a. 578). 
conoiL matiscoiiense 2 (a. 585). Baldackarius. Paldadutr 
trad. patav. n^ 20 (a. 818 — 38). Baudackarius Marini n«76 
(it(;c.7). acta Ben. sec. 2 8.165. Beracharius Mabilloo n<^23 

(a« 696). Bemachar Schannat d<> 79. Bertacharius 

Bialcharius MabiUon n« 26 (a. 706) 27 (a. 709). Kopp 
tacEiygr. 1, 377. Cloiachari MabiUon n<>8 (a. 671.) Chkixh 
chariiu id. n0 28. 31 (a. 710. 716). Chrötcharius MabiUon 
II" 15 (a. 691). Hrddachar Scbannai n^ 8. Eburachar^ 
Ebrachar. Erachar Schannat n<* 222. Ckmiraeharius (1. 
Gaathacharins) Marini n^' 76. Cundacchar trad. patav. nM4 
(a. 788). Gmdaochar ibid. n» 34 (a. 788). Heluachar 
Kopp tachygr. 1, 432. Lacomblet n« 17. MB. 28% 10 
(a.814). 31,42 (a. 817). Imnacharius Marini n^76 (sec.7). 
Leubacharius conc. paris. 2 (a. 555). conc. anrel. 1 (a.511)> 
Magnecharitu Mabillon n^ 24 (a. 697;. Ragnacharnu . • • 
. . . Sindachar trad. fuld. s. 525. Thetidacharius Mami 
u^ 114. Theodachar. JVamacharius Marini n® 64 (a. 653). 
ßonveat. clipiacens. (a. 659). fFiltacharius Greg. tor. mir- 
Marl, 1, 23. 3, 13. fVolfacliar .... nieistentheils zei- 
gen diese alten namenbildungen vor dem ch ein a, nur 
Audchariusy Blatcharius, Crötcharius nicht. 

Chart gestaltet sich, zumal bei lateinschreibenden, gem 
in cari (wie Catti für Chatti), die form acar oder a<?^^ 
für achar darf also nicht befiremden. ödacar Schannat n®49' 
ödaccar Lacombl. n^ 65 (a. 855). ()tocar trad. fuld. 601 
605. CA/o^carmi Marini n<> 59 (a. 627). fÄiiracor Schao* 
nat n« 78. Gundacar trad. fuld. 603. 605. Hildicar Scbao- 
nat 0^ 196. Hruadacar trad. fhld. 603. Sindacar trad. 
fuld. 603. 605. Snellacar trad. fhld. 603. Theotacar, Tkü- 
tacar Schannat n/> 380. 385. 

Hari oder umgelautet heri ist die gemeinahd. fonDj 
und gewöhnlich schon das a vor dem h ausgestofsen. ^^' 
pheti im Waltharius. Ansheri. Aschen. Buldheri Schan- 

a** 448. Paldheri trad. pat. s. 35. Berhtheri, Beri- 



ng 



heri. Bemheri, Blatharius polypt. Irmin. 88*. Diethen» 
Tkmtheri trad. fiild. 603. Egisheri Schannat n«» 354. Ei»' 



^ l- 



MANNSNAMBN AUF 43HAIU, -HAM, -AR. 141 

heti Schianiiat u^ 200. Engäheri trad. pat. s. 69. Erpheti, 
Erpbarnis, Fastheri. Frumiheri SchanBat ii<'469. Fruotheri 
tr. lauresh. GamaHeri tr. laiiresh. 3179. Gewinahari Bied 
»0 20 (a. 819). Giselheri tr. pat. 55. GAsheri, Kdzheri trad. 
pat. 55. 65. Grimheri tr. pat. 55. Gundheri Ried n^* 4t 
(a. 849). patav. s. 24. 69. Cundhari tr. patav. s. 12. Hra- 
chert SchaoDat 200. Lantheri tr. fdld. 609. Liutheri .... 
Mahtkeri Ried n» 43. 87 (a. 852. 901). Meginheri Ried 
n^2i (a. 821) tr. patov. s. 22. Md. 615. Muotkeri Sch^jk- 
nat 471 . Mootkeri n^ 429. Nandheri Scbänoat n^ 290. 302. 
Nandkarüis tr. Md. 608. Oßhere Neugart n<>273 (a. 837). 
önheri trad. Md. 2, 49 (ad Onheres fontem). Otheri tr. 
Md. 613. Ortheri tr. Md. 605. Schannat n® 393. Rät- 
keri tr. patav. s. 7. 15. 25. Regwheri Schannat n^ 347. 
Rihheri tr. patav. s. 5. Stilliheri Schannat 313. Sundarhari 
Schannat 340. Sundarheri tr. pat. 48. 59. Sudbheri Neu- 
gart n^ 145. Suueßieri Schannat n^ 72. fTaltheri häufig. 
Weißiorius Neugart n« 213 (a. 822). fFerinheri Ried 
n»71.88 (a. 889. 901). Wiüeharim Pertz 1, 6\ Wini- 
heri tr. pat. s. 91. JfFol/harius trad. Md. 609. fFanat- 
heriy fFonadheri, fFunatheri iv. Md. 1,44.59.127.2,16. 
Schannat 203. 205. JVunnaheri. fVurmhari Neugart n^ 59. 
(a. 774). fVurmheri Goldast tom. 2. n^ 94. noch einige 
andere hat Graff 4, 986. im latein wird nicht selten das H 
unterdrückt und geschriehen Bertarius, Guntarius, Regt- 
narius, fFaltarius, fVilarius für Bertharius, Guntharius, 
Reginhariusy Waltkarius^ IVüharius. 

Beispiele des ags. here in eigennamen. Alßiere Kemhle 
2, 330.. Äschere Beov. 2647. Ealkere Kemble 1, 197. 
Folchere Kemble 1, 36. Gislhere cod. exon. 326, 4. 
Gudhere 322, 20. Ohthere. öshere Kemble 1, 289. 
Rwdhere. Rondhere. Sighere. Sceafihere cod. exon. 320, 20. 
Sceßkere Kemble 1, 39. Sighere, bei Beda 3, 30 noch 
Sigheri. Valdheri Beda 4, 1 i . Fulfhere cod. exon. 325, 29. 
Vtdfheri Beda 3, 30. f^ynhere Kemble 1, 172. f^yrrn-^ 
here cod. exon. 325, 29. 

Für die goth. form können wir nichts aus Ulfilas schö- 
pfen, doch eine der Urkunden bietet Aufiahari oder Ufita-- 
hari. man darf also mit ziemlicher Sicherheit ein Aunaharü^ 



I I // fft tf ff (tf**'k ***y*r dbr 0M- f 
. Hv s.V Wiv>f siM kitetoel'fi 






De. 
vor oder nach 7 






KANNSNAMBN AUF -aRAM, ^HARI, -AR. 14^ 

geinamen bergefcen, die sXmmllich 4as H auswerfen und es 
liereito in finiber zeit gethan haben müfsen, als der noüani 
von her noch unentwickelt war und hat z=z goth. heris ge- 
sagt wurde, es sind hauptsächlich folgende« Agnar, Alfar^ 
Dömqr^ Enmr» FramoTf Gardar, Giqfar^ Grimar, Gm- 
nar, Hrdar, Hreidär, Ivar, önar, Orn^r, ötUtTf Ragnor, 
Sigar, Steinar, Ulfar^ f^aläar, l^iiar, Yngvar^ lauter com- 
posita, die sich nach d^m entwickelten Verhältnis leicht in 
die übrigen dialecte iibersetzen lafsen, z. b. Agnar in ein 
finink. AganaehaH^ gpth. Aganaharis, abd. Aganheri; AI- 
ßtr in ein goth. Albaharü, ahd. Alpheri, ags. Alfhere; 
Dimar in ein ahd. Tuamheri u. s. w. zu den vorhin an- 
geführten latinisierten GuntarmSy Frumarim stimmt also die 
nord. form und man konnte sich einbilden dafs sie geradezu 
ans ihnen entsprungen sei. nachtheilig scheint die vermi- 
sehnng ipit dem organisch fibgeleiteten, unzusammei^setZ" 
ten '^r in kamar (ahd. Aamar)^ doch von der ableitung "ori 
(dömari, skaparU gramm. 2, 128) bleiben sie durch den 
abgang des t gesondert, während nhd. fFerner, fFalter so- 
wohl mit di^m^jf hammer als mit richter^ schofifer genüschl 
sind, merkwürdig ist n\ir neben Einar = 9hi. Einheri der 
pl. einherjar (fiovofiaxoi). 

Die gewonnene übersieht wird nicht zweifeln laCsen dafs 
Chlathackart Cklothar Lothar und Luther der nämliche 
nane ist. gleich nothwendig stehen nebeneinander Balda^ 
chari und Baldhere;*^ Gundachari Gundacar Günther e 
Gunnar; . Ragnacbari Reinheri Ragnor ^ fVornackari 
Werinheri Wernhere; Tkeodachari Dietheri$ Wiliaehßri 
Wüiheri; Magnochari Megtnheri Meiner $ Crimheri Grt- 
mar; fTolfachari fFolßeri Fyyhere Vlfar; fVurum-, 
hari Vyrmhere Ormar. da aber eigennamen überhaupt 
ihren besondem lauf halten und. das mafs der andern Wörter 
nicht an sie gelegt werden darf, so erklärt es sich warum 
an gleichem ort und gleicher zeit zuweilen ältere und neuere 
formen zusammen gelten, Grafir4, 219 schliefst ganz über- 
eilt dafs in Urkunden des 9n— lln jh. Gundachar mthi ^r 
Gtmdokari genommen werden könne^ seine annähme Gund'- 

* woraus zngleicli folgt daf» der oord. gott Baldr dem ahd. ha« 
dien Pmltmr entspricht; Palthtri fordert ein altn. Baidm\ 



/./i^- 



144 MANNSNAMEN AUF -CHARI, -BARI, -AR. 

achar ist anstatihaft. noch im 13n jh. reimen unsere dich- 
ter Gundacker : wacker; man dachte freilich nicht mehr an 
die identität des namens mit dem gangbaren Günther, wie 
sich heutzutage einer Otto, der andere Otte nennt, darf 
auch in einer Urkunde des neunten jh. ein Guntackari ne- 
ben Guntheri stehen. 

An diese betrachtnngen der form schliefse ich einige 
über die bedeutung. wenn das goth. harjis (so schreibt Ulf. 
bekanntlich fiir haris)^ ahd. A^', ags. here in der compo- 
sition enthalten sind, so kann ihnen ursprünglich nicht der 
sinn von exercitus, agmen beigewohnt haben $ ich vermute 
dafs sie blofs miles ausdrückten, was eine ahd. glosse (GralT 
4, 983) zu bestätigen scheint, in jedem der aufgeführten 
namen ist der begriff eines einzelnen kriegers oder beiden 
enthalten, und der erste theil des compositums liefert dazu 
die nähere bestimmung. dieser erste theil ist zuweilen ein 
adjectiy (einheri, gamalheri, berahtheri, baldheri, /astheri, 
frumiheri, snellheri, stilliheri)^ weit öfter jedoch ein sub« 
stantiv das den begriff des kämpfers ausmablen konnte, 
darunter kommen aber schwere, dunkle Wörter vor, deren ei- 
nige näher besprochen werden sollen. 

AüN eIn 6n. fC^^V 

' Aunachari, önheri, önar stimmen, und die ags. form 
war ohne zweifei Eänhere. noch folgende weitere Zusam- 
mensetzungen mit demselben werte sind mir bekannt. Au- 
nemttiu&if lexBurgund. Mabtllon n^'T. Marini n^64. (a. 653). 
Fumagalli n^S (a. 742)« ags. Ednmundus vtx^tmhXt 1, 140. 
Aunoyiis Pertz 6, 113. Aonolfus frater Odoacri, Eugippii 
vita Severini cap. 39. ags. Eanulf Remble 2, 373. 380. 
Ednvtilf (a. 8A5) logram s. 91. ahd. öno{f ini. wizzenb. 
19. 151. Schannat n^ 320. önold trad. lauresfa., daher 
önoldesbah = Onolzbach Anspach. Aunefrit Fumagalli 
n« 10 (a. 769). ags. Edntrid (a. 617) Ingram s. 32. 
Ednfrid Remble 1, 106. önfridinga castellum Pertz 1, 56. 
önhart trad. patov. s. 19 (a. 818). öngast Ried n» 29 
(a. 833). ags. Ednberht Remble 1, 58. 103. 128. Ingram 
s. 85. Ednbald Ingram s. 77. 82. Edngisel Remble 1, 137; 
ich meine Atmegüil in fränk. urk. angetroffen zu haben. 



MANNSNAMEN AUF -CHABI, -HARl, -AR. 145 

Oit^.cod. lauresh. Nun auch firauennamen. Aum- 

jTi/tfM lex Burgund. 52. ahd. (}»At7^ Neugart n^» 943 (a.830). 
önhildis polypt. Irmiuonis 133*. Goldast unter den bnrgnnd. 
fraoennamen bat gleichfalls Önhild. öruumd Scbannat n^* 145. 
ags. EänflM (a. 625) Ingram 33, wäre ahd. önfldJt. ahd« 
önrAda pelypt. Irmin. 259". hierzu kommt endlich der nn* 
sammengesetzte mannsname ahd. 6no trad. patav. 76 (a. 1013), 
ags. Edna (a. 689) Kemble 1, 34. 

Niederschlagend für unsere kenntnis von der alten spra* 
che ist es ein wort das ebdem so lebendig gewesen sein 
mufs gar nicht mehr zu verstehen ; Graff hat es nicht ein- 
mal in seinem buch, zwar führt er ein paar jener eigenna- 
men auf 1, 302, verkennt sie aber so sehr dafs er ihnen 
kurzes o beilegt, für 6 entscheidet äun und edn: die gle% 
chung wird nur durch das altn. Onar gestört, für welches 
man Aunar erwarten sollte; ich werde aber eine analogie 
dafür anfuhren. 

Die formel goth. ditn^ ags. edtiy ahd. 6n gebort in un- 
serer spräche zu den seltnen und ist jederzeit schwierig; 
es werden aufser uoserm wort nur noch sechs andere sein, 
goth. dduns odor, altn. dann; goth. Idun praemium, ags. 
ledn, ahd. Idn^ altn. laun; goth. sduns redemtio, altn. wie- 
derum sön für saun und die- ausnähme Onar bestätigend; 
ags. bedn faba, altn. baun, ahd. pöna; goth. hduns humi- 
lis, ahd. Mnty ags. kedne; goth. skduns foicher^ ahd. scöni. 
ganz ähnlich lauft goth. din, ags. dn, ahd. em, und wenn 
gründe vorhanden sind, in beiden das n für blofs ableitend 
zu halten, zwingen andere ihm schon ein so hohes alter bei- 
zumefsen dafs es mit in den ablaut aufgenommen wurde; 
das ahd. adv. Ituni fere scheint mir verwandt mit I6n prae- 
mium, sduns mit siuns visus, und fär skduns darf ein ver- 
bum skiunan^ skdun angesprochen werden, das in skemafiy 
skdm überspringen könnte, auch runa secretum ziehe ich 
zu dem altn. raun tentamen, vermittle beide wiederum durch 
ein verbum riunan, rdun. lauter betrachtungen die es ge- 
statten für unser aun ein verbum tunan, dun zu mutmafsen. 

Was nun bedeutete duns oder, wenn es neutrum war, 
dnu? rathen liefse sich leicht, vis, robur, so dafl» 6nhen\ 
Önfrid, öno(f ausgesagt hätten was Megmheri, Meginfrid, 

Z. F. D. A. III. 10 



X? 



146 AIANNSNAMBN AUF CHARI, -HAHI, -AR. 

Meginolf, EUamheri, EUanfrid, Ellanolp öno, ags. EdtM 
wäre was Megmo? die mbd. diehter bedieaeo sich einige- 
mal des Wortes ^, HadoUs weltcbronik (nach der Königsb. 
hs. 29^) hat Crist herre »Uester vater An, das scheint aber 
eher ein ^iech. äv, als das uralte deutsche 6n. Lye führt 
ein ags. eanian parturire, eniti an, eanodtmxxk^VinAffeeane 
eova foetae aves gen. 33, 13 ; das ist das engl, tfem, aber 
mit der bestimmteren bedeutung lammen (franz. agneier). 
also mit eov ovis, goth. avi, zusammenhängend, und eanian, 
nicht eanian, zu schreiben? doch liefse sich eanian Terlei- 
digen und ans edcnian concipere, parturire erklären, edcen 
praegnans ist das altn. aukin, alts. öcan, und wir mjXsen 
wiederum unser äuns^ 6n beiseite liegen lafsen. eine en- 
^ge stelle wo Ulfilas das ihm gewiss bekannte dtms^ am 
angewandt hätte wäre allen zweifel zu lösen hinreichend, icli 
finde im finnischen onni fortuna, esth. ö;i, gen. önne; wer 
mag aber so blind in fremde sprachen^ die sonst kaam ver- 
wandt sind, hinein vergleichen? 

HELIS. 

Der seltne, jedoch nnbezweifelbare name Helisachar (bei 
Graff 4, 859 in einen örtlichen verwandelt) macht nicht min- 
der zu schaffen; gleichviel wäre Uelisheri, was mir nicht 
vorgekommen ist, wohl aber Helispert Neugart n^l95, wo- 
fiir Elüpret n^ 178, wie Elisachar im polypt. Irmin. 211''. 
den einfachen mannsnamen Elis haben die tradit. fuld. öfter, 
£. b. 613. 618. 619., das fem. //wa MB. 28% 173 (a. 940) 
und einen seltsamen mannsnamen Eiüom, Elisam das po- 
l}rpt. Irmin. 6\ 16". 16\ aus der heldensage sind Ilsan und 
Ilsung, Else und Eisung bekannt, kaum steckt in jenem 
alten, wie es scheint echtdeutschen namen das biblische 
Elisabeth, Helisabeth; lieber stelle ich dazu die Helisn, '^ 
welche Tacitus neben die Nahanarvali setzt, und weil so 
früh kein umlaut des a in e statt fand, so muh Helis zu Ht^ 
lis angenommen werden, wozu flisa stimmt, dieser grund 
lehnt auch eine vergleichuog des goth. adv. kalüdiv (aegre, 
M^öyig) ab, und in diesem hal?'s scheint ^ü comparativisch 
(gramm. 3, 590). über den sinn von helü bleiben wir also 
noch ganz unaufgeklärt, auf irgend eine weise, glaube ich, 



HANNSNAMEN AJDF -GHAFU, .aARI, -AlL 147 

wird mit heli$ auch der ahd. fraaeimaiiie HeHtpi^ gea. He- 
KsfAn zusammenhängen, trad. fiild« 1, 33 s. 499 (doch 2, 175 
8. 610 steht Elisba). äMeitangen auf -^a sind in unserer 
spraohe fiberaas nnüblich. 

SUMTH SUND. 

Meiner, rermatung (gramm. 2, 209. 477) daCs smut aus 
sumth hervorgegangen scheine thnn auch einige hierher ge* 
hörige eigennamen yorschnb. Marini n^' 76 hat Sttmihaharius 
und Sumtkul/us in einer Urkunde des siebenten jh., dem er^ 
sten entspricht die ahd. form Suntheri trad. patav. 28. bh» 
würde sie für gleichbedeutend mit Sundarheri* erUaren, 
lehrte nioht jenes ältere sumth ein anderes, zwar kann ich 
keinen namen iSt/;zto{^, Sundwolf, und gerade wied^ Suni^ 
r^^ aufweisen, doch mögen beide zusammen gegolten uad 
ganz verschiedenes bedeutet haben, wie Suntheri und SwUur^ 
heri. Sundhilt trad. hild. 2, 32 scheint richtig und von dem 
sonst vorkommenden SindhUl verschieden. 

UFT. OFT. 

In einer der goth. nricunden las man den namea Ah^Ul" 
bmit Mafsmann hat Ußtahari hergestellt, wenn der das t 
bildende zug noch als herabg^ende Verlängerung des dadu 
vom t angesehen werden darf, so entspringt Uftahari, wel- 
ches vorzuglicher scheint. Außahari (falls ein vor dem ar 
stehendes zeichen a abgibt) und Vßahari hätten gramma- 
tisch vorerst gleichen anspruch auf richligkeit. vorerst wird 
Procops "ChivaQig (bell. goth. 1, 11) ganz dasselbe sein, wie 
'Fayvu(jig Raffinahari\ wenn der lat. text Optarit gibt, 90 
•cheint das nach einer grieeh. genitivflexion 'Omii^tdoQ eis- 
geführt, wie man f^täarii TirViUariM und ähnliches iadet; 
den acc. setzt Proeop ^ChnaQiP. Gregor, turon. . . . be» 
wahrt uns die form Optacharius, und ahd. Urkunden ge- 
währen Oßheri, Neugart n^ 273 (a. 837), wahrseheinlieh 
ist bei Bied n^ 21 (a. 821) Ostheri zu befsem in Oßheri, 
die trad. patav. s. 35 geben den ort ad Oßherigon^ wofür 
ich lese Oßheringon, wie noch eine jüngere Urkunde MB. 

* Sandather trad. faW. •. 53Ä «iiwM«T i« SwuUtHufr «^er m 
SimdatäT an htfsen. 

10* 



148 MANNSNAMBN AUF -GHARI, -HARI, -AR. 

28S 456 (a. 1280) Oßheringe schreibt. Goldast verzeich- 
net unter den alamannischen namen OfLeri^ 1. OJiheri. aber 
noch andere zusammensetzangen erscheinen. Opteramus (das 
wäre zziO/tahraban, Oßhraban) bei Agobardas (ed. Baluzii 
2, 160. 162. a. 874); Oßmdr im cod. lauresh. 769. unter 
den Angelsachsen begegnet ein seltner name ; ein a. 692 
oder 693 gestorbner bischof von Worcester hiefs Oftför 
Beda 4,23. Kemblel,35. latinisiert Oßform Keniblel,37t 
Ofioforis I9 41; sollte das nach analogie Yon Christaphorus 
gebildet sein? ich kenne im zweiten theil der composition 
sonst kein "Jbrf das doch -J^r, ahd. ȧtor sein miiste. uns 
lieg^ hier mehr an dem ersten theil. 

An PT neben FT wird man keinen anstofs nehmen, Ul- 
filas liebt jenes nicht, ich glaube er würde von skapan die 
secunda praeteriti sköfl bilden, nicht skdpt, wie er gask({/U 
ableitet, nicht gaskapts. er schreibt haßs^ hqftjany und sol- 
ches FT ist auch der ahd. und ags. mundart gemäfs. doch 
das Merseburger gedieht hat uns neulich hapt hepiidun dar- 
geboten und die altn. spräche setzt haptr und skapt. wie in 
dem angeführten Optacharim, Opteramus können also ein- 
zelne mundarteu sich dem PT zugeneigt haben, auf die 
griech. Schreibung ''OnxaQig will ich kein gewicht legev^ 
''0(f>^aQig wurde den goth. namen zu sehr entstellt haben. 

Ich erkläre nun isß, oft nicht etwa aus einer nachah- 
mung des lat. namens Optatus, sondern halte sie für rein 
deutsch und suche daraus einen schlürsel zu gewinnen für 
eine unserer dunkelsten partikeln. im goth. wird bekannt- 
lich ußa saepe von aüßö forte 'iat^g, a^, raxa unterschie- 
den, für letzteres scheint nur ein einzig mal ißd zu stehn, 
Matth. 27, 64, ist aber wohl blorser fehler, sonst ertrügen 
die lautregeln beides, vor FT tritt zwar sonst keine brechung 
ein, es heitst ißuma^ hlißusy nicht aißuma, hlaiftus, sktf/U 
nicht skaü/is; aber sie könnte gerade bei aü/iö begonnen 
haben und noch schwanken, aufid hat man sorgsam von 
t(/ia zu scheiden, wurzelhaft dürfen sie immer zusammen 
gehören. 

Ußa lautet ahd. oßo, alts. oßo, oß, altn. opt, wir se- 
hen in allen späteren dialecten den goth. reinen vocal schon 
gebrochen, die bedeutung der partikel ist ebenso unzwei- 



MANNSMAMBN AUF GHARI, -HARl, -AR. 149 

felbaft als ihre abstammaDg unbekannt. Graff 1, 184 ermit- 
telt nicht das geringste, denn was ist mit dem stamm u und 
der Wurzel ti/* gehelfen ? s. 185 fallt ihm freilich der manns- 
name Oßheri ein, übel aber ein ertsname Q/ienmedinc, 
den man nach weisth. 2, 472 beseitige, sieht man sich 
nach demselben begriff in andern sprachen um, so ist das 
griech. nokkaxig, das span. muckas vezes völlig klar, und 
das böhm. casto, russ. tschasto ans cas, tschas (tempus) 
entsprungen, wie man auch in verschiedenen gegenden Deutsch- 
lands, z. b. in Hessen zeitlich für oft hört, doch das lat. 
saepe liegt im dunkel ; man hat es aus ad ntj gedeutet oder 
mit saepes = söpes verglichen; die verwandten partikeln 
crebro und Jrequenter zeigen welcher sinn darin liegen 
könne : gerade so ist das ital. spesso aus dem lat. spisse her- 
vorgegangen, und ahd. wird diccho, mhd. dicke allenthalben 
fiör frequenter, saepe gesetzt, mir scheint nun saqfe ver- 
wandt mit sub supra supremus^ wie das franz. souvent, 
altfranz. sovent, ital. sovente an sur, ital. ßovra sopra ge- 
mahnen und 90vin aus supinus, souverain soverano aus 
supremus entspringen. 

Kaum bezweifle ich auch nahen Zusammenhang zwischen 
ufta (saepe), aftuma^ ifluma (ultimus) und den präpositio- 
nen uf (sub), ufar (super), q/i «/br, aflra, die begriffe ul- 
limns und supremus stofsen an einander. t^6 mis ist 2 Cor. 
9, i verdeutscht mQioaov fioi /ar», uffd kann die schwache 
nenlralform des adj. sein, lieber nehme ich es für ein subst. 
snpervacuitas, das was drüber hinaus gebt, allen partikeln 
liegen sinnliche bedeutnngen zum grnnd, die aber sehr ver- 
steckt spielen und in der einen spräche mehr, in der an- 
dern weniger wach geblieben sind. 

Da die mit heri zusammengesetzten eigennamen in ih- 
rem ersten theil ein verständliches wort zu enthalten schei* 
nen, darf man auch für uft und oft in Ufiahari, Ofiheri 
einen frischem begriff mutmafsen als ihn uns die partikel 
^ft^y ^fi^ gewahren läfst. Vßahari, Oßheri mufs einen 
tapferen, stolzen Streiter bezeichnen, wie in superbus su- 
per liegt, könnte ein subst. ußs superbia, fortitudo ausge- 
sagt haben. 

Dafür schlage ich noch etwas anderes nn. neb^ ^fta 



150 BiANNSNAMEN AUF -CHARl, -BARI, -AR« 

gilt eine abgezogenere^ danui auch im vocallaat gebrochne 
Partikel aüflö^ der die &st encHUsche bedeotang des griecb. 
Toxa, uQay lang, des lat. forte zastebt. raxa ist aber ans 
Tojiygy forte wo nicbt onmiUelbar aus fortisy doch mit dem 
■abliegenden fors gebildet, ich weifs nicht, wie nah das viel- 
deutige &ifa zu aQnti gehört, alle dergleichen partikeln sa- 
gen ursprünglich etwas lebendiges aus, was hernach abblafst. 

Aber es ist nicht genug diese bedentung von aüftS 
wahrzunehmen, wie die brechung auftö den rorschritt der 
abstraction anzeigt, so scheint der hochdeutsche dialect, dem 
nun gebrochnes oßo für goth. ufla (saepe) galt, jene schwä- 
chere enclitica noch weiter, und mit einem bekannten Über- 
gang des FT in HT {kraß verderbt in kracht, niftel in 
nickte) atftö in okt verwandelt zu haben, zwar gewähren 
uns die unvollständigen ahd. quellen diese partikel nicht, 
doch das mhd. oht, ekt^ endlich ot und et erscheint desto 
häufiger ; es wäre unmöglich dafs ein solches wort dem ahd. 
gemangelt hätte und in seiner gestaltung mnfs das goth. auftß 
dem mhd. oht^ ot vermittelt gewesen sein, wir sehen im 
Hei. ein alls. odo forte (17, 8. 99, 16), das Schmeller an- 
scheinend wohlbefugt zu 6di facilis rechnet; es konnte wie- 
derum dem goth. aü/t6 verglichen werden. 

Um aber nochmals zn unsern eigennamen zarüokznkeb* 
reft, ich finde kein dem goth. Ußahari, ahd« Oflkeri glei- 
ches ags. Oftkere^ sondern statt dessen mit dem nämlichen 
Wandel des FT in HT Okthere; so heifst einer der reise-, 
beschreiber in Alfreds periplus und ein held im Beov. 4756. 
4784. 5852. 5860, die beiden ersten stellen schreiben man- 
gelhaft Oktere, wie auch in der chronik bei Ingram s. 129. 
131 Okter für Okthere gesetzt ist. diesem ags. Oktkere 
entspricht nach der oben gegebenen regel das altn« öttar 
(Seem. 114*^120), da dieser dialect überall langen vocal vor 
TT =r ags. HT fordert. häUe sich FT in opt auch für den 
eigennamen behauptet, so würde dieser Optar lauten, ans 
dem goth. dgan, 6kta (metuere) läfst sich Okthere nicht deu- 
ten) das wäre eine für beiden unziemende bedeutung, und 
sie würde Oktkere zu schreiben gebieten, wofür sich nir^ 
gends ein analoges ahd. Uoktkeri, goth. öktaharis anböte. 



MANNSNAMBN AUF GHARI, -HABI, -AR. Idl 

währea<i umgekehM Ohtheri und Ußahari fiür die umwaBd* 
laog der ags. Ohthere aus OJtkere slreitea» 

Ahd. wcils ich neben O/ikert die voUere form Oßa- 
chan nicht zu belegen; von beiden scheint es fatbsam 6t- 
heri und Otachari abzusondern, die ein goth. Audmhari, 
ags. Eudhere, altn. Auäar forderten, d. b. deren erster theil 
von äudy 6t^ edd (opes, felicilas) zu leiten wäre, womit 
auch die ahd. namen Ötmär (6rair2, 866) =ii Aadomirus 
und öthreun (Graff 4, 1147) gebildet sind, der berubaite 
uame Öiachar oder Öiacker, wie das Hildebrandslied und 
N. im prolog zu Boethlus schreiben, hat nur das rathsel- 
hafte dafs das einfache a der zweiten silbe in zweisilbiges 
oa, ata erweitert wird; bei Cassiodor and Marcellinns steht 
Odoucer, bei Eugippins cap. 7 Odauachar, cap. 31 Odotm- 
car (oder Odobagar)^ doch cap« 38* 39 Oihacar. beim ane- 
uymus Yalesii Odoacer, bei Jornandes de regnor« sncc. Odoth- 
ce^'y bei Jornandes de reb. get. cap. 46 Odovacer. dachte 
man sich eine zusamniensetzuiig mit wakar (rigil)? 

JACOB GRIMM. 



lÖNAKR UND SEINE I^HNE. 

Die sage von l^nad^r und seinen söhnen Uamür, Sertt, 
Erpr ist voU bedemtsamer, grorsarCiger zage, die ein hohes 
alter und weitreichende verbreitang knndgdben. in der S«- 
innndaredda ^d ihr zwei besondere lieder gewidmet, G#* 
dnünarhvBia und Hamdismiil ; Bragi der alte hat «e in daem 
gedieht behandelt aas dem stellen in skildshaparmäl Sn. 14^ 
mitgetheiit werden, eine Strophe steht aoeh Sn» S46. die 
dichtersprache hat einige stehen bleibende ausdrttcke ans die* 
ser fabel genommen« neben der erzählung jener lieder wird 
eine prosaische Snorraedda s. 142^144 und eine Anron merk- 
würdig abweichende ViSisAngasaga cap. 39--42 gegeben. 

Aas den tiedem ist wohl die Uleste geüalt des mTUms 
ztt entnehmen. Ctoärun wird von den w^en, Ae die an« 
gUcklicbe Hiebt verschlingen wollen, zm i^oakors laad ge- 
tmgen, der sie heiratet und mit ihr drei söhne, Sörli,Eifr, 
IlamcBr aeogt; Sigurds tochler, die sehöfie Sraiihildr wif4 



t 1 



152 lONAKR UND SEINE SÖBNE. 

neben ihnen grob gezogen, um Svanhild läTst löranviirekr 
auf des Bicki trenlosen rath durch seinen söhn Ra^od^er 
werben, das geschäft bringt Randver an den galgeo ond 
Svanhild unter der rosse hufe, die sie nicht zertretea köa- 
nen bis ihre strahlenden äugen verhüllt sind, nun sinnt 
Godriin anf räche, sie treibt ihre söhne den lörmunrelL zo 
morden, ungern machen sich Hamdir und Sörli anf, ouiter- 
wegs auf Erpr stofsend (ragen sie diesen, wie er ibneo za 
helfen gedenke? Vie der fufs dem andern oder die band 
der andern antwortet er. was mag fufs dem fufs, band der 
band helfen? meinen sie, tödten ihn und mindern ihre krau 
um den dritten theil. lörmunrekr wird benachrichtigt dafs die 
racher nahen, er trotzt den Giukungen. sie hauen ihm bände 
und fäfse ab, niemand vermag ihnen zu widerstehen, kein 
Schwert beifst ihre kleider. da ruft lörmunrekr brüllend sei- 
nen leuten, steine auf sie zu werfen, 'jetzt wäre auch sein 
hiupt ab, wenn Erpr unser bruder lebte, den wir unter- 
wegs tödteten!' sagt Sörli, doch den steinen erliegen die 
beiden, Sörli fällt am giebel des saals, Hamdir sinkt am 
rücken des hauses. 



!hi/^' 



Obgleich in dem prolog zu Godrdnarhvata Sörli, Erpr, 
Hamdir ohne unterschied als bruder genannt sind, so fällt 
es auf, dafs in HamdismAl Sörli und Hamdir leibliche voll- 
hurtige bruder {sammceärar) heifsen, Erpr hingegen sundr- 
mwäri (diversa matre genitus) genannt wird, auch schelten 
sie ihn homungr (spurius, illegitimus) und tarpsiamr 
(? skammr), den braunen kleinen (zwerg), und dies hängt 
sicher mit seinem namen Erpr selbst zusammen, das altn. 
iarpr bedeutet badius, rothbraun, ags. eorp, Csedm. 190, 4 
wird das braune beer der Ägypter (eorp verud, Thorpe ver- 
steht es falsch) dem bleichen (vigbldc 190, 24) der kinder 
Israel entgegen gesetzt; im cod. exon. 433, 21 ist eorp 
unvita fuscus idiota, gleichfalls herabwürdigend, ahd. lautet 
das adj. erf und der daraus gemachte eigenname Erfy Erpho, 
woher Erfesßirt = Erßirt (thüring. Erpesjwrt). Graff 1, 
406 mengt diese namen unter erpo (heres), womit sie nichts 
gemein haben, deutlich halten auch Sörli und Hamdir zusam- 
men und verachten den Stiefbruder, der mutter liebling; er 



leNAKR UND SBINB SÖHNE. 153 

scheiiit also nicht für lönaknrs söhn gegolten zu haben? es 
gebt nicht klar hervor. 

Snorri weirs nichts von dieser Verschiedenheit; er legi 
allen dreien schwarzes haar, wie den iibcigen Niflongen bei*; 
nach ihm rieth Gudr&n ihren söhnen, die sie mit schwert- 
fester rnstung ausgestattet hatte, lörmunrek im schlaf za 
öberlallen und auf einmal niederzubauen, Sörli sollte ihm 
die bände, Hamdir die fuTse, Erpr das hanpt abschlagen, 
die zwei ersten machen sich ohne Erpr auf die bhrt, den 
sie unterwegs finden und befragen, wie er ihnen helfen 
wolle? er antwortet 'helfen wie die band dem fufs.' sie 
meinen, das sei nichts, wie könne der fufs auf die band 
stutzen? sie erschlagen den brnder, weil sie der mutter zür- 
nen, deren liebling Erpr war (ßvi at hon unm honum mest)^ 
die sie in solcho gefahr gesandt hatte, nun setzen sie den 
weg fort. Sörli stolpert und erhält sich indem er die band 
zur stütze nimmt ; da besinnt er sich und sagt 'befser wäre, 
wenn Erpr lebte !' als sie darauf den schlafenden lörmunrek 
über&llen und ihm bände und fhTse abhauen, erwacht er und 
ruft seinen leuten. da sagt Hamdir 'jetzt wäre auch sein 
haupt ab, wenn Erpr lebte!' ihnen konnten keine waffen 
etwas anhaben, doch lörmunrekr befahl sie mit steinen todt 
zu werfen und das geschah. 

Nach der Vöbungasaga hatte die mutter den säinen 
schwertfeste kleider gegeben, aber empfohlen sie vor stei- 
nen in acht zu nehmen. Hamdir und Sörli stofsen unter- 
wegs auf Erp und fragen ihn, wie er ihnen beistebn wolle? 
'wie band der band, fufs dem fufs.' das daucbte sie wenig, 
sie erschlugen ihn und giengen weiter, da strauchelte Ham- 
dir und stützte sich auf die band: *Erpr hat wahr gesagt; 
ich wäi'e gefallen, hätte mich nicht die band gestützt.* bald 
darauf strauchelte auch Sörli und stützte sich, auf beide fu- 
fse : ' ich wäre hin gefallen, • hätten mich nicht die fulse auf- 
recht gehalten.' bei lörmunrekr angelangt, hieb ihm Hamdir 
die bände, Sörli die fürse ab. ' nun wäre auch sein haupt ab, 
lebte Erpr unser bruder noch.' nun entstand ein heftiger 
kämpf, sie erwehrten sich tapfer der menge, doch kein schwert 
bifs sie. da kam ein ältlicher mann mit einem äuge und 

* aueb Bragi neont sie hrt^fnbldnr, rabeoschwarze. 



IM lONAKR UND SKINB SÖHNB. 

«pracb ' ihr stU mir kluge leate, dab Hir nieht mk diesen 
männern fertig werdet/ 'gib uds ralh' sagte der köidg, 
'wenn do kannst.' der alte rersetete 'werft sie mit steinen 
todtl' ans allen ecken flogen jetzt steine nnd Hamdor nnd 
Sdrli lieTsea ihr leben. Bei dieser darstdiung ist vor atteoi 
«ericwfirdig dafs Odinn, der nnter den aUen einasgigen sn 
Tcrsteben ist/ auf fönnanreks seite stebt nnd rathscbttge 
gibt wie die Niflangen zu verderben sein, und a«n wage 
ich eine mutmarsnng. Siem. 272* ist eine ron den erklären! 
bisher unverstandene oder unbefriedigend gedeutete stelle^ 

küt qvad pä Hrödrglöd, stdd uf kledam 

wiefingr mwlti vid mög perma» 
Urödrgldd scbien eine Frau und man hal daraus nicht sehr 
glücklich lörmunreks rautter gemacht^ aber die folgende» 
Worte drücken Verwunderung aus dafs zwei »änner gegen 
zehahnndert krieger ausdauern könnten^ was mir völUg zn 
jener eimnischaag Odins stimmt, und es fragt sich, ob nicbt 
HrAptr ghdr (Odinus laetus) gebefsert werden difrfe, wo^ 
mit sich anch das $tod uf hledam (gradibus celsis insistens) 
mid ein näh^es Verständnis des schwierigen ausdmcks me- 
fingt einigen liefse» 

Schon solche abweichungen der einzelnen berichte ver- 
sichern uns des hohen alters das dieser sage in der nordi- 
schen poesie zukommt^ was man auch von der abfafsong der 
eddiscben Keder in der form welche sie uns überliefert bat 
nrtheilen m<ige, Bragi des alten lebenszeit wird in den schlnfs 
des aehlen jh., etwa in die tage Karls des grofeen^ gelegt, 
und sein skäldgedicht setzt doch die einfachen lieder voraus. 
so bekannt war allen dichtem die begebenheit selbst dafli 
fiir stein grand Hamdk ok Söria (das verderben H» und S.) 
zn sagen ein gewöhnlicher Iropus wurde**. 

Alle anzeichen deuten aber darauf hin dafs der mythus 
in andern theilen Deutschlands noch früher zu haus war und 
von da erst nach dem Norden gebracht wurde. Jemandes 
kannte ihn bereits in der mitte des sechsten jh.^ ^er sagt 

' deutflcbe mytkologie a. 133 (der zweiten auss*) 
** Hamdia serk (lorica bellica) forum, sog. 1, 171 (12, 42), Harn- 
äi» klwUl 5, 307 (12, 123.), Sörla sork 11, 138 (12, 239), lauter stel- 
len aus skaiden. 



lONAKR UND SBINB SÖHNB. fd5 

uur beilättßg dafs Ermanaricas die Svanihilda unter rosse- 
trittea habe tödten lafsen und nun von ihren brüderA Sanis 
und Ammius überfallen und schwer verwundet worden sm. 
man merke dafs er nur zwei brüder nennt, dieselben welche 
die that vollbringen, fünfhundert jähre später verlegen die 
annales quedlinburgenses (Pertz 5> 31) den Vorgang in die 
zeit des kaisers Anaslasius (attsgang des 5n jh.); ihrekurae 
meldang lautet Ermanarict a fratribus Hemido et Serila e$ 
Adaccäro, quorum patrem interfeceratf amputatU numihu 
et pedibus tutpüer^ uH dignus erat, öccisio» endlieb das 
chronicon urspergense nimmt an dafs Ermenricus unter V** 
lentinian und Valens (in der zweiten hälfte des 4ii jb.) 
herschte und a duobus JraiHbus Saro etAmmio^ quos con- 
ücimus eos ßüsse qui tmlgariter^arelo eiHamidieeus (viel« 
leicht Hatnidieus) dt'cwUtir, vulneratnm — ^ ßtisse» Samt 
und Ammius bat dieser cbronist aus Jemandes, Sarelo ubiI 
Hamidiecus aus liedern die noch im 13n jh. erschollen» 

Sarus, dünkt mich, wurde im goth. lied Sarvus, und 
Ammius Hamapiiis gelautet haben« beide namen scheinen 
bezüglich, Sarvus gehört zu sarv pL sarva (arma), Ham^ 
Ptus ist zusammengesetzt aus hama (tegmen) und pius (puer^ 
miles), Sarväs bedeutet also armaius, Hamapius miles ar* 
malus, loricatus \ wir haben gesehen dafs die onutter beide 
beiden in unzersehneidbare rüstungen gewaffnet hatte, dne 
stelle bei Ulfilas Eph« 6, 11 gakamop izvü servam bietet 
uns beide Wörter ungesucht nebeneinander, die jüngere poesie 
zieht ffir Sarus das diminutiv vor, abd. SarUo, Serüo, altn. 
Sörä, assimiliert SölU, das ö (umlaut des ä durch u) wurde 
sich befser aus goth. Sarula es Sarvila (wie magula tat 
magvila, gramm. 3, 666) ergeben, dem Hamapius entspricht 
ein häufiger abd. eigenname Hamadeo (wie Sigideo, Irmim^ 
deo^ tsündeo)^ noch mbd. Hamdie MsH. 3, 213^; 'i® ^te. 
form Hamdiry Hamdir hat gelitten, sie mäste Hamp^r, 
Hamdpr geschrieben sein, dafs der dritte bruder ahd. Erf, 
alts. Erp^ ags. Eorp geheiisen haben werde ist bereits 
nachgewiesen, altn. wäre larpr vtchi. das beibehaltene I&t^ 
neben dem im liede selbst angewandten lebendigen a^. ügrpr 
mag wiederum die Übersiedlung der sage aus sächsischer 
gegend bezeugen, war Erp kein schwarzhaariger Nibdung 



;1 



156 lONARR UND SBINB SÖHNE. 

oder Gibichang, sondern jener beiden Stiefbruder (was icli 
nicht anders zn erklären weirs als durch die bedenkliche 
vermatnng, GadrAn habe ihn mit Atli gezeugt), so konnte er 
wohl ihnen zum gegensatz der branne oder der fuchs heifsen. 
Bisher ist gar nicht nach lönakr gefiragt worden, dem 
vater nnsrer beiden, dessen Jomandes, der annalist nnd 
t Chronist in ihren kurzen erwShnungen der übel geschweigen. 

ich stehe nicht an zn behaupten dafs er im golh. lied Ju- 
f. /^^ i nakariSf ahd. önacheri mürse gebeifsen haben, was, wie oben 
' gewiesen wurde, mit dem späteren önheri einerlei ist. da 

nun sonst in der altn. spräche das ToUe -achari gar niciit 
erscheint, immer -nr = -heriy so folgere ich daraus tob 
neuem entlehnung der namensform mit der sage, önar d. i. 
önheri ist die benennung eines zwergs Saem. 2^. Sn. 11,16; 
Sn. 123 heifst die erde d6ttur Onars *, an welcher stelle 
Resen bemerkenswerth liest ddttur lönakurs, zum TÖlligeB 
beweis der gleichheit beider namen. da hier zwei mal an 
verschiedener stelle Vnar für Aunar erscheint, niag ich das 
6 nicht für einen saxonismus ausgeben, noch aber bliebe 
* das anlautende I zu erläutern; warum wurde lonakr fst 

önakr gesagt? entweder hatte eine ags. form Eänhere ein- 
^ flufs, da auch andremal altn. io dem ags. ea nachgebildet 

i scheint, oder man gerieth fälschlich auf die analogie des 

; altn. I6n = Johann^ engl. John^ und wüiklicb findet sieb 

auch statt des ags. Ednberht in dem namen eines erzbiscbofe 
geschrieben laenberhtus, lambertus, loanberhtus, lohan- 
berhtus (Kembles nrk. 1, 166. 168. 170. 180. 183. 184). der 
näme sah christlicher aus, und so mochte auch EHsberhi 
dem HeUsberht vorgezogen werden. 
\ Viel zu sagen wäre über Bikkt = ahd. Sipicho, ags. 

Stfeca, nach einer in der nordischen mundart beliebten aphae- 
resis ; ich verspare das auf einen andern ort, um mich hier 
noch über einen theil der sage zu verbreiten. 

Diese hilfe, die ein bruder dem andern leisten soll, wie 

die band der band, der fufs dem fufs, die band dem ^^9 

ist tief aus dem menschlichen gemüt gegriffen ; sie wäre als 

Uofses gleichnis schön und wird hier noch durch die yof- 

* dottur Onars vidigroena Sn. 1)13. eikigrwna Onars fliodi forsin. 



lONAKR ONB SEINE SÖHNB. 157 

gänge ausdrficUich bestätigt, die welche . aasgehes, dareh 
abhauen der bände und fäbe an ihrem feind die räche zo 
kühlen, werden an den gebrauch der eignen bände und fufse 
gemahnt, bei händen, füfsen, äugen wie bei brüdMH bedient 
sich die griechische spräche ihrer glücklichen dnalformen, 
diese glieder haben etwas brüderliche^, und eine hübsche 
stelle aus Xenophons memorabilien gehört hierher, 2, S, xal 
fi^p idikq>m /«, mg ifiol doxe7, o ^eog inoltiaep im fuiC^Pi «J^*- 
A«/^ aXX^koiv 17 X^^^ ^^ ^^^ node xal ofp&ndftd xtu TokXtt öau 
adtkg>ä tq)vaip ap&Qoinoig. X^^Q^^ f*^^ 7^9^ ^^ ^^' cdrag ra 
nkiop o^yvmg diix^vca iificc nonjaai, ovx ap dvwmxo tt. S. W* 
die Römer brauchten von solchen zwiUingsgliedem frater- 
cuUtre oder sororiare. Festus 297, 30 sororiae (l. sarariare) 
mammae dicuntur puellarum, cum primum tumescunt, ut fra- 
terculare pueroruni. Plautus in Friholaria 'fraterculabani 
mulieri pupillae primum 9 sed illud volui dicere, sororiabant^ 
auch das hoheUed vergleicht die brüste weidenden rehzwil- 
lingen.* ein trockner hessischer chronist des 16njh. ( Lanze» 
bd. i s. 273 der Casseler hs.) geräth von der Uneinigkeit 
eines brüdeq>aars redend auf vergleicfaung der bände und 
fufse, so nah lag sie: aus dem allem befinden wir klerUchf 
dnf$ du^enigen, so irer bräder ßreundschaft begeben und 
bei andern ßrembden naw^Jreundsckq/t suchen und machen 
wollen, nichts anders thuen wider die, so inen selhs ent- 
weder aus großem Unverstand oder wansinnigkeit ire eigene 
kende und fuefie abhauwen und inen darnach an derselben 
stelle andere eiserne hende und fuefse linsen an Machet, 
welche ob sie wol die form und ges lall haben, haben sie 
doch weder krf\fft noch macht. , bekannt sind die werte des 
sterbenden Micipsa zu Jugurtha und seinen söhnen Adherbal 
und Hiempsal, yuis autem amidor quam frater fratri7 in 
unsrer sage bieten die abweichenden darstellungen sogar den 
doppelten ciusdruck dar dafs nicht blofs hand der band, son- 
dern auch hand dem fufs beistehen solle, und das erinnert 
an 1 Cor. 12, 15, wo der apostel den fufs unbrüderiieh rede« 
läfst, law imvi novg, Övi ovx eifil X^^(f» ^^^ *H*^ ^^ ^^ «Ftofux- 
* gerÜthe das sieh ähnlich ist betrachtet die oaive spräche des 
alterthoni als verbrüdert, >#/r hrSär Rnifs. So. 133. 



y^ 



15g ZUM ERACLIUS. 

zog. hier wird wiedenun die gemeiiischtft und dienftmiNiR» 
deobeit der glieder Toraasgesetst. 

JAG. GRIMM. 



ZUM ERACLIÜS- 

xxni. din phendunge verstehe ich nicht, was die hs. gibty 
die pbentmige, ßihrt auf das was der sinn verlangty die 
phentiage oder in gewöhnlicher form die pheoninge. die 
reimbindung xki'i ist also s. 131 tmd 622 sm streichen. — 
XXV wird herrc bq/ier weggelafsen. nach beveln gebührt 
sich kolon, in der folgenden seile nach beln punkte. 

Lxxii — Lxxv sind sinnlos ; ich weifs aber keine sichere 
verbeßerung. 

78. dafs er sich auf got (59) mräckbeziehen könne 
ist mir unglaublich: auch gewährt die fViener hs. got, 
und dies kalte ich hier für so nothwendig als es 79 ohne 
alle noth gegen beide hss- getilgt ist. in der fönenden 
»eile ist die Wortstellung der hss. {denn tV weicht nur im 
casus ah) ohne grUnd geändert, es sind verse von vier he* 
bungen. Den got gaotes vil Teriihet Und si kinde verzibet. 
in der nächsten »eile natürlich jS6 git er ir ab mangem tiK 

90. der beiiig engel nnt sin böte, das wären zwei, in 
den hss. steht sehr richtig kein unt. 

154. Daz ez mir iht werre M, und dies begehrt der 
sinn. Casstnia hofft von gott dafs es (das was sie thun will)- 
ihr kein leid bringe. 

168 ~ 160. "wer gottes gäbe durch dienst verölt, der 
ist immerdar reich, wie es mir darum ergehe* gibt keinen 
sinn. Swie ez mir dar nmbe erg6 gehört zum folgenden^ 
fVie es mir ergehe, ich will es vollbringen. — 401 gekört 
zum folgenden. 

422. d6 ist zu streichen, die lesart der Miinckener 
hs. gibt sonst einen vordersatt ohne nacksatz. 

430y. falscke interpunction die allen sinn zerrütte, 
lies 'Muoter sprach er, 'weihen wis?' 'Daz du im helfest.' 
'muoter, wes?' warum das im der ks. zu in verwandelt 



ZDM BRAGUDS. tW 

morden ist verstehe iek moht. aus der mterp^meüen de* 
herausg. kann ich mich zwar nicht vernehmen, aber wes 
muß er doch wohl auf beifest beiudien, und dann ist in 
ein epradifehter. 

503 — 505. Si ritet edelm wiiie Daz si aa ir like Un* 
Aer wilen missetaot Leider dorch ein kleines gnot. das 
miiste hier, denke ich, heifsen mit ir Übe. wen%ste9ss l^fsi 
sich aus den lesarten der Münchener hs. mit leichter muhe 
etwas viel bq/seres gewinnen 9 Si netet einen edeln wibe 
Daz si verhenget ir ]ibe Daz anderwiln er missetnot u. s. tr. 
unierwilu Jbrdert das versma/s auch 1386. 3652. 

571. lugenlliche pafst nicht ;?i£ maost. vermutlich legr- 
liehe^ wnßlr 2337 in M tegenlich steht. 

576. wahrscheinlich Solde ich da wider streben, de/in 
Muoter in M, das gleich noch einmal kommt, und Frowe 
in Jf^ sind susätze oder können es wenigstens sein / hinge- 
gen da kann nicht fehlen, cbefiso wenig ist da oder dar 
entbehrlich 585^ wo leb kan in wol raten zno nicht mhd. 
ist. aus der lesart von M ist hlofs wol wegzulafsen, Ii?h 
kan iu raten dar zuo. ebenso falsch ist 596 gegen die hss. 
gesetzt Diu frowe sich bereite zno : untadeUu^ haben die 
hss. Diu frowe bereite sich dar zuo. derselbe fehler findet 
sich 664> Diu werlt mich umbe schulte, wo aus dem dar 
umbe der Münchener hs. sich drumbe ergibt, ebenso kann 
es 672 nicht heifsen Wie liitzel ir ane missetnot: die hss. 
haben dar an, lies dran, denselben fehler zeigt 1769, wo 
Ads falsch getilgt ist, und 1792, wo statt D6 was manegiu 
under zu schreiben war D4 u. s. w.^ und 2548 f Die der 
keiser zuo nam, wo M da zv nam hat, fF richtiger dar z\ 
gewan (dar zuo gwao) : man, und 4159, Waz mag ich umbe 
sagen mS, wo zu lesen ist Waz mag ich iu dmmbe (dar 
vmbe M) sagen m6, und 4254, wo nicht an sondern dran 
für das daran der hss. zu setzen war, und 4704, Zwei krinze 
wlu*en üf gesniten, wo M dar auf, W richtig drdf hat. 

626. Gevazzct mit gewande. dafs des kaisers truch- 
sffs nicht nackt durch den markt ritt läfst sich denken, 
richtig, in versen von vier hebungen^ gibt M Einen riter 
von dem lande, Wol gevazzet mit gewande; und in W iifi 
die zeile wenigstens ohne beeinträchügung des sinnes oiif 



IM ZUM BRACUU8. 

drei Hebungen herabgebracht. In gnolem gewande. das wol 
das der herausg. hier fehlerhaß tilgt setzt er oft ganz 
aberßitfsig, ». b. in einer andern stelle wo von bekleidang 
die rede ist, 3579, die kaiserin hatte an sich Ein hemede 
wol gebriset, wo die hss. das Oberfiltfsige wol nicht haben 
und es niemand setzen wird dem die anfangsgrände der 
mhd. metrik geläufig sind. 

648. /. mneze. 

650/. Welt ir daz kint hinne geben? auf diese ßrage 
Iqfst der herausg, antworten Um täsent bisande. so hat fV, 
aber dort passt dies zu der frage Frowe, wie weit ir mirz 
geben? wie im franz. gedichte die frage ke fait-bon ccsl 
enfant? und die antwort Sire, mil besans donres zusammen 
stimmen, aber hier, nach der frage wie sie aus M auf- 
genommen ist, passt diese antwort nickt, sie stört den schritt- 
weise in kurzen wechselreden sich bewegenden gang des ge- 
spräches, das der dichter hier und anderwärts in einer weise 
gehalten hat die bei Eilhart von Oberge und Heinrich von 
Veldeke neue monier ist und im jähre 1156 gewiss keinetn 
geläufig war, in M ist alles richtig, 'Welt ir daz kinl 
hinne geben?' 'Ja.' 'wie?' 'um tdsent bisande.' Er sprach 
'daz ist ein michei schände' u,s, w, auch hier, wie an ei- 
ner menge von stellen, sind also die vcrse von vier hebtm- 
gen nicht anzutasten, 

698. Sage mir, kanstu aber iht? da man nicht fragen 
kann 'verstehst du abermals etwasT wenn man meint 'ver- 
stehst du noch sonst etwas ?\ so würden diese werte be- 
deuten 'sage mir, kannst du aber auch etwas?* allein diese 
zweifelnde frage ist hier unmöglich, da der truchsefs sehen 
eine der künste des Eraclius erfahren hat. aus den hss, 
ergeben sich zwei gleich gute fafsungen der frage. Sage 
mir, kanst anders iht? und Sage mir, kanst ab anders iht. 

723. si scheint ein druckfehler für sd. aber ich ver- 
stehe nicht warum die lesart der Münchener hs, aufgege- 
ben ist. Ich wil din niht enbern : sie hat volle vierhebungen, 

730. Daz was harte gemelich Daz man si von einander 
bräht. dafs mutter und kind von einander getrennt wur- 
den soll sehr lustig gewesen sein ? und wie stimmt doch im 



ZUM ERACLIÜS. IN 

folgenden. Doch hetea sis aisA (pkne netk m 86 geändert) 
vor bedäht {fehterkuft and gegen die ks. vorbedftht)? es 
miffs heifsen Daz was harte angemellicfa, oder Daz was harte 
jaemerlich, obgleich fV^ die jaemerliche bietet, überhaupt öw* 
dert; unmöglich aber ist was der herausgeber hat stehen 
Iq/sen, den wenigstens der fran^iösische vers hätte sollen 
aufmerksam machen, auf den er selbst verweist, AI d^pariir 
ot denl raolt granl. — 737 ergibt sich aus dem fehler in 
M was W richtig hat, Si zAcb sich u. s, w, — 742 ist 
ein unmöglicher vers, Daz diu s^le lebte doz fleisch erstarp. 
€las ursprüngliche scheint Daz diu sMe, dd daz fleisch er* 
starp, Fuor vil frceliche In daz 6wege riche^ und darauf 
fuhrt auch die änderung in W. 

7%kff* Mich dunkt) da habest missetäo, Als ich mich 
▼ersinnen kan. so ist zu interpungieren, mit einem punkte 
nach km. es folgt DA. waere ein vil (vil fehlt in den hss.) 
wiser man; Wan du dich nu versinnet hdst Unt dich ein 
kint betriegen Ust. Daz ist ein grAz unwisheit« so der her^ 
ausgeber. allein wer sich versinnet der Iq/st sich eben nickt 
betriegen, und stände statt versinnet ein passendes ver*- 
bum, so wäre immer noch wan der gedctnkenreihe unange^ 
mefsen. was ßtr einen sinn der herausgeber in diesem sei^ 
nen verse ßndet das lehrt »war seine vertoeisung auf den 
Jranzosischenvers Ains m^s nus ne vous tint per sot, offen* 
bar soll Wan du dich versinnet hast bedeuten Denn du bist 
immer verständig gewesen: aber das ist überßiifsig nach 
Da w«re ein wiser man und kann so nicht ausgedrückt 
werden; man verlangte wan da w«re ie versunnen oder 
etwas ähnliches. M hat Waz daz d. na v« hast, fF Daz 
da also gevarn hast, ändernd, aber dqfs sie doch mit daum 
Ulft in dem Waz daz der andern hs. einen Schreibfehler, 
für Daz »u erkennen, lies Du waere k {oder ie) ein wiser 
man (diesem verse entspricht jener französische): Daz da 
dich nu versumet hast Und dich ein kint betriegen 14st, 
Daz bt ein gr6z unwisheit. ich denke, versumet wird m 
der hs. stehen; zu erklären brauche ich es wohl nicht. 

772. S6 mag er wol versuochen. was denn? L Swenne 
des min herr wil ruochen, S6 mag er ez wol versuochen 
(ob ich den truehs^sen betrogen habe). vergL 783 Ich vor- 
Z. F. D. A. lU. tl 



1«2 ZUM BRACUUS. 

snoehz io kurzer zit, tvo der herausgeber selbst gesehen 
hat dqfs M das pronomen ez irrig- ausläßt. 

784. Wie küme ich des eobite. /. eri>ile mit dem sei- 
chen des ausn^es. 

881 ff. Eraciias der jungelinc Bevalch gote siniu dioc 
Ze allem sime diage. so mag M haben, aber reden kann 
niemand so. in IV steht Und allez sin gedinge, toobei man 
sich beruhigen könnte, wenn nicht Ze allem sime gedinge 
nahe läge. — 889 würde man wohl lieber schreiben D6 
sach er allen gähen als D6 sachr in allen g., wenn über- 
haupt Ursache umre drei hebungen zu erkünsteln : es ent- 
spricht diesem verse einer von richtigen vier hebungen. 
Einen stein, dem gunder nähen. — 891 hafte die lesart in 
W, ein arme, den vorsug verdient vor ein armer, wenn 
von M abgegangen werden muste* 

970 y*. Leides sprftchens im gennoo, Swie lützel si ez 
verviengen. dies ist mir ebenso unverständlich als was in 
M steht, Swie 1. es sei uerniengen. /i>« Swie lutzd si 
verviengen, denn das ik mite der fViener hs. (Da si lützel 
mite V.) versteht sich dabei leicht von selbst, das es in 
M rührt daher dqfs der Schreiber im sinne hatte Swie ItUzd 
ez si vervienge. aber dies ist im reime auf giengen be* 
denkUch. wenn 2A27f. hinnen, 2689 gewinnen : keiserinne 
{dat.) reimt, so liegt es, um von hinne nicht zu reden, na- 
he an die form keiserinnen (JVh. Grimm gr. Rud. s. 5. 
Hahn mhd. gr. s. 90) zu denken, statt ze guoter mäze 
(: gesäzen) 1845 /. ze guoten mäzen (wie mit guoten mft- 
zen 3548). 3199/. ist ertriehe : lüterlichen nur nachl^fsig- 
keit oder Wunderlichkeit des herausgebers, die andere form 
des adv., Iflterliche, gewährt eine hs. ,• toelche, das verwehrt 
ein drucl^ehler zu sehen. 3469/1 /. MorftA huop sich dan 
(Sine wolde langer beiten) Ir salben bereiten, wora^f M 
führt. 3497 /. nach M In der selben zite (: rite). 3507/. ist 
sehen : geschehe nur vom herausgeber durch vermengung 
beider hss. zu wege gebracht, über 3619/ s. unten. 
2565/ und 3445 hil/i IV, und will man die änderungen 
dieser hs. nicht zulqfsen, so reichen doch so [wenige und 
so wenig sichere beispiele in fünftausend Zeilen nicht hin 
diese ort ungenaues reimes glaublich zu machen. 



ZUM BRACUUS. 1« 

9Mffi Wir hArlen daz manz ime b6t Mit dem ftrsU» 
gedinge. Umhe sehs pfenninge Haete imz^ einer Uzen, der 
punkt nach gedinge ist vielleicht zu streichen^ denn Umbe 
sehs Pfenninge kann mo koivov stehen, und dies scheint 
passender, einer aber gibt keinen sinn : L jener, der ver^ 
käu/er. 

1016/« Eiaen stricket ombe mich. Heizet mich inz 
wazzer senken, dies ist um nichts befser als die entstellte 
lesart von M, Ein strichen v. mich, das nothwendige Ei- 
nen stein sUicket umbe mich ergibt sich aus fV, wo steine 
ein geringes versehen ist. der herausgeber scheint gemeint 
zu haben, stein verstehe sich von selbst, da vorhergehe 
Noch hftn ich den stein hie: DenUtmir, herre, in derhant 
Und heizt mich nemen an ein bant. Daz ist gennoc beschei- 
denlich. allein die unverständliche auslq/sung des substak^ 
Uvums würde den edelstein und den schweren laststein sehr 
wunderlich gleichstellen. 

1033. nothwendig Dd si daz yem&men, mit JV, als 
Vordersatz der folgenden zeile Zer Tiver si schiere kAmee, 
denn dqfs Tiver falsch ist lehrt der vers. 

1063. niemand könnte ohne des teuf eis hüfe sein leben 
fristen In dem wäge lange zit. vmi selbst verlangt Jeder 
in diesem zusarnmenhange s6 lange zit, und so hat ü, 
also fF. , 

1069. D6 den keiser dühte zit. bei dieser lesart müste 
nach der folgenden zeile kein punkt stehen, denn Er wolde 
scheiden disen stiit wäre dann so viel als daz er wolde, 
und das folgende Er hiez u. s. w. bildete den nachsatz zu 
Dd. soll nach strit der punkt stehen, so ist nothwendig 
was fF gibt, Dd des den k. d. zit. 

1077. Im was niht kein einem gräz. ausdrücklich gibt 
der herausgeber an dq/s in beiden hss. war steht; er hat 
also darin nicht das verbum werren erkannt* 

1131 J^. Man zihet offenbaere, Ich si ein zouberaere, 
Swaz ich rede, ez si ein lüge Daz dirre stein ze nihte tilge. 
Sin togent hdn ich wol erkant. in der ersten zeile ist das 
pronomen gegen die hss. und gegen den Sprachgebrauch 
weggelq/sen: L Man ziht mich off., in der dritten zeile ist 
ez eine OberflUfsige vemmtung statt des HberUeßrten daz, 

11" 



1«4 ZUM BRACUIIS. 

da rede sehr wohl eümlbig Bein kann: man braucht hlojs 
nach löge cm komma xn setzen; die folgende seäe gibt 
nähere erklärung. aber ßtr nihte ist ibte »u schreiben. 

1250 y. die leute freuten sich über des kaisers gebot 
Unde lobten al den tac Der in Ton bove geboten was. xie 
lobten den ganzen tag der ihnen anberaumt war? die hss. 
haben Unde lobten den tac und das versmqfs begehrt kei- 
ner einschaltang, — 1271, wo sich aus M ganz untade/- 
haß ergibt^ Debeiner dorfle des jehen, bringt die änderung 
Ir debeiner durftes jeben »nm^ überflufs einen Sprachfeh- 
ler. — 1279 ist Welcbez (/. Welbez) beste wacre ohne 
sinhy da das adv. hier nicht stehen kann, das schw. adf. 
aber den artikel verlangt , den die hss. auch richtig ge- 
währen: l. Welhöz daz beste waere. — 1291 ist nie nocb 
ohne grund und gegen den gebrauch statt des noch nie 
der hss. gesetzt, — 1296 ist debeiner aus den hss. gegen 
die grammatik beibehalten, denn da l>es im iht gezaemr 
durch die parenthese Daz gienc sinem berzen nä davo/i 
getrennt ist, so ist an keine attraction zu denken und ^s 
mufs heifsen ledocb sacb er deheinez da und entweder Des 
in, oder, da M bfters dez für daz hat, Daz im ibt ge- 
zaeme. 

1316^. nicht sowohl in den hss. als in der ausgäbe 
ist das gespräch zwischen Eraclius und dem bauer von hier 
an zerrüttet, die beiden ersten Zeilen gehören dem Era- 
clius und es ist entweder 1316 nach M ir »it {denn das 
ist das er sit der hs.) und dann in der folgenden zeile mit 
derselben hs. Ir erkennet zu schreiben (denn das Ir reken • 
net des herausgebers ist eine unnütze künstelei die er mehr- 
mals statt wichtigerer dinge sich hat angelegen sein lafsen), 
oder, da der bauer viel befser geduzt wird, mit AT 1316 
du bist und 1317 Do erkennest, von der 131 8ii zeile bis 
zur 1341« gehört alles dem bauer, der glaubt, Eraclius 
meine mit seinem Gotweiz, friunt, du bist niht karc (klug)i 
Du erkennest ez nibt reble, drittehalb mark sei zu viel ge- 
fordert, und deshalb die trefflichen eigenschaßen seines 
fohlens herausstreicht. — 1320 mag fulzene, das freiHch 
auch 1485 *ä?ä ebenso zeigt, ein druckfehler sein für ful- 
zene {Jac. Grimm gr. 1, 1Ö6 der 2« ausg.) ßOlmzähne 



ZUM BRACLIUS. MS 

(Frueh 1, 306^); denn anfauknde zahne wird der kermtS" 
geber doch nickt gedacht haben? — 1328 ist mit der will-' 
kürUchen änderung Deste baz er lu (fevalie ein wemg ge- 
schickter ausdruck und ein ungenauer reim (: fldzgallen) 
der in diesem gedichte kein sicheres Beispiel hol (#. oben 
zu 970) »u wege gebracht, lies mit IV Deste baz lit iuz 
gevallea oder in der vorigen zeile Ez eahät und hier mit 
M Bester (oder Diu) baz lAt in i« gevallen : das gesehlecht 
der pronomina schwankt hier durchaus zwischen dem mos- 
culinum (vol) und dem neutrum (pfert). — 1329. Breithnof, 
sioewel« sollte würklich ein adj. breitbuof vorkommeti, so 
wäre immer noch sinewel ohne sinn, da das ganze pferd 
unmöglich so heifsen kann, in M steht Breit huf sinewel; 
das ist Breite biieve sinewel, wobei niemand mit recht ein 
eerbum vermifsen würde. fV macht daraus Sin boubte breit 
ond sinbei. — 1331. Ez zeltet lü'tzel und drabet woL dem 
metrischen anstofs höbe andre Orthographie, aber kann es 
dem pferde zum lobe gereichen dafs es nicht (denn darauf 
Imift lützel hinaus) im passe gehe? ich glaube es mtjfs 
he{fsen Ez zeltet unde drabet woL 

1374^. Daz er gerne nemen wil, Daz biezest im ge- 
ben, des ist ze vil. sinnlos. L Daz heiz im geben (die ge- 
forderten drittehalb mark) : des (was du geben willst, sech- 
zig mark) ist ze viL wenn die hss. biezest haben, so ist 
dies aus heizest entstellt, und darin ist der imperativ nach 
häiffiger weise der abschreiber verderbt. — 1382 ist den 
man zu streichen, das versmq/s verlangt Si werten, alse 
er gebdt. Den gebären sebzie marke. — 1385 A mit W 
Als ez. 

1410^. Als er des pferdes wart gewar, Daz er ziehen 
sach unt ledic gin, DA. was ez übelliche getftn, En allen 
UDgenaeme. hier ist übelltche eine sehr ilberftüfsige Vermu- 
tung, als ob 'übel^ nicht ganz richtig betont wäre, was 
en allen heifsen soll weifs ich nicht, aus M (und catch W 
scheint nur durch weglqfsung von vil abzuweichen) ergibt 
sieh In allen wisvil nngememe, und das ist tadellos: auch 
die folgende zeile hat vier hebungen. In wanderte wie daz 
k»nM. in der nächsten zeile, Ezn was et scboene noch schein 
gooi, ist et gegen die hss. eingeschaltet, ohne grund und 



1« ZUM ERAGUUS. 

nickt sehr sehiekKeh, ich glaube^ ursprünglich hiefs es 
Ezn was schoene noch gaot und schein ist ein zusatz der 
den ausdruck dem verfolge der erzählung genauer anpas^ 
sen soll. — 1429 wird, wenn 1430 nur drei hebungen ha- 
ben soll, d^hüt billigen wer nie von einem zweisilbigen auf- 
takte gehört hat. denn in den hss. wird dies ebensowenig 
stehen als d'wile 2330, wo wiederum, auch eine geschicktere 
kürzung (ddht diu wile) unnöthig ist. 

1434 jf. Die bi uns wären, die jungen, jehen Sil got 
die werlt werden lie S6 kam fif einen market nie Als6, ma- 
nec schoene pfert. wenn man wäm schreibt, so ist dem 
versmafse geholfen^ aber nicht der grammatik und dem 
sinne, denn der conjunctivus Jehen ist unpassend, und war- 
um sollten sich die diener des katsers wohl auf das ur- 
theil gerade der jungen berufen ? offenbar mufs es heifsen 
Die bi uns wäm, die mugen jehen. so wird auch wohl in 
den hss. stehen. — 1448 y. Nunc weiz welch der tievel 
fruoc Ze jungest einen villän. mag weiz ohne pronomen 
stehen können, was soll denn der, was W nicht einmal 
hat? soll rfcr tievel nom. sg. sein, so ist dies nach welch 
rein unmöglich; soll es gen. pl. sein, so ist es mindestens 
gegen den Sprachgebrauch, l. Nu enweiz ich welch tievel 
truoc. 

1516 gehört zum vorhergehenden, in der folgenden 
zeile ist Die zu streichen. — 1520 nothwendig nämen 
mit W. 

152ßy*i Des er sich tct vermezzen Desn wart er niht 
erläzen. ^sich eines dinges vei^efsen machen , denn er Icl 
sich vermezzen kann kaum ein englisches he did presume 
sein (s. zu 2Sii)j ist eine seltsame redensart. l. hei für let. 

1536. fuorten scheint druckfehler für fuoren (^), da 
der, herausgeber selbst auf 1539 verweist, wenigstens ist 
faoT{^a,ohne sinn; denn elliptisch, wie sprancien, wird es 
nicht verwendet. 

1585. Er was des keisers herzen trat. fF. hat Dem 
keiser was er harte trut und dies kann man billigen, M 
£r was der keisers trut, u)o die b^serung des genügte 
{denn sein volles mq/s hätte der vers), Er was dem keiser 



ZDM ERACLIUS. 107 

harte trut aber nicht unwahrscheinlich wäre, des herausge- 
bers erfindung ist allzu zärtlich. 

1596/. Der keiser was ein joDger wirt Unt niuliche 
z^ren komen. das bedeutete daß er vorher ohne ehren war. 
befser wird die bestimmte ehre des kaiserthums durch den 
artikely den die hss. haben^^ ausgedrückt, Uad aiulicfa ze 
den ören komen. 

1633. Enbieten M und Gebiete W Jühren auf das me- 
trisch nothwendige, dem sinne nach angemefsenere Enbiet 
= Enbietet. 

1635/ Daz si her ze hove komen — Die wüe si le- 
ben, solz in fromen. dies ist, auch wenn man das komma 
nach leben ausstreicht, nicht mit dem reckten modus aus- 
gedrückt, aus ff^ ergibt sich das richtige Die wil si le- 
ben siil ez in fr., und selbst die entstellung in M deutet 
doch auf den conjunctivus. 

1709 f Die si seiden leiten. Die mnosen sich bereiten, 
S6 si beste künden, Unt sich ir underwnnden. die letzte 
zeile ist gegen den ziLsammenhang der sätze, aber auch 
gegen die hss., wider deren lesart Der firowen si sich un- 
derwunden nichts einzuwenden ist. — 1716 ei^t wänneclichin, 
wenn auch W «in hat, ein fehler. 

1833 J^. Des enist deheiniu n6t, Daz ich die mäze er- 
kenne Uni sunder bam nenne Alle dise zierfaeit Diu der firo- 
wen was bereit, diese zeilen des herausgebers, denn ganz 
so hat keine hs., sind mir unverständlich, das wahre gibt 
IV, Ob ich. die mdze erkenne, Daz ich besonder nenne. 
was sunder bam hier heifsen soll weifs ich nicht, obwohl 
ich Gott. gel. anz. 1839, 636 gelesen habe, das sonder 
bar in M ist sonderbar = besonder. — ^ 1851/ ist bite 
und rite falsch, bite und rite nicht gegen den vers. •^— 
1880, Daz ir got nd gebe leit. das ohne grund hinzu ge- 
thane nA verderbt die bekannte formet zu dem wünsche dafs 
es der Jungfrau jetzt, also etwa in der holte, übel gehen möge. 
1904 J^. Diu frowe hete es selbe wkn, Ir heiles tae der 
waere komen. Doch hete siez als6 genomen. in der ersten 
zeile ist ton den hss. unnütz abgewichen, nach M hiefs 
es Diu fr. des bet den selben {so wird das s. des heraus^ 
gebers wohl zu deuten sein) wän, viel befser, nach fFDiu fr. 



168 ZUM BRAGIiUS. 

het des selbe (wenn s. so ssu deuten ist) wäo, ^ense gut als 
die neue lesart, und h^ser^ wenn selben steht und man dea 
selben schreibt, die dritte »eile ist unerklärlich: Ues Oncb 
{worauf auch die änderung in fV ßüirt). Auch hätte sie es 
sich gefallen Iqfsen. — 1916 wird freil ein druckfehler für 
Ireit sein. 

1919/. Des wehsels mac mans lihte eri>Uen. Da wiri 
selten nach gestriten. dies ist die nothwendige lesart. man- 
che trägt ihren frmmd nicht im herzen, sondern an der 
sehe (sie liebt ihn nicht von herzen), die Iq/it sich nichi 
sehr anflehen, man kann sie leicht erbitten den geliebten 
zu vertauschen, es kostet wenig kämpf der herausgeber 
schreibt mit W gegen den sinn leider statt selten, was er 
aus der folgenden zeile hierher gerathen glaubt, dort 
schreibt er, das nie beider hss. willkürlich bei seile schie- 
bend, Daz enwart selten guot, da doch aus W sich das 
richtige Daz wart leider nie guot ergibt und selten oder 
leider in M offenbar ein fehler und die Verböserung •die- 
ses fehlers ist. 

2019 J^. Daz wiere ein swachia trinwe, Soldich tusenl 
herzerinwen Undem frowen machen Durch ein^s wibes la- 
chen? Wir süln uns beraten baz. Ine toon ez niht onibe 
daz Daz ich sus verwinde, Wände ich deheine vinde, Ze 
der sveohest wiere bewant Beidiu kr6ne nnde lant. in der 
ersten zeile ist Er sprach ohne noth getilgt: die zweite hat 
vier hebungen. in der zweiten- fordert die reimgewohnheit 
dieses gedichtes die gewöhnliche starke form herzeriuwe, 
cKe W bietet, s. oben zu 970. ungenaue reime nnisten 
sich in diesem gedichie ich weifs nicht von welchem Jahre 
ößer ze^en, wenn man sie, wie hier, gegen die eine hs. 
und gegen die innere Wahrscheinlichkeit dulden sollte, m 
der vierten zeile zerstört das fragezeichen den abhängigen 
satz: Soldich machen ist fVenn ich machte, von der sechsten 
zeile an hört der sinn auf. ßir verwinde, was hier nichts 
zu schaffen hat, gewährt W erwinde. in der vorletzten 
zeile hat W Ze der swachisten w. wol bew», m M scheint 
freilich zu stehen Ze der swechest wsere bewant, allein^ 
dies kann nicht etwa heifsen bei welcher kröne und land 
auch nur im geringsten wohl angewendet wäre*$ so wird 



Ziai BRACUDS. 169 

sweekest nicht geiraucht und es miiste dann immer nöck 
wol aus fV hinzu kommen, ich vermute Icbn Uioii ez mht 
ttinbe daz (nicht um die ßraucn xu kränken) Daz ich siu 
erwinde {von der pr^fung abstehe), Wan deich (sondern 
ich) deheine viade Wan (aif/ser) ze der swechest wmre be- 
want Beidiu u. s, w. — 2030 hat sich der herausgebet 
durch My wo yiXfehlty nicht abhalten lafsen den vers xu 
verderben. — 2063 kommt mir Der zun ant wende wiren 
fdl, wie keine hs. hat, nicht sehr mhd. vor. ßi^ferlei wäre 
btfser gewesen, Zän und wende w4ren iol, ZAn und wani 
w. f.. Zun und diu wani w. f., Zun und die wende w. !•, 
oder mit der einen hs. Der zun der wende der was ful. in 
der bezeichung dei^ hss. ein druckfehler, wie oftmals, ebenso 
wie hier ist 3684^1 die mhd. ■ gewohnheit im gebrauch des 
artikeh verletzt, mir ist diu buf abe nnde rücke (der her^ 
ausgeber schreibt rucke und geht überhaupt mit dem, um- 
laut nachlq/sig um) : diu m^/s gestrichen werden oder es 
mu/s hei/sen und der r., wie W und ouch der r. hat. — 
2076 ist der pbiral gebiutet ein fehler, auch wenn er etwa 
in emer oder in beiden hss. steht; denn wer so wiUkiirUeh 
mit richtigen formen der hss. umspringt, darf unrichtige 
nicht unverbe/sert laßen. — 2092 wird bei Als got wolde 
nnt gebfti keinem die frage des herausgebers fehlt ez, et?* 
eisfallen. 

2149/. Si ist ir iemer eine Von fleische unt von ge* 
beine. vollständiger unsinn. /• Si ist ein gimme reine; im 
foanx. gedieht Car c'est la flors et c est k geaune De tont 
oest si^cle. 

^^70 ff. Im habt deheinen triwem kneht, Dem iwer 
£re si sd li^* Ir miiget in dicke heizen diep, Ane schulde 
schdten oder slftn. Mac erz getuon, er sol iuch län, Sia 
tienest wenden anderswar. dies ist im zusammenhange Iß-' 
eherlieh und fast sinnlos; aber davon tragen nicht die hsst* 
die schuld, sondern der herausgeber, von d&n die intern 
punetion und der comparativus triwem herrührt. M hat Ir 
enb. so deh. getriwen cheneht, ^ Ir h. deh. s» getr. chn. 
daraus ergibt sich vjon selbst der richtige gedanke, die 
Worte können verschieden lauten, es kann heifsen Ir en- 
habt nibt sd getriwen kneht, und dies ist das wahrsohein'^ 



170 ZIM ERACUDS. 

Uehste, oder Ir enbabt deheinen triwen knebl ; selbst Ir en^- 
habt deheinen kneht gienge an. statt der beiden folgenden 
punkte des Herausgebers sind kommata zu setzen, dicke /Sr 
zediche M kann riehtig sein, deutlicher ist sA vil, wü IV 
katf nur dafs sie falsch einen diep ßtr diep gibt, der sinn 
des beispieles ist, in ganz gewöhnlicher mhd. freiheit der 
construciiony Ihr habt keinen so treuen und euch so erge- 
benen knecht den ihr nicht durch ungerechte beschimpft 
und mishandlung so weit bringen könntet dafs er euch, 
wenn es ihm möglich ist, verläfst. zu anfang der letzten 
zeile ist Und aus grundloser abneigung gegen zweisäbi- 
gen auftakt weggelafsen. aus demselben nichtigen gründe 
ist 2X7^ in getilgt. 

2180/. Na var ich nnde bringes her. Gol habe iaeb 
beide in siner phlege. dies sagt bei dem herausgeber Eror 
cKus, die erste zeile voreilig ohne den befehl des kaisers 
abzuwarten, die zweite hier ganz unpassend, beide zeilen 
gehören dem kaiser. auch gewährt IV Nu var enwec, 
und wenn M Na var ich hat, so kann dies nur eine hrung 
sein, wahrscheinlich stand ursprünglich Nu var unde brio; 
si her, was der herausgeber freilich fUr falsch halten wird, 
der z. b. 2232 in DA der tac and diu zit kam nach onl 
ein unnützes onch einschifft und zu 2247, Gab er des tar 
ges swert, wo nicht einmal nöthig ist zu lesen Gib er, 
sondern Gib er d^s tiges sw6rt gemeint ist, fragt fehlt 
ouch?' — 2202 ist Die befser als Des. — von 2205 *» 
2207 seheinen bei den lesarten falsche verszahlen zu stehen. 

2242^. geweiht tourden zwei krönen. Dar zuo ander 
ir gewant, Sin zeptrum und sin kurzebolt, Koste silber oode 
golt Nich Romaere rehte. /. mit W Daz koste, das reis- 
tnum kann, wenn vor koste komma stehen soll, nicht fihlen. 

2268 ff. Diu juncfrowe wol getAn Wart geleit an sk 
bette. D6 spiit er Äf ir waete Eins spils daz er kande, D^ 
si vor nie begunde. so der herausgeber, und in der an- 
merkung "M wete (: bette), ^ wette.' man würde an einen 
druckfehler denken, wenn nicht bette s waete in das reist- 
register s. 121*. 122** eingetragen wäre; auch s. 622 *• ^ 
bleibt der herausgeber dabei, wie lächerlich Äf ir ir«** 
ist lehrt die ganze stelle, üf ir wette hdfst, denke ick, 



j 



ZUM BRACUUS. 171 

so dqfs es beim spiel auf ihren vertust gieng. in der letzten 
xeile lesen wir des hereusg. nnnütse erßndungßtr die lesar- 
ten der Ass., M Des ßi doch nie vor begunde, untadellich, W 
Des sie 6 nie begonde, /. Eines in der vorhergehenden »eUe. 

2324. Ir minne diu was eine, so verderbt der heraus- 
geber das richtige reine der hss., wae eine bedeuten soll 
sagt er nicht. 

2375. ebenso leichtsinnig wie, oben waete : bette ist hier 
der falsche reim wirs : mirz gesetzt, obwohl M mirs haL 
fufst der herausgeber etwa darauf dafs gr. 4, 661 von ge* 
louben mit dem gen. keine mhd. beispiele gegeben werden, 
so ist hier eins, wie es mir gerade zur hand Uegt^ fjTalth. 
74, 26 ob ir mirs geloubet, vergl. die lesarten zu Iw. 1730. 

2398 J^. Er Yorht im daz die diebe — Im die wende 
undergraben. M hat vorch, fF forhtet, und es bedarf nur 
eines bUckes um zu sehen dafs färbtet notkwendig ist und 
vorbte weder als ind. noch als conj. irgend passt, das 
pronomen im ist unnütze und bei färbtet schädliche zuthat 
des herausgebers. 

2434. triben M ist nicht nur ungenauer reim (: nu- 
den), sondern ein ganz ungeschickter ausdruck und liden 
fV unerläfslich. 

2489. befser Der. 

2511. /. Üf dem besten turne. 

2525. notkwendig mit fV Ez wurde, Wären nicht die 
Schilde, so würde mancher verwundet der jetzt gesund aus 
dem kämpfe reitet, der text der Münchener hs. und des 
herausgebers gibt unsAin. 

2576^ SA einer heiles ruom erwarp, Sd k6s man eines 
zagebeit. zwar findet sich heil oß genug vom waffengUlck 
eines ritters, aber hier fordert der gegensatz beides ruom 
und dies bestätigt die änderung in W Als er nach beides 
b>p warp, wo Als der zu lesen wäre und damit übereinstim' 
mend im folgenden verse jenes, das überhaupt nöthig ist. 

2628 J^. Wie sol ein wip sich bewam? Ez b4t einiu 
alsA guot, Diu' an ir manne missetuot Unde ir liep nihtes 
entwert. Diu sselde^ diu ir ist beschert Sam einer, diu sich 
twinget Und nach Aren ringet, ich bin unfähig dies zu 
verstehen, die hss. helfen nicht viel. M hat Div ynsa^lde 



m ZUM BRAGLfDS. 

ist ir b.y fF Div s«lde div (ir ist b. demte ich), m der 
nächsten »eile M Sam div ie nach eren nmcb, vier verse 
wegl^fsend^ W Als einer div sidi iwingei. der einen ks. 
Sam abbergen^ was gan» so viel ist wie Als, und daneben 
den tmsinn der andern stehen ü(/sen ist eine wundersame 
kritik. lies Ez hat einia als iiBgaol, Dia (=: daz si) an 
ir manne missetaot Unde ir liep nihtes entweri, Die s«lde 
diu ir ist beschert Sam din ie nich tren ranc {oder, wenn 
£e geilen aus fV aufgenommen werden sollen. Als einiv 
diu sich twinget). 

2683 jf. Alsez dar vemlmen Die berren, die ir phlä- 
gen, R6m»re willen nnde mnot Si ddhte billich unde gnot. 
ans dem reime vemlmen : phUgen istßir das alter des ge- 
dichtes nichts 9U folgern, da es hier sichtUeh »erriUtet ist. 
W ändert ohne erfolge in M steht Als die daz vemamen, 
woran der herausgeber nicht weniger erfolglos geändert 
hat. willen als nominativ ist ein Schnitzer an dem die hss. 
unschuldig sind, denn M hat Es danchte sei obil vnd gnt, 
fV Ez divht sie billich v. g., beide also beginnen erst hier 
den nachsatz, und dann ist willen richtiger accusativus. 
für das aus W gewählte billich nnde gnot spricht die fol- 
gende zeile wenige wo es keifst Sie wagten nicht dagegen 
zu streiten, und ebenso wenig die ängstliche vorsieht der 
huter. aus M ergibt sich leicht Ez däbtes übel und nnguot. 

2772 mengt der herausgeber in sein gedieht vom jähre 
\l^6 eine späte schlechte form, den conj. prät. tete: denn 
der conf. ist nothwendig, fFarum sollte er aber das tkun 
(mich ansehen)? was weifs {genauer, wüste) er denn van 
mir? wenn die hss. tete haben, so ist damit natärUeh taete 
gemeint, statt hier die Orthographie zu berichtigen, ist Ue- 
her ganz wtn&tz geändert 2775 ff. Got durch dine gtiete 
Bewar mir min gemüete Und gip mir redelichen sin, wo beide 
hss. sine haben, M gebe, und nur W in gibe unsicher 
schwankt. 

2811^. Wer dich sftre, deist dir gnot. Ich t»te gern 
(=: ich wehrte mich gern; vielleioht aber ist Ich taete zu 
streichen und blofs zu schreiben gerne), möht ich den mnot 
Von im gewepden : ich enkan. der herausgeber verderbt 
das Selbstgespräch indem er schreibt Ich taete gerne, möbtich, 



ZUM BRACLICS. 17S 

den maot Von im gewendea u. s. w.^ als gekörte taHe ge- 
wenden sfusammen. s. zu 1526. von auxüiarem liion mä 
dem inf. kennt Grimm gr. 4, 94 nur zwei beispieley von 
denen das eine nickt streng beweisend ist, fValth. 6, 2 daz 
si uns taon bewam, denn hier kann ans zur noth der da- 
iivus sein, mir ßUlt noch Biterolf 2784 ein, aber die steUe 
ist mir verdächtig. 

2844 yi Im gnaden arme ande bein Bibene als ein espin 
lonp. hier ist ganden iiberßUfsig statt des beganden der 
hss. gesetzt. Bibene verstehe ich nicht. /• Bibenen. fV 
hat Pibncn. — 2854. Als im diu rehte minne riet gehört of* 
fenbar %um vorhergehenden, es ß^lgt Getorster des gei- 
gen, Man haeten. sehen dringen Birne ^teii kameraere. Daz 
er deste aar ir waere, alles aus machtvollkommenheit des her^ 
ausgebers, und gedingen ist unpassend genug, wer dm*ch 
aufmerksames lesen die abergläubische ßtrcht vor versem 
von vier hebungen verloren hat, dem ergibt sich aus den 
hss. ungeßSur dieses Getorst er mit deheinen^ dingen, Man 
baete in sehen dringen Bi dem werdesten kameraere, Das es 
ir deste näher waere. ^der erste kämmerer' ßLr ^der oberst^^ 
ist keine mhd. redensart. 

2874. Nein si, aber si ist s6 guot: diese sinnwidrige 
interpuncHon (statt Nein si aber, si ist s6 gnot:) würde 
man ßir einen druckjehler halten, wenn nicht in ähnlicher 
Verbindung dieselbe falsche interpunction stände, 2605^1 
Nein, aber ich, weiz got, Ich hän en emest aad ea spot 
Mich vil wol aoz her bebaot, wo das komma nach Nein 
zu tilgen, nach got kolon zu setzen ist, der iiberflUfsigen 
abweickung von den hss. in den folgenden zeilen zu ge^ 
schweigen. — 2889 ist Des naeme ich nehein gaot eine 
verwerfliche änderung des iiberlieforten Di für naeme ich 
nehein (dehein fF) gnot. das auf erster silbe betonte dehein 
kennt der herausgeber nicht, wie auch andere stellen zeigen. 

2936. Wie ist in, w^ oder w4? hier ist die schrei^ 
bung w6, wenn das etwa so viel als wie sein soll, vom 
übel, weil dann das vorhergehende wie m gleicher form 
wiederholt werden miiste und weil ein solches übergenaues 
fosthalten einer einzelnen seltenen form m des herausgebers 
durch und durch willkürlichem texte sieh lächerlieh auü^ 



174 ZUM BRACLIUS. 

nimmt, natürlich mufs hier das komma ganz gestrichen 
oder nach wA gesetzt werden; der sinn ist fFie ist euch 
weh, oder wo? vielleicht ist das falsche komma ein druck-^ 
fehler : ich weifs nicht ob ihn dann der herausgeber zu den 
allzulustigen oder zu den ärgerlichen versehen rechnen 
wird von denen er in der vorrede s. xii in einer sehr häfs- 
liehen stelle redet: aber das weifs ich dafs es nicht aüzu- 
lustig ist ein buch durchzugehen das an weit mehr stellen 
als ich anfahre den leser in zweifei läfst ob er es mit 
fehlem des setzers oder des herausgebers zu thun hat. 
doch zeigt sich seinem geschäfie der setzer dieses buehes 
um sehr vieles mehr gewachsen als der herausgeber. 

2971. Ich entbrinne gar und bin doch kalt, so der her- 
ausgeber. M Ich rerbrinne gar, W Ich brinne, und daß 
beides befser ist bedarf keines beweises. die unnütze und 
schwächende Vermutung cntbrinue ist noch zum Oberßufs 
mit einer nicht mhd. form ausgestattet. 

3002. die mutter des Parides kann die alte nicht wohl 
triweliche (M gelrivleichc) empfangen, aber sehr wohl Irä- 
ricliche (fF), in trauer um ihres sohnes krankheü. 

3054 jf. ' Ich will gerne sterben/ Si sprach ^dar weihe 
schulde r* 'S6 liep dir gotes halde, Frouwe, dar lastet michs/ 
die beschwörende formet Sd liep u. s. w. in Pßrides mund 
gelegt macht die stelle sinnlos : auch ihrzt Parides später 
die Morfea. diese ist es die spricht 'dar weihe schulde? 
(sage mir es) S6 liep dir si gotes holde/ denn das sie 
der ks. wird befser in si verwandelt, in einem verse von 
vier hebungen, als getilgt, mit Froawe beginnt Parides 
antwort: aber auch hier hat der herausgeber nach eigenem 
gutdünken schlechtes gesetzt, während die hss, gutes bie^ 
ten. sterben ist kein ort, also ist dar lastet michs doppelt 
unsinnige einmal wegen des unpassenden dar, sodann weil 
es nicht heifsen kann mich lüstet {denn so lautet das wort) 
es dar, sondern nur mich löstet ez dar, mich gelüstet es 
dorthin (zu gehen), IV, in der die beiden vorhergehenden 
Zeilen fehlen, gewährt 'Warambe?' 'des lüstet mich (: dich), 
an sich untadelhaß. M gibt richtig 'Froawe, da löstet 
michs (: dichs)', mich gelüstet dessen, des Sterbens; und 
dq/s da unzählliche mal antworten einleitet sollte der her- 



ZUM BRACUDS. 175 

mi$geber doch wohl wf/ien. gleich darauf steht m Marias 
gegearede ein neuer fehler, gegen die spräche oder gegen 
den sinn, Pftrides, bedenke dich«, Swaz dir anders wirret: 
hier kann es nur Waz heifsen. und darauf 3069, wie- 
derum ein Sprachfehler jUes im lützel doch gezam : er kommt 
{wie 1295) 02^ des henausgebers rechnung^ da beide hss. 
das richtige in haben, und an keinen druc^fehler ist mm 
denken, da sonst die anßikrung der handschriftlichen ks-^ 
ort keinen sinn hätte, auch 3077 Diu frowe langer enbeite 
ist {wie ähnliches öfter) für die spräche dieses gedicktes ein 
fehler : die hss. ganz richtig Dia firowe niht länger enb^ite.-^ 
3080 rührt die Umstellung Alsam ir meide täten statt Ir meide 
alsam tftten M aus der sonderbaren und g. b. von 3629 wider- 
legten Voraussetzung her dq/s man nicht älsam betonen 
könne; und selbst wenn sich dies so verhielte, wärejaden^ 
noch die lesart von M unanstöfsig. — ich habe hier, von 
3057 — 3000 die gröberen fehler einer einzigen spalte »u^ 
sammengestellt: was ich nicht erwähnt habe ist nicht ta- 
de{/rei; eine besonnnene kritik würde noch einiges anders 



3101 J^. Din siechtnom muoz ein ende h&n: Woldestun 
{so mit dem circumflex und dergleichen wiederholt sich) 
mich wizzen l&n, Ich swere des wol einenr eit Und wizze 
des die wärheit, Ezn ist deheinen wis der t6t. hier ist nicht 
viel sinn. /. Din siechtuom müese ein ende hän, Wold^st 
da mich in wizzen lAn. Ich swere wol einen eit Und w^ 
des die wärheit, Ezn ist u. s. w. 

Z\07ff. Daz ir st vil gefrdget. Und inch des ibt be- 
traget, Daz ist ein grdz nnwisheit. hier ist gar kein sinn, 
in abhängigem sätze kann iht wohl negativem sinn genü- 
gen, hier aber nicht; denn dqfs ein daz vorangeht macht 
den satz noch nicht zu einem abhängigen, die wof*te Daz 
— betraget sind der regierende theil des satzes, der das 
subject bildet, so viel als iwer fragen, es versteht sich 
von selbst dqfs es nihi hetfsen mtifs; aber das erriethe von 
selbst niemand dq/s der herausgeber dieses sprachwidrige 
iht' aus irgend einem geheimnisvollen gründe gegen beide 
kss., die richtig niht haben, erst eingeschwärzt hat. 

3130. Parides kann die alte Mqrfea wohl maoter an- 



17« ZUM tmAttuos. 

reden, eder frowe, oder aueky tote 8164, firow^ nmoter g^if^ 
iremU in doppelter anrede, aber sehwerKeh xu ihr sagem 
was der Herausgeber nach M in einer seite die keim rar»- 
nufi hat ihr in den mund legt, Fron iwMter, was w^er 
mir deste btsT entweder Frawe, was W wegUf/it, oder 
maoter ist in M überßif/sig hinzugesetzt: L Mootör (oder 
Frowe), waz wser mir d. baz? — 3138 ist das triswes des 
herausgebers, der auch sonst den vers ändert, an sieh meht 
unmöglich nach dem condicionalen cotg. praet., aber ganz 
genau richtig gibt M Ich träwete dir si wol gewiasenf 
der entsprechende vers läjit sich JÜglich mit vier hebungen 
lesen, ganz falsch aber ist das präsens 3154^. Und oft 
sf bi mir wsere, Daz ich si mOeze ana seheo (falsch steht 
aneseheo), Soae mohte mir niemer baz geschehen. /. nraese 
und möht. 

3162 y*. BI ir l«ge ich gemer tAt Dann« Ana si ieh 
sterben mnez. die unrnhd. Wortstellung gehört dem her* 
geber, M hat Danne ich an sei sterben muoz, tV Denae 
daz ich an sie sterben mnoz. freilieh geben auch die les* 
arten der hss. nur einen armseligen sinn: aber die noth* 
wendige verbtfserung liegt auf der hand, Danne ich An si 
leben muoz. — 3184 gehört noch zur rede des Parides, 
und nicht der alten an, wenn es auch darauf heifst Parides 
sprach ir aber zno, welcher vers lehrt dafs in Parides das 
a nicht lang ist, des herausgebers circumflewe in diesem 
namen also überall von Übel sind. — 3189. NA i^s mir, 
muoter, gnsedec. die hss. haben kein maoter; es war an 
dem Zusatz eines einzigen buchstabens genug. Na wis mir 
gensedec. 

3209. Und sage waz daz diutet der herausgeber; die 
hss. weit mehr nach gewohnter weise Und sage dir. kann . 
denn etwa sage in der hebung nicht einsilbig gebraucht 
werden? 

3217. Sol dichs iht vervAhen der herausgeber; aber 
der genitiv ist fehlerhaft, wenn auch M Sol es dich hat, 
l. Sol ez dich. 

3252^. Urloup nam si schAne Und gie wider an ir 
gemach, Daz si dise rede sprach, die eine hs. (in der be- 
Zeichnung ist ein druckfehkr) hat Als sie dise rede sprach, 



ZUM ERACLIUS, 



m 



indeihaß^ die andere Dar si ditze besprach, wo statt 
iz sich von selbst Dft darbietet, der herausgefßer tkut 
ber SU der lesart der einen hs. den fehier der andern. 

BZitff^ Morfea kniet nahe zur kranken kaiserm^ Daz 
ez alle sähen, Niemen irs engunde, Wan si vil wol 
nde Und gnuoG vod erzentea. niemand gönnte ihr dies 
Pfl« weiter kann dies nichts keffsen^ da ^ngunde nickt so 
ft ist als niht engunde)^ denn sie verstand sich sehr gut 
\f heilmitteL dieses 'denn fwan) passt wie die Jktist au/s 
ge. ein aafmerksamer ßitdet von selbst was der heraus- 
fber mit hüfe der sehr kenntlich entstellten lesart von fV 
\tte setzen sollai^ NieiSaan ir des erbimde* statt hier sinn 
die Worte zu bringen iindert er lieber^ um bei dersei- 
fi spalte stehen :sti b leibe n^ 3224 die tadellose wortstel- 
wg der hss., 3335 die gan:, richtige form gester, die 
33 nnangetastet bleibt, 

3430^, Morfea berichtet (in rersen in denen der hei*- 
'sgeber zum theil unnutz klügelt^, zum theil die forderung 
s Verses übersieht) dem Parides^ die kaisetin liebe ihn noch 
ftiger als er sie. Parides antwortet 'Nil hocrich wol, du 
Siebes nie" (wo saohes erforderlich ist), darauf Morfea 
w^cic (L Swic) saon, vernim diu wort Diech von ir minne 
II crhdrt, ohne allen zweifei richtig hat JV^ von ir munde. 
durch wid erlügt Morfea die behauptung^ sie habe die kai- 
v^ nicht gesehen, die hss. haben übrigens das richtige 
tt ich. 

3446 ff^ Si bAt mir gerne gesaget vil, Si fürlite man 
irdes innen, Si niiiesas seliaden gwiuncn. in M fehlt 
me und es ist weder für den tjers nöthig noch für den 
in sehr taugliche das folgende geben die kss, nicht so 
zusammenhangend: mir scheint der indicütiims fürhtet 
forderlich, dann ergibt sich — vil. Si fürhtet, man 
*rde es innen : S6 müeste sie schaden gewinnen, 

3480, Ich westez wol und seiliu daz Ir gneset kurzli- 
e wol, ein fehler statt . des richtigen Ir genssel der hss, 

3518/. Ein guoteu mantel liiczs ir geben, Der dannoeh 
IS genuoc guot, hier ist zu viel des guten, l. Emrn 
Lntel hiez si ir geben* auch tV läfst, in anderer fafsung^ 
oten weg. 
2. R 0, A, in. 12 






178 ZUM KRACUÜH. 

3575. Ab die State, dar si geine reit, was soll hm' 
sUie occasio? L sUI oder Stele. 

3588y*. die kaüerin trug ptirpur. der sluoni ir äzer 
mAzen wol Mit eime borten nich dem site. Da hei si sich 
gegürtet mite Weder ze breit noch ze smal« Mit golde be- 
slagen überal Was ir mantel gnaoc guot, Scbarlachen r6t 
als ein bluot. durch seine interpunction und durch tmpes- 
sende änderung httt der herausgeber den sinn »errüUeU 
nach wol gehört ein punkt^ nach site ist der punkt vu 
tilgen^ nach mite gebührt sich ein komma. dann hat M 
Mit golde waz beslagen al Ir mantel genaoc goot, freilkk 
wohl nicht richtige aber was der herausgeber hieraus und 
aus der lesart von W9 Mit g. b. über al Ir mantel was 
harte guot, zusammengemengt^ ist um nichts be/ser. lie$ 
smal. Mit göid^ besl&gen H. Ir m4ntil genaoc guot, ohne 
verbum, dessen es nicht bedarf, statt hier auf das pas- 
sende aufmerksam zu sein streicht der herxuisgeber lieber 
35d7 in BrAn und ze rehte breit zum Zeitvertreibe die gans 
richtige Präposition^ und 3603/. u)o die federn des kiUes in 
M heifsen Beidia lieht ande breit, Mit golde sp«he beleit, 
in W Und mit golde wol beleit, schreibt er Unt mit golde 
spKihe beleit, weil er, wie in vielen stellen, den richtigen 
vers in M nicht richtig betonte. 

3619 ff. Wes wilda nd beginnen? Gestatesto dich die 
Minne Verleiten als si mangen hat, Daz wirt ein grdeis 
missetät. der accusativus cum inßnitivo rührt vom heraus- 
geber her. fF hat statt der letzten drei zeilen Du solle 
(/. soll) dich baz versinnen, und damit genauen reim, M 
Gestatest da daz dich div minne Verleitet, nicht bedenkH- 
eher als des herausgebers änderung und zugleich genauen 
reim herstellend wäre Gestatest du der Minnen Dich ▼e^ 
leiten. — 3630. Wie tcerschen ich nd gedäht hän. das 
Ow6 das M zu anfang der zeile hat ist nach fV mit recht 
weggelafseni aber das toerlich beider hss. in tcersehen, das 
dem versmq/s nicht b^ser entspricht, ändern ist toitrklieh 
thörieht. l. Wie tcerlioh ich gedieht hlnl 

3711/. Si wante dA ir hende Unt zefuorte ir gebende. 
der herausgeber hat d6, was in den hss. nicht steht und 
dem zusammenhange der sätze nicht recht gemäß ist, u^ 



ZUM BRACUUS. 179 

SU gvfifHr sorge för das versmqß eingeschoben und dnM 
übersehen daß wante (wendete) ohne sinn ist^ mag es in 
den hss. stehen edet von ihm erfunden sein. l. want, -- 
8T34. Der wite Ul nie 86 tiure. Ich erwerme $i noch hiatc, 
so mit W^ aber der punkt nach tiure stört das verstände 
4us^ M hat Ich enwerme^ was den Verzug verdient. *-* 
8769 /. Daz crz bnebte bereit — 3772, Ich färbte, herre, 
ez 81 diD 8pot. die hss, 'haben nicht herre, sondern geselle 
wie 3768, und tch'vermag nicht »u errathen welche grille 
den herausg^ber dagegen eingenommen hat. zum duzen 
passt herre w^ weniger. 

3794 jf. als der diep Dem wirt die want an gehebt 
IJnde im die swellen undergrebl, So geschiht vil lihte schade 
da. was au gebebt (if) hier bedeuten soll weffs ich nichts 
verstehn Iq/it sich abe gehebt (nach W), das ursprüngliche 
wird im gehebt sein. — 3812/ LBk miieze lach gol— vor 
(nicht von) bewarn* — 3846. natürlich ^tant uf, die erste 
pers, phir. ist hier unpassend. 

3851. Si tete schiere uf sän, ein pleonasmm des her* 
ausgebers; in M fehlt schiere, tF hat wohl das richtigBy 
Schiere hei sie uf getAn. 

3866— 70, Dd het der keiser FAca« — Vor der stat 
gesezzen Unz er st gewänne mit gewalt. Des puineger dar 
ia (die hs. da inne, dar inne) entgalt, der unpassende oqt^',^ 
der das ereignis in eine absieht verkehrt^ ist vom herufis^ 
geber erfunden; M hat Unz er si (/. ers) gewan, und dies 
wird das wahre sein, fF Daz ers gewnnen het, wenigstens 
nicht gegen den sinn, ufunm *» gleich daraff nicht mit 
den hss. heifsen durße Es umrden die besten von der stat 
gffangen^ sondern üz der st. geschrieben ward, ist mir ver^ 
iorgen. mit beispielen zu belegen was an sich klar ist wi- 
dersteht mir. 

3968. /. müe% statt müQt^ ebenso A9il. (ü^^r bdre 4919 
ttergl. Lachm, Nib> 1462, 2.) 

4029^ Saget dr4te, w4 ist der man — ? statt wa ohne 
circutußeäP zu Iqfsen^ sagt der herausgeber in der anmer^ 
kung 'ob weist? doch vergL 4037' (Saget dr4te wä er si)» 
l^er habe ich nur die gegen/rage zu thm, ob weist soviel 
smn soll als wer ist,— 4034, 86 Ut in, herre, ie genesen. 

12* 



180 ZUM BRAGLHJS. 

das leidersinnige ic gehört dem hermugeber, der nicht ver- 
stand den vers xu lesen. — 4070. Des hdl si allen ans 
verjehen. die unmhd. wortstelbmg ist gegen die hss.; lies 
Des hdts uns ill^n verjehen. ebenso falsch ist 48S3 Si 
heten alle sich zeslagen, wo aus der hs. sieh leicht Si he- 
ten sieh &lle z^rsl&gen ergibt. 

4135\^4 Ldt si behaben den selben man, Sitirgot niene 
gan Eren and hdhes maoles nameif. bei der zweiten zeile 
fragt der herausgeber nnnUhig fehlt doch?' er hätte sieh 
lieber fragen sollen was die dritte zeile bedeute, maotes 
ist nichts als ein fehler in M, die Grozzer eren a. h. muo^ 
tes namen hat. dafs etwas xu streichen war lehrte der 
vers, dafs muotes getilgt werden mäste hätte der sinn tmd 

der vers lehren sollen, l. Gr6zer Are und hAhes namen. 

4166 kann es nicht heifsen äf keisers bette, da der gedanke 
kein allgemeiner ist, sondern das uf des keisers der hss, 
läfst sich nur in äf skeisers ändern. — 

4254. sftre missetät er an. xwei Sprachfehler in einem 
verse. die hss. haben dar an : /. dran. s. xu 576. aber 
ich bezweifle dafs sie missetot haben: wenigstens muste 
der herausgeber misselet oder missetete schreiben. 

4265. Ez ddhte michel wunder (Sagioh la besander^ 
Wie der gezierel wa?re. nicht viel befser als sinnlos, lies 
Ez diuhle m. wnndcr, Sagte ich ia besander Wie der himel 
gezieret w«re, rfe»« himel ausxulafsen ist kein genügender 
grund vorhanden. 

A4Hff' Manec zeichen ande van Ze den selben stan- 
den Wart dar an gebanden. hier hätte einmal der heram- 
geber, der so oß das unschuldige dar streicht, recht ge- 
habt xu xweifeln. ich denke es mufs heifsen W. d6 an 
gebanden oder Wart an gebunden. — 4464. /. dr«te. 

4484. Man sach da mancgen gebären Der da heime ger- 
ner waere gewesen. Der zage triuwet niht genesen. Swenn 
er den viant ansiht (/. an siht), so stellt er sich froh, aber 
es üt ihm anders xu mute, der Zusammenhang lehrt dq/s 
ilofses gebären dem sinne nicht genügt, aber die schuld des 
unvollständigen gedankens kommt auf den herausgeber, von 
dem manegen herrührt: M Afff mannichleich. er hätte der 
vorhergehenden xeile durch die volle form ande xu ihren 



ZUM ERACUUS, 



1dl 



T hi'htmgen vtrhe/fen salien^ und dann sehtmken 
M da iiianliclie geboren Der (^ den der) u. b. uk W hat 
? stelle erwmia'U (tbev so daß sie den UHerläJklivhen 
m nur noch de fi fit eh er itmvht^ 

45(iHj\ Gedenkt in iwerni maote, Durcü wen ir A/.ka;' 
't llnt daz kriuze nut*jueL. L Ü2 kernet i näniet. 

AS^iß Erg^i «äi^^l^T 1^*^'^ ^a^ rätich dir, So niöfitd fri- 
m noch dm lebeu. die imform mötitu ist vom herausge^ 
f*i die hs. hat moblc du, worin inabt du so leicht su er- 
mnen war daß es der hermtsgeber seihst 4877 in dem 
ohtv der hs. gefunden hat* statt sich hier jsu besinnen 
\e di^ 2e pers. vonj\ praet. keifst^ fügt er Heber ein sehr 
tbekrliches nocb ans cigeNrn mitlein hin^u und thut ^u 
t58 und 4872 ein paar unniUze fragen und ändert 4871 
u riehtiges erlic in ein unriehtiges lie. — 4878. Touf 
ch> werde tristen, die hs. hat T. d. vnd w. kr* befser 
ko Tonf dich und wirt krislen. — 4888 ist listen Jwr lei- 
en ein starker fehler. 

5000/: Er bM deheine lougen Uut bot gole gDäden 
in Als eiü schuldiger man, sinnlos. L Und bal got genä- 
511 ääa. es folgt Des pflager unz au die stunt — Daz ist 
QS von den buodjen kunt, Daz got die sinea nie verlic — üaz 
tre von eitiander gic Aber, daz selbe buretor Unt stuont 
aen als du vor, auch dies ist ziemlich vermWi, /. Daz 
an ein ander gie Aber daz selbe b. u. s. w. 

5047 jy. Anastasins voek, Swer den hiuLe an leit, Ist 
az cm eine wile treit. Mit dem üevel bevangen, Als oftc 
\i ergangen, Sä ze der selben stnut Wirt er ledic unde ge- 
^nt. viel verständiger die hs. — Ireit Und mit den lievel 
;t bevangen^ Als ez ofte ist ergangen w.j.w. — 5057 t^er- 
ingt wcrlde den artikel den ihm die hs^ gibt. ^ 

Diese bemerkungen berühren was von Störungen des 
(nnes beim ersten lesen der ausgäbe des Eraelius anjßel, 
nd nur gelegentlich andere irrthümer. die grammatischen 
längel dieser ausgäbe, die nachläßige und oß sinnwidrige 
nterpunciion, die verstoße wider das versmq/s. bald mit 
len haudsehrißen bald gegen sie, die maßlose willkür db^- 
Jüßiger änderungen und einsehaltungen und unnützer oder 
ehädlieher orthographischer künsteleien, die imk-riiisehe 



\^\ 



182 ZUM BRAÜLIUS. 

v0rmengung der leiortm beider handickr(/ien, lUe Mckwmn-- 
kende unncherheit in Hehem dingen, dieses alles mit eint-- 
fter volUtändigkeit darzulegen fehlt mir die gedutd. 

HAUPT. 



SPICILEGIEN ZUR DEUTSCHEN GRAMMA- 
TIK AUS DER KELTISCHEN. 



Unser deutsches hilfszeitwort sein entlehnt seine fbr* 
men bekanntlich von vier verschiedenen wortstämmen» das 
gothische hat nur drei derselben^ deqn die ahd. formen pris. 
1 sg. bim^ 2 sg* bisi, 1 pL birumSs, 2 pl. b(rut haben loa 
gothischen nichts analoges, ebenso kennt das altnordisohe 
nur die drei stamme des goihisohen« dagegen stimmen mil 
dem althochdeutschen nicht blofs das mitleUioohdentsche und 
neuhochdeutsche, sondern auch das altsSchsische angelsäch« 
sische altfriesische mittelniederdeutsche nenniederdeutsche« 
mit einem Worte, in den östlichsten sitzen, östlich der 
Weichsel und des Sundes, ist der eine stamm von welchem 
ibnnen fSr unser hilfszeitwort entlehnt werden, nicht su &h 
den \ er ist auf das eigentliche Deutschland und auf das von 
da Ans bevölkerte angelsächsische land beschränkt und scheini 
demnach erst neuerdings, nachdem die deutsohen stamme 
westlich der Weichsel in ursprünglich keltische lande vor-* 
gedrungen waren, in die deutsche Sprache gekommen zu 
sein, erst in folge stärkerer, längerer mischnug« 

Diese Vermutung wird zur gewissheit erhoben, wenn 
wir in betrachtung ziehen dafs diese formen in einem der 
alten dialekte auch von der seite der bedeutung in auffal^ 
lendster anomalie dastehen, im angelsächsischen nämlich wird 
das einfache lateinische präsens sum es est immer nur über» 
setzt durch eem eart isy dagegen die daneben stehende prä- 
sensfftrm beem bist bid hat immer eine conditionale oder 
ftitufiSche nebenbedeutungi ich sollte wohl sein, ich werde 
wohl sein, ich werde sein, ich bin wohl, die anderen dia^ 
lekie können diesen unterschied nicht mehr so scharf hal- 
tea^ weil sie die doppelten formen des gotbiacheu im und 



ZUR DBUTSCHBN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 1S3 

des deutschen bim nicht so vollständig neben einander zei- 
gen wie das angelsächsische eom und beom; doch fühlt sich 
selbst in ihnen noch zuweilen die bedeutangsnnanee der von 
bim abgeleiteten formen hindurch. 

Merkwürdiger weise hat nun das gälisohe, das sein hilfs- 
Zeitwort Jinch aus vier stammen bildet, nicht nur die mit 
dem Infinitiv beith zusammenhängenden formen in der art 
als die in ähnlicher weise vorhersehenden wie das deutsche 
seine mit wesan zusammenhängenden formen, sondern gerade 
die conditionalen formen des gälischen beith fallen auch ganz 
mit jenem ags. beom, alts. bium, altfr. bem, ahd. bim zu« 
sammen; nämlich der irländisch -gälisohe conjunctivns prae- 
sentis lautet 1 bidhin me, contrahiert bkim, 2 bhidir, 3 bhionn, 
der gäUsche conj. futuri 1 bhiom 2 bhiann tu^ 3 bhionn se, 
der gilische consuetudinalis ^f. 1 bim^ 2 bidhir, 3 bi oder 
bios und pl. 1 bimaoid oder bidh sin (spr. bünöd, bishin)^ 
2 bithidh (spr. bih£)^ 3 bidhid (spr. bijid). ganz analog, 
nur in den formen dem deutschen etwas femer liegend, ver- 
hält sich das wälsche hilfszeitwort bod, welches dem gäii* 
sehen beith auch darin entspricht dals besonders die formen 
welche etwas conditionelles andeuten sollen diesem infini- 
tive entlehnt sind, als beispiel fähren wir den conjuncti* 
vus praesentis und das erste futurum an, wobei wir bemer* 
ken dab das auslaatende v ein ursprüngliches m ist. 

conj. praes. 

sg. 1 byddwjfv (spr. böduöw). 2 byddwfft (spr. böduöt). 

3 byddyw (spr. bödou). 
pl. 1 bydJdym (spr. bödöm)» 2 byddych (spr. bödöcA). 

3 byddwynt (spr. boAsönt). 

futur. primum. 

sg. 1 byddttv (spr. bodaw). 2 byddi (sps. b'ödi). S byddm 

(spr. böiä). 
pl. 1 byddwn (spr. bödun). 2 byddwch (spr. bödueh). 

3 byddant (spr. bödant). 
Es ist deutlich, unser bim bist bimmSs birut ist mit ei* 
nigem eingreifen gewöhnlicher deutscher flexionsformen ans 
dem kdtiichcte bim biähir hios u. s. w. entstanden. 



184 ZUR DBUTSCHEN GRAMMATIK AUS D. KELTISCHEN. 



Eiu im deaUcbea aller regel trotzendes und in seiner 
anomalie unerklärtes zeitwori ist thun. tuch dies aber scheint 
ein fremdiing nnd zwar ebenfalls kelüseher abstammung zu 
sein, weder Gothen noch Nordländer besitzen das wort; 
nur damit zusammenhängende Substantive, gothisch deds nnd 
dMja, altnordisch ddd, haben sich eingeschlichen, wie denn 
snbstantiva immer leichter und eher in fremde sprachen auf- 
nähme finden als rerba. es kommt hinzu dafs sich die ano- 
malien in den flexionen dieses Wortes in den einzelnen dia- 
lekten nicht auf ein gemeinschaftliches älteres, zu gründe 
liegendes, zunickführen und wenigstens unter sich in ein- 
klang bringen lafsen, so dafs auch nach dieser seite das 
wort als ein fremdiing erscheint, den jeder dialekt, indem er 
ihn (vielleicht aus verschiedenem keltischem dialekte) an^ 
nahm, nach eigener, abweichender bequemlichkeit handhabte. 
Das Wort ist aber kein anderes als das gäljjsche j^^ff 
thun, machen, arbeiten, wovon einerseits dan oder duan das 
werk, die arbeit, die that, das gedieht (dieses wort findet 
sich auch im wälschen), dana oder danach arbeitsam, un- 
ternehmend, kühn, thatkräftig; andererseits daith kräftig, 
arbeitsam, schnell, gewandt, dtiad die arbeit, das machwerk, 
duadmhar arbeitsam, duaidh facinus (zunächst kämpf, an- 
strengung, dann in schlechter bedeutung unthat, übel) abge- 
leitet sind, dafs das n des Stammes vor den dentalen weicht 
ist eine den deutschen dialekten mit den keltischen in ho- 
hem grade gemeinsame erscheinung. dem gothischen d^dsy 
altn. ddd entspricht zumeist das gH&^Yit duaidh. 
^ Am nächsten entsprechen offenbar den gälischen formen 
^'' noch die des schwäbischen dialektes, wo (in den ehemali- 
gen agris decumattbus) wohl auch eine dem gälischen zu- 
nächst kommende keltische mundart, nämlich, wie es scheint, 
die gallobelgische, gesprochen ward, die Schwaben conju- 
gieren in einigen gegenden präs. ind. sg. 1 ich thua, 2 du 
thuaschty 3 er thuat^ pl. 1 mar deand, 2 ar deand, 3 sei 
deand. conj. sg. 1 ich thät, 2 du thätescht, 3 er thäi, 
pl. 1 mar dhätat, 2 ar dhätat, 3 sei dhätat. inf. thua. 
part. prät. thaun. H. LEO. 



185 



VERSCHRAJVKUNG DER ALLITERATION 
IM ANGELSÄCHSISCHEN. 

In der feierlichsten stelle des ags. gedichtes Judit h^ in 
dem gebete Judiths welches in dem zehnten gesange vor- 
kommt, ehe sie den Holofernes erschlägt, finde ich ein Ver- 
hältnis der alliteration auf welches ich bis jetzt noch in kei- 
nem anderen ags. gedichte aufmerksam geworden bin; näm- 
lich die beiden durch Stabreime verbundenen vershäUten 
enthalten zwei buchstabenreime, aber so dafs nicht jede hälfte 
ihren eigenen reim hat (wodurch sie auseinander fallen wür- 
den), sondern so dafs sich beide h'älften in beide reime thei- 
len und diese sich also verschränken, ich setze die stelle 
her, und gegenüber die reimbuchstaben, um die beobachlung 
deutlicher hervorzuheben, die wohl eine weitere beachtung 
verdient. 

-f-s I -f-s 



b f) — I b — V — 

m — / — I m — p— 



IC pe, frymäagod andfröfre gcesty 
beam alvaldan biddan ville .* 
milise pinre me pearfendre, 
Prinisse prym ! 

Dafs diese feierliche, schwere reimconstruction nicht zu- 
fällig, sondern absichtlich ist, sieht man aus der zu ihren 
gunsten aufserordentlich von der natürlichen abweichenden 
redeconstruction. denn diese wäre ganz einfach folgende, 
frymäa god and fröfre gcest^ ic beam pe alvaldan biddan 
ville : miltse me pearfendre pinre ! prinisse prym ! gotl der 
Ursprünge und tröstender geist, ich, ein kind, dich den all- 
mächtigen bitten will : sei gnädig mir der bedürfenden dei- 
ner, o der dreieinigkeit herrlichkeit ! miltse kann hier nicht 
als Substantiv genommen werden; es ist eine conjunctivi- 
sche contrahierte form (für miltsige) welche für den impe- 
rativ miltsa steht, wie das ganz ähnlich häufig bei verbis 
zweiter schwacher conjugation vorkommt.* 

H. LEO. 

* [aber die überschlagenden reime im Hildebrandsliede und im 
lleijand s. Lachmann über das Hildebrandslied s. 14. Hpt.] 



;.;2i. 



186 



ZUR THIBRSAGE. 



KLEINIGKEIT ZUR DEUTSCHEN 
THIERSAGE. 

Nachdem sich die benennon^eD des hahns und hubns 
in der malb. glosse der lex salica erwiesen haben als die 
originale zn den in französischer Übersetzung in der thier- 
sage auftretenden namen Ckanteclins und Ckanteclersy lag 
der gedanke nahe, zuzusehen ob nicht mehrere von den al- 
ten noch unerklärten übrigen thiernamen der sage vielleicbl 
geradezu keltische sein, das ergebnis des Versuches ist fol- 
gendes. Salaura ist name einer sau. gSlisch bedeutet tat 
schmutz, rost, schlacke, unrath aller art und salach 
schmutzig, kothig, ear aber heifst der köpf, da nun die 
malb. glosse überall den Übergang des gälischen ed in bel- 
gisches Oll zeigt, ist sal-aur schmutzkopf, kothhaupt, und 
Salaura gewiss ein passlicher name für die sau. — dürfte 
man in dem namen Karchofas das auslautende s als la- 
tinisierte endung ansehen, so läge auch bei diesem namen 
die d^utung nahe; denn die Galen brauchen das adjectivum 
gearr (wofür malbergisch ohne zweifei car oder kor stehen 
würde, wälsch lautet das wort cor) bei thiernamen, z. b. 
ßadh das wild, der hirsch, gearr -ßiiadh (eigentlich klein- 
wild, zwergwild) der hase. da nun cabhar oder cobhar ein 
veralteter ausdruck. zu bezeichnung des pferdes ist, würde 
gearr 'chobhar (spr. garchovar) zwergpferd bedeuten und 
hier also der esel zum pferde in ein ähnliches Verhältnis ge* 
setzt sein, wie der base zum hirsche. H. LEO, 



ZUR GUDRUN. 



i \ 



;ii 



593, 4 (2374). daz volc ist übermüete : Chaudrun mag ouch 
sy verschmähe, was man hieraus gemacht hat^ Kudrün 
mac ouch si versmsehen, verstehe ich nicht, ich ver- 
mute Gudrune mHgen waene ich si wir smsehe. vergL 
606, 2. 3 (2424y*.) dA er sich versan daz si ndch minne 
füeren, d6 het man si vil sma;he. 

863, 3. 4 (3456y.). lies ouch hete er under brünne von 



ZUR GUDRUN. 



m 



vil ^Doten stden von AbaÜe ein bemede. dte As. aucb 
bette vnnder der br. und von Ab. an bemede. 
1037, 1 — 4 (4147 ^t) ites Si woltens baz versuocbeo. ze 
bove bie2 man gän die vil scboenen Ortrün, ein maget 
wol getan, die lolte mit ir ztibten, si mit ir gesinden, 
eines gnoten. willen die armen GAdrdn tiberwinden, dia 
hs. hat frawen statt Ortrun. die fahche interpuncäon 
der herausgeber bedeckt den fehler. 
1099, 1—4 (4397 jf.)- lies St sagten im ir dienest trittwc 
unde gnot; swie d& der recke dar umbe Wttre gemnoi 
od swen er siner manne dar wolte bringen, si sollen 
herverten hin zOrmanie von den Hegelingen, die ks. 
wie — darynn — oder wen — heerferten hin zun Hege- 
lingen. es ist vom übel da/s die herausgeber, unge- 
warnt g, b, durch fVolframs Gaschier derOrimanjP«£r;s* 
46, 20 neben von Normandie Gaschier Par». 25, 14, 
die ßurmen mit N überall durchsetzen, denn 1626, 4 
(6508) ist die voeaUsoh anlautende form durch den vers 
gesichert, s6 wirt dir zOcmanie ein ricbiu kröne. 
1227, 3 (4911). lies der ander heizet Ludewic von Onna- 
nie riebe, die hs, v. 0. der reiche, ebenso ist iSl2^ Z 
(5251) zu verbeßem in Ormante [die] riebe. 
1434, 4 (5740). lies Af dem Wtilpensande du lieze miner 
beide vil verbouwen. die hs. deiner, aber Herwig muß 
von dem reden was Ludwig ihm zugeßigt, nicht von 
dem was Ludwig erlitten hat. 
1454, 8. 4 (5819/.). lies si kandenz nibt verenden, in zo* 
wetes harte kleine, si sähen ab der müre werfen mit 
manegem lassteine, die hs. in z&met es h. claine. 
1484, 4 <ö940). lies wir sin her von Sftwen. nA sagt uns, 
maget, waz sfil wir in dienen^? die hs. wir nu dienen. 

HAUPT. 

ICH WEISS. 



Ih weiz her imos 16n6t, »u anfange des Ludwigsliedes 
aus der handschriß glücklich an den tag gebracht^ istßr- 
melhafle redensart.^ ih weiz iz got worabta Otfr. 1, 1> BO. 
ih weiz thie boton rietun *!, 27, 69. ich weiz er ime dft ge- 



\M 



'•4 




I iM 



1. I 



188 



ICH WEISS. 



biez genens (Jundgr, 2) 27, 41. ich weiz er in vcrvluo- 
chete 28, 42. ich weiz er ime dien6te vil wundem gnöte 
37, 3. ich weiz er si vil minnechliche chuste 41, 32. ich 
weiz in got ane rief 45, 36. ich weiz er des gedähte 47, 36. 
ich weiz er naht unte lach sineme vater ane lach 49, 37. 
ich weiz si ime geswigten 53, 30. ich weiz mich beduhte 

53, 32. 59, 45. ich weiz si in allen gähen chonflüte sähen 

54, 31. icj weiz er in ane watet einen sahen guot 61, 13. 
ich weiz er ime zelen began al diu wort diu er vemam 
exoi/tr« 95,31. ich weiz er chunt im Ado^ Antichrist (Jvndgr. 2) 
107, 32. ich weiz sie die vrowidi douwent die si haptin 
unrehti 120, 38. ich weiz iz himel unt erde sam irgät 
130, 21. ich weiz er sich an in richet 133, 16. ähnlich 
ist in dem Hede auf den heiligen Georg 28 dhaz weiz ih 
daz ist alewär, üf erstuont sih Georj6 sär (: dhär) und in 
dem Hede van der Samariterin 2 ze untarne, wizzun thaz, 
er zeinen brunnon kisaz. in der eigentHch mhd. zeit ist 
das adverbiale und formelhaße ich weiz atffser gebrauch 
gekommen. HAUPT. 

KURZIBOLD. 

In Christian Weises abs urda cpmica (aufgeführt in Zit- 
tau am 12n februar 1682) heifst es 3, 10 s. 325 Ich bin 
— Stärcker als der Schweppermann, Muthiger als der 
CurtzipoltZy Darum bin ich auch so stolts. ScLwepper- 
mann ist durch das zum Sprichwort gewordene Jedem ein 
ei, dem tapfem Schweppermann zwei noch heute unter dem 
Volke wenigstens dem namen nach bekannt, von Kurzibold 
kann Weise, in Goldasts Eckehard (Pertz 2, 104) gelesen 
haben: denn bei dem fortsetzer des Regino zum j. 948 
steht blofs Conradus, qui Curcipoldus dicebatur, ßlius Eber- 
hardi, vir sapiens et prudens^ obiit, ohne erwähnung seines 
kühnen mutes. aber er pflegt sonst in seinen lustspielen 
nicht gerade gelehrsamkeit dieser art zur schau zu tragen, 
und er muste bei seinen zuhörern Verständnis voraussetzen, 
daher kann ich mich der Vermutung nicht erwehren dafs aus 
den untergegangenen liedern, die im 1 In jh. Eckeh ard kannje % 
noch im 17n der name Kurzibold sprichwörtlich dauerte. 

HAUPT. 



; 



tm 



CHAUCK 

In dem namen devChatiei scliwaiikt die Aspiration zwj- 
icben der erste» und der zweiten silbe«. doch scheint Chauci 
befser bezeugl als Cttucki. bei Tacitus ist in den anrialen 
alle sieben mal ükauci üherlierert, in den hislorien bat die 
liandscbnlt das eine mal, 4,79, Caac/iä^ das andere, 5,19, 
Chatitomm^ in der Ciemiania 35 gibt Poulanus abscbrin 
zuerst Cmcorum^ darauf Chauci\ im rolgcnden capitel scheint 
sie wieder Cai/comm zu haben, wenn Plolcmaeus wie Cas- 
sius Dio nnd andere A'fwxot seh reibt, so scheint mir daranf 
wenig zn bauen, er schreibt zwar richtig Xmctij Xai^Gt-- 
(Tixo/, aber danchen, worauf Zeufs s. 139 mit recht aufmerk- 
sam macht, KatHtvoi, AfmovttfjoL nnd gerade bei Atw^oi 
läfst sich Verschiebung der aspiration leicht begreifen, da 
)iuvK keine griechische lau tverbin düng ist, zu der umgekehr- 
ten Stellung der ce>rison;mten aber xuvyua&iu leiten mochte, 
bei Lueanus und CLiuiÜanus sieht Caucus Caucis Caiicns 
dreisilbig mit langem // : aber dies ist sicher gegen die ur- 
sprünglicbe ausspräche, und dafs die asptntlion ganz fehlt 
hat deshalb kein grofscs gewicht weil das Latein aspiriertes 
c im anlaute nicht kennt, vom inlaute ist es nicht völlig 
lUigeschlorsen, so dafs die Schreibart Cauci eher gegen Can- 
cW als gegen tÄff/zt? slinimt, die Aßi^^coi die Ptolcmaens un- 
ter den hibernischen Völkern aufzählt lafse ich aus dem spiele. 
Die von Zeufs versuchte ableitung des namens will mir 
nicht zusagen, er stellt die Chmici nnd die Xt^üvl-Aot A"«- 
InvKißivirq Vhühiici und die Xt^vSni Cavfones ^viones etymo- 
logisch zusammen nnd leitet diese namcn von hauan in der 
itnbezeugten bedeutung Kämpfen, mir ist eine andere weise 
den namen der Chanken zu deuten in den sinn gekommen : 
ich theile sie, wie sich von selbst vecstehl, nur als einen 
einfall mit* Pliuius erzählt U^, I sunt vcro in septcntrione 
vism nobis Ckmicorvm {gentes)^ qui maiores minoresqne 
appeiiantur, vasto ibi mtmlu hU dierum noütlnrnque mter- 
vaids ejfmiis in immeftsum agüur Oc(*anus^ a^Aernnm ope- 
riens rerurn naturat^ vantrovernam^ dtthmmquv terrae sfi an 
parle in inarh, iiliv misera gens innmlos ohiinet altos mü 
tribunaUa sirncla manibuif ad v^rpv.rimenia (illisdmi avstus. 




190 



CHADCI. 



I ''am 



1. > 



I 



,< * i 



COM ita impositiSf navigantibus similes cum integant aquae 
ctrcumdata, naufragU vero cum recesserint wie wenn das 
voik von den bügeln auf denen es wohnte den namen hätte? 
kaugr ist altn. coUis, tnmalns. ahd. kommt das wort nicht 
vor, wenigstens kann ich es bei Graf nicht finden ; aber 
mhd. ist houe vorhanden und nnser nhd. kügel^ wenn es nicht 
aus kiU^el enstanden ist, wird zu derselben Wurzel gehören. 

HAUPT. 

EXPERIMENTÜM IN DÜBIIS. 

Experimentum in dubüs. io equinoctio martii in prima parte 
noctis hoc oportet fieri cum psalmis et orationibus. primum in* 
quire ubi tu argillam invenias. cum exire yplueris de domo vel 
de ecclesia ubi eris, incipe Pater noster. deinde Credo in 
deum. in via vij psalmos die, si forte alicui obviaveris, nun*» 
quam ei respondeas. quando venies ad argillam, pones talum 
dextrum super illam et dices contra orientem 'Syos', contra 
meridiem 'Syos% contra septentrionem *Syos\ ad orientem 
iterum 'vis eterua, innumerabilis potentia, vera rerum preseu* 
tia, supplex posco tuam clementiam, ut cuiuscunque rei fidem 
huic terre mandavero, falsitatis excedat dubietas veritatis re* 
tardet* eventus.' tunc accipe artaum**, cum manubrio albo ei 
incide terram circa talum ; remoto pede fode, ut tibi sufficiat, 
cum acceperis, die 'te deum laudamus.' postea 'gloria in excel* 
sis deo/ bic finitis recede» cum necesse fuerit experimentum 
beere, accipe duas cedulas. in una scribes Est, in altera Non 
est, et include quamque per se in parvo pastillo illius terre. 
deinde accipias cifum plenum aqua benedicta et pones inter 
iUos pastillos. dicens 'in nomine patris et filii et Spiritus saneti, 
amen' et die quisque vult 'gloria, deus qui corda/ cum autem 
pones pastillos in aqua, dices band adiuralionem, 'adiuro vos 
breves interreatos per nomen Eloy et seniorem Moysi, ut hu* 
ins re (/. rei) mihi veritatem ostendatis.* et nota bene ouius 
cednle terra primo tibi venerit; illa enim tuam dubitationem 
certificabit. 

Aui einer in Frankreich im \in oder iin jh, geechriebe* 
nen Er/urter handschr(ft. 

" retardet, zurückbleibe, 
** miifkereheriy s, J)u Freene un$9r artAvdi. HAUPT. 



MI 



ALTE BCCIlliXiNÜLERAIXZEIGE. 1 >'-' ^ ^^* 



Addumg iU t^tff.) md genamr mt&m (t- 40«) 
habm Ptm fh*r erxtm sr/tr d^r in den PUTzig-^ fnhrrft drs 
\^H JL g^mtßitiefjfmm Ueideiiwrgrr ks, 314 ew verzeichm 
pun dtutschen bikheVFi miigethviii dh zn Hagenow py I*K' 
poW Ijiber sdireyher lerer die ktoder {ein M^pki sn ^.fi*^-^^M 
4, 755, 96») zu haben wnrvn. nbjtchriß ei^e^ uhnürhen 
perzeichiüses^ van drm xtirn/j/niitf einer ^Mcks^eiiig'eM Spt- 
tmer hu. trt^khe die legende der heiiigm drm kUmge ent- 
hiih^ habe ich vor jähr va durch die gute des hen*n cmitts 
dr Gott Heb Friettinmder trhattm. indem ick dieses ecr^ 
zeicknü hier ahdrueken lajse ßige ich sm' bequerniivhkeii 
zahtm hinzu. 

Uem, welcher Hnude bvicher man geroe bat, gros oder 

kLein, gcisUicli oder wellltcli, hiibüh genioU, die Bndei mim 

alle bei Dieboli Louber schriber in der biirgc zu Hagenow. f^^^tm^^ 

l Ilem das grosse buch geuaiiat Gesla lioman. u. sag*^t ^^- ^* ,ä< 



y^ 



waa zu liom gesdieben etc. 




Vita christi, 

die xxiv allen gcmolt. 

e* gercymte bibel. 

d. Hitler IL Wigalois, 

Wolf Dielricli gcmoU. 

d. ganze Paäsiotial leben, will I erteil ii. 5^uin inerteil 

2 biicber. 
Episteln n. Evaiigelieu durch das jar. 

Wilhelm v, Orliens getnolt. 

Her Ivan u. Her Gobbin \i. kutiig Artus gemoH 

der H. dry Uuntge buch gemolt, 

ParciFal gemoLt. 

süben meyster Bucher gemoU. 

BeiÜEil gemoU. 

d. witfarn rittefi 

d- grosse Troye gemolt* 

17 — d. hymmelslrasse genannt d, welsche gast. 

18 — d. zehcn j|cbot mit glosseiu 



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8 

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10 
11 

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13 

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ALTB BUCHHANDLBRANZBIGE. 



20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

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32 

33 

34 

35 



i ' 



Item Von einem getrawen ritter der sin eigen herize 
gab umb einer schönen frowen willen. 

— ysopus gemolt. 

— gnte bewehrte artznien bncher. 

— Frigedang. 

— pfaffe amyfs n. säst deine bette biicher. 

— d. Rosencrantz. 

— d. Ritter unter dem zuber. 

— gemolte lofsb ücher. 

— d. s^en trost. 

— Von dem ritter Sant Alexins. 

— Sant Anschelms Frow. 

— d. kunig von Frankrich. 

— e. Keiserlich rehtbuch. 

— Trislram. 

— V. Sant Gregorius dem sünder. 

— morolf gemolt. 

— ein salter latin u. tütsch u. sust andere. 

f^on diesen büchem sind in der Heidelberger hs, die fol- 
genden verzeichnet y 1. 12. 34. 9. 13. 14 (Item der acker- 
mann vnd belyal gemalt). 7. 11. 3. 32. 16. 5. 

Der witfarn ritter (15) ist vielleicht die retsebeschrei- 
bung Johanns von Mandeville. — den tiiel diu himel- 
sträze, genant der welsche gast (17) hat aus einem biicher- 
Verzeichnisse Diebold Loubers^ ich weifs nicht ob aus dem- 
selben, bereits fFh. Grimm angeführt, Gott. gel. anz. 1835 
s. 419. ich bemerke hier gelegentlich dafs unter den bü- 
chem die im j, 1436 sich in der Ordensburg zu Königsberg 
unter aufsieht des ordensmarschalls befanden auch der 
wälsche gast war, s. Voigt, Johann von der Pusilie s. 18. — 
die geschichte von dem treuen ritter der sein eigen herz 
gab um einer schönen frauen toillen (19) ist vielleicht das 
berzmaere (von der minnen in Müllers Sammlung hinter dem 
Parzival s. 208 J^.) — auch der sfelen tr6st (2^) war unter 
den büchem der Königsberger Ordensburg. 

HAUPT. 



/; 



f 



193 



DIE SAGE VON DEN NIBELUNGEN WIE 
SIE IN DER KLAGE ERSCHEINT, 

NEBST DEN ABWEICHUNGEN DER NIBELUNGE 
NOTH UND DES BITEROLF. 

(VERGL* LACHMANN ZUR KLAGE S 29i.) 



DER HOF ZU WORMS. RRIEMHILD IST MIT SIEGFRIED 

VERMÄHLT. DER STREIT DER KÖNIGINNEN. SIEGFRIEDS 

ERMORDUNG. 

Der buipindlscbe könig Dancrat (13) hatte mit seiner 
gemablio Ute (14) drei söhne, Günther Gemot und Gisel- 
faer, und eine tochter, Kriemhild. die drei könige behersch« 
ten die weiten ererbten lande (13) und besafsen alles in 
fülle was reichen königen zukommt (15 f.). Günther war 
mit Brünhild vermählt und erzeugte mit ihr einen soha 
(1726. 1822. 1885. 1997. 2001. 2038 und sonst), dessen na- 
me nicht genannt wird. Gemot war wol gewahsen an 
grwze und an lenge (964 f.), so dars, als man die todten 
nach dem kämpfe aus dem saal trägt, für ihn die thür zu 
eng ist (965). auch Giselher der junge, dessen milte ge- 
rühmt wird (897 f. da» galt git na nieman sam du tcete), 
war von kräftiger gestalt ; denn als man seine leiche auf- 
hob, war sie den hebenden zu schwer und fiel in das blul 
zurück (9 17 f.). das bei wort der ungehiure (776) mag sich 
blofs auf den kämpf beziehen, die könige herschen zu Worms 
am Rhein, ihre unterthanen heifsen Burgunden, einmal wer- 
den sie die stolzen Rheinfranken (152 vergl. Bit. 9729 und 
Franken Bit, 5965. 9310. 9733. 12123) genannt und einmd 
heifst Giselher der vogt der Nibelunge (771). der name 
iVtÄc/img^c kommt aufscrdem nur noch einmal (1713) vor und 
wird dort den früheren besitzem oder hütem des Schatzes 
beigelegt, von den beiden am hofc zu Worms begegnen uns 
folgende. 

Z. F. D. A. m. 13 



i 




194 Die NIBkLUNGBSAGB IN DER KLAGE. 

1. Hagene von Trongc (545.710. 1938), der überhöre 
(115. 579), [im kämpfen anersättliche (1760)], Günthers 
mann (1950). auf Hagens frühem aufenthalt bei den Hen- 
nen (vergl. N. N. 1120. 1141, 4. 1359,4. 1464, 3. 1597,8. 
1*693 — 95* 1734 — 36) wird nicht angespielt ^ auch dafs er 

I mit dfen kbiiigen verwandt sei weif« das gedieht nicht (N. 

N. 841, i. 1073, 8. BiU 2768). 

1 2. Daukwart, marichall (719), Hagens bruder (708. 653) 

* und wie er den Burgunden unterthan (1183 f.); der dichter 

des Bit. ketini ihn nt4;hl. 

3. Volker von Alzey (681. 1911), der spielmann (696. 
905. der spcehe videlcere 207 wie N. N. 1697, 2, dervid. 
699), der aus freiem geschleohle stammt (697 vergi« N» N. 
1417) ttttd nach 679 f. dns liind am Rhein mit Günther 

t besitzt; nach 11 83 f. jedot;h sind die Burgunden seine her- 

'! ren^ au^h er ist dem Bit« fremd. 

4. SindoU, der schenke (1870; im Bit. 10357* 11902 
truchsefs). 

I 'TV, 5» Rumolt, der nicht in Worms, soAdem dd keime in 

V :|I7 dnem krnde wohnt (2007), doch Günther untergeben ist 

' I (200$), und dessen treue gegen diesen weit bekannt war 

(2000 f.). dafs er je ein amt am burgundischen hofe ver- 
waltet hübe (in N. N. und im Bit. ist er küehenmeister) 
t £ I erfahren wir nicht. — Hunolt, in der N. N. kämmerer, 

\ Jfl I iJ im. Bit. schenke, wird nicht genannt ; ebenso wenig Orlwin 

und die beiden markgrafen Gere und Eckewart. 

Kriemhild diu edele und diu milde (35), die von Dietrich 
noch als leiehe ihrer Schönheit wegen bewundert wird (388; 
über ihr alt^ in der N. N. vergl. Wh. Grimms heldensage 
s. 64, in der klage finden sich jene Zeitbestimmungen nicht)^ 
and von der sie jemand mit recht übel reden konnte (76 f. )^ 
war mit Siegfried, dem söhne Siegmunds (60) und der Sie- 
gelinde (62; vermählt. Siegfried war so stark dafs er wohl 
alle länier hätte unterwerfen können (53 — 55), vergl. N. 
N^ 22, 3» 102) 4. 1671, 3); von seinen jugendthaten börea 
wir nichts, ebenso wenig von seinem aufentbalt bei Etsel 
(N. N. 1097, 3. Bit. 9471—9495), von dem beistand den 
er Günther zur erringung der Brimhild geleistet hat oder 
von seinem frühern Verhältnis zu Brünhild, das, von so un- 



:^*1 



mä 



DIB NIBBLUMGESA6B IN DER KLAGE. 19» 

gemeiner bedeutung es fnr das Verständnis der sage ist, vott 
den deutschen dichtem bekanntlich stets nur leise Und un- /> 
sicher berührt wird, auch Siegfrieds und Kriembiidens sohlt 
fehlt hier, und von ihm hat der dichter ohne zweifei nie ge«> 
hört, denn er würde sich diese gelegenheit zu neuen kla- 
gen nach dem tode der mutter und der oheime nicht haben 
entgehen lafsen. woher Siegfried stammt, wo Siegmund 
herscht, erfahren wir ebenfalls nicht. Siegfried wifd von 
Hagen getödtet (1707. 1888. 2014). die veranlafsung zu 
seiner ermordung war ein wortstreit, in den Kriemhild uikd 
Brünhild thöriehler weise (Jn ir tumpheit) geralhen waren 
(1986 — 88. 2023—25) 5 Kriemhild hat ihn begonnen (1986 f.). 
in welcher weise dieser streit die Ursache zu Siegfrieds er- 
mordung geworden ist, was sich in der Zwischenzeit zuge* 
tragen hat, wird nicht erzählt; doch gesteht ßriinhild dafs 
sie schuld an dem morde hat, 1982 do gedähie si dar an wie 
wol siz erholte, das leü das si nu dolte^ und 1989 da!6 ir 
freude ir (Kriemh,) wart benomen, daz ist mir nu her hem 
komeus auCser Brünhild und Hagen, dem vdlant der ez al^ 
lex riet {625 f.), ist es nur noch von Günther entschieden 
dafs er an dem verbrechen theil gehabt, an drei stellen 
zwar wird nur Hagen schuldig genannt (114 — 119 und 131. 
954 f. 2013) und 954 heifst es ausdrücklich ez hcete woi 
gescheiden Crimhüt Hagen von in drin, niwan u. s, w. ; 
doch da Günther aufserdem stets mit als schuldig aufgeführt 
wird (z. b, 52. 247 jA riet er daz ersterben Sifiit muose, 
ir Srster man), da Kriemhild ihn hafst (246 f. 605) und ihm« 
als er nach dem kämpfe gefangen ihr übei^eben wird, das 
leben nicht schenkt, so folgt wohl dafs an jenen slellen Ha- 
geas schuld nur besonders hervorgehoben wird weil er den 
mord ausgefiihrt hat (1707. 1888), den jene beiden nur be«- 
schlofsen; die N. N. sagt nicht dafs Kriemhild nur ihn habe 
tödten wollen. Gernöt heifst 246 und 961 schuldig; sonst 
wird er unter den schuldigen nicht genannt, 1705 aosdrückr 
lieb für unschuldig erklärt. Giselher hat in keiner weise, 
weder mit rathe noch mit bänden an dem verbrechen theil 
gehabt (240 f. 1705). 

Siegfried ist gestorben von siner übermuot (20), was 
wohl nnr edel wegen seines allzu stolzen sinnes beifsen 

13* 



196 



DIB N1BBLUN6BSAGE IN DER KLAGE. 



kann; denn 2021 f. hören wir iutn Siegfried Hagen nichts 
zu leide gethan hat und dafs er ohne gmnd ermordet wor-^ 
den ist. der dichter scheint dnrch diesen ausdmck anden« 
ten zu wollen dafs Siegfried den tod hätte voraussehn und 
vermeiden können, wenn er nicht zu edler gesinnnng gewe- 
sen wäre nm argwöhn gegen seine fireunde und verwandte 
zu hegen, doch hat schon der überarbeiter an der stelle 
anstofs genommen und sie geändert (s. anmerk. s. 292). 

Aber nicht blofs der gemahl wird Kriemhilden getödtet, 
Hagen beraubt sie auch des Schatzes in gröxen untriuwen 
(2014f.); auch dieser raub scheint 96 — 99 und 1713 — 17 
mehreren zugeschrieben zu werden (vergl. § 7). bei dem 
schätze selbst wird nur vom golde (96. 1713), nicht von 
den steinen, der tarnkappe und Wünschelrute der N. N. 
gesprochen (vergl. heldens s. 76 — 78). anfserdem verletzt 
Hagen die königin zu aller zeit durch viele unverschuldete 
Schmähungen (2018 f.). so sinnt Kriemhild schon daheim anf 
räche (2015 ich sack e» an ir riuwen, swie n» an getrüe- 
ge^ da» man si drumbe slüege, swenne es och geschähe). 

Ute hat eine abtei zu Lorse gegründet (vergl. heldens. 
s. 114) und bringt dort ihr alter mit andachtsübungen zn 
(1839 — 42). der Biterolf kennt Ute nicht. 

Nur der übersichllichkeit wegen schlierse ich hier noch 
den bischof Pilgerin von Pafsau an, einen reichen und weit- 
berühmten mann (1646 f.), den bruder der königin Ute 
(1649. 1653. 1699. 1712; stirbt 991, vergl. heldens. s. 71. 
109). die alte bürg Pafsau (1645) liegt auf dem wege von 
Bechlaren nach Baiern (1643) zwischen der Donau und dem 
Inn (1644). im Biterolf kommt auch Pilgerin nicht vor. 

Dies wenige ist alles was das gedieht aus dem erstea 
theile der sage enthält, und hiervon wird Pilgerin bekannt- 
lich erst im zweiten theile der N. N. erwähnt, Volker tritt 
hier erst selbständig hervor, dafs die alte liedersammlung 
durch den ausfall so vieler einzelheiten welche das Ver- 
ständnis der sage, wie wir sie in der N. N. besitzen, er* 
schweren, vorzüglich des dunkeln früheren Verhältnisses 
Siegfrieds zu Brünhilden, durchsichtiger gewesen sei und in 
ästiietischer hinsieht somit vermöge der schärfer hervortre- 
tenden einbeit gewissermafsen höher gestanden habe, kann 



DIB NIBELUN6BSA6E IN DER KLAGE. 197 

man Gervinus (1, 359) zugeben; doch der verlast, den die 
Sagengeschichte dadurch erlitten hat, ist sehr grofs. wenn 
Gervinus ebenda jedoch die alte liedersammlung früher als 
die einfiihmng der vollständigen Siegfriedssage stellt, so weifs 
ich nicht wodurch er diese ansieht stützen will ; die vier an- 
gelpnnkte dieser Verbindung, Kriemhildens ehe mit Siegfried, 
der streit der königinnen, Siegfrieds ermordung in folge die- 
ses Streites, und Kriemhildens zom hierüber als die quelle 
des spätem Unterganges der Burgunden, liegen bereits voll- 
ständig vor, und daraus dafs die alten lieder nicht mehr von 
einzelheiten enthielten folgt doch nichts als dafs ihre ver- 
fafser nicht mehr zu geben wüsten oder für ihren zweck zu 
geben für nöthig hielten, höchstens dafs in der heimat des 
Sammlers keine in bezug auf die Siegfriedssage ausführli- 
cheren lieder vorhanden waren. 



ETZBL, SEIiVfi VERMÄHLUNG MIT RRIEMHILDEN, SEIN 
HOF UND SEINE HELDEN. 

Etzel, Botelungs söhn (29. 443. 619. 1208), der rei- 
che, hehre (23 ff. 88. 186. 231. 253. 995. 999. 1011 u. s.w.), 
dessen gleichen es unter Christen und beiden nie gab (26 f., 
vergl. N. N. 1184,2.3. und 1278 — 80. 1282 — 87), war 
könig der Hennen und herschte über zwölf könige (25, vergl. 
N. N. 1175, 2, 1331, 3. 1852, 3; doch Bit. 328 über drei- 
zehn; N. N. 1282 sind vier und zwanzig Carsten sein in- 
gesinde). viele die von seiner macht gehört hatten ritten zu 
ihm in das land (27 f. vejrgl. Bit. 333), und er wird von 
fremden 'Völkern so gefürchtet dafs man seine boten, als sie 
durch Baiem nach Buipind ziehen, nicht nur nicht verletzt 
(dax muost man durch ir kerren Idn), sondern sie beschenkt 
(1743 — 45, vergl. N. N. 1434 und Bit. 4784 ff.), von ge- 
burt beide war er fünf jähre christ gewesen (493), darauf 
jedoch von seinen götzen (Machmet und Machaz^n 483, 
vergl. anmerk. s. 290 u. 302) wieder zum abfall vom chri- 
stenthum bewegt worden (491 f. 494 f.).* nach dem tode 

* W. Grimm (heldens. 114) vermutet ohne zweifei mit recht dah 
der dichter dies nur aufdlirt an die ehe Kriemhiideas mit einem hei- 



198 DIB NIBELUNGBSAGK IN DKK KLA6B. 

seiner tugendlichen gemahlin Heiehe (31 — 34 vergl. Bil. 
334 ff.) rathen ihm seine verwandten (vergl. N. N. 1083, 3) 
zu Kriemhild (35). Kriemhild sitzt bei den Hennen gewal- 
tig wie einst Helche, alles gesind im heunischen reiche, 
mehr franen als in der heimat und viele Streiter sind ihr 
unterthan (42 — 46), zehn oder mehr gekrönte könige sieht 
sie zu jeder band (58 f., vergl. 12 könige oben), allein sie 
bleibt die eilende und weder das ansehn noch die macht lin- 
dem ihren schmerz um Siegfried (37 — 41. 47 f. 60). wäre 
sie ein mann gewesen, sie hätte wohl mit eignen bänden das 
grofse unrecht das ihr geschehen war gerächt (64 — 66); so 
beherscht sie ihren zorn und bereitet schweigend die räche, 
vor (49 — 51). sie gebiert Etzel einen söhn (251. 431. 
1903. 1925), Ortlieb genannt (432). . 

Von dem leben und den sitten der Hennen erfahren wir 
nichts: sie sind beiden und unterscheiden sich durch die 
kleidnng von den Burgunden, denn Etzels boten werden in 
Worms an den kleidern erkannt (1764 f.). einzeln treten 
folgende beiden hervor, 

1. Blödelin, Botelnngs söhn (1170) nnd Etzels bruder 
(444. 465. 1892), Von dessen mannen im kämpfe 3000 der 
höchsten und besten fallen (166 f., in den N. N. 1286, 2 
fuhrt er beim empfange Kriemhildens 3000 mann mit sich)« 
Bit. 13057 ist er fiirst von Walachen. 

2. Dietrich voa Bern und die Amolunge. 

Von Dietrichs von Bern (1055. 1949. 2133) jugendtha* 
ten schweigt das gedieht, er ist aus seiner heimat Bern 
vertrieben (871 min lange» eilende hat vaste sich gem4rei^ 
der tack st geunSret daz ich ie achtet von Beme. 911 tcA 
golt vil unvertriben sin von klingen immer m^re^ ob lebt 
der degen h4re [RüedegSr}. 523—26. 693. 1018. 2064) 
und sucht sie wieder zu gewinnen (die eben angeführten 
stellen 911. 525. 2064). wie er Etzel gedient hat wird 
nicht erzählt, es begegnen umi nur die allgemeinen äufse*^ 

den zu entschaidigen. von dem religiösen bedenken mit welchem Erlern* 
hild in d. N. N. (lldd. 1201) ansteht sich mit Etzel zu vermählen 
erfS&hren wir hier daher nichts, die auf das christenthum bezüglichen 
«tellea iieh in ao 8. der überarheiter der N. N. bat diese aoderung 
auoh in «ie aafgeaommea. im Bit* ist Etoei stets beide. 



i 



MG NWBLUNOBSAGe IN üfiR KLAGE. 109 

rangea, 1060 dem er dd dientt manegen tm (Uildebraiid 
dem Elzel), der dient im nu von schulden* er het nach u* 
neu hulden vil dicke, hiartewol geriten) uud etwas bestimm- 
ter spricht Dietrich bei Wolfharif leiche &64 EUel der kU-^ 
nek htre Mt manegen sie von dir genomen (vei^l. 164 f. 
uud 737 f.)« auch von dem heereszage, den jDietrich vou 
£tzel unterstützt zur Wiedergewinnung seiner Vaterstadt un-^ 
ternimmt, wird nicht ausführlich genug gehandelt, und wir 
würden diese für die geschichte der sage wichtigen verse 
(987 — 1012) gar nicht verstehen, wenn nicht eine stelle 
der Vilkinasaga (c. 293^316) sie aufklärte (vergl. Raben- 
schlacht und heldeus. s. 121 f.). aus dieser erfahren wiri 
fitzel hat, auf bitten seiner gemahlin Erka, dem Thidrek 
ein grofaes beer gerüstet, mit dem dieser die Vaterstadt wie^ 
der zu erobern zieht; diesen zug berührt Dietrich in un* 
serm gedieht mit den Worten dd ich den viänden min mmae 
rümen miniu lant (993 f.). nach der Vilkinasaga siegt Dietrich, 
oaob ttüsenn gedicbte wird er besiegt, und dies ist als rich- 
tiger anzunehmen, da nur hierdurch begreiflich wird wes- 
halb er zu den Hennen zurückgekehrt ist. ferner ei!zähU 
die Vilkinasaga dafs Etzels beide söhne, die Dietrich auf 
seinem zuge begleiteten, gefallen sind; dies scheint Dietrich 
zu berühren, weun er von Etzels hafs spricht (996-r^997), 
wenn er die Hennen seine feinde nennt (998) und sich freut 
dafs Etael seine grofse schuld vergefsen habe (1001 f.). in 
dieser noth steht ihm Rüdiger der treue bei (994 L>. Rfr» 
diger gelobt, Etzel solle ihn selbst eher bangen als Dietrich 
ge&ogen nehmen (999) ; auf diese Bürgschaft hin kehrt Dietrifib 
ins Heunenland zurück (998) ; hier wird er von Rüdiger f e« 
heim gehalten (1003 — 5), bis dieser Helche von Dietrichs 
läge unterrichtet (1005—7) und mit ihr vereint Dietrich und 
Etzel wifider versöhnt (1001, 1007 - 1012). dieser Jwmpf 
hat zwölf jähre vor dem untergange der Burganden statt ge- 
habt (988 ; wenigstens seheint Dietrich ihn im sinne zu ha- 
ben wenn er hier vor zwölf jähren gestorben zu sein wünscht, 
da er gleich darauf ausführlich von dem kämpfe spricht), 
auch Kricmhild bat sich liebreich gegen Dietrich erwiesen 
(393 f.)- von Dietrichs kriegern, welche die Berner (904. 



200 DIB NfflBLUNGBSAGB IN DER KLA6B. 

1930) und die von Amelonge lant (1586. 1934) beifsen, 
werden aufgeführt 

a) Hildebrand, der greise (2102 und oft der alte), kübne 
(162), meister (507. 550. 1943. 1968 und oft). 

b) Wolfhart, Hildebrands scbwestersohn (879), der volk^ 
degen (831), mit rötblicbem barte (835) ; seiner treue und 
tapferkeit wegen gerühmt (857 — 65). 

c) Wolttrand (731—42), Dietrichs mann (730), tepfcr 
(737 f.). 

d) Wolfwin, Hildebrands nelTe (765), der sobn des küh- 
nen Nere (766), Dietrichs burggraf (765),* dessen leiche 
später an dem glänze des helmes erkannt wird (761). 

e) Siegstab, herzog von Bern (744), der reiche (743), 
dessen mutter und Dietrichs valer eines vaters kinder wa- 
ren (747);** edelsteine, licht wie die steme, leuchten durch 
sein gewand (744); auch er wird seiner treue wegen ge- 
priesen (749 f.) 

f) Helpfrich (674) wird unter Dietrichs freunden auf- 
geführt (661 dd her Dietrich siner träte manegen reken 
ligen vanty diese Schilderung der Berner erstreckt sich bis 
784)$ ebenso 

g) Gerbart (774). 
h) Wikharl (782). 

. i) Wiknant (778), *** 
160 — 163 heifst es, sechshundert von denen die Dietrich 
ins Heunenland gebracht seien im kämpfe gefallen; doch wie 
wir 523. 1587. 1935 hören sind alle getödtet. es scheint 
daher anzunehmen dafs ihn ursprünglich zwar mehr begleitet 
haben, dafs die übrigen jedoch früher ge&llen sind. — nur 

* über diese einzelheiten schweigen sammtliche andern gedichte. 

" in d. N. N. 1^220, 3 ist Siegstab Dietrichs schwestersohn ; das 

altersyerhältnis in nnserm gedieht ist natürlicher, und Wh. Grimm (het- 

dens. 105) verrnntet dafs es die N. N. nur ändert, damit der in der 

ganzen sage höchst dunkle vater Dietrichs nicht berührt werde; im 

j ^ , J Bit, (5!i54) heifst Siegstab nur Dietrichs nev9, 

• * • Wiknant kommt nur im Bit. vor und ist hier Wolfbrands bru- 
der (10365); die N. N. und derBit. nennen aufserdem Ritschart und 
Helmnot, und der Bit. noch Siegher Wikher und Adelhart, vergl. hel- 
dens. lO;^. 



DIB NIBELDNGESA6E IN DER KLAGE. 201 

Siegstab wird, wie in der N. N., aasdracklich Dietrichs ver- 
wandter genannt ; die werte möge und man (874. 1942) können 
als epische formel wenig gelten und der ausdnick min aller 
bestes künne (390) bezieht sich vielleicht nur auf Rüdiger, bei 
dessen leiche ihn Dietrich (990) wiederholt (vergl. heldens. 
s. 106). 

Hier scfaliefse ich noch Herrat an, Heichens Schwester* 
kind (1099 wie N. N. 1321, 2), von der sie grorse schätze 
geerbt hat (2070 — 73). Herral heilst meit (1145), junc- 
fromce (2ii%)j wodurch wohl ihr dienst bei der heunischen 
königin angedeutet wird (vergl. heldens. s. 103, näher wird 
derselbe nicht bezeichnet). Dietrich und Hildebrand haben 
Herrat zu schützen geschworen (1253) ; Dietrich nennt sie 
diu triutmne min (2064, schwerlich gemahlin, was sie in 
der N. N. 1321, 3 ist, im Bit. deutet nichts darauf hin) 
und wird von ihr min friunt genannt (2121). über ihre ab- 
stammung (in N. N. 1321, 4 ist sie die toqbter könig 
Nentwins) erfahren wir nichts ;. dafs sie eilende (N. N. 
1329, 3) ist sagt uns der dichter jedoch, indem er sie un- 
ter den 86 jungfiranen nennt die an Etzels hofe erzogen 
werden (s. unten). 

3. Rüdiger Gotelind und Dietlind. 
Rüdiger von Bechlaren {in der stat sse Bechelären 1569. 
1624. xer burk »e Bechelären 2109). Bechlaren liegt auf 
dem wege von Wien über Treisemmauer nach Pafsau (vergl. 
1392. 1396. 1645), unfern der Donau (1402). Rüdiger ist 
markgraf und wird wie Jn der N. N. besonders wegen sei- 
ner ergebenheit gegen den fürsten gerühmt. Etzel sagt er 
sei durch seine treue emporgehoben worden wie eine fedet 
durch den wind (1023 f.). auch Dietrich ist von ihm unter- 
stützt worden wie schon erwähnt ist. er heifst vater aüer 
tugenden (1067 wie N. N. 2139, 4) und wird vielfoch ge- 
priesen (z. b. 934 f. 943 f.). auf die kriegsdienste, die er 
und seine mannen Etzel geleistet, wird angespielt mit den 
Worten swie dicke in was gelungen bi Etxeln dem riehen 
(230 f.). im kämpfe mit dev Burgunden führt er fünfhun- 
dert ritter (229). über sein rofs Poimunt (1426) sieh anmerk. 
s. 290. dafs er von Etzel leben trägt, wie in der N. N., 
wird nicht ausdrücklich erwähnt, doch gehörten seine fraii 



%m DIB NlBKLUMGlSSiM^B IN 0Ett Kl^AGiS. 

upd tocbUr eu fiUeis hofg^sinde (1039-*- 41)» aueh von 
Hüdigers brautwerbuDg für Etzel bei Kriemhilden böreawir 
nichts, ebenso uioht dafs er wie in der N. N. und im Bit. 
aus der beimat vertrieben ist (beiden«, s* 97 f*) ; übrigens 
aber stimmt wohl kein Charakter unseres gediohtes mit der 
Nib. N. so genau überein. 

Gotelind, Rüdigers weih und Dietrichs basenkind (913 
wie N. N, 2251, 3, ni/iel 1039, Dietrich ihr neve 1568). 

Dietlind (1349. 2112- 2120) kein anderes gedieht nennt 
sie, vergi. heldens. 118), Rüdigers tochter» Dietrichs ni/iel 
(1343, 1350. 2126). 

Dafs Rüdiger mehr kinder gehabt habe wird nicht er** 
wähnii N, N. 2108, 3 sagt er ich bepühe iu i^ gmM9 
min wip und winiu kint, vergl. 2251, 4 und die anmerk. 
ea 2101, 3. Bit. 3337 ist Nuodunc, der edle junge mark- 
graf, Goüindens kind; die N. N. kennt ihn zwar (1637,3. 
1840, 3. 1^43, 3. 1844, 3. 1864, 4), doch giebt sie nicht an 
wessen söhn er ist. 

4. Irnfried Hawart Iring. 

Irnfried, Hawart und Iring sind, um schwerer vergehen 
willen in die reichsacht erklärt (190), i{f gndde zu Etzel 
gekommen (185), dem sie ängestUchen dienen (186); vergeh- 
Ifcii bat man mehrfach versucht sie mit dem kaiser aiiszu- 
söhnen (191 — 193). sowohl von der ächtung als den säh^ 
neversuchen weib die N. N. nichts ; im Bit. musten Hawarl 
nnd Irnfried durch ir piende haz ihr land räumen (5296 f.); 
Iring ist vom herzöge von Lothringen in die acht gethan 
(7722 — 25), Irnfiried vom landgrafen (wohl dem voa Tbü« 
ringen, seinem nachfoiger) vertrieben (7726 — 29). da hat 
Elsel mit reichen gaben sie vermocht dafs sie ihm dienen 
(193 — 19^5). sie haben zusammen 3300 mann ins Hennen- 
land gebracht (204; N. N* 2007, 2 führen Imfried und Ha- 
wart 1000 nnd 2014, 1 bestimmter 1004 nach Irings tode 
%vm kämpf). Imfried, der reiche (208), war landgraf von 
Thüringen (198 f.), Hawart könig von Dänemark (1185. 
200), fring von Lothringen, ein kühner mann (201 f. 551), 
ist von Hawart durch grofse geschenke bewegt worden dab 
er sein mann wurde (202 f. 543), der er auch in der N. N. 
ist. lA der N. N. (1965, 1) ist Iring markgraf von Däne* 



MB NIBELDNCBSAGfi IN DER KLAQB; 200 

mark, von Lethring^en ist er auch im BH. (z. b. 1589. $4S5. 
5289. 8750), in Dietrichs flucht und der Rabenscblaeht wird 
er nur genannt, noch wird von Iring gerühmt wie gut er 
nach schöner frauen huld zu ringen gewust habe (552 f.). 

5. Ferner begegnen uns von einzeln stehenden forsten 

a) Der herzog Hermann von Polen (173). 

b) Siegher von Walachen(174) 5 diese beiden haben 2000 
ritter zu dem folgenden feste gebracht (175). 

c) Walber, der edel/He, der aus der Türkei durch 
Griechenland 1200 seiüer mannen herbeiführt (178 f.). 

d) Nitigere (772). 

Ob diese vier als freie nur zu dem feste geladen wer* 
den (vergl. 1187 f. 219f.) oder in irgend einer abhängigkeit 
von Etzel stehen läfst sich nicht erkennen, dafs Hermann 
von Polen von Etzel besiegt und sein vasall ist wird im 
Biterolf (3585.3750.3805.3994—99) erzählt, in dem auch 
Siegher Etzels unterthan ist^ doch Siegher von Tückie (3456. 
7639 f.) heifst. Walber findet sich in keinem andern ge^ 
dichte (vei^l. heldens. 115). 

6. Aufserdem hören wir von 86 edelgebomen jung* 
frauen (1094), welche fremde färsten Etzeln und Helchen 
zu ehren an den heunischen hof gesandt haben (1116 — 19), 
und die vonHelche (1093 — 95. 1115), später von Kriemhild 
(1116) erzogen werden; von ihnen werden, aufser Herrat, 
die schon besprochen ist, namentlich aufgeführt 

a) Siegelind, diu minneclicke, des. künec Nitigirs kini 
(1102). • 

b) Goldrun, Liudigers v. Frankreich tochter (1103 — 6). ** 

e) Hildburg von Normandie (1108)."^* 

d) Herlind von Kriechen (1109) f; sie und Hildburg hiei^ 
ben reicher forsten kinder (1107). 

e) Adelind, die herzogin, des kühnen Sintrams kinit 
(1111; Bit. 1107 wird ein Sintram von Griechenland er« 

* auch im Bit. (13191) wird eine tochter Nitigers erwähnt, doch 
fehlt der name. 

** sowohl tochter als vater kennt kein anderes gedieht. 
*** im Bit. heifst sie die tochter Ludwigs von ÖraaBie niid Her- 
bords geaalilln (6465. 6S05). 

f auch Herlind treffen wir sonst nirgend. 



204 IME NIBEL0NGBSA6B IN DER KLAGE. 

wähnt), eines berähmlen fursten, er het bi ösiertande em 
hus an Ungermarke siät : Paten noch den namen hat 
(11 12 f.) — die N. N. (1320, 3) erwähnt nur die töehter 
von sieben königen; Heirat pflegt des gesindes noch bd 
Kriemhildens anknnft (1321, !)• 



EINLADUNG DER BURGUNDBN ZU ETZBL. IHRE FAHRT UND 
IHR EMPFANG BEI DEN HEUNEN. 

Längere zeit nach seiner yermählang mit Kriemhilden* 
lad Etzel edle (lobliche) fnrsten za einem grofsen feste 
(80 — 83), wobei Kriemhild niemand von denen zu laden 
vergafs die sie gern sehen wollte (83 — 85)« wer die botschaft 
an die Bni^nden bestellt habe wird nicht ansdracklich er- 
wähnt; doch daraas dafs Swemmelin, als er nach dem tode 
der Barganden mit der trauerbotschaft nach Worms gesandt 
wird, der wege kundig ist (1296 dem sint die wege wol 
behaut, 1643 da er sine wege vant) und zu Worms von 
den Bürgnnden erkannt wird (1790 f.) schliefse ich dafs er 
schon jetzt, wie in der Nib. N., sieh unter den boten befin- 
det. Wärbel wird nicht erwähnt. Rumolt widerräth Gan- 
ther die fahrt (2028 hete min kerre getan als ich im mit 
triwen riet dd er von disem lande schiet, so enwcer er niht 
erstorben. 2007 mit triwen was im an de daz sin vil lieber 
herre mit schaden also verre was Hz sinem rate kamen), 
in gleicher weise bt er N. N. 1405—9 dagegen, and Wol- 
frams anspielang hierauf ist bekannt. 

Wann und wie die Burgunden zu Etzel gekommen seien, 
sagt der dichter ausdrücklich, wifse er nicht (85 — 87), und 
dieses geständnis reichte bekanntlich auch ohne die übrigen 
gründe hin zu beweisen dafs er bei der abfafsung des ge- 
dichtes nicht die Nib. noth vor sich gehabt habe (vei^. 
anmerk. s. 287). er weifs nur dafs die Burgunden über 

* Ortlieb ist inzwischen geboren, eine genauere zeitbestimmHog 
fehlt, in der N. N. 1330, 4 sind es dreizehn jähre ; so viele nimmt 
die klage nicht an, wenn es richtig ist dafs Dietrichs zug gegen Bern 
zwölf jähre vor den Untergang der Barganden fällt, da Reiche damals 
noch lebte. 



DIE NIBBLCN6BSA6B IN DER KLAGE. 305 

Bechelaren gezogen sind und dort eine zeit verweilt ha- 
ben«* hier wird Dietlinde mit Giselher verlobt (908—910. 
1521. 1039. 1921), auf Volkers rath (905); auch in der 
N. N. (1014 — 10) ist Volker die veranlarsnng der Verlo- 
bung, doch hier nur zufallig, indem Hagen vielmehr Volkers 
und Gemots werte aufgreift und offen zu dem Verlöbnis räth. 
auch werden die Burgunden von Rüdiger beschenkt (1591 
sagt Dietlind s6 manegen bouc röten so wir in, gäben hier 
en laniy^ unter den gaben wird besonders das schwort wel* 
ches Gemot erhalten hat um seiner tugent willen gerühmt 
(941 nach dem kämpfe scharten noch flecke er dd ninder 
ane vant); hätte Rüdiger das schwert nicht weggegeben, 
so würde er im folgenden streite wohl nicht gefallen sein 
(930 ,d6 sach der dlte Hildebrani die gäbe in Gämätes 
hont die im hei Riledeg4r getan, het e» der helt verlän, 
was ob er wtere genesen?), dies bestätigt auch die N. N. 

Die drei könige führen viele ritter mit sich (93 — 90) 
und 9000 knechte (1204). 

Die gaste werden von Etzel freundlich empfangen (100 
— 102. 155. 1318f.), sein ganzer hof freut sich ihrer an- 
kunft (105 f.). wie sich Kriemhild beim empfange der brü- 
der gezeigt hören wir nicht,, denn was die boten 1511 — 13 
Dietlinden von ihrer freundlichkeit erzählen kann nicht gel- 
ten, da sie Dietlinde durch falsche nachricht zu beruhigen 
suchen, doch ist entweder anzunehmen dafs Etzel beim 
empEMige, wenn Kriemhildens feindlichkeit auch hier wie in 
der N. N. (1079 bei der frage nach dem schiitp^, vergl. 
Kl. 90 f. und hierzu Über d. urspr. gestalt der Mb. s. 41 f.) 
bereits durchblickte, nicht zugegen war, oder dafs Kriem- 
hild die brüder allerdings mit verstellter freundlichkeit be- 
grüfst hat, da sonst Etzel ihr sinnen hätte erkennen müfsen; 
doch nach dem kämpfe klagt er wiederholt dafs er die Mu- 
tige absieht der königin nicht geahnt habe, da er alsdann 
das verderben von den fürsten abgewendet hätte (557 dd 
sprach er 'ex solde wesen : jd wäre» anders mir geseit. ir 
idt und min arbeit het ich wol tmderstdn; 007 'wcer ex mir 

* die klage des markgrafen Else über seinen unverschuldet ge- 
tSdteten brader (1751 — 58, vergl. N. N. 1526^89) übergehe ich aU 
nneeht, vergl. unmerk. s. 160, 



205 



DK NtBELONGeSAGB IN DfeR KLAGE. 



S kunt ffeUfty st müesm alte tin genesen; vcrgl* 142. 144'. 
456 — 458. 624. 1316 f.; N. N. anter vielen andern stel- 
len 1803). erst nach dem tode der Burganden hört Etzel 
von Dietrich die rehten tneere (408 f.). 



V 



DAS FEST. DER AUSBRUCH DES KAMI^ES. 

Über das fest selbst erfahren wir nichts genaueres; dir 
Worte 155 sme woi ir der wirt phlac und 1318 wan ichz 
in güetlich erbot lafsen sich auch hieher ziehen; und da- 
durch dafs Etzel bei Gemots leiche sagt nach den von Bur- 
gondelant het daz kint geraten (946 f.) scheint angedeutet 
dafs er auch in der klage wie N. N. 1853 f. beschlofsen 
hatte Ortlieb den Burgnoden zur erziehung mitzugeben (Ur- 
sprüngl. gest. der Nib. s. 44). 

Während die burgundischen forsten beim mahle sitzen 
(1902) befindet sich Dankwart mit den knechten in der von 
. Etzels palaste entfernten herberge (1895. 1897). hier greift 
ihn Blödelin von Rriemhilden gewonnen (168 durch eines 
wibes lire; 169 f. diu im se wibe was geswom, der dient 
er näh ir kutde; 652 het diu kUnegin dax eine län daz si 
Blmdelinen Hagen den hruoder sinen ze tode niht het Äe^• 
zen sldn, so enwtere ez allez niht getan), um ihr leid zn 
rächen (630), feindlich an und wird so urheber des Streites 
(167. 448 f. 631). alle Bargunden in der herberge werden 
zum kämpfen gezwungen (1895), die Hennen erstürmen ihr 
haus (1896f.), Blödelin selbst fällt zuerst (171. 1893) von 
Dankwart getödtet (723. 1894, vergl. N. N. 1864) und 
mit ihm 3000 der edelsten von den seinen (166 f.); doch 
auch die 9000 burgundischen knechte fallen sämmtlich, es 
bleibt niemand als Dankwart am leben (1898 f.). in der 
N. N. 1869, 3 werden von Blödeis knechten nur 50Ö oder 
mehr erschlagen ; hierauf erheben sich 2000 oder mehr an- 
dere Heunen und tödten Dankwarts noch übriges gesinde 
(1871), nur mit mühe entgeht diesen Dankwart, die klage 
fährt fort : Dankwart eilt zu den königen in den palast, das 
anreiht zu berichten (1900). wie diese ihn gehört, do siuog 
Hagen des wirtes kint ze siner angesihte sini, daz es ^fitr 



MB Nlil8L(JlV(3tSAGK IN DfiR RLAGB. 907 

dm Hich ^ckSis und im das klttoi sin hont beg4i$ (1903^ 
vergl. 432 f.) 9 die Burgunden springen anf und beginnenden 
kämpf (1905); Et^eis matinea wollen den tod de^ kindes 
lachen (260 — 264), und so entbrennt von beiden seilen ein 
allgemeiner kämpf (1906^9). -^ Hagen hlitte niemand ver- 
letzt, wenn die k$nighi nieht seinen bruder hätte tb'dten 
heifsen (051 — 654) i$ und die Bnrgnnden alle wehren nor 
ihr leben, wenn sie nicht von den Hennen zum kämpfe wa^ 
ren gezwungen worden, hätten sie ihn nicht begonnen (454 
—450. 619—21). aus den ungenauen versen 1959*— 1961 
darf man nicht folgern dafs hiermit im Widerspruche die 
Burgunden Urheber des Streites genannt würden, die Worte 
dh brähtms in di<& arbeit brauchen sich nicht auf den be- 
ginn des kampfes zu beziehen, auch könnten unter den Chri- 
sten Etzels christliche unterlbanen gemeint sein; doch 145. 
466 f. (vergl. N. N. 1803, 3. 4) wird gekhgt dafs die Bur- 
gunden iibermüliger weise den kämpf Kugelafsen ; vergl. 1319. 



D£R KAMPF. 

Hennen nnd Burgunden kämpfen innerhalb des palastes. 
Imfried Hawart und Iring sind bereit Kriemhildens leid zu 
rächen (195 f. nach N.N. 1962 scheint es dafs Iring nur dnrch 
Kriemhildens gold zum kämpfe bewegt wird, Irniried und 
Hawart aber 2007 nur seinen tod rächen wollen). Irnfried 
wird von Volker getödtet so wie viele von denen welche 
den drei forsten in Etzels land gefolgt sind (205 — 208); 
Hawart fällt durch Dankwarl (214; N. N. 2012 durch Ha- 
gen), Iring durch Hagen (209. 54S) ; Iring hatte Hagen zu 
lödten gesucht (212), doch obgleich er ihn bereits verwun* 
det hat (545), ergreift er ängstlich die flocht (543) and fälR 
auf dieser ; er flieht aus dem hause, denn seine leiche wird 
aofserhalb desselben gefunden (538 — 541) von dreiTsig lei- 
eben seiner mannen umgeben (564). in der N.N. 1989, 3 
und 1991, 1 entkommt Iring glttcklich, greift Hagen aufs 
neue an (1997) und wird erst jetzt von ihm tödtlich ver* 
wundet (1999), doch stirbt er nicht auf dem platze, son- 
dern, zu den seinen zuräckgekehrl, von den Thüringern 



T-VPT^^ 



ii 



J 




3W Dfß NIßELUNGESAGB IN DKR KLA6B- 

Bintn und Kriemhild umringt (2002— 6) ( dab H\ikt\afi» 
ia der nfibe dei hausf s gefunden wird ist somit auch der 
N-N. zuwider; von den 30 mann spricht sie nicht ob Iring 
wie in der N. N. vor Hawari und Imfried ßllt ist w\A 
ersichtüch. Siegher von Walacbcn wird von Ganther ge- 
lödtet (781), die 2000 mann welche er und Hermann Toa 
Polenf die beide Knemhildens leid eifrig rächen (174 f.), zu 
Ktzel gebracht, rallen fämmtUch (177). Nitigere stirbt durch 
Giselher (772), Dietrich und Rüdiger meiden den kämpf, 
jener weU er das kämpfen auf beiden Seiten mit schmen 
siebt (1016 — 10), dieser weil er Giselher seine tochter ver- 
lobt bat (1919— 2t); do€b vergeblich. Etzel will den tod 
seines sohnes gerächt wifsen (1024 f.)* und zuerst gehtRS- 
diger, durch Kriemhildens bitten bewegt, in den kämpf (1925 
— 27); er tödlet Gernoi (227. 029—931. 1555. 1928f.), 
der unten an der hrust elien wH verwundet wird (927 f.); 
N. N. 2156, 3 wird er durch den hehn verwandet. Gernot 
liat in dem kämpfe so viele feinde getödtet dafs sich der 
ruf davon wohl durch dreifsig konigreiche verbreitete (222). 
aber auch Rüdiger Mit von Gemot (224. 934. 1413. 1555. 
1641. 192Sf.) durch dasselbe schwert verwundet welches 
er ihm daheim geschenkt hatte (936 — 38); seine leiche wird 
später in dem schiJde liegend gefunden (986), innerhalb des 
Saales, denn als Hüdebrand ohnmächtig bei ihr hingesunken 
war, beifst er beim wiedererwachen die thür mehr öffnen 
(1063 f.). Rüdigers 500 ritter fallen sämmtlich (229), nach 
v. 1284 und 1415 jedoch sind sieben von ihnen am leben 
geblieben, welche die trauerbotsebaft nach Bechelaren brin* 
gen* im schmerz über Rüdigers tod fordern die Berner den 
kämpf (1929 — 31) und wider Dietrichs verbot beg^innt ihn 
Wolfhart (1931—33). Giselher allein tödtet mehr als drei- 
fsig von ibnen (903), unter diesen Wolfwin (770), dessen 
leiche an der wand liegend gefunden wird (764), Gerbart 
(774 — 77) und Wolfhart (830 f.), auch hier scheint er je- 
doch, wie N. N. 2233 — 35, 1, durch Wolfhart getödtet 
zu werden, da heider leicben neben einander gefunden -wer* 
den (831 — 833), von vielen die durch Giselhers band ge* 
fallen sind umringt (894 f.). dafs Wolfwin und Gerbart von 
Giselher getödtet werden weifs die Nib. noth nicht. Wolf- 



«M 



D» NIBBLUNGKSAC» IN DKR KLAGE. 



Dänen nnd Kriemhild anuingt (2002 — 6)( dalk seine leiche 
in der nihe des kaoses gefunden wird ist somit anch der 
N.N. zuwider; von den 30 mann spricht sie nicht, ob Iring 
wie in der N. N. vor Hawart und Imfried fiilt ist nicht 
ersichtlich. Siegher von Walachen wird von Gcnnther ge- 
tödtet (781), die 2000 mann welche er und Hermann von 
Polen, die beide Kriemhildens leid eifrig rächen (174 f.), zu 
Etzel gebracht, fallen sämmtlich (177). Nitigere stii^t durch 
Giselher (772). Dietrich und Rüdiger meiden den kampC, 
jener weil er das kämpfen auf beiden selten mit schmerz 
siebt (1916 — 19), dieser weil er Giselher seine tochter ver* 
lobt hat (1919 — 21); doch vergeblich. Etzel will den tod 
seines sohnes gerächt wifsen (1924 f.). und zuerst geht Rü- 
diger, durch Kriemhildens bitten bewegt, in den kämpf (1925 
—27); er tödtet Gcrnot (227. 929 — 931. 1555. 1928 f.), 
der unten an der brüst eilen wit verwundet wird (927 f.); 
N. N. 2156, 3 wird er durch den hehn verwundet. Gemot 
hat in dem kämpfe so viele feinde getödtet dafs sich der 
ruf davon wohl durch dreifsig königreiche verbreitete (222^. 
aber auch Rüdiger fallt von Gemot (224. 934. 1413. 1555. 
1641. 1928 f.) durch dasselbe schwert verwundet welches 
er ihm daheim geschenkt hatte (936 — 38); seine leiche wird 
später in dem schilde liegend gefunden (986), innerhalb des 
Saales, denn als Hildebrand ohnmächtig bei ihr hingesunken 
war, heifst er beim wiedererwachen die thür mehr öffnen 
(1063 f.). Rüdigers 500 ritter fallen sämmtlich (229), nach 
V. 1284 und 1415 jedoch sind sieben von ihnen am leben 
geblieben, welche die trauerbotscbaft nach Bechelaren brin- 
gen, im schmerz über Rüdigers tod fordern die Berner den 
kämpf (1929 — 31) und wider Dietrichs verbot beginnt ihn 
Wolfhart (1931 — 33). Giselher allein tödtet mehr als drei- 
fsig von ihnen (903), unter diesen WolAvin (770), dessen 
leiche an der wand liegend gefunden wird (764), Gerbart 
(774 — 77) und Wolfhart (830 f.), auch hier scheint er je^ 
doch, wie N. N. 2233 — 35, 1, durch Wolfhart getödtet 
zu werden, da beider leicben neben einander gefunden wer- 
den (831 ~ 833), von vielen die durch Giselbers band ge- 
lallen sind umringt (894 f.). dafs Wolfwin und Gerbart von 
Giselher getödtet werden weifs die Nib. noth nicht. Wolf- 



DIS NIBELCNCSSACB IN DER KLAGE. 209 

harts ttiibäiid%e kftutpflust (yergl. heldens. 60) bezekhoH 
es vortrefflicji dafs er noch todt. mit züsammengebirsnen 
(durhbizjsen) zahnen daliegt. (8^2) und das sobwert so fest 
umklammert hält dafs Dietrich und Hildebrand es mit Zan- 
gen aus seinen langen fingern brechen müfsen (841 — 46). 
durch Dankwart fällt Wolfbrand (730 f.) innerhalb des saales 
(726), ^urch den heim verwundet (728) 5 Wiknant (778) und 
Wikhart (782) durch Günther, auch von Wolfbrands Wik- 
nants und Wikharts tode erfahren wir in der N. N. nichts, 
die bei dem kämpfe der Berner überhaupt ärmer ist und nur 
den tod Siegstabs und Wolfharts schildert, im übrigen mit 
allgemeinen Wendungen sich begnügt (vergl. 2225. 2226, 4). 
Volker allein tödtet wohl zwölf Berner (687), unter ihnen 
Siegstab (750, vergl. N.. N. 2221 f.), der noch im tode den 
Schild im arm hält (756). wie Hildebrand Siegstab fallen 
sieht, dringt er auf Volker ein, und obgleich er schwer ver- 
wundet wird und schon am leben verzweifelt (669 — 71) 
und in der that erlegen wäre, wenn Helfrich die kämpfen- 
den nicht geschieden hätte (673 f., auch von diesen einzel- 
beiten weils die N. N. nichts, vergl. 2224), tödtet er ihn 
(751 — .53), aufserhalb des saales an der wand (662). hier- 
auf verwundet Hagen den Hildebrand (1939 f.), ebenfalls vor 
dem gadem (589; N. N. 2237 — 2244 in demselben), dafs er 
kaum mit dem leben davon kommt, doch zu Hagens grofsem 
leide rettet er sich durch die flucht (587 — 90). von den 
Burgunden ist niemand mehr übrig als Günther und Hagen 
(1936 — 38), von Dietrichs schaar niemand als Hildebrand 
(1935). 

Wie und wann Dankwart gefallen, der mehr als vier- 
mal so viel feinde wie Hagen getödtet hat (711), wird nicht 
erzählt, doch ist er innerhalb des saales (705 — 9) und im 
kämpfe mit den Bernern gefallen, da wir ihn in demselben 
noch bemerkt haben, (von ihm weifs die Nib. noth dafs ihn 
Helphrich getödtet hat, doch nur in der spätem Strophe 2228.) 
auch von Helpbrichs tode erfahren wir nichts. Hildebrand 
überbringt Dietrich die nachricht vom untergange der seinen 
(1938 f.), der hierdurch erst erfährt dafs sie überhaupt ge- 
kämpft haben (1934, vergl. N. N. 2247). er eilt mit Hilde- 
brand, zu den beiden noch lebenden Burgunden (1942 f.). 
Z. F. D. A. III. 14 



SIO 



DUt NIBELCN6BSAGB IN OKft KLAGE. 






Hagen, wieder im saal, schilt Dietrich ron oben herab (579). 
doch Dietrich will sie erhalten (1944), er sucht Gnnther zn 
versöhnen (582 f.), dringt in ihn dafs er Etzels nnd sein 
geisel werde, nnd verspricht beide unverletzt wieder an den 
Rhein zn bringen (591 — 95, vergl. N. N. 2274. 2277). 
allein Hagen ist dagegen (583—87), nnd der könig selbsl 
hofft noch alle überlebenden feinde zn tödlen (595 f. $ vergl. 
N. N. 2263, 4. 2275.), auch wollen sie nach dem tode der 
ihren nicht leben (1945 f. diesen grund giebt die N.N. nicht), 
da mufs Dietrich den Untergang der seinen rächen (1946 f.). 
als Dietrich mit den beiden kämpft, hat der streit schon zwei 
lange sommertage gewährt (1954). dreimal wird Dietrich 
von Günther zu boden geschlagen (598), und er wäre nicht 
am leben geblieben, wenn nicht die feinde vom kämpfe matt 
gewesen wären (1952); so verwundet er mit unermüdeter 
band (600) Günther auf den tod (601 nät einer verehwun* 
den) und nimmt zuerst ihn (1950), darauf Hagen (1950 ff. 
1964) gefangen. Hagen wird gebunden (374, wie N. N. 
2290, ob auch Gnnther, wie N. N. 2298, wird nicht gesagt). 
N. N. 2289 wird Hagen zuerst überwunden; die genaue 
Schilderung, dafs Dietrich dreimal zu boden geschlagen wird, 
fehlt dort, vei^l. 2294 — 97, doch wird 2287, 4 Dietrich 
von Hagen verwundet. Dietrich übergibt die gefangenen 
Kriemhilden (1965. 601) und hofil sie wird des bmders scho- 
nen (602 — 4). nach 375 (wie N. N. 2310, 3) wird 
Hagen von ihr mit eigner band, nach 1967 wie Günther 
(602 — 5, vergl. N. N. 2306, 2) auf ihren befehl getödtet. 
Günther wird das haupt abgeschlagen (569). seiner selbst 
nicht mächtig (366 mit unsinne) erschlägt Hildebrand Jetzt 
die königin (261. 367. 375. 400. 1968) vor Etzels äugen 
(262), nnd zwar schlägt er ihr das haupt ab (398, die Ver- 
wilderung der N. N. 2314, 2, dafs Kriemhild zu stücken ge- 
hauen wird ist der klage fremd), so lebt niemand mehr von 
den helden als Etzel Dietrich und Hildebrand. 

Etzel, der auch in der N. noth den Burgunden gegen- 
über sehr dürftig dasteht und im Atlamäl (99) offen der feig- 
heit beschuldigt wird (heldens. 69 f.), erscheint auch hier 
weder selbst unter den kämpfenden, noch feuert er zum 
kämpfe an oder hält von ihm ab ; er heifst den tod des soh- 



OIB MIBBLCNGBSACyS IN OKR KJLAGB. Mi 



l 



lies riehen (1924. s. o.)^ doch weiter gAt er wchl, und 
n selbst hierbei scheint 4em dichter die läge der diage mcht 

ü gans klar gewesen zu sein^ alsdann müste Etsel wenig* 

* stens am anfange des kampfes gegenwärtig gedacht werden, 

) doch mit den Worten 454 wie aoldun si dd hä» getan» die 

^ vH werüeh wären ie, dS man si striiee ttiht erke, die Meide 

erwerten och sieh? doM si dass verdagten mich» daz kern 
von ir übermuot klagt er dafs die Bargunden, als man sie 
zum kämpfe gereizt, geschwiegen, ihn nicht zur abwendung 
desselben herbeigerufen haben, und deutet, wie es scheint, 
an dafs er beim begiün des kampfes nicht zugegen gewesen 
ist, wenn man auch die übrigen zu ende des 3n § angefahr- 
ten stellen, in denen Etzel wiederholt versichert, wenn er 
den plan der königin darchschaat hätte, wurde er das ganze 
yerderben abgewendet haben, nur darauf bezieht dafs er als- 
dann die Burgunden nie zum feste geladen hätte, und was 
sagt Dietrich dem könige (408 f.), wenn dieser den streit 
selbst mit angesehen bat und somit auch längst Kriemhil« 
dens gesinnung mufs erkannt haben? 1589 wird er vom käm- 
pfe zurückgehalten; die königin selbst bat es listiger weise 
zu verhüten gewust dafs er von dem kämpfe der Burgunden 
er&hre (145 f.). wahrscheinlich war der könig also zwar 
bei dem tode des sohnes zugegen^ ist jedoch gleich darauf 
von Dietrich, der, wie wir gesehen, ebenfalls während des 
kampfes nicht gegenwärtig ist und nicht einmal von dem 
streite der Berner weifs, weggeführt worden, damit nicht 
auch er getödtet würde (vergl. N. N. 1932, wo Kriemhild 
und Etzel von Dietrich aus dem saale geführt werdai)« dann 
mästen sich die obigen werte, durch die, wie ich sagte, 
zweifelhaft wird ob £tzel beim beginn des kampfes zugegen 
war, auf einzelne beteidigungen, herausforderungen, beziehen, 
durch welche die Burgunden, wie N. N. 1704 ff. 1775 ff., 
ehe der kämpf in der heri>erge ausbricht, gereizt werden, 
«nd die sie zu stolz sind Eizeln zu klagen, damit es nicht 
seheine als ob sie unritterlicb dessen beistand forderten (vergl. 
N. N. 1801, 1803, 4). bei Kriembildens ermordung ist Etzel 
wieder zugegen (wie N. N. 2810, 4 schon bei der ermor- 
dung Hagens), doch da konnte ihn auch Dietrich nicht mehr 
fem halten. 

14* 



212 



DIB NIBfiLmCBSAGE IN DBR KLAGBi 



Der saal wird nach 294 {das käs dax lac gefallen 
ob den recken allen) and 854 (üs dem aschen) verbrannt; 
sonst besteht er in dem ganzen gediehte (790. 821. 891. 
1064. 1139. 1246 n. s. w.). die todten werden während 
des kampfes nicht aas dem saaie geworfen (wie N. N. 1947 ff. 
vor Irings angriff), denn Ortlieb wird 432 darin gefanden. 

Es sind 40000 oder mehr im kämpfe gefallen (119. 1955). 



6 



iii 



ETZEL DIETRICH HILDEBRAND UND DIB HINTERBLIEBENEN 
ZU WORMS UND BECHLAREN NACH DEM KAMPFE. 

Was auf die schlacht folgt, der eigentliche inhalt der 
klage, ist für die darstellung der sage von geringem belang'. 
Etzel Dietrich und Hildebrand irren nnter den todten, wel- 
che wie von löwen erbifsnes vieh (1036) rings liegen, mit 
stets erneutem klagen umher; dadurch dafs in ihren klagen 
nicht einmal eine Steigerung hervortritt wird das ohnehin 
dürftige gedieht noch schlaffer. Hildebrand, vom unglück am 
wenigsten niedergedrückt, dringt umsonst wiederholt in die 
beiden andern, den schmerz zu beherschen. bei der Schil- 
derung des Schmerzes finden sich arge Übertreibungen, 313 
schreit Etzel wie ein wisenthom, 315 f. dafs palast und thfir- 
me davor erzittern, 788 dafs das haus hätte über ihm zu- 
sammenbrechen mögen u. s. w. doch dies gehört in die ge- 
schichte der poesie: für die Sagengeschichte ist folgendes 
herauszuheben. 

a) Etzel wird nach dem Untergang der Burgunden der 
geistesklarheit beraubt und siecht zwischen tod und leben in 
dumpfheit dahin (em was tot noch enlebte, in einem twalm 
er swebte)\ was er nach Dietrichs abreise gethan, wann und 
wie er gestorben, weifs niemand zu sagen (2090 — 2100). 
von geringerem gewicht ist dafs er in seinem schmerze daran 
denkt wieder christ zu werden, doch von der scheu der chri- 
Stengott werde ihn jetzt verschmähen zurückgehalten wird 
(488 — 490. 495 — 98. 501 f.). er heifst waffen und klei- 
der der erschlagenen sammeln (1271) und verspricht sie ihren 
verwandten zu schicken (1275—81). auch im schmerze 



DIE NlBEaLUNGBSAC» IN DER KLAGfi. 213 

zeigt sich Etzel darchaus unniäDiilich (vergl.307.839. 503f. 
644—47 u. a.). 

b) Dietrich Herrat and Hildebrand kehren heim gegen 
Etzels wünsch (2054 — 68). der Herrat wird zu der fahrt 
ein Sattel ans der kammer getragen, der von gold und edel- 
steinen schwer und auf den der beste sigelat der weit ge- 
schnitten ist (2075 — 2083). wahrscheinlich gehört er zam 
nacblafs der Helcbe. wie sich der dichter diese heimkehr 
denkt ist nicht deutlich. Dietrich klagt wiederholt dafe er 
jetzt aller hilfe beraubt sei (vergl. 513 — 31, wo er, um Etzel 
zu trösten, ihm sein eignes geschick als weit trauriger ent- 
gegenhält, vorzüglich die werte 526 jd mabt du^ känc, die 
dine vii wol überwinden: du mäht noch manegen vinden 
der dich niht tmder wegen lät, umbe mich ez leider an- 
ders stdt, als du hie selb mahl schouwen. ji ligent siper- 
houwen gevallen ii^ in daz bluot, die durch mich lib mde 
guot salzten äf die wage; femer 851 wie mir min helfe 
ist benomen! 989 zuo wem sol ich nu tröst haben? vei^l. 
N. N- 2256, 2—4. 2257, 4. 2259, 4C 2266, 4). er wüpscht 
sich selbst darum den tod (754. 988. 850) ; und gleichwohl 
zieht er vollkommen friedlich mit einem einzigen saumthier 
das die kleider der Herrat trägt (2104 — 6) in die heimat, 
zu der Herrat und Hildebrands grofser firende (2055), ja er 
sagt ausdrücklich er müfse nach Bern zurückkehren, weil er 
bei Etzel hilflos dastehe, 2061 wie walt ir daz ich wäre an 
helfe und An die mine? ein isUch man die sine bi im vil 
päHehen häi. ir seht wol wie min dink stdt: ich unt diu 
trsuänne min suln hie niht eilende sin; ohne welche fireonde 
jedoch will er nicht leben? weshalb ist er nicht längst von 
ihnen unterstützt in die Vaterstadt zurückgekehrt was er so 
sehnlich gewünscht (vergl. 2, b)? dafs Dietrich oder doch 
Hildebrand heimgekehrt ist erfahren wir bereits aus dem Hil- 
debrandsliede, doch hier findet der Zweikampf zwischen zweien 
heeren statt ; auch in spätem gedichten wird Dietrichs rückr 
kehr oft erwähnt, doch wie dachte sie sich der dichter nach 
den firüheren äufserangen möglich? jedenfolls fehlt das Zwi- 
schenglied, es scheint fast dafs der dichter des letzten.lie- 
des der alten Sammlung (denn nur in diesem wird die rück* 
kehr erwähnt) von Dietrichs zuge gegen Ermeareicb (veif;1.2) 






214 



MB NIBBLUNGISAGB IN DIR KLA6B. 



!• 



hl 



aar den g^Iücklicben erfolg, von dem die Vilkioasaga und die 
Rabenschlacht spricht, kannte and somit meint, Dietrich sei 
bereits zwölf jähre wieder im besitze Berns, doch er habe 
sich Etzel zu liebe später noch bei den Hennen angehalten ; 
in diesem liede ist von Dietrichs hilflosigkeit nicht die rede, 
denn die Worte 2129 überwinde ich aber mine not könneo 
sich auf seine augenblickliche läge und auf den schmerz über 
den tod der freunde beziehen. Herrat nimmt yoa dem eiv 
ert>ten schätze 80000 mark werthes (2073), mehr kann sie 
nicht mit sich führen (2071 f.). . — auffisdlend ist auch daCs 
Dietrich dem Hildebrand auftragt die H^rat den weg nach 
Bechlaren zu fuhren (2102), als ob er ihn nicht wüste oder 
. nicht zugleich mit ihnen zöge. 

c) Etzel und Dietrich senden boten nach Bechlaren und 
Worms, und zwar nach Bechlaren die sieben noch lebenden 
knechte Rüdigers (1284 ff. 1415), die der markgräfin und iin 
rer tochter grüfse von Dietrich (1340 — 43) und das schwere 
rofs und gewand Rüdigers (1288) bringen; nach Worms 
Swemmelitt den spielmann (1298. 1791) und zwölf andere 
(1297)^ die boten ziehen vereint durch Österreich (1365)» 
über Wien (1376) und Treiscmmauer, (1396 N.N. 1272,3. 
1276^ 1 Zeixenmäre^ Bit. 13368 auch Treisenmüre) naeh 
Bechelaren (1398); hier bleiben Rüdigers knechte, sowohl 
Gotelind (1439—49) als Dietlind (1450—54) ist durch bange 
trSume auf das bevorstehende Unglück vorbereitet, diese 
stelle (1402 — 1630), die Schilderung wie die boten das Un- 
heil verheimlichen wollen und wie sie es nach und nach, 
wider willen, verrathen, ist die beste des matten gedichts 
und in der that tiefpoetisch.— der sinne nicht mächtig kann 
Gotelind für die boten nicht sorgen (1620 f. 1613 f.), docb 
1631 heilst sie, vielleicht Dietlind (vergl. 1635), dieselben 
in der Stadt herbergen (vei^l. anm. s.289 oben). Swemme- 
lin nnd seine begleiter ziehen üf m der Beier lant (1643) 
noch Pafsau (164Ö), wo der bischof Klgcrin sie freundlich 
anfiiimmt (166öf.) und eine trauennesse hält (1687—94)5 
hierauf durch Baiem (1743) und Schwaben (1745) nach 
Worms (1763)* die klagen des volkes beim empfang der 
teanerbotschaft, sowie Dietrichs befehi dafs die boten auf der 
fahrt niemand erzählen sollen was geschehen ist, and der 



OIB NIBELUNGBSAGE IN DER KLA6B. SM 

Widerspruch dafs bald gesagt wird, dieser befehl sei gehal- 
ten, bald, er sei übertreten worden, endlich die herzogin 
Isalde von Wien sind als für die geschichte der sage be- 
deutungslos zu übergehen (doch vergl. anmerk. s.289. 290). 

d) IFte bringt mau von ihrer abtei nach Worms (1848); 
sieben tage darnach stirbt sie vor leid (1976 f.) und wird zu 
Lorse bei der isibtei begraben (1991). 

e) Günthers und Brünhildens knabe wird zum ritter ge* 
schlagen und gekrönt (2000 — 2005. 2039 — 47), vornehm- 
lieh auf Rumolts rath (2037), der erst ans seinem lande 
herbeigekommen ist (2004), also nicht wie N. N. 1459 zum 
reichsverweser bestellt war; alle empfangen die leben von 
dem kinde (2045 f.) Sindolt gelobt in seinem und der übri- 
gen namen Brünhild und dem knaben treue (1875 — 80). 

f) Dietrich kehrt auf seiner rückkehr iu Bechlaren ein 
usd langt am siebenten morgen daselbst an (2108 f.) "^^ Gote- 
lind ist drei tage vorher vor schmerz (2114) gestorben, für 
Dietlind verspricht Dietrich zu sorgen (2130 — 55). 

g) Zur bestattung der fürsten werden drei tage ge- 
braucht (1191). die Christen werden von den beiden getrennt 
begraben (921 f.). die drei bürgundischen könige und Kriera- 
hild kommen in herrlichen sargen (1149) an denselben ort 
(919 — 21). Hagen Dankwart und Volker werden in der 
nähe ihrer herren beerdigt (1182 f.) 5 Imfiried Hawart und 
Iring wohl ebenda (1185 — 1187). Kriemhild und Ortlieb 
liegen in einem prachtvollen sarge (1163 — 67). zum be- 
graben der knechte wird eine sieben speersehäfte weite und 
eben so tiefe grübe gemacht (1200). viele, deren gewänder 
sich nicht anfstrioken lafs^, werden aus denselben geschnit- 
ten (802 f.) 

• nach Swemmelin wollte er binnen zwölF tagen, nacb ankunfl der 
boten in Beehlaren, Gotelind besncben (1494—1503); dafs dies nicbt 
getehehen ist ergibt sieb daraos dafs er bei der rüokkebr der boten 
noch nicht abgereist ist (2050 f.) 4 fin Biterolf (4700) aber werden zur 
reise von Etzelbnrg nach Worms sechzehn ta^e gebraucht, und hier 
miisten die boten in fünf, oder wenn man nur Dietrichs abreise be- 
zeichnet meint, in zwölf tagen von Bechlaren nach Worms und von 
Worms zurück zu Btzel gelangt sein, wahrscheinlich geben die boten 
n«r «m Gotelind z« triSsten diesen zeitranro tn. 



216 



DIB NlBBLDNCatSAGE IN DBR KLAGE. 



»)J. 



DIE URSACHEN DES UNTERGANGS DER ßURGUNDEN. 

An dem unlergange der Biirganden war Kriemhildens 
zom wegen des ihr zagefügten Unrechts schuld; um Sieg- 
frieds tod und den ranb des Schatzes zu rächen lockt sie 
die brtider ins verderben, diese ansieht geht dnrch das ganze 
gedieht (vergl. 18 f. 50 f. 117. 159 f. 174 f. 195 f. 247—249. 
255f. 273 — 276- 632 — 634. 1595—1599. 1713 — 1717. 
1886 — 1890. 1966. 2014—2017 und die vielen stellen in 
denen Etzel klagt dars er den sinn der königin nicht gekannt 
habe und in denen den Burgunden selbst die schuld ihres 
todes zugeschrieben wird). 

Hildebrand meint dagegen, die räche gottes habe die 
Burgunden ereilt (635 — 639) obgleich hier ihre schuld die- 
selbe ist, so entspringt doch daraus ein grofser unterschied 
dafs die Burgunden nicht in folge einer menschlichen, viel- 
leicht verdammlichen, leidenschaft sterben, sondern dafs ihr 
verbrechen so grofs ist dafs gott selbst sieh zum rächer er- 
bebt. 

Etzel sagt, das unglück sei ihm vom gott der Christen als 
strafe gesandt, weil er zum heidenthum zurückgetreten sei 
(477 — 488. 517 f.). 

An einer andern stelle sieht Etzel atigemein nur eine 
vorherbestimmuttg, ein Verhängnis, in dem untergange, 557 
d6 sprach er 'ez solde wesen : Ja tofgrez anders mir geseit* 
vergl. myth. s. 503. 

Einmal endlich wird mit sehr .unbestimmten allgemei- 
nen Worten der schätz als grund des Verderbens angegeben. 
96 Rrimhilte golt rdt heten si ze Rine Idzen. diu zu si 
V'erwdzeuy daz sis ie gewunnen künde, ich wem si älter 
Sünde engulten und niht mere. wenn man hiermit folgende 
beiden stellen vergleicht, 1713 der Nibelunge golt röt, he- 
ten sie daz vermiten, so mühten si wol sin geriten zuo ir 
swester mit ir hulden. von ir selber schulden und von ir 
starken übermuot s6 hdn wir die recken guot verlorn alle 
geliche in Eizeln künecriche, und 2014 do er (Hagen) t^ro- 
wen Rriemhilt nam ir man u?id ir ir guot an gewan in 



i.i- 



DIE NIBELUN6ESA6E IN DER KLAGE. 217 

gröften uniriuwen, ich sack ez an ir riuwen^-swte siz an 
geträege^ das man st drumbe slüege, swenne es och ge- 
schcehe, so könnte man schliefsen dafs die alte sünde .wel- 
che die Borgunden entgelten auch dort nnr der raab des 
Schatzes ist: adiein wenn der dichter dies in der that meinte, 
warom drückte er es nicht deutlicher aus? die dunkelheit 
seiner werte erweckt die Vermutung dafs hier eine anspie- 
lung auf die alte verhängnisvolle macht des Nibelungehortes 
verborgen sei; der dichter der klage müste dieselbe in der 
alten sammlang vorgefunden haben, er selbst verstand sie 
ohne Zweifel nicht mehr, die stelle bekäme dadurch die 
höchste Wichtigkeit dafs sie die einzige wäre, in welcher 
das nordische Verhängnis auch in Deutschland durchbräche; 
doch eben deshalb wird die annähme um so gewagter. Wh. 
Grimm (heldens. 11!) Cafst das gold nach ihr entschieden als 
verhängnisvolles, in der N. N. deutet nichts auf das Ver- 
hängnis hin. 



ANSICHTEN DES DICHTERS UND SEINER ZEITGENOSSEN 

VON DER SAGE. VERBREITUNG DERSELBEN. 

CHRISTßNTHÜM. 

Hier ist zuerst der liefe gedanken hervorzuheben, wel- 
cher der N. N. fehlt, dafs Kriemhilden, obgleich sie durch 
das Mut von tausenden und durch brudermord befteckt ist, 
von gott vergeben sei, weil nur die treue der grund ihres 
vergebens war. hierbei beruft sich der umdicbter ausdrück- 
lich auf seine quelle, 285 des btsoches meisier sprach das 
4. dem getriwen tuet untriwe w^, sit si in trhae tdt gelac, 
an gutes hulden manegen tac sol si se himet noch geleben, 
got hat uns allen das gegeben, swes lip mit triwen ende^ 
nimty das der dem himelriche simt; vergl. 7Ö — 79., das 
Volk hingegen hält Kriemhilden für verdammt (276— r 282). ^ 

Auch wundert sich das volk wie ein weih Hagen zu 
tödten vermocht habe und hält dies für eine lüge (368^-372, 
vielleicht fügte sich der dichter des letzten liedes nur dieser 
ansieht, wenn er 1967 Hagen auf Kriemhildens geheifs tödteo 
läfst ; vergl. 7 f. wo von solchen die rede ist denen das märe 
missehagen könnte). 



/^ 



21S 



MB MBELUNGBSAGB IN DER KLAGE. 






Etzels reichtfaum setzte der dichter bei seinen zuhörem 
als bekannt voraus (24); ebenso hatten diese gewiss schoa 
gehört wie Kriemhild bei den Heunen der Helche gleich 
herschte (36), wie Etzel die forsten za einem grofsen feste 
lad (80) und wie treu Romolt seinem herren diente (2009). 
auch sprachen die leute davon in wie kurzen tagen man das 
grofse fest bereitete bei dem Günthers söhn zu Worms ge- 
krönt wurde (2041). 

197. 203. 217. 709. 2070 ist nicht zu entscheiden ob 
sich der dichter auf sein buch oder auf die lebendige sage 
beruft (über 190 vergl. die anmerk. zu dieser zeile). 

Die sage hatte man schon oft in deutscher spräche ge- 
dichtet und die alten und jungen kannten sie wohl (215d 
—2157). 

Bestimmte christliche ansichten enthalten die verse 291 
—293. 437f. 921— 928. 1171 — 1174 und 1176—1179. 
1687 — 94 und die oben besprochenen stellen von Etzels 
bekehrung und seinem rücktritt zum heidenthum. 

E. SOMMER. 



EIN LCICH VOM NIEDERRHEIN. 



Mein freund Zacher erlaubt mir aus seiner abschrifl 
der in dieser Zeitschrift 1, 227 — 262 von ihm beschrie- 
benen Uedersammbmg im Haag die stücke 74 — 77 mit- 
zutheHen^ welche ich zusammen ßir einen leich halte, 
als solchen scheint sie mir die gleichartigkeit der gedan- 
ken und ausdrücke in allen vier stücken^ so wie die Wie- 
derkehr derselben Strophen in den drei letzten zu bezeich- 
nen, wie das ganze zerrifsen werden konnte begreift man 
leicht^ da es sich von selbst in diese vier abschnitte zer- 
legte, der erste, die einleitung, stellt sich dw'ch den durch- 
gehenden reim -Me gleichsam als eine Strophe dar; bei 
dem anfange jedes folgenden aber nim$nt das versmafs ei- 
nen neuen aufsckimmg und der gedanke eine wendung» da/s 
nickt ein grundgedanke in strengem f ortgang das ganze 
durchzieht fällt bei einem leiche nicht auf. die Überschrif- 
ten der letztem theile mögen in der hs. weiche dieser zu 



BIN LaaCH VOM NIB0ERRJBUN. S19 

gründe liegt entstanden sein nachdem der Schreiber die 
abschnitte bereits hervorgehoben hatte; um den leser nicht 
SU irren fügte man das dreimalige vürbaz hinssu, — der 
wald Osenic (48), über den Lersch m d. jahrb. des Ver- 
eins von alterthutnsßreimden itn BheüUande 1 , 26y. zu ver- 
gleichen isty bestimmt uns, da er nicht sprichtaörtlich be- 
rühmt war 9 ohne Zweifel die heimat des dichter s^ von 
dessen kräßen der leich übrigens keinen hohen begriff 
gibt. — M reim stehen folgende niederdeutsche formen : 
versmMe (hd. versmdtite) 10, karte 31, umn^ (hd. un- 
maere : h^re) 76, singen (kd> singent) 114, gelart 123; 
auch sind die reime jngent : tugent 58. 60 und leben : ge- 
geben 126y*. wohl als klingend jbu nehmen, hiernach wollte 
der^dichter offenbar hochdeutsch schreiben^ doch ziehe ich 
es bei dieser beschaffenkeit seiner spräche vor tmr die für 
versmqfs und süm unerlä/slichen änderungen m den tewt 
zu setzen. £. SOMMER. 

BildQ, milde bys teghen myr^ 

Dir bin ich holt vur alle wyb. 

Blih aa mir arman stede. 

Sint tu bist al myn toeversioht 

Ynd, muest zi zun an ende, 5 

Zo hayn ich gantz zu dir gheplicbt 

Dinn lieben gruetz myr sende. 

Zuze, gruetze bistu rych. 

Mich troeste, zarte reyne vrucht, 

Zucht, du dich nie versmede. 10 

Alle vroowen hant der eere 

Die myn herlze haet ercoren. 

Liebes liif van zwifel keere; 

Anders bin ich gaer verloren. 

Blicke scycke wol behut, 16 

Gut is it vur der nider scal. 

Val neyt an yr gherede. 

3. stete 5. Vnde m&es zieh 7. Dincn 9. VrScht et$t in der 
JkfigBtiden zeih. 10. d& (diti) ifhne dich 11. vor der zeite ff 

ebemo 15. S3. 41. 46. 60. 5S. 73. 86. !00. 117. 134. 1^. Den m! 
bertz 13. lieF 16. it] ite 



220 EIN LEICH VOM NIEDBRRHBIN. 

Zini das yst mir eyn beyl gedaen, 

Das ich cyns wibcs eyghen byn, 

Zon wulde ich vür zi gheyne haco. 20 

Si ervroawet mir den sin. 

Denke, senke mine pin, 

Myn hört end hoyste paradys, 

Prys ye du gerne hede. 

Wol mich vmmer wol der lieben stände, 25 
Ich sach dri bloemen iugendriicbe staen; 
Zo eener tsyt mir god des heyles gunde 
Of eenen zaverlychen gr&nen plan. 

Die bloemen fiin so zarte 
Mich machten sorgen yri, 30 

Dat ich mich mit willen z& yn karte; 
Het waren wael ghewunste vroowen dri, 

Yyl hoogheboren, tugeden vol; 
Das weys ich zunder zwifel wol: 
Ich moes ant sol 35 

Yr vmmer wal gedencken; 
Want sii siin alles wandeis baer. 
Ich wensche yn vmmer heyles zwacr 
AI durch das Jaer. 
Zi können leyt versenken. 40 

Ze vrueden zint si wal ghestalt, 

18. teyl %0, zo ne — hayn 21. So 'Zi, Myns berten (bert 

en) %A. zwischen dieser und der folgenden zeile Desen bouedantt 

tancb vorbäs, roth unterstrichen wie die beiden folgenden Überschrif- 
ten, wahrscheinlich ist blq/i boyetanzsanc *u schreiben; vergl. tauz- 
liet in dem bekannten spruche Reinmars des fidelers {JFackemagel 1, 
519) und tanzwise bei Ulr, v. Lichtenstein ; auch der Tanhauser sagt 
ich sing ia wol ze tanze, MS, 1t, 66**. disen bovetanz sine vürbaz 
ist weniger anzunehmen. %b, Wolmicb — lieblicbe, was bleiben 

kann, wenn man das zweite wol streicht, 126. drie 29. die 

einrückungen sind gegen die hs,; dieser und die nächsten drei verse 
stehen in der hs, zwar als vier Zeilen, doch schliefst die erste mit 
macbte, die zweite mit willen, die dritte mit wael; hinter yri und 
karte stehen punkte, 31. ym 32. bets (vergl, 16 its) w. w. 

ghewunste der yr. drie 35. leb sal yn moes, von der folgenden 

zeile nicht getrennt. 36. ym, vergl. 31 . 38. 37. siin] sim 

38. ym 40. versinken 41. Zen 



BIN LEICH VOM NffiDERRHBIN. »1 

Werlicb bi minem eyde, 

Yv t&egent die sint menichfidt. 

God bued zi micb voer leyde, 

Dey lieben ogben weyde. 45 

leb weys vyl wal eyn blaendes rys, 
Gar zaueiüeb gestellet, 
Der Ozenyncb zwaer in keyner wys 
Mir nicbt so wal beuellet. 

Zucht WS dem rise sprozit, 50 

Daer zu vil werdicheyt, 
Ondaet dem rys verdruzit; 
Des yst siin lof so breyt. 

Daer van myn bertz ervmwet wyrt, 
Wan icb des rys ghedencke; 55 

Myn sin myn moyt vyl sorge embyrt 
Daer mit ich leyt versenke. 

Icb meyne eyns wibes jngbent 
Gar alles wandeis vri; 

Men zayt van yr vyl tugent, 60 

Daer yst die waerbeyt bi. 

Das weys icb wol opb minen eyt, 
Daer an icb zwifel nvmmer: 
Myn bluynder walt die crone dreyt 
Der tugeden werlicb vmmer. 65 

An yr yst wensches vlyt gbeleyt, 
Dey mir vuer alle Vronwen wal beuellet. 
Van yr zficht men wonder zeyt; 
Zo gutlich yst der zarter liib gestellet 
Dat icb moys yr eygen ewicb bliuen. 70 

Dey crone zi mit züchten dreyt 
Der tugent weiücb gar vur alle wiuen, 

A%. miaea 44. huede. vielleicht iit zi zu streichen. zu mieh 

vergl. b%, 66. 91. 97. 48. ozenyneb, das versmaft zeigt dqfs z 

für s steht. 55. ^bedenken ; wohl rises decke; wan =: tweane. 

56. sorge vmbyrt ; für imbyrt {yrie vmmer, nummer) z= embyrt? 

57. versinke 65. hierat^f soll nach der angäbe der hs. 46 — 49 
wiederholt werden; es folgt die Überschrift ooeb vorbas 68. yre 

69. lieb, zu zarter vergl. 87 mynnenllycher. 72. vor allen? 



2!» BIN LBICH VOM NIBDBRRHBIN. 

Des vreawe ich mich an aHen wank. 
Han ich es van den g&efcen dank, 
Der sorghen dwanc 75 

Wer mir dan gar ynntere. 
Ich wef s zi snnder zwiael gaer, 
Zyn lesset mich nicht troestes bar. 
Der eeren scaer 
Becronet zi dey here, 80 

Die vber mich gebieden sol, 
Dey zarte minnentlyche, 
Behaghet yr myn dienest wol, 
Si eyne macht mich ryche 
Aen vreuden yyl ; myn gonst van ir niobt wyche. 85 

Myn moet zä yr ghehuldet hat 
Der minnentlycher tsarten, 
Dey vry ist aller missetaet. 
Myn hertze zwoer yr trawelich in warten. 

Das moys aen ende werlych zun: 90 

Vyl sorghen sWaechet mich der scyyn 
Der WS haer oghen blicket. 
Zo wold ich das ich qneme dar 
Vnd haer liebliche neme waer, 
Ws sorghen bände wurde ich wol erstrieket. 95 

Sihe ich das minnendlyche heyl 
Ob got mir des ghewerte, 
Dan weer so groys min vreuden teyl 
Das mich v&r alle sorgen wol ernerte. 

Ich hyn yr holt oph minen eyt. 100 

Yr tugent yst lanch vndc breyt. 
Ich vrenwe mich yr guete. . 
Was mir dar van al yst bescert, . 

74. ich es] ichz 78. zey ne 79 mit der folgenden zeile zu- 

tammengeschrteben, 80. gehere S%. ininnenclyehe ? 83. dienst 
85. Aen (das wäre kne) vreuden vyl Ut unverständlich ; vielUieht 
und vreuden vol als besondere seih, 88. mistaet 89. herte 

zwaer; die änderung zwoer d. t*. swuor ist unsicher • 91. swaecht 
m. ir 9!^. Ws beren ohne der ? 94. Vnde h. üblich nemen 
96. ich] mich 97. ob] Dat 98. mir 99. vi^re. Aiarat/ Ut 

68—89 %u wiederholen, 10t. yre 



BIN LEICH VOM NIBDERRHRIN. 2» 

Des bliue ich ¥rolieb wol gewert. 

Ich wensche das si vmmer god behüte. 105 

Yr gut gelaet, yf walgestalt 
Das yst gar ane maze; 
Syst alre zücht eyn Uoynder walt, 
Bi der ich zwaer al mine sinne laze. 

Höret wie der vogel zanch 110 

Zieh erhoghet in dem luchte scone. 
Wye si winters noet ye dwanc, 
Das yst hyn, ich merkes aa dem done, 
Wan si so wünnentliche zueze singen; 
AI myns leydes weer verganch, 415 

Of ich m&cbt in yrme dienste ringen. 

Die ich gar liep in hertzen haen 
Vnd vmer ir alre eeren gan 
' AI sonder wan 
Aen alle valschen rete. 120 

Vuer allen vronwen yst zi tzaert, 
Ir keine mir nie lieber waert. 
IMBch hat gelart 
Yr tugent bliuen stete 

An yr werlych al minen tsyt, 125 

Der wile ich mach gelenen. 
Nv dar, das zi ghegeuen! 

Wal ff, la hyn mit vruden gaen, 
Hes yst mir alles wol ghetaen, 
Was zi mir deyt, dey reyne. 130 

Ich wil onstede in allen siin 
Wan der vyl lieuen vronwen myn. 

107. mazen 108. Se yst a. z. myn 109. Atera^/" 86— 89 noch- 
mais zu wiederholen, dann die überschrijt noch vorbat, darunter 
eyne bouedans. Itl. lucbte 113. ich in merkens in de doene 
114. Dan si so winnentliobe (minnecliche ? ) zuez 115. yerirane, 

smbst.f 116. dienst 117. Die] Den 118. Vnde Tmmer in 
119 und i%0 eine zeile. 120. alre valsoher \7^. In keyner d. 

hs,: an keiner? 123 und 124 eine »eile. 124. bliuet 

125 — 127. die anaiogie der Strophen 33 — 45 liifst vermuten dqfs 
hier zttrei Zeiten fehlen. 131. al onsteden sün 132. Vander v. 

lieae vroowe 



224 ETYM. VERGL. D. D. GOTTERN. M. KELT. WORTF. 



Si mach micii troesten eyne. 

Da wandeis leere tsarte, 
AI mynre vreuden Izyl, 
Miin bloynder walt, ich warte 
Zu dyr myns heiles vil. 
134. Des 137. myn 



135 



i\ 



ir 

.1 



ETYMOLOGISCHE VERGLEICHÜNG DER 
DEUTSCHEN GÖTTEJRNAMEN MIT KEL- 
TISCHEN WORTFAMILIEN. 

Indem ich im folgenden deutsche mythologische namen 
mit keltischen Wortfamilien zusammenhalte, ist meine ab- 
sieht nicht die meinang auszusprechen, die deutsche my- 
thologie sei keltisches Ursprungs; nur auf das merkwürdige 
Verhältnis will ich an einigen beispielen hinweisen, dafs sich 
der gröste theil der mythologischen terminologie der Deut- 
schen eben sowohl und mit denselben resultaten keltisch als 
deutsch etymologisch erklären läfst. 

1. die Äsen, äs heifst im nordischen, ans im deut- 
schen ein riegelbalken., eine Stange, der wälsche plur. 
dgSi*eg. ms bedeutet latten, Sparren, ribben. der einzelne 
gegenständ dieser art heifst äsen; der plural hiervon lautet 
asau und asenau. im gälischen lautet das wort aisean und 
asna, 

2. Odhin. im nordischen heifst ddhr animus, mens, 
sensus; das deutsche wuot bedeutet ursprünglich mens, In- 
genium, im wälschen bedeutet gwpd charakter, gemüth, 
leidenschaft, wuth, sünde; gtvydion oder gwydien ist der 
name eines gottlichen geistes. der in den lüften, über äther und 
Sternenhimmel waltet, gälisch bedeutet (nach ganz richti- 
gem lautwechsel) fodhin (contrahiert fonn) die leidenschaft, 
neigung. 

3. Th6rr. der in der deutschen etymologie zu gründe 
liegende begriff ist donner. im wälschen bedeutet taran 
donnerschlag, taranu wettern; im gälischen toraiin (oder 
torunn) donner. die Gallier hatten einen gott Taranus 
oder Taranucnus, 



ETYM. VERGL. D. D. GÖTTERN. M- KELT. WORTF. Mö 

4. Baldr. im wälschen bedeutet beili die öffoung, der 
ausgang, der vorhof, hof; alles was herausstrebt ; aach die 
spitze eines thunnes oder tumulus; dasselbe bedeutet bal^ 
und bala der ausbruch, das hervorscbieTsen ; ball hat beide 
bedeutungen, sowohl von bal als von bala* damit hängt 
zusammen dafs bei bedeutet der ausbrach, der kämpf, der 
auszug, der krieg, und bela ausziehen, kämpfen, so wie dafs 
baldardd heifst das ausbrechen der knospen der blätter und 
blumen. im gälischen heifst beal^ der krieg, aber auch die 
öffiiung (auch die sommerliche sonne), die Kelten hatten 
einen gott Belus^ der noch in den resten des abei^glaabens 
als Beal bezeichnet wird. 

5. T]T. dieser name ist im deutschen ursprünglich all- 
gemeiner gottesname. im wälschen heifst duto oder dew 
gott , dtvyfawg oder dwyfawl götdich , dewin der prophet, 
und als adjectivum göttlich, im gälischen heifst dia gott. 

6. Freyr bedeutet im deutschen ursprünglich herr. im 
wälschen heifst gwr ein mit willen begabtes, selbständiges 
Wesen, ein freier mann, ein herr; später ein ehemann, 
ein hausherr, ein mann überhaupt, das adjectivum gwriawg 
heifst einen herren habend, hörig, die frau ist gwriawg 
in beziehung auf den mann, der vasall in beziehung auf den 
lefaensherrn. die frau heifst gwraig. nach ganz richtigem 
lautwechsel lautet gwr im gälischen fear , der mann ; und 
gwraig zieht sich gälisch zusammen in ßrag^ die frau. 

7. Loki. dieser name bezeichnet ursprünglich einen 
riegel, eine abschliefsung. iift wälschen bedeutet Hoc das 
gefangais, der eingeschlofsene räum, der dämm, die bürde, 
die einschliefsung, und llociaw einschliefsen. im gälischen 
heifst loc der aufenthalt, das hemmnis, die beschränkung, 
und das verbum loc - bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, 
beschränken, etwas abschlagen. 

8. Hei. im wälschen heifst hid die hülle, und hyll, oder 
helly quod celandum est — also widerlich, häfslich, wild, 
schrecklich, hyllu häfslich machen, wild werden, sich er- 
schrecken, hell-gre die hexe, im gälischen heifst cul die 
hülle (auch die verdeckte, hintere seite), ceal die de6ke 
(auch der himmel) und der tod , cuil böse , und colach 
gottlos. 

Z. F. D. A. ni. 15 



jSSK RTYIL VBRfiL. 0. D, G(?rTBRN. M. KBLT. WORTF. 

9. Mospelh im wXIschen heifst mud alles was bewegt, 
verändert werden kann, was nicht fest ist, nnd yspel die 
Vertreibung, hinaosschaffang. gälitcb bedeutet muth - ver- 
ändern, bewegen, und spmll die wegfuhrnng, wegschaffong, 
beraubung, plünderung, Zerstörung, die lateinischen worte 
movere, mutare und spoliare liegen nahe« 

10. Niördhr« führt nach deutscher lautlehre auf die ta- 
citeische Nerthus, im wälschen bedeutet nerth kraft, machte 
hilfe, und nerthus kräftig, mächtig, hilfreich, im gäliscben 
heifst neart die kraft, die gewalt, und neartor kräftig, mächtig. 

H. LEO. 



1 



ZWEI URKUNDEN AUS DEM XIII JAHR- 
HUNDERT IN NIEDERDEUTSCHER 
SPRACHE. 

Nachstehende zwei Urkunden vom jähre 1294 enthal- 
ten einen mün»vergleich »wischen dem erzbischof Erich 
von Magdeburg und den grafen Busso und fVoÜer von 
Barby, damals herren der Stadt Zerbst", worin bestimmt 
wird dq/i der erzbischof keine münzen mit dem gepräge 
der grafen in seiner münze zu Magdeburg und ebenso die 
genannten grafen keine münzen mit dem erzbischöflichen 
gepräge in ihrer münze zu Zerbst fortan schlagen sollen, 
dabei wird bedingt dafs die münzen der grafen von Barby 
im erzstifte stets geltung hdben sollen, auch wenn andere 
münzen verboten werden, und dafs der grafen münzmeister 
zu Zerbst dem münzmeister des erzbischqfs von jeder neuen 
münzsorte die er schlägt 12 pfund übermache, oder, wenn 
der Magdeburger münzmeister es för nöthig erachte^ einen 
hüter auf dessen kosten bei sich dulde, der da wache d^fs 
zu Zerbst keine münzen unter Magdeburgischem gepräge 
geschlagen werden. 

Die Urkunde unter 1 ist vom erzbischof Erich und 
dem domkapitel zu- Magdeburg ausgestellt und mit den 

* weiche sie 1264 vom damaligen besitzer Richard von Zerbtt 
erkauften und bis 1307 behielten, wo die stadt, unbekannt wie, an 
die forsten zu Inhalt kam. 



NIBDERDBirrSCBE URKUNDEN. Vü 

hangenden siegeln des ersMschofs und des dmnkapüds ver* 
sehen, auch in Beckmanns ckronik von Anhalt nr, vii, 1 
s, 551, jedoch fehlerhaft, abgedruckt. 

Die Urkunde unter 2 ist eine zeugenbestätigung des in 
der ersten getroffenen vergleiche durch die rathmanne und 
inmmgsmeister vtm Magdeburg, ausgestellt an demselben 
tage, versehen mit dem hangenden Stadisiegel von Magde* 
bürg, und ungedruckt. 

Die spräche beider Urkunden ist rein niederdeutsch und 
ihr hohes alter , als niederdeutscher Urkunden deren eeht» 
heit keinem zweifei unterworfen ist, gibt ihnen einigen 
werth. ich kenne keine so alte Originalurkunde in deut* 
scher spräche weder aus dem erzstifte Magdeburg noch 
aus den anhaltischen landen auf dem linken und auf dem 
rechten elbufer, wo das slaventhum, erst seit Albrecht dem 
baren mit erfolg bekämpß, am Cfide des IZn Jahrhunderts 
noch so verbreitet war dafs nach Beckmanns angäbe Qd^ 
storie des furstenth. Anhalt iv, vx s. 551) die forsten 
Bernhard der te und Albert der ie zu Anhalt gemein^ 
eeha/Uieh mit dem abte Kenrad zu Nienburg an der Saale , 
verßlgten, fortan solle in den öffentlichen geriehten nicht 
mehr die wendische, sondern lediglich die deutsche spräche 
in anwendung kommen, diese bemerkung, wichtig sowohl 
für die gesehichte der deutschen spräche an der Mittelelbe 
Mberhatq^t, als auch hinsichtlich der zeit für die nachfol- 
genden beiden Urkunden, die ein jähr später fallen, ist lei- 
skr von Beckmann nicht urkundlich nachgewiesen, sondern 
eben nur an der angeführten stelle und sonst noch einige' 
mal hingeworfen, er hat, wie es scheint, diese naehricht 
aus dem manuscrqpte eines anhaltischen arcUvsecretärs Bar* 
Aehmäus Schwaneberger {um 1580) entlehnt, welches, m 
meinem exemplare, diese angäbe auch nur schlechtw^ 
enthält. 

tVenn es irgend urkundäch sich nachweisen litfse, was 
spätere Schriftsteller blofs behaupten, dcfs der kaiser Rsh 
dolf der \e zu Mamz 1281 oder zu JFürzburg 1287 ver^ 
ordnet habcy es sollten fernerhin alle offentliehen instruß 
wunte in deutscher spräche abgefqfst werden, und wenn 
die uneehtheit des von ihm darüber angeblich ausgestellten 

15* 



2S8 



NIEDERDEUTSCHE URKUNDEN. 



diplomsy welches rieh bri Goldast findet^ nicht erwiesen 
wärCf so könnte man auf den gedanken kommen die deut^^ 
sehe abfafsung dieser beiden Urkunden mit jener verordr- 
nung in Verbindung zu setzen. 

Übrigens ist das gewiss und bekannt^ dafs Rudolf des 
\n Vorliebe ßir deutsches wesen und deutsche spräche dem 
erstem wie der letztem bedeutendes gebiet gewonnen hat. 
nachdem fast hundert Jahre lang mehr oder weniger un^ 
deutsches und fremdes wesen in den deutschen königen rieh 
kund gegeben, ist Rudolf der \e wieder rin durchaus deut'- 
scher mann, und von ihm an ist eine neue zrit seines vol^ 
kes zu rechnen. 
Zerbst. F. SDJTENIS. 



In deme Namen des vaderes. vnd des sunes. vnd des 
heylegen geistes. Amen. Wie Eric von der gnaden Godes 
erzepiscop tu magdeborch. Albrech die dumproaest. Bernarl 
die deken. vnd dat capilel gemeine des Godeshuses tu mag- 
deborch. bekennen openliken an disseme ieghenwardigen 
breue. dat wie gededincget hebben mit den edelen luden, 
heren Bussen, vnd heren Wolthere von Barbeye dem bru« 
deren. Ymme vnse muntye tu magdeburch. vnd vmme ere 
muntye tu ceruuist alsogedane wis Dat sie henne von dis- 
seme daghe sie noch ere eruen. tu ener ewicheit diewile 
vnse Godeshus steit. vnd de stad tu cerwist. nene penninge 
slan ne soholen vppe vnse yseren. noch wie uppe ere. Vnd 
sie moghen slan swelkerleye penninge sie willen, sunder 
meydebursche penninge. Ere penninge die scholen gan in 
«1 unseme lande, sunder allerleye vare geistlik vnde wer- 
lik. na erme werde, ofte man wol allerleye penninge vor- 
bode. Hir vmme ne scal ere muntmester von Cerwist nene 
penninge slan hie ne hebbe tu voren vnseme Muntmestere 
vorwisset twelf punt tu me slage me^deburscher penninge. 
vnd scal ok liden enen hudere swem ene vnse muntmester 
sat sunder wederrede in sineme brode. vnde bi vnses munt- 
mesteres lone. me ne scal nich mer bewaren wan dat hie 
nene penninge ne sla vppe vnse yseren. Vppe en openbar 
vnd en ewieh orkunde dtsser sake. so hebbe wie dissen bref 



NIEDERDEUTSCHK URKUNDEN. 229 

gegeuen vnd besegelet mit vnseme Ingesegele vnd mit vnses 
capiteles iogesegele. Die tughe disser dinghe sint. Her Go- 
deke von hessen die sancmester. Her hinric von wederdea 
die Scolmester. Her albrech von keteliz. Her burcfaart von 
Blanckenburch die kemerere. Her hinric von barbeye. vnse 
dienstmanne vnd vnse riddere. her heyne von alsleue. her 
hannes burcgreue von louburch. Her henning von bardeleue. 
Her ihile von scerenbeke. Vnse Barghere. her wesseke Ke- 
seling. Betheman hose. Hannes von honsten. Heren bussen 
vnd heren woltheres man. Wolter von Sticboye. Henning 
Schul tecbte. Henning muntmester. Michel de voget. Disse 
bref die is gegheuen vnd disse dincg die sint geschin An 
deme iare von Codes gebort, ouer dusent iar. tweyhunder 
iar. in dhem verdhen vnd Neghentheghisten iare an deme 
heyligen auende sente matheus des apostolen. 



In dheme Namen Dhes vaderes und dhes sones und dhes 
belegen gheistes amen. We Ratmanne und we Meistere dher 
innunge in dher stat tä Maidheburch bekennen dhes opeli* 
ken an dhisseme Jeghenwardighen breue dhat»dhe Eriiare 
berre vnse herre Erzebiscop Erick. von Maidheburch. her 
Albrecht dhe dumprowst her Bemart dhe deken und dhat 
Capitel ghemene dhes ghodeshuses ghededinget hebben mit 
dhen Edhelen luden hem Bussen vnd hern Woltere dhen 
broderen von Barboy umme dhe muntie tu maidheburch vnd 
umme dhe muntie tu Cerwist also ghedane wis dhat dhe 
benumeden heren her busse und her weiter henne von daghe 
se noch ere eruen tu euer ewicheit dhe wile dhat dhat ghodes- 
hus und dhe stat tu Cerwist steit neue penninge slan ne 
scholen up unses heren Maidheburcsche yseren noch unse 
here wedher up ere yseren vnd se moghen slan suelkerleye 
penninge se willen sunder maidheburchsche pennige Ere pen- 
nige scholen ock ghan in alle unses heren lande sunder al- 
lerleye vare gheistlick vnd werlick na erme werdhe oft man 
wol allerleye pennige vorbode Hirumme ne schal ere munt- 
mester von Cerwist neue pennige slan hene hebbe tu vore 
unses heren muntmester vorwisset tvelf punt tu dheme slaghe 



MO 



NIBDBRDBUTSCHB URKUNDEN. 



Maidhebarcbsche peanige ere muntmester schal ock lidhen * 
enen hadere suen eme unse muntmester sat sander wedher* 
rede in sime brode und bi unses muntmester» lone dbeae 
Mfaal nicht mer bewaren went dbat he neue pennige ne sla 
np unses beren yseren Vp en ewich und openbar orknnde 
dhisser dhinge so hebbe we durch bede unses beren dhissen 
bref besereuen taten unde dhen beseghelet mit unser stal 
ingheseghele Dhisser dinge tughe sint unse beren dhe dum« 
heren her Godeke dhe sangmester. her hinrick von weder* 
den dhe scholmester. her albrecht von keteliz. her Borchart 
Y&a Blanckenburcb. dhe kemerere. her hinrick von barboy. 
Dhe dhenestmanne und Riddere her heineman von alsleue 
her Johans borchgreue her hennig von bardeleue. her Tile 
von scherenbeke. Dhe borghere von Maidheburch her wes- 
seke keseling. her Beteman hose, her Johans von honsten. 
hern bossen und hern Wolters lüde. Wolter von stickbn. 
hennig dhe schulthechte. hennig muntmester. Michel dhe 
voghet und anderes ghetruwer lüde ghenuch. Dhisse bref 
dhe is ghegheuen und dhisse dingk dhe sint gheschen an 
dhepie iare von ghodes gheborl ouer Dhusent iar. Tueihun* 
dert iar in dheme verdhen und Neghenteghesten iare an 
dbeme heleghen auende sente matheusses dhes apostolen. 



WIE DER BUGHSENMEISTER DER STADT 
ZERBST 

1>p IM JAHRE MCCCXCm GEFANGEN WARD, VON 

IHM SELBST ERZÄHLT, UND BERICHT ÜBER DIE 
FEHDE IN DER DIES GESCHEHEN, VOM ZERB- 
, STER BÜRGERMEISTER PETER BECKER. 

r j I Die nachfolgende erssiUdtmg (1) des Zerbster biichsen" 

oder geschüizmeüters ^verd Luden beginnt mit gedräng-^ 
ter darstellung seines Verhältnisses zum rathe und zur büT' 
ger gemeinde der stadt ZerbsL er gibt zuerst den brief 
durch weichen ihn ßa{f jähre vor seiner gefimgennehmung 
der rath zu Zerbst aufs schleunigste dahin berufen habe, 
erwähnt wie er dem rufe sogleich gefolgt und unter wel- 
chen bedingungen er als besorger der büchsen dort ange- 



NlfiOEROEUTSCHE URILUNOEN. ^1 

mmrnen worden sei, und berichtet dann seine gijfangennehr 
mung unter der Stadt banner mit wehrender hand, woher 
der Stadt die verj^flichtung obliege^ ihm lösegeld und ersaUt 
ßtr erlittenen schaden ssu geben, welches beides erfordert. 

j4is^ beitrug zur frühesten geschickte der feuerwqffen 
ist diese er»ählnng nicht unwichtig, wie hundert jähre spä- 
ter die buchdruckerkunst^ m^fs die anwendung des piävers 
ssu geschüt» und Schiefsgewehr , beides damals büchsen ge^ 
nannt und seiner gestalt nach mehr dem heutigen geschiU», 
seinem kaliber nach mehr dem heutigen handgewekr glei" 
chend, oifs schnellste sich verbreitet haben; denn eine 
Stadt wie Zerbst . damals freilich blühend und mächtige 
hat schon 138 7 einen b üchse^meistor. 

Es folgt hierauf (2) der bericht des Zerbster bürgere 
meisters Peter Becker Ober die fehde in ufelcha^ der er- 
wähnte büchsenmetster Syverd Luden gefangen ward, er ' 
ist der chronik entnommen welche dieser bürgermeister im 
üxfirage des rathes und der bürger im Jahre 1451 auf 
setzte, das original derselben Hegt im geheimen archiee 
der Stadt Zerbst; aifser einzelnen abso/mit^n, die ich in 
den neuen mittheilungen des thüring. sächs. Vereins habe \i 
abdrucken Iqfsen, ist von dieser chronik noeh nichts ge- ^ 
druckt. 

ZerbsL FR- SINTENIS. 



Vnsea dinst vode vorderuisse lo vorn, leae siuert wy 
laten iu biddea dat gy alzo wol duo dorch vnses deDste# 
willen, vnde besandern dorch iuwes swagher wenemars wil-' 
len. vnde komen to vng« to cerwist alzo gy erst moghen an 
voriogheringhe. wente wy myd iu bebben to reden, des wy 
•ä itzunt nyobt moghen entbeden eder scriuen. — 

Do sad ik von atunden an np myn perd vnde red to 
oerwist to den radmannen, vnde ende mj myd en vmme de 
sake de se my do badden to aereuen« Don^ gheuen se my 
de borgeracop vnde der brower inghinghe. vnde stedigheden 
ny to erme denere. vnd gheuen my alao diaae brif na ludet^ 

wy ratmannen Scbepen innigmeystere borgheijshemeyne 
der atad to Cerwist bekennen openbar in dissem iegbenwer- 



2S2 



MIBDKRDBUTSCHE URKUNDEN. 



digheo breae. vor alkn laden, dat wy hebben entfoDghen 
Mester synerd l uden to eyneme dener ynser stad. vnd scal 
bei^d wesen myd den bossen. to denende bynnen der stad 
edder dar boten wan men des wert bedemen vnde scal de 
bnssen an richten myd pnluere med al deme des men dar 
to wert bedemen med syme arbeyde. vnd med der stad kS- 
ste. vnd scal enjgeyme beren edder stad bnssen gheten eder 
dynen vedder vnser stad wille. vor dissen vorghescreaen 
denst scal be wesen Scotes vry vnd scolen eme ghenen von 
der stad weghen to Cerwist. alle iar nppe snnte iohannes 
baptisten dacb ver mark gheldes vnde ene halae mark Cer- 
wister weringbe to syner kledanghe to synem lyue. de wile 
dat be an dem dinste wil blynen. Des to eyner openbarer 
bewisanghe bebbe wy eme gbenen dissen openen brif vnd 
vnser stad inghesegbel dar an henghet. Na godes bort^drit- 
;)rf. teynbnndert iar in dem seuen vnd achtighesten iare. an dem 
daghe des bilghen beren sonte mertens. 
"Th*]' Don scach* dat de radberen na my sanden. Tnde sprc- 
ken mester syuert wy sint drapliken ghewamt sed dat de 
bnssen synt verdich eft man se scolde bedemen. Dors^cach dat 
enes dinsedaghen morgens {AdX fehlt) de vyende vor cerwist ran- 
den vnd nemen dar vor. don Inddeme de klocken to storme. 
Do ghing ik vor dat radhas vnd wolde de bnssen hebben 
dat men se hedde ut ghevoret. alzo ik de des auendes hadde 
verdich ghemaket. Don konden se my nycht utghevoret wer- 
den. Do ghing ik by den sekhof myd den borghem. Do 
quam pre demitz reden de der radmanne en was. den bad 
ik da(t) he de bnssen lete utfören. eft wy se bedemen 
scuUen dat wy se hebben went ik hebbe hir al myn gbe- 
rede dat ik dar tu bedarf, don konden se my nycht werden. 
Do het my bulendorp predemitz vnd arnt ghercke dat ik 
scolde volghen den vyenden myd den borghem. Dar ouer 
wart ik ghevanghen vnder der stad banneren myd wcrendcr 
hant. hedde ik don de bussen dar had myd der hulpe godes 
wolde ik den scaden wol bewart hebben. Hirvmme bidde ik 
dat gy inwe gnade to my kern dorch god vnd des rechtens 
willen vmme myne haue de ik vorlom hebbe vnd vmme dat 

hier sind im originale die worte Hat enes mandagben auendes 
auigestriehen. 



AUS PETER BECKERS ZERBSTER CHRONIK. 2S3 

ik dar ouer vortered hebbe vnd dat ik to schaltinghe behbe, 
gheuen Q Edder dun my dar vmme alzo gy my von rechtes 
weghen plicfatich synt. wente an rechte^schal my alle we- 
gh(^ wol nughen. 



Item by des genenten vnszrs herm grauen Segmundes* 
tyden Anno domini mcggoulxxxiii so he dat regement ouer 
vns badde geschach eyn merklik stryt in deme stifFte ta hü- 
densym tuschen deme hochgebornen fursten vnd herrn herm 
firederike hertogen to Brunswick vnd Ern banse yan Swi- 
chelde vnd Curde vame Steinberge vnd andern stifPtge noten, 
den suluen stryt wan der genente hertoge frederik vnd fengk 
vele der stieffgenoten gude lude^ borgere vnd bur. Thu deme 
suluen stryde ward der genente vnsze herre graue Sege- 
mnnd van deme genenten hertogen frederike geheyschet vnd 
gebeden de denne med resiger haue siner manne deme ge- 
nenten hertogen fredericke to hülpe toch. 

Item so der genente vnsze herre deme hertogen wolde 
thu hulpe komen so vorbodede he den Rad thu Czerwest 
thu den tyden vor sik vnd seyde deme rade liuen getruwen 
wy willen med vnser manschap so wy de rüstigest hebben 
mögen vnszem liuen Ohemen vnd herrn hertogen frederiken 
to Brunswigk volgen vnd vns in syne hülpe geuen weder 
de Stieffigenoten. So gy denne wol weten dat wy vnd gy 
vnd vnsze gantze land med dehn aldemerkischen befeidet 
sin wei*et sake dat de merkischen vor czerwest oder in 
vnsze land welken namen deden gy schollen in vnszem aff- 
wesende nicht iagen wen wy besorgen vns gy mochten dar 
ouer schaden nemen Sodanne rede vnde sage vnszes gnedi* 
gen herrn brachte de Rad vor de borgere. 

Item so vnsze gnedige herre vppe de reyse vte waz 
suchten de olden merkeseben vor lyndow** vnd Czerwest 
alse de houetman van Angermunde genent koningesmark de 
nitenplitzere de van Stendal de van Angermunde vnd ore 
httlpere vnd nehmen vehe vnd drefen dat vehe wen iegen 

' ßirsi Siegmvnd der U zu Anhalt, starb 1405. 
" bürg und flecken l'/s stunden vofiZerbst; die trümmer der er* 
slern sind heute noch sehenswerth. 



I 



234 AUS PBTBR BECKERS ZERBSTBR CHRONIK. 

lonborch So ward dat geruobie bynnen dnsser stad so ia* 
geden de borgere na tha perde vnd thu fiite so de borgere 
diu der tyd gantz ferdich weren vnd vele borgere perde 
bilden, wen tbn der tyd bilden de borgere perde nach oren 
gnderen. So de borgere vor dat Anncknnscbe* dor qwemen 
fugeden sik de Radmanne by sik (/. sy) vnd spreken liuen 
fmnde vnsze gnedige berre grane Segemund hefft vns ge- 
secbt vnd gar emsiliken befolen so be van vns scbeiden 
wolde etti de vd der alden marke edder andere welken vehe 
namen in synem lande ader vor der stad nemen we schol- 
den nicbt na lagen vnd de rad bad vppe de tyd de borgere 
dat sy dar an vnszem gnedigen herm borsam weren Ok 
qwam vppe de sulae tyd eyner genent Eferken, de hadde 
tbu der tyd dat slot lyndowvan der stad wegen in so lyn* 
dow tbu der tyd vnsze pandslot waz vnd sprak tbo den 
borgeren liuen fmnde laget nicbt na wen de fyande bebben 
by louborcb med eyner grotben sampnunge vorbalden Des 
suluen glik wurden ok de borgere van itzwelker manschap 
van louborcb gewamet dat de fyande by louborcb vorbalden 
hedden dar wolden de borgere deme rade vnd sodanner 
wamunge nicbt acbten vnd weren deme rade thu der tyd 
gantz vnborsam vnd spreken deme Rade vnd den ihennen 
de sy wameden bönliken vnd togen tho perde vnd tho fute 
wente vor loborch ofer vnd thogen gantz wiet vnd breit van 
eyn deger vngeschicket wf ryden adder lopen künde de tocli 
vor. So de borgere twuschen groyden vnd zcepemick qwe« 
men so brack der vyande halt vp vnde de roure wedder- 
wenden sik vnd togen dehn borgeren legen vnd so de vyande 
den borgeren iegen toghen so qwemen vele borgere thu 
Czepernik vppe deme kerckboff thu perde vnd thu fute be- 
stan vnd slügen der Stadt bannir dar loesz vp, sunder sy 
weren tbu der were nicbt geschicket, wy ryden ader lopen 
künde de reden vnd lepen dehn iennen iegen de noch na 
vp de volge weren med eyneme groten geschrey in der 
wiese» liuen frunde fleht hir is verloren liff vnd gud. So 

• Ankuhn, eine grqfte Vorstadt bei Zerbst, seit Jahrhunderten 
durch ihren trefflichen gartenbau bekannt; der name, in alten Urkun- 
den Ankona, AnkviD, ist zweifelsohne slaviseher herkunft, seine deu- 
tung mir der slavisehon sprachen unkumUgem nioht möglich. 



AUS PETER BECKERS ZBRBSTER CHRONIK. 236 

rauden de fyande vnszen l>orgereii legen vnd na vnd slügen 
der wol by jlloi dol vnd fengen der bouen anderiialfihon* 
dert tbu fule vnd tho perde dar feie mechtige vnd ryke lad« 
mede weren vnd furden de gefangen legen Angermunde vnd 
leten der eyn deil tho Stendal füren vnd eyn deil bilden tha 
iergel dat der van nitzenplitz waz vnd de tbu Angermunde 
gefangen weren de seten in eyner knien vppe deme slote. 
Item so de saluen borgere de tbu der tyd dot worden g^ 
slagen vppe deme velde liggen bleuen wurden de suluen ganis 
vd gelogen vnd geblötet vnd sere getreddet vnd gewundeU 
$o de doden wurden in de stad gebracht vnder vppe Atmm 
radhttse qwemen vele kde vnd künden ore frnnd dar mang 
kume bekennen. 

Dusse nedderlage vorlust vnd schaden is gesehen nach 
godes gebort alse man schreff m^cggoxciu am dage aenct ca- 
lixtus des hilligen paweses. ^ 

Item so de sulue vnsze gnedige herre wedder inhemisch 
qwam vude sodannen lammer vnd schaden horde wart he 
gantz vnwillich vppe den rad thu Czerwest dat sy syme bode 
nicht weren horsam gewest. 

Item so de saluen gefangen Itzwdke tyd geseten had* 
den vnd -sere gepyneget weren würden de gefangen vnder* 
langes alle eyn dat se sik wolden vdborgen laten vor vehr 
dusend bemische schok gr. vor hundert fuder zcerwester her 
vor hundert parcbame vor hundert pnnt pepers vnd sandeo 
dar vp ore bodeschap an den rad thu Czerwest vnd de svi* 
aen gefangen vorwilkorden sik legen den genenten honet» 
man van Angermunde vnd legen den andern de sy gefangen 
badden, weret dat de Rad van Czerwest sodanne schattinge 
vor sy nicht vorwlssede so wolden sy hundert fuder berszi 
legen sy vorfallen sin vnd vorborgeden den willekor med 
itzwelken borgeren bynnen Angermunde. 

Item so de gefangen ore bodeschap an den Rad brach- 
ten thu Czerwest so lylen de rad de gemeynen bürgere 
vppe deme radhuse vorboden vnd brachten sodanne wiese 
vor de borgere. so de borgere sodanne der gefangen schat- 
tinge vnde wiese vomemen "golden sy oren willen vnd ful* 
bort dar to nicht geuen noch in keyne wies folgen« Sunder 
de borgere wurden eyn vnd geuen deme Rade ia» wy dar 



2SS 



PSALM. 



;ebot ^ ferehthtii rrekrode dioe 
ndaiti lusticiam testimoiiia loa 



bL i. ps. 118, 133—154. 

nio «Ue voreht 

(a) vm ImuB et Don domiBetor mei omnis imostida. Re* 

lofc nth ¥00 fcaodeii der Irte das ieh behrie ir^ot dUe 

öjine me aealomBÜs bomiDoin el (so) enitodiam macdaUi Imu 

«oUico din Irlrhte rber koeht dioen rü lere nih ppe- 
Fadem loam iUuuoa iiiper ierünm ioam ei doce me w- 

rehtbeite dioe rsgaoe d* wozere bioeleiteo ergen ml» 
•lifieaiiones Inai^ Exitos aqaaram deduxerant ocoli sei 

Wide nibt bebrten ewe dIoe rebt bU k*re ri 

qaia non cmtodienuit legem toaiii, luaUia es domioe el 

rebt rrtetl din 

rectum iadiciom toum. 

ir5 warbeit dine zevile wrbte nib tete zom aia 

et ueritatem tuam nimia. Tabeicere me fecit zelos meoi 

Wide T^fn^ sbt wort d|ji yUnde mim wrie frekofe 

qoia obliti aaot aerba toa ioimici mei. Ignitam eloquimn 

dia ffehclih t5 koebt din ninnele daz irageüoe 

tonm uebementer et aenmi tatis dilexit illad. Adoleacen- 

bin ib vi ^( )t gerebtbeite dine aibt Wft 

tolaa flum ego et contemptoa iaitificationef tuas noo aum 

yfC... .) 9M«btbeit d(a gerebtbeil ( ) to ee dia warbeit 

oblitm. loiticia tua iusticia ineternam et lex toa oeriUf« 

(. . . . .^ >) wodea ( ) betrabtrsfe 

Tribalatio et aognstia inueneriiDt me maodala toa meditabo 

nio (...) gerebtbeit rrekrode din ioewe' «erarBft 

mea est. (b) Equitas testimooia toa ineternam intelleetnm 

^b mir^ rü fal lebe rif io alleme berzeo min irbore mik 

da mihi et uiaam Cmmavj inloto corde meo exaudi me 

bVe ^ ^ereblbeit dioe lal romke 

domine iustiffeationei tnas* reqniram« 

beilic nib dr vfi fal bebvte ;ebot dine rore qr^n io 
aaluum me fac et castodiam mandata tna. Preneni in- 

rificbeide rii Hf io worle dime rber boiTele vorqoa- 

matnritate et damani in nerba toa snpersperaai. Preae- 

mea av^en mioe zvdir rrvwe daz betrable rede dioe 
nerant oculi mei adle dilnculo ut meditarer eloquia toa. 

•tine mine oab barmberze diocr bVe yad 

Voeem meam ^ seeundum miiericordiam tuam domine et 



rif zrdir rii 

Clamani adte et 



' dia ioewe oO$n medt w$gg$iehniU§n 



aodi Ut ausgi' 



PSALM. 239 

nah ^ vrteile dime ^enere mlh iz nehedea 

secundum Judicium tuum uiuifica me. Appropinquauerunt 

nah •• . Igeten mih vnrehte von ee sund* . . . verre gemahet sint 
persequentes me iniquitati alege autem tua longe facti sunt. 

nahe wis h re vn .... wege dine warheit inanegenge 
Prope esto domina et omnis uie tue ueritas. Inicio 

bekan(. . . .) yrekvnde dinen wäde inewe (..)stift(..) »i 

cognoui de testimoniis tuis quia ineteruum fundasti ea. 

sih demvte mine ( ) mih wäde- ee din n(. .) 

Vide humilitatem meam et eripe me quia legem tuam non 

bin v*gczen (. . .) 
sum oblitus lu 

Zwei pergmneniblätter^ vom einbände eines buches im 
besitze der Leipziger deutschen gesellschqft abgelöst^ mit- 
getheilt von herm doctor Leyser. von dem ersten blatte 
nur etwa die hälfte in swei stücken übrig; das zweite blatt 
fast unverstümmelt, auf der seite achtzehn lateinische zei" 
len, in octav. die schriß aus dem zwölften Jahrhundert, 
curswschrift im lateinischen tewt, punkte in der deutschen 
Übersetzung bezeichnen was weggeschnitten ist, eingeklam^ 
merte punkte unlesbares. 



DER STARKE HOPPE. 

Bruder Berthold sagt in einer seiner lateinischen pre- 
digten {Leipziger hs. 496 bl. 57^) sunt ut Poppones, qui vi- 
delicet doplicem habuit virorom fortitudinem et unum diem vei 
etiam parasceve ieiunare non potuit. der 'starke Poppe' des-^^^- /^mri^tc 
sen der ackermann von Böheim gedenkt {Wh. Grimm d. hei- ^fyy f>^*^^^ 
dens. s. 402) wird derselbe sein; der dichter Boppe aber^ ^''** ^^^^^t^"^ 
in der Überlieferung der meistersänger der starke hiefs, m9{fs, 
da er nach Berthoids tode (1272) dichtete, diesen beinmmen 
einer anspielung auf ältere sage oder geschichte verdanken. 

H. 



jy^X',*^ X^w^vv 



, 7UU ^ a.1-^ .mA*. J^ ^^^ iH^ *^., -^ -^ r^' *-^ ^r^^inM^. 



240 



EIN LOBSPRÜCH DER SCHÜTZEN. 

Darinnen die aursreden, vnd fSrwort der loblichen Büchsen- 
Schützen, auf aller hand vrsachen vnd allerley zufallende Ge- 
legenheiten, so im schiessen fürfalle, auch in was gestalten 
sich die zutragen mögen, erzelt vnd beschrieben werden 

il Gantz kurtzweilig, vnnd den Schützen sonderlich nützlich 

zu lesen. Gestelt Zu Ehren vnd Wolgefallen der Loblichen 
l GesebchafFt der Büchsenschützen, der vralten Statt 

I vnd Landtschafft Zürych.* 

^M (holzschnitty^) 

Dem Edlen Vesten Junckeren, Jobans Hartman Aeschern, der zeyt 

Zeügherren der Statt Zürych, etc. Seinem insonders 

günstigen Janckeren, etc. 

Esdeler, Ehrenvester, insonders günstiger Jnnckher Zeügher: Nach 
j dem ich difs gedieht^ vor etwas zeyts, aufs etliche alten vnd neüwen, 

1 getrnckten vnnd geschriebnen brieffen, vnd zädlen, zusamen getragen 

' gemehret vnnd gebesret, vnnd anff das schiessen, weliches Anno Do- 

mini 1504. (so albereit schon hundert Jahr ist, syder her es geübt) 
alhie zu Zürich gehalten, gestelt hab, bin ich die zeyt hero, etwo dicker 
mals, von vilen schützen alhie angeredt worden, sÖliches durch den 
Trnck an tag zugeben. Hab aber dirs birs aufif jetzt vnderlassen müs- 
sen, eins theils von wagen etlicher geschafften, anders theUs daPs ich 
besorget^ diPs kleinfug wercklin möchte von etlichen vnruwigen leuthen, 
denen nichts rechts iigt, getadlet werden. Sitemahls aber ermelte 
schützen, vnnd^ etlich ander ehren personen, mich jetzo neüwlich wi- 
derum ermant, vnd an mir angehalten, in disem wercklin riirzufahren, 
vnnd ich auch betrachtet den spruch : Ein weyssen Geist müTst der 
gwi/s han, der anfieng das gfiel jedermä, so hab ich jhnen hierin ge- 
wilfahret, vnd ermeites gedieht, zu ehren den Büchsenschützen, der 
^ statt vnd landschafft Zürich aursgehen lassen. 

Dieweil vnd aber edler vester insonders günstiger Jungher zeüg- 
herr, ein alter brauch gewessen, daPs wo je etwas nutzlichs, vnd löb- 
liche im Truck aursgangen, hatt das selbige alweg seinen Protectoren, 
dem es zugeschrieben, gehebt. Dero wegen ich alhie sölichem brauch 
gefolget, vnd mich vmb ein Patronen vmsehen, dem das schiessen mit 
den handrohern, wie auch gleichs fahls mit grobe geschütz geliebe. 
Hab derhalben ein hertz gefasset, E. V. difs Tracktätlin zn dedicieren. 

* siebsehn guartblä'tter. 



«il 



^fff< '^•^^^ *^ ^/M^rn^^ww/ Z(t>^ ^mJ^^i^Pri^^^ ^H}h^J' 



GROßS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 241 

Vnd das färnemlich vHib dreyer vrsachen willen. Entliehen, dafs fi, 
V. von jagend aoff enneit schiessen, mit grossem vü kleinem gesehätz, 
nit nun alein geliebet: sonder der gstalt geübet, dafs jhr auch der 
zeyt von einer ehrsamen obrigkeit , alhie zu Zürich, vber jhr zeng- 
haurs, gror« vnnd klein geschütz, sampt aller bereitschafift, vn muni- 
tion (weliches alles sich jetziger zeyt, Gott lob, treffenlich gemehret 
hat) gesetzt sind, bey vnnd neben dem edlen, vesten, vnd hochgeach- 
ten Janckherren, J. Hans Heinrych von SchÖnanw, alter vogt der herr- 
schafft Greiffensehe, welicher auch ein besonderer liebhaber defs gros- 
sen vnnd kleinen geschosses vnd der selbigen geübten ist. Anders 
theils hab ich E. V. dirs gedieht daram dediciert, dieweil ich weifs, 
dafs jhr es mit eüwer anthoritet vnnd ansehen, wider alle lestermeü- 
ler, die alles zu tadlen wüssen, protecktiere vn schirmen werden. 
Letstlichen, dafs ich doch den aller geringsten theil der Obligation, 
damit ich E. V. von wegen vilfaltiger bewissener fründschafft vnd 
guththaten, so mir von E. V. vn dero geliebten bruder Janckherr Ge- 
rolden Aescher, meinen insonders gönstige Jnckherren, von jagend an 
widerfahre (obligiert vnd verbanden bin) danckbarlich zu bezalen er- 
zeigen möchte. Wiewol difs wercklin der selbigen nach allza gering 
vnnd kleinfag möchte^^eachtet werden, etc. Bitte hiemit E. V. 
2Hiw. wSlle disere meine kleinj ffige arbeit, im besten von mir anffnemmen, 
vnd verstehen, vnd mich in eüweren gansten vnd gnaden, wie bifshero 
noch weyter lassen befolhen seyn. Befilch euch hieraaff sampt enwe- 
rem geliebten gemahel, vnd kinderen, aach die eawerigen alle in des 
schirm Gottes, neben wnaschung eines neuwen glnckseligen jahrs, 
welicher ench in dem glückseligen wolstand vnd ansehen, in den eh- 
renempteren (mit welichen jhr von vnsere genädigen herren begäbet 
sind, vnd verhoffenlich durch sein genad noch zu vil höheren vnd 
wichtigeren ämpteren auffsteigen werden) gen'ädigklich erhalten wolle. 
Amen. Zarich den 26. Decembris, Anno Domini 160!2. ' 

E. V. Dienstwilliger 

Hans Heinrych Grob 
der jünger. 

jfw»w , ^vVkr iMr»^ ^ -^ 7rw4k y-^vt 7\fi<L^./hiuJ\y, »^ Vw T^JU^ ;:'. -**vk>^ '^W J«^ i-', |^ y^rv^ h^' vlw A/v 

u wvU^, >^ '^^^H^ ^' ^^ ^ß^vv^ •^Sj.vtj:^ ; (^».f^./"*^**wv-. 7y^^c,^>, -k^ t^;^ u#w yr^^ ?^v^ — V^ 



Z. F. D. A. III. 16 



242 6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Aursreden vnd Fürwort der Löblichen GeselUchaffk der 

Büehsenscfitzen, wenn sie nit yil Träffen, wie sich 

das zutragen mag. 

Aaw. £^.)r. A^ff ^Uer -hand vrsachen, so im Schiessen furfallen mögen, 
gesteh. Gantz nutzlich vnd kurtzweylig znläsen, etc. 
^jdft^> /^i'^jft. Gedicht durch ein liebhaber defs hochb^rümpten 

^ A. ^;^KW.^-iMi., Büchsenschiessens, in Zürych. 

!^/ ^M^^Tfe^^^*^/^-'^ ^^'^ *^®^ ^^^^ ^^^ ^^^ ^^Y^ auffmachen, 
^y4, r, iifyy. zn bschauwen aller hand weit vrsachen. 

Durchreifst vil Länder feer ynd weyt, 

zog vmbher fast ein lange zeyt. 
I Sach hin vnd her, vil schöner ding, 

I auffs Schweitzer land ich auch zugieng: 

! Dann ich vernommen het neüw mär, 

wie das ein scbiessen dariä wer, 
[y I Zu Zörich in der hanptstatt' ghalten, 

mit grosser freud von jung vnd alten. 
Begah mich defshalh schnei auff dstrafs, 

gar bald ich auch in Zürich was, 
Wolt selbst besehen disere Sachen, 2^'. ^ry. 

Was gstalten man es möchte machen, 
Mit den hauptschiessen grofs vnd fein,' 

Ob gleich mir worden was zu klein, 
Der seckel, vnd das galt daraufs, 

Zog ich doch zu eim freund zu haufs. 
Der mich kostfrey gehalten hat, 

Die zeyt die ich was in der statt: 
Dan von Züricheren man thut sagen, 

wie sie nichts reüwt, zu keinen tagen. 
An frembde leuth, mit kostfrey halten, 

mit gesellschafft leisten, jung vnd allen. 
Mit vmbhin füren an ort vnd end, 

wo man vil kurzweil übt behend. 
Wölchs mir auch widerfahren was. 

Von der Herrschafft, gwifs sag ich das. 
Nun dafs wir an difs schiessen kommen, 

So wüfst, wie ich es hab vernommen: 
Dafs vor viln jähren hiebeuor, 



GROBS AUSREDEN DER SCHÖTZEN. 243 

Den (/. Die) Buchsenscbfitzen offenbar, 
In gantzer Eydgnoschaflft herum, 
' Begert band, an jhr Herren frum, 

Von ort zu ort, einen krantz zebalten, 
I das ist ein scbiessen vnzerspalten, 

I Damit die scbüfzen der Eydgnoscbafft, 

Also durchs schiessen mit liebes kraffl, i^r. (^*^^) 
^ Ein ander möchten bkantlich werden, 

auch desto gheimer in kriegs gferden. 
Weil nun zu tagen ward fiirbracht, 

Difs bgäre, vnd gar wdI bedacht, 
Da namen die Züricher dsach zu band, 

Vnd schreiben aufs, in vile land. 
Im tausend vnd funffhundert jähr, ^^,^ 

Viere darzu, ist offenbar, /jry. 

'/^^ Im Au gsteUy vmb Lorenzi tag, 

(wie jhr anfsschreiben fein vermag) L^;^ ■\ 

Dafs man sölt kommen gehn Zürich, 
^ ^^' ^' auff dises^ schiessen, grofs vnd herrlich, 

Auff obbestimpte tag vnd zeyt : 

defs kamen von stetl vnd landen weyt. 
Der schützen eine grosse anzal, 

von allen orten, vast vberaL 
Die zugen hie zu Zürich ein. 

Zu halten disen schiessen fein. 
/jf>n*.<u^ j,2i^ Die besten^ gaaben wurden gmacht, ,. j)?^ a,k^ ^»iw ' 

auff beyder zeilslatt wolbedacht, 
Hundert vnd zehen gülden grad, 

die mau auff beyde ziehlstatt gab. 
Zum Toppel ward gelegt nit mehr, 

dan anderhalb gülden vngefehr. 
Den schützen schanckt man brot vnd wein, 

auch käfs vnd obs, vnd anders fein. 
Zu der Tagürten, wie ich sag, 

weil schiessen weret, alle tag. 
Auff dem platz &md auch menigklich, 

vmb gälte wie in der statt zugleich: i^ 

Zessen, ztrünken, was man wolt. 

So hat man da, in silber vnd gold : 

16* 



1 



244 GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Vil schöner gscbir, wie auch hienebeD, 

in den vil anffgerüsten gäden: 
Köstliche wahr, vnd krämerey, 

welchs man da fand za kauffen frey. 
Hiemit das schiessen fahet an, 
. ich heil damals nit vil zu than ; 

Dan dafs ich gieng da auff vnd nider, 
i bschauwet alle örter hin vnd wider. 

Damit ich sehen möcht mit Inst, 

das ich daruon zu sagen wuTst. 
Vnd wen ich solt die warheit jehen, 

so hab ich schöneren lust nie gsehen^ 
Von aller hande kiirtzweil vil, 

vnd sonderlich von manchem spil. 
In Silber, kleinot, gold vnd gelt, 

defs liefs sich sehen mancher held» 
Da thet gar manchem der seckel krachen, 

defs doch der ander nuhr thet lachen. 
All ding waren wol gerichtet an, 

vil zälten stunden auff dem plan. 
An beydier ziehlstatt gspannen auff. 

ich gwaret vast der büchsen lauff. 
f t^ Auff sambrost ich mich nit verstund, 

Darumb zu sehen ich begundt, 
Wie dschützen am platz fiengen an, 

hatt mich gar nach zuhin gethan. 
Nam mich der sach doch an mit nichten, 

Vnd liefs mich ander leüth berichten. 
Wie all ding waren zu gelon, 
'7vhrj.2,in. ein schutz^'^thet in den andren gohn. ^'^ fi^^ li^-i^ 

Der erste schütz der war vollendt, ' 

die neüner waren da behendt. 
Von Scheiben zogens die schütz aufs, 

Liefferten träffer ins schreybhaufs. 
Die fehler giengen neben hin. 

wer nit trifft, der hat kleinen gwün. 
Mein achtung gab ich eben drauff, 
wie sich beklagt der fehler hauff. 
Was mancher fiir ein vrsach het, 



GROßS AUSREDEN DER SCHijTZBN. 245 

dafs er den schütz nit trägen thet. ^«^,3. siA^u^ ich^ j^i^^ ivj, 
Eim fehlet difs, dem andern das. 

defs klagens was vil über dmaafs. 
(1) Da hört ich gleich den ersten klagen, 

wie sichs den schütz hab zugetragen. 
Er sprach, die scheyben thut mich äffen, 

all mine schütz kan ich wol träffen, 
In der wettsch eyben , sag ich zwar, 

die anderen scheyben fehl ich gar* 
Zur wettscheyb, bin ich recht gestellt, 

der rächten hab ich gar gefehlt. 
Die wettscheyb hat mich gar betrogen, 

oder die rächte scheyb hat glogen. 

2 Dort schiefs ich hoch, da schiefs ich nider, 

ich wil mein büchsen seübren wider. 
Der ander schütz ward auch volbracht, 

ich mir in meinem sinn gedacht: 
Was wil sich nun jetzt beben an, 
i^^ bin schützen die nichts troffen han. 
Die hatten vil zu schaffen alle, 

wer da nit traff, thet mir gefallen. 
Einer kam her, thet sich sehr klagen, 

hör mein gsell, solt ich dir nit sagen: 

3 Es hat mir einer s abseheg gschlagen, vi)i..znf. ^tr^,t^u< , }o ^^ in L^u 

das thet den schütz auff dseiten trägen. 
Solt mich das nit ynlustig machen, 

ich mufs bas achten auff die Sachen. 
Dafs ich nit schiefs so über zwer, 

wolt dafs ich wider daheim wer. 
Ich war da heim gar wo] beschossen, 

alhie bin ich schon gar verdrossen. 
Hab gmeint bey allen meinen sinnen, 

ich wölt alhie das b_est gewinnen, ^^f^^- .j. 3^c/e*w^,/3i". 

Da heimen gwint mir niemands an, %ju^ T^^^h^ «;;y ^^■ 

Hat mich ein gut jähr her gelohn. Vy.^j. 
Ich dacht, was wil noch werden draufs: 

das schiessen ist doch noch nit aufs? 
Was wollen dan die andren sagen. 

bald kam einer, thet sich klagen: 



246 GBOBS AUSRBIAN DER SCHÜTZEN. 

Bocjks marler , was hab ich vergessen, 
ich bin vor bey der zäch gesessen, 

4 Vnd hab mich nit einschreiben lohn, ^.znv««. 
ein schönen s chütz ich t roffen han, ^r,L 

Vnd sol mir nun jetzand nit gälten, «.^^i^^ww^ /wv^*^ U<^ 

so schlage doch darein s^nt velteQ. ^'^y^^ 
Ich sähe za, gieng wider vnd für, 

ders klagens ich kein ende spar. 
Wann ich sie eiich all solt erzellen, 
^ es möchte mir am papier fehlen. 

Der schimpf der gfiel mir also wol, 

wann ich die warheit reden sol. 
Bald kam einer her gegangen, 

nach seinem gsellen thet verlangen. 
Sich mein gsel, ist das nit ein poTs, 

dafs den tropfen all plag anstols, zra»^. 

5 Der mir mein büchs abglassenhat, 

ich stund dreymal an der schielsstat: 
i Zum ziel ich schiessen wolt gesehwind, 

\ ' kein kraut nach loth ich darin find. 

2fh Drey mal ga^s fewr, wolt doch nit lassen, 
:LfihJmr'hxif/,2ßz. gar bald die neüner darbey wasseg, 

Heissen mich gschwind gehn aufs dem stand, 

kein gnad ich bey jnn gar nit fand. 
Gsell sprachen sie: Tbu wider laden, 

dein scbiessen thut so kleinen schaden^ 
Kein aubred wirt dich bälffen nitt 

hetst du der büchs rächt gwart hiemll. 
Ich gieng darvoa mit sehlächtem mutfa, 

wie icbs klagt meinen gsellen gut. 
Sprach er zu mir s Ach bruder mein, 

lafs dir das nit ein wunder sein: 
Sich wie gebts mir auff disem sohiessen, 
solt mich difs auch nit hart verdriessens 
6 Wie ich zu lang bm, tronck gesessen» 
hab ich der kügel gar vei^essen. 
Vermeint bet sie in dbücbs gel^, 

wie bald der bau in li^el scblegt, >n.2rv. 
Gieng zwar als an mit scbiächtem topf? 






6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 247 

Ich stund da wie ein voller zapf« 
Der Zeiger woit sich gar nil regen, 
2%5. Ur. Der Britschenm eiater kam entgegen : 
Hinder mir her, mit seinem gseUen, 

Vnd thet sich eben lätz gestelleii. 2^,1. 
Macht mit mir da nit lang verdanck: 

Vnd legt mich auf den Na^enbanck ; 
Hauwt mich gar sehr mit seiner brütschen,*^ 
Ich meint er wolt mir sgsefs zerknütschen. 
(irtr^vi durn^ So^git gschirr hat er mir gemacht, 
m^. ^1.^^.92.'/ D„ volck auch meinen gnug hat glachl. a^. *JJ. 
Als diser hat sein klag voUendt, 

vnd ehe ich mich recht vmbgewendt; 
Da sach ich bei^ vnd vmb ja stahn, 
vast sieben oder acht, nefin man. 
Die Ihetten jfare noht erzellen, 
wie jeder seinen schätz thet feien . 
^Mi,^hy*^. Der ein der hat zuvil ge bawL . .r^p^'^. fj^'\ (f^^ j,v. if^MA^ ii,K,j,i 

7 Der ander zvil dem dritten drawt. 

8 Der viert sabsebe« hat geschlagen, z^^- 

9 thet jm den schütz gar weit ^trag en. 
Der ffin£Flt sprach, ich hab nit gelogen, 

10 mein bulffer gut ist mir verzogen« 

11 Rein schütz wil mehr zum andren gähn, 2vr>/. 

vnd solts sant Veltens siechtag hau. 2^^;^^ 
Der seehfste sprach, mir ligt nichts dran, 

12 wenn ich nur hie mein knrtzweyl hau. 
Da heim wil ichs wol bringen ein. 

Der siebeadt sprach: ach wariieh nein: 
Wann du was kdntest hie gwinnen, 
du wurdest dich nit lang besinnen. 

13 Das poperielim eni^ dein,' ^. örMJ/u^jyu^^*. ^-^-t^'^^^j 

das wil auch jetzund bei mir sein. 

14 Dem achtta war das schlofs zerbrochen. 

15 So hat der neündt gar offt gestochen, r > 
Auff den han^tschiessen vmb das best. ' 

das glück ja jetzund gar verlefst, 
Defs mufst ich jn mein busen lachen, 
Ich dacht sie Werdens besser machen. 



N -^.fi^nU, ^c^j^f^j^ /UXa / nvu^, J^i^Js^vy*^:^ ^- 1;. ^. 4^.r ^. /, 210^. 



248 GROBS ADSHBOEN DBR SCHÜTZEN. 

Der dritt theyl sscbiessens war nit hin^ 

16 Ich acht nur, wer das best gewin. tkr. 
, Mancher sagt: ob jch nichts gewinne, 

so wil ich doch sein gatter dinge. 
Mein lieber Hans, der gilt, euch ani$, ^ 

vnd machet nun nichts anders dranfs. 
\ ; Hat nnh der ritt das roKs dahin, 

• ^ so nem er auch den zäum mit hin. 

Da fieng sich sschiessen wider an, 
defs abendts hat man schlaafftrunck than: 

17 Die schlaafftrönck hört man morgens klagen, 
1 darmit war mancher gseijL beladen. 2^,r. 

Mit zanck vnd hader, schlegerey, 
das gab vil seltzam fantasey. 

Dirs wil ich jetzund bleiben lan, 
1 vnd wider naufs zun schützen gan: 

Dann bald sy schiessen wider an, 
do macht ich mich schnell auff den plan. 
\> Thett ferners hin vnd wider bseben, 

\ S2i. ^ -Miu-slO was weitter thetten zsammen iehen. 

j 18 tiim was etwas am schlofs zerbrochen, 

[ 19 dem andren war ein stich drein gstocfaen. 

I 20 Dem dritten hat das schlofs gelossen^ ^ih. 

I ders hat er in den stock geschossen. 

I 21 Der viert hat vil zu lang gehalten, 

22 dem fiinfFten war der schafFt zerspalten. 

23 Dem sechrsten einer für thet stahn, 
darab er jm ein schrecken gnqn. sh. 

Hiemit er vmb sein schütz thet kommen. 

24 Dem siebenden war der hau abgsprnngen. 

25 Der acht den anschlag zfast truckt hat, 
defs gieng der schütz be/sejts von stat. 

26 Der neündt das schloft nit kont gestächen. 

27 Dem zehenden thet sabsähen brächen, ^nr, 

28 Dem eilften war das schlofs gehangen^ 
im schiessen nit zu mal vmbgangen. 

29 So war dem zwölften sschlofs zuhart, 
wolt nicht vmgehn zu einer fart. 

30 Der ein seins Stands nit recht nam war, 



GROSS AUSREDEN DER SCRirrZBN. 249 

defs schofs er zvast beseits vngfahr. 

31 Eim andern ist der wind zu grofs, 

32 dem dritten gar zu schwer sein gschofs. 

33 Der viert der sagt: kön nit recht halten, 

34 dem fünften thet der fioger kalten, 
Mit dem er hat das züngle gmckt, 

dafs er den schütz nit recht abtrnckt. 

35 Das rad^dem sechfsten war gar stumpf. ^- 

36 Dem siebenden sror ein wenig kmmb. 

37 Dem achten szünglin war abgstossen. 

38 So thet der neündt auff sschwätzen lossen. 

39 Der zehendt hat das^ treff nit recht. 

40 In dem der eilft gespant vnrecht. 

41 Gar weh dem zwölften war im köpf. 

42 vom stand aoff dbücbs fiel eim ein tropf, 
Dafs er das bützUn nit kondt sehen, 

also den schütz nit recht aofsspehen. 

43 Eim andren gieng das schlofs zfast aoff. 

44 Jehner sich mit dem hart selbs ranff. 

45 Dem einen ist der lufft zu feucht. 

46 Dem andren dann das zünglin krencht. ^n* 

47 Jehnem wirt zu blöd das gsicht, 

dafs er weit nebend Scheiben sieht. 
Es wil jm mancher selbs nit trawen, 

48 defs thut er an dem anschlag bawea» "^^^ 

49 Zn vil der ander drab hat brechen. 

50 Dem dritten hat das gsicht verstoch^iL 

51 6at schmutzig band hat jhener ghan, 

defs mocht er dbücbs nit wol behau. 

52 Einem bracht das gnappen schaden. 

53 Zvil bulffer hat der andet (/. ander) gladen. 

54 Der eine hat nit recht gwiscbt. 

55 Dem andren dann das bulffer pfitscht, jnt >^, f ^^' 

56 Jehem hat der schütz versagt. 

57 So ist der' ein zu vil verzagte 

58 Der ander hat den schütz versäumt. 

59 Der drite nit recht eingeräumt. 

60 Der scher- wol hat der viert vei^essen. 

61 ' Der fünfte sich zu vol gefressen. 



250 GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

62 Bern sechTsten sfdterlin zfast kreucht. 

63 Das bulfer ist dem sibenden zfeueht. 

64 Zn vil der aeht hat ghalten aaEs, 

driunb sehofs er auff die seit hinanf«. 

65 Der neündt hat za grob fatter thuch, 2n,^. 

geh heim, md dir ein reiners such. 

66 Dem zehenden wii der schwom nit brinnen. ' 

halt ich wil dir ein andren bringen. 

67 Der eiUt der hat sich gar verihrt, 

vnd nit zu vor die ku^el gschmirt. 

68 Der zwölft hat zu vil gladen wein. 

69 ' Jehnem schlag der hah nit ein. •^^y. 

70 Einer im stand auffghaben het, 

den andren vast erschrecken thet. 

71 Einer hat zu hoch geladen. 

72 zu nider thnt dem anderen schaden. 

73 Einer hatt zu vil am backen. 

74 der ander thet heraber hacken. 
Damach ein anderer thrat dahär, 

75 der selb vergässen hat das schmär. 

76 Wie disem hat das schlofs zfrii glassen^ ^lijim. 

hat er oben durchs Tächlin gschossen. 

77 Auff dbüchb dem einen saTs ein muck. 

78 der ander hat den schätz, verschnpft. 

79 Mit Geyssen kam der dritte aoTs, 

defs bracht er wenig gwins zu hanfs, 

80 Zu lieeht das Ror dem Vierten ist, 

macht dafs jm gschwind der schütz entwischt. 

81 So bort ich Ton dem fünfften klagen, 

als jm sein büchrs hat thun versagen, 
Legt er die selbig von jm gschwind, 

ein gliinfslin klein sich drin befindt, 
Ehe er rächt lagen mocht darza» 

lag dBüchs binder jm wol siben sehn. 

82 Dem sechfsten widerfare das, 

als er im besten jichiejssen was, 
Hat troffen drey schütz wol vnd gut, 

(defs er zwar was gar wol gemuth) 
Wie er den vierten laden wolt. 



GBOBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. ^l 

bat er ein labse. kugei gholL iv^^^. 
Die war zu grofs wolt nit hineia, 

wandt an vil arbeilj grosse pcia. 
Dafs &y zu ietst hinab ward brach t^ 

als er den scbutz zelhtin gedacht, 
Pur dkugel zhoch, lud sich zethr&ng. 

83 Dem sihciiden macht gar angst vnd i»ang ^ 
Dafs sich ins bulfer hat gemisl, 

ein klötzlJD Me^g^ wekhs schnei gewischt: it 
Zum zÜDdloch da wolts helfen nit : 
aji, das luderen wie dann ist der sit. ^' 

^^/fl^^Gab wol füüf mal im iigel führj ^^ij. 
aber aufs der büchs wolt nichts herRtr. 
Mufst vngeschossea aufs dem stand, 

den fehler er dimat^h beiand^ •«« 

Als er die bÜchs aufsgsehraubet bet, 
fand sich das klöt^Un an der stet* 

84 Der acht sein knglen zlang hat hhalten, 

dafs sie woL müfsten gar veraUeu> 
Ajtbachen kugEeu sind kein nutz, 
sy gehen gern ein kurtzen schütz. *jf. 

85 Der neundt klagt sich hab nit g^nug gsoffen, ^^ 

Sonst wolt er gwiifslich han gelrollen. 
S6 So hat der zehend sich übernommen, 

mit zu vil weias, vnd kondt nit kommen i, ^^ 7m f^trw. 

In d Scheiben mit keiueu fugen, 

wie vasL er nach Ir brncht das lugen. 
Drumb niulst er bleiben auch dahinden, 
weit er die scheibe nit kont finden^ 
87 Der eilft sich des beklagen mufs, 

hat zweit für gstelt den rechten fufs, 
Ö8 Schofs gegem zeiger auf die seit. 

Gleich bald der zwölFt auch gfelt hat weil, 
Der spraeh : ich hrauch all renck vnd liick^ 

nach so hab ich weder fahl nach glück. ^^^ ♦. 
Bin wol gerüst in allen aachen, 
nach wil steh sglück nil zu her machen. 
^iti^ In dem sich di^ere thclten klagen, 

thet ich midi hals herumbher wagen. 



^ 



252 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 



Dacht bei mir selbs: wann ists am end, 

mit diser klegt; do bort icb bbend, 
Ein schützen mäcbtig flucben, toben, 

89 zn nider schiess en i ch dort oben. 
Jetz hab ich dunden zhoch geschossen. 

Ein andren hat das sehr verdrossen, 

90 Hat zlang anghan, macht müd den arm, 

de£s traff er nichts, das Gott erbarm. 

91 Der drit sein schütz gschwind hat verschickt, i 

ehe dars er dscheiben recht erblickt. ' 

92 Was der viert für ein aursred ghan, 

thet er mit schmertzen zeigen an : 
Der Zeiger ist für dscheiben kommen, 

darab er jm ein schrecken gnommen, 
Darauff kein schütz mehr gar nit troffen, 

dafs jn all plag anstofs den tropfen. *^ ^"" 

93 Dem wind der fünfft zu vil hat geben, 

defs lieff die kugel auch darneben. 

94 Nafs zündseyl hat der sechfste ghan, 

die wollen nit recht zünden an. 
Dem siebenden thets an dem erwinden, ^f^ju^^r^^*^ 

95 kont kein fewr mehr am znndstrick finden, 
Hat troffen "wol drey gutter schütz, 

der viertle aber was kein. nütz, ^^^Z- 
Welchen man jm nit gelten liefs, 

zu dem er ein andren strick anbliefs. 
Den achten hat zu sehr verdrossen, 

96 d^fs er nit nach der Ordnung gschossen, 
Die ich nit gwüfst, klagt er sich vast, 

mufs mir gwüfs sein kein vberlast, 
Zulesen die mich recht zuhalten. 

Dafs sein der rit hie müsse walten: 
Sprach der neundt schütz, wie bah ich gschossn, 

97 ich hat den daumen zvast gestossen 
In dnafs, drum schofs ich vber zwer. 

Ein ander redt gleich gen jm her: 
Hetst du in gstossen weifs wol wo, 
so bettest da nit gfelt also. 

98 Der zehend zu vil drauff hat ghan. 



/:iik \ ../^•u*w-\ 



GROßS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 253 

99 So hat der eilft za wenig dran. 

100 Den zwölften thut der Schnee, yast blenden, is'^'ry^txz^l'i^]^'^ 

darff sieh nit sicher hinaufs wenden. joi^f^ff*-^?«^ ^^v^^. 

Ich dacht domals in meinem mut, 

furwar das waren schützen gut. 
Wann sy nur besser glüc kfahl betten, ^Titf.zytfm* 

ich mufs jn jre wort bestetten, 
Systehn zwar dapfer zu dent ziel, 

vnd trifft der mertheils doch nit viel. 
Doch steckt man sziel zu weit hinaufs, 

welchs ztreffen mir^zwar brechte graufs. 
Drum wil ich keinen nit verachten, 

wil doch vmbgehn sy zubetrachten. 
Was jre anfsred weitter sind, 

gar bald ein schütz sich da befindt: 
Der thet also sein klag vast treiben, 

101 ich sach zjy^ey schwartz in einer Scheiben, 
Des kompts das ich nichts treffen kan, 

ich sprach zu jm : mein gutter man, 
Ir habt fürwar ein böfs gesicht, 

zwey schwartz sind in der Scheiben nicht. 
Zwo maafs jr truncken band villicht: 

nit übel auff nam er den bricht. 
Bald sich ein ander zu her stalt, 

102 der wil erfrieren, hat zukalt, •/fnwj^oii 
Mufs nur vast zitteren, rieht nichts aufs, 

die keltejlreibt jn wider zbaufs, 
Ein dicker waromefs zleggen an, 

als dan bsteht er auff dem schiefs plan. 
Eia_andi!^n_haJ_sjin_bächj ghasset, 

103 drum dafs er sy zu starck gefasset, 
Defs het der schütz nit recht sein gang. 

Ein ander hat gebraucht zu lang, 

104 Sein zündloch, das war all zugrofs, 

ein pfriendspitz ich schier darein stofs. 

105 Die Sonn die thet eim vberlast, 

dafs er in bänden schwitz zu vast. 

106 Ich sach ein hat ein böfs schwantzstraube, 

defs kondt er wüschen nit sauber. 



■n- 



witrft ^. 



I. i^,i 



254 6R0BS AUSRBDEN DER SCHÜTZEN. 

Pars nit ein wenig wnst bleib dran, 

mit dem er lang znsehaffen gban, 
Gab nit gscbwind fewr nacb seinem sin, 

bifs dafs er macbt ein ander drin. 
So hat jm jehner anfsgesacht, 

107 zu gar ein reines fiitter tuch. iso,r. 
Die kugel nam den zng nit an, 

sy thet zn gar gern abbin gan. 
Es kam einer klagt sich vast, 

108 wie er nit vor der Sonnen glast, 

Die scheib könt treffen wen sy gläntz. <|.i^*^.Ti^»2 

109 Eim andren ward ein schütz abgsehwentz. ^ i *^ 7 
Dann dkngel gieng nit durch die Scheiben, 

sy was zuklein liefs sich nit treiben. 

110 Ein ander hat auch wol getroffen, 

ist aber vor in boden gloffen. 
Brach grüns mit in die Scheiben fein, 
defs war der schütz nit gschriben ein. | 

111 So hat der drit zweimahl angschlagen, 

der selb sein aufsred fuhrt mit klagen: 
Ach wer der schütz zu erst abgangen, 
die scheib het ich gwüfs thun erlangen. 

112 Der viert ein newe büchs hat kaufft, 

weifst nit wohin die kugel laufft. 
Wie der fünft zlang bim trunck gesessen, 

113 bat er defs dritten schutzs vergessen, 
Dafs er den selben nit angab. 

So hat der sechfst klein gfallen drab, 

114 Dafs er den tigel nit recht gwischt, ^'^f 

drum hat jm das zündpnlfer pfischt. it^ f 

115 Der siebendt war ein ^^iner knab,^ 

stofst dkugel vor dem bulfer nah. 

116 Dem achten, wie ich hab vernommen, 

hat szündloch ein klein schrentzlin gwonnen, 

117 Der nebel fiel dem neundten zfiicht, 

defs halff jn nichts sein fleifs vnd müb^ 

118 Der zefaend gibt die schuld vnrecht, 

dem büchsenschmid vnd seinem knecht. 
Rüsten jn nit nach meinem willen, 



GROBS AUSREDßN OBR SCHÜTZßl^. 



119 
12a 

121 
122 



123 
124 

125 

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128 
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131 

ia2 



so er doch nit kan halten stille. 
Viel schuld der Buchsenschmid mufa han, 

wo nit grad eben scblegt der han. 
Der eiin ihut sieh defs vast erklären, 

dals er den schütz hab gar verschlagen 
Am backen, drum schofs er aalf dscit* 

der zwölft auch schiessen koni uit weil. 
Dann als er einem zvast thet losen, 

hat er znm ersten hinab gstossen 
Die scherwol, also gar vnbsint^ 

die ob sy gleich des fewrs emplindl. ' 

Wils doch nit gehn zum vierten mahl, 

defs mag er dbnchs aufsschlahen woL 
Glcichs ist eim andren widcrfaren, 

der thet das wüschen ^war nit sparen, 
Liefs aber drin ein fatzlin klein, 

drum wolts nit an gehn vberein, 
Ein enges zundloch ein ander hat, ' 

del's gieng der schütz auch nit von stat. 
Zündbalfer fücht der dritte nam, 

das jni doch zu vnstatteu kam. 
Der viert was vor gsein vnverdrossen, 

hat aber jetz zu spat geschossen. 
So kam der bFÜlschenmeister glolTcnj tHj. 

zum fiinfften der hat wol getroffen 
Die letze scheib, mit grosser klag, 

brütscht er jn schier ein halben lag. 
In schütz hat man dem sechlsten gredt, 

den er sonst wol getroffen het. 
Dem siebenden hat mau grollet auls, 

dem kamen wenig gaben zhauts. 
Der achtet kan gar nicht nach dienen, 

sein schieisen sol sich säumen nlenen- 
Nit recht thet sich der neundt bedenckcn. 

liefs dkugel zvast eutweris Icnckcn, 
Als er sy JQd vnd stieCs hinab, 

darum kein gutten schütz sy gab. 
Der zehendt verschüttet mit vnheil, 

defs bulfers einen gutten theil, 



ir- 




t^ 



fi^rT 



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256 GROBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Aurs der ladang, hei defs kein aeht, 

welchs jm ein kurzen schütz hat .bracht. 
Gwüfs wolt der eilfte han getroffen, 

133 wann jm dbüchs nit ein &chifer gworfen. ?^.3,j3fc 
So ist dem zwölften gsein gar zgach, 

134 truckt ab eb er recht dscheiben gsach. 
Mit einem schwetzten frembd leüt vil, 

als er ein schütz gschwind schiessen wil, 

135 Bsindt er sich nit, dafs er nit gladen, 

das bracht jm zwar nit kleinen schaden : 
Dann er schon troffen bat drey schütz, 
defs wafs der vierte jm kein nütz. 

136 Ein andrer, wie auff kriegscher plan, 

zum ersten wolt geludert han, zr} 
Als dann erst laden wie ich bericht, 

defshalb jm billich recht beschicht. 
\ Zum ersten luden vnsere alten, 
I vnd Hessen dann den schütz fein walten. 

137 lehnen hat vnlustig gmacht, 

nais Wetter, als er dschütz verbracht. 

138 Wie auch den so vngwischt geschossen, 

das fagen macht jn gar verdrossen. 

139 Am fttcfaten ort hat einer ghan, 

sein bulfer darum wolts nit gähn. 
Nach seinem willen zu dem ziel, 

140 • Ein anderer hats gedert zu viel. 

141 Dem einen ist das bulfer zschwacL__ . 

142 Vnd dann dem letsten gar zustarck^_ ^x 
Hiemit sind vast all mengel bnent, 

so etwan haben abgewendt. 
Den schützen jre schütz im schiessen, 

dafs sy nit troffen mit verdriessen. 
Doch ihrt sy dises nit so sehr, 

dafs sy darumb nit schiessen mehr. 
Als ich also beschawt herum, 

die schützen all in einer sum, 
Gfiel mir jhr wäsen solcher gstait, 

dafs ich fragt einen schützen alt: 
Woher die schützen kommen sind? 



4i_ 



GROBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 2&r 

Der antworfc mir, mein lieber frfind: 
Ich ^ör eopb wol am reden an^i 

iafs jhr ein last zun sebützen ban: 
DeCs wil icb euch zu lieb vnd gfallen, 

etwas von jnen sagen allen. 
Als Gott erschaff den ersten man, 

wolt er gleich auch .ein schützen. han: 
Adam gebar sein söhn Cain, 

der war ein mörder recht vemim: 
An seinem brader Abel iromb,. ^^k. 

vom gschütz er vmb sein leben ko^ipt^ htrrrJ, ^ k^^m^ 

Lamech erschofjs jn in eim wald, 

in eines wilden thieres gstalt. 
Sonst findt man gar vil in ixx schriffl, 

was dschützen vnd jhr than antrifft. 
Anff dafs man aber bafs versteh, 

so sagt die Bibel von schätzen meh : 
Ismael war ein innger schätz, 

vnd Esan war Isaac vast nütz. 
Im alter von seim vatter bgärt 

ein wildbrät, das er wirt gwärU 
Dann Esau jm ein gwild bald schors, 

ob wol er sein vast wenig gnofs. 
Als man im buch Genesis findt, 

auch ander Partiarchen {so) sind 
Gat schützen gwesen, Urs nur fort 

im Köm^ncJi, an manchem ort. 
Gott strafft durch das gschütz den Jebu, 

wie weiter wirt gemeldet nah 
Im gmelten buch, da findst da klar: 

dafs Jonathas auch ein schätze war: 
Mit David glitten hat vil noht. 

Das gschütz den Säulen bracht in todt.. 
König Asa des gschlechts Beniamin, 

bedacht sein krieg mit klugem sin. 
Vil schützen er zu sammen bracht, 

damit zwang er seins feyndes macht. 
Im vierten buch der König steht, 

wie Heliseus der Prophet, , 
Z. P. D. A. IIL tTt 



25B 



Inf ^J^ 






rf, Ä(»^^>. 



6R0BS AUSREDEN DER SGBUTZBN. 

Ein hdlger man was u der zeit: 

der selb das gschofs (feUi, bat) beMdeit, 
Dem Köftig in Jndea grors, 

er sprach: ein acbuiz ders beib war das. 
Der Prophet selb sein band dran legt : 

weichs mich nit vnbiliieh bwegl. 
Die sebützeB sloben, hoch Kupreisen, 

weil mans kann mit der sdiriSl beweisen. 
Im Titg^ h}^\^j wilt du wnssen, 

hörst du gar vil von alten schätzen. 
Als dR^mer gar vil kriegen halten, 

begiengen dschtitzen gwalttg thatlen. 
Marcus Maniios mit streit, 

die Stareken Griedien niderl«il: 
Defs seine schätzen vrsaeh waren^ 

die brachtend dfynd in grosse gfiihren. 
Als Troia anfengkEch fiel, 

schössen schon dRömer zu dem ziel. 
Nach wil ich dir von einem sagen, 
von blut vergiessen vol geragen, 
Hiers TamerliQ^ der wa« ein Heid, 

der für ein miicfatig statt sich leidl. 
Die selbig war Sgifsbach genant, 

wie vast der Heid die f»tat berant: 
Mocht er ihr doch nichts gwinnen an, 
mit sechfsmal hundert tansend man, 
Vorm gschors der schützen in der statt, 
der Heid des kriegs kein ehr nit bat. 
Weitter schreibt Virgiiins meh, 

von Königs Son Archaide, 
Dersgleichen auch von Hercule, 

auch von dem griechschen AchUIe, 
Welchen Paris vor Trpi erschofs, 
da ward der Troier freude grofs. 
Der Sclpio vil grofs manheit, 

mit seinen schützen übt bereit: 
Er hat das sohiessen sehr geliebt. 

Die Perser habetts vnst geübt. 
Cambises der ein R^aig was, 



't^. JiTzc^ : U^lM^x^t^ /inuTrH/i.^ Iß-^Jx) 5»,/.2j,/. 



GflOlfö AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

in Persia, wie ich es la&, 
Der war ein schätz, doch voller weifs, 

wie ichs mit seinr histori bweifs. 
Mann weifst noch wol was hat gethon, 

der brümte brimst . schätz a« Alcpn« 
Flori sein gschäte kam wol zu stewr, 

erlöfst sein gliebte von dem fewr« 
Wilhelm Thel wafs ein gutter schätz, 

wafs jm vnd seinem kind vast nätz, 
Das het er seins lebens branbt, 

wo er jm nit het ab seim haupt,. 
Den apfel gsehwind da dannen gschossen, 

obs gleich den Landvogt vast verdrossen, 
Dann er bald draoff grad selbs erschossen : 

die Eidgnoschafft ist draufs entspro ssen. 
Dann diser schätz mit seiner that, 

den Schweitzeren anlofs geben hat, 
Dafs sy sich also bald vereint, 

ein ander recht vnd trewlich gmeint, 
Ire fyend allsambt gsehwind zveriage«« 

defs wir jetz sind noch diser tagen. 
In einem solchem freyen staht, 

als kaum ein volck so lang ghebt hat. 
Gott gab vns gnad vnd weitter bstand, 

vnd bware vns mit seiner band. 
Als nun der alt schätz auGs^dt hat, 

wolt er von mir gehn von der stat. 
Ich aber thet jn weitter hätten^ - 

er solte keins wägs yoa mir trätten. 
Mir mehr von schätzen zeigen an, 

das hat er nun mit willen than. 
Er sprach : weil dann die gschrifft tbnt jeben, 

was nun von alter bar ist gschehen, 
Mit dem geschätz gwallig vnd fein, ^ 

so ist es nit zu halten klein. 
Ja so mans braucht mit Gottes ehr, 

mann weifst sonst auch der schützen mehr, 
Die sind vor zeitten hock erhoben: 

mann thut jetz aber billich loben, 

17 • 



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260 GROSS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Die büchsenschützen aligemein, 

wie ich dann hie wil führen ein: 
Gleich wie mann jetz vor angen sieht, 

so acht mann vast der bogen nicht, 
Ob gleich das stahel schiessea drat, jf, 

von alters har sein vrsprnng hat, 
Ynd man jm gar vil ehr hat geben, 

so merck zn diser zeit darneben. 
Jetzund so hats nit solche macht, 

es wirt nur für ein kartzweil gacht. 
Drum band bifshar nach vnverdrossen, 

vil stattlich leuth mit bogen gschossen. 
Ynd glicht mir nach jr schiessen sehr, 

die buchsen aber nach vil mehr. 
Dann weil mir dbücbfs so vast geliebt, 

hat mich mein vatter daraoff gäbt, 
Mit büchsenschützen schiessen lahn, 

als ich kaum schier zwölff jähr hat ghan. 
Defs bogens kein acht mehr ich hat, 

schofs mit der bnchs auif der zielstat, 
Von Jugend t auff bifs vntz bieher, 

vnd noch vil mehr ist Gotts beger. 
Den bogen wil ich bleiben lassen, 

die büchs ist daraufs hergesprossen. 
^ Was man jetzund wil fangen an, 

so müssen dbücbsen vornen dran 
In kriegen, wie man hat gesehen, 

ich mufs mit gantzer warheit jehen. 
Kein reüter ist schier nit so klein, 

er führt auff jeder selten ein: 
Darnach ein par am Sattelbogen: 

darmbrost sind weit hindan geflogen. 
Vnd wann dann geht das treffen an, 

so feit ein büchs gar manchen man. 
Mann indt wol manchen starcken gecken, 

lafst sich mit einer büchs erschrecken, 
Wann schon kein kugel nicht ist drin, 

es weifst keiner des andren sin. 
Die buchsen mufs ich billich loben, 



ay*. 



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GROBS AUSREDEN DER SCHOTZBN. 261 

sy schweben warlich- jetzund oben. 
Land vnd leüt wirt mit bestritten , 

durch dbüchsen haben vil erlitten, 
Viel Fürsten, Graffen, Ritter vnd knecht, 

das kein armbrpst zuwägen brecht. 
Es ist auff erd kein man so bhertzt,, 

der sich nit vor der büchs ents etzt^ 
Mawren, Thürn vnd grofs Pasteyen, 

können sich kaum vorn büchsen gfreyen. 
Es wurd lang kein statt vest gemacht, 

wann dbüchsen weren nit auf gbracht. 
Ich wurd all waffen bleiben lahn, 

dafs ich möcht bey den büchsen stabq. 
Grofs kosten wirt darauff gewendt : 

der büchsen lob hat gar kein end. 
Keiner kan nit sfacieren gahjp, 

er wil ein büchsen bey jmjaa. 
Er gehe in thälren, oder bergen 

sein büchs die kan er wol verbergen. 
Kem einer mit dem armbrost her, 

eh er gspant wer der sattel lehr. 
Die büchsen sind gar wol erdacht, 

gab wer zu erst dasjbulfer gmadit. 
Difs so jetz ist von büchsen gmelt, 

hat mir der alt schütz alls erzelt: 
Mit jm darnach zuhauTs genon^ ^tf, 

vnd mir vil guts vnd ehr anthon. 
Des morgens gieng ich wider bhend, 

wolt bsehen wann der schiessen end, 
j^uch was die schützen weitter thetten, 

lofst was sy zu ein andren redten. 
Ir zween begundten zsammen jehen: 

wie ist vns so grofs ehr beschehen, 
Ja soltens vnser weiber schmecken, 

was gutter bifslin in büchsen stecken, 
Sy wurden dschleier all verkauffen, 

vnd mit vns auff die schiessen lauffen, 
Vnd sich darauff auch loblich halten, 

so müssen sy da heimet walten. 



202 GROBS AUSREDEN »ER SCHÜTZEN. 

Mein fraw wird mir den Imben Imtzen, 
bsorg übel müh mich mit jhr stutzen : 
All flüeh sy über mich bat gfelt, 

sich gegen mir vasl letz gesteh. 
Sy sprach: da zeuchst von mir binaufs, 

ist oben vnd vndcn nichts im baufs. 
Kom ich, vnd bab kein fanen gwonnen, 

bsteh ich wie balter an der Sonnen. 
Der ander sprach: ich mufs dein lachen, 

da kanst dir bald ein lassen machen. 
Vnd kombst also mit ehren heym^ 
ich wil dir ein par Cronen leyn. 
Lafs dir vil golden daran mahlen, 

also kanst da dein fraw bezahlen. 
Er sprach: was sol ich sy betriegen, 

du weist dafs es nit bleib verschwiegen. 
Mir döra es nach dem spröchwort gähn, 
den spott zum schaden mäfst ich han. 
Doch fragt ich nit vil nach dem gspöt, 

wann ichs nur überwunden het. 
Gar frewdig bin ich zogen aufs, 

jetz kumm ich trawrig wider zhanfs : 
Ich meiü mein weih die wirt mir zwagen. 

O Gott hilf du das Creülz mir tragen. 
Als disre zween das redten bsunder, 
da bort ich Treffer auch daronder. 
Ir keiner nam sich gar nichts an: 

doch sach ich ein von fehren stahn, 
Sprach ich bab nach sechfs schütz zethun, 

o thettens all in dscheiben gähn, 
Könt ich sy nach ein ander treffen, 

so hoff ich vraL^M^^t zustechen, ^i^ 
Auff jn ich eben achtung heli ^ 

hernach er sy all fehlen thet. 
Grofs fluchen fleug sich bey jm an, 

hiemit er auch in orden kam, 
Mancher war ein gulter schütz 

anfenglicb, aber zielst kein nütz. 
Ich thet mich vast vcrwundren drab, 



71 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. M3 

wie mancher grob gliiek vor jm hab, 
Vnd meint in allen s«nen sinnen, 

er mürst ohn fehl das best gewinnen, 
Es ist doch gleichwol müh darbey, 

wann schon das glück darbejr ist frey. 
Doch sol man darbey auch abnemmen, 

wtr sbest nit gwünt sol sich nit scbemmen. 
Es sey im doch gleich wie im sey, 

die gutte gsellschafft war darbey, 
Vnd thut jm das halb nit so weh, 

dafs er sich darnmb klagte meh. 
Ein jeder macht sein rechnnng gut, 

sey nichts destminder wolgemnth, 
Triff ich beut nichts so triff ich raoi^ns, 

bedarff defsbalb nit grosses Sorgens. 
Bin ich nit wol im schiessen dran, 

so bab ich doch mein knrtzweil ghan. 
Das glück das wirt bald zuher tringen, 

dafs ich ein gaab darvon wirt bringen. 
Will mich auch üben ohn verdriessen, 

dafs' ich etwan mit meinem schiessen, 
Dem vatterland behilflich Sey, 

thuns darnmb gern mit willen frey. 
Hiemit das schiessen ward voUendt, 

die gaaben bin vnd wider gsendt. 
Ein jeder schütz zog an sein ort. 

Ich wolt nun auch gern ziehen fort. 
Bin doch nach etlich tag da bliben, 

hiemit die mengel all beschriben, 
Die ich bab in dem schiessen gsehen, 

doch mocht ichs nit allsampt aufsspehen^ 
So in dem schiessen thun fur£aJlen, 

wann sy mit lob zum ziel thun schallen. 
Mann kau die mengel nit all Zeilen, 

die täglich thun den schützen fehlen. 
Doch wie ich selbs von jn hört sagen, 

so ist gar bald ein schütz verschlagen. 
Es sind der menglen all zu vil, 

die ich nit all enteilen wil. 



264 GROBS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 

Was nun der mesgleft nach mehr sind, 

ein jeder schütz bey jm befindt. 
Ich kont mit alle mengel bhalten, 

wil es defshalb Gott lassen walten. 
Doch hab ich weitter mich bedacht, 

anff das was an mich ist gebracht: 
Wafs gutter gsellschafft sey das schiessen, 

land vnd leilt thut jhr geniessen. 
Vnd lob die gutten gschelischafft (so) beid, 

in jhrem dienst bin ich bereidt. 
Daramb wer dschtit^en rerachten thnt^ 

der hat kein recht verstand nach mnth. 
Es spricht manch grosser Hans merck eben, 

ein bttchsen schützen möcht ich geben, 
Wolt mich gar eben darauff fleissen, 

wann ich nit müfst d^e^händ^ bescheissen : 
Mein armbrnst wolt idi wol hinlegen, 

verdriefst mich nnr das wischen, fegen. 
Das holderen wil der ein nit hören, 
thut jm zngar sein ghör verstören. 
Denckt mit der büchs nimt keiner war. 

ob jme auch der boltz wol fahr. 
Verlachet jeden schätzen gschwind, 

wann er gfelt anfs dem stände springt. 
Keinr yrsacben er nit gwaren wil, 

derhalben mancher schweig wol stil. 
Dafs ich all ding zum besten kehr, 

im armbrost hats der mengten mehr. 
Vnd welcher schütz ein mangel findt, 

der schaw in difs gedieht geschwind. 
Ob er was könte klauben drauCs, 

darmit er ehrlich kom zuhaufs. 
Vnd nera jm ein exempel dran, 

forthin darvor sich hätten kan. 
Es ist sonst manchem sehr gefehr, 

wann ich an seiner stelle. wehr, 
So weit ich schweigen aller still, 

es gieng mir wie der lieb Gott wil. 
Geht es dir einmahl vberwerz, -xvv«t > t^^j- 



6R0BS AUSREDEN DER SCHÜTZEN. 265 

vnd klagst eim andren dejin beschwer. 
So lofst er.ebea auff die sacben, 

vnd thal daan deinen spotten, lachen. 
Da bebt sich das vexieren an. 

Mann findt auch manchen seltznen man, 
Der eben sgspöt nit leiden kan, 

sitzt auff den E^sel.vnd reit darvon. 
^ Besonders wann er sjch vbersicht, 

mit etwas fehls, vnd falt.ins gricht, 
Dem Brütschenmeister vnder sscbwert, ^*^^ 

so der jn etwas trift zu hert, 
Nimpt er sich des zu mühen an, 

meint es sey gar nit recht gethan. 
Drum wer jm selbs helffen kan, 

der denck, was geht dich diser an, 
Vnd nem seiner sacben selber war. 

Gott bhütt der frommen Schützen schar, 
Thü jnen seinen sägen geben, 

hie szeitlich, dort das ehwig leben. 
Hiemit die schützen der Eidgnoschafll^ 

ermane ich durch liebes kraft, z^^». 
Sich züben dapffer mit dem schiessen, 

auch sich in kurtz nit lan verdriessen, 
Ein grofs frey, loMich schiessen zhalten, 

wie dann gebraucht ist von den alten. 
So bringts vil liebs vnd fründtlichkeit, 

vnd alles gpts zu jeder zeit. 
Alle Obrigkeiten hochgenandt, 

die seyen hieipit wol ermandt: 
An dschützen euch lafst rewen nüth, 

man braucht sy vil für ander leüth: 
Zu schimpf vnd ernst, nach vnd auch fehr, 

der feynd gar vbel förcht jr gwehr, 
Vil lobs ist wärt ein gutter schütz, 

besonders in den kriegen nütz_. 
Ir Zürych schützen thund euch fleissen, 

so wirt man euch wie allwäg preysen: 
Ir band das lob nach vnd auch fehr, 

das wöllind jr bebalten mehr. 



1 



«.1 



I 



266 ZUM BREC. 

Gott wöU dafs jr mit frölchem mut, 

lang schiessind dem vatteriand za gui. 
Wünsch euch hiemit ein gut New Jahr, 

vnd bhüt euch Gott vor aller gfahr. 
Der wöU euch ewer gseUschafft mehren, . 

damit es reieh zu seinen ehren: 
Auff dafs wir letstlich all zu gleich, 

erbind sein ewigs himmelreich. 
Das gebe Gott durch Jesum Christ, 

der aller weit erlöser ist. 
AMEN. 
Getruckt zu Zürych, bey Rudolff Weissenbach. 1603. 

ZU HARTMANN VON AÜE. BERICHTIGUN- 
GEN UND NACHTRÄGE. 

(mit Sternen sind druokfehler be»eichnet.) 

ZUM EREC. 

50. selben B {Benecke) 218. s. Lachmann zum Iw. 

s. 409. anmerkung zu 233. Gerhard 5282 ouch w. be- 
herberget d. St. 240. über han s. L. zum Iw. s. 434. 
267. strit* 337. swarzcn dornen bedarf keiner an- 
derung. uz dem swarzen dorne lachet wiziu bluot vil ma- 
necvalt Ronrad von fVürzlnirg MSH. 2, 314", vergl. 316*. 
der swarze dorn ist worden wiz [Neidhard] MSH. 3, 185*^. 
er (dermad) kleidet swarzen dorn in wize bluot 3,211*. 
355. rite* 358. vielleicht schine 421. vergL L. zum 
Jw. 1537. 427. der* 431. meine Vermutung edeln 
armen billigt G {JVh. Grimm), indem er vergleicht Freid. 
40, 15 man sol sich gerne erbarmen über die edeln armen . 
474. stuont uf unde fT (fTackernagel) 479. uf gnäde 
fr 499. deheiner fT 533. verläzen vröude hat mit 
gote kein gedinge der Meisner MSH. 3, 88". 663. bei- 
legen (s. L. zum Iw. 651) 669. imbiz habe ich. ohne 
noth eingeschaltet: l. also der dA ergie (s. L, zum Iw. 
656) 674. ik" 808. undem arm 832. zesamne 
liezens sider gän B 898 — 901. wir velschen beide rit- 



V 



ZUM EREC, 



267 



lers inaot di mite und wir enmitten tuooi ez Ist sunder 
prts und Sne raon. unser B 903. verderbt wird diese 
weile wohl sein {vergL L, sfum Iw. 6379), aber ich weijs 
keine wahrschein iiche rerbe/serung * 919 — Ö21- si spi- 

lende beliben« sus siz vil lAnge getribea daz B 1059* da 
streicht L. ^um fw. 6500* llOS- undem £-- ^um Iw. 

1208, 1140. got* 1151- WMwÄa I152- Käin] 

öÄ^r rfie Schreibung dieses namens s. L, s^um Im* 74- 
1316. leit in 1347. bax enmoliler fV 1392. alle die 
wAren komen dar W 1466- bater ohne punkc* 1489. 
dd weh seitens vil dicke nach der Äj-, ^. L, xt/m Iw. 7212. 
1515. Lucans der schenke Heinrich vom Tiirlein f Wie- 
ner ks. bL 136^ {fFolf über die lais ^,399). 1628# 
Heinrich vorn Türlein tL 138^ {ff^ölf s. 4Mß) ziihk zum 
iheii dieselben ritter der tafelrmide nuf^ obwohl er dann 
ans ungenauer erinnerung behauptet die von Hartmann im 
Ereü übergangenen genannt ^u haben, 1741, zer schcen- 
stcn fr 1764. die* 17S3. s. L. zum Iw. s. 562. 
1871. danc L. zum Iw. 1500- 1883. im da ff^. 
1911/. s. L. zum Iw. 897- 1981. gekleit* 1985. ^den 
besten Scharlach, denn brutlach kenne ich nicht, Parz, 
313, 4 steht brütlachen, ebenso fVh. 63, 22* B, twrgl, L, 
zum Iw. 326. 2006. heslozzea^ 2167. iiiht eines B 
2168, den gwis L, zum Iw, 7785. 2213- langte oder 
lengert L, ^um Iw. s. 530. 2299, in habe ich irf^g 
hinzugejugi, s, L. zum Iw, 4428. 2324. Artüses 
2375. mit liehlen bestaht, vergL frauend. 299» ^ff, Qerh. 
5980^.' W 2401. der Sa^lden schoi L. zum Iw, 4449. 
2435. sd daz nie ritter laete baz G, leichter scheint 
mir alsft nie ritter baz. vergL 2G72. 2497. iriute, s, 
L. zum Iw. 415. 2500, endet, s. L. zum Iw. s, 530. 
2565 ist nichts zu ändern. .?- zum g, Gerh. 1753 zeitschr. 
I, 199. 2567. wüpenroc und kröne G 2600- »une 
L. zum Im, 4067- 2615, crledegle {s. L, zum Iw. 
881 s. 402) 2702. wie hier ist hämit in fünf stellen des 
Biterolf verderbt und vom keramgeber verkannt worden. 
l- 8487 sendet tÜsent degene zuq zin an diu hAmit (: sit)- 
8594 da si sider diu hämit stakten kurz oder wit- 8773 lio 
hegunde cnstete sÜn da daz ritterliche spil für dm hämit 




268 



ZUM BRBC. 






an ir zil. 8959 Walthftres wigaade, sibene (borten si sit 
der Rüedegires durch diu h&mU. 9016 in diu bAmIt geUn 
wnrden die helde kecke. 1^723. nimmer debein die hs., 
. vergl. L. 9im Iw. 894. 9094. 'niwan bi dem libe, 

vergl. 841. 1052.' fF 3106. zu den beitpielen räumlich 
l, äv^m,^ f^. gebrauchter mbstantivischer accusative föge ich sie fnoren 
enalverte din mos joh die herte, bftdia berge nnt tal fVemh. 
"■' . Mar. 158, 36 Hoffm. er var lani oder mer klage 1482. 
yfl nngevertes er dö reit Woifr. Parx. 180, 6. niht wan 
dnrch des grftles kraft streich er wazzer ande lant 479, 22. 
in siner jngent fitrt nnde wisenreit er vil dorcb tjostieren 
502, 2. ine weiz wie manec lant er reit 821, 29. den bra- 
cken, der walt nnd gevilde phlac der rerte ab er von arte 
solte Tit. 153, 2. 3. ir stritet berge ode Ul fVh. 212,23. 
dö reit din maget wol getan mit ir gesellescbefte dan beidin 
berge nnde tal Wimt fVig. 2351. wan er sin ors bet ver- 
lorn, des enmobt er gedrenge nnt dorn ze fiiezen wider 
strichen Heinrich vom Türlein Wiener hs. hl. 137^ si 
fnoren an dem mitten tage eine beide din was breit Ken- 
rad von FufMCsbrunnen kindheit Jesu 83, 69. ob ich ein 
michel her nAch ir fiieren solte erde nnde mer Gudr. 594, 1 
(2375). lant nnde sträze dA wart ez hin geseit 746, 2 
(2983). ein jegere Ane jagennes list, der doch an jagenne 
stritec ist, der volget nAch dem wilde walt nnde gevilde 
Konrad von Heimsfurt \ff. ich wil beide nnde plAn nAcb 
Aventinren riten Bertolds Darifant 104. daz si tal nnde 
berc der kinde einez mnoste tragen von der guoten frau 
1652. ich solde eines morgens gAn eine wise breite Mitn- 
chener lieders. bl. 59* (MSH. 3, 444*). ein snecke wolte 
springen viir den lAbart beide berc nnt tal Reinmar von 
Zweier MS. 2, 149^. ez (ein wnnder) vert die Tnononwe 
nnd den Rin der Mamer MS. 2, 169*. die Verbindung von 
verbis der bewegung mit den accusativen wec strAze pfat 
ist9 wie noch heut »u tage^ %u gewöhnlich als-dqfs sie mit 
beispielen belegt xu werden brauchte, in der Gudrun 208, 1 
/ (831) verdirbt meine Verböserung, wenn man interpungiert 
\ Er was ze Friesen herre : wazzer nnde lant, Dietmars nnde 
, WAleis was in siner hant, denn Dietmars nnde WAleis kann 
nicht erklärung oder weitere ausßihrung von wazzer nnde 



ZUM EKBC. 



«W 



um »CT«. 3127/ wären : gebären L. zum fw. 1321. 
3155. s. L. zum Im. 4871. 3223/ sm geselle in woHe 
gerochen bän: dem wart alsam getan. B und W, vergl. 
3337. 3253/ — nimer getale — ninier v. Iiate öfter 

nimmer lapte und nimmer v. h- L. sum Iw- 6670. 
3258. ichz 3281/ geschach an B 3400. den vünven 
sige an gewan fr 3762. vil nä ez t. st/« Iw. 3487. 
3800. Such* 3935. Lachmann nimmt \a suräek zum 
Iw. 2939. 3940 — 3942. begunde dA fristen ir fere nnde 
ir mannes lip frowe Eoile, ein gelriwet wip G 4037. 

stille fw'rrf kaum HchHg sein. 4042. zweinzegest *. L. 
mm Iw. 651. 4073. du wa-n ein ableita^rc bist L. sum 
Im. 842. 4177. alsam, wie sonst diebe fF 421 1. »ijer 
n. enverswar* 4247 . vielleicht flienden L. stm Iw. *- 52«. 
für do wird da zu lesen sein. 4265. vergl. L. zum iw. 
8080. 4296. äs (gramm. 3e ausg. 1, 169 5. 23 tst su be- 
richtigen.) 4301. w. d. d. rede däwa^r zev. oder doch wirt 
ze V. L. mm Iw. 3560. 4316#. errilcn. •l*-^?"»' 

dA u. s. w. aber lückenkaß scheint mir die stelle auch jetzt 
noch. 4322. tnc 4325- [er sprach] L. ^umMt. 

3637. 4393. daß schilte nickt richtig sem knun Mtrt 

4408 #. vielleicht zonmc. rergl. 9126. 4505. erfiirMe 
4528. des ich unz an dirre frisl und in der anmcr- 
kung unz L\ ninfse 4620. leider" 4790— 4793 ./«V*' 
B als Parenthese, enbeiz (den Uuvel — teil), Ab 4822. i-er^ ■ 
L. stiia Iw. s. 556. 4953. nie man /^ 4959. tc 

sweiße nicht daß mich richtig ist' B u'»''« """"^ ,* 

er versciluldel wol C 4967. luo] h- xum Iw. -M^- 

/. 434, 3181 *. 455. £rffc/i«* 3359- Ifeinr. Trist. 42. . 
5085. nänh kann bleiben. 5103. vergl. L. sum M- 
5541 . 5210. unangestlichc. so auch IV und jet^t L. ^um 

. . 4 . iTt2. .T. Li. sunt 

/». 7236. 5279/ gebären : wären ^' ,,,_ ■„ 

tf». 1316. 5390. möhte 5413. begangen, ^^ •'• 

»igen, vergl. 5719' ff^ 5424- s. unten su bächl 1, 42». 

'5494.^an* 5539. swaz der crap^fej-- .^ 

5611. daz de« sige an leide nam= ^^^^^^^^^. 

5747. ,r memen mftre /^ ^ ^j„ ^.,lä,ke 

, 5841. saeh 5936- dö ^^^.^^^ 

6083. schricnl L. zum Iw. 5J.ia. 




270 



ZUM EREG. 



\ 



}n 






6338. entriot 6411. Si sprach 'daz got enwelle, sit daz 
mir min geselle als6 maoz sin verlorn.' fT die folgende 
»eile des wart vil tiure d6 geswom ist als eingeschalteter 
vers des dickters von Enitens Worten zu sondern. 
6424. si niht von fF' 6514. nune mohte der gr&ve m^, 
vergL L. »im Iw. 4067. 6598. nach fremdem g. B. 

vergl. L. »um Iw. 1321. 6606. wan du bist et leider 

t6t B, vergL »um Iw. 24$9, 2e ausg. s. 292. in der 

mmerkung l. Nib. 1728. 6620. er erslaoc B 

6634. hie fl6ch der hof, dort fl6ch der hof : B 6717. sin 
rotew^ige^er sanc, Karajan. vergl. Ferd. fVolf über die 
lais s. 248. 6747. in dem gewert der hs. hat gerftwet 

erkannt L. »um Iw. 5862. 6894. der d6 mit wölken 

was bedaht. B 6942. s. L. »u Ulrichs ß'ouend. SSS^l. 
6973. von im mir leidiu m. fF 7027. vergl. L, 

»um Iw. s. 443. 7042. dazn B 7149. erz. dirre 

wiltban fF 7154 — 7165. onch het der wirt die hunde 

die des mannes willen täten : mit den ditz jagehus was be- 
raten, swenn er dar üz sach maneges site der da rande dft 
mite, swä er bi den zinnen saz, s6 sfthenz jene niht vil 
baz die , dft mit den hmiden randen. wer sold im ab daz 
enblanden, swenne er mit den fronwen möht ab dem huse 
sehouwen lonfen die bände? B, der »u rande MS. 2, 226** 
vergleicht, waz hilfet daz man traegen esel mit snellem marke 
rennet? 7167. ersprenget L. »um Iw. s. 404. 7195. der* 
7207/. wer sol nu s. a. s. der heile fV 7249. vergl. 
L. »um Iw. 749. 7292. volblanker fT 7327. vergl. 
L. »u Nib. 1852, 1. 7388. spricht ieman 7509. seht 
daz ichz rehle W 7540. genauer diu Gefuoge 

7578. gewalteger 7610. dar inne sam er lebte W 
7613. büwet smeres L. »um Iw. 2516. 7691. vor? 
7702. boumol fV 7727. 'ich glaube. Alle aiif gleiche 

weise gefafst* G 7742. hoqpte, s. L. »um Iw. 7773. 

7816. gebuwen, vergl. Erec 5313. Herb. 14090. 
OUacker s. 120\ gr. 4, 598. Schneller 1, 136. 
7875. ein gevelle BIF 7904. mich B, vergl. Gott/r. 

Trist. 5226. Berth. s. 254. 7905. winsiern haut fV. 

»u Lachmanns erklärung gehört im ist noch wirs dan den 
die gtet nftch porte aldä diu venster st^nt Par». 171, 5. 



p 



ZUM ERBC. ^1 

7920. ea i.t AT 79SS. onde 7987. od wie Ul /f 

8011. rilter 8012. gewinne 8029. edel 

8123. vetgl. L. »um Iw. 3043. 8136. 'tisch fslgan^ 

riehiig, die tischlinien .hat iren nammen dohär, das von ir 
elüi^r wyb ein tisch in der handt geformieret würU wenn 
das feld oder spacium so xwüschen der mittelnalurlH:hen 
linien, vnd der üschUnien erschynW ist der handl lisch ge- 
nannt. Jo. Indagin^ Die kmst der Chiromantseif Straß- 
buTK l&Ü^foL bt, 8«. ein seer böfs zeychen .st, wo em 
Unie. Ton der mittelnatürlichen linien entsprängt, vnd godt 
dnrt* den tisch vnd die tischlinien vnd an dem cnd vlT de 
«ttelfingers bnhel ein gabel machet ebend. b. 8 . streckt 
sich ein'unien^^vfs vom qu-drangel, »«»f f » '-?' ^^f^ "^t 
vnd godt gerad dnrch die tischUnien zu ««!-' .^-^^ ^ 7^, 
.«iJgers, Vf. hat am end ein kleines krentzbn, g bt e.« a^ 
z6ig eins «cwiUigen vnnersehenen ends ebend. bl. 9 • die 
W^ye^^g^Läschen der tiscUinien vnd '^^^^:;^^:^ 
linien ist! wür. geheyssen die lyerung, ^^^^^^^^^^^^^^^ 
der handt. - ist die feldyerung des q"«<>rangels ncy' v« 
brevl so ist der mensch mUtfrey vnd eins hohen hcrrl.clien 
gSls. -1 wenn sich die tischünien der ^-^ ^^^ 
Li der natürüchen linien. ^«i^-.'r^^j'^'^^^Z^^] 
so Ut der mensch vffseuig vnd begyng blut zu -«^V- «J^ 
elwen findt m« ein sychtiich kreülz ^ey dem «»d d- .s^,b 
der handU vnden bey dem handlsehlagk, das bedeul v. wa 
cns bUgerschatrten/vnnd anderungen der sie«, yedachnHt 
felÜKem glück, vnd ist zä mercken, wo obgemelle z*« 
S d/reh die der handt tisch erkundet -r weyl -» 
einander stond, so hat der mensch v.l "»'f -^^^J^',^; 
vnd Übel temperierte feüchtigkeit in seinem If : J'^^^^J"^^ 
ist soliche feUpöSi zwischen den -weyen Im.en^^g be 
schlössen, solSirmensch ««y'jf ' Ttf^/ ! Iw. 
z& sammeln, einer grymmen vnbarmherU»^^^^^^^^ ^^^. 

bl, 17«. so iiei aus dem «««'^«/^//grofs Pla-.ie Bücb. 
t»r »euge ^t '^^' "^ ^'^^. v„d Chiromen.j. Alle« 
Sa.pt der Geomancj. Pl-'^^-^^^J^^^ar vnnd Joanne Kü- 
a.fs Piatone. P*»»«-»;,f td fleissigst gezogen «. .. -■ 
njgsperger. auffs ^^^^^J^, ^ ,,^, Str^lfsburs V.7^^^''^ 



( ' 



272 



ZUM ERBG. 



und bl. 137^ stehe bei ihm Cap. viij. voa dem tisch der bandt. 
Der tisch der handt der zwischen der mittelen lini vnnd der 
Uni des tisch ist, so der eng ist in der mitte, bedeüt ein 
kargen geitigen menschen, ist aber mensa breyt in der 
mitte, so bedeüt es einen der ke]rn mafs hat in kosten, son- 
der er gibt reichlich, vnd weyrs nit wann er geben soll. — 
also ist auch zu erkennen an dem tisch der handt, wann 
kalte compl^ mangelt der natürlichen hitz, das macht ein 
engen mensam, der da bedeüt ein kargen menschen, rnd ein 
kleynmutigen, aber so der tisch groFs vnd weit ist, bedenl 
vil natürliche hitz in dem menschen, der reichlich anfsgibt 
u. s. w.* K. H. C »ow Meuseback. 8203. über rieh- 

sent vergl. L. zum Iw. 7493. 8217. s6 gebent 

8286. zweinzegest 8288. under iin w. L. zum Iw. 

1208. 8333. bewegte 8334. l^recke 8346. er- 

barmte 8348. wan des wärens gwis äne wän. 

8364. vol L. zum Iw. 6569. 8380. vielleicht kann in 

entbehrt werden, s. L. zum Iw. 2986. 8406. 'belangen, 
zögernd* G 8469. swie er waer nnumbegeben B 

8491. dewederm 8568. ezn B 8584. vergl. L. zum 
Iw. 155. 8696. vielleicht und ahte ez 8753/. NA 

reit der wirt vor in gegen dem boumgarten hin, fF 
8786. diu houbet kann bleiben, vergl. 8515. 8794. d. 

d. ritter sigte an L. zum Iw. 6604. ^8V* u°^* 
8885^. ergie: ez enwas et ritter nie mfe^Ktrosstet fF 

8909/ vlügen : trügen s. L. zummet^ s. 423. 
9032. vergl. der wirt sprach sin 6re Pm^z. 173, 11. hferre, 
ir sprechet iwer zuht JVh. 343, 3. A redent ir zuht: got 
gebe in heil Heinrich Tescheler MS, 2, 88*. 9092. vergl. 
wände der stolze Ehcunat ein lanzen durch in l^rte pfat 
Parz. 413, 15. 9107. si minnetn 4ne b. L. zum Iw. 

s. 530. 9168. Geselle Hartman, und in der anmerkung 

Hartman L\ fehlt. 9178. geruoter stände dem fehler der 
hs. näher und wäre nicht unrichtig, vergl. L, zum Iw. 
3643. 9189. do" 9197. vielleicht ist möglich enkunde 
sich erbarmen, vergl. L. zum Iw. s. 514. 9200. sluoc: * 

9253. urabe slac, und in der folgenden zeile mit der 
hs. gegen fF 9294. 'doch des, obgleich das' W 

9348. hätz ein unedels man getdn, B 9435. wacker- 



ZUMBR£^. Sf8 

lieber fV 0436« wie mich de^ yerwandern kaal W 
9439. voo iemaaues g., vergl. X. üwn Iw% 194. 
0451 y« behalten, und solde ich hioae alten^ W 9498« daue 
L. »um Iw^ JL500. 9503. sur anmerkwig vergL Mreo 

2396. bächL 1» 886. 9513. schinet diu minne guot W 
9534« wünnecticher mu/i bleuen. 9637. 'unde rie^ 
tea nach der hs., vermuteten' B 9657. scbdne* 

9677. muostä L. »um Iw^ 483. 9685. s. L. »um Iw. 

.1208. 9752. hegarn L.»um Iw. 3560» 9786. dem 

barmherzen L. zum Iw. 4856. 9812. leben» s. L. »um 
Iw. s. 550. 9843. verk^ren, fT 9847. 'tilge wan' 

fF 9870. bat* 9919. vielleicht beßer ir herrea^ mit 
vier hebungen. «. L. »um Iw. s. 412. 9962. ^"e/tatier 

Eren 10048. sin, (^o antworte ich) von diu, und schein 
der 1^ nu dd, »6 was Bin lop anderswä. B 10058. wün^ 
neoliche L. »am Iw. 105 ^.374« 10114. 'wurdens, trte 
le rate Werden i^«rf dergl/ W 10115. waa si gut W 
10118. vtrgl. L. »um Iw. 2112 s^ 434. t)» def anmer^ 
kung »u 10124 kann Gudr. 422^ 4 (1690) hinxugeßgt 
werden. 

Eine leider verlorene hs. des Erec wird im Serapeum 
S (1842), 339 erwähnt. 

ZU DEN LIEDERN. 

%^ iO« vergU L. »um Iw. 8694. 12^ 16. trurec^ 

t3| 9. ioh b. e* st. dienestman L, »um Iw. 5522. 

ZU DEN BÜCHLEIN. 

\f 222. #. Lk eumlw^ 2943. 251. vielleicht sim älth^r- 
T^n« ä. L. zum Iw* Sk 412. 429. ungeh6rten kann rich- 
tig sein. s6 unvemomen arbeit 'Erec 5424. daz ist ein un- 
gehoeret dinc and wart vil selten ie vernomen Konr. von 
Würsb. trcj. kr. 47*^. 449. vielleicht ist der »u sttrei- 

chen* #* L. »wii Iw. 1208. 494. zesamen sie ir pfirüende 
truogen und lurzten (teuschten) in mit werten klao^en Kol. 
eodew 185, 1047. 511/. da von g^nt den reinen man 

danne zw^ne schaden an L. »um Iw. 5522. 591. er ist 
Z. P. D. A. III. 18 



274 



ZI} HARTMANNS BUCHLBIN. 



ein sinnelAser man, der ftne bürgen durch daz wip iemftr 
geveilet den lip Trist. 9S9A. min lip der ist geveilet mit 
kämpfe and mit vehte Trist. 13240. 811. wische den 

mies vonn oogen L. zum Iw. 1208. 881. gerowen] s. 

L. xumiw. 415. IUI. ze fr. mich n. v. L. zum Iw. 

5172. 1216. gebiutst et L.zumiw. 6261. 1497. wan 
s6 zioht si üz in a. L.zumiw. 2738. 1612. gezieh. 

vergl. L. zumlw. 2868. 1681. geiant (denn gewanl 

steht \70i) L. zum Iw. s. 561. 1762^. ja lebe ich 

sam ich swande aber tiefen s6, dan man hftt verre uz ze 
lande, so^ und 1778 in dem sande, ist wie ich glaube zu 
schreiben, ich hegte diese Vermutung schon früher, und 
auch herr von der Hagen sagt MS. 3, 844^ 'sawainde ist 
wohl swamde% allein ich konnte das verbum swemmen nur 
beim Suchenwirt nachweisen, was ßir Hartmann nickt ge^ 
nügt. aber auch Ulrich von Tärheim sagt TVfs^ 2808 J^. 
er viel selbe an den bach. hin über er geswande. an in 
balde rande beide mAge und man. in Ottaekers ckronik steht 
s. 61^ üf einem meiden er sä swemte über die Trä ze siner 
vinde angesiht: wan si mohten im uiht mit swemmen g0- 
volgen, und s. 88** ez was dft mosig unde murc. dö swemt 
der alt von Liuhtenburc fif eim verdahten ravit über daz 
wazzer wit. die stellen des Suchenwirt sind folgende. 
4» 446 tief was geroer und auch der sant, pei den schiffen, 
und daz muor. ainer swemt, der ander fuor, piz daz uns 
got von himelreich her über half genaedicleich. 9, 197 ze 
Vizenz über die Prente swemt er : scbol man (/. manz) ge- 
lauben? 13, 134 pei Ölsnitz swemt er über die muor. die 
transitive bedeutung, aus der sich die intransitive des über 
Setzens gebildet hat, findet sich beim Suchenwirt 4,192 mit 
müe und auch mit arebait von mitten tag zuo vesper zeit 
swemt man über daz wazzer weit pei den schiffen, daz ist 
w4r, mfer wen dreizik tausent gar. 

2, HO. willn L.zumiw. 1159. 479. vol L. zum 
Iw. 3079. 582. geloubte. s. L. zum Iw. 1730. 

7Z6ff. wan sol mir immer da vone geschehen — guot daz 
— tuot, des u. s. w. L. zum Iw. 901. 



ZUM ARMEN HEINRICH. 
174^ arzle L. zum Iw^ 1553. 1B9. dm rede ist b. ». 

L. zum Iw. 6372. 328 J^. liebt — mohtc — lohte. 

vergl. L. zum Iw. 4194. 436. zoo L, zum Iw. s. 514. 

865. sant L. zum Iw. 901. 1018. zua L. zttm Im. 
s. 514. 1035. niemer mk mit A. 1055. $. L, zum 

Iw. 6774. 1089. binde, s. L. zum Iw. 3560* 

1382. sines gelückes 1392. engeloubten lilt. speebe* 
s. L. zum Iw. 7300. 

Zur vorrede, s. x z.2 v. u. L Wcsperspül su s. xii 
z. 1. der von Absalone wird aus der reihe dervthd. dich- 
ter zu streichen sein. s. Jac. Grimm in dem berickt über 
die Verhandlungen der Berliner academie 1843 aprtt s. 122. 
zu s. XV y. Haug von Salza ist von Herrn von der 
Hagen aus derselben Urkunde erwähnt worden MS* 4, 644, 
an einer stelle wo niemand etwas von den hmren von Salza 
erwartet und auf die auch weder s. 870 noch s. 920 ver- 
wiesen ist, so dq/s 4ch sie übersehen habe, die bekauptung^ 
Haug von Salza werde mit f^eldeke genafint^ verstehe ich 
nicht: wo Heinrich vom Türlein (den ken^ von der Hagen 
Ulrich zu nennen pflegt) von ihm redet, steht von dem 
Veldeker keine silbe. HAUPT. 



•%»Jt 



\ 




ZUM GUTEN GERHARD. 

Die Gelehrten anzeigen herausgegeben von mitgtfedern 
der königl. baier. akademie der unßenschaßen kommen 
schwerlich in die hände aUer die sich mit der mitleihock' 
deutschen poesie philologisch beschäßigen. daher mögen 
die wohlüberlegten Verböserungen des tewtes von Rudolfs 
gutem Gerhard die herr Franz J^feiffer in seiner recemion 
meiner ausgäbe dort (Jahrg. 1842 n°7d — 72) 7i/edergc/cgi 
hatf so wie mit geringer ausnähme die permuüingen die er 
fragweise ausspricht ^ hier räum finden. H* 

1127. selbe hiez, nach B. 1347. sd ode.r als man? 
1368. altherren? 1936. wan eine miueg b. b. auf eine 
ßihrt one in B. 2471. Ditz 26GG. unde ir Tr. zwd. 
vergl. 2679. 2685. 2702/ ob et ir gedenket min 

u. s. w. 2799. ze kftreone? 2849. die rehte» w. 

18* 



i 



«TS 



ZOM GUTEN GERHARD. 



m.T 2851. Trowe, dax sage ick dir tu woI. (vieimdkr 

wohl 4u. geaage ich dir vü wol. Haupt.) J884. frceli«^ 
ia nb hos Ua heia 2890. rilicher wa;ie 2909. D« 

fr. 8. m. liehe kr. 3081. ach w«aic deist? 3341. als«? 
3429. hi ■. d. hdehsezit alhie 3529. swie knac et 
was? 3595. dia ist mü B wegxuim/sem. rergl. 636. 

2536. 3493. fFühelm 1753 dA msse halp gesaagea was. 
1966 dd nesse was gesaagea. 3649. daz was ir kric 

mil »I. kr. Ml frUhelm reimt krie : hie 1383. 6387. 6453, 
krie: uf sie 9171. 3666. dorch der vreade ez s. s.? 

4239. heUegea 4632/. des geaidet im zehaat der 
4766. sSez rede, seaAer oaiheraac nmeh B? söezseaßer 
aiahevaac? 4981. alse 5145. de* wir der h*. ^ ist 
mieht mufimgeben. vilexamder MüHeh. h». 14* ia üppedi- 
cfaen wiae wirt er a]sA Us geiaaot daz er sich setzet daidi 
sia gaot wider der hirschefte gar dia ia gebcehet hAt biz 
dar. 33* ia vieaüidieni zorae was d« der wolgebone ge- 
gea Al^ae der sla^ daz si hlte sieh gesät wider ia ia solher 
wer. HfMsekm vom Kosten» in der Minne lekre bei Ilmi- 
ler j[. 352 — swer sieh wider mir (: dir) setzet oad der 
moter mta, - dem zöade ich an sia herze mite. 1482^. 
— wes zAstu mich, daz da strebest wider mir (: dir)? d»- 
gegen im nämlichen sinne 319#. sich seteetmaniger wider 
mich alsd vesleclich daz ich mit göete ia nibt betwiagea 
kao. vergl. gramm. 4, 795. Graff präp. *. 192— 197 
Vr^chseh. 1, 638/. 5367. d4? 5470. der ist ze 

jÄUemfte gemaot mit A. dieses wort, dem hier eleUeher 
«t ze kvt gegenüber steht, üt wu Sßer begegnet nmd 
b^t nachsichtig, nachgiebig, mild, mnch nmchüfsür 
trage. Flore Uff. er bit der b««a altare k«ft mit iS- 
•ealle aberwonden. cod. mtmac 100 bl. 144^ — daz daz 
wire wor^ daz anser h«rre selbe ist, ia ir heizea ist de.^ 
losehea aad daz sie lihtsemfte siat worden aa gotes dienste 
und oagedolüc und snel ze nanutzer rede «. ,. ... bmier 
^/a, Ä&^422 ühtseaftekeit. ähnliche zusammense- 
to«g»» smd, bmderDaea min Joch ist seaftsäeze nnd min 
Mt .st nage. Ernst 1990 oad kom eia lih.isnezer (so 
Uelabet V d Hagen und es braucht nicht, wiTTi^amm. 
2. »6 geschieht, in liehts. .eränd^t su werden) ^^ 



ZUM GUTEN GERHABJ), 



tn 



sie näcb leide machte vrd/ 549d^ komea aii her jq diu 
taut mü B, 'die pwntikein her hin imx dar u, $* w, sind 
R. sehr gellt aßg und er wendet He in dieser wei^e haußg 
an, s, h, 1195. 1208. 6S31 der hrÄiite h% her in dilz \knU 
^Filhelm S48 haete briht dar in daz laut« 5997 von der 
stat bin üf daz velt/ 5527. von dränge? 5557. aUe 

55S9. an] Äne in? 572^ ff* 06 wir sd groezliche in 
daz kiinecriche schöne enpfaagen wurden dd* 'rfie*e redens- 
art und andere ähnliche kommen auch in fVilhelm vor. 
js. 14541 und wurden riliehe enpbangen iu da^ riche. 13122 
(Haager perg* äs.) er bäte al den iinen einen hof gespro- 
chen dar armen unde riehen gar ze Norwaege in daz riche, 
10722 (ebd.) dirie beiden kunegtj her -^ samenden sich sÄ 
zehant mit kreften werliche ze Teaemarc in daz riebe. 
11582 (ehd,) er teilte in daz rtuhe den herren die gevan- 
gen gar. 5564 und grnozten in mil vreuden gar hin wider 
hein in sin laot, 3046 (ßaager hs*) berberge nemen in 
die stat. vergL darüber gramm. 4> 827- 825. 5736. dar 

üfe 5746. ir ie? 5749, und von g&«tejne 5772. ouoh 
W&9 dem künege ein guot geljmpr. 'denn et ist wokl zu 
beachten dajh^ wenn vorn konige die rede ist, nicht blojk 
der hcrre, sondern der herre min oder min herre gesagt 
wird^ vergL 5779. 5871K 59(i7. G022. G042 u. s. w: 
5929^^» — Hehle hrehen sach ~ gevilde die u, &\ w,? 
5966. ezzeu als man s. 6140, für alles guoles überguoL 
vergL 5553. Barlaafn 11814 eijt tiberguüt de^ guotc» (hei 
Kopke £95, 14, um die gans&B MfÜe lUckenkaß ist^ iiber- 
gilte) 6144, selben? 627t . d^z laut, der krüne b^r- 
srhaft, 636K vollebriugen k, 6584- an? 

6686. ob ich d. g. iht geh, möhte, da^ ez dannoch nihl 
tobte? 6831. ditz lant die hiden seilen 4887 und 

4888 swor ouch nu epil merken wil, da wag manc ritterli- 
chez spil verrathen sich durch schlechten bau und matt§ 
Wiederholung als einschiehsel des schreib er ^ und sind zu til- 
gen, da/s B mi^ 280 tyersen die lUcke von 2 blättern in A 
richtig ausßlltt^ beweist noch nicht daß sie auch in dieser 
vorhanden waren^ indem die 35 seilen auf Jeder spalte die- 
ser ks, 'nicht immer eben so viele verse betrage?i/ ebenso 
möchten mich die 5.2905 — 2908 zu streichen sein, icor 



278 



KLEINE BEMERKUNGEN. 



durch die kur» vorhergehende Ulcke auf sechs xeilen er- 
mäfsigt würde, femer ist auch x. 6924 mit B zu strei- 
chen; sie enthält einen nichtssagenden zusatz und das ge- 
dieht soll mit 7 gleichlautenden reimen schliefsen, wie der 
Barlaam mit zweimal 7 und Wilhelm mit 9, welche letz- 
tere so lauten, 

Swelch min friant mir friandes rät 
erzeiget äne missetät 
(ob mir der rät ze staten stät 
und mich niht tomplich irren lät), 
der tuot mir wol, swie ez ergät, 
and leit an mich der triawen wät. 
daz ist ein friontlich getät. 
nA helfe uns der erbermde sät. 
ditz msere alhie ein ende hat. 
damit vergleiche man die schlufsverse der kindheit Jesu 
von Konrad von Fufsesbrunnen (K. A. Hahn^ gedichte des 
i2n und \Zn Jh. s. 102. 146), die Rudolf sowohl der form 
als auch dem inhalte nach offenbar nachgeahmt hat.* 

[2161 lies *kaD si Franzoyser spräche?' 'ja.' Hmpt.^ 



KLEINE BEMERKUNGEN. 

1. ZU FREIDANK. 

Freidanks zeilen, 1, 7 — 10 borgt Ottacker s. 70% bei 
dem in der iOn zeäe buwet statt zimbert steht. Th.Jacobi 
(de Ottocari chronico Austriaco, Breslau 1839) hat dies 
nicht bemerkt, was er s. 36 y. über Ottackers kenntnis 
deutscher gedichte sagt ist überhaupt sehr ungenügend. 

73, 22. Sd ebene nie kein künec gesaz, Im würre'dan- 
noch eteswaz. vergl. Ottacker s. 378* — wir haben ge- 
h6rt Ein altez Sprichwort, 'Nie kein man sA eben gesaz, 
Im gebreste etewaz.' 

Den Spruch 127, 16. 17 Ich weiz wol daz niemen mac 
Verbieten wol den widerslac hat, wie fVh. Grimm s. xcvn 
bemerkt, Neidhärd s. 392 Ben. in persönlicher fqfsung. 
Der keiser Otte künde nie den widerslac veri^ieten, ich ver- 
;sttochte ez, kumt er (der von Reuenthal) her, ob in diu 
iBwert iht schrieten. in dem alten drucke steht dafür (Ha- 



KLEINE BEMEKKÜNGEN. 



tm 



gens MS, 3, 671*') es mocht der kelser Carol nie u^ s. uk 
imd wie Otto mitfi Karl in diesem Sprichwort auch ^onst 
genannt worden sein, denn Ottacker s. 134** ^agi Mir b4t 
kÜDic Karle Den widerslac erloubeL Ich bin an reble be- 
toubet Und gestözen von minD landen. 

163, 15 das hils von sibcn vüczeu kalie ick nicht för 
den sarg^ sondern ßir das grab, wie in der von If^h. Grimm 
angeßihrten stette aus dem Aiexander und bei Alamis 
parah, 1, 109 {Leyser hist, poet. m. aem s. 1070) Omnia 
Caesar habet, sed ^lorla Caesaris esse Desiait, et iumulun] 
rix babet oclo pednm, und in Kar aj ans ßrühlingsgabe j. 86 
Yix Quac tuus tumulus Septem capit pedes. 

2. MEIER HELMBRECHT, 

Ottacker s, 237^^, erjsahit wie der abt Heinrich ton 
Admont bauef^t aus den Ensihai aufbietet um den Ungern 
davon geßihrtes vieh wieder ab ssu jagen, die 'ackertrap- 
pen^ die an den pßug gehören^' ßiehen schimpßick und 
verschwören es gegen ein solches langbärtiges volk^ das 
die zahne so greulich bleckt wenn es seme bogen spannt^ 
je wieder itus ssu ziehen ; mit solche/t diensißorderungen möge 
sie der abt verschonen, mancher sprach (s, 239'') ^sendet 
mich unser herrgott heim ins Ensthal^ da will ich mieh^ 
daß vater und muhme es loben^ an den lichten hlumen mit 
meiner sense rächen^ 

mit der Unger gescbrei 

wil ich sia uaverwarrcn, 

hin» Ußgern in die scharren 

läz im ein ander wesen gäch 

unde in daz $tudacb, 

dem abbte diene ich gern; 

mag aber er min enbern, 
,^ ' tiir triben kum ich nimmer mÄr. 

Uetmprehtes vater l^r 

wil ich gerne volgen 

and der knäppscheil sin crbolgen/ t tMl^,'^n^^ 
die anspielung auf den mcier Helmbrecht, wo (242 #-) der ^^^*" 
mter den sokn ennahnt beim pßuge zu bleiben, ist deutlich. 

H» 



1 



A^^*rt*# f j>y, «I ! ??/ r 



^ I ^2.-^ <^ 24/1 ALTSACHSISCHE GLOSSEN. 

Die Merseburger A#. 42, P^f^*» m Um^foUo^ ^tus dem 
10» Jh., emthält unter dem tüel biionis de TiU clerioonuD 
evie semmbmg ven bruehstüeken mue IsulerMi, JBierem^wme^ 
Augustinus, Chregarms dem in, Prosper, Leo dem An, Ge/m^ 
ems^ und van ceneiUenAehH(fsen. dse/eigenden mlisächsisehem 
glouen sind meist mit derselben tinte und tneUeieki von der* 
selben hand, xum theil von anderer hand und mii seheäruerer 
tinte übergeschrieben^ viele dieser glossen sind sehwer, wksmr 
ehe gar nicht zu lesen. H. LEYSER. 

bl. 103^ non tarnen in cauendis uiüis (. . enu uardianun) — 

üfltare (uramstsm) *-* qui enangeliciun preeepUim 
fireqncBter dislniclis (Jbreuldun) alfM feMialialis 
{end Jbrsekenun) palrimoBiis — ipiatcnos sA m 
q«^ contempsenint (Aet se titk enUdngun) *— 
103^ copiofiorilnis (tnanigeru) samfühn» (not..)-^ 

Btmiiar (niethat) inügire (bithmf. , .) — 
i04* pro IcBponmi oportanilale (Uburüieuru) -^ 
IQ4^ et mUitik» xpi süpenditrie (uuislicm) debent inteU 

legi — . e% panperes foueant (uuHstten) — 
104' inersMhter (unteUica) instaiilisaiaie (onsOmdm^ 

Uca) — 
104^ qni aero haec qu^ premiasa awit (iletenef) — qnod 
possibilitas sobpctit {iuul. . . .) — eaaendiun snni- 
mopere (alleremest) — 
105* necessitatilnis «^ adrainlciilaii (iuullistian) — 

corporis — solatia (uullust) — 
105^ gule (üelurithi) ^ 

105* aliquid incommodimi (unimeces) fe^senl — nihil 
qufrimonif (eldge) contra «e <riiioere (duuan) prae- 
sumant. ne aut aeaericpsindfl iierlr«4biis officiantor 
(iuuegde uuerthan) aot homane seniitiili denao {sAn) 
crndeliier addicantar (idomde uuerian) — - prae- 
sertim cun (tithursiedH) apad dettm non sit penona- 
rom aoceptio (selredia oder selfeüa) — prdalo- 
rum seclusis {ut bislatenun) nobilibus — 



ALTSÄCHSISCHE GLOSSEN. 



281 



bL 



lOS"* inofUciose {unjhrthim nadlnü) aeciperc debere ngn alr 

re putauimiii (mateHat tedun) -^ 
106* quibus opus {tharim) Don habent -^ aut libenter 

accipiant aut exigunt {mrehiad) — si lidelis et 

operosa {ituerkiw) deuotia (ifmzhed) — uitare 

{mühan) — 
109" ut necessaria pttlmeDta {kmrdrad) faabeitit — 
110'^ summo pontifioj isecum in Ireoieadi examiuls die iule- 

lesas presentantes noo cum reprohis et diuina ultioue 

seruaDdift damiiantiir {antkemu deg^ t? Jurkt uuer- 

than das übrige tmlesbar)« 



• fTflll f*l1 «1» 




DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 



JITu wünschen wir alle geliche 308, 10 

dem herzo^in Hainncbe 

daz im got 16ne •» 

diu matterjüi diu ist 5c6ne; . \^' 

die suoze wir tou im haben. • *>»^ 

daz buocfi hiez er vor (/- für) tragen 15 

gescriben ze den Karlingen; 

des gerte diu edele herzoginiie, 

eines rieben kuniges bani. 

mit den liecbten himil [wizen] scaren 

nach werltlicben arbeiten 2(1 

werdent si geleitet 

unter allen erweiten gotes kindeu 

d4 si die Ewigen mandunge vioden, 

daz si sin ie gedfihten. 

daz man iz fur bräbte 2$ 

in tiutische zungin gck^ret, 

da ist daz riebe wol mite g^ret ; 

sine tugende dwungin in dar zuo, 

wa lebet dehein fiirste nu, 

dem ie sA wol gescäbe? 30 

der h^rre der ist getrlwe unt gewÄre, 30^ 

HFune mugen wir in disem zite 

dem kuninge ÜAvite 



28Z 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE. 



niemen sA wol gdichen, 

sA den herzogen Hainiicben. 5 

got gap ime die craft 

daz er alle sine viande ervabi. 

die cristen bftt er wol geftret, 

die beiden sint von im bekAret; 

daz erbet in von rebte an. 10 

ze flubte gewant er nie sin van: 

got tet in ie sigebaft. 

in sinem bove ne wirdet niemir naht, 

icb .meine daz Awige liebt, 

des ne zerinnit im nibt. 15 

untrinwe ist im leit: 

er minnit rebte wftrbeit. 

jö nobit der b^rre 

alle gotlicbe I6re, 

unt sin tiure ingesinde. 20 

in sime bove mac man vindin 

alle State nnt alle znbt. 

da ist vroude unt gebubt: 

dft ist kinscbe unde scbam. 

willic sint ime sine man. 25 

da ist tagint unt Are. 

wÄ fraiste (/j^freiscctet) ir ie msere, 

daz im baz geschähe? 

sime schephaere 

opheret er lip unt sAIe 30 

sam Davit der hArre. 

swä er sich virsumet hat, 

zuo gerihte er im [nu] stftt 

an dem jungistin tage, 

da got sin gerihte habe. 310 

daz er in ze gerihte nine vordere, 

sundir er in ordine 

zuo den Awigin gnAden, 

dar umbe ruofe wir alle *Amen.' 5 

Ob in daz liet gevalle, 

so gedenket ir min alle. 

ich beize der pfaffe KnonrAt. 



OER EPILOG ZUM ROLANDSLIEDE- 



283 



alse iz an dem buoche gescribiii sUt 

IQ fraDzischer zungeo, 10 

s6 hall ich iz In die iatiiie bedwungen^ 

danae in die tiutiske gek^ret. 

ich ne b^n der niht an gemäret, 

ich ne bin dir nibt überhaben, 

swer iz iemir höre gesageo, 15 

der scol in der wären gotes minne i 

ein paternoster singe 

ze helfe tninem harren, 

ze Lr6ste [minen] allen gcloubigin ^^len^ 

daz unsich got an rehtem geloubin macbe 

veste, 20 

daz uns an guotcn werken ßin^ gebreste? 
\ unt mache uns sin riebe gewis» 

tu autem, domiae, miserere nobis. - 

Diesen einlog erUkait bekanntlick die pßihtsche kand- 
schrift^ die meiner ausgäbe des gedichts ^u gründe liegt ^ 
uUein. ich stelle ihn mit einigen verbefserungen vormtf 
weil ich verania/sung habej ihn naher zu erläutern. 

Der dichter beginnt damit dem her sog Heinrick ^ un- 
ter dern, wie ich in der einleilung (xxxi, xxxii) amgeßihrl 
kabcj nur Heinrich der Löwe harnt gemeint sein^ gottes 
lohn zu wünsckenf weil man ihm die bekanntschaß: mit dem 
gedieht verdanke^ dessen in halt schön und voll siifsigkeit 
sei, der herzog liejs das in Frankreich und in französi- 
sche spräche geschriebene {wahrscheinlich sorgfältig ver- 
wahrte) buek herbeibringen (füre tragen 308, 15- vor in der 
kandschriß ist niederdeutsch, vergL graf Rudolf A, iO) 
tmd zwar auf begehren der herzogin (308, 17), ick habe 
unrecht gehabt dieses begehren auf die deutsche Übersetzung 
zu beziehen; die her zog in kannte sckwerlick sckon den in- 
kalty und trug zunäekst nur verlangen die kandschriß zn 
sehen ^ die vielleiekl mit bildern ausgeziert war. jnuglick 
dafs auch sie die Übersetzung anregte ^ denn es ist von 
mekreren die rede^ denen dafür daß sie des gedicktes ge- , 
dacht haben (308, 24), was freilich ein allgemeiner aus- | 
dmck ist, die ewige frcude des himmels zugesichert wird, j 
das reiche keifst es weiter^ ist damit geehrt^ dafs man das 



284 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIBDB. 



lied in deutscher spräche dichtete (für brAbte, zu stände 
krachte, vollendete (308, 25—27). indessen war es dock 
wohl der hersog der den aufirag ertheilte^ denn es he\fst 
von ihm allein (308, 28) fine lugende twungen in dar zuo. 
wenn ein so hoher werth auf das werk gelegt wird, und 
ein so grofser lohn ßtr die mittheibmg desselben in an- 
Spruch genommen, so mu/i man bedenken dqjfs es, wie kein 
anderes, den kämpf der Christen gegen die heiden verherr- 
lichte und als die höchste pflieht tapferer männer darstellte, 
ist das deutsche gedieht, ^wie ich wahrscheinlich gemacht 
habe, in den jähren iXlZ-^ll entstanden, so muste der von 
seinem xug nach Palästina zurückgekehrte herxeg, wie sein 
ganzer hof, besondere theilnahme dq/ilr empfinden. 

Nun geht der dichter auf das lob des herzogs über, 
er wetfs ihn nur mit dem könig David zu vergleichen, wie 
diesem verlieh ihm gott den sieg Über seine feinde; nie wen- 
dete er seine fahne zur flucht, vorzüglich aber wegen sei- 
ner frlmmigkeit setzt er ihn dem biblischen heiden gleich. 
wie dieser bringt er gott leib und seele dar (309, 30. 31). 
die cristen hit er wol ge^ret, die beiden sint von im hen 
ktret (809, 8. 9), was sieh wahrscheinlich auf seine käm- 
pfh mit den heidnischen Shven bezieht, an seinem heffin^ 
det man alle tugend^ vereint : keine nacht gibt es da, weä 
das ewige Ueht ihm niemals erlischt, wenn er sich irgend 
eine sündliohe Versäumnis hat zu schulden kommen Iq/ien^ 
so steht er da/Hr am ßtngsten tage zu gericht. möge ihm 
dort die gnade gottes zu theil werden, ich habe 309^ 33 nii. 
getilgt^ weil offenbar von Heinrich dem lebenden und sei* 
nem gegenwärtigen hof die rede ist. ich glaube dieses nu 
rührt von einem abschreiber, der nach dem tode des her* 
»ogs (f 195) diesen nur für ihn geltenden zusatz unbedachte 
sam einrückte. 

Zuletzt spricht der dichter noch von sich seiist, er 
ist ein geistlicher (pfSiffe) namens Ronrad. er war ein für 
seine zeit gelehrter, in sprachen bewanderter mann, vjel r 
f^cjit capellan an jievfLJkofe des herzogs. er bewältigte 
das französische werk erst durch eins Übersetzung ins la- 
teinische, und legte diese dem deutsehen gedieht zu grund. 
daß er nichts zugesetzt aber auch nichts übergangen habe 



i.jsz^ 



DBR EPILOG ZUM ROLANDSUBDB, 286 

(ieh ne hau dir Atht überhaben 310^ 14) sagt er ausdrück- 
lich; er ist also seineni vorlnld treu gefolgt, wenn er hin- 
xußtgt^ jeder der das gedickt vof*tragen köre möge ein 
pafemoster »um heil seines herm singen^ so ist damit nicht 
gesagt dafs dieser schon ladt sei, sondern Konrad denkt 
an spätere »uhörer. 

Diese erklärung des epilogs mufs ich noch gegen^dm 
heravsgeher des Eraclius vertkeidigen, der in seinen ßei*- 
fsigen und dankenswertken Untersuchungen über dieses ge- 
dickt anlafs genommen hat eine ausßihrlicke Widerlegung 
(s. 559 — 561) einzuschalten. 

Er legt auf das von mir ausgewiesene nu (309, 33) 
ein atfserordentlickes gewicht, man höre, \j enes nu, das 
wir, sowohl wegen des versmafses als weil das streichen 
in einem unicum überhaupt bedmklich ist, nicht zu tilgen 
wagen, sckeint vielmehr einen vorzüglicheren sinn und, was 
die zeit dej* abfafsung betrifft, dem ganzen gedickte eine 
gänzlich andere bedeutung und heziekung zu bieten J* der 
erste grund ist nicktig. wenn das versmqfs auck hei Kon^ 
rad geregelt wäre, loas es nickt ist, so gestattet es dock 
die Partikel auszuwerfen. Ja der vers lautet befser als 
wenn man nu {mit langem vocal, der gar nickt nötkig ist; 
vergl. grammatik 1, 81 Ze aufl. Graff2^ 976. 977) hinzu^ 
fügt, der zweite grund empfehlt beden klichkeit^ als wenn 
ich leichtsinnig verfah ren wäre, die hntik darf sich das 
recht nickt nekmen lafsen mehreren, ja einer ganzen reihe 
von handschriften, in welchen sich ein f ekler fortgepflanzt 
hat, zu widersprechen, sobald sie nur hinlänglicken grund 
dazu hat: sie hat bei einer einzigen offenbar geringere Ver- 
antwortlichkeit. Mafsmann hat sich bei dem text des Era- 
clius (Jreilick nickt zu dessen vortkeil), zwei kandsckriflen 
gegenüber, ganz andere freikeiten genommen ohne sie mit 
einem wort zu rechtfertigen. 

Dock zur sacke, welche befsere erklärungen, welche 
neue attfschlUfse empfangen wir? es ke\fst (309, 29 — 30) 
von dem kerzog sime schephsere opheret er lip nnt sMe; 
das wird erklärt 'Heinrick denkt nun (nack dem zuge ge- 
gen die wendischen keiden) "um seiner seele keil willen' ' 



286 



DER EPILOG ZUM ROLANDSLIBDE. 



an eine nachträgliche {der ausdruck ist nicht glücklich ge- 
wählt) Pilgerfahrt ins gelobte land.^ was unmittelbar auf 
jene warte folgt, sam Davit der bftrre, wird ausgelafsen 
und ganz mit stillschweigen übergangen, dieser xusatx 
aber macht allein schon die besiehung auf eine pilgerfahrt 
unmöglich; ohnehin ist von einem bloßen vorhaben nicht 
die rede, sondern von einer that. swft er sich versümet 
hat (309, 32) soll eine ^fromme, geistliche ausdrucksweise* 
sein, sie kommt aber auch bei ganz weltlichen dingen vor, 
z. b. Ameide 12907. Parz. 233, 12. Freidank 116, 24. 
177, 26. diese zeile wird nicht blq/s auf die versäumte 
kreuzfahrt bezogen^ was den werten nach möglich wäre, 
wenn sich nur beweisen liefse dafs Konrad daran gedacht 
hätte, sondern auch atf die bisher unterlafsenen gedanken 
*ans geistige leben.* ich verstehe das nicht, wenn nicht 
durch einen druckfehler geistig für geistlich gesetzt ist. 
aber unbegreiflich bleibt die behauptung immer, da Ja der 
dichter des herzogs frömmigkeit, seinen eifer für das chri- 
stenthum, ausdrücklich rühmt; er sagt sogar mit Übertrei- 
bung (309, 14. 15) daz ^wige lieht, des ne zerinnit im 
niht. jetzt kommt die hauptstelle mit dem schwer wiegen- 
den wörtchen (309, 33), ze gerihte er im nu st4t. diese 
ganz deutlichen werte, was sollen sie aussagen? man er- 
räth es nicht; so viel als *das wifl er nun gut machen , 
durch eine pilgerfahrt nämlich, der blofse vorsatz einen 
zug nach Syrien zu unternehmen soll schon als ein einge- 
tretener gerichtstag angesehen und nu auf diesen vorsatz, 
von dem nichts gesagt ist, bezogen werden, unmittelbar 
auf jene zeile folgt im text an dem jungisten tage, da got 
sin gerihte habe, das gehört noch dazu; will man es aber 
abtrennen und zu dem folgenden ziehen (dd für da bei 
Mafsmann ist wohl ein druckfehler), so bleibt doch die be- 
Ziehung auf das jüngste gericht so klar dafs eine unglaub- 
liche befangenheit dazu gehört dies nicht auf den ersten 
\ blick einzusehen, die neigung überall zweifei bedenklich- 
\ keiten und fragen anzuhängen, wenn man nichts böseres 
\ zu bieten hat, wird schon lästig, weil sie die forschung 
mehr hemmt als fördert, aber grundlose einfalle bekämpfen 
zujnUfsen macht verdriefslich. und doch nennt Mafsmann 



DER EPILOG Zmi EOLAJNOSLIEOE. 



287 



seine erklärung 'eine gewiss nickt erjswungme\ die dem ge- 
dieht 'einen vorzüglichem sinn gewähre. 

Gesetzt der text wäre einer s&lcken deutimg irgend 
zugänglich, mäste man sich nicht den einwurf machen 
dajs es ganx unnatürlich gewesen ujüre, wenn der dichter 
auf einen so wichtigen^ ruhmwiirdigen entschiufs des her- 
zogs nur unbestimmt und dunkel^ nur aus der ferne hingexme- 
sen hätte? er niuste laut dat^on reden ^ ihn mit andern hei' 
den der sage oder der geschieh te^ mit Roland oder mit Gott- 
fried von Bouillon, vergleichen , nicht mit dem konige Davide 

Aber weiter, das gerettete nu soii auch 'was die iseit 
der abfafsung betrifft, dem ganzen gedickte eine gänjsiich 
andere bedeutung und beziehung bieten.' dafs es dieser 
ansieht gemä/s kurz vor der fahrt des Herzogs (1172) ge- 
dichtet isty macht an sich keinen merklhhen unterschied, 
denn ist meine meinung die Hcktige^ so ist es nach seiner 
rückkehr (1173) etitstanden, ailein das ist auch hier nicht 
der hauptpunkt, sondern die weitere hehawptung, das lied 
sei gedichtet 'zur trostanschauung der rückbleibenden Aöt- 
zogin, welche die Verdeutschung des welschen buchs wünschte," 
vorher wird sogar behauptet ^ Konrad habe es ihr gewidmet, 
wie es sich mit der einwirkung der herzogin auf die Über- 
setzung verhält habe ich erörtert, ich weifs nicht was 
Mafsmann darunter meint, wenn er sagt 'der herzog kiefs 
das buch vortragen.\ doch wohl flieht was wir heute dar* 
unter verstehen, er liefs das buch vorlesen? aber gesetzt 
die herzogin veranlqfste das deutsche lied, so konnte sie 
doch, während der herzog den gefahren einer solchen reise 
unterworfen war, schwerlich einen trost aus einem gedieht 
schöpfen das den jammefbolten Untergang Rolands und sei- 
ner genofsen auf eine ergreifende weise schilderte ; im ge- 
gentheil, es muste sie mit angst und besorgnis erfüllen. 

fVir sind noch nicht zu ende, die erklärung 'des win- 
zigen aber gewichtigen nu trügt noch weitere fruchte* der 
Übersetzer des liedes soll K onrad hischof von Lübeck ge- 
wesen sein^ dem Heinrich 1162 diese urärde verlieh, ich 
befürchte er ist es so wenig als Otto von Freisingen dich- 
ter des Eraclius ist, an sich ist es unwahrscheinlich dafs 
Konrad seiner würde nicht gedacht^ sondern sich blofs ei- 



£1 




A 




<ll« 



DBR EPILOG ZUM ROLANDSLIßDB. 

nen geUÜSchen genannt habe, zumal die häufige erwähmmg 
des bischofs Turpin ihn daran erinnerte, und die besehet- 
denheit der geistlichen jener zeit nicht darin bestand, nicht 
mnmal bestehen kennte, ihre Stellung zu verbergen, meine 
Vermutung {mehr ist es nicht. Und ich lege kein gewicht 
dara'nf}^ dqfs er capellan des herzogs gewesen sei, beruht 2j^/ 
aii^ den aÜzuhöߧchen ausdriicken mit welchen er von sei- 
nem herm spricht, darf man sie von einem bischof vo^ 
Lübeck erwarten? doch davon abgesehen^ es ist noch ein 
anderer umstand entgegen, der bischof Konrad begleitete 
den herzog auf seinem zug und starb in Syrien, es ist 
nicht glaublich dafs er vor eitter so wichtigen Unterneh- 
mung und während der zuriisUmgen dazu an einen 'schwa- 
nengesang^ gedacht, das hei/st lusi und mufse gehabt habe 
ein gedieht von diesem umfang {etwa 9250 Zeilen) erst ins 
lateinische, hernach noch metrisch ins deutsche zu iiber^ 
setzen, wenn Mq/smann gar noch die (geringe) einmischung 
niederdeutscher sprachformen , die ja in den meisten gedieh- 
ten des zwölften Jahrhunderts sich zeigt, aus des bischofs 
schwäbischer herku^fi und seinem aiffenthalt in Lübeck er- 
klärt, wenn er 'zu hi(fe nimmt' dqfs bruehstücke einer 
handschrift in dem * nicht fernen (^), nicht beziehungslosen 
Schwerin {etwa weil Heinrich das land der Obotriten er- 
oberte ? was. hatte das für einen eviflq/s auf die Übersetzung 
des liedes?) sich befinden, so führe ich das nur an um zu 
zeigen toie ein allzu grqfses bestreben scharfsichtig zu sein 
auf falsche fahrte verlockt, 

WILHELM GRIMM. 



289 



DIE VORREDE ALBRECHTS 
HALBERSTADT. 

Arme unde nche, 

den icb willicliehe 

Eimes dienstes bin bereit, 

ze Idne miner arbeit, 

vernemebt alle besunder 

diu manicvalden wander 

diu ich iu in disem bnoche sage, 

wie vor manegeni altem tagCj 

46 diu werlt gemachet wart, 

din Hute wanden verkart 

unde manege wis verschaffen» 

daz ez leijen nnde pfa^en - '^ 

ungeloubclich ist. 

doch wizt ir wol^ sit dirre frist 

daz got geschaof Ad4men 

unz üf Äbrahilmen, 

der sin ßrste holde 

wasj daz er nie wolde 

sich iemanne künde^ tv. 

durch der liute sünde^ 

die sich versenket häten. 

swaz si dd t^ten, 

si betten an die abgote. 

in der tinvei geböte 

stuonden si gemeine. 

holze nnde steine 

Ir opfer si hrähten, 

die slumben tinbed Ahlen 

hjktenz an den meeren 

daz si von goten weeren. 



VON 






19 



15 



20 



25 



30 



jj^ Meyaier Albreehts Prologs hebet sich hie alsns. U, Vnd manrg 

v^ ^ n. e^fihlL 15. Adam IG. mh zu AKiMli.im 17. holJ 



manrg 
:/ehlL 15. Adam IG. mh zu AKiMli.im 17. hold 

IS. woU 19. Sich ni*?inandt tünd 30. siind 21. Iietteii 
22. Was s* il^ thetten 

Z. F. D, A- in. 19 



99a ALBRECHTS VON HALBERSTADT VORREDE. 

si wkren anversunnen 

und gloabten an die brunnen 

un^ m ik h^Wßt im Wl^de. 
^ des muosVe ir fewal4a^^ f^.yz. 

diu tiuveiiscbe meisterschaft^ 35 

der an » wvsle sine ki^fi 

durch maneger bände pioe, 

wan si wären ^iQCi 

des noht er sicberli^^h.- 

er crliez es die weril wbty 40 

wan dd was gr6% ßin »nocbe. 
Der sin ^mio an di3em hqoche 

ze rebte bat g^flizzen, 

der er ist ^^t ir wi^l^ni 

enweder dirre zweier, 45 

weder Swdp p«ob B^jer, 

weder Durii^ hq^ Frf^nke. 
',/ des lAt iuz sin ze danke, 

y ob ir liiqdeht ip den fiinen^ 

jt y? die sieb zeiq^^pdfif Hwn», ^ö 

li ^ ^ valseb oder unrebt : 

,f • '^ ■ ""-in» ^ 

!i wan ejn Sabse, bei^^i Albrf^bl^ 

M geboren von Halberstat, 

v| iu ditze buocb gems^oh^l bftt 

von latine ze diiitQ» 55 

s5 vil guoter Iii||e 

an tibtenne gewesen ]>t, 

daz siz an micb batb^nt gefri&t» 

daz wil icb läzen ftp^ b^^, 

daz man oucb etewfiz 60 

geniizze miner sinne. 



33. inn dem Waldt 34. g^ewalt 35. Der Teuffelische 

j meysterschaft. die altsächstseken mmseuHna auf nseepi 9telU Sehmel- 

j ler im gloss, zumffeL t, 9IJ*» zusßmm$n. aber für Mkrepk^ von Halber- 

} *(<irf^ ist der meisterscfaaft ^kv^^vlich a^tf^uß^eben, ich habe diu ge- 

j «e^^f : da9_Jolgeiide der bezieht sich at^ das im aeffeciivum liegende 

/^^ * "^^ tinvel^ ^9. vielleicht d^s 9)oM er mH in |ia|)^ pi^ht. 4(). es 

d^r weit 41. Wann do war gr, s. s^e»uch 43, Ina recktem 

48. Pes lafs ich sei^ 49. fap^ep $0. ^Änai^der 55. z« 

Teutsche 56. §r«te leute 58. haben 



AI 



ALBaECJlTS VON HALBERSTADT VORRB0E. 

In dem ersten beginne 
saget ez wie diu werlt wart 
(an if wart nihl gespart), 
wie den liuten geschach 
Wunders, als ich ^ sprach, 
nach ir gelouhen vil, 
wie daz werte iiuz an daz zil 
daz Augnstus zuo kam, 
der ziüs von al der werlte nam 
und machte sd getJlnen fride 



291 



65 



70 



daz man diu swert begunde smide 
in segenso unde werken hiez 
^uo den sicheln den spiez. 
d6 wolte ^[j^eboren werden 



34. 



75 



• und erscbinen lif der erden 

Kristus unser heilant^ 

von gote dem vater gesant, 

von einer jnncfrowen gebom, 

dar zuo Sund er üz erkorn. ♦♦• "♦• SO 

Dar nach über lange stunt, 

als ich iu iezuo tuon kunt, 
^iff zwpjf hundert jär und zehen bevorn, f^J^ i^f^^)^ 

Sit unser herre wart geborn, " " 

ergiengen an die stunde 85 

daz ich des buoches gunde, *^*^, H^^i^€f*t, 

bi eines fürsten zrten, 

in allen landen witen 

von siiner tugeut wol bekanl. 

daz was der voget von Düringe lant, 90 

der laulgrÄve Herman. 

ich hAn biilichen dran 

den lürslcn iezuo genant, 

wan ditze buocb in sinem iant j, 6, ^H 
64p wirt/iäA/^ 6ß. als] wie 67, jrem 6S. ani] bifa 70. von 
aller weit 71. Friede» (: -ea) 73. loa ScgcE SO, sonficrlich 
Bl — %3, /tinf ^ilen Darnach vhtr lange ecU Als ich euch jcUl be- / 
deit Auch da scU %n vor ZwÄllT huadert jor Vnd Kehcne beu(*PQ I 

85. Ergangen 86. das buch beg. 88 — &Ü. Dec in allen Landen 

weiten Das was der Vogt von Türingen Innt Von seiner Tugent wol 
bekank 03. Dem Furatf^n seu hawdt 

19" 



^j t^e 



2«J ALBRECHTS VON HALBERSTADT VORREDE. 

üf einem berge wol bekant 95 

^ ^ . (er ist Zecfaenbttoche genant) 

/«^lUv^i^) wart ze tihtenne gedaht, 

begannen unde vollenbräht. 

97. Wart iBB diehten §f. 

Nach der ausgäbe von 1551 (getracki zu Meyntz bei 

lao Schöffer Jbl.')^ deren lesarten angemerkt sind, die 

jr ausgäbe von 1545 stand mir nicht su geböte, HAUPT. 

EIN MÄRCHEN AUS THÜRINGEN. 

AUFGEZEICHNET VON GEORG FRIEDRICH STERTZING. 

Eines tages kam vor das kleinste und ärmlichste häns- 
chen eines dorfes ein prächtiger wagen, mit sechs glänzen- 
den rappen bespannt, angefahren und hielt da still, .ein 
bedienter in einem kleide das ganz von goldenen und sil- 
bernen borten flimmerte, öffnete den wagenschlag und es 
sprang ein junger schöner mann heraus dessen anzug noch 
viel kostbarer war als der rock des bedienten ; er trug einen 
säbel der mit edelsteinen besetzt war, hatte einen stern auf 
der brüst und starrte überall von gold und silber. in dem 
bauschen wohnte ein armer alter mann mit seiner frau. die 
giengen dem gaste bis auf die schwelle entgegen und waren 
verwundert, wer nur der reiche fremde sein möchte, und 
A fragten sich leise, was der vornehme besuch bedeutete, aber 

ehe sie sich von ihrem staunen erholen konnten war der 
fremde schon auf sie zu getreten, hatte dem alten freund- 
lich und traulich die band gegeben und ihm einen guten tag 
gewünscht, 'ich efse' sprach er dann weiter, 'nichts lieber 
als kartoffelklöfse, und da die stadtköche sie durchaus nicht 
so gut bereiten können wie die frauen auf dem lande, so 
möchte ich mich einmal recht an klöfsen erlaben* wie man 
sie auf dem lande macht, seid also doch so gut und berei- 
tet mir welche; ich will euch gut daRir belohnen.' als die 
beiden alten das hörten, wurden sie ganz freundlich und 
riefen 'tretet nur ein ; ihr sollt klöfse haben so gut wir sie 
zu machen im stände sind/ der fremde trat in die niedrige 
Stube; die alte holte kartoffeln aus dem keller, wusch sie 



EIN MiUlCIlEN. 



im 



ab und rieb sie auf dem reibeisen, pressie sie uiid fchicktc 
sich an sie zu ballen und zu kocbeu. uoterdessen nahm der 
alte selaen gast mil in ein gärtcheii am hause, wo er, wie 
er sagle, notbwendig zu thuu habe ; der fremde könue ja 
susebeu* der alte hatte im gärlchen löcher in die erde ge- 
graben nnd lleng uun an bäume darein zu setzen« da sagte 
der fremde ' hört^ alter, habt ihr denn keine kinder?' dafs 
es golt erbarme, gnädiger herr herzog oder wer ihr sonst 
sein mögt; freilich habe ich einen söhn, aber einen gar un- 
gerathenen bnben. er war als kleiner junge träge und faul, 
machte nichts als hose slreiebe uud lief mir zuletzt davon, 
weit weit in die weit hinaus \ ich habe seitdem nichts von 
ihm gehört/ — unterdessen halte der alte einen bäum in 
das loch gesetzt, einen pfähl daneben geslöfsen und das loch 
mit erde gefüllt, darauf nahm er hast und band den bäum 
an den pfahL 'sagt mir doch' sprach der fremde, 'warum 
ihr dies bäumchen an drei stellen so fest au den pfähl 
schnürt/ ^seht, gnädiger herr' antwortete der alte^ 'an 
den drei stellen hat das bäumchen krummen und ich binde 
es deswegen an diesen stellen an den pfähl damit es hübsch 
gerade wachsen möge/ gut' sagte der fremde: 'aber war- 
um befestigt ihr denn nicht den krummen knorrichtcn bäum 
dort oben in der gartenecke auch an einen pfähl, damit er 
gerade wachse?* 'ja, gnädiger herr' sprach der alle lachend, 
'der ist schon zu alt und zu verwachsen als dafs man ihn 
noch gerade machen könnte, wifst ihr denn nicht dafs man 
die bäume ziehen mufs weil sie noch jung sind?' 'alter, 
da habt ihr recht' antwortete der fremde traurig; 'ihr hät- 
tet nur euem söhn auch ziehen sollen wie er noch jung 
war, so wäre er euch nicht davon gelaufen, gewiss läfst 
er sich jetzt nicht mehr ziehen^ es wird ihm wohl gehen 
wie dem krummen bäume dort. aber sagt mir doch, 
würdet ihr denn euern söhn wieder erkennen, wenn er 
euch vor die äugen käme?' der alte meinte "das ist wohl 
nicht leicht, denn er ist schon lange fort und mag sich sehr 
geändert haben, doch hatte er ein muttermal wie eine bohne 
auf der Schulter^ daran könnte ich ihn erkennen/ da streifte 
der fremde seinen rock ab und zeigte dem alten die nackte 
Schulter, 'hcrr gott, du bist wahrhaftig mein sohnT rief 



2M BIN MÄRCHEN. 

der alte, aber dann sagte er bedächtig 'nein, es ist nicht 
möglich, es kann nicht sein, ihr sdd ja ein herr herzog/ 
*nnd doch bin ich euer söhn' sagte der fremde, 'aber ein 
räuber. ich bin der verzogene bäum dem kein pfähl mehr 
fruchtet.' darauf ergriff der alte die band seines sohnes und 
führte ihn zur mutter, die eben die dampfenden klöfse auf 
den tisch trug, als er ihr alles erzählte, weinte sie Tor 
ireude und sagte 'wenn auch mein söhn ein räuber ist, was 
thuts? haben doch meine alten äugen ihn noch einmal gese-' 
hen.' darauf verzehrten sie zusammen die klöfse; und als 
sie fertig waren, sagte der alte bekümmert ' aber, söhn, lange 
darfst du hier nicht verweilen, wenn dein herr pathe, der 
graf im schlofse droben, erfährt wer und was du bist, so 
wird er dich nicht auf den armen am taufsteine schaukeln, 
sondern die lüfte am rabensteine dich schaukeln lafsen.' *o 
nein, vater' sagte der räuber; 'ich werde ihn heute abend 
noch besuchen, und er wird mir nichts thun ; denn ich ver- 
stehe mein handwerk/ darauf liefs er anspannen und fuhr 
aufs schlofs zum grafen. 

Als er ins zimmer getreten war, gab er sich seinem 
pathen zu erkennen, der freute sich sehr dafs er ihn in so 
guten umständen sah$ als er aber hörte, sein pathchen sei 
ein räuber, da ward sein gesiebt gar lang, endlich aber 
machte er doch gute miene zum bösen spiel und sagte 'nun^ 
ich habe nichts dagegen dafs du ein i^uber bist, wenn du 
deine sache nur gut verstehst, aber wehe dir, wenn du 
schlecht bestehst in der prüfung die ich mit dir vornehmen 
werde/ 'nur her mit der pröfong, herr pathe' sagte der 
räuber. da sprach der graf 'wohlan, zum ersten sollst du 
mir mein leibpferd aus dem stalle stehlen: den stall werde 
ich von innen und aufsen wohl bewachen lafsen und ein 
Wächter soll auf dem pferde reiten, zum andern sollst du 
mir, während ich mit meiner firau im bette liege, das bettr 
tnch unter dem leibe weg stehlen und meiner frau den trau* 
ring vom finger. zum dritten endlich sollst du mir den fbr* 
rer und Schulmeister aus der kirche stehlen, wenn du aber 
von diesen drei aufgaben auch nur eine nicht lösest, so 
mulst du unfehlbar sterben: das merke dir.' 'nichts leich- 
ter als das' rief der räuber und lachte, darauf nahm er ab- 



EIN MÄltCHEN, 



205 



Schieti und verliera das sclilofs iadem er semem kuUclicr bc^ 
fabl in die nächste stadt zu fatiren. 

Als er iu die sLadt kam verscbaJTle er sich die kleidet 
einer altcu baiierfrau, sog sie ao, mahlte ^ich fAken ins ge- 
sicht, und kaufte sich dann bei einetn brantwcinbrenner ein 
fäfschen brautwein und bei einem apotheker eine grolke Ha- 
sche voll scbUftrank, den er dann unter di^n braut wein 
mischte, das fäfschen legte er auf eine kot2e, die kotze 
bockte er auf, und so gieng er mit wackelndem tritte wie 
eine alte frau auf das scblors seines pathen. es war s|>ät* 
herbst und es wurde schon dunkel als er im schlorshole an- 
kam, er setzte sich auf einen stein und rieb sich die hünde 
als wenn ihn recht Fröre; dai&u hustete er und keuchte als 
wenn ihm die seele aus dem leibe fahren wollte, an der 
thüre des Pferdestalles lagen sotdatea um ein Teuer, denn 
die nacht war kühl, einer von ihnen sah die alte Trau und 
rief 'seht einmal dort das alte miitterlein, wie das friert! 
wir wollens hcrrufenj damit es sich am feuer wännc^ das 
arme weiblein wird wohl sein nachtlager nirgend nnd doch 
überall haben, wie es bettclleute gewohnt sind, miillerlein, 
hört ihr? kommt her und wärmt euch." als nun die alte 
&au näher trat rief ein anderer ' sie hat ja ein tafslein auf 
dem rücken 1 vielleicht handelt sie mit branlwein. in dieser 
kalten feuchten naclit wäre ein schnaj)» eine ^^ule arznei/ 
unter derlei reden war die alte an das Teuer getreten und 
sprach mit heiserer stimme 'guten abend, ihr herren Solda- 
ten l gebt mir doch etwas zu lösen, ich hausiere mit brant- 
wein der eine wahre herzstärkung ist/ da kauften die Sol- 
daten ein glas nach dem andern und waren fröhlich und 
guter dinge, über eine weile rief einer in den stall hinein 
'kameraden, hier itt ein weib mit schnaps der den miigen 
so schön wilrmt als wäre ein feuerlein darin angeschürt/ 
die Soldaten im stall bekamen da auch ein gelüste und for- 
derten die frau auf in den stall zu kommen, als sie ein- 
Iralj sah sie rings um die wände Soldaten gelagert? auf dem 
leibpferde des grafen safs einer, ein anderer hielt den zäum, 
und ein dritter den schwänz des pfcrdes, der brautwein 
gieng reifsend ab, und das täfschen war kaum leer, da ficng 
ein Soldat nach dem andern an zu schnarchen, zuerst die 



2M BIN HÄRCHEN. 

der alte, aber daon sagte er bedächtig 'neio, es ist nicht 
Belieb, es kann nicht sein, ihr sdd ja ein herr herzog/ 
'nnd doch bin ich euer söhn' sagte der fremde, 'aber ein 
rauher, ich bin der verzogene bäum dem kein pfiihl mehr 
fruchtet/ darauf ergriff der alte die band seines sohnes und 
führte ihn zur mutter, die eben die dampfenden klöfse auf 
den tisch trug, als er ihr alles erzählte, weinte sie Tor 
ireude und sagte 'wenn auch mein söhn ein rauher ist, was 
tbuts? haben doch meine alten äugen ihn noch einmal gese-* 
hen.' darauf verzehrten sie zusammen die klöfse; und als 
sie fertig waren, sagte der alte bekümmert ' aber, söhn, lange 
darfst du hier nicht verweilen, wenn dein herr pathe, der 
graf im schlofse droben, errährt wer und was du bist, so 
wird er dich nicht auf den armen am taufsteine schaukeln, 
sondern die lüfte am rabensteine dich schaukeln lafSsen/ *o 
nein, vater' sagte der räuber; 'ich werde ihn heute abend 
noch besuchen, und er wird mir nichts thun ; denn ich ver» 
stehe mein handwerk/ darauf liefs er anspannen und fahr 
anfs schlofs zum grafen. 

Als er ins zimmer getreten war, gab er sich seinem 
pathen zu erkennen, der fireute sich sehr dafs er ihn in so 
guten umstanden sah $ als er aber hörte, sein pathchen sei 
ein rauber, da ward sein gesiebt gar lang, endlich aber 
machte er doch gute miene zum bösen spiel und sagte 'nun, 
ich habe nichts dagegen dafs du ein rauher bist, wenn du 
deine sache nur gut verstehst, aber wehe dir, wenn du 
schlecht bestehst in der prüfiing die ich mit dir vornehmen 
werde.* 'nur her mit der pröfong, herr pathe' sagte der 
rauher, da sprach der graf 'wohlan, zum ersten sollst du 
mir mein leibpferd aus dem stalle stehlen: den stall werde 
ich von innen und aufsen wohl bewachen lafsen und ein 
Wächter soll auf dem pferde reiten, zum andern sollst du 
mir, während ich mit meiner firau im bette liege, das bett- 
tneh unter dem leibe weg stehlen und meiner frau den trau* 
ring vom finger. zum dritten endlich sollst du mir den plar* 
rer und Schulmeister aus der kirche stehlen, wenn du aber 
von diesen drei angaben auch nur eine nicht lösest, so 
mutst du unfehlbar steii>en: das merke dir.* 'nichts leich- 
ter als das' rief der rauher und lachte, darauf nahm er ab- 



BIN ILlRCBBN. 



Bchiti un4 verltert im pefciifi imMm irwMM latjcher h^ 

hhl in die Dächste stait wm Uraa, 

Als er iii die sU4t lam rersciAffle er Aeh die kkiivt 
einer aiten baue rfraa. zog sie as, M^te skk Mtem isi |«^ 
siebt, and kaufte sieb dann bei eisen bnMweimbfieiftScr tm 
PLtsthtn brmiitii'eiii und bei eisefli i fU fc eke r tme gr«te la* 
sebe votl scbtaftraoi, itu er da«a uCer iea btaatweiM 
Biiscbte. das ßifs^bea legte er aaf eiae kötxe, die kötxe 
hc»ckie er auf, imd so ^ea^ er ntit waekeiflde» triUe wie 
eine alle frma auf das sebl^Ts seiaes |»ibea. es wacr Sfür 
herbsl und es wurde sebon duakel als er im scUofshole aa- 
kani. er setzte sieb auf eiaen steia mad fic^ siek die kiaie 
als wenn tbn reckt fröre; dasn bastele er md keac^le ilf 
weDQ ibm die seete ans dem leibe bbrea woUle. ^ der 
tliüre des Pferdestalles lagen soldatea an cta £c«cr^ d^» 
die nacbt war knbL einer roa ibaea sab die alte fr» aal 
rief 'seht einmal dort das alte aiotterlein^ wie das frierl! 
«ir woilens hermfeii, djunit e« sieb am leaer wirme; daa 
arme weibldn wird m*obl sein nacbtiager atf^ead aad dod 
überall baben, wie es betteUeate gewobnt sind« nitterlciBt 
bort ihr? kommt ber and wirrat eaeb/ als aoa die alte 
fraiL näber trat rief ein anderer ' lie hat ja ein fafateia aMf 
dem rücken l vielleiebt bandelt sie mit brantwein. ia dieser 
kalten fenchten nacbt wäre ein schnaps eioe j^ie ar^ort/ 
unter derlei reden war die alle an das fener geirclen und 
sprach mit heiserer stimme 'gnten abend, ihr herren solda^ 
ten! gebt mir doch etwas za lösen, icb bansiere mit braul^ 
wein der eine wahre berzstlrknag ist/ da kaalten die m1- 
daten ein glas nach dem aadem und waren froblicb and 
guter dinge, aber eioe weile rief eia^ in den stall faiffein 
'kameraden, hier ist eia weib mh schnaps der den m^en 
so schön wHrml als wäre ein feaertein darin an^escbürt. 
die Soldaten im stall bekamen da ancb ein geliisle und for- 
derten die fran anf in den stall za kommen, alj fie ein- 
trat, sab sie rings um die wände Soldaten geUgert: auf dem 
leibpferde des grafen safs einer, ein anderer hielt den zaa», 
und ein dritter den Schwanz des pferde», der brantwein 
gicng reifsend ab, und das ^fscben war kaum leer, da ßeng 
ein Soldat nach dem andem an zu scbnarcbeu. zuerst die 




296 E^IN MÄRCHEN. 

vor dem stalle, dann die im stalle, dann die schwänz und 
zäum hielten, dann der wacher anf dem pferde safs und der 
anffihrer der Soldaten war. als alle eingeschlafen waren, 
nahm der ränber einen strick und gah ihn dem in die hand 
der den zäum gefafst hatte ; dem der den schwänz hielt gab 
er ein strohseil zwischen die finger; dann nahm er eine 
lamge starke Stange die im stalle angelehnt stand, schnallte 
den sattel des pferdes los und brachte die Stange unter den 
sattel ; darauf wand er mit seilen die an der decke des Stal- 
les festgemacht waren den reiter mit sattel und Stange in 
die höhe und band die seile an einem pfosten fest nun 
wickelte er läppen um die füfse des pferdes, führte es sachte 
aus dem stalle, schwang sich darauf und jagte ins freie, 
als es schon hoch am tage war, kam er unter die fenster 
des grafen gesprengt und rief *herr pathe, das erste kunstr 
stück wäre gemacht; da ist das pferd! seht nur wie schön 
euere Soldaten noch schlafen.' da sah der graf aus dem 
fenster und sprach 'dein erstes stück war gut; nimm dich 
nur bei den andern in acht.' dabei that er ganz freund- 
lich, aber im geheimen beschlofs er den räuber zu tödten, 
denn ein solcher gauner schien ihm doch zu gefährlich für 
seine grafschaft. 

Als es nun wieder nacht geworden war, legte sich der 
graf mit seiner frau, die den trauring anstecken muste, zu 
bette, wie sie nun zusammen im bette lagen, sagte der 
graf " meine liebe frau, hilf mir wachen, damit ich mit die- 
ser geladenen pistole den räuber erschiefse, wenn, er zum 
fenster herein steigt.' der räuber aber schlich leise zum 
nächsten galgen, woran er einen armen sünder wüste, schnitt 
den ab, lud ihn auf den rücken und trug ihn vorsichtig in 
den schlofshof. dort lehnte er eine lange leiter an ein fen- 
ster im schlafgemache des grafen, warf den todten über die 
Schulter, stieg mit ihm die leiter hinauf, rückte das fenster 
und schob ihn behutsam, den köpf voran, hinein, der graf 
lauerte schon im bette, und als er den köpf durch da^ fen- 
ster kommen sah, drückte er los, und so wie es krachte, 
schlug der leib eines menschen hart auf den boden. da rief 
der graf 'frau, nun sind wir den spitzbuben los. aber da- 
mit es weiter kein aufsehen gibt will ich aus dem fenster 



EIN MÄRCHEN. 



m 



die leiter hinab steigen uad den leichnam im garteu ver- 
scharren.' das billigte die gräflu als sehr ycrstaiidigj und 
der graf stieg hinab und trug die leiclie In den garteu. un- 
terdessen hatte sich der räuber vers leckt; als aber der graf 
mit der leicUe hinweg gegangen war^ kletterte er aufs neue 
die leiter hinauf und stieg in das schlafgemach, dann fieng 
er an und sprach, itidem er die stimme seines patheu nach- 
ahmte, 'liebe frau, bedenke, der mensch war mein pathcUen. 
es ist billig dafs ich ihn anständig begrabe \ gib mir also 
das bettuch, damit ich seinen leih darein hiille, so dal's er 
uicht in die blol'se erde kommt, auch gib mir deinen ring: 
er bat sein leheu um ihn gewagt und soll ihn wenigstens 
im tcde haben/ die gräfin bedachte sich nicht lange, denn 
die stimme teuschte sie, und gah dem rauher tuch und ring, 
der rauber aber stieg mit beiden eilig wieder zum Fenster 
hinaus, als nun der tag da war und die sonne hoch am 
himmel stand, da trat der rauber mit bettuch und ring in 
das zimmer des grafeu und sprach mit lachendem gesiebte 
*hicr ist die zweite probe, herr pathe,' der graf sagte ver- 
drieislich ^ aller guten dinge sind drei, erst vollbringe das 
dritte und schwerste stück, dann will ich dich für den mei- 
ster aller diebe halten.' 'es wird schon noch, herr palhe* 
sagte der rauher und gieng von daunen. 

Als nun die sonne schon lange zur ruhe gegangen war 
und die nacht schwarz einherzog, da kam der räuber mit 
einem sack vcll krebse, die er bei einem fischer, und mit 
einem bündel wachslichtchen, die er hei einem krämer in 
der Stadt gekauft hatte, in das dorf gegangen, er gieug auf 
den gottesacker an der kirche, thal einen krebs um den an- 
dern aus dem sacke ^ klebte auf ihm ein stuckchen Wachs- 
licht fest, brannte es an, und setzte den krebs auf die erde. 
als der letzte krebs aus dem sacke war, zog er ein langes 
schwarzes gewand wie eine möuchskutte an, klebte sich ei- 
nen langen falschen hart an das kinn, nahm den sack worin 
die krehsc gewesen waren, und gieng in die kirche auf die 
kanzel. als nun die thurmuhr zwölf schlug, iieng er an mit 
lauter gcUender stimme zu rufen und zu predigen, der jüng- 
ste tag sei nahe und das ende aller dinge sei gekommen, 
zwischen seiner predigt rief er beständig 'wer mit mir in 



tgg BIN MÄRCHEN. 

den himmel will, der krieche in diesen sack ! ich hin Pe- 
trus, der die himmelibfiren schlierst und öffnet; der jüngste 
tag ist da, die weit geht unter; da draufsen wandein die 
todten und lesen ihre gebeine zusammen, darum, wer mit 
mir in den himmel will, der krieche in diesen sack!* unter 
diesem schreien und predigen waren pfiirrer und Schulmei- 
ster, die zunächst der kirche wohnten, und die den lerm 
hörten und die wandelnden lichter sahen, in die kirche ge« 
treten, als sie nun die predigt eine weile mit angehört hat- 
ten, stiefs der Schulmeister den pfarrer mit dem eilenbogen 
in die seite und sagte *nun herr pfarrer, wie istsT da wäre 
noch vor dem einbruche des jüngsten tages in den himmel 
zu kommen.' 'wohl' sagte der pfarrer, *habt ihr lust, 
Schulmeister?' 'et nun ja!' antwortete der Schulmeister, 
'aber euer hochwürden haben den vortritt, mir ziemt nach- 
zufolgen.' der pforrer gieng voraus, hinter ihm her der 
Schulmeister, bis auf die kanzel, wo der rauher stand und 
den sack aufhielt, da krochen beide hinein und der räuber 
strickte den sack zu. dann ergriff er ihn beim bausch und 
zog ihn langsam die kanzeltreppe hinunter, so dafs die köpfe 
des pfarrers und des Schulmeisters auf jeder stufe hart auf- 
schlugen ; der räuber aber sagte 'jetzt gehts schon über die 
berge.' so schleppte er den sack alle stiegen der kirche 
hinab, über alle strafsen im dorf ond durch alle lachen und 
pftttzen, und wo es durch einen tümpfel gieng, da sagte er 
jedesmal 'jetzt gehts durch die wölken.' endlich kam er in 
den scblofshof, und als er den sack die schlofstreppe hin- 
aufzog, sprach er 'jetzt sind wir auf der himmelstreppe und 
bald im vorhof. ' als er aber oben im schlofse war, nahm 
er den sack und schob ihn in das hühnerfaaus, gieng darauf 
zum grafen und sagte ' herr pathe, pfarrer und Schulmeister 
beinden sich im bühnerhause. so wäre ich denn fertig und 
hätte auch das dritte stück vollbracht.' 'ja ja' sagte der 
graf, 'du bist der meister aller diebe. aber zeige mir auch 
ob es wahr ist dafs du pfarrer und Schulmeister gestohlen 
und ins schlofs gebracht hast.' da führte der räuber den 
grafen ans hübnerhaus, machte die thüre und dann den sack 
auf, und richtig, pfarrer und Schulmeister kamen herausge- 
krochen, 'du bist ein erzdieb' rief der graf mit lachen, 'und 



EÜS MÄRCHEN. 



2!» 



ich schenke dir d» leben, das dn «igcnllich verwurkl Ut- 
icsl aber dabei befehle leb dir dafs du im augcnbliek aus mei- 
ner Krafschafl gehst und dich nie wieder darin bclreten lalst; 
es wäre sonst dein tod.' da nahm der ränber abschied von 
«einen, pathen und fuhr zu seinen älter»; und als er auch 
von denen abschied genommen halte, fuhr er m die weit 
hinein, und es weifs niemand bis auf den hcuhgcn tag w« 
er hingekommen ist. 

vet^l. die »weita eMÜhUiie !■> Struppni-oUs erster oMht. 



BONUS. 

Im siveitm bände dieser zeitsckHfl (*■ 208 #.) habe 
ich das altdmlsche gedieht vom bischof Bonns heramgege- 
be» und dabei Hoffmanns naehweisting eines latnmscke^i m 
einer GaUweieher kandsehriß aus den altdeutsche» blatt^ 
(1, 327) angeführt, ick wüste damals noch nicht dafs d^Jj^^JTj^ 
ses lateinische gedieht längst gedruckt war. aber auch ,^_ ^. ^„^ 
Herr EdAlestand du Miril, der es aus der Gottweteker 
kandsehriß in seine Porstes pofutaires latines anlerieuret 
au dou^ihne sidele s. IWff. aufgenommen hat. we,Js da- 
«0« nichts, in seinem buche treibt viel scheinbare je ehf^ 
samkeit auf der Oberfläche, selbständiger ^md Srundhoh« 
Untersuchung zeigt sich oß u>enig so ist f .^T«-*'«»: '';«. 
kenswerth dafs Albericus Trium Fontium het demjahrc 764 
*L. gedicLieneähnt, aber herr duMerügtbt d.c stelle 

unvollLdig und kann sie nicht «rj«^^-^;"^'-*-*^; 
6«., sonst hätte sie ihn auf wege führen mufsa. welche die 

rathlosigkeit seiner anmerkungen zur 63« «ifj^'fj! 
.die verhüteten. Albericus sagt (^-^»^ «'""f ' ''" „V 
2, 100) civitaü autcm Avcriiis sanclns Bo.u us, «r ncbAj. 
p aefui . de hoc Petrus Damianus in cp.stola sua uiemmU, 
r«od hac occasione cathedra. -r^''-''TL maT^J 
vitac custodiam sc conlulil, quam (quoniaii.) de »-^"»J^e 
Uci videliccl hominis, cpiscopalum susccp.sse «"^c 
r. de eodem sunclo BonUo habet«.- "^ ^^Tu 
i„ .„iraculis bcalae Mariae q«i Ol»ae) si. lucip.t 1 ra 



agO BONUS. 

ecat dee graius ex Francoram genere natas. Bonus erat ei 
nomen, quod designat bonum omen' etc. 

Vom heiligen Bonitus oder Bonus, bischof von Cler- 
mont in Attvergne, der nach Savaro und Mabillon um das 
y. 709 starb, so dqfs Albericus in der zeit irrt, handeln 
ausßihrlich die acta sanctorum unter dem 15» Januar und 
Mabillons acta sanctorum ordinis s. Benedicti, saec. 3, 
1, 78 J^. Surius Bolland und Mabillon geben eine lebens- 
beschreibung die von einem zeitgenofsen verfqfst ist: in ihr 
steht nichts von dem wunder das in dem lateinischen ge- 
dickte erzählt wird. 

Dieses gedieht gibt Bolland s. 1077 atu einer hand- 
Schrift der carthause von Köln, ich wiederhole es hier, 
da es vielleicht dem deutschen gedichte zu gründe liegt, 
und bezeichne in den anmerkungen die Kolner handschri/t 
mit A, die Göttweicher mit B. die wähl zunschen beiden 
ist oft unsicher, wie es bei lateinischen gedichten des mit- 
telalters zu gehen pflegt. 

Praesnl erait deo gratas, ex Francorum genere natus. 
Bonns erat ei nomen, quod designat bonum omen. 
ille iuxta dei legem custodivit suum gregem. 
sanctitatis dans exemplnm Michaelis petit templum. 
$olus loco in obscuro orat deum corde puro, 5 

planctus agit, pectus tundit, inter fletus preces fundit. 

1. qaidam nach Hoffmann vor, nach du MSrtl nach erat B. 
in Francoruni, wie in beiden hss, und bei Albericus steht, klammert 
du Meril die buchstaben or ein, damit acht silben herauskommen, 
allein die verse dieses gedichtes sind nicht bU{ps an den ßngem ab' 
gezählt; sie sträuben sieh gegen eine solche betonung ex Francdm 
genere natus. auch ist man nicht berechtigt den ungeschickt künst- 
lichen genitiv Francum einzuführen, genere mit verschliffenen beiden 
ersten silben ist unanstöfsig. 3. iste dei iuxta 1. B. 4. Michael 
petiit templom B. über die pHgerfahrten nach Mont - Saint - Michel 
verweist du Miril auf Desroches histoire du Mont- Saint- Michel 
1, 107. 151/. 5. Solas loco in obscuro orat dominum puro corde 

rogat B. wenn man mit du MSril loco verwirft^ so geht diese les- 
ort an. nur darf man nicht mit ihm domnum schreiben wollen, da 
domnus von gott und Christus und domna von der Jungfrau Maria 
ungebräuchlich ist. 6. tundit pectus agit coetns inter preces fundit 
fletus A. 



BONUS. 



301 



([uac convcnll picbs, absccdU, cl ad sua *iuisqtic 

red iL 
illc solus iM iacet, itl divinae laudi vacet. 
CHS Los loca perscrutalurj ne qtiis ibi relinqualur. 
hlc manerc solus aadet nee sc capi possc gaudel- 10 

dum ex cordc deo psalLit, perscratanlea senos falUl. 
lii recedunt, isle orat culpaninique nicmor plorat. 
Hora noctis intempesta, diim revolvil sua gesU» 
dum aniaros agit platictus^ aDgelorum audit caataä. 
oblecLalar dulcl melo, desccndcnle quasi caelo, 15 

iamque verba vocum audil memoriquc corde claudil. 
admiratur tanto souo» tarn suavi gaudet tono. 
dum precalur dei numen, vidcl lale fusum lumen 
cL caekstis adcsi coetns, uiide virum subit metas. 
angelorum cborus praeit et vcxHla sacra vcbit: W 

subsequuQtur sancli det, quos precanlur omnes rci, 
inceditque sie festiva virgo uialer sicut diva. 
quae rogata quis eantaret quisve missaui celebniret, 
'BoQo' inquit 'hoc concedo; lllum coim dignum credo/ 
verba praesul audiebat seque tremens retrah^bat. 25 

ipse lapis cedens ei senrat Signum buias reh 
stall m sancti Bon um quaeruut et quaesitum invenerunl, 
quem induLum veslem claram slatuebanl contra araui. 
hie caelesti veste dires caeli stabat inter civcs. 
patriarchae hunc dücebant et propbetae praeciucbant. SO 
incedcbat sie deductus, memor tarnen sui luetus, 
et aceedeus ai^ani petit, quam cum sanctis ante stellt. 
btDc suscepta manu pura ipse deo offert thura. 

7. quae A: quo J?» 8, Ute B. 10. posse cftpi B. 

13. plorat B. et calparum m. orat B, 13. hora ncicle int. B, 

K*. oamque vocam verba audit B. 18, dum dqiretalur B. 
19. lüde A. 22. sie B: ut ^. matcr dci s. d. A. %1. rogata 
A: rogaret 5. veL qub B. ^6. credens Bj womit ^ich du Merit 
hertthigt. im devisf;hen gedit^kie 122 j?'^ fiab<^ ich das rechte verfehll : 
et^ wird su kst-n tein da entweich diu sul von der stcle wol iwelir 
yäfter wit; daz zeichen sach man immer Sit, serval J, und du 

Meril aui vermtdung : scrvans B, 28. praeclaram B. stalue- 

bant A.^ duebant B. 29. sie ü. slabat inter c. e. B, 

31 • Urnen Bi tantum A, 32. iaactis B: suis A. 33. hie ac- 

cepta A. oEFert deö ß. 



J 



ao2 



BONUS. 



resonabaot dulces moU, praeeinepte tuba qaeli» 
ui divinum opus digue vir peregit et benigne, 35 

vii^o mater ei vestem pro mQrcede dal caet^^tem. 
agit grate$, reddit vota, laudat d^um mente tqta» 
et quam vir^o sibi dedit $umit vesieoi, ^t ab^icedii. 
bis occnUe ita gestis, cr^vit fama datae vestia- 
ille quidem nihil celat, »ed quod vidit, boc revelat, 40 
• Alter quidam, credens male promereri qaiddam tale, 
praece^aori^ ad exemplum illud quidem petit templum, 
intrat solua valde sero, bebetatua multo mero, 
et labore longo fes^us gravi somno fit depre$«u9. 
hinc aurora luoem dedit et cum i^omno uq^ reoedit, 45 
capiteque vix erecto se in auo videt lecto. 
signo cruQi^ «e niuniyit thalamoque sie e^iyil. 
spectat servos et salntat et errare sese pu(at. 
tanden^ praesul in $e redit, vocal illos et consedit, 
quodque secum Aiit gestum sui^ facit manifestum. 60 
o quam pia, quam benigna et laudari vere digna 
Cbristi water ei|t intacta^ cuiu? mira sunt tot facta, 
quae sie parcen^ negligenti sanum reddit sqae genli, 
malens illuu) poenitere quam pro culpa mo^ deler^, 
Bouum avtem yigilantem nee incaasum e^icubantem 55 
' sie dil?^t ^l ca^Iestem largiretur ei ve$tem, 
volens eum celebrarc opus dei salutare. 
Nq quisi pvtet hoQ Goipinentuw esse,' eqce argu-> 

mentum. 

34. percinente tnrba c. B, 36. ci »: riro A, 38. sibi vJpgo B. 

39. bis oconltis A, 40. se^ A: et B. 4t. ppomepcri se 

qniddam t. B: pro merito qniddam t. A. 42. qaidem A: eoim B. 

vielleicht i4em. 43. et heb. B. 44. lacet qnasi fessu^ My was 

d^ MSril gut durch h«mi nach iac^t auißllt. 45. mox A. 

46. mo^ A^ un m,s. du Moni - Sai^f- ffichel, eerit pr^lfahhment 

ä la fin du 10c tihle, ^uß Von conserve ä la hm. d'Avranchßs, ßous 

/f n9 34, raconte ceile apenture d*unß maniSre dig^ente^ saintMiehH 

lui da "surge eccletiamquß egredere et prout pateHf satitfac* troU 

fyurs apres i( dtait mort. du fderiL 43^ «irasse B. 49. '\\\o^ B: 

servos A, $0, et quo« B. §1, «t qnan bu est B. oiw 

quoque laude di^na 4- 5J^. Chr. mat^r baec int. A, malcr Cb#isti 

sed int. ^. c^i^s mirn «nnt et f, B, per qnam s^nt ^»t «wra f. A. 

5?.. Boanm A : bene B, 56. laitpatur Ä 58. N^ <|«U tutet 

esse comm. ecce arg. B. 




■ndtec quoqiie Irvitalii. 
modus ^'ero f^i 
sil inüNirsiifi et 





80 



304 



BONUS. 



ipsi atqne nato eins salns honor lans et virtas. 
'^amen amen, fiat fiat* quisquis isla legit dicat. 



77. atqne A: quoque B, 
letzten %eilen Amen A, 



laus et B: atque A. 



statt der 9wei 



Aus diesem gedickte hat Vinceniius pan Beauvaü im 
spec. hist. 7, 97 {bei Bolland s. 1076) seine erzählung ge- 
schöpß. HAUPT. 



( 



'! 



ZU KONRAD VON FÜSSESBRÜNNEN. 

Hahn hat bei seinem abdrucke der kindheit Jesu (in 
den gedichten des 12« und \Zn jh.) übersehen da/s zu der 
Wiener und der lafsbergischen handschrifi und zu den 
herziger bruchstUcken ein pergamentblatt kommt das Dronke 
in Mones anzeiger vom j. 1839 sp. 200 ff. bekannt gemacht 
hat. es enthält was bei Hahn s. 93 z. 21 bis s. 94 z. 52 
steht. 

Die Leipziger im anzeiger vom j. 1833 sp. 96 ff. ab- 
gedruckten bruchstäcke sind dort falsch geordnet, i und 

II enthalten von Hahns abdrucke s. 72 z. 46 bis z. 77; 

III und IV s. 74 z. 37 bis z. 68; vi s. 74 z. 69 bis s. 75 
z. 3; V s. 75 z. 4 bis z. 19; vn— xu s. 84 z. 6 bis s. 85 
z. 16. von derselben pergamenthandschrift hat herr doctor 
Leyser später auf dem deckel einer anderen Leipziger 
handschrift noch zwei bruchstäcke gefunden. 

Das erste dieser beiden stücke besteht aus anderthalb 
zusammen hangenden blättern und enthält die folgenden 
Zeilen (bei Hahn s. 73 z. 24 bis s. 74 z. 2) 
1" Wände si en. di schulde .... 

Er wände si were ime ge . . . . 

Wände er sie vnrechtis .... 

Vnde vorchte ir hulde .... 

Doch was se sentfte an ... . 

Do quam den iuden zu ... . 

Daz ioseph kumen we . . 

Vnde maria trüge en . . . . 

Do waren sie alse sie h ... . 



zu KONHAD VON FÜSSE S BRÜNNEN, 

Vngetruwe vade nid . » . - 
Sie sprachen vnse me . . . . 
An dhtm aide er uaren 
Dem andirs nicht woi .. > . . 
Dise vrowen bevolen . . . . 
Wie er sie sus habe be * , . , 
Man sol in noten ir . . . . 
l'* ...,,, az kint tr(u)ge, 

alden misse zimil 

, . . , . / bosiz ende nimit 

s abiatar. 

,,,.,. ch ir rate dar. 

balde vor cumen. 

sepb wir haben vornumen. 

...... Dger si 

.,.,,. as du dabi. 

.,..,. siz gelegen. 

er werlte bewegen. 

er ane wan. 

...... immer sin irgan. 

.*.,.. er dauc gesen. 

dich selben ien. 

ede das gesach. 

2"* Das se manigen man versprac. 

Junge vnde riebe. 

Die allems ivngeUche, 

Vnde sie sich vf den alter lic. 

Durch anders nicht wan daz du sie. 

Mit truwen soldes bewaren. 

Nu hastu ir vbele mite gevaren. 

Vnde dich selben misse halden- 

Daz man vber dich alden. 

Sulche diuc rieten soL 

Daz stet vns andirs denne wol. 

Der vnuersagete sprach do. 
Ichen uwrchte nicht vuuer dro. 
Also ture als ein hare- 
Vnde werc dise rede wäre. 
So soldit ie richten vbir mich. 
Z. F, D. A. ni, ^0 



90S 




296 EIN MÄRCHEN. 

vor dem stalle, dann die im stalle, dann die schwänz und 
zäum hielten, dann der welcher auf dem pferde safs und der 
anfuhrer der Soldaten war. als alle eingeschlafen waren, 
nahm der rauher einen strick und gab ihn dem in die hand 
der den zäum gefafst hatte ; dem der den schwänz hielt gab 
er ein strohseil zwischen die finger; dann nahm er eine 
lange starke Stange die im stalle angelehnt stand, schnallte 
den Sattel des pferdes los und brachte die Stange unter den 
sattel ; darauf wand er mit seilen die an der decke des Stal- 
les festgemacht waren den reiter mit sattel und Stange in 
die höhe und band die seile an einem pfosten fest, nun 
wickelte er läppen um die füfse des pferdes, führte es sachte 
aus dem stalle, schwang sich darauf und jagte ins freie, 
als es schon hoch am tage war, kam er unter die fenster 
des grafen gesprengt und rief 'herr pathe, das erste kunstr 
stück wäre gemacht; da ist das pferdi seht nur wie schön 
euere Soldaten noch schlafen.' da sah der graf aus dem 
fenster und sprach 'dein erstes stück war gut; nimm dich 
f j nur bei den andern in acht/ dabei that er ganz freund- 

lich, aber im geheimen beschlofs er den räuber zu tödten, 
denn ein solcher gauner schien ihm doch zu gefährlich für 
seine gra&chaft. 

Als es nun wieder nacht geworden war, legte sich der 
graf mit seiner irau, die den trauring anstecken muste, zu 
bette, wie sie nun zusammen im bette lagen, sagte der 
graf ' meine liebe frau, hilf mir wachen, damit ich mit die- 
ser geladenen pistole den räuber erschiefse, wenn er zum 
fenster herein steigt.' der räuber aber schlich leise zum 
nächsten galgen, woran er einen armen sünder wüste, schnitt 
den ab, lud ihn auf den rücken und trug ihn vorsichtig in 
den schlofshof. dort lehnte er eine lange leiter an ein fen- 
ster im schlafgemache des grafen, warf den todten über die 
Schulter, stieg mit ihm die leiter hinauf, rückte das fenster 
und schob ihn behutsam, den köpf voran, hinein, der graf 
lauerte schon im bette, und als er den köpf durch das feur 
ster kommen sah, drückte er los, und so wie es krachte, 
schlug der leib eines menschen hart auf den boden. da rief 
der graf *frau, nun sind wir den spitzbuben los. aber da- 
mit es weiter kein aufsehen gibt will ich aus dem fenster 



r. 



if 



'*tmä 



Zu KONRAD VON FÜSSESBRÜNNEN. 307 

sen 
1^ Na hast da herre wol getaa. 



' •" eh 

■■• Waz vus leides ist gesen. 

^ *^ Vttde noch lichte als man tut. 

'^<^ Ob iz dich na dinkit gut. 

rn Bi dem mere zv der zesewen hant. 

vafnr Da sint stete vnde gute lant. 

"v ««1^^ So riet dich daz wir keren dar. 

Durch daz wir di lip nar. 

Vnbe rechten kovf fanden. 
wm. Vnde nicht vermissen künden, 

r^ff ^ Swie wir varen wolden. 

^ vjg Alle nacht wir solden. 

Wol beliben da lute siat. 
QP Joseph sprach daz kiot. 

^ Din sorge die ist manicvalt. 

Nu weistu wol [ich ban gewalt] 

3'imJerth 2" E»»^ eoi der ob in . . . 

y^ ßug Ich en kan andirs . i . 

In minem mute i . . . 

Daz sie muge ge . . . 

Der herzöge efiFr . . . 

Dir ovgen her vi . . . 

In dem t . . . 

Na sach er in dem . . . 
. Die reinen mut . . . 

Er gedachte daz ... 

Gestozen von ir . . . 

Vnde widir eim . . . 

In selben noch vn . . . 

Daz ist von disei ... 

Der vil bedachte . . . 

2^ ...... den lute. 

n hüte. 

geschie. 

er wäre got nicht. 

vnd erden hat gewalt. 

20* 



5. d5* 



tos EIN MÄRCHEN. 

den himmel will, der krieche in diesen sack ! ich bin Pe- 
trus, der die himmelthären schliefst und öffnet; der jüngste 
tag ist da, die weit geht unter; da dranfsen wandeln die 
todten und lesen ihre gebeine zusammen, darum, werjntt 
nur in den himmel will, der krieche in diesen sack!' unter 
diesem schreien und predigen waren pfarrer und schulmei* 
8ter, die zunächst der kirche wohnten, und die den lerm 
hörten und die wandelnden lichter sahen, in die kirche ge^ 
treten, als sie nun die predigt eine weile mit angehört hat* 
ten, stiefs der Schulmeister den phrrer mit dem eilenbogen 
in die seite und sagte 'nun herr pforrer, wie istst da wäre 
noch vor dem einbruche des jüngsten tages in den himmel 
£u kommen.* 'wohl' sagte der pfarrer, 'habt ihr lust^ 
Schulmeister?' 'ei nun ja!' antwortete der Schulmeister, 
'aber euer hochwürden haben den vortritt, mir ziemt nach- 
zufolgen.' der p&rrer gieng voraus, hinter ihm her der 
Schulmeister, bis auf die kanzel, wo der riiuber stand und 
den sack aufhielt, da krochen beide hinein und der rauher 
strickte den sack zu. dann ergriff er ihn beim bausch und 
zog ihn langsam die kanzeltreppe hinunter, so dafs die köpfe 
des pfarrers und des schuhneisters auf jeder stufe hart au^ 
schlugen ; der rauher aber sagte 'jetzt gehts schon über die 
berge.' so schleppte er den sack alle stiegen der kirche 
hinab, über alle sti*afsen im dorf und durch alle lachen und 
pfutzen, und wo es durch einen tümpfel gieng, da sagte er 
jedesmal 'jetzt gehts durch die wölken.' endlich kam er in 
den scblofshof, und als er den sack die schlofstreppe hin- 
aufzog, sprach er 'jetzt sind wir auf der himmelstreppe und 
bald im vorhof. ' als er aber oben im schlofse war, nahm 
er den sack und schob ihn in das hühnerhaus, gieng darauf 
zum grafen und sagte ' herr pathe, pfarrer und Schulmeister 
befinden sich im hühnerhause. so wäre ich denn fertig und 
hätte auch das dritte stück vollbracht.' *ja ja' sagte der 
graf, 'du bist der meister aller diebe. aber zeige mir auch 
ob es wahr ist dafs du pfarrer und Schulmeister gestohlen 
und ins schlofs gebracht hast.' da führte der räuber den 
grafen ans hühnerhaus, machte die thüre und dann den sack 
auf, und richtig, pfarrer und Schulmeister kamen herausge- 
krochen. *du bist ein erzdieb' rief der graf mit lachen, 'und 



STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 309 

18. Gnade ist endelicben da. 

19. Ein wiser man sol niht zevil 1, 66* 

20. War vmbe vfigct mir div leit. 

21. Si iegent de stete si ein tvgent. 

22. Wie dikke ich inden sorgen doch 1, 65*" 

23. Hette ich der gften ie gelogen. 

,24. Daz beste de ieman gesprach. 1, 65* 

25. Min rede ist also nahe komen. 

26. Do liebe kom vn mich bestvnt 1, 65^ 

27. Ich minne sinne lange cit. 1, 116^ 

28. Gewan ich ie deheinen mft. 1, 62** 

29. Wiest ime zemf^te wundert mich 1, 62* 

30. Ich weiz bi mir wol de ein zage. 1, 62^ 

31. Min berce ist swere zaller zit. 

32. Mich ger5 noch nie de ich den sin, 1, 63* 

33. Got hat vil wol gezieret ir leben. 

34. Swaz ich nv nivwer mere sage. 1, 66^ 

35. So wol dir wip wie rein ein name. 1, 67* 

36. Die hoch gem^ten zihent mich. 

37. Ich han ein dinc mit sorge geleit. 

38. Der lange sfzer kvmber min 1, 67** 

39. Vvan getr^et fir^nde niht. 

40. Daz si mich alse vnwerden habe. 

41. Mac si mich doch lazen sehen. 1, 68* 

42. Redi der Kte tft mir we 1, 67*» 

43. Ez wirt ein man der sinne hat 1, 61** 

44. Min liep ich mir vil nahe trage. 

45. Ez ist ein nit den nieman kan. 

46. Iß miner bestin froide . froide ich saz. 1, 74** 

47. Het ich ze dirre svmer zit 

48. Ich han nach wane dikke wol 1, 77* 

49. Ein wiser man vil dicke tft 1, 75* 

50. Sol ich leben tvsent iar 

51. Ez ist ein spehes wibes sin 

52. Nv m^z ich ie min alten not. 1, 76* 

53. Ich enmac in alles niht gesagen. 

54. Von herze leides schvlden hat. 
*55. Mir sol ein svmer noch sin zit. 

56. Div weit wil mit grimme zergan nv vil schiere 1^ 100* 



31^ BOJHUS. 

erat dee gratus ex Francomm genere natus. Bonus erat ei 

nomen, qaod designat bonum omen' etc. 

Vom heiligen Bonitus oder Bonusy bischof von Cler- 

mont in Auvergne, der nach Savaro und Mabillon um das 

j\ 709 starb, so dqfs Albericus in der zeit irrt, handeln 
ausßihrlich die acta sanctorum unter dem I5n januar und 
Mabillons acta sanctorum ordinis s. Benedicti, saec. 3, 
1, 78 J^. Surius Bolland und Mabillon geben eine lebens' 
beschreibung die von einem zeitgenofsen verfqfst ist: in ihr 
steht nichts von dem wunder das in dem lateinischen gC' 
dichte erzählt wird. 

Dieses gedieht gibt Bolland s, 1077 aus einer handr 
Schrift der ' carthause von Köln, ich wiederhole es hier, 
da es vielleicht dem deutschen gedichte zu gründe liegt, 
und bezeichne in den anmerkungen die Kölner handschrijt 
mit A, die Göttweicher mit B. die wähl zwischen beiden 
ist oft unsicher, wie es bei lateinischen gedichten des mit- 
telalters au gehen pflegt. 

Praesul erait deo gratus, ex Francorum genere natus. 
Bonus erat ei nomen, quod designat bonum omen. 
ilie iuxta dei legem custodivit suum gregem. 
sanctitatis dans exemplum Michaelis petit templum* 
$olus loco in obscuro orat deum corde puro, 5 

planctus agit, pectus tundit, inter fletus preces fundit. 



{ 1. qnidam nach Hoffmann vor, nach du MMl nach erat B, 

1 in Francorum, wie in beiden hss, und bei Albericus steht, klammert 

i du Meril die buchstaben or ein, damit acht silben herauskommen, 

1 aUain die verse dieses gedichtes sind nicht blqft an den ßngem ab- 

gezählt; sie sträuben sieh gegen eine solche betonung ex Francäm 
genere natns. auch ist man nicht berechtigt den ungeschickt künst- 
lichen genitiv Francum einzufuhren, genere mit verschliffenen beiden 
ersten silben ist unanstößig, 3. iste dei ioxta 1. B, 4. Michael 
petiit templum B, über die Pilgerfahrten nach Mont - Saint ' Michel 
verweist du MMl auf Desroches histoire du Mont- Saint -Michel 
ly 107. 151 /"• 5. Solas loco in obscaro orat dominam puro corde 

rogat B, wenn man mit du MSril loco verwirft^ so geht diese les- 
art an. nur darf man nicht mit ihm domnam schreiben wollen, da 
domnns von gott und Christus und domna von der Jungfrau Maria 
ungebräuchlich ist. 6. tundit pectus agit coetus inter preces fondit 
fletus A. 



STROPRSNANP. DER HEIDBLfi. LIBDBRSAMMLllNGfiN. 311 

9. Der also g^tes wibes gen alse ich da ger 

10. Frowe ich eiae eine trage ein teil zesWere t, 123* 

11. Kan min frowe s^ze suren. 

12. Obe ich rehte bitten kvnde 

13. Saget mir ieman wo ist tninne 

14. Gnade frowe also besoheidenliche 1^ 123'' 

15. Gewinne ich iemir liep de wil ich haben eine 

16. Si seUc wip si zvmet wider mich ze sere. 

17. Ich wil dir iehen de dv min dicke sere bete. 

18. Ich frevde helfelorser man 1» 119^ 

19. Vil minneclichv minne ich han 1, 119* 

20. Gnade frowe minne ich wil 

21. Gnedeclichiy minne la. 

22. Vro selde teilet vmbe sich. 

23. Wer gap dir minne den gewalt. 

24. Ich lebte ie nach der Ivte sage 1, 13d*. 62^ 

25. Ich höre ime meneger eren iehen 1, 124* 
28« Ist de mich dienest helfen soL 

27« Wie k\inet de ich so wol verstan 
28* Mich hat ein wunneclicher wan. 

29. Mit valscheloser gvte liep. 

30. Die mine vreide hat ein wip 

31. Frivntliohen lac ein riter vil gemeit 1, 107* 

32. Fr^dinne min dv solt din tr^ren lan 

33. Frowe nv. ich wil beliben baz. 

34. Daz m^E also geschehen 
33. Frowe ez ist zit 

36. Waz helfent bl^en r6t. 1, 107^ 

37. Der riter dünnen schiet 

38. Ich han ir so wol gesprochen 1, 113^ 

39. Frowe minne ich dage vch mere t, 114* 

40. Frowe lat mich des geniezin 

41. Ich bin vwer frowe minne. 1, 137' 

^42. Ja lige ich mit gedanken der alrebesten bi. 

43. Ich saz vf eime steine 1, 102* 

44. Ich horte ein wazzer diezen i^ 102^ 

45. Ich horte in rome liegen 

46. Vil s^ze were minne 1, 125* 

47. Diz kvrce leben verswindet 



aog BONUS. 

resonabaot dulces moU, praecinepte toba caeli. 

ut divinum opus digne vir peregit et benigne, 35 

virgo maier ei vestem pro mercede dal caele$t^m. 

agit grates, reddit vota, laudat deum mente tQta» 

et quam virgo sibi dedit $unut veatem» et ab^cedit. 

bis occuUe ita gestio, cr^vit fama datae vestia. 

ille quidem pibil celat, ued quod vidit, boc revelat, 40 

Alter quidam? credeoi male promereri quiddam tale, 
praece^aoris ad exemplum illud qaidem petit templum. 
intrat solua valde sero, bebetatqa multo mero, 
et labore longo fessus gravi somno fit depre$$a3- 
hinc aurora lucem dedit et cum ^omno uqx. reoedit, 45 
capiteque vix erecto ae in suo videt lecto. 
signo cruci^ 9e muniyit thalamoqae sie ejqiyit, 
spectat servos et salutat et errare sese p«tat. 
tandem praesul in se redit, vocat illos et consedit, 
quodque secum fuit gestum sai$ facit manifestum. 50 
o quam pia, quam bcnigna et laudari vere digua 
Chri$ti mater ei|t intacta» cuiu$ mira sunt tot facta, 
quae sie parcens negligenti sanum reddit suae genti, 
malens illuni poenitere quam pro culpa mn deler^, 
Bopum avtem vigUantem nee iacaasum excubantem 55 
' sie dil^gpt ut ca^lestem largiretur ei ve$tem» 
volens eum celebrare opus dei salutare. 
N(Q quis pMtet hoc coipmentum esse/ eqce argu-> 

mentnm. 

34. percinente turba c. B. 36. ei M: riro J, 38. sibi virgo B, 
39. bis ocoultis ^. 40. fe4 A: %i B* 4t. promereri se 

quiddam t. B: pro merito quiddam t. A* 42. qnidem 4: enim B» 

vielleicht i4em. 43. et beb. B, 44. lacet quasi fessus M^ wa$ 

dt$ M4ril gut durch bumi naeA iae^t OM^llt^ 45. mox 4* 

46. moi 4% UV, m^9^ diA Moni- Saiv^t- Michel^ icrit pr^Jtabl$ment 
ä la fin du lOe si^^le, qu4f ton conserve ä la bilU. d'Aüraneh^g 40U$ 
If HO 34, raconte cette aventure d^une mani^e diffhente; ßaint Miehei 
lu\ dit *4urge ecclesiamquß egredere et prout poterif ^atitfac* troi$. 
fyHrt apres H Stait mort. du fiML 43. erraase B. 49. \1\q9.B: 
de^^ J. $0, et quo4 B. 5t^ ^ quai^ bu est B» oflMii 

quoque laude di^;;iui 4. ^2. Gbr. matcir baec int. J^ mater Gbristl 

sed int. f, c^i^8 mira smnt et f, B, per quam siint \ßt nira f. A- 
5$^ BoAum A: bene B, 56. largiatnr B, 58. N^ t^ig |utiet 
esse comm. ecce arg. B. 



STROPHBNANF. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 313 

85. Hi vor do man so rehie miDnecIichen warb 1, 116^ 

86. Ich sanc hvte vor den frowen vmbe Ir blozen grvz 1, IIT*^ 

87. Ich sage Tch waz vns den gemeinen schaden iH 1,116^ 

88. Wip mfz iem* sin d^ wibe hohste name 

89. Si wunder wol gemachet wip 1, 118^ 
9Y). Got hat ir wengei hohen vliz 

91. Si hat ein kvssen de ist' rot 

92. Ir kel ir hant iewer f^z 

93. Ir höbet ist so wunnenrich 

94. Phyiippe kvncc here 1, 113' 

95. Wir svln den kochen raten 1, 135** 

96. Waz eren hat vro hone 1, 136' 

97. Her wicman ist d' ere 1, 113' 

98. Mir hat ein li^ht von vranken 1, 111' 

99. Dv sele mvzc wol gevarn 1, 123' 

100. Ich hat ein schpnez bilde erkorn 

101. Ir reinen wip ir werden man 1, 122'' 

102. Lat mich an eime Stabe gan 

103. Welt ich han dinen Ion wol gesehen 

104. Daz milter man gar warhafl si 1, 136* 

105. Min frowe wil zeschedelichen 1, 115'' 

106. Ich weiz si dy daz niht ennidet 

107. Sich crenken frowen vn pfaffen 

108. Nv sol der keiser here 1, 136' 

109. Der missenere solde 

110. Ich han dem missenere 1, 136^ 

111. Lange swigen des hat ich gedaht 1, 124'' 

112. Hoeret wunder wie mir ist gescheh 

113. Herre waz si vluche liden sol. 

114. So mich dvhte de si were gvt. 

115. Solde ich in ir dienste werden alt 

116. Die mir indem winter vroide hant benomen 1, 136** 

117. Zwene herzeliebe vluche kan ich och. 

118. Wan sol sin gedvltic wider vngedvlt 1, 124'' 

119. Ich wil alder weite swern vf ir lip 1, 125' 

120. Herren vn vrvnt. nu helfent an der zit 1, 136** 

121. Herze liebez vrowelin 1, 117' 

122. Si verwizent mir de ich 

123. Bi der schone ist dicke haz 



S14 STROPRBNAI^P. DBR HBIDELB. LIBDBRSAMMLUNGBN. 

124» Ich venrage als ich vcrtrüc. 

125. Hast dv trivwe vft stetecheit 1, 117^ 

126. H^te gebe ir gol vil g^teii tac. 1, 83^ 

127. Si bat mich do ich ivfigest von ir schiel. 1, 34* 

128. Waz obe mich ein böte versttmet gar. 

129. Mir seit ein eilender bilgerin 1, 33*" 

130. Werlt dv ensolt niht vmbe de 1, 121* 

131. Dv hast lieber dinge vil 1, 120** 

132. Wie sol ich gewarten dir 

133. Vro weit ir svlt deme wirte sagen 1, 111'' 

134. Nement frowe dlsen oranz 1, 12Ö' 

135. Frowe ir sit so wolgetan 

136. Si nam de ich ir bot 

137. Mir ist von ir geschehen 1, 136** • 

138. Mich dvhte de mir ie 1, 137* 

139. Do der svmer komen waz 1, 109* 

140. Bi dem brvnnen st^t ein hörn 

141. Da bedvhte mich zehant 

142. Gerne slief ich iemer da 

143. Wan ein wunder altes wip. 

144. Werder gr^ von frowen mvnde 1, 169** 

145. Wilen fragt ich der mere 

146. Sist vil g^t de ich wol swure 

147. Dv weit waz gelf rot vn bla 1, 125' 

148. Ich saz vf eime grfnen le. 

149. Die toren sprechent snia sni. 

150. E danne ich lange also. 

151. Ich bin verlegen als ein sv. 

5. Der . von ♦ Morvnge. bi. 13 rtv. 

1. Owe war vmbe volg ich tvmbem wane 1,54* 

2. Min steter m^t gelichet niht dem winde 
8. Ich han so vil gesprochen vn gesvngen. 

4. Div vil g^lc 

5. Ich m^z sorgen 1, 54** 

6. Die der frowen hftent 1, 54* 
"^7. Ascholoie 

8. Von den elben wirt entsehen. vil manic man 1, 50** 

9. Si gebvtet vn ist in dem herzen min. 1, 51* 
10. Mich enzvndet ir vil lihter 5gen schin. 



STROPHENANF. DfiR HEIDBLB. LIBDBRSAMMLUNGSN. 315 

11. Swenne ir lihten oy^n so vericerenl sich 

12. Ist ir liep min leit vn min VDgemach. 1, 53* 

13. Si hat liep ein deine vog^lin 

14. Sist mit tugenden vn mit werdecheit 

15. Ich bin iemer ander vn niht eine. 1, 52** 

16. Si ensol niht allen liHen lachen 

17. Sit si herze liebe heizent minne 

18. Min liebeste vn och min erste 1, 49^ 

19. Wer ich mit minem sänge 1, 50* 

20. Nv ratent liebe frowen 

21. Frowe wilt dv mich genern. 1, 54^ 

22. Frowe mine swere sich 

23. Der also vil geriefe in einen t&ben walt 1, 51* 

24. Wist ich obe ez mohte wol verswigen sin 

25. In so hoher swebender wunne 1, 50^ 

26. Swer mir des verbau obe ich si minne tögen 1, 55* 

27. * Swaz d^ weit nach vreiden ic vf hohen mH gewarp 

1, 160" 

28. Wol gedingen vn iedoch niht volle wol geleben 

29. Swer zürnet so de er gat vur die ere sin. 

6. Der . trvhste . von . S. Gallen, bl. 15 vw» 

1. Daz fro min mft von herzen si. si 

2. Der werden wirde wirdet mich. 

3. Ir sprächet ie den frowen wol 

4. Hobische vrowen hohgemften 1, 151* 

5. Dannoch baten si mich mere 

6. Solde ich iemer vreide erwerben 
*7. Minne minnecliche minne 

*8« Swer rehten wiben dienen sol 

*9. Git got der lieben den gedanc 

^10. Dvr not dv liebe liebet mich mir 

11. Frowe ich were gerne vro. 1, 151" 

12. Nein vil sfze frowe nein. 

13. Ir svlt selchen spot verbem. 

14. Das min rat vn och min clage. 

15. Boeser tvcke ist mir niht kvnt. 1, 151^ 

16. Swer wunder daz ich si geswigen 1, 150* 

17. Ich s^hte liep da vant ich leit 

* hier sollte der name des folgenden dlchters stehen. 



316 STROPHBNANP. DBR HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 

18. Kvnde ich der werden werdecheit. 1, 151^ 

19. Nv stet doch rehter g^te wol 

20. Dir liebe liebet sich san mir i, 150* 

21. Swie hohes m^tes ist ein man 1, 151^ 

22. Geselliclicher vmbe vanc. 

23. Der tac mich leider hat betaget 

24. Der sfze wehsei vnder zwein 

25. Der tac wil scheiden ritter werlt 1, 152'' 

26. Der vil selderichen 

27. Sit der gflen gfte 

28. Swer an gvten wiben 

29. We wer sol mich grfzen 

30. Kvnde ich so gesingen 

31. Vreut vch vreut vch froiderichen 1, 152** 

32. Solde ein sf ze wip ir ere - 

33. Wer kan nv den slvzzel vinden 

34. Wir svln danken wibes g^te 

35. Ich wer e vil lange mftes 
*36. Svmer vii svmer wunne 

"^37. Hovelschlich tanzen vrölich singen 

38. Waz kan wibe vn wibes eren 1, 152^ 
^^39. Ich weiz ein in hohem mfte 

40. Svn die alten vur die ivngen 

41. Wie gerne ich mit vreiden were. 1, 153" 

42. Ich mvz lieben vn leiden 

43. Liezent toben sich die wisen. 

44. Wer sol sich an valschen keren. 

45. We de wir so crancke werben. 

46. Swer minneclicbe minne 

47. Nv hoeren trvt geselle 1, 153** 

48. Owe mins herzen herze 

49. Sol ich nv von scheiden 

50. Min vreide vn min sinne. 

51. Von vreiden vreut min herze sich. 

52. Mir ist de öfte vor gesaget. 

53. Min gemfte höhet sich 1, 154'' 

54. Leider iare wirt mir bfz. 

55. Swie vil ein wip vn vreide machet 1, 150'. 2, 208* 
*56. Got herre dv schvfe mich. 



STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. ai7 

"^57. Do got den riehen riebe sehff. 
*58. Der rihter wird dvr de genant 

59. Nv gert ich niht d* weite me 1, 154' 

60. So SYZ lachet svzet mir 

61. Gedinge sorge vlehen t^ 

62. Dv höh gemfte höhet sich mit tvgende so. 1, 154'' 

63. Min kvmber d' mich ie so kvmberlichen, twanc. 

64. Swaz ieman weiz ich weiz ein wip so voUekomen 

65. Seide riche selic wip 

66. Minneclich gebaren wil 

67. Sfzer vreide ich waz gewent. 1, 155' 

68. Alder weite nieman kan 

69. Waz sol singen oder sagen. 

70. Clage ich mine seneden clage 

71. Selic wile selic zit 

72. Der ich diene vn al da her gedienet han. 1, 149'' 

73. Waz dv werde minneclicher minne git. 

74. Deht ich iemer ich verdehte ir gfte niht. 
^^75. Diz ist min vro weit die ich so sere lobe 

76. Swaz wibes ere wol gezam 1, 155* 

77. Wan sol in dienen vmbe de. 

78. Ich bin der gften vndertan 

79. Kunde ich vreide volgi ich vrevte gerne mich. 

80. Wart ie iht so reine alsam ein reines wip. 

81. Dv sfze wip do dich min 6gen alrest gesach 

82. Noch enpfant ich nie zegvte leider mir 

83. Sol von rehter gfte wahsen and' g^t. 
"^84. Ich wil minem vatir gerne wol . raten. 
"^85. Rvdelin dv bist ein ivnger blappen blap 

86. Rehter liebe vz stetem m^te 1, 156" 

87. We daz ich der svzen mere 

88. Waz bedorft ich langer stete 

89. Ich wil in dem vierden liede 

90. Ich m'^z von verdiender schvlde 

91. Frowe selic frowe 

92. Sit ir mich so seret 1, 156^ 

93. Ir weit mir verkeren 
^4. Wiz ich nv den willen 
95. Seide schone g^te 



I 



318 STROPHBNANF. M» HEIDELB. UBDBRSAMMLUNGHJV. 

96. Ob ich der gHen g^ims gan. 

97. Sich hvp ein vngevugot zorn 1, 164'' 

98. Zehant do si versyndea sieh 

99. Si git vns icmer vroiden vil 

100. Wan de ich minaecliche tobe 

101. Sol ich midi rihten nach dem A. 1, 157'' 

102. Gnfge sprechen t singe als 6 

103. Ich mac wol sprechen baz owi. 

104. Ich vreute mich do stvnt ez so. 

105. Ich mac wol wander schrien wn. 

106. Waz hilfet ane sinne kvnst 2, 150^ 

107. Vns ist wol von meren worden kmt 2, 138* 

108. Ich wise an wiscr Ivte rat 2, löl* 

109. Swer sich des stetezvrinndes dvr vbermf t beheret. 1,131» 

* 110. Ich wil niht me den ovgen volgen noch den sinnen. 
*111. Der g^e win wirt selten g^t. wan dem g^ten vazze 
*112. Ez nam ein wittiwe einen man. hie vor in alten zilen. 

* 113. Der kvnic behielte kvnegesnamen dem in behalten hieze. 
*114. Si iehenl do böser kom ie nach de hat sich nu verkeret. 

* 115. Da hin da her wart nie so wert, in allen tvschen landen. 
*116. Vil meniger mich berihrct 

*117. Gilerter vursten crone 
*118. Vns ist vnsers sanges meister an die vart. 
7. Rvbin. bl. 20 rw. 

1. Lob der reinen wibe mac 1, 170*» 

2. Von der ich mines lobes bin 

3. Diest dv weU also verzaget 1, 171* 

4. Der vögele sfzez schallen 1, 170» 

5. Ich bin noch von ir selten 1, 170** 

6. Ich ban noch den gedingen 

7. Wie künde leider mir geschehen 1, I71- 

8. Do sprach der ritter ellentbafti 

9. Div vrowe ir liep zfzir gevie. 

10. Do kvst er do wol tvsentstvnt 1, 171*» 

11. Doch mfzcn si sich scheiden do 
*12. Div tSgen minne ime geriet. 

13. Got hat uns aber san gemant 1, 168* 

14. Swer nv de crvce niht en ninmet 

15. Ez brahte ir missebieten mich 



STROPHBNANP. DER HEIOBLB. LIBDBRSAMMLUNGEN. $19 

16. Eid sinne riebe selic wip^ 

17. Ich wil vrlop von vrunden nemen« 1, 171** 

18. Swer got dvr diso weit nv lat i, 172* 

19. leb wil mich einer fifcbvlde gar 

20. Vurde ich von der gvteo vro. I, 171** 

21. Lobe ich ir vil reine ivgent 

22. Kvnd ich aller Ivte leit 

23. Han ich niht mil der nabtegal gesyngen 1, 170* 

24. Sie mac mir wql die selben not erwenden. 

25. Wie tvt si so dv vil liebe lobe s^ze 

26. Nieman an vroiden sol versagen 1, 1(9" 

8. Nifoc, R 21 rw. 
Nv geit mir nach, ein ander leit 2, 117** 

1. Nv iarlanc stet vil hohe min m^t 2^ 118^. 208^ 

2. Er nam si bi der wizen hant 

3. Jvnge vfi alte ir helfent alle vreide meren 2, 118^ 

4. Wir sin bezzer vro so wir nach tvgenden ringen 

5. Niema« kan mit sweren mvte niht verenden 

6. Frowe ir hat vwer schone vn vwer gvte 

7. Mich enwil der lieben g^te niht eriaien 2, 119* 

8. Sol min sprechen sol min singen I, 163* 

9. Sich alse der tae so rieh 

10. AI der weite vroide meret 1, 160* 

11. West cin^ wip min vngem^te 1, löO** 
*12, Wol mich bvte vn iemcr mere 

*13. Wol ime swer nv g^t gedinge 
*14, E% lebet in minem dvneke nibt 

15. Hat ieman leit alse ich ez han. 1, 157'' 

16. Der kan ir selcbv mere sagen 1, 158* 

17. Ir mfgit wol wennen swez ir weit 

18. Ist halbes war de ir da elagit 

19. Ez dvhte vch Übte ba« getan. 
*20. Ich bin der gften mere vro. 
*21. So liebez ich mir nie gesach 
"^22. Wie mac dv liebe selehen mvt 
*23. Owe herze cvmberlichv elage 

24. Min senedes denken 2, 28*. 1, 22* 

25. Selic ich were 

26. Ich wünsche ich dinge 



iOO STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 

* 

27. Wol mich der sinne 

28. Mine hende ich valde 

29. Wie sol ich den ritlcr nv gescheiden 1, 16** 

30. Din kvslich mvnt din lip dar yn sfze. 

31. hSrestv vrunt den wahter vf der zinnen 

32. Ich wache vmbe eines ritters lip. 1, 17** 

33. Min iip mfze vnselic sin 1, 18* 

34. Din zorn si dir vil gar vertragen 

35. Minne ir habt mich so besweret 2, 110* 

36. Minne voiget miner lere. 

37. Ich kfse an deme walde 1, 9^ 

38. Mich dvnket niht so gfles noch so iobesam. 2, 110" 
*^39. Nu singe ich als ich 6 sanc. 

40. Swa so liep bi liebe lit 1, 139^ 

41. hat der winter kvrzen tac 

42. Selp var ein wip 1, 137* 
*43. Ich wil iemer minen mft. * 

44. Mir ist ein not vor allem mineme leide. 1, 68^ 

45. Niender vinde ich trvvi^e dest ein ende 
^46. Mir hat ein ritter sprach ein wip. 

47. Solden sich ez die vreidelosen niht an mir ver driezen 2,208^ 

48. Ich vn ein wip wir haben gestritten 1, 174* 

49. Ich minne si vur allv wip 1, 175^ 

50. Swie verre ich var so iamert mich 1, 174* 

51 . Svmer diner svzen wetter mvzen wir vns anen. Hgn 3,244'* 

52. Also hat dv gvte mir de herze min betwuogen 

53. Wer ist nv der geielste vnder tvmben gettelingen. 

54. Odelichen warl von ime vf minen traz gesprvngen. 

55. Enge rocke tragenz vn smale schapperane. 

56. Seit ich nv zemeren wie siz vnder in gesch^fen 

57. Wa bi sol man min geplepze hinnen war bekennen 

58. Ich saeh vil wunuecliche stan. MS. 1, 73* 

* ich setze diese Strophe her, weil ich sie in der hagenschen 
Sammlung nicht ßnden kann. 

Ich wil iemer minen mft. 
hohen dvr ein wol bescheiden wip. 
che si mir niht anders t^t. 
wan de dvr si eren gert min lip. 
so hat si wol ze mir getan, 
swenne ich rehten m^ ze vreudeo han. 




1^ 




. anne lac. 
üi dein vo- 




S%K 3TR0PHBNANP. DBR HEIDBLB. UBDERSAMMLUNGEN. 

6. Wie vber winde ich beide Hagen ^, 246* 

7. Sol mich nihl vervahen 

8. Engel wan vn vze 

9. Owe liebe svmerzit Hagen 3, 271* 

10. Wist ich weme ich sojde dagen 

11. Owe liebv svmerzit Hagen 3, 249^ 

12. lemer an dem svnnentage 3, 250^ 

13. Dar an siner geie spranc 

14. Owe lieber svmer diner lichter tage lange Hagen 3,270'' 

15. Hat aber ieman leit de mineme leide si gelich 

16. Ich engewan vor menegen ziten vngenaden mcre 3, 271* 

17. Sine wolde ie doch in sinen Spiegel nie gelvgen 

11. Spervogel bL 27 vw. 

1 . Swer in vremeden landen vil der tvgende hat. MS, 2, 226'' 

2. Wan sol die iyngen hvnde lazen zv dem bern 

3. Swer svcbet rat vn volgel des der habe danc 

4. Ez zimpt wol beiden de si vro nach leide sin 

5. Waz vromt dem rosse de ez bi demvuter stat 2,227* 

6. vn vert zewalde spvrn so der sne zergat 

7. Swer lange dienel da man dienst nibt verstat. 

8. Dv selde dringet vor die kvnst de eilen gal. 

9. Wan sol einen biderben man. wol drizzic iar. 

10. So we dir armft dv beuimest dem man 

11. So wol dir wirtwie wol dv doch dem hvse zimpn 2,227^ 

12. Ich sage vch lieben svne min 

13. Mich ruwert vurt vber mer 

14. Wer sol vf steinberc 

15. Do der g^tc wernhart 

16. Steinberc die tvgende hat 

17. Wan seit zehove mere 

18. Mich mf t de aller serc. 2, 228" 

19. Swie sich der riebe betraget 

20. Weistv wie der igel sprach 

21. Swie de wetter t^ 

22. Ez WC ein wolfgrawe 

23. Ein wolf vn ein wizzic man 

24. Ein wolf sine svnde vloch 

25. Ez mac der man so vil vertragen 

26. Swene hvnde stritea vmbe ein bdn 2, 228^* 




im» 









»(' 



324 STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 

14. Heinrich . der . riebe, bl. 29 rw. 
1. Nv lange stat dv beide val 1, 99*" 
•2. Die vindent micb in meneger zit. 

3. Mir were starcbez herzen net 

4. Soll ich an vreiden nv verzagen 

15* Heinrieh . von . Rvcche. bL 29 nr. 
5» Nach frowen schone nieman sol 

6. Ich tfn ein scheiden de mir nie i, 100* 

7. Ich gerte ie wunneclicher tage 

8. Ich horte gerne ein v(^elin 

16. Hartman . von , Owe. bL 30 tne. 

1. Mir haltenbotten frowe g^l 1, 182* 

2. Dv solt ime hotte minen dienst sagen. 

3. Min erste rede die si ie vemam 1, 182** 

4. Swez vroide an gften wiben stat 1, 180" 
5* Moht ich der schonen minen m^t 

6. Ez ist ein clage vn niht ein sanc 

7. Ich sprach ich wolte ir einer leben 1, 179" 
8- Sit ich ir lones m^ enbem 1, 179^ 

9. Mir sint dv iar vil vnverlorn 
10* Der ich da her gedienet han 

17. Wolfram . von . Eschebach. */. 30 rw. 

1. Ez ist nv tac 1, 147^ 

2. Daz gfte wip 

3. Si beide Ivste 

4. Ir ovgen naz 1, 148" 

18. Wahmft. bL 30 rw. 

1. Lobe ich nv des meien gfte 1, 162* 

2. Liep vor allem liebe ein wunne 1, 162^ 

3. Ich wil dir mit trvwen singen 

4. Obe ich vngesvngen swenden 

5. We war vmbe trvrent si 1, 161* 

6. Frowen diene dich vnverzaget 

7. Waz hilfet de ich kiege da. 

8. Waz hat mich d^ liebe zit vervangen 

9. Vz ir 5gen vliegent stralen sere 

19. Rvdolf Offenbvrc bL 31 vw. 

1. So d^ nahtegal ir sanc 1, 34^ 

2. Ndt vn angist sint da bi 



raOPHENANF, DEH HEIDELB. LiEDERSAMMLÖNGEN, 325 



5. 

1, 

2, 

3. 

4. 

5- 

6. 

7- 
•8. 
•9- 
10, 
11. 
12- 
13. 
14. 
15, 
16. 

1, 
2, 
3. 
4. 
5. 

1. 

2. 
3. 
4, 
5. 
6. 
*7. 

10. 



Ir wal eren richez leben 

Ist de ich verderben sol 1, 35* 

Sl sol wizzen de dv not 

20. Walter - von . Mezze. W. 31 vm, 
leb llde zweier bände 1, 163*' 
Ob 51 mieb bazze nein si nibt 1, 164^ 
leb wände senften minen mvt 
Er dvnket mich ein kfne man 

Sichvreutmeneger in gegen der wunnecliebeu zit t}165^ 
Mir ist selten herzeliebes iht gescbeben 
So we dir weit de ich dir niht entrinnen mac 1, ld6* 
Hetin nv die blvmen den gewalt 
Dir enbivtet edel ritcr gvt 
Der walt in grvner varwe stat 
Ein winken vn ein vmbe sehen 

Ich wil weinen von dir gau (/. hin) 

Div Hnde ist an dem ende nv iarlant lieht vh bloz 

Mirst min allv clage nocb nvwer denne vert 1» 166' 

Sold ich wünschen so wold ich den vogelen wun sehen des 

Swes die nahtegal mit ir sänge neme war 
21- Gotlrit . von . Strasbvre. öi. 32 vw. 

Uiv zit ist wnnneclicb 2, 183* 

Wiplicbv werdecbeit 

Ich vnverdahter man. 

Was sol min vmbesagen 

Der svmer si so gvt 

22. Heinrieb . von , Vellkilcben. bt, 32 im. 3i(. 

Tristranl mvste svnder danc I, 10' 

Sit dv svnne ir libten scbin 

Swenne ich bi der vil hohgemvten bin 1, 21^ 

Swer mir an alle schvide si gebaz 

Der Winter wcre mir ein zit 1, 40* 

Wie tvL der besten einer so 

Swer meret die gewizen min 

Ich bin dir lange holt gewesen frowe biderb vfi g?t l,3i>^ 

Ez dvnket mich wol tvsent iar daz icb an liebes arme lac 

Oben ander linge den zwige. da sanc ein dein 

gelUn* 



VO' 



826 STROPHBNAMF. DBR HBIDÜLB. LieDERSAlllfLUM0B3!4« 

23. Der . marcgrave . von . Hobenbyrc. bl. 32 rw. 

I. Ich han erweit mia selbe s^zen ivaiber 1, 15^ 
*2. Ich han in minem herzen vroidc vil 

3. Ich het ie gedaht wie ein wip wesen solde 1, 17^ 

4. Ir lip vn ir ere de ist alles vil reine 

*5. Si enist niht in allen so schone min firowe 

6. Sit alse vngelovbet 2, 109^ 

7. Wolde sich div gvte 

8. Ich wände vngemvte 

9. Er mac wol verderben. 
10. Der ich gab vur eigen 

II. Nv han ich gedinge 

24. Heinrich . von*. Veltkilchc. bl. 33 vw. hr<^ 
*11. Swer wol gediene,t vn erbeiten kan 
'^12. Wer ich vnvro dar nach alse ez mir stai 
*i3. Ich bin vro sit vns die tage 

14. Hie hete wilent zeiner stvnde 1, 18*" 
*m. Ez kam von tvmbes herzen rate. 

16. leb wände dat he hovesch were 1, 18^ 

17. Hei iseh an ime theloso minnen 

25. Haxiact*-^W* 33 rw. 

1. Ich wil dir herre ihc der vil reinen megde kinde 2, 111" 

2. Wie lange svln die beiden vns mitdinem lande pfenden 

3. Dir herre clagen wir armen grozer vngenadeo me 

4. Crist enbvtet sinv mere 

5. Nv tf svnder vf din oren 2, 111** 

6. Dvlden mfz in dinen hvlden 

7. Nv bV^te vur vns dine hende 

8. Yz den bvchen sagent die pfaffen 

9. Obe ßz an minen eren mir geschaden niene mac. 

1 0. Sich diner eren frowe envare ich vf die truwe niht 2,112* 

11. Sage mir waz ist minne von der singes dv so vil. 

12. Waz minne si vil liebv frowe min. de sage ich dir 

13. Ich en minne niht doch merke ich eines de verdien ist. 

14. Mabt dv doch Aune stete kiesen bi der grozen not 

15. Nv kvs ich an der vogel swigen 2, 112^ 

16. Mich iamert ^ahe ir tvgenden i^mer 

17. Dv bist min trost vn och min wunne 



PHBNANP. DBR HfilDELB. LlfiDBRSAMMLUNGBN. S^ 






26. Gvnther . vz . dem . Vorstc. ä/, 34 rw. 
Ich han liep mit seneder leide 
la enweiz niht dv wolgetane 
Swer ie seneden mvt gewan. 
Nv svlt ir mir lere geben 2, iW 
Were ich in der werdeeheit 
Noch han ich ein trocstelin 
Wie wirt ir min stete kvnt 
Wol mich de ich ie den mvt gewau * 

Sine weiz niht wie liebe si mir t^. 
Si liebe si schone si gvte 
Si werde si here si riebe 
Si senfte si sfze si reine 2, 113^ 
Nv her obe ieman kan vernemen 
Ez warp ein ritter lange cit 
Div schone frowe kan gegan 
Si waren beide enzvndet gar 
Do alle ir wille wol ergienc 
Nach der vil grozen liebe kam 
Div minnecliche frowe sprach. 2, 114* 
Der ritter g^ sprach do hin zir 
Ich sol dir sprach div frowe her 
Owie mohte ich leisten dinv wort 
Do sprach de wunnecliche wip 
Swer sich an liebe mazen kan 
Die mohte ich lengen baz din leben 
Min sorge swachet mir den sin. 2, ilA^ 
Nv boret wie der vrowen gH 
Do sprach der ritter vber lanc 
Do sprach dv vrowe wol getan 
So wol mich de ich han vernomen 
Nv boret wie dv lieben do 
Hie mvgt ir merken fremede zal. 2, 115* 
Swer vch von ende solte sagen 
Div schone frowe sprach also 

Svz endet sich der zweier strit 

Gvten Ivten wil ich kvndcn 

Sol ich ir den trovm betvten 
Min stimme blez mich vro beliben 






328 STROPHBNANF. DER HBIDBLB. UBOBBSAMMLUNGEN. 

39. La mich noch ein Ivzzel sprechen 2, 115^ 

40. Sold ich mich von schvlden rroiwen 

27. Der . herzöge., von . Anhalten. bL 35 rw. 

1. Ich wil den winter enphahen mit gesange i, 6^ 

2. Wol mich iemer mir ist wol zemfte 

3. Mohten si dem& walde sin I&p verbieten 

4. Sta bi la mich den wint lan weien 

5. Ich sach die schonesten in den landen 

28. Albreht . von . lohannes . dorf. bL 36 vw. 

1. Min erste liebe der ich ie began 1, 173^ 

2. Ich wände de min kvme were erbitten 1, 174'' 

3^. Ich han dvr got de crvce an mich genom 1, 173^ 
*A. Mich mac der tot von ir minnen wol scheiden 
*5. Do d^ wolgetane gesach de crvce an mine cleide. 
*6. nv min herze vrowe nv entrvre niht so sere 
29. Der . marcgrave . von . Rotenbvr(c abgeschnitten) 
bL 36 VW. 

1. Deme kvnege dem vare ich swererwil den lip. 1,144* 

2. Min ovgen mfzen dvr de selic sin 1, 18*. 144^ 
*^. Swer sich so sere an die minne verlat 

30. Brvder . Wemher. */. 36 rw. 

1 . Ich weiz der herren menegen obe ich hete ir eines gvt 
*2. Ich wil dem crvce singen [2, 161* 

*3. Ze tröste wart vns allen 

31. Lvtolt . von . Seven bL 36 nv. 
Die nv bi liebe slafen 
Man sol nv singen 2, 98* 
Von deme scheiden 
Wer kan nv zedanke singen 1, 137' 

5. Vroide vn sorge erkenne ich beide 

6. Wol vch deinen vogellin 

7. Frowen lat vch niht verdriezen 1, 106* 
Ich wil vch ze redenne gvnnen 1, 106^ 
Frowe so wil ich vch leren 
Ez ist wol daz wir die lieben beide 
Wie solt ich ze tanze wol gesingen 

12. Mir gab ein sinnic herze rat 1, 78*, 99* 

13. Min lip vor liehe m'^z irtoben 

14. Han ich iht vrvnt die wünschen ir 



2. 

♦3, 

4 



8. 



♦10 
♦11 



lOPHENANF, DER HEIDELB. LIEDERS AMMLÜNGBN. 329 

K Ich svhte gvler vrvnde rat 1, 42* 
l >ür wonl vil vogcraaches bi ^ 

. Ich bin mit rehler stete eiiieiiigvleiirit€rvndertan.2,ll7 
I, Sine mvgeu alle mir beaemea dea ich mir laßge haa er- 
. Solde ich den ivngcn raten [weit 

L Ich horte manegen vragen 

, Mich wuodert wie den Ivten si die sich derereo schament 
!, Nv ml aber der cleinea vögele singen 2, 115^ 
. Do mm ovgeD si alrest irsahen 
[. E daz 51 anders ieman lieber were 
N Als ich gemeinlichen m>'z gebaren 
;. Die liebten lieben svze tage reine 2, 116" 
. Daz ist ein wip dar ich micb han gewendet 
L Nv wil aber der blvmen schin 
K Des mich ivmben sit verdroz 
L Si ist so noch gn?ge sint > 

, Laz ich in des gel mir not 
L Trfg er Inder holden wan 2y Itfi*^ 
L Liebe vroideloser kneht 
i. Div vil minnesliche die ich da meine 
(. Jcb weiz wol ez hat dv schone svnde 
i. Nv ist mir aber leide 
^ Wes ich wa ich svnge 
L Nv sehe ich an ir nivte 2, 117* 
K We waz wil si me 
U Ich enwil niht twingen 
[. Wil mir ein wip goedic sin 
U Ich han gedingen wirt si mir 
l. Vßs wil schiere wol gelingen 1,117'' 
k Mvgit ir schowen waz dem meien 
i. Wol dir meie wie dv scheides 
i. Scheidet vrowe mich von sorgen 1, 11 8* 
'. Der die schonen zit mit vroiden hvre waz* 
32. Hvg . von . Mvlndorf. bi. 39 v^* 
[ , We waz hilfet al min singen 2, 207^ 
i. Swer den vrowen an ir ere 

* in den minnßsin^em tU* kßrm von der Hagen 3, «- 4ö8c 



330 STROPBENANP. DER HEmELB. LIEDERSAMMLONGSN. 



i 



M 



33. Der . bvrcgrave . von . Regeasbvrc. bL 39 vw, 

1. Ich lac den winter eine wol tröste mich ein wip 2, 117^ 

2. Nr heizent si mich miden einen ritter ine mac 
34. Grave . Otto . von . Bottenloben. bl. 39 vw. 

1. Wizzet daz ich singen wil 1, 168^ 

2. Ich wil selic vrowe dir 1, 169' 

Vro minne ich lachet miner swere 1,16* und Betiecke 

s.\ — 8 gewinne. 
Die Sammlung ist beendigt : denn unter die rückseite 
des 39^2 blaites hat der Schreiber die zahl v gesetzt^ 
als ob der ßinfte quatern dort schon zu ende wäre. 
\Fer%eiehnU der diehtemamen. 
der herzöge vop Afthalten ^7. 
grave Otto von Bottenloben 34. 
Wolfram von Eschebach 17. 
Gedrvt 9. Gotfrit von Strasbvrc 21. 

Hawart 25. der marcgr. von Hohenbvrc 23. 

Albreht von Johannes dorf 2S. 
Walter von Mezze 20. der von Morvnge 5. Hvg von 

Mvlndorf 32. 
Nithart 10. Nifne 8. 

Rvdolf Offenbvrc 19. Hartman von Owe 16. 

der bvrcgr. von Regensbvrc 33. Reimar 1.2.3. Rvdolf 

von Rotenber 13. der marcgr. von Rotenbvrc 29. 

Rvbin 7. Heinrich von Rveche 14. 15. 

der trvhsle von S. Gallen 6. Lvtolt von Seven 31. 

Spervogel 11. 12. 
Heinrich von Veltkilchen 22. 24. Walther von der Vogel- 

weide 4. Gvnther vz dem Vorste 26. 

Wahmft 18. brvder Wernher 30.] 

a. Anhang von späterer hand in derselbcfi Handschrift 
bl. 40 VW, bis 43 rw. 
*1. -och gonde ich gutin lutin wol. 

2. Ich singes vnder minin danc. J, 166^ 

3. Ich wnzhe daz ich ir gelige 1, 167* 

4. -V minne habe des iemer danc =i 59 a. 

5. Ir guetlich lahin minneclich 1, 166** 

6. Wie knmit daz mich ir 6gin gruz 1, 167* 
*7» Min mut stunt ebene vn wol 

8. *ich hat ein lieber wan 1, 167'' 



MI 



wm 



i 



lOPHBNANP. DBR HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 331 

. War unbe sprich ich daz 

. die na daz herze min 

. ein reine hohgimute 1, 169^ ^^ 

. künde ich als ir gizheme 

. si fragent yn fragent abir ahsi vil i, 122' 

. die schamelosin iiesen si mich ane not 1, 121'. 122^ 

. ich solle ein Inzil miner langen swere clagen 1, l$6^ 

. selicliche deme geschiet. (gekört am 1,169^ oben) 

. der svmer yn alle sin schone, tu och sin wnne t, 168^ 

. der lieber svmer knnde schöner nith gesin 1, 167^ 

. ein s^ide leit daz ich von eime wibe drage. 

. dv liebe lat mir scheiden niht von ir geschehen = Rubin 

. -fz ich nach wane wezin vro 1, 109^ [19 B^ 

Zwischenraum von iO zeüen, bL 41 vw. unten. 
. owe daz wisheit yn jogint 
. des swar reimar dv rawes mich 1, 105' 

zwiscbenrnum von 9 Zeilen, 
. frowe ich höre weh so vil der tvgende iehin. 1, 114^ 
. konde ich die mase als ich ir leidor niht inkan 
. wir man wir wellin daz stetekeit 1, 115' 
. ich sage weh wer vns wibin wol bihagit 
, ein wip mit wibis gute. 
. nv horent lat weh wisin. 
. -V minne lat sich nemin da 1, 112' 
. swa zhuene munde gereut giliht = 203 D. 
, so minne ein gokil spil wil machen = 202 D, 
, Swa minne slusit vn vir drossin =: 206 D. 
, ein schone magit Ulrich von Lichtenstein 512, 7. 

der wahter smic von minnin wol 2, 98' 

dv reine sfze sere ir srac 

Von dannen schiet der kflni tegin 

eine zeile Zwischenraum, 

Bi liebe lac 

-v vil sf ze sprach dmt gi seile 

eine »eile Zwischenraum, 

swer nu vir hole lige 

wahtir diu sanc ist grus 

Dv liebi ir werdin gast 

Der liebin leide wart 




332 STROPHENANF. DER HEIDELB. UEDBRSAMMLUNGSIV. 



44. mir armen wibe waz ze woi 1, 68" 
'^45. -ie froide mir verboUen hat 
^46. Yns kamt div suzze sumer zit."^ 

a. Van einer dritten hand, von der mitte der rücA- 
Seite des 43^ blattes bis zum ende des 44». 
47 • svit ich gottes hoha wnder wert an da er hat geleit 2,212* 

48. So wol dir gottes wnder tal ich meine dich tvrv weit 

49. Ir lobt gar alle gotes werc so lert der kvnic daaid. 2, 212^ 

50. ich bore dicke sprechen so die haben sich abe getan 

51. So wol dir weit so wol dir bäte vnde iemer mere wol. 
Zwischenraum. 

52. mAn schiltet got noch sinn wnder wert dar vmbe niht 

Müller S9i. 
dv werltistein garte do got inne brechen sol Müller Z92. 
-b man die werlt niht m^hte schelten vnd ir missetat 

Müller 393. 
-wer von der weite seit an ir si wandelberes niht 
-V weit von rehte wirt bescholten verre deste mer 

Müller 390. 



53 

54 

♦55 
56 



a. Von einer vierten hand^ auf der vorderen seite des 
45» blattes. 

57. Wie kom daz mich ir oagen graez 1, 167* 

58. Ich wünsche daz ich ir gelig 

59. Die minne habe dez immer danch = 4 a. 

Auf der rückseite des 45» blattes stehen von einer un- 
gebildeten hand noch dreizehn verse, die herr von der Ha- 
gen, ob sie gleich kein lied sind, in seine Sammlung aufge- 
nommen hat, 3, s. 420 n, xviii, aber in den ersten zeilen 
unbegreiflich entstellt, da in der handschriß deutlich zu le- 
sen ist 

ach herze liep ach herz let 

ach libes lieplich erebet. 

ach gechant {d. i. jächant) min ach baisam tror. 

acb dv sirsses zvkker ror 

libes vn herze min u. s. w. 



• bei Herrn von der Hagen 3, #. 468» ^/ 



STROPHENANF. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 3» 

D. Sammlung von Sprüchen in der heidelbergischen 
handschriß 350, bl. 1 ^ 40. 

1. abtheilungy bl. i vw. 

1. Ich sagt vch gerne nu hört waz. = MS. 2, 138^ 

2. Do wonte ein magt vf erde hie. 2, 125* 

3. Do got her in erde wolte komen. 2, 138^ 

4. Adam, vn manic verlorn sei. 2, 125" 

5. Got vater diner manigen tvgende. 2, 138^ 

6. Got uater svn heiliger geist. 

7. Got aller g^n dinge frsprinc. 2, 137' 

8. Ihc dv gotes wunder bot. 2, 139' 

9. MatHs menschen bilde hat. 2, 125' 

10. Got herre swes dv an vns gerst. 2, 139' 

11. Got herre gip vns hvte heil 

12. Ahi wie wuniclich ein schar. 2, 125^ 

13. Got herre vater da dv bist. 2, 136^ 

2. abtheihmg^ bl. 3 vw. 

14. Ich wil iv singen nv merkenL daz. 2, 139** >»<• ''^' 

15. Owol dir Gabrieles munt. 

16. Groz wunder daz vns ist geschehen. 

17. Nv si vron Euen diz verclagt. 

18. Maria kuniginne her. 2, 140' 

19. Ez ist vil manigem minnere leit. 2, 125** 

20. Swer gerne minicliche lige. 

21. Dv svnden bloz dv ualsches bar. 

22. Gegr^zet sis dv kuni^. 2, 140' 

3. abtheilungy bl. 4 rw. 

23. Er ist ein seldenricher man 2, 143' 

24. Gedinge höhet mir den m^t. 

25. Tristram der leit vil groze not. 

26. Vrowe miner frouden heil. 2, 150' 

27. Sich vmme dich vil selic wip 2, 126' 

28. Sit trvwe ist al der werfte gvt. 

29. Der guten wibe werdikeit. 

30. Wir wellen daz div minne si. 2, 145' 

31. Alle schfle sint gar ein wint. 2, 142' 

32. Minne ist ein daz beste wort. 2, 142^ 

33. Wibes minne ist rehter bort 

34. Got bat mit hoher werdikeit 



3S4 STROPHENANP. DER HEIDELR. LIEDERSAMMLUN€»N. 



35. Ein wip di gar genriet hat 2, 149^ 
*36. Vrowun lop ist reinez leben. 

37. Ich wil vch leren werdiv wip 2, 142'' 
*38. Ir vrowea scheident man von man. ' Tw. iv. 

39. Swer alder werlde werdikeil Hagen 2, 184* 

40. Ich gibe vch vrowcn einen rat Hagen 2, 184^ 

41. Waz cleider yrowen wol an ste. MS, 2, 126** 

42. Man t^t vns micbel wander kant. 2, 145** 

43. Man seit von heilawage vns uil. 2, 149^ 

44. Der werlte rede ist ez «nsol. 2, 147^ 

45. Ein man der so erworben ist 2, 126'' 

46. Ein man der niht erwinden wil. 

47. Ein gelle ir geUe niden m^. 2, 144^ 

48. Der baisam ist den herren g^t.*^ 

49. Die minne hat wanderliche sit. 2, 127" 

50. Ein lip. z^ sele. ein mvnt. ein mft. 
^51. Nv wil ich leren ovch di man. 

52. Vil maniger wenet vrowen leben. 2, 149* 

53. Di berge di sigent nach mir zv. 2, 145* 

54. Vnd het ich drier wünsch gewalt. 

55. Swelich vrowe ir mvtes so irreaert. 

4. abtheüung, bl. 10 tru^. 

56. Ein herre von gebvrlc vri. 2, 138* 

57. Ein ivnc si lobelichen ivnc. 2, 127* 

58. Ein herre ivnc schone vn rieh. 

59. Der mvt was wilent knehtes kneht. 2, VA^^ 

60. Mutwille ist vbel er ist ouch g^. 2, 127^ 

61. Vz sinwellem mfte ein man. 2, 148* 

62. Ein man im selber ist ze rieh 2, 146* 

63. Sage vngelobter richer man 2, 137** 

64. Gewalt mac melden vnder slaa 2, 127'' 
*65. Die werlt ist vngelich gemvt. 

66. Di werlte was wilent so gestalt. 2, 148'' 

67. Nv volget ein gemeiner site. 2, 141* 

68. Waz eime rehten herren zimt. 

69. Wol dir ricbeit wol dir gewalt. 2, 141** 

70. Daz gut ist eime hoben man. 2, 141* 

* hei herrn von der Hagen zwei mahl, 2, 186** und 3, 332*, angeb- 
lich aus einer und derselben kand$ehr\ft! 



STROPHENANP. DER HEIDELB. LIEDERSAMMLUNGEN. 335 

71. Ez sint noch herren etswa. 2, 141^ 

72. Di ere was wilent also wert. 2, 127^ 

73. Ez wart nie wip noch man belogen. 2, 128" 
*74. Djv cre minnet »ibt dyrch gut. 

*75. Vro ere ist magt. vn habt doch man. 

76. Ez ist ein forme di wnnder birt. 2, 128* 

77. Swaz dl vil reine trinitat.' 

78. Swaz in der werlt noch geschach.' 

79. Di. edeli_ist ein hoher nam.' 2, 128^ 

80. Daz hohes te dinc da man von seit. 

81. Zwei adel sint an den loten ouch. 

82. Ich bin edel sprichet manic man. 2, 129* 

83. Blanker geberde stünde ir ganc. 2, 141^ 

84. Verguldet kuphfer. versilbert zin.' 2, 141**. 168/?. 
^^85. Ez ist ein wae der lat sieh waten. 

86. Ir vzgesanten bruder seht. 2, 129* 

87. Swa so di lute geordent sint. 

88. Vil manic gvt cristen svnden phligl. 2, 145" 

89. Svnden glust mit wider wer.' 2, 145" 

90. Swem liep geschiht. vn doch nit wol.' 2, 144'* 

91. Geluckes rat ist sinewel. 2, i4tf* 

92. Man swaz dir vnuerdienet kome. 2, 147'* 

93. Waz hilfet ane selde kunst 2, 150^ 

94. Daz hoste vleisch daz ie geträc. 2, 137" 

95. Di reine zunge ist also gut. 2, 143^ 

96. Oben vber. vn vnd^n durch geuarn.' 2, 137** 

97. Sage an munt uol/wilt du dich 2, 124" 

98. Den suren sur. den scharphen scharf.' 2, 144" 

99. Vnde solt ich malen einen man.' 2, 140" 

100. Slrnzes ougen solt ein man.' 2, 140^ 

101. Ein adam der ein euen hat.' Hagen 2, 195" 

102. Swelch gut man hat ein bider wip.* Hagen 2, 195** 

103. Der edel wise vri adam.' Hagen 2, 195'* 

104. Her han ich wil iv siges iehen. 2, 129^ 

105. Swa gut man hat ein nbel wip.' 

106. Tvrnieren was e ritterlich. 

107. Owe dir spil wi hose ein amt. 2, 148** 

108. Daz schoniv wip betwingent man.' 2, 124^ 

109. Der tvuel der geschuf w'rfelspil.' 



336 STROPHBNANP. DER HEIDELB. UBDERSAMMLUNaKN. 

Ez ist eia wurze div schaden birt 2, 129^ 

Swaz got durch der propheten mvnt. 

Vns ist von meren worden kant. 2, 138^ 

Di trankenheit tut grozen schaden 2, 130* 

Wir haben nv eredinge vil. 

Zvcker sfz. honic benit. 2, 130* 

Ein schiltmezic ritters kneht der sol (von anderer 

hand verbtfsert Ez sol ein ritter mezig knecht)2, 137** 

In dirre wilden werlde uert Hagen 2, 189' 

Di haut di muze selic sin/ JlfS. 2, 147' 

Gern gewem vngeme biten 2, 140^ 

Di milte manigen herren hat.' 2, 130" 

Vro milt ir sit vn sit doch nit 

Ist milte ein tvgend als man ir gibt 2, 130** 

Der toren milte di toren lobent/ 2, 124" 

Swind ist ein lop swer daz nv kan 2, 130^ 

Di clucheit ist der kundikeit 

Her vriunt. her vriunt wi tvt ir so. 

5. abtheilungy bl, 21 vw. 
Di engel sinl noch engel kint 2, 131' 
Do got in menschen bilde erschein.' 2, 143^ 
Swer bannen wil. yh bannen sol. 
Ir seht der kirchen in den munt 2, 144* 
Här vn hart nach closter siten. 2, 124^ 
Swer einen schonen wizen man 2, 144* 
Der habest hat vil riebe kint 
Vnreht. vn reht habent lange gestriten 2, 146* 
Wes sumes dv dich endecrist.' 2, 147^ 
Wes sumes dv dich endecrist.' 2, 137^ 
Des uaters swert vnt ouch des svns. 2, 131* 

6. abtheilungy bl. 23 vw. 
Der triwum tnskamer bort.- 2, 149^ 
Walt hat oren uelt gesiht 2, 131* 
Der keiser wil des riches brot.' 
E daz di knappen wider als 6 2, 138* 
Daz rieh was vil sere siech. 2, 131* 
Vor kundiclicher gelichsenheit.' 2, 124* 
Svren mft vn vngewizzen lip. 
Got alter vn niwer crist. 2, 131^ ' 



110. 
♦111. 

112. 

113. 
*114. 

115. 

116. 

117. 
118. 
119. 
120. 
♦121. 
122. 
123. 
124. 
125. 
126. 

127. 
128. 
129. 
130. 
131. 
132. 
♦133. 
134. 
135. 
136. 
137. 

138. 

139. 
♦140. 

141. 

142. 

143. 
♦144. 

145. 



JPITENANF. DER HEIDELB, LIEDERSAMMLUNGEN, m 

, Ich kaa gebruggen noch gestegcn 

, Venedier di habent vernomen 2, 146' 

. DaÄ riebe daz ist des keisers nihl 2, 131^ 

. Svmliehen vurslen ist daz leit 

. Ein kunic der wol gecront gaL 2, 152' 

, Ein kuuic der aller der wil sia 

. Von rme so bin ich gebor/ 2j 146^ 

. Mir ist geswoUen hie der raul* 

. Ich were vn gerne da Rauit» 

. Her herre vol habt ir einen man 2, 132* 

» Swer einen g ncguc haben wil 

, Swa lugener ist herren bot. 2, 132^ 

. Swa meister Ernst wirt uertriben 

. Der lecker munde zunge ist sne[ 2, 147^ 

, Her hagene ir sit dem man so wis/ 2, 149* 

, Ich quam geriten in ein lanl 

. Ein houschricke wände ein lewe sin/ 2, 132^ 

. Ein clage in minem herzen hat *>^* 

- Ein voUenkomen mensch vunf sinne hat 2, 133* 

, Merke tnmbes mütes iunger man 

. Swer minnen will nach minne site, • •• 

\ Der rehte gute sol niht gern » 

• Vergoldet knppfer. uersilbert zin := 84 Ü. 
. Ein vngebelen geuaterschaft 2, 133^ 

\. Gesoten Ivge gebraten luge. 

. Div werlt gelichet sich dem mer 

. Di wildener di habent site. 

, Ewiuel machet zwiuel mH 

. ich enrvche sagt weder abe noch an 2, 147* 

. agez du bist ein übel diep 

, vil wiser man nv bore mir, 2, 134* 

, beachalTen vnt ez mustc sin, 

• nv merken t alle wi daz ziml/ 2, 134^ 
. e^ was ein gar ynselic man. 

, einem vischer tromt er solle lan. 
. in miner abentzit ich bin 2, 135* 
. di werlt ist wunderlich. 
. swenne ein vlurzvn drü iar gestat» 
, wir haben gehört lange wol. 2, 135^ 
P. D. A. liL 22 




SS8 »TROPIieNANF.DERBEiDBLB. UKDBRSAlUfLDNGBN. 

atzunge ist heiren houe ein hagel. 

so wac gellt so wint geligt. 

-in melier wol genierter wagen. 

nv merket waz daz si durch got. 2, 149* 

nv seht wie listic daz er was. 2, 148* 

sich mensch dich vvr. warte wer du bist. 2, 136* 

vil tvmber mensch ich rate dir. 

swer ane svnde welle yeruarn. 

ez yfr ein eben heriv diet 2, 150^ 

7. abtheütmgy bL 32 rto. 
dO fro ere saz an ir gerihte. 
ginge vngevfige rf von den nidem. 
jch weiz wol daz ere ibt mute, 
gelucke wil sich lazen vindön. 
stivre edel ritter dinem munde» 
vro werlt ir altet vn boset. 
ez sprechent wol gezogene lute. 
-i minne hat reht der sinnen craft. 
swa minne ein gougelspil wil machen. :z= 32 «r. 
swa zwene mvnde gernt gelich. = 31a. 
wer sol des einer vrowen danken, 
man sol den vrowen minne erulehen. 
swa minne sluzet vnuerdrozzen. == 33 a. 
der hohesten zuht ein meistrinne, 
swer vrowun diener wesen welle, 
ein man der .hober minne lachet, 
schäm di man borget durch di geste. 
jr vrowen swa di herren lazzen. 
neronis volger vn erodis. 
man sagt der struz kunne isen slinden. 
der tuvel ist ein lugenere. 
so ich di ratgeben des begruze. 

8. abtheüung, bL Z^ vw. 
der minniclichen vrowen twingen 
daz von den wolgemuten wiben 
wil aber ir sehen so nahen reichen 
daz liebiv wip di man gewerten. . 
swa minniclicher vrowen grfizen. 
swa vrowun schone vnde vrowun gute. Hagen. 3, 421* 



185. 
186. 
187. 
188. 
189. 
190. 
191. 
192. 
)93. 

♦194. 
♦195. 
♦196. 
♦197. 
♦198. 
♦199. 
♦200. 
♦201. 

202. 

203. 
♦204. 
♦205. 

206. 
♦207. 
♦208. 
♦209. 
♦210. 
♦211. 
♦212. 
♦213. 
♦214. 
♦215. 

♦216. 
♦217. 
♦218. 
♦219. 
♦220. 
221. 



IPIIENäNF, DEH HEIDELB, LIEDERSAMMLUNGEN. SJt 

[, -urch liebi raaniger wirt ze kiude. Hagen ^, 421'' 
, -ich diihle ein vrowc gecleidet woL 
. min vrowe der icb wol giites gau. 
, der vrowe n hören, der vtow€ii sehen* 
, Waz hilfet mich daz ichziivrcoieden vrödenvar, 1, 165* 
. Wereichnuminals ich min e gewesen bin. Hgn I,3Ö9"! 
. Daz si mir ist so liep tete ir daz wol* JUS^ 1, 165* 
, So we dir werit daz ich dir nikt entriDnen mac. 1, 166* 
, Swer vrowea uiinne trvtel vn ir ere Eiht, ffg^n 3,421^1 
. Ein wol versuniie vrowe soliiibtdieDsEesme Hgn3^A2Z^ 
* Di iungen uberwunden etswenue ir iugent. 
, Swelch man di iar hat anc mvt, di doch manzilic sinL 
9. abtheihi/ig, öi~ 38 vw. i ' 

, Vrone wahter nu wecke v 

, Lat iv ir minoe vnmere* 

, Vf dirrc wilden werllc wart* ^ 

. Nach disen zwein svnden pQugen. - - .t 

, Mannes herze in herren lihe- 

10p abtkeihmg^ bLZ^rm. ti| ,^» 

. Ez troumte des ist manic iar, MS. 1, 129* 
. Die ueter habenl ir kint erzogen. 
, Wer zieret nu der ercn sah 
, Owe dir werlte wi abel dn slest* 1, 128' 
, Nv wacht vns get zv der tac. 
, Swer ane vorhte herregot. 1, 128^ 
, Waz wundere in der werlte uert* l, 127^ 
. Swer houbetsvnde vnt schände tvt. 1, 128*' 
. Jvnc man in swelher ahte dv bist, 
. Mit seiden nifze ich hivte vf sten. 1, r^y 
. Der hof ze wiene sprach zv mir. 1, I2y*' 
. Mir ist verspart der seiden tor, 1, 128" 
. Vil wundern wol gemäht wip, 1, nft^ 
. Ir houhet daz ist so wunnerieh. 
■ Got het ir wengel hohen vliz. 

Si hat ein kvssen daz ist rot, 

Ir arme, ir hende. itweder ir viiz. 

Ich höre iv so vil der tagende iehen. 1? l^^ 

^Hf der hälße des JuMßen qmtterns abgebrochen 

mit den worien kvnd ich leben* tmn, 

22" 




II 



340 STROPHENANP. DER HEIDBLB. LIBDERSAMMLCN6EN. 

rf. Von späterer hand^ bL 41 mo. 

1. nein vnde ia daz ist min eit. Docens nusc. 1, 115. 

2. wEr koppen orden niet virbirt. 

d. Von einer dritten hand, bL 42 rw. 

3. Min frende wert niht lange Hagen 2, 351^ 

4. Maria kuniginne. Hagen 2, 352^ 

5. Der dot wil hie verdring^n. Hagen 2, 352* 

H. Sammlung geistlicher lieder, in breiter sächsi - 
scher schriji^ der Sammlung D angebunden* (Hei- 
delb. hs. 350, bL 43—64). 
*1. Wa sintnu alle die aon minnin sungin.e. Hagen 3,451* 

2. God herreuon anegenge god. unde anch ane ende gar.2,212^ 

3. Lob nach gode daz hohste. solle wir gebin der hohin med. 

4. Uns bezeichiut der glaube daz anegenge si. [2, 213* 

5. Uz einem worte wus ein god der doch ie wesinde was. 

MiUler 422. 
*6. Des holdirbanmis smag hat einin unadilichin smag. 

7. Ir engele hohit uwin sang. 2, 151*" 
*8. Maria dir wart gekant 
*9. Dra groze wnndir die sint beshribin. 
*10. Waz man von allin creaturin seit. 
*11. Uil wundir wundirlichir got. 
*12. Wol ieme der den bestin phat 

13. Man siehit nach gode ein bilde malin martilaar. = 116 ff. 

14. Maria godis dohtir mudir lebindig brut. Hagen 2, 343^ 

15. Swer godis brotwil niezin. und sin Mut dar zu.=:117ff. 

16. Nieman sal sinis leidis also drurig wesin Hagen 3, 125* 
*17. Ein rieh gewaltig hoher kÄnig was hie beuor. 

*18. Uil maniger noch besitzit sins aadir lant. 
* 19. Gedenkit hohe f&rstin richir lande wit. 

20. War sint die Bebeste komin wa ist ir gewalt. Hgn 3,125* 

21. Ich clage den uatir vor« ich clage die muter nach. Hagen 
♦22. Moyses der rette ane alUn haz. [3, 125'* 
♦23. Sit dich diz wunder umme ied. 

♦24. N^ stat der walt mid füre gar. 

I * ich habe diese Sammlung^ früher zuweilen unter der bezeichnung 
jff angeführt; wodurch einem zu/all mehr als billig ehre geschieht. 



iOPHBNANF. DER HEIDBLB. UBOBRSAIIMLUNGBN. »41 

, Moyses dir wirt uon mir gaset. ^ 

. Moyses der fragele für baz. 

. Daz riebe sibin färstin bat. 

. Uor drizig iarin stunt iz baz 

. JLVe Maria god in ewekeide. 

. AVe Maria mfitir allir gnade. 

. AVe Maria. Gabrielis gruzin. 

. AVe Maria, wer zu dir gedingit. 

. AVe Maria, waz man von dir singin. 

. AVe Maria reinir spilindir sonne. 

. AVe Maria waz dl gnade enj^hienge. 

. AVe Maria, wol dir ganzir wanne. 

. AVe Maria wundiriicbiz wundir. 

. AVe Maria allir megede frauwe. 

. AVe Maria iemerlicbis smerzin. 

. AVe Maria dinis berzin sere. 

. AVe Maria süzir mandilkeme. 

. AVe Maria, diz iudin gesiebte. 

. AVe Maria, da uon wart nibt wundir. 

, AVe Maria. Got is ein gruntueste. 

. AVe Maria lebinde biemil spise. 

. AVe Maria, zarte magt stete. 

. AVe Maria, froude manigfeltig. 

. AVe Maria, uon yesse du gerte. 

. AVe Maria mätir ane swere. 

• AVe Maria. Wir warin nemihtit. 

. AVe Maria. Nu ist bien gesbeidin. 

. AVe Maria. Wer din maget gedenkit. 

. AVe Maria, aaronis rute. 

. AVe Maria reinir morgin steme. 

. AVe Maria. Magit wis ein Urkunde. 

. AVe Maria, lutir sint dine augin« 

. AVe Maria. Reine firauwe wise. 

. AVe Maria. Wer ist sie die gute. 

. AVe Maria. Sbur.der ungerebtin. 

. AVe Maria. Bit din kint daz reine. 

. AVe Maria, unsir bcil bcsundir. 

. AVe Maria. Grünt rebus glaubin. 

. AVe Maria. La dicb frauwe erbannin- 



34!^ STROPHBNANP. DER HBIDBLB. LDBDBRSAMMLDNGBN. 

*64. AVe Maria Rose in meien dauwe. 

♦65. AVe Maria, wazzir für luft erde 

♦66. AVe Maria, magit min lebtn krankit. 

♦67. AVe Maria. La mich iiiht uergezzb. 

♦68. AVe Maria. Vor deme grozin zorne. 

♦69. BJVa din grozir widir mul. 

♦70. Ave in gotis orin was. 

♦7!. Eva daz ich mit flftcfae dir. 

♦72. Ave du hohir erin hört. 

♦73. Eva du bist die erste gewcsin. 

*74. Gehouit uerhonit unde nngeboait. 

♦76. Uerhofter shalg waz sol din lebin. 

♦76. Ich wil deme ungehoftin man. 

*77. God hat ime rehtin sin gegebin. 

♦78. Dvrch god dn sage mir meistir min. 

*79. nfOe der werde sich in gadzin druwin hielt. 

♦80. Uon winis kraft der aide in grozem f^isin lag. 
i ♦81. Sem bot deme altin da er lag die linctin hant, 

^ ^82. Ein kunig der gewaltis pligt. unde rehtis gert. 

I ♦83. Uon einis wibis shone hub sich nngemach. 

f ^84. God der wol alle sache shone riehtin kan. 

♦85. Dauid der kunig leite da zu felde sich. 

♦86. Saul der den risin bette der der krefte wiell. 

♦87. Dauid die krönen alsuSsininnicliche erwarb. 

88. Gewalt mag meldin undirstan. MS. 2, 127^ 

89. Da minne menshin müt besaz. ir wunder wolte debin. 

[2, 177-^ 

♦90. Da minne mensohin mfit besaz. sich h&b ünstedekeit. 

♦9i. uf grozin ungewin. 

♦92. ir wundir warin vil. 

♦93. ^g iietie sie da uor. 

♦94. e. was sie wordin kunt. 

♦96. uf wandillicbin ker. 

♦96. Dairid daz wart dir knnt. 

nach dem 59n Jhhit ein blatt, düs 18» der stmmlung 
H, rf. h, drei ganze Strophen. 
*100. bide Maria kunegin; 

*101. Da minne menshin m&t besaz. sie wart Paulo bekant. 
♦102. ^ Petre waz det sie dir. 



STROPHIflNLANr. OBR HEmSU. LIBMRSAM^^ 948 

*103. Da minne mensthin üfit biesaz« iDim watf wandeis fri. 

•104. wcp hctte sie uz gesänt. 

*105. wie sie do deilte sieh. 

•10$. AVe Maria. M&tir allir selekeit. 
*107. AVe Maria. Waz der creatmin lebt. 
•108, AVe Maria. Magit da bist gnadia fol. 
•109. AVe Maria, zuht bi dir gehfisil hat. 
•110. AVe Maria« Tempil der driaaldekeit. 
•lll. AVe Maria. Mit dir ist der godis Thron. 
•112. AVe Maria. Wol dem minnenclichiB dag«. 
•113. AVe Maria. Minnindicbir morgin rot. 
•114. AVe Maria. Gnade niinnencliche magit. 
•115. E Godis herze breche uon dea dodis kraft* 

116. Man siehit nach gode wi bilde maUn martil nar. :=r 1 3 if . 

117. Wer gotis brot wil niezin. unde sinblutdarzu. :^ IftiT. 

118. Ich sehe dich sheppher aller shepphenonge god. Hagen 

119. Maria godis dohtir muter lebindig ktU. z=: 14ir» [3, 111^ 
bis SU den warten shrine. der drofq^hin durch die 
nach dem 63» fohlt ein büOt, das 230 ifer Samm- 
lung H. 

die anderthalb efmten sputen des 64i» bliUtes sind 
beschrieben, aber die sehriß ist adsgekroM. hier 
eine probe. Das seste sprich, unde mane mich daz 
ich an deme cr&ce schrei, mich durstet, niht nach 
liblichir kraneheit. sundir nach des menshm beMe. 
Daz siebinde sprich unde maae auch daz ich ge- 
drank 

h. f^on späterer kand^ bl4-6A n». 
1. Ibc du wuntfrere, MS. 2, 171*» 
e. Troat al der cristenheit. 2, 172' 
3. Ob allen fw'en fw'e. 2, 170^ 

Jl. Lieder von Regenbog Mamer und Frauenlob, at(f 
vier pergamentblättemf den vorhergehenden Samm- 
lungen D und H angebunden in der Heidelbergi- 
schen handschrißZbOj bl. 65 — 68. 
1. Hie hebet sich an d* Regepog in ^in* langen weis. 
Ich hazze ivch ivden svnder mazze Hagen 3, 351' 



F 



S44 STR(»>BKNANP. DER HBIOELB. LIBDBR8AMMLCNGEIV. 



2. 
3. 
4. 

* 

5. 
6. 

7. 

* 

8. 

* 

9. 

* 

10. 

11. 

t2. 
13. 
14. 
16. 
16. 



Aber der Regenpog sin langweis. 

Wol her an mich welch ivd ist weise 

Aber sa der Regenpog di langweis. 

Jvd gelavbsty daz got biel vn erden Hagen 3, 351^ 

Allez der Regenpog in siner langen weis. 

Da kvnic pharao niht lazzen wolde 

Der Regenpog di langweis 

Jvd waistv waz pharao bedevte. Hagen 3, 353^ 

Aber sa der Regenpog sin langer weis. 

Pharao gelich ich locif^n. 

Hie hebet sich an d' Marener in siner langen weis 

Di moler molent an ein want 

D* mam* sin langweis 

Ein tyer so fremdz ich nie gesach 

Aber sa der Mamer sin langweis ^ 

Johannes in ein latem sach 

Mam' langweis. 

Ich pinz ein morgen rotiv prehen 

Allez der Marn sein langev weis 

Maria lihter himel van. 

Aber sa allez der Marner sin langweis 

Maria höhst* himelhort 

Allez d* Marn* di langweis. 

Maria plvendez mandelreis MS. 2, 173*" 

Der frowelop sin zartiv weis 

Maria rainer maget^. 

D* frowenlop zartweis 

Got seit dein ger drei in ein Crantz. 

Aber der frowenlop di zart weis. 

Svn dv pist svn. svn erbes kint. 

LACHMAMN. 



1. 

2. 
3. 
4. 
5. 
6. 



7. 
8. 



345 



$TROPHENANFANGE DER XXIV. UND XXV- 
ABTHEILUNG DER WÜRZBURGER 

HANDSCHRIFT (Ee). ^ 

E. Hie bebent sich die lieder an des meist j. von der 
vogeiweide^ hern waithers. W. 168 no.* ^« 

mir tut einer siahte wiUe = MS. 1, 138^ 
Dicke dunke ich mich so stete 
Wil er mich vermiden mere. 
Ich getar vor tusent sorgen. 
Sit daz im die besten iehen. 
her walther. so, oder her walther von der yogelweide 

oder walther vor jedßm neuen ton, 
Der riffe tet den clmnen vogelin we. i, 138^ 
Uns hat der winter kalt tö andere not. .1 

Uersfimde ich disen wunnendichen tac. 
9. HEerre got gesegene mich vor sorgen. 

10. AI min firaade lit an einem wibe. 

11. Als ich mder wilen z^ ir gesitze. , 

12. Man sol gutes mannes wirdekeit. 1, 114* 

13. Ich bin als vnschedelichen fro. 

14. Manig* trnret dem doch wol geschiht. 

15. Als ich mit gedanken fmme var. 
*16. Xia waz wirt der kleinen vogelin. 
*17. Owe daz ich also verre. 

*18. Wil sie wider sie lange striten. 
^19. Tumbe Ifite dement mich besunder. 
*20. lieh wil immer singen 
*21. Sie sint verborgen 
22. Frauwe ich wil mit hulden 1, 67* 
*'23. Nieman sol daz rechen 
*24. Ich han ir gedienet 

25. Minne hat sich an genüme. l, 120** 

26. Minne sol daz nemen f&r g&t. 

27. Minne hat noch einen site. 

28. Ich han ir so wol gesprochen. 1, H^ 

29. Frauwe minne ich clage fch mere. 1? I** 




946 STROPHENANP. DER WÖRZB. HS. 

30. Frauwe lat sis niht geniezzen 
81. Fraawe minne ir sult mir Ionen. 
.'S2. Ich bin fwer vrowe ninue« 1, 137^ 

33. SCr sagt ein enlettder bUgerift. 1, 33** 

34. Got der gebe der lieben guten Uc. 

35. Si bat mich do ich iungest von ir schiet. 

36. Waz ob mich ein böte yersimde gar. 

37. Miner sinne ich do halber \erf9Z. 

38. mril aber ieman wesen fro. 1, 114^ 

39. Wie die selde cleiden kan 

40. !Frauwe als ich gedenke an dich. 

41. Swer yerholne swere trage. 

42. Daz ich dich so selten gruzze. 1, 139* 

43. Ingesaeh nie tage suchen. 

44. Dv solt eine rede rermiden 

45. Min firauwe ist ein vnselic wip. 1, 118* 

46. Owe miner wnnnenclichen tage 

47. Ingesaeh nie haobet baz gezogen. 
*48. Si hat mir beschriden vil manigen tac. 
'*'49. Maniger claget sin fraawe spreche nein. 
*50. Hertze liebez fianwelin» 

51. Franire nement disoi crantz. 1, 125* 

52. Frauwe ir sit so wol getan. 

53. Sie nam daz ich ir bot. 

54. Mir ist von ir geschehen. 1, 136^ 

55. Die mir disen winter firaude hat benürae. 

56. Zwene herzeliche fluche kan ich Aach. 

57. Herrent vn frunt nu ratent mir. 

58. Hertzeliebez firauwelin. 1, 117' 

59. Si verwizzent mir daz ich 

60. Bi der schöne ist dicke haz. 

61. Ich vertrage als ich vertruc. 

62. Hastu truwe vn stetikeit. 1, 117^ 

63. Bin ich dir vnmere 

64. Frauwe des rersinne 

65. Sol daz sin diu h&te. 
*66. Sie beginnent alle 

67. mich nimet immer wnnder waz ein wip 1, 119* 

68. Habe ir ieman iht von mir gelogen* 



STRÜPHENAWF, DER WURZß. HS. 



SIT 



69* 
70. 

*72, 
*73, 
*74. 
*75, 
*76, 
*77, 

78. 

79. 

80. 

El. 

B2. 

83. 

84. 

85. 

86. 

87, 
*88* 
*8Ö. 

*92. 

03. 

94, 

95. 

96. 

97. 

98. 

99. 
100. 
101. 
102. 
103. 
104. 
105. 
106. 
•107. 



Da sie wonet do woneat wol tuseut man. 

Wii sie fuge für die schöne neme 

Lat V sagen wie tz vmme ir zauber stat. 

Ich ban die zit wol gesehen ander linden* 

Swaz grünes was. daz bliebet hesuoden 

Alz tz nn stat so Ist es zv sorgen 

Swer wip wil sehen, beide schöne vjj wise 

Da mac ein man. wol Verliesen die sinne. 

Sie selic wip. daz ich so lange mide 

Frauwe ir lal ^ch nit v^dri^'zze 1, 106* 

Ich muz f ZV redene günnen 1, 106^ 

Frauwe daz wil leb v leren. 

Beide scbauwen vii griizzcn* 

Frauwe daz wil ich so wagen. 4iifi Jnfj ^4^ 

Miange swigen hete ich gedaht 1, 124^ 

Höret wunder wie mir ist geschehea 

Sol icb in ir dienste werden alt. 

Do mich duhte daz sie were gilt, 

Vwe waz sie fluche leiden sol. 

Jarlanc sinL die tage trübe. ^ < 

Snmer du hast manlge gute. ^» 

Winter du hast lange nchte, • 

Ligen s an angest vii warme, § 

Wol bediirfle ich guter sinne. 

Bi den lüten nieman hat. 1, t39^ 

Leider ich müz mich entwenen. 

Maniger wenet der mich siht. 

Ich han ir gedienet viL 

lehn weiz wje iz erwerben mac. 

UWer gesach ie bezzer iar. 

Swa so liep bi liebe lit. 

Ich wil einer helfen clagen. Ij 140* 

Mr sült alle sprechen wilküme 1, 110'" 

Ich wil tuschen frauwen sagen. 

Von der elhc biz an den rin. 

Falsches Volk ist gar betrogen 

Ich han lande vii gesehen, 

IVic han ich vii selig man. =: 9 F- 

Were ich bi ir tusent iar. • 



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IV 




348 STROPHENANF. DER WÜRZB. HS. 

* 108. Eines dinges prise ich sie. 

* 109. Köndfi, ich des geniezzen iht. 

110. Ich bin na so rehte Iro. 1^ 140* 

111. lehn sach die guten nie 

112. Disen wunnenclichen sanc. 

113. Dazn könde nieman mir 

114. Höra walther wie ez mir stat. 

115. mrer mac dir gewarten 1, 120'' 

116. Dv hast guter dinge vil. 

117. Werft da solt niht 

118. Werft tu des ich dich bite. 
*119. Werft wie lange soi ich gern. 
*120. Ich han ir gedienet so 

121. Dir hat enboten firaawe gut. 1, 182** 

122. Dv solt im böte minen dienst sagen. 

123. Do ich der rede alrerst began. 

1 24. Swer gibt daz minne sonde si. z=: 29^s (zeäschr. 1 , 237) 

125. ttot gebe ir immer guten tac. 1, 140* 

126. Ich were dicke gerne firo. 1, 140*" 

127. Got hat vil wol ze mir getan. 

128. Ez tut mir innencliche we. 

129. Sit daz ich eigenlichen soL 

130. IWeder ist ez fbel oder ist ez gut. 

131. Vwie kummet daz ich so manigem man 

132. Sie sehe daz sie inne sich bewar. 1, 141* 

133. Swie noch min iraude an zwifei stat. 

134. Gnuge kfinnen desto baz 

135. Die grisen wolten mich des fber kümen. 

136. Min äuge michel wunder siht. 

137. Hie bevor dos alle waren fro. 

138. Sich hub ein vngefuger zorn 1, 164* 

139. Zehant do sie verSunden sich. 

140. Sie git vns immer fraude vil. 

141. Wenne daz ich sinnenclichen tobe. 

142. Ez wizzen alle Ifite niht. 1, 165* 

143. Ich han ein hertze daz mir noch soll, 165** 

144. Sol mir nu leide von ir geschehen. 

145. Der vngezogenen ist so vil. 

* 146. Uil selic man gedenke min 



STROPHENANF. DER WIRZB, RS. 



i 

ili 



47» Die liebes wal vft wetiseL bau. 

48, Ich lebet ir wol vn ane nit. I, US* 

49, Noch dtilte ich taugenUchen schadea (L bskz) 

50, Mac iemaß deste wiser sin* 
5t. Min frauwe i^t tiader wiln bie 1» 115* 
52. Ich fraude helfeloser man* !, 110* 
[53, Vil miüDecliche minae ich han 

54. Genade frauwe mioae ich v&ge 

55. Gnade riche miDiie la. 
lös, Dv selde teilet vmme sich mich. 

57, Saget mir ieman w^z ist minae. 1« 123* 

58. Ob ich rehte raten kfinne 
59* Frauwe ich tra^e ein teil zi swere* 
60* Ich wii also singen immer. :^ AB F, 
6i* Kau min frauwe sQzze süzzen I, t2S* 

62. Hie schamelosen liezzeu sie mich ane not. Ij 122^ 

63. Wie wol der beide ir manicvalte varwe stal, 1^122* 

64. Ich mac der guten niht vergezzen noch cnsol 

65. Hie zwifelere sprechent ez si allez tot 1, 120* 

66. Ich wände daz sie were missewende fri. 

67. Ich han f gar gesaget daz ir misse stat. 1, 120** 

68. Der also gutes wihes gerte als ich da ger. 

69. Die loiien schelten guten wibeu mlnen sauo. 

70. leb höre f so viL der lugende iehen, i, llö"" 
71* K5nde ich die mazze als ich enkau. 1, 116" 
72. Sie wMent daz die stellkeit, 

173. leb sage ^ wer vns wol behaget, 

74* leb wil teiln c ich var 1, 115^ 

75, Sit mir denne nit mer werden mac. = 31 F- 

76. Man mac wol offenbare sehen. ^ 30 F. 

77. Ich han vü deine andir bciagel. 3=: 32 F. 

78, Ich wil nu mer vf ir genade wesen fro. 
7Ü. Ich wiinsche so werde daz ich noch geligc. 

80. Min vngemacb daz ich durch sie erliden han. 

81. Owe daz mir so maniger misschieten sol, 

82. (So die blumen vz dem grase dringen. 1, 116' 

83. Swa ein edcle frauwe schone vn reine. 
S4. Aller werdekeit ein f&gerinne. 





;-.4 



M' 



185. 
186. 
187. 

188. 

189. 

190. 
♦191. 
♦192. 
♦193. 

194. 

195. 
♦196. 

197, 

198. 

199. 

200. 

201. 
♦202, 

203. 

204. 

205. 

206. 

207. 

208. 

209. 

210. 

211. 

212. 



STR0PKNANF. DER WURZB. HS. 

Mider minne heizzet die da swaehet. 
Wol dan ir sult die warheit. schaawen. 
Ich was leidic ror allen wiben. = 38 F. 

Man saget mir daz lute sterben* 1, 10* 

Wer hat ir gesaget mere. I» 10*" 

Mir gat einez ime hertzen. 

Waz wirret daz sie mich vememe. 

IlTölt der wint* schier zer gan. 

Ich wünsche daz der winter zerge. 
, M&htich verslaffen des winters zit. 1, 113^ 
, Vns hat der winter geschadet fber al. 

Swaz mir nu wirret des wirt allez rat. 
, -in meister las 1, 141^ 
, Ein tnmmer wan. 
. Vwie sol ein man 
, Heiliger krist 

, A.lrerst sihe ich mir werde. 1, 104* 
. Me danne tusent hundert wunder 
, SchSne lant rieh vn here. 
, Sit liez er sich taufen. 1, 104^ 
, Dannen für er hin zer helle 

Do er den tufel dort geschande. 

Gristen iuden 

In diz lant hat er gesprochen 

Vnser lantrihtere rihten. 

Ir lat fch niht verdriezzen. 

Dar nach was er in dem lande 1, 105* 

Owe wa sint verswunden alle mine iar. 1, 141** 

bis also ob ez si gelogen, die mine 

nach dem 180« blatt fehlen sieben* im repertorium der 
handschrift bl, 2 vw, sieht xxiiij. Lid* h'n walth^s 
vö d* vogelweide vnd binde nach ein getiht des Rd^ 
s.. 



E. bl. 181 VW, nach dem repertorium bl. 2 mt). 
Hera R.e][mars lied\ vnd hindenach vö alle sin^n ey ^ 
lobelich rede, lupoides hornburgs vö roleb^j^. Mt% iri/ ; 

213. also dar. vn hüten daz sie noch erwuten=:Reim. 7b B. 

214. Mich genidet nimmer selic man. = 79 B. 



STROraBNANP. DER WURZB. HS. S51 

215. Ich wene ieman lebe, er habe eia leit, xz SO B. 

216. Mir ist lieber daz ir ir eoper. = 81 B. 
^217. lo engienc ir nie daz ich gesprach.* 

218. h* reymar, so vor jedem tone, vor dem folgenden steht 

von späterer hand 13. sie zählt 46 lieder Walihers 
bis an die lückey und 44 Beimars. 
Mch han rarender fraaden tU 1, 70* 

219. Lide ich not vn erbeit. 

220. Daz ich ir gediente ie lae. 1, 70^ 

221. Nie wart grozzer yngemach. 

222. Ich han immer teil an ir. 

223. Mch gehabe mich wol. vn enruchte ie doch. 

224. £z erbarmet mich daz sie alle iehent. 

225. Ich bin aller dinge ein selic man. 

226* Die ich mir zf fravden hete erkom, 1, 82* 

227. Treit mir ieman tangenlichen haz. 1, 71* 

*228. Ich wil immer gemer fmme sehen. 

229. Iiieber böte na wirbe also. 1, 71^ 

230. Frage er wie ich mich gehabe. Hagen 1^ iSff* 

231. Sprech er daz er wolle her. 1, 71^ 

232. Des er gert daz ist der tat. 
*233. Daz ich also vil do von 

234. Ich tun mit disen dingen niht. 1, 80* 

235. Do idä fraaden mich versach 

236. Uerliesen mich die fraude gern 
' 237. Ich han in anders niht getan. 

238. Wie bin aber ich alsus gar verzaget. 1, 80^ 
*239. Ich solt beliben si. 
*240. Wes versum ich tammer man. 

* ist diese strophe vielleicht irgendwo in der hagenschen samm^ 
lung versteckt, so kann ich sie wenigstens nicht ßnden. 
lo engienc ir nie daz ich gesprach, 
so nahen daz ez were ihtes wert. 
8ol mich daz veriagen daz ich sie sach. 
vn ich auch ihtes dor ynder han gegiert, 
daz ich solte han verswigen. . 
owe wie ist daz gedif^en 
vnschone. 

nach so cleime lone. 
hon ich selten noch genigen. 



il 
«I 

1 



352 STROPHBNANF. DER WURZB. HS. 

*24i. We daz sie so maniger sibt. 
2412. S^az in allen landen 1, 68^ 

243. Sie hat selten 

244. Nieman immer verweste 

245. Mich betwanc ein mere. 

246. Ich wil allez gaben. 

247. mir ist ein not for allem mime leide. 

248. niht en vinde ich tr&wen dest ein ende. 

249. Swie dicke ich g efrege gäter mere. 

250. Wol den äugen die daz wellen kfinnen. 
*25i. Daz ein man der ie mit bösem mute. 

252. BEertzelicher fraude wart mir nie so not. 1, 82' 

253. Waz vmmaze ist daz ob ich han geswom 

254. lehn gesprach nie daz si an mir tete wol. Hgn 1, 199* 

255. Ungefüger schimpf bestet mich alle tage. MS. 1, 82. 
^^256. Waz ich böser handelunge han. eriiden tvr.ito. 

257. Ich was vro vn bin daz vnte an minen tot. 1, 68* 

258. Ion singe ich zware durch mich eine niht. 

259. Ich wil aller der empem die min empern 
*260. Ich bin von minen iarn 

261. Waz ich dulde an mime libe. Hagen 3, 318^ 

262. West ich rehte wie ez were Hagen 3, 318^ 
^^263. Ez ist allez an ir eine. 

264. Ich gesach nie wip so stete. Hagen 3, 318^ 

265. We war vmme trurn wir. MS. 1, 180^ 

266. Daz ein wip getruwe si. 

267. Die enwii mich niht gewem. 

268. Reht ist daz ein selic man. 

269. IRTest ich w.o man frauden pflege. 1^'^72^ 

270. Wil aber ieman guter lachen. 
'*'271. Der ie kam an liebe stat. 

*272. Ich gedinge vf der vil guten rat.* 

auch diese Strophen kann ich in der hagensehen Sammlung nicht 



ßnden. 



Der ie kam an liebe stat. 
der hüte sich 

miner fraude was vi] nach mat. 
wenne daz got mich 
brahie vz grozzer not. 
so sol ein wip 



y^U^^^ Jiif\.Wi, 



STROPBENANP. DER WÜRZB. HS. 

273. Ane swere 1, 83* 

274. Min geselle 

275. Min gedinge 

276. Wol den Üben 

277. Ich wer stete 

278. Zu dem scheiden 

279. An miner besten firaiude ich saz* 1, 74** 

280. Hete ich z^ dirre somm^zit. 

281. Ein missebieten tut mir niht 1, 75* 

282. Ich han nach wane dicke wol 1, 77* 

283. Dem Tch so maniger eren sol. 1, 78" 

284. .Crewan ich ie dekeinen mut 1, 62^ 

285. Wie ist ime ze mute wundert mich. 1, 62* 

286. Do Sprechens zit was wider die wip. i, 62^' 

287. Die liebe hat ir varende gut. 1, 63* 

288. Owe trum yü clagen. 1, 63^ 

289. Ime ist vil wol der mac gesagen. 1, 63* 

290. So ez iergea n^het dem tage 

291. Der lange suzze kummer mia. 1, 67* 

292. Mac sie mich doch lazzen sehen. 1, 68* 

293. Wa nu getruwer frunde rat. i, 67^ 

294. Daz sie mich als Tuwerdeii habe. 

295. Owe daz alle üe nu leben. 

296. Ein rede der likte tut mir we. 

297. Ich wirbe ^me allez daz ein man 1, 64^ 

298. Sie ist mir liep vn dfinket mich. 1, 65* 

299. Als etswenne mir der mut. i, 64^ 

300. Swaz iar ich noch ze lebene han 1^ 65* 

301. Mac ich daz mirs min sdie g«n. i, 64^ 

302. Daz ich min leit so lange clage. 1, 64*; 

gedenken wa2 n mir gebot, 
do in grozzen sorgen st&nt min lip. 
Ich gedinge vf der tiI gftten rat. 
als der tut. 

der sich nieman ledigen lat. 
vf ^l sin gut. 
vn han mich selber dar 
gegeben 
DU getar 

ich leider mäten ailites. sas ist min tebta. 
Z. F. D. A. IIL 23 



354 STROPHENANF. DER WURZB. HS. 

303. Gnade ist endelicben da. 1, 64^ 

304. Ich wil von ir nibt ledic sin. 

305. Wol im daz er ie wart gebom. 
}06. "Waz ich nfiwer mere sage, 1, 66^ 

307. Die hochgemuten zihent mich. 1, 67* 

308. So wol Air wip wie rein ein nam^. 

309. Zwei dinc han ich mir f&r geleit. 
*310. Ob ich nu tun yii han getan. 

311. Mich h6het daz mich lange erhAhen sol. 1, 65* 

312. Wie mac mir ein wip so rebte liep gesin. 

313. Ich sach sie wer ez alder werelde leit. 1, 66^ 

314. Owe daz ich einer rede vergaz. 

315. In disen bAsen vngetr&wen tagen. 

316. Der aldie werit gefrauwet ie baz denne ich. 

317. Ich alte ie von tage ze tage. 1, 63^ 

318. Nu mich min sprechen nibt enkan. 1, 64* 

319. So vil als ich gesanc nie man. 

320. West ich nibt daz sie mich mac. 

321. lehn wände niht ez were spot. 1,63^ 

322. Daz beste daz ieman gesprach. 1, 65* 

323. Hete ich der gaten ie gelogen. 1, 65^ 

324. Wie dicke ich in den sollen 

325. Min rede ist also nahen kummen. 1, 65* 

326. Süya wiser man sol niht ze vil. 1, 66* 

327. Sie iehent daz die stete sie ein tngent. 

328. War fmme fugent sie mir leit. 

329. Tut ein leit nach liebe we. 1, 67* 

330. Des einen vn deheines me. 

331. Ich weiz den wec nn lange wol. 1, 65^ 

332. Ich lebte ie nach der l&te sage. 1, 62'' 

333. Ist daz mich dienest helfen sol. 1, 63* 

334. Wie kummet daz ich so wol verstan 1, 124* 

335. niir kummet etswenne ein tac. 1, 62* 

336. Ich han ril ledelichen braht 

337. Ich wirde iemerlichen alt. 
*S38. Möhte ich der werlde 

339. Des ich nu lange han gedaht. 1, 81' 

340. Spreche ein wip la senede not. 

341. Mir ist vil we daz ich sol sage. 



STROPHßNANF. DER WÜRZÖ. US. 



»55 



42. 
43, 
44. 
45, 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
5K 
52. 
53- 
S4. 
53. 
56. 
57. 

&d. 

50, 
Sl. 
52. 
53. 
B4. 
55. 
56. 
i7. 
J8. 
59. 

ro. 

r2. 

r4. 



r. /;/. 189 jw. * Anhang, von derxeiben kand ge* 
sehrieben, vor jedem ton steht h* rcymar, ^ur 
nicht 350. 
Iiop der reinen wibe mac 1, 170'' 
An der ich mit trüwen bin. 
Wie ist die werlt also verzag« L 
Ein vil hoher niiwer wan. 
Mir ist der werlde vnslete. 
Wiser dentie ich were. 
Sol ich des eogeken. 
Vn ergienge ez inimer, 
lehn weiz waz ich singen sof« 
Wie tut die reine süzze also. 1, 76'' 
lehn kumme des willen nimmer abc. ' 
Sprech ich nv daz mir wol gelnngen were. I, 76^ 
Ich wil dir selic franwe minneclicben singen. 
Hie vor do man so rehle minneclinhen warp. 1,116*' 
Zwo fSge han ich doch swie vngcffige ich si, 1,117* 
Ich sage ^ waz vns den gemeinen schaden tut. 1, 116'' 
Wip muz immer sin der wibe hÖst' name. 
Ich sanc bie vor den wiben f^mme iern blozzen gräz 

1, 117^ 
Kv nüwen Tranden stat min müt. ffagen $, 444* 
Die wile schone mir zergat. 
Eren vn minneclicher schöne. 
Hon ir hohem werden lone. 
Mir ist gescheben ats efme kindeline !, 57' 
Minne die der werlede ir fraude meret. 
Groz angest han ich des gewannen 
Hoher wip von lügenden vn von sinnen. 
VFot mich lieber mere, 
Michn hazzet nieman. 
sölte ich mine liebe 
So sie mit dem balle 
Herre wer hat sie begozzen mit der milche vn mit dem 

blftte. 
In gesach mit minen äugen nie kein mundelin so hcrc. 
Weizgot ich het ir daz bizzen noch vergolten, in der 
^ oster wficben. 




'^1 



356 
♦375. 



^376. 



p5vL 



STROPHENANF. DER WÜRZB. HS. 

We mir sin daz er mir also sere draawet ez ^^rerde 

mir ze leide. 

Ich hete im alle wile vor gestan. ob mich die hüte liezze. 

Hie gen vz hern Reymars lieder. vor dem letjsten 
wort tV^vb'sehe. übergeschrieben, ungewiss ob' t>on 
derselben hand die meist unbedeutendes richtig- ge- 
befsert hat. 
Von anderer hand ist das hier, bl. 191 rw., folgende 
gedieht Leugold Hornbucgs geschrieben, s. Docen 
im altd. museum 2 s. 22. LACHMANN. 



/ 



STROPHENANFANGE DER LEIPZIGER 
HANDSCHMFT. 

(Stadtbibliothek Rep. H 70 a, \A Jh. perg. kleinfolio.) 

W. 91 VW."" bis 93 um;.* 

1. Alle scole is gar eyn wint. MS. 2, 142* 

2. Wa lust wa wnne wa spehe. Hagen 3, 150* 
♦3. Wyp seiden hört der wnnen spil Hagen 3, 360* 
♦4. Man yint in rote bleyge szam. 

5. Wa wiplich wip lieplich toogin lebin mä MS. 2, 155^ 

6. Wa blic an blicke vint sin art Hagen 3, 155* 

7. Ouwe dat mir gebristit. MS. 2, 240* 

8. Wer sin tfze wil instricken. Hagen 2, 314** 
*9. Den reynen wibin sprechint wol Hagen 3, 418* 
10. Eyn man d^ niet erwindin wil. MS. 2, 126^ 

*11. So zart inwart gebore nie wip. Hagen 3, 418* 

*12. Wat eman sayt wat mine si. 

13. Eyn mine dyef d' lieflieb stilt Hagm 3, 28* 

*i4. Wa lyep dyeplich lyep sieb bayt mit ymbe vangi Hagen 

15. Wer aller vrauwen w'dekeit. Hagen 2,184* [3, 418** 

16. So war ich varin vnt wat ich vrauwen han gesien. MS. 

17. Ir müt d' lugtit als d^ ligte rubi doyt. 1, 184^ [1, 185* 
*18. Dy* wol getane tüingit minin sendin lip. Hgn 3,129^ 

19. Ir wisin mirkint wye mir sendin si geszien. MS. 1, 185^ 
*%0. Rijt ader gayt eman geuangin ader gebundin. Hgn 3, 451* 
21. Der edil wise vri adam Hagen 2, 195^ 

* Aerr von der Hagen hat 3, 710* die Leipziger hs. vergeften. 



STROPHENANP. DBR LEIPZIGER HS. iH 

80 wa eyn adam eyne eua hait Hagen 2, 195* 

Wa goit man hait eyn byderae wip IQS** 

Ich ban durch varen widelant. ynd sagte doch ind künde. 

Hagen 3, 453^ 
Ich bin wnt geuangen in geslozsin mit vil ringin 




[bL 93 VW. ^ bis 94 rw, " Ich quam da mit vrenden Bais- 
sen 9 Strophen. Hagen 3, 441*] 

Vi' 

bL 94 VW. " bis 96 rw. * 
Ob allen wnder mirket wol ein wnder grois MS. 2, 232^ 
Wol zunt der edel stein in rodim golde. 2, 236* 
Der eren vogil. {so) dat ist d* szilt. in och suert. Hpi 
Dvrch le*be mang' wirt zu kinde. Hagen^, 421^ [3,419" 
Sich w^'nder wol gemacbit wip. Hagen 3, 419' 
Eyn spegil diner augin si. 

In duser wider wer^lde ein vreude vert Hagen 2, 1 98* 
Dy* truwe vf eyner strasin voir. vntruwe ir widert reyl. 

Hagen 3, 4^ 
Vrauwe ere het groissen szaden ir clage is manichvah. 

Hagen 3, 10^ 
Was sal eyn keiser ane recht, eyn pais ane barremüge. 

JUS. 2,179' 
Eyn valke vf eyme strigge wart Hagen 3, 468 wi" 
Eyn wiser alder edil man hatte eyne valkin guot. Hagen 

3,451^ 
Wa vrauwen schone, iö vrauwen gude. Hagen 3, 421" 
Kusche inderifigent. Hagen 3, 4] 9' 
We vrauwin mine trudit in ir ere niet. Hagen 3, 421 *" 
Somelich' wiue vnstede. MS. 1, 163' 
Wi^was ie der.boisle name 1, 116^ 
Ich geuen vch vrauwen eyne rait Hagen 2, 184^ 
So hie so dort so allenthalue altd. bll. 2,121. Hagen 

3, 419^ 
Of^al der werilde gar geweldich were ein man. MS. 

2,2S0\ altd. bll. 2,1^1 
Mjr is als ich niet leaende si. wan ich intnncken sere. 

MS. 2, 206' 



358 



STROPHENANF. DBR LEIPZIGER HS. 




22. So we mir dumbir. dat mich ymmer langir dage irdrazsit. 
^23. Ich sach eine vraawemineclich. Hagen 3^41^^ [2,207* 
*24. Der vrauwen ich vch bescheiden wil. 
^25. Die YOglin de da sangen ir. 

26. Der eren spegil ist die schäm. MS. 2, 175^ 

27 . Eyn wail vsunne vrauwe . Sal niet dienstis me Hgn 3 , 422' 

u 
^^28. Wer tore vfer beringe sezt. der bei de szale vioren. 

Hagen 3, 452* 

^29. Gut is gut das man vor eren niet in spart. Hgn 3, 420' 

30. Hut der eren zaliin stundin. Hagen 3, 420* (vergl. 818^ 

*31. Wer ccygil kunst da man ir niel erkenit. Hagen 3. 378' 

mit dem ende dieser Strophe schliefst der ternio. es 
folgen bl. 97 vw,'* von anderer kafid Strophen aus 
Dietr ichs drachenkämpfon. mitten in der 29« dieser 
Strophen ist abgebrochen und das übrige des bl. 99 
VW. * leer gelafoen (vergl. grundr. s. 44). 

bl, 99 rw." bis 102 vw." folgt von derselben anderen 
hand Nv hört eyn clage von werden vrouwin Den 
iamer mäch man niet vol scbauwen u.s.w. darauf , 
wie es scheint von anderer hand, Sibilla hait gespro- 
chen tr.^^tf;., ^ Strophen, Hagen Z^^^h. von der 
riickseite von bl. 102 sind anderthalb spalten leer. 

HAUPT. 



KLEINE BEITRAGE ZUR DEUTSCHEN 
MYTHOLOGIE. 

Alles hier mitgetheilte stammt, wo nicht der ort der 
berkunft ausdrücklich bemerkt ist, aus dem Jüchsethale bei 
Meiningen, im fränkischen theile der alten grafschaft Ben- 
neberg. 

1. ZAUBERSPRÜCHE. 

1. gegen den rotblauf. 
Hallernäst, b6p dich auf, 
rutUf, setz dich drauf, 
ich ha dich änn tak: 



M^H 



ZUÄ D- MYTHOLOGIE. 

hk du's joar o tak. 
im ndme n. s. uu 



2* gegen das aboehmen. 

[an nimmt einen reisigkraiittei^ fafst ifin, stellt ihn dann lA 
ne küchenecke und spriefit da^u 

knöttel, i<^^ fafs dieh^ 

knoitelf steal 

st^ä of äna Ml 

des anäme ha ich. 

ich ha^s änn \kk: 

ha du 'S joar o tak, 

5. gegen das aufblähen des viebeä. 

lan geht am karfreiLag (andere sagen, am ersten ostertag) 
or der sonne äüll schweigend an fliefsendes wafser, spult 
ilt der rechten band und dem rechten Ms bis übers gelenk 
arin und spricht dazu 

däfs nifs derplatz, dafs nifs derpleä, 

bäTs ich 6fafs, bäfs ich 6seä. 

im n6me n* s, w. 
ann nimmt man waiser mit nach hause t es halt sich ein 
ganzes jähr und wird nicht stinkend, damit benetzt man die 
and 0^, wodurch die kraft erneuert wird und bis zum 
Lächsten karfrei tag dauert, bestreicht man mit dieser band 
«Iahendes vieb, so hilft es plötzlich. 



4 p hühnersegen. 

Jm ein erkauftes huhn an das haus zu gewöhnen, so dafs 
!S nicht wieder zu seinem früheren besitzer läuft> spricht 
aan, indem man es um das rechte bein dreimal herumzieht, 

hühle, gew^ o ma hac, 

bi ich o mä ba^l 

im n6me v. s, w. 



SM ZVR D. HrrnOLOGIE. 

5. taubensegen. 

Aus dem Camburgischen. eine fremde taube zu gewöhnen 
dafs sie nicht wegfliegt, spricht man über sie 

taube, du sollst wohnen in vier wänden, 

wie die mntter gottes, in Marias händen, 

wie das kind in ihrer demut^ 

wohl hier auf diesem gut. 

im namen u. s, w. 



6. gegen das aipdrücken. 
^ Aus dem Meininger unterlande. 



.f h^f H^^ L 



das wallala 

alle berge durchtra, 

alle wafser durchbat, 

alle bl^tUch äblit, v 

onnerdesse wörds tak, 
fiese formel steht schon gedruckt in Eminenchs Meiuinger 
taschenbuch(1800), mitgetheiltvouReinwatd^ der bei wnliala^ 
das auf den alp zu gehen scheint und vielleii^lil das wallende 
bedeutet, von Walhalla und ihren göttern fasett. aus jcaem 
taschenbuch nahm die formel L. Bechstein in seinen thü- 
riagisdien sagenschatz auf. 



2. ABERGLAUBEN UND GEBRÄUCHE. 

1. wer am trinitatissonntage etwas, and sei es geringes^ 
arbeitet, darein schlägt der blitz, daher stricken und nähen 
die firauen ungern an diesem tage. 

2. an der Rhön im Eisenachischen glaubt man, wenn 
es im i;pätherb8t noch einmal recht blitzt und donnert, dafs 
dann die gewitter heim ziehen. 

3« wean die Under im merz zum fenster hinw$ seh«n 
wollen, rufen ihnen die mütter zu 'guck nett naus, der merz 
hackt dich.' 

4. wenn die kinder in den brunnen sehen, rufen die müt- 
ter *guck nett nei, der wafsermö zerrt dich süst mit sann 
hake ins wafser/ 



ZUR D. MYTHOLOCaE. *" 

5 als goU die blindscUeiche geschaffen hatte, fragte «f 

was sie nun ihun wolle, darauf antwortet* sie ieh werde 

kind im mutterleibe nicht verschonen.* da machte sie 

6. ein Misignest, das gewöhnlich auf erlenbaumen an 
ben versteckt ist, kann niemand entdecken, aufaer wenn 
den schatten desselben im wafser sieht, denn der zeisig 
t ein kostbares steinchen in sein nest, wodurch es un- 

itbar wird. ^^... 

7. auf den wie^n zwischen Rithschenhausen und Woi- 
iLausen, die Bibra genannt, befand sich sonst eine qneUf- 
1 der erzählt man, vor ungefähr dreißig Jahren habe ein 
jin in der heuemte daraus getrunken, sich erkältet, nnd 

davon an der auszehrung erkrankt: jemehr er abzehrt» 
sto mehr habe das wafser abgenommen, und sobald er ge- 
•rben sei habe das brünnlein aufgehört zu fliefsen und sei 
\ jetzt nicht wieder zum Vorschein gekommen. 

8. man erzählt dafs als Vorzeichen der thenrung vom 
ire 1817 brunnen an orten hervorgebrochen sein wo we- 
r vorher noch nachher welche waren. 

9. wenn die landleute zum ersten mal im f™*»™?,"" 
d zum ackern ziehen, so werden sieJes abends bei ibrer 
ckkchr von ihren frauen oder kindern, junge bursohenjp!- 
ähnUch von mädcben, mit wafser bespritzt, das nennt man 

""lO."man glaubt dafs sich im mai die -f-r ««jj«- 
id dafa die kLn die darin herumschwunmen da. Winter 

ft an sich saugen. . . * ^.«t man 

11. von der zunähme des tages i» winter sagt »an 

der tag nimmt za 

Weihnachten einen hahnenschrei, 

heiUge drei könige einen hirschcnsprung, 

lichtmcss eine ganze stand. - ^^j-^. 

12. wenn von einer getreidefrucht das letxte gedra^ 
ihcn wird, so heifst der welcher mit dem dreschflegei ^^ ^ 
tzten schlag thut je nach der getreideart körn-, weiz 
ibejr-, gersten-, linsenesel und bekommt puff«- g^|j,eien 

'" wenn man den kukuk zum ersten »^^ . em d**s 



13. wenn man den kukuk zum ersten n»»^'' . ^^ ^^^ 
öjrt roufs man den geldbeutel schütteln: dann g«"* ^^ 







362 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 



ganze jähr das geld nicht aus. oder man mufs sich auf der 
/ fz i^n erde wälzen: dann bekommt man das jähr über keine kreoz- 
schmerzen und bleibt gesund. 

14. wem die hexe lause angehext (ögemächt) hat, der 
mufs auf einem kreuzweg oder grenzst^in ein feuer machen 
und einen tiegel darüber setzen in den neunerlei holz oder 
neunerlei kräuter gethan worden sind, wenn dies kocht, 
mufs er mit einer sichel hinein hacken: dann bekommt die 
hexe leibschneiden (denn jeder hieb geht in ihren leib) und 
die lause sterben ab. 

15. wenn jemandem lause angemacht worden sind und 
man thut davon eine ungerade zahl in einen federkiel und 
wirft sie stillschweigend in ein offenes grab, so verge- 

* ben sie. 

16. das bluten einer wunde stillt man, wenn man einen 
stein aufhebt d^r sich fest in die erde eingedrückt hat, ihn 
dreimsd übers kreuz auf die wunde drückt so dafs sich blut 
anhängt, und den stein gerade so wie er lag wieder in die 
Vertiefung drückt so dafs das blut in di^ erde kommt. 

17. eine Schnittwunde eitert nicht und heilt bald, wenn 
man das mefser mit dem man sich verwundete in eine lehm- 
wand steckt, oder in ein stück speck, so dafs das Mut mit 
hinein kommt. 

18. schmerz im hohlen zahn heilt man mit einem Sarg- 
nagel den man hinein stufst bis blut daran hängt und dann 
in einen weidenbanm schlägt. 

19. wenn man vor Sonnenaufgang eine schwarze Schnecke 
stillschweigend aufhebt, einen kröpf dreimal damit bestreicht, 
und sie dann an einen dorn im freien felde spiefst oder in 
den Schlot hängt, so schwindet der kröpf jemehr die Schnecke 
zusammendorrt. 

20. zwei Vorderpfoten eines maulwurfes von einem men- 
schen mit den zahnen abgebifsen und in einen läppen genäht 
ohne sie mit den blofsen bänden zu berühren und dann an 
einer schnür den kindern um den hals gehängt erleichtern 
das zahnen. 

21. wenn man einen jungen hasen im hause aufzieht 
um ihn zu mästen und dann zu schlachten, so stirbt er oder 
reifst aus, wenn man den abend vorher sagt 'morgen soU 



ZUR D. MYTHOLOGIE. M 

geschlachtet werden. ' er kann ausreirsen seihst wenn aUa 
5 gange verschlorsea sind. 

22» wenn der storch der auf einem hause nistet im 
ihUng nicht wiederkehrt, so brennt es haid nieder« das 
eifs der storch und deshalb bleibt er aus. dasselbe sagt 
in auch von den schwalben. 

23. die mütter sagen zu den kindern ' wer das hrot 
cht aufifstj sonderii wenn er satt ist das übrige wegwirft, 
r kommt in die hölle : da mufs er steinerne klöfse eisen 
id mistjauehe trinken (ber brüt zubrengt^ der körnt in di 
^Itu ; da mnlse steenere hüz efs on mistpfötsche tr^nk)/ 

24. oslerwalser, Irüli vor Bonnenauf^au^ unaug^esprocUen 
«d abj^ewaudles gesiebtes fjeschö|»ft. hält sich das ganze 
hr oline zu verderben, ist gut für hose äugen und vertreibt 
m kopfschmerz. 

25. stirbt ein kiud ungetaun oder wird es todt gebo- 
in, so wird ein irrlicht daraus, um das zu verhüten mufs 
an es auf dem gotlesacker unter die dachtraufe der kirchc 
jgraben* 

26. wenn bei einem begrähnisse das zeichen (d« i. das 
Uten mit der kleinsten glocke nach dem zweimaligen lau- 
n der grofsen glocke und vor dem ausläuten mit allen 
ocken) geläutet wird und man ilst dazu, so fallen die 
ihne aus. 

27. wenn unter dem läuten bei einem leichenzug die 
tir schlägt, so stirbt bald jemand, auch wenn es unter dem 
BWöhnlichen taglichen läuten zwischen dem dreimaligen an- 
;hlagen zum gebele schlägt. 

28. schlägt die nhr unter dem kindtanfläuten, so mufs 
IS kind sterben. 

29. die weisen manne r und frauen die Sympathie brau- 
leu, oder hlutslillen, sind hilftos und müfsen sterben, wenn 
eselbe krankheit sie befällt die sie zu besprechen verste- 
en, sie können nur fremden leuten helfen, sich selbst nicht- 

30. wer das fener besprechen kann, hinter dem springt 
ä her während er es bespricht und er mufs deshalb hurtig 
ivonlaufeu. 

31. auf einen regenbogen darf man nicht mit tingern 
Juten, sonst wird er blafs und verüert sein ücbt. (seht 



384 ZUR D. MYTHOLOGIB. 

dea präohtigen regenbogen, aber nach dem deutet nicht: 
denn wer deutet ungewogen, mufs es biirsen, wie man spricht. 
Räckerts Schi-king s. 65). 

32.. wenn die rosen im spätheri)st noch einmal zu blä- 
hen anfangen, sei es in einem garten oder auf dem gottes- 
acker ; wenn die rüben, besonders die rotben rüben (runkeln) 
im kelier weifs ausschlagen (weifse blätter treiben), oder 
wenn im feld auf einer rüben oder runkelsattel, einem klee- 
oder wicken- oder erbsenacker eine Staude weifse blätter 
bekommt, oder auch nur wenn der untere Iheil der blätter 
weifs wird, so mufs jemand aus der familie sterben auf de- 
ren eigentbum dies geschieht. 
i^^iflj, 33. es gibt ein farrenkraut i^i waide das heifst irrkraut, 

manche nennen es auch otterkraut (atterkrentich). wenn man 
ohne es zu sehen darüber schreitet, so verwirrt es den köpf 
und man kennt weder weg noch steg mehr, selbst wenn man 
auf den bekanntesten stellen des waldes ist. um das irrege- 
hen zu verhüten mufs man sich niedersetzen und die schuhe 
wechseln oder, wenn es ein frauenzimmer ist, die schürze 
abbinden und sie umgedreht anbinden: alsbald weifs man 
wieder den rechten weg. 

34. wer das otternkraut bei sich trägt, den verfolgen 
die Ottern so lange bis er es wegwirft. 

35. wer von der otter gestochen ist, der muf& sogleich 
an ein'en bach oder sonst ein wafser laufen, kommt er der 
Otter, die so oft sie gebifsen hat das wafser sucht, : zuvor, 
so bleibt er leben ; kommt aber die otter ihm zuvor, so mufs 
er sterben. 

36. blumen, wie levkoijen oder goldlack, deren bluten 
voll werden sollen, müfsen im vollmond gesät werden 5 thut 
man ßs im neumond oder im abnehmenden mond, so werden 
aUe bluten nur einfach. 

37. gänse die viel junge ausbringen sollen müfsen an 
einem freitag im vollmond wenn es am meisten schlägt (mit- 
tags um 12) gesetzt werden. 

38. klopfen und anderer schall schadet den gänsen beim 
brüten und die eier stehen ab. um das zu verhindern mufs 
man ein gefäfs mit wafser neben das nest setzen, denn wa- 
fser zieht den schall an. 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 1M5 

39. wenn ein hubn ein windei (sebä^lles ») legt^ mars 
man es über das haus werfen, sonst brennt das bans nieder. 

40. banns ofPätterkätt (Petri kettenfeier) rtet, so wört 
teuering, on bann alle steutlicb yoli mal hange. 

41. vom wetter bei Marienheimsuchnng gilt 
gfe'tt di Marie tr&cke nü (über das gebirge)^ 
ze gettse näfs ru: 

gettse näfs nu, 

ze g^'ttse tracke ru. 

42. banns of Gehannestak gitt r6, 

da r6nts dernaeh noeh verze tae»; 
banns of Gehannestak gitt göfs, 
geroate nirt di häselnöfs. 

43. den lein mufs man drei tage vor oder drei tage 
nach Johanni säen, dann geräth der flachs, auf den tag Jo- 
hanni darf man aber keinen säen. 

44. scheint lichtm(;ss di sonn oflen sisßy 
so Word der floes (flachs) kle. 

45. wenn die junge frau in das haus ihres mannes ein- 
zug hält, so mufs sie von den weibern dreimal um den herd 
und um den tisch, dann in den keller und in alle gemäcber 
des hauses geführt werden, weil sie so sich eher einge- 
wöhnt. 

46. wenn eine frau das erste mal ihr Wochenbett ver- 
läfst, mufs sie des mannes rock anziehen, seinen hut auf- 
setzen, seinen gehstock nehmen und von der hebamme sich 
in allen stuben und gemachem des hauses herumführen lafsen. 

47. wenn der teig eingesäuert ist und man macht drei 
kreuze mit dem finger darauf, so können die hexen nickt 
darüber. 

48. wenn beim buttern der rahm nicht geradien will, 
so mufs man ein dreikreuzmefser, einen erbschiüfsel oder 
dne erbschere unter das fafs legen : dann mufs die hexe ab- 
lafsen und die butter geräth. 

49. wenn man kinder die noch kein jähr alt sind oft 
küfst, so lernen sie das reden schwer oder stammeln. 

50. tritt mau in ein haus, so mufs man sich, wenn 
auch nur ein wenig, setzen, sonst trägt man^den lev^n die 

, ruhe hinaus. 



ML ZUR D. MYTHOLOGlfi. 

^ 51. wenn einer falsch schwört, so heulen die katzen 
fürchterlich. 

52. wenn man einen Sargnagel in die fdrsspar eines 
diebes schlägt, so stirbt der dieb. 

53. wenn man den füfstritt eines diebes mit nadeln sticht, 
so bekommt der dieb ein lahmes bein. 

54. wenn man den füfstritt eines diebes ausschneidet, 
in ein säckchen steckt und räuchert, so zehrt der dieb ab 
und stirbt endlich weun die trappe dürr ist. 

55. wenn ein todler von einem gewächse mit unter die 
erde bekommt, so verdorrt das ganze gewächs. 

56. wenn jemand stirbt, mürsen alle bienenstöcke des 
hauses verrückt werden, sonst verderben sie. 

57. lälst mau die tauben aus einem todtenkopfe saufen, 
so gewöhnt sich keine aus dem schlage und fremde tauben 
gewöhnen sich herzu. 

58. wenn es im rauhen (blätterlosen) wald donnert, so 
gerathen dies jähr die gänse nicht (banns in den raue wÄlt 
dunnert, geroate die gens nirt). 

59. wenn das vieh gedeihen soll, darf man es nicht mit 
ungewaschener band füttern. 

60. bienen die über gräber fliegen müfsen, ster- 
ben ab. 

61. wenn es regnet und die sonne scheint dazu, so 
bleicht der teufel seine grofsmulter. 

62. wer sich die band aufschneidet, in die Öffnung ein 
Stückchen von einem donnerkeile steckt, und sie dann zu- 
heilen läfst, der kann mit einer einzigen ohrfeige den stärk- 
sten mann todt schlagen. 

63. wenn das jüngste kind im hause beim buttern hilft, 
so geräth die butter gleich. 

64. kinder die die blumen sehr lieb baben^ werden 
nicht alt. 

65. wenn das wütende beer unschädlich an einem vor- 
über ziehen soll, so mufs man sich entweder auf die erde 
legen oder den köpf zwischen die Speichen eines Wagenra- 
des stecken. 

66. hättser mit zwei eingängen in gerade entgegenge- 
setzter richtung, so dafs eine thüre auf der Vorderseite, die 



-^ ' ■ ■ I 



ZUR D. MYTHOLOGIE. 



367 



ere auf der hinlerseite des hauses ist, sind dem durch- 
e des wütenden heeres ausgesetzt« 

67. wenn es dreizehn schlägt und die hühnef anfangeti 
krähen, so kommt der jüngste tag. 



3. VERMISCHTES. 

1. zu myth. 39 f. bei dem dorfe Neubrunn im Jüchse- 
le, zwei stunden oberhalb Meiningen, liegt ein mit buchen 
^achsener berg von dem die sage geht dafs ein scblols 
auf gestanden habe und dafs der letzte ritter dieses scblolses 
. seinem goldenen Schwerte auf dem berge begraben worden 
: dieser berg heifst Alberg {OaUxßrk). ist das vielleicht 
hperac? mit alt kann das wort nicht zusammenhängen^ 
in in jener gegend heifst das adjectivum aller, aii, all 

b. en aller md, en all ßrd, en all kent [ein grofscr 
Dsch der sich kindisch beträgt]) mit dem bestimmten ar- 
5l all {der, di, des, all mö, ß*d, kent), das uallectierte 
sctivnm aber dlt (der mö Ss dlt). seltsam bleibt wie das 
II eine tradition von einer bürg an den berg knii[»fen 
inte, da offenbar keine darauf gestanden hat', denn man 
it nicht die geringsten spuren davon, selbst nicht einmal 
i einem gründe; die spitze ist viel zu klein, der berg 
rhaupt für eine bürg ungeeignet; auch gibt es keine ge- 
ichtliche nachricht von einer bürg auf diesem berge. 
i L. Bechstein erfuhr ich dafs der verstorbene buchdrucker 
[tmann in Meiningen, der sich viel mit alterthümern be- 
äftigte, ihm gesagt habe, es sei dort eine mahlstätte ge- 
sen; woher aber dieser die nachricht gehabt habe wüste 
nicht, übrigens liegt auch eine stunde von Schleusingen 

kleines dorf das den namen Ahlstädt fuhrt. 

2. neben jenem berge, ja mit ihm zusammenhangend 
^t ein zweiter berg, genannt Di eterich, in der mundart 
Ditterich, wobei das dt, seltsam ist, da alle bergnamen 
er gegend masculina sind, aber auch bei Meiningon heilst 

berg die Dieterich. ist die ein vereinzeltes niederdent- ' ■ j 
es die = der? '' 



368 ZUR D. MYTH0L06IB. 

3. nnter der Dieterich bei Neabroim ist ein kleiiies 
jetzt angebautes, früher bewaldetes thal, genannt das Dawwr- 
n^loch (des Dunnerldch). myth. 126 f. 

4. dem Alberg gegenüber liegt der ^iM^er^ (myth» 17>, 
zwischen beiden das dorf Bibra. 

5. myth. 248 vermutet Grimm neben dem ahd. masc. 
der alp ein neutr. daz alp, im Hennebergischen ist die 
gebräuchlichere form des alp, also neutr. ; das masc. hört 
man selten. 

6. myth. 416. 'wagan, wagen.* hennebei^sch Mmmels- 
w<e. 417. henneberg. pßuckssterz gürtel und seh wert des 
Orion. 

7. myth. 527 anm. ff. henneberg. hä gett zur gru/se 
ärmiä oder ins grufs här, er stirbt; hä es bä der grufse 
ärmiä^ im grufse hSr<, er ist gestorben. 

8. myth. 557 anm. **. ein hennebergisches Sprichwort 
lautet der lügt den teufel e ür ra^ on ach wider nö. 

G. F. STERTZING. 



VOCABÜLAMÜS LATINO-TEÜTONICÜS. 

jius der hs. 269 des Masters Admonty 11 jh. perg, 
ß>L 23 blL, auf der seite 3 spalten, beginnt Adam bomo 
\ terrcnus. HOFFMANN. 



Arabo, pfant. 

Acinax, ferrea hasta i. azger. 

Alnus, erila. 

Abies, tanna. 

Amurca i. olei fex, drusna. 

do ueutris i. aruina, smero. 
Ala ascella, öchsay. 
Ansa, hanthaba. 
Arula, uas prunarum i gl&th- 

phanna. 
Atticus, bumbel. 
Attacus, hehera. 



Andela, brantraita. 
Adriola, hSba. . 
Apjum, epfi. 
Ascolouium, aschlovcb. 
Acumen, aeies, wessi. 
Alapa, orsl4ch. 
Aulicus, houelinch 1 houetrut. 
Aspidiscos, uncinus, cripho. 
Auena, habere. 
Artocrea, ci^ipho. 
Argilla, melgil. 
Aquarius, achari. 



ri 



ADMONTBR VOCABULARIUS. 



M^ 



manilis, btntkar. 
e, scheiden. 
I, nmbehanc. 
ibile, halbisen, 
n, lachen. 
Iiibalam, mandil. 
, gandreba. 
y zabul. 
»lex, molta. 
»tanam, stabeaurz. 
rasaxa, senchilatein. 
>io, spanun. 

iriom, volgelweide (so). 
latura, partha. 
ia, dehsela. 
[ator, losari. 

lo, elido i. ich zerehnuso. 
frigium, goltpoHo. 
igo, crtwel. 
»gOj gelcsuht. 
Äiit, grint. 
>a, regera. 
i^, üastil. 
Tim, baselwrz (so). 
^lifa, manliha. 
•, mazeldera. 
ica, wolfzasila. 
nentarias, chanzilari. 
iritorcs, dienestman i. mi- 
steriales. 
Lgo, crSwil. 
nualus, garincter. 
cularius, ralgebo. 
Iura, spizprato. 
irum, lado. 
a, pellis, hül. 
olitula, slovf. 
ilus, wisant. 
)9 huo. 
F. D. A. III. 



Bmma, riffo. 
BasUban, bremo. 
Btlbuciis, sUmmelonder. 
Basterna, sambiich* 
Bulla, blalere. 
Balbus, niselender. 
Banehale, banchttchao (jo). 
Bipennis, pigii* 
Balcio, polz. 
Bracium, malz. 
Brinna, hundaz, 
Bacina, wegcwahla. 
Baca, nua, hegelari. 
Brasicia, wrz. 
Brachus,.keaer, 
Boletus, buliz. 
Brattea, blech. 
Gidarini) miira 1 pileus, Uh- 
telin. 

Genocephalos, hunlhoubet. 

Gardiacus, herzsiecher (cod. 
herhs.). 

Cris, hergesello. 

Colandrum, colgras. 

Coliandrum, abroUnum, sla- 
bewrz (cod, slahewrz). 

Clw*elujm, lutertranc. 

Gocodrillus, nicJivs- 

Caprea siluatica, sleingeiz. 

Capra domestica, getz. 

Concha l concula, muscnlla. 

Cancer, crebez. 

Capus, falco. 

Cuculus, gouch. 

Caradrion, lericba. 

Carduelus, distiUiinco. 

Colurnix, pcrdix, rebahonh. 

Cornix, chra. 

Capreolus 1 campolüs^ r^^n. 
24 




370 



ADMONTBR VOGABIJLARIIJS. 



Cali^^ulas, kiseliodi. 
Cautio, scripgeziuge. 
Cauteriom, feirom quo anima- 

lia feruBtur, i. bolz. 
Columbar, knebil. 
CoUndiam, spil. 
Cauaria, rotanditas eapitis, 

gibilla. 
Caluicium, caloa. 
Ceruix, colluni, hals. 
Cnbitus, elna. 
Cosla, rippt. 
Coxa t <;tanis^ diecb. 
Calx t calcaneus, fersina. 
Crus 1 libi(a)y scinca. 
Ctiens^ genoz. 
Camera \ arcus, gewelbe. 
Cemenium, pUaster. 
Cf^raentarius, murare. 
Curialis, hoaelinc. 
Cali[)9, st&bil. 
Cummum, cbumich. 
Circinum, riza. 
Circus l circulus } eliGus, 

ring. 
Carra, carraca, carpentiim ) 

pEaustrun, wagan. 
(^arpcntarms ^ weginare ) 

hüzwercbman. 
Cicuta, scerhlinc. 
Calathiis I canistruiD, jminna. 
Cratera, napf. 
Coiiandrum I c^rifolium, kor- 

iiiJla. 
Coclear, lepbil. 
Caldarium I «aldariolmn, ker 

Laritarus } cancta, kaiina. 
Cucumis ) caciirbita, gurlnz. 



Cucumerarias, kurhisgaTlo. 
Capedo, i. alant. 
Carectum, rieih^ 
Gepa, cibuUi. 

Cep§, pblanze l snitelovch. 
Carduus, distil. 
Cannabus } caunitta, haipF. 
Celidonia, scellewrz. 
Celocasia, wildiu miiiza. 
Caulis^ cölgras. 
Cardamos, wilder eresso* 
CrocQs, cr5ge. 
Cypresstts, eipresbonm. 
CerasQS, kersbonm. 
Cinus, cbriechbonm. 
Carpenas, higebScba. 
Corilus, basil. 
Colurous, heseliner. 
Coccus, rothpbeUo. 
Calige, hosun. 
Calicula, linsocb. 
Culix, mucca. 
Carica, figa. 
Controuerait , altercatio, 

strit. 
Cardo, ango. 
Callis, phat. 
Capulus, betza. 
Camiles l eaati, felga, circa 

rotas. 
Callus, cutis spissata, giswil. 
Colustrum, biest. 
Constellaiio, gislirri. 
Cottpluuium, daehtröf. 
Carbasus, segil. 
Ciconia, storob. 
Colus, roccbo. 
Colum, siba. 
Curtis, hof. 



ADHONTBR VOCABULARIÜS. 



^1 



Garlile, houesUt. 
Crispus, reider. 
Conubiom, gihilaicbK 
Commanipalaris, comilito, her- 

gesello. 
Cripta, spelunca, graf. 
Clitella, meisa. 
Gapsella, dascha. 
Gomplodo, ich zesameren. 
Gatiilo, ich nascon. 
Goacuare, acitare, gisaren. 
Gonsultatio, rä(^)fraga. 
Gofflpilator, zesamene blezare. 
Ginomia, huntfliega. 
Gapistnmi, halfdera. 
Gonsistorium, drinchos '{«o). 
Goncionator, sönare. 
Gorbis 1: cophinus, corp. 
Gorimbus, drubo. 
Gilindrum, welleblech. 
Gliuus, halda (cod. habda). 
Gycladis, hema. 
Gremium, griebo. 
Gos, wezstaia. 
Gerasam, kersa. 
Garpeota, bircha*. 
Glunis, goffa. . 
Gaream, garthamil (so). 
Carriola, daha. 
Gerebella, hinereba. 
Ginex, wan(Qlus. 
Gobia, trinta (tratta), forinna. 
Canicula, zoha. 
Cassia, wihboum. 
Golobium, gottwebbi. 
Campana, gloca. 
Calatorium, siha. 
Curtifl, seleböf. 
Cicer, kichera« 



Gucoma, kachma« 
Gramacola, hahila {cod. ha- 

bila). <;. ^s k44»Uis^^ 
Gartilago, prasdeifel. 
Ganterus, wibel. 
Gremium, spahha. 
Gqntribules, cumelinge^ 
Golocincias, wildiu churbez. 
Grustolum, brecila, genus pa- 

nis concauus et tortus. 
Gonpendium, churzi. 
Gartilago, crustila. 
Gardamum,iiastardam,cre8S0. • 
Gicatrix, obductio uulneiis, 

masa. 
Dentilium, riest. 
Dextralia, lat^ armill§, bou- 

gun. 
Damma, hin(^)Ghalp. 
Delphin, merswin. 
Decipula, ualla. 
Dolabra, ascia, barta. 
Decernicttlum , ornamentum 

uirginalis capitis ex aoro, 

underpant. 
Deliramenta, acosunge. 
Ductile metallum, geslagench 

(geslagen blech?). 
Depasco, consumo, ich fHmo« 
Dehisco, patesca, Ich geinen. 
Dedo, subdo, ih irgibun. cj.6,i^h 
Dolo, ich imbore. '^ 
Deprauor, ich uerboson. 
Duciolus, zapfo. 
Diotannum) wizwrz. 
Deuocatio, 8chelta(;i)ga. 
Dipsane, lovchesueson. 
Demolitus, zostorta. 
Detentio, andant. 
24* 



372 



AOMONTBR VOCABULARIUS. 



j 



Ecciesiastes , concionator, 

Sprechare. 
Euphebia, lupanar, huorhus. 
Electrum, metallam, i. gi- 

(s)me\ze. 
E(^)talis, grfizdarm. 
Empticius, chofscalc. 
Exactor, qui aliqnid exigit i. 

fridemari. 
Emunctoriam, zanga. 
Erodius, wiltfalco. 
Eruca, grasewrm. 
Ebor, helfinbeiii. 
Edero, ebov. 

Ebitado, slafzeit (/. slafbeit). 
Exox, lahs. 
Ericitts, igil. 
Expedecio, hereuart. 
Essedum, sambuch. 
Episumen, zemose. 
Exentero, eulscero, ich scurfe 

chie (so), 
Extubero, nodosus fio, ich 

maserea. 
Exploro, inquiro, ieb spehon. 
Esculus, escbilbovm. 
Emissarius, reino. 
Erpicarius, egidare. 
Erpica, egida. 
Elox^ salmo. 
Ester, bisewrm. 
Encenia, kirichwaht. tj. rfi-^. 
Echo, galm. 
Emula, gella. 

Epistelia sopermissa, bolster. 
Flascones I flasce sunt uasa 

uinaria. 
Fiola, glasecoph. 
Filix, Usca. 



Fells campeolis, rech cigelinc. 

Fistula, suegula. 

Fascia, cireomligatura 1 lim- 

bus, lisda. 
Fascialis, windinch. 
Furca, haggo } zuisella. 
Feueralor, wocherare. 
Furcilla, gabela. 
Fulum, rotez } eluez } brunez. 
Femorale, feminale, brSch. 
Femen, coxa, diech. 
Fiscella, sportula, churbeUn. 
Fascis l fasclculus, gebunde- 

lin. 9 

Fibula, coucaleiiatlö, nascbil. 
Fascina l fasciimla, cr&wij. 
Falx fenaria, i^e^eusa, 
Feulseca^ feiitiiu secans, ma- 

dari. 
Falcastrum, getesin. 
Fornix, suibogo. 
Fumarium, röchus. 
Flauens, faluer. 
Feri^, undacioues, firrun. 
Funda, slengerra. 
Fenus, lehan. 
Fundibularius, slingare. 
Fissura, scissura, scrunda. 
Ficetula, snepha. 
Fringellus, uincho. 
Fucus, treno. 
Ficones, sochschova. 
Fagus, bScha. 
Fraxinus, asch. 
Fusarius, spinnelbovm. 
Farnaicus i. cippus i. stöch. 
Feniculum, ueuichil. 
Fragum, erthbere. 
Fungus, suÄm* 



ADMONTBfi VOCABDLAWÜS. 



97S 



Fascinam l fascinatio, zSber. 
Fideiassor, burigo. 
Fertas panis i. flado. 
Flabrum 1 flabeUum, winda. 
Fecinium^eoccinimn, reehe(so) 
Fimbria, fason. 
Findo, diuido, ich spalto. 
Fascino, ich zöberon. 
Frico, ich ribon. 
Fiscina, kasechar. 
Fossorium, rastrum, howa. 
Farcimeo, wrst. 
Fridarium, snlza. 
Frussar, gurläi. 
Frondator, speht. 
Fiscella, suimma (so). 
Filcolas, fillon. 
Filiaster, stiephsun. 
Gith, ueltchumich. 
Glis, cisimus. 
Gingiue, partes circa dentibus 

i. bilare. 
Guilla, slunt. 

Gupios , houer. y.-A^'V/^j»^/- 
Gala, kela. 
Graticula, rost. 
Globosus, cliuelin. 
Gratiosas, enstiger. 
Gluten, Urnen. 
Glaber 1 glabellus, caluer. 
Gracultts, r5cb. 
Grillas, grillo l hämo. 
Gladiolus, suertella. 
Gallus, hano. 
Gallina, henna. 
Glutto, fraz. 
Grus, granich. 
Gnrgnlio, engerinch. 
Glans, eicbiUa l drSs. 



Glandula, drosdin. 
Gannio, ich grino. 
Grassor, pugno, bacho, seuit 

i. ich dobon. 
Granarium, spicare. 
Glarea, reddo. 
Gallicola, gebita. 
Galerns, h5th. 
Gener, eidnm. 
Glabrio, grint. 
Herodion, wiltfalcho. 
Hydropicus, wazzersuhtiger. 
Hannaue, hanif. 
Hnmeruli, kipfiu„^ ^^^^ 
Humerus, scultera. 
Habena, zugil. 
Hulcitum, satilhulft. 
Hirundo, sualwa. 
Hinnula, alant. 
Hirudo, 6gela. 
Hibix, steinboc. 
Hio, ih ginen. 
lesus, saluator 1 salutaris, 

heilant. 
Ichoos, sonus i. galm. 
lecor, lebera. 

Inguina, pudenda i. heidr5se. 
Inaures, oringe. 
Interrasilis, interlimatns i. 

underfiliter (cod. -^s— ). 
luniperus, weckelderböum. 
Inclusus, chlosanare. 
Uecebra , inmundicia > gi- 

spensta. 
Iricius, igil. 
laculus, anguis, qui animalia 

transiacit i. lintwrm. 
loridicus^ legis peritus L 

esago« 



S74 



ADMONTIR VOCABGLABIDS. 



Idcos, inculliB, aneboz. 
Insector, ih anton. 
Indago, inuestigo^ ih fbnea. 
Induko, ih smecche. 
Inptttare, ih firwiza. 
Imbus, bortdo. 
Inductiles, sonbelinc. 
luvencas, stier. 
Inprecatio, flohunga. 
laaia, alant. 
Illuaies, lutrabii. 
Inposnisti, bitnige. 
Imcompetis, in den genvin. 
Indulcoro, ih gesnozi. 
Isqoiamus, bilisa. 
lugcr, agellus, mergen, cc.*"" 

XI. pedum in longitadine. 
Brantia, kinnebacho, 
Brancas, morbus i. dampho. 
Iresipila estinsuper norbss in 

superficie cutis, mbore 

slamnieo i. nAesoente i. 

flechtinde. 
Libra, xii. pfunt, aintiet- 

wag^. (#o)* 
Librum, humor sub cortiee, 

sof. 
Larus, musare.* 
Loafieus, grounspeht. 
liustrus, otler. 
LumbricttSy reginwrm. 
Landila, terocha. 
Locusta, höserecchil« 
Licisca, mistbella, zoha. 
Linier, wint. 
LMribi, lente. 
Linx, tubff. 
Laetitna^ mmvulus bri«hä. 



mvs. 



Lamift, qnoMam monstmm 

mulieri Minile, hohnuhwa. 
Lame, lares mali, qnedam 

monstra^ screza. 
Lanugo, fimctus matnms car- 

duum l lana ttore i. mss« 
Lathomus, steinniazzil» 
Laquear, himilce. 
Lima, wla (so), 
Later, ziegil. 
Laterculus, ziegili. 
Lineolus, filum i. snSr. 
Lacinia, ora uestimenti, sorm 

i ort. 
Licium, harlopha ) fitzza. 
Liciatorium, fitzebSm. 
Lumbare, } renale, diecbr5c. 
Lena, lilachen. 
Lacerna, nestis fimbriata, 

chozzo. 
Lantttta, tenuaftum metallum, 

i. blech. 
Lagena, uas fictile I lapideum 

i. chrSc 1 lag«Ua. 
Lecitns, uitreumua8,amp!illa. 
Lebes, caldarium magiom, 

kezzel. 
Lentiscus, linde. 
Licuta, scerline. 
Lacerta, egidehsa. 
Leuigo, ih erlihteron. 
Ligurioj ih choren. 
Lippus, sürogcr, 
LiLura, dunchunge. 
Lubrum, l lahrum } labium, 

lefse. 
Lappa, pleticha. 
Lapatium^ cUedda. 
Lolium, ratin. 



ADMONTER VOCABÜLARIIIS, 



375 



Lubisticium, labesteche. 

LenSf liusi* 

Leos, ähj oiz. 

Lusciaia^ nahtegeU. 

Lepu5, baso. 

Linttis, strabiis i, sciUhitidef. 

Later, ziegel. 

Leao^ wibgernes. 

LigOj secb, ^i^tti. 

Lexiua, laga, 

Liuia, harlifa. 

Lardum^ spec* 

Lauras, lorböm, 

Lactuca, laddoch* 

Lacüarida, springa. 

Licbis, cabraehe . ? 

Licbus, bechil. 

Lodix, wepj>e, 'i4*^«»r 

Lapatus, flado< 

Migma, conimLxtumtmixtara, 

sei fs alba. 
Marsupius, secchil. 
MelancoHa,nigniiiifeli.faS€he* 
Miapara, parua nauigatio i« 

scafa. 
MacifeiitüSjinacer i. magerer. 
Murenule, catenule lereteSi 

snorÜD. 
Murena, lanlfruda, 
Milia, hovL 
Mala \ maxilla 1 mandibula, 

kinnebaohi. 
Miices, Tolz. ^ 

Med Ulla, march. 
Mamma i mamilla^ tuddL 
Malroiia, früwa. 
Membran um 1 membraaiila^ fei, 
Manipulus, garba* 
Malus i. apfolter. 



A 



Menta, miusa. 
Malua, papila. 
Millerolium, garuua. 
Marrubium, andorn. 
MaUeuSf hamer, 
Malleator, hamerare. 
Moueta, muniza. 
Monetär! US, muajzare. 
Mediolus, naba. 
Mansus, liöba. 
Megalis, porcus «astralus, 

parch, 
Metertera, sorormatris,iiioina* 
Mulsum, lutertranch, 
Mappa l mappula, bantfano. 
Mergüs 1 mergalus, doehare, 
Merulus 1 merula, amsiU. 
Merops, grounspelh, 

Mario, cazza. • 

Mus, mQs. 
Mustela, wisela- 
Migale, barm. 
Musclpula^ ualla. 
Municipale, congestiim, ge* 

burlicb geditig. 
MatriculariuSj doümpfafTo. 
Malta l matlula, madda* 
Mantica, pera, maiba, dasea, 
Marceo, langueo, ih serweD. 
Miilio, modiciim ü murowii) 

sin (so). 
Multor^ percutio l puaio, ih 

mordi. 
Metior, ih mizzei 
MastieOf deatibus comniinitOf 

cnon, 
Mulgeo, ih milcho» 
Metisalej disclachen* 
Manile, hantfaz. 




376 



ADMONTfift VOCABULARIUS. 



Milium, hirse. 
Malteum, balz. 
Mancas, einhender. 
Melantium, morcrut. 
Melones, piboz. 
Manubius, roubare. 
Mortarium, morsare. 
Manstruga, lachin. 
Noxticorax, nahiram. 
Nanasy getuverc {cod. -r-s). 
Nouacula, scarsachs. 
Nouerca, stiufinoter. 
Nouitricus, stiafater. 
Narus, snura. 
Nucifraga, nuzbrecba. 
Nacleus, nazzikerno. 
Noctua, uvo. 
Nasturcium, cresso. 
Naulum, uert. 

Nauclerus } iiauta,sceifniaister. 
Nauticas, scleflicher (so). 
Nausia, unwillo. 
Nates, arsbelli. 
Nudius i. egesteren. 
Nenos (/. Neo), nes, neui, 

filo, filas, fademon. 
No, pato i. ih suimmo. 
Nola, scella. 
Napum, raba. 
Nuccinu8, nuzboam. 
Nepulas, n^spilböm. 
Nectar, seim. 
Nutricius, magezoge. 
Neni^, laiisanc. 
Natatooa, ursprinc. 
Nimbus estfasciola transuer- 

sa ex auro assuta in lin- 

theo, quod est in fronte fe- 

minarum borto. 



UpUaloiOf ddar ocalomm, 

ocswere. 
Orphanus i. weiso. 
Oriza, subtilissima farina, i. 

simila. 
Onocrotolus, horduchil. 
Orarium, linteum, qüod ora 

mortuorum tegit, l stola t 

mappula, hantfano. 
Ora, finis, s5m l ort. 
Ornus, häginböm. 
Orbita, uestigium rote, wa- 

ginlaisa. 
Olea } oliua, olebom. 
Olor, elbi^, 
Obses, gisih 
Ocree, bciuberga. 
Omentum, quod tegit intesti- 
na i. budmiüL-* 
Operculum, lit. 
Oriza, snitz carnis. 
Ostrum, coccus, rotphellol. 
Orifium, gensprinc. 
Off6co, extinguo, ih wrge. 
Oscito i. ih gene. 
Obstipeo, obrigeo, ih erstabo. 
Ocimus, herba, girgila. 
Ofites, iiogel. 

Opinatissimus, pamehafteste. 
Parcherdum, prestigium, z5- 

berunte. 
Petasum, latumcalciamentum, 

scritscohe. 
Pilaxj catza. <^ 

Papauer, mago. 
Pastonaca, moraha. 
Porfirio, ysaro. 
Psitachus, hincust. 
Platanus, abhorn. 



ADMONTER VOCABULAiUUS. 



«7 



Palatus, g5iiio. 

FaluSj br&lic. 

Palas, pali, sEecco l pbal. 

Pala, scöuel. 

Paiupillo; itivaldera. 

PeDsaliooes, cinsi» 

ParL\^ meisa. 

Paliurus, hagau l ageleia, 

Paredrus, pharefnL 

Pardus L leibart. 

Peniculuin, wa^el- 

Pabulum^ foter. 

Patina l palellaf phaana. 

Paluiubcs^ addubun I beitubin. 

Pannicus, 5p5Ie. 

Palla, fasciterium, sesetraga. 

Pauo, phawo. 

Paticiuin, pheiiihc. 

Pepo, phedenia 1 erdaphel. 

Passas, V. pedes, scritmaie. 

PerdJxj rebebüli. 

PersicuS) pberskhbom. 

Petrosilmum, peLirsil. (cod. 

plir&ii). 
Patera^ aapf* 
Fatibulum, galgo. 
PessuiuiD, grindel l dremel. 
PesUtiaca, moraha« 
Pelaj melda, 
Pediculus, ius. 
PciUeanus, sisegomOi 
Petlicatus, kebesoter. : .^wJf^y. 
Petigo, prürigo, uredo cutia, 

lukedo« 
Peruicax, elustritiger» 
Peplumj amicuLum i. uelamen 

capitis } pectaris, bobet- 

de4:ha. 



Peraa, tergus suis i* bacbo* 
PecteUj chaiDp. 
Papirus l papirio, üsc. 
Petuita, caligo i flegma oculo- 

rum 1 morbus galUuarmn in 

ÜDgua i. ci££hic. 
FiÜeus, bot. 
Pala, otFa, baiza. 
PiluBi^ phiL 
Pila, stAmph. 
Piucerua, scenche* 
Pisa, arwezzi, 
Pitaeium 1 pitacioluiiij modi- 

cum curiolum i. scüdade- 

betoh l bleizo. 
Petaciuin, epistola, brief. 
PicuSj hebera (cod. bebeta). 
Picea, ibrha, 
Pijc, buhsa, Irucba. 
Piea, aglcstera* 
Pinus, piübom, 
PirtiSj birbom. 
Pirum^ bira. 
Pisak, pbiesfil. 
PislQF, phister* 
Pistrinum l pistrilla^ pacbus. 
Pous, brucca. 

Populus, arbor albis foliis, wih. 
Papulus, albare. 
Porrum, louhc. 
Pülcdrusj foio. 
Pttls, brÜ. 
Pupülsj seha- 
Puimo, luagula. 
Pöbles, cbflierade. 
Pustula, bulla, aaeuvez (sa). 
Pulixj flöhe* 
Ptillrinus^ avlehin (corf- — 

biß). ' 




37S 



ADMONTER VOCABÜLARIUS. 



Puleal, loctts I statna in foro, 

harfa. 
Puba, toccha« 
Puiaillas, chussi. 
Pumex, pamiz. 
Placenta, flado. 
PlaustTttm, wagen. 
Plantago, wegerich. 
Plana i. scaba. 
Plutes, tabula parietis i. dil* 
Plambom, bli. 
Pr^us, pfloombSm» 
Pr^tnm, balco. 
Pnuignus^ stiafsuD. 
Priuigna, stiiiftobter, 
ProaiiuS} alterane. 
Progenies, gttgerla (1 hinein^ 

cor r ig, m ej, 
Predium, lehan. 
Prestatio, lehan. 
Plnnoi. ferio^premoi. ontirton. 
Propunctoriom, stozisin. 
Pnlcita, uederbete. 
Pliimatium, wancnssi. 
Pista, diech. 
Pascha, ertbere. 
Paro, gonmo. 
Panaceta, renioano* 
Pulcina, hSnlnGhil. 
Purro, sturi. 
Plectalimatica, slifstein. 
Polipodium, steinfarn. 
Penus, spichare* 
Pultes, bSnbri. 
Ptisanas, linsamo. 
Popo^ uvrstelinc. 
Patinus, phanninstil. 
Pille, baUa. 
Propugnaculum, prüstwere. 



Parafrasten, luginare. 
Percrebnit, mare nvart . 
Pelex, gella. 
Palatanun, figon. 
Pus indeclinabile i» sanguis 
corruptus, inde bustnle qai- 
dam uolatir dicitor gajha. 

Quisquila, spirti« 

Quacaria, wahtala. 

Quercus, eicha. 

Quernus, heichiner. 

Qualus, sp51a» 

Quisquila, wahtela«. 

Reumatica, chranichesnabil. 

Raoemns i< drubo« 

Rana, frosc I creta« 

Ramma, agelei« 

Radü, ligna inrotis,i. speiofain. 

Radix i. ratich l gerta. 

Rafanum, me rratich . 

Rastrum, hoawa. • 

Rastellum, r6cbo. 

Resina, harz« 

Renan^ulttS, niero, lendibrato. 

Reticulum i. nezce« 

Recalaaster i. chaluer. 

Reditus, nutz. 

Remus^ r6der. 

Regius i. gelesnht« 

Reclinatorium, lineberga. 

Repagttlum, obiectio i. läpri^ 
zile. 

Repurium, repurgatio i. ueim. 

Rima, siorunta^ 

Recinium, acus l spennla« 

Runcina u nuil. 

Rnbigo, TQgU 

Rumex, ruf« 

Rubricata pellis, loise. 



ADMONTER VOCABULARIUS. 



Rostrum, snabjL 

itotula, coimoluta^ cantnla h 

rodel. 
Kos mariDum, herba^ Qimpliea 

i, greDsiDC. 
Rauceda» beisir. 
Ruga, runt^ilta. 
Rugosus, mazobtcr, 
RuDiino, iddruchoü. 
Riscus, holder* 
Runex, brama, 
RatinuiD^ salzfaz* 
RaliceS) stöf. 
Radiuoi, raia. 
Relorla, wit, 
Rasia, wItz, 
Redimlculum, hobetbant* 
Scena^ mnbraculum, touba. 
Stigma, Signum I figura iu 

corpore i- lichm;üe- 
Struma, cheic l cbroph. 
Scia, coxa, diecb. 
Salsugö, snlza. 
Hangutsuga, egeia. 
Sarcina, gosfune* 
Sartor, Datare. 
Scandalia, ronscöha. 
Scatidix, weit. 
Scaüdiceus, uvidiner. 
Sarculum, getisio. 
Suamarius, soumare. 
Salix, saliba 1 wida. 
Sanguiuarius, harltnigil bom, 
SambuGus, bolare. 
Saccus j sach« 
Sacculus, sccbil. 
Sabona^ seiffa, 
Salsicj'a uvrstt 
SaliuQca^ rietgras. 




Spiculnm, scos \ spiaz« 
Seliarius, satilros. 
Sidaciv^, hasip. 
SerpeUum, uelLchoneJa* 
Simia, afGo, 
Simlus, crumpfnasi dinchil 

(siehi darüber^ man sfefU 

nicht wohin es gehört)* 
Sistarcium i. inöstascke. 
SiligOj rocco- 
Speita, diüchil. 
Similago, simila. 
Scta, porst* *^ ^ J^ 

Sisimbna, sisemera» 
Sorex, grozmus L radda* 
Solarium, altum edifioimti i. 

solare. — - 

Superciliuni, oberbra. 
Suggellatio, derisio, T«pre- 

faensio, houh I spot, 
Stellio, moltwrm. 
Submentom, underklmtei 
Sus, suin* 
Subtemen, weuiL 
Sudes, steccfao. 
SaruiTO^ runzare, 
ScurrOj qiii alium uictus gra- 

da Sequilar i. naschare« 
Subuicus u suinare. 
Suses, susin, 

hoc 
SpiQt. Spinnela. hendi {&o)^ 
Siibparum, camisia 1 furhendi, 
Sumen, pioguedo iu mamiUe 

scrofe, spunruosl. 
Suber, rinda, loft- 
Scurra, nascare \ scernare. 
Sceda 1 scedula, plezzo. 
Scarabeus, wibiU 




380 



ADMONTER VOCABDLARIDS. 



\ 



/!$> 



Scabro, hornoz. 

Scrofa, SU. 

Scirpus i. piniz. 

Scitom, mandatum, decretam, 

ban. 
Scuria, scura. 

Scassoriam, rennila } quirn. 
Scabies, ruda. 
Scutica, geisili. 
Spien, milz. 
Spata, snert. 
Spams, sper. 
. Spatarins, snertrago. 
Spacns, drat. 
Spartas, wint. 
Spartas, scaftinhoa. 
Specalam, Spiegel l warta. 
Statera, waga. 
Stracio, straz. 
Sternas t sternalas, staro. 
Stario, stari. 
Stamen, warf. 
Stappa, aavirche. 
Stipes, stam. 
Stirps, genealogia, stam. 
Stapeum, colobiam, ozspunne. 
Sarcio, ih b5zo. 
Susarro, ranzon. 
Sacinas, saeizige. 
Stragulum, fechlachen. 
Solee, solun. 
Saiinam, salzfaz. 
Saline, salzgrubin. 
Sifonaa, sprizza. 
Scalprum, scrotisin. 
73 ^, . m i. Scalpellum, scrib mezzer. "^^ 
Supara, lesa. 
Sabticttla, scarliz. 
Satere, waUen. 



Snppatacio, zala. 

Stiria, ibselle. 

Sarectam, sabar. 

Sagnea (so), strala. 

Smigma, seipba. 

Sabtulares, ficones, sc&ha. 

Seaum, anslit. 

Sorbias, spibSm. 

Spinas, scelebSm. 

Sarcalas, zai. 

Sercalus, staro. 

Satureia, quonila. 

Solsequia, sannewerbil. 

Subtellus, barbo. 

Taberne, edicule plebeioram 
parue, criman. 

Tabemarins, caapo, cramare. 

Tabernio, taaernare. 

Talpa, müworfo. 

Tapetiam, tepicb. 

Terebram t terebellum, na- 
biger. 

Tramaratia, mazhaldera. 

Thorax, brunna. 

Tibias, crura, scinkin. 

Tremala» aspa. 

Ticio, brant. 

Torno, draio. 

Traha, slite. 

Tribulas, bafolder. 

Tridens, crol. 

Tricolanum, garthago. 

TruUa, cbella. 

Tela, weppi. 

Toreama, scafraida. 

Tortus, wit. 

Tignas, spara. 

Taaanius, premi. 

Tamba, c5ffa. 



-A) 't^K^jK/t Ja/^', 5^^23 ^rk/ttliffyjUicr. 



ADMONTBR VOCAMSLARIUS. 



381 



Tina, zober. 
Tribnta, diechbrato. 
Tiliam, linda. 
Tinso, ih snitin. 
Tnssis, bSsta. 
Tipsanarinm, stampf. 
Tofos, dncbistein.. 
Tarmus, made. 
Timalas, asc. 
Trama, weppegerti. 
Temo, dicsila. 
Turdas, droscala. . 
Torrere, bachin. 
Vallis, tal. 
Uallum, grabo. 
Uiolenüa, notnumjft. 
Ventricolas, umbilicns, nabel. 



Uepres, brama. 
Ve^aculas, genaknetb. 
Uertex, sceitila. 
Uesica, plater t crofl.. 
Vespcrtilio i. flederm^g. 
Vespa, wefsa. 

Yestig muUtoria, padtguanL 
Tjiaücus, wcgiwiso, 
Violentia, nh nalida, aotDumfl. 
ViragOj mulier que uirile offi- 
cium implet i. fiiedela, 
Ulula ]* uwil. 

Vmbo, rant. *^ 

Umbraculum, hotta I I5ba. 
Vnco, eberzani. 
Vomer, waginso l scaro. 




BRÜCHSTÜCK DER HRABANISCHEN 
GLOSSEN. 



Aus cod. f^ind. 482. 

ex novo, fona deru niaaian. 
et uetere, et deru altun. 
testamento, e^.. 
rccusare, luiidarsaban. 
abrogans, sanfmoti. 
ababapater, faterliih fater. 
abnuere, farlaugnen. 
absqne federe, ann nara t 

triuua. 
abque amicitia, anu inuntscaf 

{cod. friufscaf). 
abinmittentes, anasentente. 
absit, fer si. 
ab est, fona ist. 
abdicat, farquidil. 



HOFFMANN. 

abominat, laidazit. 
abstractum, farzogan. 
adseuerat, kasaket. 
abluit, arduoog. 
refiitare, fortrüpan. 
de est, uan ist. 
latens, midanti» 
adfirmat, kafestinot. 
adnitentem, . zileten , 
adnectit, zpkacgnuphiL 
asciscit, farspanit. 
adniiui, zokamahbot. 
adulta, kauuabsaniu. 
matura, riiffiu. 
arogantes (so)^ hroomlihho» 




BRDGHST6gK der BRABANiSGHBN GLOSSEN. 



elate, kei^il^. 

algor, flrosi. 

angor, sorga ) iristor, kaun- 

frauuä pim. 
coartatur, kidoungan. 
constringor, kadaungam pim. 
satis uberiini, ubarkanooc. 
alternatiin, unehsalliihho. 
nicaria, uuehsal. 
reciprocana, iatimibslenti. 
alecer, sneller. 
expeditus, maotuc. 
armonia, liudeon. 



conpetens, kaUmfiiih. 
apta, ca. kafokia t kaforia. 
modolatio, missaliih sanc. 
ardüas, uuidarpegi. 
difficilis, unsenfti t onodi. 
araa, angar. 
amoenum, oannisam. 
delectabile, lasüiih. 
fertilis, unasmiic. 
iocunditas, uaBnisami. 
adtonitus, hlosanli. 
intentas, kerni. 
stupefactis, afqoeman. • 



^fi^i 



^ 



PRÄGER GLOSSEN. 

Pergamentks. des ii/\2 Jh., 51 blL foL, aus dem kloster 
JVeifsenau^ in der ßlrstlich lobkowitzischen bibliothek zu 
Prag, glossen xum Isidor^ ein codex rescriptus^ darunter 
sind glossen aus dem 9njk.9 die hin und wieder durchschim- 
mern, an einzelnen stellen nur schwach ausgekratzt und auf 
blatt 51^ stehen geblieben sind. HOFFMANN. 



bl. 51^. . . . paldlihho. 

NoD praesumant ni ketarran. 

Disponere kastiften. 

Sabuenire kahelpbe. 

Committere kafelahe. 

LeccioDis liFQuocha. 

Artes list. 

Omne co.*. aUän. 

Garius liapora. . 

mercis mieta. Se« iauh. 

Inperfectam unkiframit. 

Expleatur arfullent. 

Arripiant fabant. 

In cenobiis Jn munistiore. 

Non trepite naUes kile. 



Poenam uuizzi. 
Concedatür fargebant. 
Si qaa piuqalib. 
CoDsnmmaü* . bobirom. 
Momcra broarnessi. 
Distabimiis danastantü. 
Perrimiscant arfurahtent. 
Rubigo roi. 
Affectate miii mot. 
Parassitus ^rnun. 
Magus caucalare. 
Mimoram diu uan (?). 
Lacioris preitlibbora. 
Armaria puabscrim. 
Expremunt «ardhuhent. 



PtlAGffil eLOSSKN. 

Exterit fsnuaiit. Oocapati mminazzie. 

Disceptare airahket. pi«dieUi kiqueUn. 

Decreü kista^t. Gipadteati iero caiigo. 

CoDnenit karisit. Ariiitrio Mtoä. 

Quod professis gebanti siai. Quanmis deb* 



MUNCHENER GLOSSEN. 

Perg. AUl.r ^ jk. fol^ bessekhnet Fca«^. MSS. 
Monac. 4. HOFFMANN. 

sinapioses, eressa iax. 

i 
, spalagiuSy musca uenenosa est autem similis fifeld^ sax. 
stilo, cueldehered^ sax. 
sara, hamm^ sax. 
taxata, broc sax. 



KLEINE BEMERKUNGEN. 

i. Wh. Wackernagel hat iB den altd. UL 2, 122f. etn 
schönes lied. bekannt gemacht das er wohl mit recht noch 
in das zwölfte Jahrhundert setzt, in der Züricber handschrJft, 
£e es allein anftewahrt bat, führt es die iiberschrift; Düiv 
lied sank ein herre hie» von kahnäs. • herr von der Qagen 
bat es in seine Sammlung der minaesinger aufgenommen 
(3, 468 m) und ihm liie tiberschriH Herre von Kolmar gege- 
ben $ 4, 762 anm. 1 meiai er, kolmas in den altd. blättern 
sei wohl nur druckfebler. allein Wackernagels abschrift hat 
sehr dettlicb ^o/mo^^ und es gab herren von Kolmas , in 
den vermischten nachrichten und anmerkujigen zur erläute- 
fung und ei^nzung der sächsischen besonders aber der ei- 
senachischen geschichte (von C. W. Schumacher) 5, 48 be- 
zeugt Clin dominus Henricus de Kolmas eine Eisenacher Ur- 
kunde, AnnpdqminiMillesimo ccLxxiiij. xiiikalend.Ianuarff. 

2. henr Gervinus in seinem handbuch der gesch. der 
poeta aationalUt. der Deutschen s. 53 erwähnt in Einern pa- 



as4 



KLEINE BEMEIIKUM<»;N. 



\'i 



ragraphen der in den altd. bU. 2, 148 ff. herausgegebenen 
bmchstücke von Grawan and der kröne Heinrichs von dem 
Türlin, den er fälschlich nm 1242 setzt (vergl. meine vor- 
rede zu den liedern und bächl. and dem armen Heinrich 
Hartmanns von Ane s. xif.). allein jene brachstäcke siod 
eben nichts weiter als stücke aas der kröne, vergl. altd. 
bU. 2, 156 ff. mit Ferd. Wolf über die lais s. 430, 2151 ff. 
3. in dieser Zeitschrift 1, 29 macht in der zeile Ey wef 
willekome lieb^ b. . die ergänzung der verlorenen buchstaben 
Schwierigkeit, sie müfsen einen reim auf m (vobis) ergeben : 
denn der nothbehelf den Jac. Grimm vorschlägt, bot ('für 
böte) und io der folgenden zeile die Umstellung Herre, iu 
vergeltix got, ist mir üowahrscheiolich. es kommt mir näm- 
lich vor als ob hier nicht männer unter einander redeten, 
sondern frau Treibe, die schenkwirtin, von einem gaste, dem 
sie in ihrer geschäftigkeit nahe kommt, mit 'willkommen' 
begrüfst würde, ich glaube also dafs lieb* ein Schreibfehler 
ist für liebe oder liebiu und dafs darauf würklich briu folgte, 
dies finde ich, im reime auf driu, bei Neidbard Hag. 3, 228^, 
Lute also ruofte ein altiu briu 'wd sint diu miniu kiniy das 
si nikt enspringent an die schar 7^ ob briu mit recht an 
das französische bru gemahnt weifs ich nicht; aber wenn 
man es als scherzhafte bezeichnung eines weibes, hier der 
wirtin, faCsen darf, so ist die stelle in ordnang, 

Diz ist vrowen Triben leben. 

man muoz ir beidenthalben geben, 

schiere sie aber swinget 

dd jenre st4t unde singet. 

der ist beworm in einer note: 

der quit allez ^dorilote, 

ey \toes'\ willekome^ liebe briu!' 

'herre, got vergelten tu.* HAUPT. 



^ 



- X 



Mi 1 



ZU HAVAMAL, 

Der arisprtinf;tiche verband der im liävamäl ^usunim^ii- 
gesteil teiif zuerst unter dem teuscheudea namen Ethica Odiui 
von Resenias veröffeDtlichteD, regeln und Sprichwörter für 
fahreu und heimsitzen, ehre und liebe, erwerb und gemach, 
handeln und trauen, ist theils wegen der oil gcsturten folge, 
theilfi wegen der volksmafsigkeit ihres Inhalts nicht wahi^ 
scheiulich. viele der sprüche werden in den altern sagen 
schon ^% foi^nquedin orä bezeichnet, als etwas s^m maelter. 
erst die sammelzeit nannte auch sie, wie alles unvordenkli- 
che, Satzungen Odins, nach aussage der überschrifl 'des ho- 
hen licd/ ihn läfst man ratben, warnen, als seine beobach- 
lungen, bewährt mit seinen erfahrungen, str. 66- 96 — 102. 
105 — 111, treten die alliiberiiererten klugheitssälze anf, mit 
seinem, des viel gereisten^ 'ich sah, ich erkannte' sollten 
wohl die Sprüche nene kraft und eindrlngltchkeit erhalten, 
ein zweites ähnliches hier angefugtes Iled, Lodfafnirsmäl 
str* 112 — 140, legt in seinen mund ähnliche rathschlage mit 
bestimmter nchtung auch an einen sonst nnbckannten Jüng- 
ling, die Selbständigkeit endlich des Hunenlieds str. 142 ff, 
erweist sich durch sein vorkommen auch in der heldensage. 
wir schlieJ'sen es aus als unfruchtbar für die gnomik. 

Über das alter des inhalts ist sicher zu sagen dafs er 
weit in die vorchristliche zeit hinaufgeht; Verhältnisse sind 
einigemal vorausgesetzt deren auch die ältesten sagen keines 
mehr kennen, die sammlet aber aus dunkler erinnerung als 
vor aller geschieh te Uegend gedenken, dazu gehört das ver- 
brennen der todten str* 71. 81, wovon der gelehrte Snorri 
zwar weifs, eine zeit aber nicht anzugeben vermag, Heimskr. 
1, s. 13; die prosasagen kennen für näjiere zeit nur das hü- 
gelwerfeuj wie auch schon ßrunh. str. 34. so spricht die 
Svarfd. c, 6 von einer kiste für den leib; nur einer der im 
hügel noch nicht verzehrt war als man ihn ausgrub, wurde 
verbrannt IsL sog. 2, 191. mythologische eigenthümtichkei- 
ten sind die Schwachheiten Odins bei Ficil str. 14 und bei 
Z. R D. A. HL 40, 




%i 



zu HAVAMAL. 



i 



ßillniigs maid 97 ff., wie aoch vom trank Gandlads erst die 
Snarraedda wieder mehr zusammenstellt, nur auf altheidni- 
schea sinn passen ferner die aufforderangen nur für sieb 
sehttbe zu machen, den nUen mann mit listigen Worten zo 
benutzen 45, und falscbbeit fragen die lüge zu setzen 45. 42, 
sich den besten mit ranen anznlooken, in allen fällen aber 
bcilrunen bereit zu haben 122 s endlieh der «nterricbt für 
bente- und lebenfang str. 5^ 

Danaeh bedarf es kaum eines beveises vom vofkommen 
einzelner dieser sprüebe in den Utesten denkmälern. es 
miiste aneh rieherer sein dafs die lieder welche die Heia»- 
kringla alten dübt^m zuschreibt, wie str. 84 dem Tborraod 
rit Jahrb.), würkUeh so alt sind, um daraus für hier verei- 
nigtes ein alterzeugnis zu entnehmen, jedesfalls gehchrt die 
Sammlung weit vor das Sdarlio^ welches sich unverkena* 
bar in ein meisterndes Verhältnis zu ihr stellt, wie es denn 
durchaus christlich ascetischen grist haucht, und nicht selten 
t^'cgcn jene aHheidnischen regeln stark sprühet, so 8. str. 10 
im vergleich mit H. 84 berichtigt durch Coheleth c. 7, S. 
Str. 19 mit H. str. 45; 8. str. 28 mit H. 37; S. str. 61 
mit H. 122; S. str. 64 mit H. 58. 

Neeb schwerer dürfte sich eine bestimmte örtlichkeit 
darür feststellen lafsen. wenigstens die erwibnung der renn* 
thiere, welche es in Island vor dem I8n jh. nicht gab, würde 
nur für str. 90 allein gebraucht werden können; nicht zu ge- 
denken dafs an vielen orten alte sprüebe ohne die sacken 
äiud, die meisten aber überhaupt weit über Islands bebaunng 
hiiiau%ehn. von der mehrzabi läfst sich nachweisen dafs sie 
allgemein germanisch sind; nur selten hat die ooncrete ge- 
slalt eines spraobs so eigenthümlicb nordische färbe erhal- 
ten, selten ein solches eiskleidy dab er nicht auch bei den 
fiüdlieherti stammen gerade so aufgetreten sein könnte. 

Eine gewisse anordnung läfst sich in der hauptsache ans- 
findon. zuerst str. 1*^88 kann man zusammennehmen un- 
ter beherbergen und fahren, und den fügenden, wo engere als 
gastliche Verhältnisse berührt werden, entgegensetzen, ohne 
nur zu hehlen dafs die regeln von der roäfsigkeit 19 — 21 
und von den merkzeichen des thoren 22—29 nur entferni 
Ulli dem sonst verhandelten auswärtssein in beziehnng ste- 



zu HAVAMAL. 



3Ä7 



ahbreehen läTii sich aber noch nieht mit str, SG» wei- 
ja ab gegensatz z« dam ganzen verigen gehört^ wie ein 
ler sehen str. 5 vorkomnit, besonders da slr. 38 Docb 
wiehtige regel fiir wegemachen nachhoh. alles folgende 
104 faftt man nnter res rdmuestieae zasammen. es wird 

darin dasjenige was man 'die guter' in der ethik nennt 
»Igende gn^pen znaarnmengeslelll. fireaiidschaft 39 — 53« 
Mrifsen 54 — 57, erwerb und dazu nötfaige eigenschaften 
-67, gesnndheit und leben 68 — 72 (unklar 73^ sir. 74 
75 stehen wahrscheinlich unrichtig), guter name und 
i das höchste 76 — 80, wo nur die beiden letzten stro- 

wieier zu sehen gesagten gegensätzen abfallen, ver- 
dt etwa durdi den gedanken dafs keins der vorher ha- 
lteten dinge ein. absolutes gut sei folgt nun was zeit und 
ände selbst beschränken: zumeiat muFs fürs tränen im 
ein die zeit abgewartet, aber auch die rechte ergriffen 
len 81 — 83; traue daher niemand dingen in unenLschie- 
u zuständen und den frauen nie 84 — 95; eine eigne 
irung Odins liefert den beweis rom schlauen trüg der 
leichelnden Jungfrau 96- — i02; Weisheit und dichtnng 
kommt vom begeisterungstrank 103 — 111. 
Lodfafiiirsmftl gibt ohne anordnung wieder regeln Hirs 
n und veibalten als gast, besonders für Umgang mit 
iu freunden und fremden, in spritehen die zum theil mit 
vorigen parallel sind. 



M 




GAST- UND REISEREGELN (slr, I— 3S), 

1. ädr gangi ß^wn* feinde können vor dem eigenen 
in dem fremden bause lauem, die vorsieht beim ein- 
in ein unbekanntes scheint hier gemeint zu sein, da die 
nft sogleich beschrieben wird, so nahm es die Snorra 
L fab. 2. wo berichtet wird, Gylvi habe als gast bei Odins 

diesen vers gesnngen. Odin nur wird hier redend ge- 
i, zwiHT von dem bei der ankunft nötfaigeu im allgemei- 

doeh steht auch so seine eigne erfahrung im hinter- 

d, die ja str. 13 und 14 auch mit dem Ich hervortritt, 
die von ihm ausgesprochen um so eindringlicher sein 

e, da man ihm das gröste reisen zuschrieb. — um 

25* 




3» 



ZU HAVAMAL. 



skygna» »hyli ist eme wenn auch doreh kenie hs., so doch 
durch die Störung des yersbaaes verdächtige zathat eines 
der das ansehen einschirfbn wollte ; da skgü röUig gerecht 
den Stab trägt, so ist der onterzeite mit umskoda skjfli ge-r 
nüge gethan« skodä, zwar auch noch OiiLn. s. 448, scheint 
weniger gebranohlich als 9kygnaz Frid. c. 11. — d fleti 
ßtr. fiel ist wohl nicht im allgenieinen haus sondern flur, 
nach Fomald. 3, 18. Svarfdeel. c. 2 liegt einer i fl^mu so 
dafs das fener zur einen, der aschenbanfen zur andern seite 
ist und t mim setstorkana, sein eintretender bruder fallt 
über ihn bin. nicht selten sind fälle wie der hier vom feiod* 
liehen auflauem vorausgesetzte, so Olaf d. beil. c. IM. 
Ghims. c. 16 lauert Skuta an der thür einer triftenhütte. 

2. hcar skal ntia sia. die frage gehörte zur sitle. 
der angekommene geht vor die welche den hochsitz einneh« 
men, und fragt nach dem grnfse, hwxt peir visi honüm tä 
saetis Fomald. sog. 1, 205. selbst der jarl Rögnvald thut 
die frage in mier hütte, wo er ausgefiroren von einer see* 
fahrt eintritt, an eine magd, Ork. s. 265. sorgfältig pflegt 
dann der wirt nach der erseheinung des gastes seinen stand 
abwägend den platz ihm näher oder femer vom hochsitz 
anzuweisen, könig Bring, der seinen gast gleich erkannte, 
Fridf». c. 13, läfst ihn zu sich heran k<»nmen c. 11, aber 
GMmr mufs sich, da er bei seinem grofsvaterVigfns ankom- 
mend seine Verwandtschaft nicht bewähren kann, der sein 
äufseres wenig entspricht, auf seine bitte visa ser tä saetis, 
zu äufserst den sitz bestimmen lalsen, ok vtsßM honum tä 
saetis ä hinn daedra beck utarliga : ok veitti hönum litla vir- 
^g» Vigagl. c. 6. hier erhält die frage mehr den anstrich 
des bedür&usses, denn miök er brddr u. s. w. deutet an 
dafs ein so von der strafse kommender eben wenig warten 
könne. Finn Magnussen fuhrt aus dem munde des volks das 
nicht ganz unähnliche Sprichwort an brdd eru brautingia 
erindi. nur ist hier von ein^n zustande nicht der gesohäße 
sondern der reisenden selbst die rede, wofiir der eingang 
des Solarl. str. 2 in ähnlichem falle geradezu modr ok me- 
gin HtiU, d. i. müde und kraftlos, hat. und so ist die dem 
wort brddr, gewöhnlich schnell, eilig, zu gmnde liegende 
anschauung wobl das athemlosseio. 



zu HAVAÄJAL. ^ö 

3. Ms er pörß mehrere feuer werden eigens für dti 
öramHiige angemacht, als im norden nalürlieh erste pfltclit, 
. 5,265* Foriiald, sog, 1, 230, und selbst die ärmsten 
geo dem rremden einen mantel oder in ermangelun^ des- 
, wie die bondcnfrau auf Hialtland dem grafen Rögnvald, 
in fellrock, hüsfmi?i bar skinnfcildar - skikkiu at iarii 

s. 265- — er kefir umfiaUfaHp, dalj die bergfahrteil 
allen übrigen herausgegriffen würden könnte man sieb 
ilen lafsen, von selbst verstünde sich doch dafs von See- 
len dasselbe gelte, aber die parallele str. 19 ok heßr 
l umßmd begünstigt die lesart zweier papierhss., ^ö74 

rge. 

4. mt^, perro^ piodiaiur. das wascben der bände vor /^»»ft 
r mahlzeit war im ganzen mittelalter allgemeine und we- 

des ermaiigelns der gabeln buchst nöthige sitte noch 

[ Zeugnis Thomasias bei Wack. 1, 505, IS und der 

[Zuchten in den altd. blL 1, 111* 28i. hinter jeder 

von Island an bis in die Schweiz besagen es ger- 

Lsebe quellen, befand sioh handwal^er und handtuch^ was 

perra beifstj nennt das deutst^he mittelalter twehele. 
war der ort, Zü dem sich Enite während ihrer abson- 
ng bequemen inufslc Erec 3666*, seihst unterwegs fehlte 
I imbifs die twebel nicht ebd. 3550, noch auf der Grals- 
;j wo hundert tische stehen Parz- 237, 7 ff, hiervon spricht 
I Grimm 2U Frcidank 89^ 12 f. wie es daher im nordi- 
n für zu tische gehen hiels taka handlaugar, so blieb 

noch lange bis ins 16e jh. im deutschen jenes bände- 
tben sprichwörtlich, auch die pioälöd^ das gute alte nö- 
m^ das freundliche gcslcht des Wirtes Vaf^rudn. 8 (die 
mmensetmng wie in piodrdd Fomald» 1, 88) empfiehlt 

Barth. Ringwald: der karge j sagt er, Da sie ihn über- 
hc/t Mit Jm die hend am tisch zu waschen Fnd su ge- ' 
feÄ seine speis. Spuckt miff die erd, siht immer sawr^ 

knackt viel erger als ein baivr laut, wahrh. s. 107, und 
ik erklärt den Spruch Das Iiandwasser ist das süssest 
folgendem, dann wan man die kend wascht, sawilman 

[sf tüas gese^ien von im an der iy>ehefn ort heifst Sie safs von 
entfernt an der ecke des ibchtuchcs, am eatgegeiigesetztea ende / 
ischea. Erec und Eaile sUiten au einem tische, s, 373L Hpt.] ^ 




390 



ZU HAVAMAL* 



mit den sseenen danizet^ dassu ffrifft da$ handwasser auff 
spr. 1, S7*. a«ch Brant rechnet zur "düches Wß99iekt* die 
nit wesckm dunt i> kend. Wann sie sieh zu disck dumt 
setzen Bairensch. s. 2S7. 

5. daelt er heima heat. fies fäkrt aach B. Bald, als 
ein gangbares Sprichwort an, nnd eriüärt es 'fi*ei ist zu 
hanse alles.' röUiger trifft wohl den sinn das deutsche Dh" 
heym isis gekeym Frank 2, 99", worunter fireilkh auch be- 
griffen ist Da hat man deines munds gewont. Da Ustu alles 
zu thun mmd reden frey. Da ist dein bedt, dein weib vnnd 
kind auch en gelt dein rechte freund 1, 20^. das nordische 
daeleikr^ ddleikr ist rertrautheit, ein ödaell der wenig und 
hart spricht, unheimlich und ungemein, unbeliebt, wie der ge- 
gensatz ergibt, Thöratüm vor madrvitrakvmsaell, TkorvaUr 
Krdkr vor kölmgongumaär ok üdaell Vigaglms. c. 5. hann 
vor hdgvaerr ok daeä i 8Uu viäfilkit Orkn. s. t46. — au- 
gahragd ist Verspottung als blinken oder winken mit den 
angen zwischen zweien aber einen dritten, denn sonst heifat 
das wort angenblick. 

6. denke niemand, sein verstand {hyggiandi, wie auch 
Edd. 2, 234. 1, 513 subat., daher gegen die varknten hyg* 
giandit und hyggindi zu ei^lten) überhebe ihn des aufjpas« 
sens und der vorsieht« ähnlich steur dich nicht auf deinen 
Witz Frank I, 121" vergL 125**. das folgende liefse skk 
hiermit onmitidibar so verbinden, Vorsicht bedarfs, wenn dei* 
ner beimatshecke ein kluger und schweigsamer naht; woiv 
auf dann der allgemeine satz vom vorteil der gewahrsandceft 
den gmnd brächte, vorzuziehen schont es indess die regd 
auf das ankommen im fremden gehege zu bezieben; da ist 
die Warnung vor achtlosigkeit desto mehr an der stelle und 
befser schliefst sich die folgende Strophe an, wo weiter die 
vorsieht als zuhören und erforschen angerathen wird, etwas 
störendes haben aber jedes&Us die überschiifsigen letzten 
Zeilen^ da hier gerade nicht einzig auf die tiichtigkeit des 
Verstandes, vielmehr auf die acht und hut gesehen wird« 
sollten sie mit unrecht hierher verschlagen sein, etwa von 
den Sentenzen über das unzuverläfsige? 

8. wäre dies eine bevorzugung des ruhmerwerbens ge* 
gen den verlafs anf anderer gesiimung^ so liefse es aich mit 



W ÜAVAMAL< 



391 



bisherigeii «{»rüclien für das reisen and erfahreu als eine 
rderuDg vereinigen &\ch in der ferne zu vcrsucben und 
s der rede wertbes zu unternebmen; aber den hauptac- 
bat das iikn-staß^ ^^^fi^ das ausge^proebeue wort, wie 
£, wird hier gegen das in der hrust verscblofsene ber- 
sbobeoi und die wertblegung auf das lob der leule ist 
alten zeiL jedes voikes aogemclsen gewesen, sie will 
und ehrung in körpern, im lobe des voiks, lieber ab in 
eichter verfliegenden unbethätigten ge danke nzu Wendung, 
folgeode bebt älmlicb ao, bringt aber eine näbere ver^ 
igung hinzu. iti«f7i i AüI» m 

9. nnr muls er aneh selbst lobtiehea haben, selbst steh 
n können das ganze leben hindurch, sonst kann er übel 
bcn werden; fast wie jeneä selksi ist dm* mann und 
" ieiptji üaifan pik Groug- 6. sinlfs er hönd hoiluMt 
^L c, 4, Freid, 130, 26 — 131, 2. der poet, plur. brio^ 

ist hänfigf selbst im etgeutltcben sinne: er kiörm r^ß^ 
rs briüslom i nr wer das schwert nicht senkt in des an- 
brust Edda 2, 178, 

10. mminvit mikil gleicht nieht völlig uiiseriii menschen- 
and, noeh weniger ist es Weisheit was als das unler- 
nittel des armen gepriesen wird, sondern wohl alles 
n als können, etwa rath Fertigkeit und geschicklichkeit, 
im deutschen mittelalter kunst hiefs ; kunst ist ein ^utcr 
tfennigy man tregt nit schwer dran ; kunst ist gut über 
^>M trage?i Frank 2, 7^ auch in demselhen vergleich mit 
eich tbum wie hier rt^gkeid fyt dhke forgait^ De kunst 
siait laiendocür. s. 157 Schell, 

LI* andere Sprüche die vor dem rausche warnen, wie 
2j 208, setzen hinzu wie leieht er zu unheil, zn morde 
, und so das laiend. s. 37, oft zergehe die Wirtschaft 
lorde, seidene guden ende mint, man de bösen fordnm- 
int, 

12 — 14. gmnd und beispiele. der rausch wird als ein 
hezeichnct auch Edda 2, 207 margan steir vin vHi^ 
ch wenn wein eingeht, so geht witz aus Frank 1, 29% 
h Braut s. 113- — dafs die auf die trunkenen herab- 
ibende vergefsenheit ein häher heifsl, beruht sicher wc- 
uf dessen achweben üher den seeuj noch auf den aus- 



A 





i>< 




I 



ZU FIAVAMAL* 

diinstUQgen der trmkenden wie J.wäl in der «im. «b £e- 
ier steUe, sondern einzig auf dem rauchendeii flöge und der 
raubnatiir des vogels, gerade das vergefsen war auch deva 
altoordischen Sprachgeiste eta yerraoschen, wie in gkywüa 
von glaumr (sirepUus), und so ist hier, besonders von sei- 
nen federn die rede^ oliwohl sie an sieh nicht fefseln können. 
atich die deutsche dicfatung bedient sich gern lUuilioiier bild- 
i«deii. die hausfrau soll lUes dnrohspiihen ist Imit. wadirh. 
291 mit dem speckt^^eßdr reuehem und für schncUes anf- 
gehen der reicbthümer heifsi es Beichiumb haben iuUers/e^ 
dem, sie laßen sich nit bannen Frank 118^. wiirklich werden 
um scblaf and vergersenhek zn wirken federn unter das.pfiihl 
gelegt aUd. bll. 1, 145, auch im gegentheil erinnemng und 
auderes geistige sehwebt and ist geflügelt, wie hugi und 
muni, — die verf^efsenheit durch Gunnlöds trank wird str. 106 
noch weiter besungen, und so soll diese Strophe wohl zu- 
gleich vor dem warnen was Odin begieng. , — Fialar heilst 
Volusp. 14 ein zwerg; man vennutet dafs es auch ein rie- 
senname gewesen sei, wonach dann hier auf denselben raasch 
beiGnnnlodä vater^ dem riesenSuttung, hingesehen wäre. 

15. 16. mut und frohsinn, p^gaU ok hugali, denn 
schweigen und denken kann niemand kreneken Frank 2» 88*. 
pioäam bmm erklärt B. Halderaon durch inquUinus. im go- 
tbischen bedeutet diese ableitung von pied (volk) den könig, 
im nordischen scheint sie wiirklich nur den fireien rolksge- 
Dofsen zu bedeuten, den edlen der auf dem.thing zu reden 
hat (sir. 116) und ein vom volk angesehener mann ist, so 
dals des königs söhn vorzugsweise diesen ehrennamen fuhrt, 
Atlaqu. Str. 22. auf solche aber die forderung.des kampf- 
muts zn beschrsinken wlire wenig im sinne der alten zeit. 
Sigurd, d\H er in seioer Jugend den drachen tödtet, sagt ganz 
allgemein fdr er gamall kardr, ef kann er i bemsku iiaudr - 
Vols. c. iS. Fornald. 1, 160, wenig sind im alter kühn, die 
in der Jugend feig sind, nur ist allerdiiqps solche scfamach, 
die furcht, am volksTührer am sehmählichsten, era kommgäki, 
at quida mörgo Edda 2, 185« dafs aber der Zuspruch Uer 
aUen gilt beweist auch die folgende Strophe von der speer- 
furcht der feigen, dazwischen eingeschoben ist die auff»r- 
derung zu frischem Lebensmut bis zum tode. in derselben 



zu HAVABIAL. 



zm 



iDdung mit der niäonlichkeit wird er auch laicud. 20.'t 
192 gefordert, und so wird der sinn des spnichs g-ladr 
^fß" Dicht so allgemein an dieser stelle sein als im deut- 
n es ist nichts vber guten mut; hirtjs trauren, lang le- 
Frank 1, 2G''5 niebr eDtspriGht. hvötom m^ beira enn se 
iom i hüdileik hqfaz; giöAom er betra enn si gltlpnan- 
itai sem at hendi komr Edda 2, 180. — das aUer gibL 
äogstlichen doch keinen frieden» d. h, doch siechthunt 
tod (sprichwörtlich nach Sn, Edda c, 12), und ist der 
itod hefser als der speertod? aach die spätere zeit re- 
Qoch imzner gegen die todesfurcbt, we dänß^ugtet^ wal 
\igt^ dromg ts he alle tt/d, dag en heipet it ntgtes nyt^ 
od mot timmer komen (o laiead. 132, rath aber nur noch 
men magt mit rnagte skalwereti^ mgt dorg wra&e styv. 
id. 130, ein kecker mut ist ein gtiter hämisch Frank 1, 
in nöien sieht man wer ein mann ist^ ßeuckstu^ so iigstu 
ida. 

17. der spruch knüpfl sich an 12 und die rrühern re- 
vom zusammenkommen mit menschen an, und bereitet 

besonders von der mafshalügkeit heim mahle handelnden 
phen 10 und 20 vor. kopir a/giapi. die hss. schvYan- 
auch In kopir und köpir. jenes kopa ist sonst krafl- 
sein oder werden ; die zu gründe liegende anschauung 
1 das starre klotzartige dasitzen sein, denn kop heilst 
Seehund, den mau sich nur auf dem land sitzend vorzu- 
en braucht, um die gemeinte geberduug des tölpels am 
le lebendig zu erbalten, so ein unbeweglich und stumm 
Izender wird auch IsL sog, 2, 177 ein ajglapi genannt, 
ler ein fifl^ nachher heimskr 178, obwohl er es nur der 
heinung nach war, dieser name bezeichnet genauer den 
ipfsinn \ denn glapna beifst fehl, stumpf werden von den 
sn, gtäpeygdr ein stumpfsichtiger, gl^p^^ verblenden, 
en^ freilich ist glöp nur faselei. ^ — ein solcher nimmt 
vielleicht vor zu schweigen um seinen rühm zu ret- 
aber der wein 'hat kurzen athem, er läfst nichts ver- 
Regen, ' 

18. offenbar ist auf den blofsen ersten blick das mafs 
falsungskraft einem erfahrenen (ein solcher sagt auch 
6 ek keß vipa ratap) — das könnte gegensätzliche an- 



M» 



•^ — 





ül zu FIAVAHAL. 

ßjguiig £U dem voriget] ausinaehen) wmn fiberbaiq^t verUn-» 
düng uiistiiitehnien ist. ob die lelzte zcüe fiiNrigeiis za koerr 
gehfirt (itkr m sd einn kann man zwcifelliaft stfii; das lets«- 
tere wäre eine nothwetidige ergänzang, nur der würde die 
Leute aisbold durchscliauen, der schon auf das reisen ver- 
stand mitgenomnieit hUtie ^ die andere yerbindimg wücde am-i- 
sagen dafs der scblafs von besonderm äafsem auf beiond«« 
begabung and gesinnuog überhaupt erst die sioherhdt über 
sonstige Verständigkeit eines beobachteten voraussetze« jenes 
wird einfacher sein, die umsehreibang durch das part. nml 
verb. siibst. mtandi er r= veä war auch im devtschen sehr 
gewöhnlich und findet sich bei ^htem bis ins i6e jahp* 
buitdert. 

•' 19. hüldimaär d km könnte man wie das firigende als 
Warnung Tarsen, man balle an» zfigele den becher; und so 
wird das kaiäa der zunge atr. 29 gefordert« aber das fol- 
gende pS wird 'dabei jedoch' sein, und der erste satz sonach 
au<^h ein Zugeständnis, wie es die Kopenhagener- herausgeber 
nebmeo, tracteinr licet poculmn. gegen unnützes reden auch 
Vafjin 10, • - 

6kynnh pms varfik engt Soli deutlich die unladlichkeit 
des zeitigen Schlafengehens den mäfsigkeitsregeln be^esel* 
len. ^ar muste =: mrar sein: es warnt dich keiner Aavor« 
die Kopentiagener herausgeber schreiben vär, was nicht deuU- 
licber ist, leichter bat R. rito, oonj. von niia arguere» 

20. nema g-eds viiiy er wifse denn Vernunft, im populä- 
ren sinne, zu nehmen, der gen. entspricht unsem zusätz- 
lichen etwas, recht ausführlich schildert das lächeriiche der 
gierigkeit am tische, die der vermmffity hofxueht ver^eueH^ 
Braut s> 287^-289, der auch die namen solcher vögd auf- 
bewahrt hat) wie schlmd-rab, leer''S''kerii, sckmirwanst, 
ßiil'den-magi ein ähnlicher katalog bei Frank 2, 98% glei- 
cber rath im Cato 323. 

22. gegen das schadenfrohe lachen spricht auch str. IM« 
Miki han veit. . at knn er namtna vanr. hier ist die lesart 
der übrigen bandscbnflen m*a, dars er nicht fehlerlos ist, of- 
fenbar gegen die der ältesten vorzuziehen, man mäste denn 
iibersetzeü) dessen ist er sich doch nicht bewnst, was in 
ihm sein miiste^ der lehlerlostgkeit^ aber das ist gezwungen. 



waM 



zu HAVAMAL. 



990 



!m sinne nahe kommt unser ptei geschreis,, wmig wolle 
rank 2> 108^', g^^W '^ demen eygen buseri 126% spQttes 
erih ist^ der spott jederman und schaut niohi var stck sei* 
jran Froscbm. 2 c. 5. 

23. der grund gegen das sorgeti und grämen, alt er 
ti sem iffir = der ganze Jammer ist wie er war, d, h, nicht« 
ie man sonst wolUe, das klagen hebt da von neuem an, 
indem f dessen gegenständ bleibt ja unverändert $ daher auch 
e lesungen vit oder vis (da ist er so weise wie er war) 
ischwächnngen sind^ der spruch ist allgemein und trifil 
cht nur geschehene dinge, sondern auch uneireicbhara, 
I Sigurd, als er die unzugänglichste besitzen wollte, sagte 
1 Alsvidr er pat Uli ai ^gifi er viadr faer eiffi, übel ist« 
a das sich zu ängstigen ^^as man nicht erreicht, Fomald. 

176« ähnlich laiend. 1S2, und von dem körperlichen nach* 
eil Zu viel sorg die ist niemmi för^ Sie machet: manchen 
eich nml dürr Brant s. 126, was besonders die sorge ob 
e gtns blofs gehn trifft; swer eliiu dinc besorgen wil^ 
m ist alles leides ml Freid< 58, 13. laß die vöglein sor* 
my dann sie haben schmak bmn Frank S, 86* und bei 
'ant2SQ. • , . < , .»»,•. 

24. hükt han ß^ pStt peir um hunn fir lest, das fin* 
t, merkt er nicht, wenn sie gefährdendes über ihn reden ; 
nn p6u kann hier nur si^ nicht etsi sein, obwohl es auch 
tt conji bei sich hat^ ßtr geben die Kopenhagener durch 
stifera convicia. aber str* 153 ist es auch nur wie sonst 
ndseligkeit, gcfährdung, alid. vära. wie hier so ist lesa 
ch 137 sprechen^ nicht wie sonst sammeln oder lesen, 
um ein und sagen fmdct sich aber auch in singen^ golh. 
"giyan^ Grimm gramm. 2, 36« 

25. wenn sichs um das mein und deiu handelt oder 
ist etwas wichtiges auf dem spiele steht, was auf dem 
ng verhandelt werden mufs, dann lind et sich oh die zu wil- 

sprechenden (vilmaelendr wie vilsiigr stp* 100 lustpfad, 
1 wie mlmaeli 87 das mundreden) freuude sind. ' freund 
der noth gehn zehn auf ein toth.' 

26. wer sich einmal zu helfen weifs in einem schlim- 
n falle» soll nicht gleich seiner klugheil sich überbehen ; 

seigt sich erst, wenn mit sticUelredeu, oder nait tragen 



t 



396 



ZU HAVAMAL. 



die zu ratben geben ^ die probe gemacht wird, wie s^r dies 
aacb die alten NonIläQder Hebten zeigt z. b. Fridji. c. 14. 
{tagii. Lodbr. c» 4< 

27. ^ucb Str. 80 wird dem thoren das schweigen em- 
pfohlen ; wenn der narr schweig^, so wird er weifs sagt auch 
bei Frank 1, 112^ die erfabrung eben so ironisch wie hier 
halb Zurücknehmend hinzu gesetzt wird veita . • til mart, nur 
freilich weifs der nichtswirseade aach nicht, wenn er za viel 
spricht, an das miltlere ^lied, 'niemand weifs dafs er nichts 
kann, wenn er nicht zu viel s^cht' — ein sehr rcrbrcite- 
les wort, bei Brant mancher ßir tottzig ward geschetst^ warn 
er sich ml heti selbsi geschweift s. 118 5 bei den warten kent 
-man den thoren j bei dem gesteht den mokren Frank 1, 16' — 
schliefst sich näher an 

28. der unwit2 verrath sich dem kundigen übrigens anck 
bei äufserer gewandtheiti fragen tmd sagen können gehM 
swar zu den crfordernissen des geistreichen (str. 6!^), tbiit 
es aber nicht allein; int munde des ungescheiten hats doch 
sein gepräge, daher wel kunnen spräken isjylgud An dem 
der is wt/s tmde früd laiend. 128. — ^ta synir menschcn- 
kinder; so oft in diesem liede, auch Orkn. s. 156 h»e yta.-^ 
den satz pm er gengz um guma beziehen die Kopenbagener 
auf eymiü (= övita) mit der übers, quoniam ea grassatnr 
inter homines, aber [ivi er ist nicht gleich pvi aU man prüft 
ob vorzuziehen ist Simulatque inter homines itur, wie str. 57$ 
oder £i ijui inter homines versatur, was passender erscbeiot, 
denn dem erfahrnen erst verhehlt sich die halbheit nicht in 
jeaem saj^en und fra^^cn können, die ähnlich klingende zeile 
94, 2 kann hier nicht cn Ischeiden. 

2d. von dem verderben was die zunge anrichten kann 
sind aller vöikcr Sprüche umständlich und scharf, die vor- 
christtichc ^eit spricht nur von dem zu viel des stattlosea 
was noih wendig der beständige zungenkitzel mit sich bringe^ 
die spätere zeit hat men segty an fehme spräken enmäg 
nigi wol stmde ejibräketi iaicnd. 55. — statt gelr hat ein« 
papicrhs. get7\ wie str. 8, findet, erwirbt, oft übles; aber 
farbiger ist Die zu geläufige zunge singt, ergellt sich übles. 

30. pQti til kf/nnis kmni kann nicht sein Etsi [ignotus] 
ad hospitium veniat, sondern Si ad notum hospitium {kyn^ 



zu HAVAMAL. 



m 



;izt ja das hmna yoraos) venial. und daa isl ein graad 
r das Dichtbespötteln; der rath wird jedesfalls an den ge- 
ächlich im haose sitzenden gehen (dem von der strafse 
)mmenden würde spötteln wenig anliegen); dann aber soU 
i der wirt nicht than, wdi einer im vertraaen auf seine 
istfreundschaft kommt, es wird aber auch ein anderer gnind 
nzugefagt: es könnte dadurch eine eigne blöfse sichtbar 
erden, dies scheint die Verbindung der beiden vershälften 
1 sein, und margr picki» wieder auf den ersten, den wirt, 
1 zielen : mancher dünkt sich auch schon weise so lange 
IS fragen, das freUta (str. 26), ihn noch nicht von einem 
'fofamen ankömmling getro£fen hat, und er es erlangt hat im- 
er mit trockner baut zu sitzen, letzteres bezieht Johnson 
if das ungewaschensein von spottreden und scharfer zunge, 
it bemfiing auf <Ke ähnliche stelle in Oegisdrecka hripi qk 
*^gi ef pu ejfss d holl reginy a per muno pau perra paU 
enn du schelte und Schmähung giefsest auf die guten göt- 
r, so werden sie es an dir abtrocknen, Edda 1, 152. auqb 
1 deutschen hieis es einen mit $charfer lauge waschen und 
igewaschen davon kommen, inzwischen könnte auch gemeint 
in, mancher rechne sich sein glück und das seinige aufs 
ockne gebracht zu haben für eigene klugheit an; gerade 
imer in ruhe und im trockenen sitzen können macht über- 
iitig und zum spotten geneigt. 

31. er ßdtta iekr nach Johnson 'cui fugam capessendi 
sultas est, vel qui alios fugientes opprimer« potest' (ßotta 
: fugieus in den Zusammensetzungen), bleibt man aber 
i dem gewöhnlichen stehen, wonach ßotti m. = flucht, so 
ird. die Vorstellung sein Klüglich scheint sich der zu han- 
in der nach der Verspottung, die er dem mitgaste angethan 
t, sich davon macht, wie es heifst der war klug, 4er Um- 
^ erdacht Froschm. 2 c. 5; aber klüger wäre es gewesen 
leben höhn zu unterlafsen, denn 'der über tisch spöttlich 
;hende kann nicht wifsen ob er nicht gegen einen grämli- 
en, der das nicht vergifst, poltere.' auch Tacitus weifs 
' convwia procedunt armati, ^— crebrae ut inter vinolen- 
r rixae. 

32. und doch scheint, bei all den spätem folgen die 
[che neckerei unter gastmahlsgenofsen haben können, es 




>.^ 



zu HAVAMAL. 

OhtT tische gtf* niobi anders als mit gegenseitigem scktan- 
bell, rekax, abgehen zu kiinnen. 'dieSM aa&ieh«i,' rSg andi 
in der unter SO angefahrten stelle, *der männer wird iminer 
danern;' srän Vorbild hat es in dem berühmten götter wi^l^ 
streit, der Oegisdrekka, und die sagen sind voll der bei«* 
spiele dazn, wie Faer. e. 5 wo der Wortwechsel selbst beim 
opfermahl zn th&Üichkeiten fiibrt; auch Edda 2, 207 wird da* 
vor gewarnt; ein völliges geweri^e machten aber die b^rsev- 
kir darans die gastmähler im lande nmher anfensncben, na 
dann mit verfingBchen fragen oder heraasford^nden zarnu- 
tnngen dem kämpfe vorznspielen. 

38. eine andere gastregel, 'damit man znm gespiacke 
nicht verdrofsen nar nach der schüfsel denke, nehme matt 
bei Zeiten etwas zn sich/ ist dies der sinn, so erwartet 
man für nema til hynnis kond vielmehr p6u wie SO ; wäre 
die negation recht, so müste sich die ausnähme anf den foU 
beziehen dafs man zu guten freunden gienge ; jedesMs mufs 
man bei sitr oh snapir sich ein * sonst' hineindenken, die 
Verbindung der beiden verstheile ist sehr lose und vielleicht 
nicht ursprünglich; anderwärts folgt auf den ersten theil, 
auf den rath sich früh 2u versehen, nur der allgemeine 
grund, man weifs nicht, ob man bald wieder unter leute kommt ; 
so Lodfafn. 7 (118) und Edda 2, 165. 

34. 'ein umweg ist es zu einem üblen freunde' kann 
auf die gefiibr geben oder anch auf die vergebliche erwar- 
tnng der anfhahme wie str. 66. ein beispiel für den ersten 
fkll wird Vigagl. c. 28 erzählt; für den gegensätzlichen sprach 
mufs es auch ein kürzeres wort im volke gegeben haben, 
deutsch ßreund seind gut bei dem weg Frank 2, 57^^ eine 
ähnliche spur liggfa Hl Giuka groenar brautar Edda 2, 185. 
nber gagn - veg bildet den gegensatz zu aßit)arf^ und wird 
nicht sowohl den gerade entgegen stehenden weg bezeichnen 
^Is den näheren pfad auf dem man zustreckt, von gugn ge- 
^nn, und dies wird behauptet, wenn auch der freund fera- 
«b wohnt, entsprechend dem vielleicht am wege wohnenden 
übelgesinnten. 

35. deutsche spräche geben auch ein bestimmtes mafs 
an, drei tage sei es räthlich die gastlichkeit in anspruch zu 
nehmen; das kann aber nicht sehr alte bestimmung sein. 



düHüMH 



d 



Zu HA VAHAL. 



m 



36. 37. das kefser in den werten tOM eignen heerd 
lit offenbar im gegemaaUs zu den ananttelbar rotiiergeiien- 
n Tom aafeniiiait bei andern, nnd bildet so mit einem in 
er weit anerkannten gefühlten satse den soblofs zn den 
then fSrs anii^ben und in die fremde ziehen, die sprüehe 
tbst aber setzen bestimmter wenig ond nichts haben gegen- 
er; daher die deutsehen vom geldeswerthe des eigenen 
achs, herdes» fenefs, kohls, daehes Frank 1, 20^. 37\ 144*. 
99*f. Wack. I, sp. 215 nur znr hälfte parallel sind. 

38. tu^mdm smam . ,fiti gmiga frw/Msrr erklärt John^ 
n *annis suis in solo collocatis nemo pede procedat ulte^ 
118.' aber veUi ä wird wie üa//t at str. 11 nicht erdboden 
in, sondern das feld drauTsen. schwierig ist auch die con- 
ruction, mit den waffen am boden ausgehen, znsammenge«- 
Iren wird vapnomßwnarr ganga, wer drauCsen unter freiem 
mmel ist gehe keinen schritt von seinen waflPen. 

VOM FREUNDSCHAFT ERWERBEN (39 — 52). 

39. zum erwerben von fireundschaft fShrt immer schon 
s schenken; auch der mildeste und reichste läfst nicht un- 
m sich etwas geben, das folgende versgiied und des Ta- 
us gttudent muneribus bestätigen diesen sproch. zur mil- 
^keit der edlen wird aber als ein haupterfordemis gereeh- 
t, freigebig in speise und trank (matar gSA* Edda 1, 38) 

sein. --^ die bestimmtere beziehung auf freundschaft er^ 
;rben in einem so allgemeinen Spruche wie es hat sich nie 
iner müd genommen (Frank 1, 74*) finde ich freilich erst 
rch die Stellung zu den folgenden regeln vom freigebigen 
stheilen und den ehrgesohenken. 

40. die erste hebt gegen jede knickerei an, und trifft 
sammen mit den deutschen Sprüchen was du hast, des biß 

gast Frank 1, 75* wer wird seins mauls ein Stiefvater 
in? 2, 73*; und dafs man auch etwas aufgehen lafseh soll 
I freunde damit zu ^v6rehren% dafs dagegen das ihnen ab^ 
sparte oft doch auf unerwartete weise verloren geht, das 
te ich fiir den sinn des zweiten verstheils nach mafsgabe 
• deutschen mahnungen was man zu ehren sparte fuhrt 
" teufet sonst hin Frank 1, 118*, 2, 149*, was man «ti eh- 






11' 



^ 



400 



ZU BAVAMAL. 



ren spm4^ kamfi mi ung^l Hingw. l. w. 114. — der 
salz mart gengr verr, eim varir hat seine örtliche beae- 
hniig hier auf die moglichkeit dafs das erworiiene und firevn- 
den Uofs zugedachte aber angesparte eine beute des feinde« 
werde, was in jeder zeit jeder stärkere sein konnte, wie 
etwa nAch guote wirket menec man^ tmt wirt dem, dem ers 
iibele ganFrfii. 56, 19, — ist abelr eiii in mehreren Msan- 
gen im nordischen sehr gangbares wort, margan h^idtr^ pat 
er minsi varir Ork. s. 82. pat verär miök [mörgu 9mm\ er 
rnnmst varir nalfan Lodbr. c. 15. Fomald. 1, 282. ähnlich 
Faer. c. 43. Soliffl. str. 8. 

41. mit Waffen und kleidem sollen sich fireunde erfreuen, 
das waren überhaupt gewöhnliche geschenke. als Gldan fremd 
zum hofe seines grofsvaters kommt, empfängt er einen pehs- 
rock (felld) spiefs und schwert Vigagl. c. 6, und sehr oft 
kommen geschenkte skarlatskirtiU vor. dem kaiser Heinrieh 
dem 5n schenkt hörzog Knut lävardr einen zobelpelz und die 
gegengabe des kaisers bei dessen abfahrt war ein goldge- 
säumtes kleld Knytl. c. 90. — statt pat er d sialfom synsi 
ziehen die Kopenb. die lesart R's vor, soemst am gezie- 
mendsten ; synst wäre am meisten in die äugen fallend, au- 
genscheinlich, und dürfte nicht zu verwerfen sein $ auch boll. 
hiefs es falresienst^ was altd. bll. 1, 73 durch das allerge- 
sehnste, beste erklärt wird, — vidrgefendr ok ^tätgefendr 
erox lengst vinir hat sich nur in einer etwajs m^siverra 
form erhalten in dem sächsischen Nemen unde weddergeven 
dait fnmde tosamende kleven laiend. 39. das ist gem^t, 
denn vidr-gefendr sind die das geben aus freien stücken 
anhebenden, wie vidrkenna freiwilliges bekennen ist, endr* 
gefa ist das zurück, dagegen geben, wie endr dem lat. re 
entspricht in endmyan^ endrfeeding d. i. renovatio, recrea- 
tio« sogleich auf das erste kennenlernen pflegte ein selcher 
gabenwechsel zu folgen; auf dem handelsplatz zuGrimsboer 
in England lernt der Ork. Kali den kauffahrer GiUa-Krist 
kennen; das stiften ihrer freundsehaft wird so besehriebeo^ 
Peir Güla-Kristr ok Kali skriptux gidfum vid at skUnaü, 
ok het hvor öärum smne vinattu Jullkominne hvitr setn ßmr 
di peirra baeri saman. deutsche sprüche gehen noch wei- 
ter; da heifst es geben maeht freund und leben; auch unter 



zu HAVAMAL. 



«I 



en Mttliirerwtiidteii, Ait ü ein gmnmm tDord^ kind fader 
nie moder, darto suster unde broder med gwie eint toea- 
lende bundm; — wän men mid tydUken gude gewmtjrundt 
nie möge LtteQd..d9. 100. — der asusatz ef pat bidr veräa 
el kann fireilieh bedeaten Wenns gut geht, wenn weiter 
ichts bedeutendes yorfälit ; es scheint genau genommen aur 
as vergönnen des Schicksals rücksicht genommen zu werden, 

ASL. den spruch latuing vid lygi, losheit gegen liige 
nnehmen, verstehe ich wie befs mit böji vertreiben Frank 
9 18*, gott und die Juristen schreiben dafs n^ sol kort 
iit hart vertreiben Ringw. 1. w. 123. über die ursprüng- 
che bedeatung von höldar sprechen die Kopenh. herausge- 
er der Edda 1, 322 mit beziehung auf die kenningar u. d. 
^ konung. 

44. drei regein am sich freunde zu erwerben, von de- 
en nur die erste hier einzig dasteht, die zweite führt str. 41 
US, die dritte str. 121 1 sie hat hier die hanptbetonung wie 
üend. 98 und verr hat nit ekr$ die äugen Ueben Frank 
, 9. im spruckwort man gemeynlieh gieckt^ eyn frundt 
en andern oft bestecht, was nur anders ausgelegt whrd' von 
»rant s. 125. liebe komf fan den ogen laiend. 43. — das 
edi blanda 'den sinn, eigentlich mit dem sinne, mischen 
nßom blanda 126) ist wie lagAi hugi saman in Fridf). 
nd wie niederd. mengen in dem satze ji skolen an nenen 
ingen mid hofärdigen frundskop mängen laiend. 50. — das 
lotiv ok vill pu af honom gött geta ist der unverzierten 
eit eben so gerecht als der satz sem fomt mal er: at i 
örf skal vinar neyta Heimskr. 4, 294« 

45^ dazu möchte sieh aus keiner christlichen zeit ein 
ieiches finden lafsen als gnindsatz. 

46. um hug maelay um den eignen sinn herum ohne 
in zu berühren und zu verrathen, ist schon milder als str. 45 
ad wird auch zu dem vorigen die reohtfertigkeit angefügt, 
ifs die entgeltungen (giöld) den gaben gleich sein sollen. 

47. einn saman . . vard ek villr vega. des weges irr sagte 
an auch im deutschen, viele sprüche erheben sich gegen 
ie einsamkeit. es^ soll niemand im selbs leben u. s. w, 
rank 1, 123\ 224'. laiend. 64. 204; selbst im kloster, heifst 
s, wird ein kovent errichtet. 

Z. F. D. A. in. 26 





zu BAVAMAL. 

mädir ßaeMr . .siaUwi sAi ata, fineigdnge lA- 
a sorge, meiQt w#hl nicht, wie Johnson will, 4m 
^^ *,*^/ w'^blilJ^*^?'^^**^ eoUpringcndc gute gewifseo^ aoch 
*•** ^ ,^ stark muttgft, wird zn betonen sein, Reinm. v. Zw. 
^^'^^hend^ müGzen scslic sin, dd mute und eilen beide hänt 
h^sei in MS, 2^ 147*. ab folge wiri nächst dem wohler- 
^iitv. überhaupt auch betrachtet die Sorglosigkeit nm das ans- 
jtomnien, der müde quält sich dämm schon nicht, indem er 
gibt, und hat auch nachher wenig sorge, denn laot der er- 
fabruDgsweisheU kommt es ihm auf andere weise wieder zu 
gute, &o dafs sein vorrath nie durchs geben abnimmt, bonis 
distnbuGre non est minuere altd. bU. 2, 137. qui datliben" 
ter valeal JVisqamter ebendas. der mäi gipt sich reich, der 
ff eilig nimpt üch nnn Frank 1, 117''. daher wird in den 
gleichen nachsalze der karge geradeza mit dem thoren ver- 
tauscht, der immer fiirchtet und sorgt, nämlich, er möchte 
arm werden, wie es deutsch heifst forcht den der amnU 
ßircht Fraok l, 73^ j so hier sptir ae glaeyggr vid gio/om, 
und so sind die gaben gewiss nicht die welche einer em- 
pfangen soil^ wie Johnson geneigt ist anzunehmen, sondeni 
solcbe mit deren umriickhaltnng , während er sie geben so&- 
te, einer denkt schlau, genau zu sein. — die scbreibnug 
fflaeyggr für giöggr ist wie neycquidr (49) für nöcquidar 
(R) ^ nakinn ; klag für karg auch in gloggvingr Snorra 
Edda s. 196. 

49* vddir minir gqfek*».tveim trämönnum. die über* 
Setzung 'hominibus ligneis' vermag ich nicht zu Iheilen. da 
Odinu spricht, so kann man schon an mythische gesellen 
denken ; holzwip und baumweibchen kennt auch die deutsche^ 
vorsteiluiig, Grimm myth. 243 ; ein vierzig eilen hober ganz 
alter mosbe wachsen er trämadr kommt auch fiagn. Lodbr; 
c. j^l vor. wie nun kornweibcben splitternackt erschienen 
(myth* 617)^ so schrieb man dies auch namentlich den banm- 
männern zu» ja der in der Ragn.sage erwähnte singt 'nir- 
gend schützt mich ßeisch noch kleider.' wenn sie nun nach 
dem empfange der kleider sich beiden dünken, so erinnert 
das &eilich daran dafs kleider leute machen, nur dafs der 
volle nordische spruch auf eine lebendigere art auch aus- 
sagt gut muckt mtit Frank 1, 19'. — neiss er neycquidr habr. 



zu HAVAMAL. 



r sdiaihnng ansgeseizt ist der nackende, aeheint mehr 
i klrideriosigkeit einzasehlieben, und in dem sinne 'ein 
»rser kann kein beld (recAr) sein' fortzuleben in der um« 
hreiboag rergebliehes nntemebmens emen nackenden vff 
e schätwacht stdlen Frank 1, 4*. neiu bat wabrscbeinlich 
ine wunel in nida baTsen veraobten, und stünde f3r neid-^ 
e vits für rtte. 

50« die aueb unter uns wobl bekannte vergleiebang des 
rlafsnen mit einem entlaubten stamm scbeint bier ibre stelle 
runden zu baben dnrcb str. 49. — mit porp könnte wobl 
cb der gewöbnlicben bedeutung die dorflinde bezeiebnet 
n ; gerade sie, dem valde entnommen, ist die einsame und 

meisten der entscbälung ausgesetzt; Jobnson aber gibt 

hier durch Mocus propatulus', so auch Mohn. Frithiob. 
175 'in der öde', zwar ohne beleg, aber möglich wäre 
's das wort ursprünglich nur den dem walde abgewönne- 
1 platz, das gereute, bezeichnete, und für eine einsame 
;end scheint es auch Ragn. c. 21 zu stehen, wo der baum- 
ip, der auf dem walde am strande gefunden worden war, 
t pd vard ek pessa porps rädandi. dienda ist auch von 

schützenden hüllen wie hier M^ gebraucht, für die 
;tere auffalsung liefse sich auch anfahren was von der 
walde ungekannt verblühenden linde altd. bll. 1, 110 ge- 
t wird, manec schtenm linde stät, der nieman keine ahte 

u. s. w. ; dagegen fiir die trauer der verpflanzten linde 
iche die anwendung dieses bildes im Erec 6007 — 29. — 
ler firage Was soll der freundlose länger leben? ruht ein 
ßbwort. niederdeutsch heifst es de nenenfrund hat m 
nöd, ü luiUk bäter wän de död laiend. 42. 63. in 
iks Sammlung ist kein spruch mehr von dieser stSrke; 
leifst es nur man kann ehr ohne geld als ohne freunde 
t; JreundUchqft AtU mehr not dann wasser und brot 
crgi. 

51. in dem vergleich mit dem teuer liegt wobl 'g^be 
idscbaft, lange feindschaft'; nur scheint die meinung 
sieb zu sein dafs andere freundschaft als unter guten 

aushält. 

52. ok med hello kM wird richtig eriilärt durch 'in- 
to poculo*. das seltene höll gehört offenbar zu der ver- 

26' 






I 



4M ZU HATAMAL. 

l^iien Wttiml g^AiMth ki^an «nd wiirie ebenda ha^s bio^ 
lea; ^ ^eiebe asnilalioa gieng a«eh id dem ebendaher 
alviiiBeDden hoU, geneigt, hold, vor sich, dei» dafs Amtd 
«od kold zu diesem »lamme gebmren stebt fest, s. Grimin 
m d. Wies, jährt). 70, 90. der ipnieb Oft erwirbt man 
gieh mit wenigem lob» begebt nach Fian MagDossea noch 
im dänischen; dentsehe schliefsen mehr den gmnd dn, eg 
gilt ein imnk wanw an seiner smt ei» vq/i mit wein, ein 
heiter ein gülden oder die gaben mmeht der will gut Frank 
1, 0*. M^^ wie und wer, ait was 2, B7^. 

53. die Kopetihagentr ausgäbe macbt keinea versaeli 
diese dunkle Strophe sn erklären ^ die Übersetzung ist ' mi- 
nntamm areaarum instar, miautis enm ingeniis, miauti sonl 
animi bominnm'. soUen die Sandkörner aller meBsebeo vinr- 
stand bedeuten, so widerspricht die wendung 'nicht alle wer* 
den gleich klug;' eben so stark die sonstigen eriabrungsge* 
mäfsen unterscbeidun^n der menseben in kluge und tbö- 
richte, sollte also der sinn sein dafs yeigleichungsmäfsig 
der menscbenverstand ein sandkom ist, gegenüber dem uni* 
versum das er durchdringen möchte, oder gegenüber dem 
Schicksal weiches ibm its vel^angenen viel und die zakanA 
ganz verbttUt, oder gegenüber dem wifsen der götter? dann 
wäre ^r sprach parallel bei Biom Hald. 370. nur läfst sich 
das foilgeiide daa^u gar nicht als grund reimen, wenn man 
nicht iafiispäkir etwa auf das gteiebe wifsen der zuknaft, 
die späheriscben gaben, bezieht, die man. einigen zuschrieb ^ 
ungedan wäre dabei nur immer noch dafs danach die men* 
sehen überall in zwei halften zerfisllen. könnte man dage* 
gen in der ganzen zweiten hiäfte der Strophe eine meions 
annehmen, die eigentlicb so viel sagen wollte als Eine grebt 
Unebenheit findet unter den menschen statt, weaa sie nach 
der klugbeit eingetbeilt werden sdlen, dann könnte die erste 
hälfte bedeuten Die summe der einsichten gleicht Sandkör* 
nem. — beides bildete eine passende einleitong zu den fol- 
genden Sprüchen Man solle nicht nach zu viel wilsen stre- 
ben, da sich überhaupt nur wenig wifsen lafse. doch wiche 
diese erklärung gern jeder die sich näher an die werte an- 
schlöfse und befseres Verhältnis der beiden verstheile faer- 
siellte. vor der band denke ich die construction mir abge«- 



ZUHAVAMAL. 4i| 

oeben so, Kleiiier jMidiEöraer, klemer geisleikrilfle -^ 
lud die «euMihen 9 ja) klein smd* die geitter der Bonner. — 
ine einzig« Variation gibt es die eine bafsere verbindang 
BF aodegiuig aa die band gäbe. 

54 — 56. tfel mart mia ist auch das lob des echten wei- 
Q Fafnir £dda 2, 174. die sprücbe Ton den vorzagen des 
cht allzn viel wifsens braucht man nicht fiir spätere einle- 
ngen aus christlicher zeit zu halten, welche das prediger- 
ch viel für solche Sammlungen benutzte , wie hn Freidanit 
d besonders in laiendoctrinal zu sehen ist. ein Zweifler 
nnte sich auf Coh. I, 18 berufen, 'wo viel Weisheit, da 
. viel gfünens' und 7, 16 'sei nicht aHzu weise, warum 
llst du dich verderben?' aber die erfahrung liegt zu seht^ 
f der hand als dafs man sie nicht jedem volke unabhängig 
trauen sollte, und sie hat im munde des germanischen 
Iks viele eigenthümliche und stufenweise immer stärkere 
sdrücke. der allgemeinste ist alt» feie U seiden gäd: wän 
je dal kern bovem gemikke (iibermäfsig viel) up demfddv 
lit io dickey fardmkket dai anderey also dat des de lüde 
rden unfro laiend. 125f wer viel welfsy der wirt nitjet/fsti 
r eil erferty der miifs vil Mden; was einer nit wef/s^ 
s tut im nit wee; Wer nicht jverstehty ihn nicht gräets 
hmsty^ vil müh und unwirfse Frank 1, 17\ 67^. 90^; bei 
kunst ist vil vnmufs; wsvemünßig sehadt niehty es lebt 
r mner dester bafs; narren haben gut leben, man hui 
nicht fiir vbel ebend. 2, i^^. du soU underwilen sin un^ 
^er denne ein kindelin Cato 294. sehr ausliihrlidi im 
oschniänsier c. 6 wer viel versteht — und kan der ist 
\ hochbeschwerter mann u. s. w. auch der gegen das be- 
iren der weifsagungen gerichtete sprach str. 56 beweist 
zh nicht ehristlicbe zeit; in den nordischen sagen kommen 
log beispiele von einem solchen hinwegsetzen über die 
igung dk Zukunft zu erforschen vor, wie tief sie auch im 
dnischen volke safs, so Vigagl. c. 12. Örvar Odd. c.2. 
ilicher rath erhebt sich noch im laiend. 133 nog klein nag 
it begären wetende iuen ddd. 

ö7. maär at manni verdr af miü kuäy der mann wird 
-ch den mann in (mit) der rede kund, wird so viel sein als 
-iihmt, so dafs bei der vergleichung mit dem feuer da» 



466 



ZU BAVAllAL. 



»dl nur y«. feaer beleb^ ellt«ifa4e^ das ganze wohl me 
anfforderoBs ist unter die menschen za gehen nnd es mit 
ihnen za halten; dann dfirfte aber, anch tu datdskr ^f dml 
meht sein 'sed impadens ex silentio (soperbia ignorantia)* 
sondern Eben so wie der echte mann als solcher durch an- 
dere lekaunt wird, zeigt sich der nnwerthe am verbo««, 
und dahenn sitzen bleiben, diese bedentnng für <fe/, das sieh 
verstecken, verUegen, wie es altdeutsch hiefs, läfst sich aus 
dem dylia entnehmen, wie es z. b. Frid[.. c. 11 stehu - 
was hier von der ehre und tuchtigkeit gesägt wird, sehreibt 
ein ahnhches wort der freundschaft zu, hfAcommg maekt 
rZt"^* *" *^' ^^ "^ ^/'»^ beytimen Frank 

58. -früh soll aufstehen wer des andern gut oder leben 
haben wiU stimmt zu gut zur zeit der lachegerechtigkeit 
ate dafs man es mit Johnson möchte verallgemeinem, einen 
«chUang davon finde ich noch in dem gewiss uralten spru- 
t^tjruch dm-m tSdt halb dm mann Frank 1, 26«. auch 
die angeknüpften spräche sind im deutschen gangbar gewe- 

^""^f^et; noch Sehottel sprachsch. IISO« fuhrt ^ 
dem ^Uafmden wolfe U^et kein ^ha^f in den fnund. 

l^hJfJ^ ""'*" t "?' """ '^'^' *^» »» «"?«"«*» 
Sfel^h ' i'^^- ^ "** "* ^ «ewöhaüehe ausdruck für 
v^I ' r .**^*' »'*'•''' "•* ^'*' '^«««'tUch zu her. 
v^heb^ des enrenen Zusehens, lug selbst .u seinem ding, 
^mll d^s tkm geUng Frank 2, 43«. - zu mart .^ 
r„-.T*^ .«> vergleichen die Kopenh. hemusgeber das 

heifst sowohl es hegt mir an, als es liegt an mir, solS^ 
to«#*« «< kalb g^ocMen Frank 1, 4% und = mdir Sdn 



zu HAVAMAL. 



m 



60. pükmML naefra deckender rinden oder sehindeln. 
er form naeh ist das pari, ins pass. umgeschlagen, was oft, 
; nachdem die ausspräche bequemer ist, im nordischen ge- 
chieht. so heifst es a b'dmdi degi und d Itdnum, so auch 
\fdom = lifandi str. 70. — ßess kann madr midiude da- 
on weifs man das mafs — was nöthig ist, um sich |;egen 
rost und sein dach gegen das wetler zu schützen : also — 
iese aufforderung ist verschwiegen, daher der ausdruck wohl 
prichwörtlich war für besorgung dessen was mindestes he- 
ürfnis ist um nicht nachher elend zu leiden; wer nit im 
ummre gabUn kan^ der mufs im winter mangel hon, den 
erendantz dick sehen an Brant 201 ^- 3. man sol schnei'^ 
en weil die emt ist. wann du nun im sommer vnd herbst 
it wüt einemdten und lesen, so darb im winler. wer leidt 
ajsjm in sein eygen ha%{fs regnet, oder schneiet, des erbarmt 
ich gott nit. — die form miötudr ist freilich selten, doch 
icfat mit Johnson in miöt abzustutzen; sicher ist zu lesen 
iwtude, (nicht miotudc) ; der dat. bei kann ist wie im deut* 
3hen können mit. die form miötudr aber wie ags. veorod 
id. werod (menge) gramm. 2, 230 und wie munod (liebe) 
:r. 79, obwohl das ags« meotod den mefser, Schöpfer beden- 
kt, d. myth. 15. 72. — er vinna» megi; der Tollständige 
iisdruck für hinreichen ist vinnas tilßtllu. — mdl ok missere 
It etwas formelhaftes ; der acc. pl. mdl bezeichnet einzelne 
^stimmte Zeitpunkte, wie die tagsmaUzeiten, die jahreszei- 
!D, gerichtszeiten ; missere für misseri ist wieder als pl. zu 
shmen (es ist ebenfalls neutr.); die halbjahre aber ist ste- 
3nde bezeichnung des jahrs, dessen älteste beobachtung sich 
lerall an die beiden Sonnenwenden knüpfte, wo die grofsen 
)fer und gerichte waren ; seiner Wortbedeutung nach hiefse 
\ wohl Wechseljahr, Jahreswende; so heifst Er hielt sich 
i einige halbjahre auf ok var sva pd nockr missari Vigagl. 

20; jähr aber ist es in der straftestimmung hqfa 3 hei- 
eli d kverium missarmn ebend. c. 19. ebenso 13 und 9. 

61. in dem zusatze 'obschon er nicht zu wohl geklei- 
)t sei' kann ich keine wamung sehen zu sorgen wo die 
eider herkommen, wie in Matth. 6, 25, was Johnson hier 
iführt, sondern einzig eine hervorhebung der ordentlichkeit 
id reinUcbkeit gegen das sehen auf guten anzi^. schämen 



M^. 



.y. 




Ui 



4m 



zu HAVAIIAL. 



i 



si41&e man sich, wiU es sagen, uigewisoben m, keoimeii, 
aber iiiehi in räiem geringen rocke oder auf nicht allzugit- 
tem pferde 211 kommen ; und eher s^äme man sich der blöfse 
als der schuhe und hosen, wenn sie nicht besonders sind« 
ein ähnlicher spruch setzt das gekämmt sein binzn kemdr 
ok ßvegmn akal kaenna hverPy ok at morgni meUr Edda 
2, 165. med steht fiir $Sd (se-at) wie $amfi lür smn^ seß 
und öfter aez:ze geschrieben ist. 

62. die vielerwähntcn erfordernisse des weisen, fragen 
und besonders sagen können (so str. 104), vergl. Grimm 
Ändr. s. 91, stehen hier nur des gegensatzes halber; der 
(ibergang scheint der zu sein. Zu sprechen wifse der ver- 
ständige, doch sein geheimnis verschweige er. die form die- 
ses ' allein wifse man seine sache' u. s, w. kommt auch sonst 
ähnlich vor ; wenn ein ding bis an den drit man kompt^ so 
bleibt es selten verschwiegen; was einem zu eng ist, ist 
auch dreien zu weit Frank 1, ii*. formlos im laiend. ^7. 
nach diesen beispielen ist nicht der deutung Finn Magnus- 
sens beizustimmen ' merkwürdige neuigkeiten sind nicht einem 
oder zweien, sondern dreien zu sagen, da es dann das ganze 
Volk weifs^ eine Wendung die nur daraus hervorgieng dafs 
ihm die Übersetzung Johnsons einen Widerspruch zu enthal- 
ten schien; diese war 'unus sciat licet, non item alter, to- 
tus populus seit, si tres sunt conscii.' so auch Mohnike in 
der Frithiofssage. aber auch dies hat seine parallele, der 
Winsbeke räth — din tougen niht den tumben sagen, daz 
zwein ist reht, deist zenge drin MS. 2, 251^*. was vber 
zwey hertz kompt, das kompt auff {aufs?); was einem zu 
eng^ ist . . ist allein zweyen gerecht Frank 1,11*. es bleibt 
nicht verschwigen was vber zwey hertzen in das dritt kompt 
2, 113\ 

63, dajs nnrobige flattern des adlers an der see, wo er 
sich nicht halten kann, und die läge dessen der keine fiär- 
Sprecher, besonders nöthig im alten thinge (str. 25), zur seite 
hat. das Also -r* wird sein eimen got und vü freund sol 
man haben Frank 1, 7^. alt heifst das meer wie der riese 
(vergl. zu Str. 105) unter dessen namen auch Oegir war. 
Sn, Eldda R. s. gio. . 






ZDXATAIIAL. 

64. riU nmfii iuer «Uerdkgs gewall ioi aUgemeiDeii sein ) 
as vorige und fie anwendnag erweisea als auttelglied Afaii 
lache sich keine feinde, das zweite versgüed, welches hieih 
assagt Veriafs dich nicht anf deine eigene stärice, begegnet 
ach als selbständiges Sprichwort von selbstäbersehXtzung, 
rie 'der stärkste findet noch immer leicht einen stärkeren 
ipferera' Aegü-hiaim bergr emugt, hvars $kulo reüir 
Bga. pd pat fifinr er med fleirom iamr at emgi er ebma 
vatasir Edda 2, 175. fomald. 1, 162. es ist auch kernet 
} geschmmi^ der nicht einmal sein meister find Froschm» 
» 6. 14* ' 

65. für die vorsieht im tränen klingen viele spräche ^ 
ie deutschen geben auch ein mab daza, trau niemand^ du 
nbest denn ein salxschdben mit ihm g^/sen Frank 1, 111^ 
lj}4). 2, 16- 

66. 'bald war das hier getrunken, bald nicht ansgele^ 
;n, wenn^ ich kam' kannte man als klage aber nngasdich* 
;it farsen, nicht zu geben findt der geäxig alhoeg ursaek 
rank 1, 72*; hier gilt es aber dem der den andern nicht 
TD siebt, wie die letzte zeile sagt Selten kommt der lei- 
ge zum tmnke recht, lid n. ist auch ein im deutschen 
ibiäuchlich gewesenes wort, wie es im Ludwigsliede für 
uschtrank steht. Sn* Edda R. s. 208 Ud heiHr öl. 

67. hier der gegensatz. Während 4nan beim ubelwoUen«* 
n ifluner nach dem feste kommt, gibt der fireund immer den 
ringsten vorrath her, and den ziehe ich allen gastgebolen 
r* — mundi mer heim uf badit es würde mir entboten, 
I könnte eingeladen werden, denn Er lad ihn zu sich heust 
ud hömtm tu sin Viga^. c. 20. bmdu pdr kern ttägmi 
Ida 2, 41«. 1, 363. 

VERGLEICHUNG DER GÜTER DES LEBENS 

(68 — 80). 

68. in dem ansdmck eldr er bextr med pta sonom ok 
'ar s^n fand sdion Finn Magnussen spuren der alten hei* 
keit der sonne und des feuers, mit vergleichung des per-^ 
eben cultus ; auch Grimm bemerkt * wie schon Julius Cae* 

Sol wii Fulcanm, und die Edda, beide als das bächste 





410 



ZU HAVAMAL. 



preisend, fener und iM>nne neben einander nennt' d. m. MO. — 
wenn dieser halkvers auch aufaer der yeri>indnng, in der er 
liier «rsdieint, ein gangbares wort war, so ist diese Vor- 
stellung unverkennbar, da aber hier darauf noch ein Wenn 
folgt, welches nur mit dem vorangegangenen lobe des feuern 
und der sonne vert^unden werden kann, so vermiß ich niclit 
eine unbeschränkte, sondern nur eine bedingte vorzöglich- 
keit jenen dingen zugesprochen zu finden, und es bleibt mir 
nur die nüchterne erklärung übrig Dann ist das heimatliche 
fener, dann der sonnen anblick köstlich, wenn der menseh 
die gesundheit zu behalten und ohne fehl und schmach zu 
leben erreicht, statt ' leben' zu sagen ' die sonne anblicken' 
würde sich kein dichter nehmen lafsen; dafs ahev (69 — 71) 
das leben als unersetzliches und jedem andern unter seinen 
gutem vorzuziehendes gut in immer hellem und stäriLt^rn 
ansdrncken bezeichnet wird beweist auch hierher zurück dafs 
es hier gemeint sei, damit man zum voraus verstehe was 
76. 77 schärfer ins äuge gerückt wird, ehre sei noch höher 
als leben, ein fehlloses leben das höchste. 

69. gesundheit nicht das einzige gut im leben, qf ver- 
kam vel von werken, thaten genug, bezieht sich nicht auf 
wohlthätigkeit. 

70. dazu fuhrt Finn Magnussen das noch gehörte dä- 
nische Sprichwort an queger mand faar vel ko, men dod 

faar aldrig lio. auch deutsche spräche gedenken der kuh 
als des mindesten hausbedarfs, wer wü haben ruh, bleib bey 
seiner kuw Frank 2, 84*, und preisen das leben, das leben 
ist Ueb$ der leib ists hauptgut 1, 17^. — die lesart Olafe, 
muni für manm, wonach der sinn entsteht Die reichthümer 
kann das feuer verzehren, zieht Finn Magnussen richtig vor; 
sonst könnte man nur an das bestattungsfeuer denken, und 
dann ist der tod nicht mehr blofs vor der thüre \ auch str. 78 
spricht dafür. 

71. so viel anschauung als hier dürfte sich in späterer 
zeit schwerlich wieder zusammenfinden, wo gesagt wM dafs 
gebrechlichsein immer noch befser ist als todtsein ; denn mit 
Verbreitung der christlichen lebensansichten vermindern sich 
die Sprüche von dem werthe des irdischen lebens. unberührt 
davon musten sich aber natürlich solche erhalten wie befsm* 



zu HAVAMAL. 



411 



kn arm als dm hals abg^len Frank 2, 7^; die todien 
lögen uns mt mehr heffen 1, 35''. — brend^ = dauA* auch 
tr. 81. 

72. über die bautar - stemar SDorri zu anfimg der 
leimskr* — epär gengiim guma nach dahingegangenem 
lann (vater) geboren. 

73. tveir ro eins heriar 'duo inter se snnl adversarii,' 
D die Kopenh. heransg. und die lesart R^8, einheriar^ 
edente dasselbe, einheri wäre monoberos gr. 1, 661 (wie 
inbani), einziger auserlesener held wie Vaffir. 40. Grinup. 
3. 23. merkwürdig dafs die Variante eins heriar ebenso 
af{)r. 41 voikommt. man hat es auf die im folgenden ge~ 
mute feindsehaft zwischen zunge und hanpt bezogen, deron 
irichwörtlichkeit sich aus jenem alten zusatz zum Uplanda^ 
g beweist, worin der lasterer, wenn er im Zweikampf fällt, 
s eine das eigene hanpt treffende zunge {tunga huväbani) 
ine bufse bleiben soll s. 130. Finn Magnussen hält die 
mze Strophe als abgerifsen und dem versbau widersprechend 
r unecht und eingeschoben, gerade die dnnkelheit der letz- 
n zeile spricht eben nicht dafür, und längere drdistäbige 
itersätze widersprechen dem Liodahattr nicht, wie ich in 
eser Zeitschrift nachgewiesen habe, selbst Resenius, bei 
tm sonst manches nicht stand, hat die Zeilen nur offenbar 
itstellt, bane er naer i bedenn, hveim handarvane, ab^ 
e pergamenths. war den Kopenh. herausgebem nur bei 
mfiids, was sicher richtig gesetzt ist, undeutlich, gar nichts 
leb schwankend in den folgenden schwierigen werten er 
jr i hedin hvem handar vaetii. das seltene hedmn läfst 
;h durch nichts anders erklären als durch rock, Finn 
agnnssen verglich richtig geit-hedinn, wtnn auch die ab- 
tung von häd unrichtig ist. auch in der zusammenziehung 
fheänar die wolfspelzträger Heimskr. 1, 95. 4, 17 liegt 
sselbe wort, sicher ist nun dafs die Verbindung dieser i 
din hvem mit vaeni bei den Kopenh* herausgebern, so dafs 
r rock der gegenständ der erwartung, hoffnung, sein sollte, 
zuläfsig ist; nähme man auch handar -vaeni etwa für be- 
nde oder sichere erwartung zusammen, das worauf man 
fft oder rechnet, wird immer im gen. zu vaeni oder vdn, 
V gesetzt, so hänorr var sfyriar vaeni Har. barf. c. 19 



41t 



ZD HAVAMAL. 



ottd in dem spricinrort er mer ßingä van af frdsom nlfi 
ktnpf erwarte ich von einem schnanbenden wolfe Bdda 2^ 
159, illra arda er mer an at ykram syni Försk. 2, kverl 
er hanum pikkir skiöls van wo ihm Sicherheit za hoffen 
schien fomald. i, 216, könig Ganti gieng darauf zu, wo er 
huttdegebell hörte pvtat hanum pötti par heizt manna von 
weil er da am ehesten avf menschen zu treffen rechnen konnte 
fomald. S, 5, kama i lands van auf der seefohrt 2, 305 ; in 
dem groben walde mufs man auf manche reifsende schädli- 
che tfaiere gefiaüst sein, en par vdn marga skaedra d^ra 
Isl. 2, 330. ebenso das yerbnm fengjar vaena fomald. 2, 309. 
hiernach kann «r mer handar vaeni nichts anderes faeifsen 
als Ich rechne auf eine band, versehe mich einer faust, und 
dann wird in dem präpositiondien zusatze das wann oder wo 
zn suchen sein ; völlig eben wäre ein mit i verbundene da- 
liv, das hier gewählte i hedm hvem mag aber sein In jeden 
rock setze, denke ich mir, eine faust. ist dem so, dann er- 
gibt sich völlig angemefsen zu der Warnung der durch die 
zunge oft drohenden lebensgefahr die fortsetzung der vor*- 
sichteinschärfiing, Und sicher wähne ich mich nirgends dafs 
sich nicht eine verborgene band gegen mich erheben könnte, 
dies mochte sprichwörtlich sein durch den kurzen satz aus- 
Eudrücken Wo ich einen rock sehe, da denke ich mir rine. 
faust daranter, ein sprach gerade so identisches verbindend 
zur scbärfung der aufinerksamkeit wie der gangbare deutsch 
bei Seh. Frank zu findende und oft im nordischen gebrauchte 
par er mer ulfsms van, er ek eyram sa^ da wähne ich den 
wolf, wo ich sein ohr sah Edda 2, 183. Fomald. 1, 164. 
alt. bll« 1, 11. belegen läfst er sich kaum mit Laxdoelasaga 
a^ 100 M. (unter diesem kleide W^ffs ich meinen tod wob* 
pen), wohl aber durch opt em vargugar hendur undir vor^ 
gt^um felldi d. i. saepefartes manus sub sordida toga^ ein 
sprach den B. Hald. (s. 462) gelesen hatte, der fortschritt 
vom ober- zum Untersatze ist dann hier ähnlich wie str. 65, 
oft mufs man für seine worte entgeltung erfahren. 

74. auch diese Strophe hält Finn Magnussen für eine em- 
geschobene. aber ihr bau hat nichts ungewöhnlicheres als 
dafs eine 3e oder 4e kurzzeile zu viel ist, und ihre dunkel- 
beit ist nicht so grofs dafs man darin nicht eine auffordenug 



zu HAVAIIAL. 



418 



snr foihNcht auf reisen erkennte^ wodareh sie sieh wenig«^ 
iteDS in einige Verbindung mit 73^ setzt, obwohl sie sieh 
refser an die regeln yom einkehren 84. Sd oder 33 anschlö* 
se ; denn den sinne nach würde ieh sie so nmscbreiben, 
?rene dieh der mhebringenden nacht nicht einzig schon dann 
i^eon da reisevorrath hast, ohne ein obdach ist es anch beim 
leitersien abend misriich, veränderKch ist die herbstnacht 
1. s. w* nicht ganz sieher zwar scheint die von Finn Magnus« 
en angenomniene bedentong hei1>stnacht iiir haust grima^ 
la grbna nur hülle, larve, hehn bedeutet, so könnte die 
iieioung auch sein Oft ändert der herbst sdne maske, sein 
ussehn. für die erstere erfclKrung spricht aber dafs im ags. 
Se nacht ein heim genannt wird, Grimm Andr. und Hei. 
. XXXVI, und dars sie- in den kenning^r u. Alv. 30 mdl'grtf- 
ta heilst, sollte in diesem siebenfürsler etwas eingescho« 
«nes sein, so ist am verdächtigsten skammar ro slrips rar 
urz sind des Schiffes rahen, deren sinn etwa ist Oft schlägt 
er wind um — herbeigeführt durch die folgenden sätze von 
retterwechsel; der wind aber hat für den wanderer weniger 
edeutung, und so ist erst ohne diese zeile der zusammen« 
ang der ganzen anschauung ungestört. 

75 — so. vom reichthum und dafs er dem thoren nichts 

75. die befsemng af mtdnm (Finn Magnussen) für aß 
uAmn wie in der pergamenths. steht, wird unverwerflich 
sin ; sehr annehnbar scheint Aer auch die änderung af 
udöm vom reichthum, die derselbe mit vergleichung von 
olarl. Str. 34 margan hefir mär apat vorschlägt, indem 
> erst ein leichter Zusammenhang mit dem folgenden ent- 
hebt, sonst heifst es Der thor weifs nicht, wenn ihn an- 
sre zum besten haben (Brant narrensch. 196); niemand ver- 
potte einen blofs der armut wegen. 

76. 77. nnvergänglichkeit des nachruhms, des guten oder 
blen namens, nach dem tode. was hier orx^thr wortruhm 
eifst, drückt auch das einfache tir aus; so ags. tir-eddige 
äled Andr. v. %. Ur 105. wenn man tir erworben, will 
lan gern sterben, göds höfam tirar tengit, p6tt skylim nü 
ir i gaer deyia Hamd. 29. on ßar ßll Bardi med gdäun 
rästgr Isl. 1, 308. — dimr ist zwar gewöhnlich ein form- 



■W4 




414 ZU HAVAMAL. 

liehes gerielily hier aber nur das über jeden menseiieii sich 
bildende orlheil. 

78. Vergänglichkeit des reichthoms ; ein eigenthiimlicher 
ausdrack dafär aus deutscber überiiefemng wurde zu IS aua- 
geführt; die benennung FtYmn^ liefse sich etwa mit F6»r^m^ 
oder Fettling wiedergeben. 

79. 80 bilden einen nnr lose sich anschliefsenden an- 
hang zu den sprächen über die lebensgnter : nachdem hinza- 
gefügt ist dars der reicbthum, ja jeder besitz, nur ffir des 
Ungen, nicht für den thoren, ein eigentliches gut ist, dem 
letzteren wachse nnr die anfblähung davon, wird für einen 
solchen der schon 27 gegebene rath des Schweigens wieder- 
holt, hier mit wohl absichtlich pomphafter einkleidnng als 
wäre es ein hohes geheimnis. pehn er gordo gmregin wel- 
che hauptrunen die hochheiligen götter machten; ßeim ist 
von runom angezogen, wie gewöhnlich, so dafs in er erst 
das volle relativum ist; die zasammensetznng gm^regin ist 
wie gin^heilagr hochheilig Vol. 6, doch wohl eigenüich zum 
anstaunen heilig, denn gin von gina ist die mnndesöffnnng. 
ein ags. adj . gin (patulus amplus) weist Grimm Andr. 1523 nach. 
Finn Magnussen führt auch ginfast (zum erstaunen fest) an; 
so wird später auch forkunnar wel (wunderwehl) gesagt 
Orkn. s. 84. dunkler ist die gleichfalls steigernde Zusam- 
mensetzung mit fimbuly die auch str. 104 begegnet und in 
fimbul'vetr Vaf^r. 44. Grimm vermutet es möge ursprüng- 
lich das rauschen bezeichnet haben wegen ßmbulfambt 
st]^. 104 und ags. ßfeldor^ fifelstream. Andr. und £. s. 147. 

ZEIT ABWARTEN' UND WAHRNEHMEN 

(81—83). 

81. was die sechs einzelnen biUer auf gleiche weise 
aussagen, das findet sich später auch nackt, zusammengezo- 
gen in einen spruch, dargestellt: als Brynhild sagt 'du hast 
gut zufrieden sein, da dir alles nach wünsche geht' antwor- 
tet Gudrun snemt er pvi enn at haela^ früh ists noch des- 
sen sich zu rühmen fornald. 1, 189. nämlich mer spräkt 
unde is 6k al wäre, allen wärken werd lov gesägd in deme 
ende, aUe men se lägt laiend. 32. sckUt und lob niemand 



J 




zu HAVAHAL. 



415 



M Fraok t, 72^. aueb die einzelnen biiderwtren für sieh 
ngbar; noch jetzt haben wir es ist noch nicht alier tage 
end wie Frank 2, 84^, wo auch es ist wol so grün^ vor 
ckts zu hew worden als das. aber auch wie hier galt 
löten tac man xe äbent loben sol, aus Laurin Wh. Orimin 
«id. xc^ii; ferner das erprobte schwert Freid. 95, 18 ; und 
irker als mey er gefin er findet sich nach der hüchzeit 
\ent nian des weibs bofsheyty was Frank 2, 7r ia glei- 
sm tone ansiegt. ^ 

82. die zeit wahrzunehmen hat das deutsche noch mehr 
dliche auflorderungen ; schneid pfeifen weil du in den röh- 
i sitzest; schöpf oder trink dir genug weil du bei dem 
mnen bist und andere bei Frank 2, 92^, 153*; doch ist 
r noch in jedem bilde zugleich eine selbständige gute re-^ 
; die zweite vershälfte geht von der einschärfiing der rech- 
i zeit zu der der bestimmung über, in jeder aber hat sieht- 
1 die letzte, die aufforderung zum genuTs der liebe, den 
iptton. — a skip skal skriäar orka eigentlich mit dem 
liff soll man schritt, lauf wirken, skriäy sonst n., bier 
druckt einen hinrauschenden gang oder lauf aus, das liia- 
eichen, will aber hier doch kein recht volles bild geben. 

hat skreidar orka fische fangen, aber skreid wird nach 
Im Haldorson nur von den getrockneten fischen ge- 
ucht. — maeki höggs hängt noch von til ab, wie vedri 

r 
[ f. 

83. eine ähnliche kanfregel sogar im laiendoctrinal, men 
il datfä kefen so dar jung sy unde wasse to 113; hier 
ir, wenn es unscheinlich ist. in heima hest feita schon 
{s feita eine andere bedentung haben als die welche die 
rterbücher und Finn Magnussen geben, mästen; denn die 
iigsten pferde wurden ja zu opfermahlzeiten verwendet, 
i auf den hund passt es gar nicht, die bedeutung ziehen 
liefst sich leicht daran an und meint hier jedesfaüs die 
ssur; belegen läfst sie sich vielleicht mit dem englischen 
fit zurechtmachen u. s. w. die regel den hund auswärts 
iröhnen zu lafsen befolgen noch alle jäger. bä ist freilieh 
:emein der anbau und war str. 36 heimatlicher besitz, er- 
t aber öfters den sinn eines aufser der heimat noch, also 
wärts, errichteten neubaues, landgutes^ so Orkn. 151, 



416 ZU HAVAMAL. 

Sigiird halle ein aml, also niederlaCrang in Tiuubefg, ok 
im bü d Jiustr^Ögdtim. ein reicher bonde in Norwegen 
halte 12 bügaria fyrir utan pann hq/udbo€y er katm smt 
A siaifr fomm. 11, 422. 

WORAUF NICHT ZU TRAUEN (84—91). 

84. die AaUache der wandelbariieit der frauen (deutseii 
si häni kurzen muot und langes A^ Wh« Grimm Freid. 3Mf.) 
beUagl aach der verfaber des Solaris 10; aber er lenkt ein, 
wie Cohel. 7, geschaffen sein sie wohl gnt, aher — • 

85 — 89 hangen die dative alle ab von dem schlieCsen- 
den veräit määr sva tryggr at pessi trüi öllo. sollte daher 
wohl die in der constmction wie im metrom anlerbrechende 
Str. 88 vor oder nach dieser langem priamel ihre urspröog- 
liehe Stellung gehabt haben? freilich ist wohl auch nicht 
zufällig dafs anfiing und schlufs nach der gegenwärtigen ord- 
' nung auf das unzuverlärsliche der frauenliebe als das IriUer- 
sie im besten gehn, so dafs das übrige zu diesem als dem 
am meisten betonten in ein ähnliches Verhältnis tritt wie 
in Str. 82 und sonst, wie es auch deutsch heifst brunsty de* 
meeret ßut, und des weites duck sindt vber alle stuck 
Frank 1, 23^. die einzelnen stücke dieses katalogs der nn- 
znverläfsigkeiten sollten sich wohl auch sämmtlich in deut- 
schen Sprüchen nachweisen lafsen, und könnten daher be- 
trächtlich vermehrt werden; z. b. schon in gesellschaft des 
bogens pflegt noch mehr zu kommen, ein schwager und ein 
erlenbogen, ein schnelle that nicht wol erwogen, ein alte 
brück und fahles pferd, wenn sie bestehn, sein lobenswerd 
B. Ringw. 1. w. 371. der kurze mann und der röte bort 
Freid. 85, 19. Frank 2, 179^ sind auch nordisch vordächtigl, 
wenigstens im 13n Jh., at pü truir aldrei Idgum mannt ok 
rauAkeggjudum fomm. 11, 428. — 86. bami konungs, 
weil er als regierender sich ändern kann. — - 87, sialfrdda 
praeU einen, so zuvorkommenden diener verdächtigen auch 
deutsche sprüche. völo ril-maeli, denn sie thaten es ge- 
wöhnlich um guten gewinnes willen. Vigagl. c. 12. — val 
ny-feldom doch wohl, weil 'es sich oft begibt dafs der sich 
noch selbst rächt der den todesstreich empfieng , fomald.1,162. — 



zu BAVÜIIAL. 



417 



lie fi^jeaden 4 stficke heübikum • • . skütekiu tüki imr aus 
liner papierbs. aafgenommeii ; die beiden ersteren balte Ae* 
eiiias schon nacb 85 ; waram sie Finn Magnussen für an sich 
efr^ehtig hält, abgesehen von herra, dessen ricbügkeit tn 
ler alten spruehform aufgegeben werden kann, ist schwer 
;u sehen; der sprach von den thränen der buhldime steht 
edem alterthum an, für die beiden ersten Zeilen aber gibt 
s ein Zeugnis aus dem 't2n jb«, ridenü domino diffide, pa- 
ojuesereno altd. bll. 1, 11. und wieder im 16n Harem km- 
tel und lachenden herren sol niemand trauen Frank 1,77^, 
, 179^^ roter barty erlinbogen; herrengunst, frauenUeb^ 
prillenwetter ebend. ' — was wärde aber hunda geUti, dem 
ebell der hunde, für eine anschaunng voraussetzen? etwa 
ie eines in fremder gegend verirrten, der dadurch zu fein- 
en oder in andere gefahr geleitet wird? oder stand ur- 
prünglich hunda hellti oder helti, dem hinken der hnnde ? 
[es wenigstens bähen deutsche spräche, kund hmcken, wet- 
er weynen, kramer echweren, sol eich kein weiser anke- 
rn Frank 2, 83^* 

88. das trugUche des firiih gesäten ackers auch bei 
rank, früh sat selten ßir sich gat 1, 5^. 104*; und zu 
»fr ra^dr dkri vergl. das jar bringt treid, nit der acker 
j 19*. die genaue parallde mit dem früh gesäten acker 
|[re, wie deutsche Sprichwörter haben, Einem früh sich ent- 
ickelnden söhne traue man nicht; hier steht aber aUge- 
ein auf keinen söhn hoffe man zu früh, etwa wie es heilst 
h vstiter neret eh \0 kinder, dann 10 kinder einen vatter 
rank 1, 78*. — aus dieser stelle wird sich das in jeder 
indschrift anders gestaltete Sprichwort Vigagl. c. 7 herstel* 
n laEsen. Astridr hofft die durchfuhrung ihrer gerechten sa- 
le von ihrem jüngsten söhne Glum, wenn er von seinen 
hrten zurückgekehrt sein werde; da sagt ihr gegner zu 
r seint til vanar sd mdn erja nach Hafn 2, 341 , sä munt 
ja €, um pd mann-erju B, sd mann erja nach Peter- 
n ; keine lesart befriedigt recht, denn man^ knecht, ist neu- 
im, manerja (geringer aokerknecht) aber femininnm; und 
simm sollte der söhn geschimpft werden? wäre aber der 
du ' spät soH man hoffen, da man den aeker bestellt,' so 
Z. F. D. A. HL 27 




418 



ZU HAVAMAL. 



gmingt ^^ Sprichwort nicht ans dem bflde in schmälHrede, 
and zu lesen wäre etwa pd menn erja oder pa er. 

89. brödur^bana sinom. dem nicht zu traaeii, iprird 
anch dem SigurS von den schwalben vorgesungen £dda29 ±S3j 
so wie auch der grund, vill bölva-smidr brödr he/ha, viel- 
leicht dars aus der heldensage sich diese gestalt des spricb- 
Worts erst entwickelte, oder dafs es doch seine urspriui^- 
che Stellung zwischen Sigurd, Fafoir und Regln hatte, es 
hätte ja eben wyro\i\fadir-bana sin<m heifsen können, denm 
der söhn hat gleich starke rachepflicht. in der vorliegenden 
form wird es auch Edda 1, 76 berührt und Solarl. 20 — 23 
mit einem beispiele erklärt, nur daTs gemärs den da her- 
schenden christlichen grundsätzen die selbstrache abgewehrt 
wird. 

90. fridir qvenna. Hebe der frauen, goth. fiiaä^eay wie 
Str. 51. — ^em akiy als ob man führe mit unbeschlageneni 
pferde auf glattem eise; hdl war auch im deutschen noch im 
16n jh. so gebräuchlich, rie hat keine kelen schlanffenAaui 
Frank 1, 112*; jenes akt braucht nicht reiten zu sein, eine 
eisfahrt mit einem einspänner kommt ja auch Frid^. c. 12 
vor. — eitt hross privetty ötamit Isl. 2, 177. 

91. auch der männer reden gegen die frauen sind uu- 
sicher; und so wird bisher das warnen vor zu schnettem 
trauen ausgedehnt, doch liegt schon in str. 90 ein ansatz zu 
dem, was nun ausfuhrlich besprochen und mit einem beispiel 
belegt wird, was es mit dem liebkosen der frauen auf sich 
habe, so dafs man auch schon 90 und 91 zu dem folgenden 
ziehen könnte. 



VON FRAÜENLIEBE (92 — 102). 

92. wie 'frauenliebe zu erwerben sei, erfahrungssätze 
die man nicht von Ovid geborgt zu glauben braucht, sä 
faer er friar .ß*ia heifst später gewöhnlich loslafsen und 
nachlafsen, hier noch im alten und in unserm sinne sich be- 
werben um liebe; deutsch lieb überkömpt man mit lieb; 
wil einer geliebt werden^ so Heb er; dem mutigen wird die 
braut Frank 1, 9* und sonst, etwas massiv, aber nicht* un- 
gewöhnlich ist f4 bioda. mit geschenken von goldringen 



zu HAVAMAL. 



419 



n. s. w. wird in vielen sagen liebe gekauft ; so yersacht es 
Skirnir mit zwölf goldenen äpfeln und einem goldringe von 
wunderbarer kraft, freilieb vergebens, bei Grerdur Edda 1, 77f^ 
deshalb möchte ich nicht mit Finn Magnussen vorziehen 
was R. statt fe hat, fr^tt oder fridt^ gutes, schönes 5 die 
Bdda sagt geradezu/^ at kaupOy ich schenke dirs. 

9Z, dstar ßma, über liebe sich verwundern, setzt also 
sfhon einen solchen grad voraus, wie er 94 klar ausgedrückt 
mri. 

94. deutsch, besonders im 16n jh., noch stärker lieb 
nackt läppen Frank 1, 10'. 

95. da mit dem sinne, der dem herzen zunächst wohnt, 
md mit neigungen aliein dasteht, wiefern diese nie völlig so 
^on andern empfunden werden können, offenbar ein Vorgang 
[es innersten selbstbewustseins, der nur der eigenen persön- 
ichkeit entspringt, eingeleitet werden soll, so kann das be- 
leichnete siechthum schwerlich die gewöhnliche unzufrieden- 
leit mit seinem jedesmaligen Schicksale' sein, was sich er- 
ibt, wenn man ser öngo at una mit Finn Magnussen über- 
etzt 'sorti suae nuUatenus i^dquiescere/ die folgende erzäh- 
ing, die eine erfahrung davon beibringen soll, spricht nur 
on der quäl unbefriedigter liebe, deshalb nehme ich ser 
na als gegenliebe, liebesgenuFs finden, nach lehre der deut- 
ßhen Sprüche lieb haben und nit geniefsen mocht den teU" 
?/ verdriefsen — ^ wie wee dem ist, der lieb sucht da keyne 
't Frank 1, 88^ und wie es auch in der Vols. heifst -schwe- 
iT ist es den barm der daran liegt (an entbehrung der ge- 
enliebe) zu dulden als scharfe waffen' fomald. 1, 177« 
sium wäre es so stark, wenn hier geradezu unna tär una 
ände. die angesprochene bedeutung für una bestätigt sich 
i)llig durch Edda 2, 216 vergl. 219. 

96. sie war mir fleisch und herz; dennoch um nichts 
ehr habe ich sie. das heßk gleicht also einem 'erhielt 
h sie.' 

97. Billing ist sonst unbekannt; Finn Magnussen sieht 
issen hier ungenannte tochter in derRinda welche nach Saxo 
r. Odhins antrage mehrmals abgewiesen. — jarls yndi, 
dne königslust ohne sie; iarl ist also nicht in seiner spe- 



J7* 



/: 






i' 



49 



ZU HAVAMAL. 



eidlen beienlimg s« nekiiieD, wie schon AA^ keiserücA so 
torkomiiit« 

98. die yerapreehenfe rede dc^ Jungfrau gehl gleicfafoils 
von dem str. 82 gegebenen gnindsatse aus. 

99. visam t^iYioin^tf^Finn Magnussen 'ab cerlavoIimUite'; 
er zieht aber ^yn' (L) vor, d. i. wegen; es scheint aber hi 
übereinsiimmang mit pothmz jenes frd besser, wenn man 
es so erklärt, 'obwohl ich von gewisser neigung (von gewiss- 
heit ihrer neigung) in der that fem war.' 

100. in n^ta viy-drottf jene nütze wachsebar d. i. die 
tüchtige. — of vitadr ist abgesperrt, verhindert. 

102. g6d kann hier, da sie nachher schlimm genannt 
wird, nur etwa gütlich, freundlich sein. — haäungar leita- 
di mer. so wird leita mit dem gen. auch in rdäs leita ver- 
bunden, und die person die es zu leideli hat, tritt in den dat. 
wie in *es jemandem ansuchen oder anthun mit etwas.' - — 
ha/da ek pess tetki vifs. wie im lat. wird adj. und subsl. 
gern durch einen acc. getrennt. 



VOM BEGEISTERUNGSTRUNK BEI GUNNLÖDH 

(103 — 111). 

103. deutlich ist dafs durch diese und die folgende lehre 
die erzählung vom besuche bei des riesen tochter eingeführt 
wird, wie nämlich hier munterkeit und gesprächigkeit ein- 
geprägt wird, so heifst es gleich im anfange der besuchsge- 
schichte 'wenig hätte ich bei dem schönen riesenkinde durch 
schweigen vermocht, viel sprach ich in meiner sache;' und 
so wird noch str. 108 wieder eingefügt 'dem verständigen, 
der sich zu helfen weifs, geht wenig ab.* dennoch kann 
man schwerlich sagen dafs der ganze mythus dieselbe Stel- 
lung hier habe wie das abenteuer bei Billingsmaid, welches 
allerdings, wenn es etwas lehren soll, wenig mehr sagen kann 
als was zur einleitung vorangeht str. 95. der nun folgende 
liebeshandel kann nicht blofs wegen seines glücklichen ab- 
kufs den gegensatz haben bilden sollen zu dem verdriefsli- 
chen und vergeblichen; denn in den Vordergrund tritt der 
geistentzündende becher, der nun zu den menschenkindem 
heranfgekommea ist str. 108, aber weder der liebesgenufs 



ZfJ HAVAMAL. 



loch üe kinge art iwcth witz und bewegliehe werte daw 
;a gelangen ; von seinen gespräohen nut Gunnlöd sagt Odinn 
erade gar nichts. — - desto nötfaigir ist es eine eigeathÖBi* 
iche bedentung der erziUang von derjenigen za unterschei-^ 
en die ihr durch die Stellung hier gegeben ist, als sollte 
ie nar beweisen wie nöthig kluge rede, erinnerung und an- 
n^Aing an das vergangene, und überhaupt gesprächigkeit 
ei; regeln die ohnehin zum theil schon da waren 15. 62* 
i05. diese Selbständigkeit des mythns von Gunnlöd be« 
'eist auch seine aus{&hrun|^ und benutznng^ in der Snorra- 
dda. Sttttnng haust tief in der erde, der weg gieng durch 
ewaltige felsen (107), von seiner toditer geniefst und ent-^ 
ihrt Odinn den begeisternden trank, der mtöd (106) oärerir 
»sterreger (108) heifst. deshalb erklärt Finn Magnussen 
esen Vorgang für eine mythische darstellung der enseugung 
sr feldfruchte durch den in die erde eindringenden befruch-^ 
nden bimmelseinflars und Cur einen lobspruch auf den aus 
esen fruchten bereiteten köstlichen biertrank; den alige* 
einen nordischen begeisterangstrank auch der dichter, so in 
ir Athene 6, 242. dann käme esnaafafe an den mythus von 
roserpina. nach dem hier vorliegenden aber ist schwer zu 
iden wie aft die feldfracht, an die gerate, gedacht sein solle, 
orans der trank gemacht war ist der erzählung gleiehgil* 
f, sie nennt ihn meth; das eingehen in die erde hait keine 
r sieb ericlärung fordernde Stellung, denn riesen wohnen 
amid in bergen ; und der same käme ja doch nicfat unter 
[sen. der mythus scheint daher zu beschränken auf den 
irerir. die frage, wo kommt die dhHiterische begeistemng, 
1er höher« schwang des geiles her? veranlafste an einen 
ifen Zusammenhang mit den geistern der natttr zu denken i 
s umlte dasein der dichtenden kraft gebot eine zuröckfäh- 
Dg auf Odinn, wie bei allem unvordenklichen geschah; er 
(o muste ihn von den riesen in der erde, und, weil ohne 
be kein höherer anfäug, durch die gunst einer riesentocb- 
r gekostet haben, und mit adlersflögeln, setzt die Snorra« 
da hinzu, verlieCs er sie wieder; die hier zuletzt gegebene 
mdang läTst das ganze als einen trug, oder doch als einen 
waUthätigen raub erscheinen, denn Suttüng wird getödtet 
d Gumlöd somit in doppelter Iraner veiAiÄea. 




I» 



zu HAVAMAL. 



106. den n^men Gunnlöd erklärt Finn Magnussen dnr«^ 
laäa einladenv kampfladerin, und hält dies für personifica« 
tion der erde, lex, myth. s. 408, welcher beziehnng je^ 
ne bedeutung nicht eben günstig ist. w^enn die Schreibung 
der Snorraedda Gunnhlöd die ältere form enthält,"^ so hat 
man an hlaäa (struere und prostemere) zn denken, wovon 
lada (invitare) goth. lapön verschieden ist, dafür spricht der 
walkyrienname Hlaägtiär (Bellona sternens), welcher in an- 
derer Ordnung dieselben bestandtheile enthält. — ithgiöld, 
entgelt, eine Zusammensetzung wie mhd. itetoiz, ahd. ztldn 
Kero 7. zu der zeile sins ins heila kugar dürfte ein on- 
niRhiges echo svera saeva sein. 

107. rata munn letotnk . .Ja eridärt Finn Magnussen lex. 
myth. s. 664 durch *des bohrefs mond lisfs ich räum fafsen', 
nach dem bericht der Jüngern Edda, daemis. 72, dafs Odinn, 
bevor er in schlangengestalt hinunterfuhr, sieh durch Suttungs 
bruder Baug mit einem bohrer den weg durch die felsen habe 
bahnen lafsen wollen : unter diesem bohrer sei aber der Son- 
nenstrahl zu verstehen, das letztere hängt mit seiner den- 
tung des ganzen zusammen, das erstere ist auch der Wort- 
bedeutung nach schwer zu finden; rati heifst später nur 
thöricht und staarblindf damit ist nichts anzufangen; atrata 
Ist sich schnell und gut fortbewegen, schlüpfen, stürzen, und 
wird für gut den weg .finden gebraucht, entsprechend dem 
goth. vratön gehen, vratödus weg ; daher denn nordisch auch 
krata daneben steht, deshalb nehme ich das subst. raii fiir 
wegfinder, durcbdringer oder stfirzer, und dies als Umschrei- 
bung für schlänge selbst, der die dichtung das sichere ein- 
dringen in den felsigen erdengrund zuschrieb, nach Zeugnis 
der kenningar, welche unter orm auffuhren als gleichgeltend 
graßitr und grafingr. — der beriebt der Sn. Edda aber 
mag erst durch eine deutung dieses rati entstanden sein, 
die eben den geschmack verräth als die erklänmg des Ur- 
sprungs der afterpoesie. — stödomk^ nicht wie gewöhnlich 
stdd-omky sondern liier stddö-mik^ welcher acc. abhängig 
ist von t(fir ok undir (gr. Ay 40), hat zum subj. ioina vegir 
u. s. w. iötna vegir was, wie^im deutschen, riesengänge 
oder steige, wohl nicht die felsenmassen an sich sind, son- 
dern klüfte und würkliche pfadbildende abhänge, dieses 'ich 



zu HAVAMAL. 



4» 



stand zwischen riesengfingen und so gefährdete ich das hanpt' 
soll nnn die fiircht und die traoer zur zhii der Sonnenferne 
nach der winterweiide sein: sogar das haupt Odhinns hätte 
nach Finn Magnussen etwas besonderes für sich, nämlich die 
ionne, zv bedeuten, was schwerlich einleiicbtet. anf winter 
ittd Sommer könnte man aher jede reise, jedes gehen und 
»nederkommen eines himmelsgottes beziehen. 

108. Ht miifs hier allgemeiner als färbe oder antlitz 
;ein, denil hier geht es gewifs auf die mehrmals verkaufte, 
rertaaschte gestalt. als schlänge durchstreifte Odinndie kliifte 
im einzudringen, angekommen jaber trat er als mensch nor 
er dem namen Bölverk (110) auf. — därerir kommt ehe« 
10 geschrieben auch 143; anderswo es heifst, die nome 
Jfdur habe ihn zu Jiewachen gehabt, dähraeris sAyieU Urdur 
^eyma mdttk at veria mestum porra Hrafnag. 3. danach wäre 
IS geistrührer, nach der sonstigen schreibang öäreirir geist- 
ittder oder sammler, von reira vincire. 

109. peirrar er noch \on nytak bestimmt: hätte ich 
lebt ihrer genofsen, die ich umarmte. 

110. brimpursar reifriesen, denn aus reif war der erste 
11er riesen Ymir geschaffen, daher allgemeine namen wie 
rimnvr u. a. für dieses geschlecht entstanden. Grimm d. 
lyth. 305. — häva räds at fregna wird ganz eigentlich 
ein; die riesen die jedesfalls ausgehen um die ermordung 
lattungs und den raub des 6ffa*erir zu rächen, wenden sich 
ur balle des höchsten, .um zu erfahren, wer und wo der 
ermeintliche Bölverk (der öbelthäter) sei, oder ob er zu- 
leich mit Suttung gefallen sei; vielleicht auch schon mit 
hnung des richtigen : rathgeber od» berather war ein göt- 
$rname {regin). — n^ed b'öndom. neben dieser bezeichnung 
ir die götter hat Snorrä Edda s. 176 auch Mpt, eigentlich 
sfsel, hvemig ero nößi godanna? pau heita bönd ... ok 

öpt. 

111. der baug-eid, ringeid, war jedesfalls der reini- 
ieungseid, womit sich Odinn, etwa seine angenommene an- 
ere rolle vorschiebend, lossagte; das hiefs eid vinna auch 
i der Vigagl* c. 24. wer spricbt aber diese letzte Strophe? 
twa die riesen selbst? 



/: 




«t4 ZU HAVAHAL. 

DIE RATHSCHLÄ6E AN LODDPAPNIR 

(112 — 140). 

Das Loddfofnirsmiül war sicher ein selbständiges spFaeh* 
gedicbi und nicht nrsprängUch mit HAvamU verbanden, da 
es sich durch die neue einkleidnng, die Versetzung aa den 
Urdarbrunnen, wie durch die besondere form, die einsehHe- 
Tsung eines kehrverses, absondert, und nun zusammenhang- 
los aneinander gereihte regeln enthält, die zum grofsen th&\ 
im HävamAl schon enthalten sind« 

112. der sprechende ist Loddfafnir selbst, *eine übrigens 
unbekannte, vieÜeicbt mythische person. seine Weisheit stammt 
aus Odins halle; was er da und am Urdarbrunnen schwei- 
gend hSrle, vermutlich von Odinn selbst, das theilt er nnn, 
zum rednersitze gekommen, den um ihn her lauschenden zu- 
hörern mit und wegen dieser einkleidung braucht man dem 
Loddfafnir noch nicht mehr als menschliches ansehen beizu- 
legen ; ein gewöhnlicher gölterverehrer konnte noch 861 zu 
Ansgars Zeiten seiner rede vor dem schwedischen volke ge« 
gen die annähme des chrislenthums zu gründe legen, er ha- 
be sie in der Versammlung der götter des landes gehört, und 
sei von ihnen damit ans volk beauftragt, RimberUis vita Ansg. 
0. 23. jeder der sagen oder gedichte sprechen konnte, fand 
fiberall auf den höfen der könige wie der bonden gute gastr 
liehe aufnähme; war nach vollbrachtem tagwerke die fami" 
lie um das feuer oder die lampe versammelt, so begann der 
angekommene oder der heimische Sprecher (ptslr) von dem 
ihm in der mitte hingestellten höheren sefsel herab seinen 
vertrag* so schildert die isländischen abende noch jetzt Hen- 
dersens reise nach Isl. 1, 384 und die wandernden geschichts* 
erzäUer s. 385. mal er at pyUa ist formelhaft, wie. mH 
er at aegja Sn. Edda s, 212 R. Urdarbrtmni at möckte 
ich nicht so erblafsen sehen dafs es so viel wäre als unter 
freiem bimmel, indem brunnr den äther bezeichne (FinnM.), 
denn sonst würde wegfallen dafs der Sprecher seine weis« 
heit vom quell aller Weisheit bei den göttenfi hätte, der 
bruonen Urdbs, der vorzüglichsten der nornen, sprudelnd bei 
der himmlischen wurzel der weltesche, ist die Stätte wohin 
die alten götter und nornen gericht zu halten reiten, dc^ 



^^' 



zu HAVAMAL. 



«5 



herUf er pmr dSma fara at oiki YggdradU Chrimii. 30 
(woran auch mdl hier und döma 113 ermneri), ibve^ spräche 
fiioid Weisheit Grimm d. myüi, 460. — für #a 0A haken zwei 
alte haodschriften sat ek, nur leichter. 

113. riinar hier wohl nicht geheimnisse^ im allgemeinen, 
sondern von eigentlichen zaoberbuchstaben m verstehen, 
denn es folgt risüng, das von einschneiden der mnen stets 
gebranohte wort (ßaer fünar, er reist pin sysUr Sdda2, 422). 
da nun hier nur räthe folgen, so könnte man vermuten dafs 
das ursprünglich selbständige LoddfafnirmU auch ein runen* 
lied umfafst habe, welches hier wegblieb weil man ein an^ 
deres anzufügen vorzog. 

114. den namen Loddfafnirj wofür nach der perga- 
menths. und L Loddptbnir bers^us teilen ist, -erklärt der Über- 
setzer durch 'haeres', Finn Magnussen durch *jüngling dem 
der hart s^fst,' mit berufung auf das lex. myth., wo aber 
ein artikel darüber vergebens gesucht wird, er scheint bei 
dem ersten worttheil an hditm (haarig, rauh) gedacht zu 
haben; aber was sagt der zweite aus? er ist offenbar der« 
selbe als der name des in drachengestalt gebannteif' riesen, 
len Signrdr erschlug, denn für Fufnir steht auch Fabnir; 
lessen bedeutung ist aber ebenfalls noch dunkel.'*' **-> per 
mmo gdd sc. vera, oder soll man sagen, die verba mun^ 
tküt waren noch so voll dafs sie das sein einschlofsen? 

115. Warnung vor zanberfraüen, doch bestimmter als 
Brynh. 1, 26 und 27. fornald. 1, 171. die valan, spikonar, 
dfen sind schmeichlerisch, aber ihr Umgang ist gefährlich; ein 
»eispiel in der Odd. sage. 

116. dieses vergefsenmachen aller männerbeschäftigung 
I. s. w., was hierauf die fiolkkunnigir allein beschränkt wird, 
teilt die Brynhiid fornald. 1, 171 als die art aller schönen 
ranen hin ; Brynh. 1, 28 wird nur vor dem glänz der Schönheit 
gewarnt, die zweite vershälfte gibt weitere mögliche folgen 
er bezauberung in der liebe ; daher ist manxkü gaman we- 
er allgemein hominis gaudium noch (von mann und Jungfrau) 
lädchenliebeugenufs, der schlecht hierher passen ^würde, son- 
ern 'dafs du keinerlei männerfreude willst* d. h. kämpfen 
. s. w., mag man nun mannxkis lesen oder das hier ste- 

^ unter den bezeiebnnngea für sehwert steht es Sn. Bdda s. ^IS. 





486 



ZD HAVAMAL. 



hende daffir anneliiiieB: eine hs. (L) hat aach mannkü^ was 
später nttverwerflich war, mit nur einmaliger flexion. die 
doppelte negation bat in keinem älteren germaniscben dia- 
lecte etwas auffallendes. 

117. denn man hat beispiele dafs männer Mofs nm ver- 
trauliches gespräches willen das sie mit andrer frauen führ- 
ten getödtet wurden. Vigagl. c. 21. 

118. ßtstu zusammengezogen aus ßbs (versieh dieb, 
&ng dir) pu; regel wie 33, mehr wie Edda 2, 165 ok ai 
morgni metir: pvtat ösynt er^ hvar at aptni kömr, deutsch 
bei brot ist gut wandern. 

119. lafs den Unfall den feind nicht wifsen; so auch im 
laiendoctrinal. 

120. das yerderbenbringende der worte übler frauen, 
wird im zweiten verstheile insonderheit auf Verleumdung be- 
zogen; manchem mann ward eine zunge lebensgefährlich, 
die doch nicht um ein wahres verbrechen sich erhob; das 
allgemeine Sprichwort lautete opt stendr illt af Mi kvenna 
Isl. 2, 172. 

121 . der zweite satz sagt aus, was sich von selbst ver- 
steht, dafs der nicht betretene weg vergrast, ist daher auf 
das Verhältnis zum freunde selbst zu übersetzen, auch an- 
dere Sprichwörter stellen einen alten weg und einen guten ^ 
alten freund zusammen, nemo viam veterem vel anäd sper- 
nat amorem aus dem 12n jb. angeführt und mit nachwei- 
sung im deutschen versehen altd. bll. 1, 11. — Ireyir steht 
für das gewöhnliche tredr von troday als gäbe es ein trioda. 

122. gegensätzlich zu 117; nur mit guten männem sei 
vertraut, das wird viel in deutschen Sprüchen ausgeführt, 
etwas allgemeiner laiend; 59 we wont med wulven, mot mid 
en hulen; de appel wil gerne ßtlen^ de by forroteden ap- 
pelen ligt. — die empfohlenen heilsprüche mögen sich hier 
auf solche beziehen mit denen man sich gegen übeles äu- 
ge und übele rede, besprechen der leute, oder auch gegea 
krankheiten schützte. 

123. brich nicht mit dem freunde so viel an dir ist; 
weitläufiger und mit einschliefsung des nachgebens laiend. 41. 
als grund folgt hier wieder ein allgemeinerer Spruch von al- 
les theUender freundschaft, ohne die sieh das herz in sorg& 



zu HAVAMAL. 



m 



rerzehrt; ähnlich der deutsche Cato 353 ff. J^mem sorgen grö^ 
zen soltu vreude understdzen: tuostu da», so vertreit dm 
muot vil tmglich arbeit, dazu stimmt auch das zu sir. 47 aus 
dem laiend. augefilhrte wort. 

124. oräom shipta wohl nicht Wortwechsel als streit, 
wiewohl ein solcher rath sonst gegeben wird, Brynh. 1,24, 
sondern allgemein gar nicht ins gespräch eingehen mit dem 
narren; wie z. b. bei Brant ausgeführt wird, weil weder 
ihm ein nutzen noch dem sprechenden ehre daraus erwach- 
sen kann, auch iqi Spiegel der tugend heifst es mit die tum- 
ben, swd sie gSn, swar sie sitzen oder st4n (alkd. bll. 1, 99 f. )^ 

125. stimmt als grund nicht so zum abrathen vom um- 
fang mit dem thoren (124) als zur auSorderung mit guten 
umzugehen, wäre also wohl die Strophe versprengt? zu 122 
ist sie freilich auch nicht ganz gerecht, gut fiöfse alles, wenn 
nan unter osvinna apa den üblen mitverstehen könnte; 
loch da sich schwerlich diese im hebräischen vorhandene ger 
lanken Verbindung für das nordische nachweisen läfst, so wird 
ler Sprung nicht wegzubringen sein. 

126. knüpft an 123 an; der ist nicht freund dem an« 
lern, er vilt eitt segir, entweder Der nur das mittheilt was 
hm selbst angenehmes begegnet oder im sinne liegt, in der 
ibsicht mit dem schmerzlichen den andern zu schonen -^ 
vogegen auch das volk immer sich erklärt, z. b. aus dem 
Dunde des Wandsbecker boten 2, 8 — oder. Der nur das 
vas de^i andern angenehm sein kann entdeckt, nicht dessen 
ehler oder unrecht; in diesem sinne redet viel, Brant nar^ 
enseb. s. 166; Frank 1, 64^, wahrer freund soll igelshaut 
aben 1, 112". dann entstünde auch ein Zusammenhang in 
er Strophe: nichts übleres als unstät (brigdom angesogen 
on betra wie im lat.) zu sein ; gibt dir der andere durch 
eleidigung oder sonstiges unrecht dazu anlafs, so gehört es 
nr freundschaft das durchzusprechen, durch rüge auszur 
cheiden. 

127. primr ordom senna — per vidverra mann. — per ge- 
ört zu verra *mit drei Worten hadern sollst du nicht mit 
inem raann^ der unwerther ist als du oder der dir zu schlecht 
(t*$ -darauf genügte vollkommen ' oft kommt (in solchem falle) 
er beisere in nachtiieii,' und so ist die über das gevtfhn- 




4M 



ZO SAVAIIAL. 



Hebe mafs der gUederzahl sdireiteäde letaste zfäie pd er äi#» 
verri vegr wohl der anflickuiig dureh einen redseligen [mir 
sehr rerdächtig. 

128. skd'smidr enthält keine gewaltsame tibertragmigy 
im nordischen ist smida jedes bearbeiten aas r^en stoffeD, 
sei es holz leder stein oder eisen. • auch im ahd. ist beUo' 
smith blofs iibelthäter, und noch jetzt heifst es anch goid^ 
sehnrid nnd pfeifensehmid. deoUich setzt dieser rath zu- 
stände voraus wo handwerke. sich nicht verbreitet haben, 
aber gerade das fuhrt eben nicht nodiwendig auf h<Aes al«- 
ter; noch jetzt sind in Norwegen gegenden zu findeftwo 
die bofbesitzer Schuhwerk wie sonstigen bedarf von geräth- 
schafken selbst anfertigen. — der angefahrte grund aber trägt 
die färbe ältester soi^ nur für sich selbst, möglich indess 
dafs mit der zeit der sprach sich etwa dahin entfärbte, Dem 
andern ist schwer recht zu machen was er am nöthigstea 
braucht ; lafs dich davon ihm einen dienst zu thun der leicht 
von ihm selbst verrichtet werden, dir aber übel ausschlagen 
ki^nn: 'wer nicht undank leiden kann, sei der weit ein tm* 
nutzer mann* und wie er später ausgebildet wird, nun seh 
ick, mancher hab das gtüek, trüg er seinen femd a^ff dem 
ruek b\fs hin gen Rom ein weiten gang, sa verdient er 
dock keinen danck, wenn er ihn mit eim wort verletzt odr 
am thor unsanjß niedersetzt Froschm. 204 und 547. 

129. mitleid habe mit jedem, aber den feinden laTs kdn 
neu frieden — sonst übermannen sie dich: der erste spruch 
auch deutsch altd. bll. 1, 96. 

130. Idt ßer at gddo getit Finn Magnussen 'oura ut 
bonum tibi placeat,' im strengen gegensatze wis vrd swemte 
ieman geschö wol altd. bll. T,^; das sollte wol der sinn 
sein; aber kann geta gefallen heifsen? drei papierhss. haben 
in den Variationen pin stM per; das wäre einfach "mache 
dafs man dein im guten gedenkt,' wie in der Svarfd. ok vaeri 
min sidan getit at nokkru, da wäre doch einigermafsen von 
mir gesprochen worden, Isl. sog. 2, 121. danach könnte man 
das schwierigere, gewifs richtigere, per so erklären, 'lafs 
dir es (das üble, welches^ wenn du es hörst, dich nicht zur 
-i^hadenireude reizen soll) zum guten gesagt sein, also dafs 
es ein reiz zur hilfe wird, oder, wenn von anderer mangelt 



zu BAVAMAL. 



42U 



die rede ist, daTs da statt dessen ihrer zani gnleo, ihrer gu- 
ten seilen, gedenkst, wie gedenke niemam »e arge altd. Ml, 
1, 99. der deutsche Cato 357 ff* sagt geradezu emes an- 
dern rede und müseidt, diu dich niht sSre an gdt, Id dir 
wol genauen, so Uebestu dich in allen 357 ff. 

13t. 'aufschauen sollst du nicht im kämpfe, gialti gli~ 
kir verda gumna eynir, dem eher gleich werden die men- 
schensöhne' (die das thun; man mufi| ein swut hinzuse- 
tzen, wie Str. 33), d. h. sie nehmen feig die flucht, so Plan 
Magnussen mit berufnng auf Vatusd. s. 107. sonst fiircbtet 
man- sich aber auch wohl vor dem thieine, namentlich der 
Ettchtsau Isl. 2, 203. 4. eiär pitt um keilli haar scheint ein 
neuer grund zu sein gegen das aufschauen ; ist heilÜ pL 
ßonj. von hetlla verhexen, durch zauber wegbringen, so ver- 
langt man allerdings was Finn Magnussen vorschlägt, pik^ 
desto weniger möchten dich die leute berücken;' heiser aber 
lenkt ijian wohl ein mal zu piti, deine sache. über die be^ 
lexung durch ansehen mit übelm a^uge Grimm d. myth. 624 f., 
wo auch ein amulet genannt ist; hier würde dem kämpfer 
ichon das nichthinsehen dagegen genügen. heiUa ist ablei- 
nng von heill Vorzeichen, wohl auch mittel, wodurch von 
mfang an der ausschlag bedingt wird; solche bedeutungs- 
roUe zußUe für das unternehmen eines kampfes werden Edda 
(, 163 aufgezählt; zu Atn göd heul gehört einen raben beim 
tnsgehen zu sehen, einen wolf heulen zu hören, zu deu 
ibeln (zz:fdr)^ mit dem fufse anzustofsen; da^ heifst es 
itr. 24, ' stehen Unglücks disen dir an jeder seile und wol- 
en dich verwundet sehen.' ist da etwa das sehen auch als 
•ewurken gedacht? ^ 

132. J9gro skaldu heita. verheifsen wird mit dem dat* 
erbunden; die regel ist also nicht 'lebe ihre Schönheit^' 
rie sonst, sondern 'versprich ihr etwas hübsches, ok lata 
nicht Idt-a^ sondern inf. von skaldu abhängig), und erfülle 
s dann, lafs es wahr werden.' -— Mdix mangi gott ef 
'etr, nimmt man mangi ^ homo non, so wo^d der sprucb 
[> allgemein wie 39, 1 ; es kann aber auch = virgo non 
ein. 

ISB. von den drei rathscUagen war der erste schon 11, 
1. 32 da, der andere 117. 



WLZ 



I 



I ' " 



490 



ZU HAVAMAL. 



i 



i 



134. auch dies mag sprichwörtlich gewesen sän, den 
ÜAhrenden unhekannten nicht zum besten za haben; 'ämir- 
ligt bragdy at spotta Hkunna menn heifst es Vigagl. c. 3. 
deutsch nur noch halb in dem Sprache wüste manch man^ 
wer manch man war manch mann erböte manch mann ehr 
Eschenb. denkm. 425. 

135. die erste vershälfke hat Finn Magnassen mit recht 
ans dem rande der hs. L anfgenomraen,* soUte sie auch eine 
spätere wendong des stärker und bestimmter gefaTsten sprnchs 
der zweiten sein, die daraus fliersenden regeln, hier dem bo- 
rer überlafsen, dürften sehr fruchtbar sein \ sicher waren sie 
schon dem alterthum die der mäfsigung und des vertragens. 
Freidank hat den sprach unter der aufschrift von erkant- 
nisse 120, 17 f. nieman üt so vollekomen . • . , und nach vie- 
len unbegreiflichen dingen zuletzt ich sihe wol eines andern 
nacj den minen ich niht gesehen mac. ex gewan nie man 
so herten muot, er getcete doch etswenne guof 136, 5 — 7. 
derartige spräche auch bei Frank 1, 90, es ist niemand an 
fehl, wer kein tauben hat, der hat milcken. mit einem an- 
dern bilde selten man ein haupt erfind an dem nicht auch 
ein gründlein stand Ringw. 1. w. 302. dunkel ist, welches 
bild in galli (fehler) liegt ; Finn Magnussen denkt an gall n. 
galle ; das deutsche dne galle, was dem reh, der taube u. s. w. 
beigelegt wird, lierse sich dafür anfuhren, aus dem gebrau- 
che des Wortes Solarl. str. 26 läfst sich nichts entnehmen. 

136. or skörpom belg, aus rauher, runzlicher haut ver- 
ständige Worte, scheint älteste form des vorher bildios ge- 
gebenen sprachs; der sich gerade so angewendet foram. 3, 
97 findet, die zeilen peim er hangif . . . vilmögom verra- 
then einen Sprecher der die gelegenheit ergriff durch aus- 
mahlen zum lächeln zu bringen. 

137. peir muno . . . lesa, ein zusatz, der, da er offen- 
bar aus dem gegensatze am ende von 138 entstanden ist, 
auf dem rande hätte stehen bleiben sollen, aus dem er hier 
eingeführt ist. 

138. 'fest ist der riegel der allen aufzuschliefsen los- 
gehängt werden soll,' nach Finn Magnussen 'sehr reich 
mufs der sein, der alle einlafsen will; bist du es nicht, so 
gieb einen scherf.' — möglich scheint auch der sinn '^s 



zu HAVAMAL. 



4SI 



^ibt flieh keiner ann, sicher und wohlhabend wird gerade 
ier milde. 

139. die klammem haben schon die papierhss«, gewiss 
ehr mit recht, die wiederholangen sucht Finn Magnussen 
iregen der d^urin sich aussprechenden gesinnung des lehren^ 
len und des reichthums an Wendungen zu retten, sicher 
her worden sie nicht im rathe der götter gesprochen (113); 
as altertbum hält nichts Yom wortkitzel, am wenigsten das 
lordisehe. 

140. da 139 mit Wiederholung des an&ngsspruches of- 
enbar abgeschlofsen hat, so kann diese Strophe nur als iiber- 
;ang zum runenliede angesehen werden, sie enthilt aber 
'ewiss alte spräche von den geheimsten heilkräften der ele- 
lentarischen dinge und ihrer haupterzeugnisse. dafs erde 
;uer eiche ähre mond helfen, das beruht auf der heiligkeit 
ieser dinge; auch das kom wurde so angesehen, Grrimm d« 
lyth. 646. was die erde hier thun soll, den rausch verhu- 
^n oder vertreiben, das schrieben auch die Deutschen bald 
«inen bald kräutem zu; in dem Verzeichnis solcher mittel 
ü Frank 1, 30^ kommt aber die blofse erde nicht vor, wäb- 
tuA der glaube an die wunderbare stärke die sie mitthei- 
m oder erneuern könne allgemein ist. die heilung die dem 
iuer ferner beigelegt wird bezieht sich nicht auf anwen- 
uBg des ausbrennens bei äuberlichen schaden, sondern auf 
SD gebrauch heiliges unmittelbar durch reiben von hölzern 
?r natur abgewonnenes feuers gegen krankheiten und seu- 
len, wie auch in Deutschland noch im 17n jh. das vieh 
i Seuchen durch solches wildes feuer, nothfeuer, hindurch 
trieben wurde, d. myth. 342 ff. zum anreiben dieses mu- 
i eichenholz genommen werden; die eiche, ein heiliger 
um, -wurde auch in Deutschland gegen schaden angewen- 
t, d« fliyth. abergl. no 877, von verwundeten aufgesucht 
end. s. 45; aush krankes vieh liefs man durch eine ge- 
il tene junge eiche gehen, abergl. n<'923; ihre anwendung 
^en leibverhärtung, wie hier, beruhte sicher auch nur auf 
D Volksglauben, die schutzkraft der komähre gegen zau- 
ei gut ähnlich auch in Deutschland; am gewöhnlichsten 
rden zwar als solche bewahrungsmittel neben dem koim 
r brot , das sab und die kohlen genannt, d. myth. 634, 




\ 



I • 



l't 




4» ZD HAVAHAL. 

abergl. n® 564. 7lS. 760, loch standen «ach in änteiieii rar- 
ste kornblüten, und drei Strohhalme aherg^. n<> 652* 646; 
Bchwed. B^ 125 f. 150. ob die höU, die halle die gegen ge- 
sindestreit angesprochen werden soll, sich auf hausgeister 
bezieht? ein grtirsen, anrufen wenigstens des mondes iirird 
ausdrücklich verlangt zur abwendung von zorneswul, and 
dies weist auf den auch sonst Tom mond erwarteten glucks- 
zuflafs z. b. abergl. n<»801 d. myth. 401. — beiti viä bit- 
sdttom beziehe ich nicht mehr zu queüa; denn schwerlicli 
würde ein thier, welches durch bifs siechthum hervorge- 
bracht hat gegrüfst worden sein, sondern denke mir ein neh- 
men oder wählen dazu, wie am anfang und schlufs der Stro- 
phe, so dafs der bis auf diesefi tag überall im volke vorhan- 
dene glaube zu gründe läge, die bifswunde heile durch aaf- 
legung namentlich auch von blut oder haar des bifsigen tbiers. 
von Mamer dem arzt erhält Reinecke gegen hundsbifs hunds- 
blnt unter andern mittein z. b. Froschm. (1683) s. 219; 
hnndshaar wird angewendet 229 ; gegen wolfsbifs wolfshaut, 
auf skorpionenbifs skorpionenöl 228. 
MARBURG. DIETRICH. 



BEITRAGE ZCR DEUTSCHEN HAND- 
SCHRIFTENKUNDE- 

VON PROF. DR REUSS IN WÜRZBURG. l^w^.Ufüio 
ERSTE LIEPERDNG. 



Papierhandschriß des 15« Jahrhunderts y v&n 178 blL in 
foLy zweispaltig mit 31—38 verszeilen und rothen tnitia- 
len^ im besitze seiner durchlauckt, des herm ßtrsten van 
Löwenstein - ff^ertheim - Freudenberg zu Kleinheubaeh ; 
enthält 
f bl. 3* bis 65*. Strickers Daniel von BlwnenthaL 
nnfang yS¥er gern alles daz vernympt 
Daz guten loten wol gezimpt 
Der wirt es selten one mntt 
Untz er der werck ain tail getnt 



DROTSCHB HANDSGHKIPI'KN. 

Wer tber den werten ist gehnb 

Der ist ze depi wereken dicke laTz 

ITon bisenze maister albrich 

Der brachte ain rede an mioh 

Ufz walscher anngen 

Die hon ich des bezwungen 

Daz man si in tintschen vemiempt 

Wann kurtzwyle gezymet 

Nieman der enschelte mich 

Log er mir so luge ach ich 

Sunst hebt sich difz mare 

Hie will der strickhere 

Milt Worten ziehen sin kunst 

Unt hant des gerne iuwer gunst u: ^. to, 

schluft Daniel hätte firöde sit 
Alle tage mitt hochgezit 
Ze cluse in sinem lande 
Sin leben stund ane schände 
Do in do selten vlehen 
Den lech er die selben slehen 
Die in der kunig leb der da lag 
Daz si turrnierten allen tag 
Darzu lech er in me 
Das sie es bas tetten danne e 
Do behielten si sinen willen an 
Es ward nie kain Man 
Dem gotl bette gegeben 
Ze dirre weite ain besser leben 
Als er untz an sin ende 
Ane aHe missewende 
Mit eren voUebrachte 
Dauuon man sin gedachte 
Ze den besten do und ymer sit 
Dauon ward sin lob so witt 
IVun mufz ich der rede gedagen 
Das ich dauuon hortte sagen 
Daz band jr alles vemomen 
Gott lausse uns sin riebe komen. 
1464. Amen. 

l. F. D. A. m. 28 



4^ 




434 



DBOTSGHE HANOSCimiFrBM. 



vergL Hagmu undBäschmgs Hier, grundriß 144 — 149. 
2 bL 66* bü 70**. die unschuld^e königin von Frank- 
reich. 

a$^ang Vom knnig vob franckiycb 

Die geschrift sagt ans waz geschach 

Daz man in boben ern sacb 

Von firanckiicb ainen konig gni 

Der was vor schänden wol bebat 

Und der bett ain frowe minneclicb 

Wie die ward verratten jsemerlicb u, s. w. 

schltifs Hie mit die rede ain ende niempt 
Von dem kunig von bober art 
Ain grosser bof gemffet ward 
Ze dienst dem zarten edeln bilde 
Die er do in dem gewilde 
So erlicben bette fonden 
Wir sund zn disen standen 
Die rede. nun bie lassen beliben 
Und gedencken aUezit gater rainer wiben 
Die sieb der scbanden band erwert 
Wem gott der aine bat bescbert 
Dem kan nit misselingen 
An kainen gutten dingen 
Gott mit siner götlicben crafft 
Die sällig frowe sigbaSt macbt 
Her durcb din bailig trinitat 
Und durcb din böcbsten Rant 
Und durcb din wirde maria din muter 
Hilff ans berre vil gutter 
Vor allen bösen valscben zangen 
Daz ans bie und dort mufz lingen 
Und durcb din beilig fünf wunden rot 
Hilff ans bie und dort usz aller not 
Und vor allen scbantlicben dingen 
Got wolle daz uns wol muge gelingen. 
AMEN. 
vergl. Graffs Diutiska 3, 378^. altd. blätter 2, 95. 
3 hL 75* — 174. geschickte der kreuzzüge, in prosa. 

anfmg Dem fiirsicbtigen herren graue rüprecbten ze flan- 



DBDTS€HB HANDSCHRIFTBN. 



4m 



dern und allen fiirsten cristenUchs glonbens und 
liebhabernn EntbuU der kaiser von Constantinfw 
pel bail und find u. s. w. 
Schliffs In der ere gottes und mitt siner bilff und erten 
do fnrbafs das faaillig grab mit mangerlay gottes 
dienst tag und nacbt. 1465. 



^apierhanischrift des \^n jahrkunderis, 264 zweispaltig 
beschriebene folioblätter mit 31 — 33 seilen und rothen 
initialen enthaltend, im besitze des herm prof, dr H, 
Muller zu Würzburg, die hs., welche zu anfang und 
ende sowie in der mitte defect ist, enthält eine c yclische 
prosaische bearbeitung der sagen von der taf eirunde. 
(vergL Hagens und Büschings grundr. s. 156) und be- 
ginnt 

— wapin brengen. unde do er gewapint wart do hing 
r den schilt an synen hals, und saz uff sin ros unde scheil 
on dannen. unde befal die brudere unfserm herren gode. 
od ywan was gewapnit unde waz uff sin pert gesessen und 
lide er wulde galahat geselleschafft dun. unde er antworde 
IS is nyt mochte sin. das er dar zu keyner geselleschalt 
it in dorfft^e. wann dysen knecht. unde also scheyd eyner 
[>n dem andern unde iegelicfaer reit sinen weg. unde herr 
ivan reit in den walt u. s. w, 

schlufs Do leiffen ir beider helffer dar, unde iegelicb 
dde syme herren uff helffen von deme andern do erholten 
ch carados lüde als vil. daz sie eUader namen myt ge- 
alt. unde zugen yme den heim uz. wan sie funden in 
LZ yme die sele itzunt zu deme Übe was uz gescheiden — 



apierhandschrift des \6n jahrh., mit 433 zweispaltig be- 
schriebenen folioblättem und 126 colorierten federzeich- 
nungen, zu anfange und in der mitte defect, aus dem 
benedictinerkloster Schwarzach in die königl. Universi- 
tätsbibliothek zu fFtlrzburg eingewandert, enthält Kon- 
rads von fFtlrzburg Trojerkrieg. 

28* 



* 



486 DBDTBCHB HANDSCHRimm. 

offfamg fiin koiiing was zs troye 

Dea twanc der lugende boie 

Das er do noch hoher wordikeit vacfat 

Uff ere leit er sine macht 

Das er die völlecliehen alritte 

Er was rieh und wolgesitte 

Gewaltig mylte und ellenthafft 

Ouch diente siner mayen craffi 

Und siner hende manig lant 

Gluck bat uff in gewant 

Vil hoher wurdikeit alsus 

Er was gelieissen pryamus u. s. w. 
schlaf s Ich bit ouch fliszclich alle die 

Dirz buch gelesen jemer hie 

Das SU die kusch maget Rein 

Maria bitten alle gemein 

Das SU .erbarmehertzclich 

Über disen schriber erbaremet sich 

Obe ich icht von frowen geschriben han 

Das villicht ist myssetan 

Das mir doch ist leit 

Wie wol es mir ist vor geseit 

Man sol frowen nit se vil schelten 

Wan man mag sin ^ol engelten 

Darumbe ich doch von hertzen ger 

Wie wol ich geschriben bau die mer 

Das mir volge erbarmherzkeit 

Wan mir in truwen ist so leit 

Was von frowen unheil uff stunt 

Das ist den luten worden kunt 

Das uns die muter aller barmhertzkeil 
' ^ ' Alles nyder hat geleit 

Und uns ouch gnode werbe so 

An yrme gemynten sune fro 

Das er die ewige froyde mir 

Zu mysse wende gunne dort mit ir. Amen. 
die hands€hr\ft wurde von herrn dr Frommann aus Koburg 
zu seiner neuen ausgäbe des Trojanerkrieges bereits ver- 



DBDTOGHB HANDSCHRIFTflaf . 4^7 

4 
Papierhmdschriß des i5n jahrh. mit 2A% foUohlättem und 
cohrim^en federxeichnungm, aewetspaltig beschrieben, in 
der königl. Universitätsbibliothek zu fFürsburg; enihält 
Kmrads van Megenberg buch der natur. 



Ave* 



Pßfierhändscbr^ft des 15» jahrh.^ 154 quartblätter, vor- 
mals i» der dsterdenserabtei, jetxt in der ßirsilich Lti- 
wenst^'ff^erikeim-Freudenbergischen bibliothek »uBr&un- 
bagh, enthält 
1 bl. 3 — 9 Ein schoea ai^ maria darin dij gebererin gu- 
tes vil bistoiien der heiigen spbrifft geleicht wird. 
Ich grüßs dieh innckfrawe reyn 
Anrz ganczem bercs^en ich dafz mein 
Versmech mich sinnen snndar nicht 
Wenn ich vor sande meyn angeticht 
Gen got dem herm nit wenden d^r 
Defz nym du edele innckfrawe war u.s.w. 
bL iO-^20 Hye bebet sich an gar ein schon rede von 
dem leyden cristi jesn« 

Hye hebet sich an der geystlicbe Cremer. ^'-^^m4 %^^^^'r ^79| 

AUhie hebt sich an gar eyn schon hystorieu 

von eynem prediger, wye der zw eyuem 

beyligen besc^euUchen leben kam u. s, w* 

bl. 94 — 153 Hie hebet sich an 4er fran ckforter und seczt 

gar boche und gar sdiön dingk von eyucm 



bl. 21 — 35 
6/. 35 — 84 






volkomen leben. 
whlufsschriß Dyfes buchlein hat der almechtig ewig got 
lufsgesprochen durch eynen weysen verstandigen menschen, 
1er do vor zeyten gewest ist eyn deutzser herr eyn prie- 
}ter und eyn custos yn der deutzsen herm haufs zu frauck- 
'urt und l^ret gar manchen lieblichen unterscheide gotlicbcr 
^arbeyt. Hie endet sich der fpanckfcnler. 1497. 






Papierhandschriß des i^njahrh., 211 folioblätter, zweis^ml- 
tig beschrieben^ mit 40 — 45 »eilen undrothentmd blau 



438 DBCTSCHB HANDSCHRIFTEN. 

initialen, in der ßtrstUch Löwenstein'WertheimrFreuden'' 
bergischen klosterbibliothek zu Brannbach atffbewahriy 
enthält eine aus zwanzig bilchem bestehende naturhisto- 
rische encyclopädie. 

anfang Die vorrede diTs bachs. Die vorredt des bachs 
von der natar and eygenscbafft der dingk, die got der herre 
schaff. Als do spricht der grors lerer der beyden Sant Pauls 
za den Romemn ir. s. w, 

schh{fs Difs bach ist beschryben worden za lybe and 
za nntz der sele des wolgebomen und edelen herrn herm 
Johannsen Granen za werlhem'. und ist auTs funff oder sechfs 
lateinischen büchern gezogen in deutsche sprach nit one 
grosse arbeyt. Und in eim sulchen cleynen buch sein be- 
gryffen and bescbryben das ander den lateynischen und ge- 
lerten des gleychen kain fanden mög werden wann als der 
meinster des eynen bachs spricht. So bot er an dem sey- 
nen buch xv Jar gesammet und bot kein kosten kein ari>eytt 
angesehen, dor noch zu wandernn. In Franckenreich In 
Engellandt. In deuthsschen landen. Auch in den landen 
über mere und bot aus allen buchern die er finden mocht 
das besste und das nutzte gezogen genomen und jn ein buch 
begriffen und geschryben. Michael baüman. Conuent Brüder 
zu Brunbach. Anno 1478. 



Papierhandschriß des 15» Jahrhunderts, 385 zweispaltig 
beschriebene folioblätter stark, in der bibliothek des geist- 
lichen Seminars zu fFürzburg^ enthält 

1 bl.3-^ 242 Summe der beychttiger Johans von Freyberg 

brediger ordens, übersetzt von bruder 
Berchtoldy predigerordens. 

2 bL 243 — 335 deutsche psalmenversion* 

anfang Beatus vir. Selig ist der man, der nit ab- 
gieng in dem rott der unmilten. und nit stund in den weg 
der sunder. in dem stul der pestilenz nit ensafz u. s. w. 

schlufs Got sey got und ymmer lob gesagt. 

3 bL 336 — 384 prosaische bearbeitung der sieben weisen 



DBUTSCflE HANDSCRlOFTffif. 



m 



meüter {verjg^l. Hag. und Busch, liier, grundr. 
310). am ende fehlen ein^e bläUer. 

anfang Hie hebt sich des baches erst capitel on do 
saget von dem kaysser pronacianus und von seinen sone dem 
jungen Diaclecianus wie er den hencken wolt und siben mai- 
steren erlosten in mit irem sprachen und ist mit figoren 
gemolt. 

Das erst capitel do bittet die firawe die kayserinne 
iren herren den kayser das er nach irem tode welches weip 
er neme u. s. w. 

schlt^s Do antwort er und sprach Ach alexander ein 
freunt meins lebens wie sol ich mich hatten wan ich dein — 

8 

Papierhandschrift des 15it Jahrhunderts, mit 131 octavblät" 

teruy früher eigenthum des carthäuserklosters zu Amster* 

dam, jetzt der königl. Universitätsbibliothek in fFurz^ 

bürg: Dat spieghel der volcomenheyt ghehieten herp. ii. 

anfang Het is te weten dat tot een rolcomen leaen 

te comen: dau men gode alre ghelycste mede mach warden: 

ende in den gheest alre meest vereincht : twe dinghen prin- 

cipalyck toe noot syn u, s. w. 

sehbffs IVosce te ipsum. Kent. v. seinen. 



9 

Papierhandsckriß in folioy 15* johrh.y 303 W/., in der 
königl. Universitätsbibliothek zu fFürzburg, enthält 

1 bl. 6 — ISO*" Johannes von mente ville Ritter geboren 

US Engelant^ merfart, us welische unde 
latyne in duczsche verwandelt von otho 
von diemeringen eyn dumherr zu Mecze 
u. s. w. 

2 bl. 125^—154 vier mittelhochdeutsche gedichte. 
a. anfang llWer drawe golde mit trawen 

Des wolde ich nimmer haben ruwen u. s. w. 
Schliffs Ewiclich an underlaz 

Na wunschent alle mit mir daz. Amen. 



DBÜTSGiB HANDSCHRIFTBM. 

b. €nfimg Die alden froBunen haal uns geaeyi 
Daz tngeiit ist ein eren cleit u. s. tv. 
McUmfM Habent got for äugen und lobent yn 
Hie mide myn rede sal ende sin. 
ۥ anfang Dilz ist der slaffinde bunt. 

llWer getruwen dinstluden dinstlich dut 
Mit arbeit und mit flifzes mut u. s. la. 
sehbifs Ewieliebe an endes stunt 

Nicht beTzers mag uns werden knnl. 
d. anfang Eyn wort das wart von ober laut 

Mit eyne Engel her abe gesant u. s. tt>. 
schbffi Nu hiUr uns got zu frenden ye 

Das werde war in gotis namen. Amen. 

3 bl. 157 — 297 Dis ist die uzrustunge dez herczaagen 

gotfirides von builion. So hebet hie an 

die vorrede Ruprechten uff die blstarie 

Gotfrides hirczaugen des vorgenamitett. 

10 

Ptfpierkandichri/i von 89 jmrMittem, €m$ dm linjaArh.^ 
m der königL umpersäätsbiküothek zu fFürzbvrg^ ent- 
hält H. Susos buch der ewigen v>eüheit. 
anfang Hie hebet sieh an das bucheUn daz maa nen- 
net zu latein eirioyum sapiencie und zu teutsche heiszet efz 
das buche der ewigen wirzheid. 

11 

Papierhandfohriß in fuati^ aus dem 15« Jahrh., 365 blL, 
eigenihwn dm* königl. uni»ersitäUbibUothek zu fFiirz- 
htrg^ 

1 bL 2 — 223 Gesta Romanorum cum applicationibus my- 

sticis. 

2 bl. 248—357 epistelnctfolus des jahres^ 

anfang Fratres seientes quia. Bruder ir schult wis- 
sen das sein nv zeyt ist, Das wir auff sten von dem slaffe 
Wan unser hcyl nv neber ist Dan w» wir erst gelaubten 
u, s. w. 




OBCTSCHB aAMDSGBltffTIN. 



Ui 



schltf/s pitel gol um an« Daa uns werde gegeben das 
tdinilische Ion. Atten« 
3 bl. 358 — 365* ein gedickt vm 327 verseu. 
anfang Hie hebt sieh an der spigel der gotheyt. 
Ich wil von got eynen spyg^ 
Do schult ir styUe zu gedageu 
Und mich vil rechte meroken 
Ich wil den glauben sterekeii 
Vor eynen spigel stunt ein man v 
Von dem der spigel ein bild gewan 
Ein stuck her von dem spigel brach ~ 
D(H* inne er ein ander piÜi saeh 
Aber ein alAck brach her do von 
Das stud: das dritte pild gewann 
Seit manick atuek her do von brach 
Also maniehes als er dor ynne sach 
Het spigel doch sein bild gancz behiU 
Das bedeutet got der ie gewilt u^s.w. 
scküfß Maria himel kungin. 

Los uns in deinen Jinlden sein 
Behut uns vor der helle pein 
Durch das plut des kkides dein. 
Amen. £xplicit s^culum deitatis. üj emdet sieb 
der spigel Der gottheyt et cetera. 

12 

Pergamenthandschriß des Hn Jahrh., 87 zweispaltig be- 
schriebene folioblätter starke von dem toürsburgischen 

. protonotar und kanzler^ mag. Michael de Leone {\ 1355) 
dem vormaligen collegiatstiße zum neuen mimster in 
Würzburg geschenkt, gegenwärtig eigenthum, der königl. 
Universitätsbibliothek daselbst, enthält 

1 bl. 40—42. Diz ist ein mercUche rede von dem laufe 

dcs_romischcn ricls, und ein clag von sinen aiUgd^n^ 

Höret unde lazt uch sage 

Von dem Romschen Biche eyu clage. 

Der sage miob niti twrnim. 



brechen. 



1 1 



I 



r-, 



4tö 



DEUTSCHE HANOSCHNFTEN. 



Der Rime sint wol zweihundert 

Und sehs und vierzig and nilit mer 

Da mite wil er daz Ryche er. 

Von karlstat Otte Baldeman. 

Alsas hebt her die Rede an. 

Eya wie wol ich nutzte 

Daz im tichkunst schützte u.s.w. 
schlufs Davon bekert uch des tut not 

Tut Recht dem Rych daz ist min Rot. 

Noch Crist* geburt daz bt war 

Ebin druczehenhundert Jar 

Und in dem ein und virzigesten glich 

Dise rede von dem Romischen Rieh 

Und dise derbermeliche elage 

Vil ebin an sente Mychels tage. 
dieses 506 verse enthaltende^ von Otto Baldemann^ aus 
Karlstadt am Maine gebürtig, pfarrer zu Ostkeim in Fron- 
ken, 1341 verfafste didacOsch ^ politische gedieht ist eine 
freie Übersetzung des in derselben handsckriß bl. 37 — 39 
aufgezeichneten Ritmaticum querulosum et lamentosum dicta- 
men de modernis cursibus et defectibus Regni ac Imperii 
Romanoram des Lupoid von Bebenburg , bischqfs von Bam- 
berg (f 1363). beide dichtungen erschienen im drucke her- 
ausgegeben vom Professor J. M. Peter, als gymruuialpro- 
gramm, fFürzburg 1842. 4. * 

2 bl. 64 bis 66. Wettstreit der heiligkeit von Klein Hein- 
zelin von Constanz. 
anfang Dise rede gelichtet ist 

Von den heiigen Johansen zwein 
Der ein heizzet Johans baptist 
Und ist got der liebsten ein 
Der ander Johans ewangelist 
Und hot heintzelin der klein 
Von Costentz geticht wer cz list 
Der bitt sie für uns all gemein 
Crot herre din almehtickeit 
On .ursprunk und on ende 



* verg-/. Böhmers gesehiehtsqueUen Deutsehlands 1, xxxvii. Hpt. 



DBDTSCHfi HANDSCHRIFTEN. 



443 



Zu hoch za tief za lank zu breit ♦ 

Ist Sander missewende u. s. w. > i^ 

schtufs Von dez gewalt und dez gebot «9. 

Alle aneuenge kamen A» 

Dez nam der sie gesegenot 

On ende sprechen t Amen. 
vergl. Hagens museum 2, 30^. Varianten str. 5, 2. utbl 
lazzen über drangen. 12, 6. wer niht der werck beginnet. 
44, 4. ich wen und immer tribe. 47^ 4. gar sunder arg 
akuste. 49, 6. gar sunder alle twale. 59, 4. dinhalb du 
solt in lazzen. 00, 4. wemt ock ir verrihtet 62, 4. alsus 
swant die gezierde. 77, 2. ez sie on not begunnen. 79^ 5, 
ebenheuzzen siht. ^ 




13 ' 

Pergamenihandschrift des Un Jahrhunderts, 100 quartbläi- 

ter mit auslaufenden Zeilen und rothen initialen entkul- 

tendy in der königL Universitätsbibliothek %u fVilrzburg 

aufbewahrt, deutscher psalter. 

anfang Beatus vir. Selig ist der man der nit abe get 

yn dem rade der unguten und der an dem wege der sundere 

nicht gestanden ist u. s. w. 

schbfs Lobet in mit czymboln die wol klingen lobet 
in mit czymbolen der freuden alle geiste lobent unsern herreu. 



14 

Pergamenthandschriß des \\n Jahrhunderts, Mi octavblät- 
ter, friiher eigenthum des daminicanerklosters in Bam- 
berg, Jetzt im Privatbesitze und zum verkaufe ausgebo- 
ten $ enthält bl. 104 — 115 eine althochdeutsche glaubens- 
und beichtformel, beide noch ungedruckt, und darauf 
nachstehende ahd. beschreibung des himmels und derhölJe 
(welche an die kleinen mhd. gedichte In der helle ist 
michel unrät und In himelriche ein hüs stät in Hagens 
Sammlung deutscher minnesinger 2, 376 erinnert)» 
Diu himilisge gotes borg did ne bedarf des sunnen noh 

des manskimen da ze liebtenne. in ire ist der gotes skimo 

a^iUwA^ Ä^. OjjtJ^^ . >nAPry^ -n^iu^. /l^rfv»/-. kt^ Tfd^^ /(^ y f^ 



rt i***i*^ ;. J^ 



444 



DBCTSGHB HANOSCHMFTBN. 



\*KiHh 




der sie «Idluhtel in gemeinemo nuzze. daz ist in eben allen 
al daz sie wellen, da ist daz gotes zgrftel. der unendige 
lag. der bürge tiure liebt bz. Diu borg ist gestiftet mit 
aller tiüride meist ediler gebt gimmon. der himel meregriez- 
zon. der bärge fnndamenta. di6 port^ iob di6 mure daz sint 
dift tiüren steina der goles fiirst beUdo. andaz ingebellist 
aller beiligone bere. dit der tugeatbcbo in beiligemo le^ 
benne deno bargknnige ze ynrston gezamen, Sld stSi in 
q aadq r werke, daz ist ir ewig stifL uiide siot oüch dar ane 
errekket alle gotes trAt fridnt di^ der haut eruuUet d\ä nier 
enangelia in stater togent regnla* in gelichimo einmuAte. 
SiA ist in ifo sirftzzen daz rot bhezDute goli. daz meinet 
daz da uurstisot diA tidre minna über aL der gotelicbe tvis- 
tn6m. mit allemo wole wille. Siü ist in goldcs sconi. samo 
daz dnrh liebte glas, allid dnrbscoiiwi^' ioh durh lulher. Da 
wizzen al ein anderen unuertofigenlicho di6 bimilisgen erben 
at di6 biBLTg buent in dni^skpnen tngindan. an aller misse- 
täte pfleg. Da richisAt diA minna mit aller milt firowida. und 
aller tngidone zala mit stAten urasmonde. da näselet diu 
warheit daz alte gedinge. da nimet diA glouba ende aller ir 
gebeizze. Danne habet resti der engilo urosank daz sadzze 
gotes wnne lob. diA getstlicbe mcindi« der wndertiAre biment 
stank aller goteswolon. da ist daz zi6riste bere allez in 
fdü bei. daz dienest ewent sie mit senftemo nlizze. Da ist 
des frides sMti allmr gnadone bu. Da ist offen yernonft aller 
dingo. al gotes tougen. daz ist in allez offen, sie kunnen 
alle liste, in selber wärheite. der ne babent si6 dgez^. der 
buge in ne wenket. in ist ein alter, eines riches ebenteil. 
Da ist alles guotes über genubt mit sichermo babenne. der 
dttmohteste ii^st. did meiste sig 6ra. da nist forebtone nieht. 
niebein missebebeda. da ist einmuoti. aller mamminde meist, 
der stilliste Inst. diA sichere rawa. da ist der gotes fnAado 
minder gibiuwe. da nist sandöne stat. forgono wizzede. 
da nist ungesundes nieht heile meist ist der. der untriAwen 
ricnst ne taret der ni^ht. Da ist diA neste weneskaft. aller 
sdidono meist. diA miltiste drutscaft. die kunninglicben era 
daz unerraUicbe Ion daz gotes eben erbe, sin wuniglich 
mitewist. dia lussamiste anesiht. under siner minnAne gebe 
üAristo. Daz ist daz hereste gu4t daz der uore gegarawei 



DBirrSGHB HANDSGHRIFTBN. 



44B 



ist gotes irut fdundeii mit imo ce nieassene iemdr in ewa. 
So ist taz bimelrtobe einis teilis geUii. 

In dero hello da ist dot ane tode. karot unde iamer. al 
uuhrouwida mandange bresto. beches geroucbe. der sterkiste 
sveuelstank. aerwazzenlicb genibile. des todes scategräoba. 
alles traobisales wäga. der uersvelebente long. di6 wal- 
lenten stredema muriner dunste, egilib uinster. diu iemer 
ewente brnnst. did ureissamen dot bant. diu betuungeniste 
phragina. cJagauuoft kn% trAst. nu6 ane wolnn, ttaixze 
ane resti, iller wenigheite n6t. diu hertiste rftcha. der 
handeg^Sste ursnoob. daz serige eklentduom. aller bittere 
meist, käla ane uriste. ungnadone uUz. appige riuwa. 
kareUch gedözze. weinleicbes ahcbizot alles unlnstes zal- 
sam ges türme, fdrbtone. biba. zanoklaffunga. aller w^skreio 
meist. Diu iemer uuerente angest. aller skandigelich. daz 
scamilicheste offen aller tougenheite. leides unende. und 
411er uuewigelich. marter unerrahlich. mit allem unheile. 
diu uueuuigeliche baranskara. uerdamnunga srereden an al- 
ler barmida. itniugiu ser ane guöt gedinge. aauerwandel- 
lich. übel, alles guötes ateil. diu grimmigiste beriscaft. diu 
uiantliche sigenunft. griuelich ges6mine. der uulida unsubrig- 
heit mit allem ununscone. did tiuualliche inesibt. aller egi- 
silich. alles balez unmez. diu leitliche heima. der helle kar- 
kare. daz richiste trlsehus alles unwnnes. der hizze abgrun- 
de. umbigebillich fl6r. der tiuualo tobeheit. daz ursinnigliche 
zorn. und aller ubelwillo der ist da uerl&zen in aller ahtunga 
uliz. und in alla tarabafti der hella eriMm jine cites ende 
iemer in 6wa. So ist taz helle riebe einis teilis getan. 

15 

Zum pergamentfotioblätUr des 14» jmhrh^y stweispaltig be- 
schrieben, mit rothen capüelüberschrifteny enthalten bruch- 
stäcke aus einer deutschen Übersetzung des hohen liedes 
und des buches der Weisheit, 

anfang — yn dy palmen. und wil begreifen yr fruchte. 
Der preutegum sprichet von der praut. Und deyn pruste 
werden als die weyntrauben des weyngartens : und der ruch 
deynes mundes wirt als der ruch der opfel Deyn kele wirt 
als der pest weyn u. s. w. 



4 



44« 



DBDTSCHE HANDSCHRIFTEN. 



schbf/i Wyr unsyimygeii. wenten seyn. fr leben cyn 
ansynnikeit: und yr ende an ere wy synt sy dommme ge- 
achtet ander den sunen goles. und ander den heiligen ist 
ir lo« Dor — 

16 

jieht pergamentquartblätter des iZn jakrh., vom einbände 
einer theologischen papierhandsehrift der konigL unwert 
sitätsbibliothek in WUraburg abgezogen, leider sehr ver- 
stümmelt, mit aber tausend versen aus dem Barlaam und 
Josapkat des Rudolf von Ems; sie beginnen 274, 31. der 
ausgäbe von Köpke, 

Do an die reinin kristinheit 

AI dirre weite muz sin virseit 

Die krist got der gute 

Mit sinim suzin blute 

Loste von des todis not 

Und an in tote den tot u. s. w, 
und sehlitifsen 

Vur iosaphatin er do gie 

Vnr in viel er uf siniv knie 

Sin snnde tet im von herzin we 

Vor dem kunige er Ivte shre 

Wir sin an disin stundin 

Mit warbeit ubir wandin 

Herze liebir herre min 

Josaphat der sun din 

Des heiligin geistis rat 

In sinim reinim herzin hat 

Ctot hat an dirre seibin stvnt 

Mit uns giredit durh sinin munt — (329, 10). 



447 



VERSUCH EINER STROPHISCHEN ^BTHEI- 

LUJVG DES HILDEBRANDSLIEDES UND 

DES BRUCHSTÜCKES VOM JÜNGSTEN 

GERICHT. 

Der folgende versuch das Hildebrandslied in Strophen 
von drei und das bruchstück vom jüngsten gericht in stro^ 
phen von vier langiseilen (oder sechs und acht halbversen) 
abautheilen* bedarf im voraus einer nähern begrOndung. — 
dqfs die strophische abtheilung bei alliterierenden gedickten 
überhaupt vuläfsig ist^ das beweisen schon zur geniige die 
altnordischen gedichte, und es unlrde sich selbst ohne die- 
sen äiffseren grund annehmen Iq/sen dq/s^ auch bei der her^ 
schqfi des Stabreimes die dichtung in sJtrophen, weil sie be^ 
sonders sich für den gesang eignet^ eben so die ältere und 
einfachere war, dqfs sie erst bei weiterer ausbildung der 
kunst gegen nickt strophische zurücktrat, wie mit reckt die 
kurzen reimpaare der mittelkockdeutscken dickter als eine 
auflosung der früher gewöhnlichen Strophen angesehen wer- 
den, wenn nun diese auflosung der Strophen besonders da- 
durch herbeigefiihrt wurde dafs die kunstdickter sick be- 
mükten den sinn aus einem reimpaare in das andere zu 
übertragen, so darf es in dem vorliegenden falle als beweis 
der stropkiscke^ dicktung gelten dqfs das HildebrandsUed 
eben so wokl wie Muspilli bei der durckgefukrten abikei- 
lang durchweg mit dem abscklufs des gesetzes auck einen 
gewissen absckhfs des sinnes erkennen Iq/stf wogegen man 
bei der nickt in stropken abgefqfsten altsäcksiscken evan- 
gelienkarmonie bald wakmimmt, wie der dickter gefli- 
fsentlick den sckhfs des sinnes in die mitte der langzeile 
zu verlegen suckt. am deutlicksten und aifffulligsteh zeigt 

* die brüder Grimm haben (naeh $. 37 ihrer ausgäbe) schon im 
jähre 18U versucht das Hildebrandslied in Strophen zu ierlegen; 
es wollte nicht gelingen, weil die lüeken desselben damals noch nicht 
so fest benimmt waren, auch Lachmann stellt in seiner Vorlesung 
die strophische form des gedichtes nicht in abrede. 



iL 



448 



HILDBBRANDSLIBD UND MUSPILU. 



sich dieser absehbffs des sinnes mit der Strophe in dem Hü" 
debrandsliede, wo unter andern der formelhaße vers Hilti- 
braDt (Hadubrant) gimahalta u. s. w. naturgemäfs immer den 
4^fk$ig einer strophe bildet; doch wird auch die abtheUimg 
des iruchstäekes vom jüngsten gericht nur da unsicherer 
wo lilcken und entstellungen des textes vorkommen. 

An diese bemerkung reiht sich eine zweite, gewöhn-- 
lieh hat jede strophe des Hildebrandsliedes und des Mus- 
pilU eine langgeile mit drei reimbuchstaben. die Stellung 
derselben in der strophe scheint gleichgiUig fsu sein, da 
sie bald im anfange gewöhnlicher in der mitte, bald am 
ende des gesetzes zum Vorschein kommt, im Hildebrands- 
Hede aeigt sich eine auf diese weise gebaute langzeile nicht 
Str. 6. 9. 13. 21. in der sechsten strophe, derefi zweite 
Zeile auffällig ganz ohne alliteration ist, kommen in der 
dritten langseile drei stäbe zum Vorschein, sobald man anti 
auch als reimwort ansieht, ob in der neunten und in der 
einundzwanzigsten strophe die zwei überschlagenden reime, 
welche sich aber auch sonst neben den zeilen zeigen, die 
drei stäbe vertreten sollen, mufs unentschieden bleiben.* 
im Muspilli haben die vollständigen Strophen 10. 13. 22 
(wo aber in der 2n zeile die lesart nicht fest steht) 23 {wo 
z, 4 zwei überschlagende reime, z. 3 gar keine alliteration 
hat) und 27 keine langzeilen mit drei reimbuchstaben. in- 
dess können diese wenigen ausnahmen die regel doch nicht 
verkennen Iqfsen, und wir dürfen dessen ungeachtet die be* 
merkte formelle eigenikümUchkeit als einen zweiten grund 
JUr die strophische natur der beiden gedickte hinstellen. 

Die beiden gefundenen Strophen entsprechen endüeh 
nicht nur den vier- und dreizeiligen Strophen des aünordi" 
sehen epischen fbmyrdhalag, sondern sie laßen sich auch 
m den kleineren alliterierenden althochdeutschen denkmälem 
mit Wahrscheinlichkeit nachweisen, das gedieht von den 
Idiii besteht aus einer strophe von viel' langzeilen, von 

* $tr. 3. 15. 19, vielleieht atteh 7, haben jede eine lang%eile mit 
%wei, eine »weite mit drei Stäben, eine dritte mit zwei übericklagen- 
den reimen; eine hunttvolle abwechselung, welche mit der dreithei- 
Ügkeit der etrophs sehr schön stimmt, str. %, vielleicht auch 8, zeigt 
zwei langzeilen, jede mit drei reimbuchstaben. 



HILDEBRANDSLIED UND MUSPILLI. 



449 



welchen die zweite (sumft Aapt Aeptidan, sumä Aeii lezidaii) 
gleichfalls drei reimbuchstaben hat. das gedickt van Phol 
und fFödan hat acht iangzeilen, also zwei vier »eilige Stro- 
phen, die siebenzehn sicher alliterierenden h^^verse des 
fFessobrunner gebetes Iqfsen sich dagegen^ wie das Hilde- 
brandsliedy in drei dreizeilige Strophen zerlegen, in jeder 
erscheint auch hier eine langzeile mit drei Stäben.* 

fFir Iqfsen jetzt unsere beiden gedichte strophisch ab- 
getheilt Jolgen, indem wir dabei die abweickungen von 
Wackernagels Lesebuch sp. 63 — 68 und 69 — 76 bemerken. 



DAS LIED VON HILDEBRAND UND HADUBRAND. 

1 Ik gih6rta dhat seggen ...... 

dhat sih fnrhftttan amon maottin 

^Itibraht enti iTadhabrant untar Aerjan tu6m. 

2 iSanufatarangös irö «aro rihtan, 

^rutun s6 ir6 ^dhamun, j^artun sih ir6 suert ana, 
Aelid6s, ubar Aringft, d6 si6 t6 derö Ailtju ritun. 

3 /Tiltibraht gimabalta: ber was h^röro man,^ 
yerabes ^ötöro ; heryrägftn gistuont 
J^hkm uaortum bauer sin^ter uttiri 

* nach fFackemageh iesehueh #p. 67 
1 Dat ga/begin ih mit/irahim /iriauizz6 meista, 
dat 0TO ni uuas noh i^fhimil^ 
noh paum nohheinif noh pereg ni uuas; 

2- JSi , . , , . , noh saana ni scein, 
noh tnkno ni liahta noh der wtareos^o. 
d6 d&r niumht ni uua» ente6 ni uueniet. 



3 Enti d6 anas der etno ulmahtico cot, . 

manno miltisto; enti dir uniran auh manake 

mit ioan cootlihh^ ^eistlL 

da* folgende, denen poetische form von fTackernagel bestritten ist, 
gewährt nach der von den brüdem Grimm ausgqfiihrten abtheilung 
sechs langzeilen, also zwei Strophen. 

Z. F. D. A. IIL 29 




452 HILDBBRANDSLIBD UND MUSPILLI. 

21 Doh mäht du nu aoilihho, ibu dir diu eilen taoc, 
in sus Mremo man Arusti ginulnnan, 
raoba birahanen, ibu du dar (nie reht hab^s. 

{es fehlt zum wenigsten eine, wahrscheinlich mehrere 
Strophen.) 

22 

'der si doh nu orgftsto ^8tarliut&, 

der dir nu t^i/iges t/i^m6, nu dih es sd imel lustit. 

23 Gudea gimeindn nius6 d6 mfttti, 

Auerdar sifa derö Aregil6 Aiutu Aruomen muotü, 
erdo deserö founndnft 66dtr6 uualtan/ 

24 Dö laettun s6 <mst askim scntan, 
^carp^n #curim, dat in d£m ^ciltim stönL 
dö «t6ptun to samane «taimbort chludun, 

25 ^euuun Aarmlicco Auitt^ seilte, 
unti im ir6 fintün Aittilö uuurtun 
gii/f/igan ni ti t/taunbnum ....... 

VOM JÜNGSTEN GERICHT, 
1 . 



sin fac piquem^, daz er töuujan scal« 

2 Uuanta sär sÄ sih diu sk\^ in den ^ind arhevit, 

enti si den /ihhamun Akkan /äzzit, 

s6 quimit ein Aeri fona Aimilzungalon, 

daz andar fona ^ehhe : dar /^ägant siu umpi« 

3 iSorgön mac diu «61a unzi diu «uona arg^t, 
za uuederemo Aerje si giAalöt uuerd£. 

%% 1 lUßt sieh ergämen ^iUibrai^ ^imahalta, /feribrantes sunu. 



HILDEBRANDSLIBD UND MQSPILU. 453 

ütianta ipu sia daz ^tanazses kirindi kiniiiniiit, 
da^ /eiüt sia sär dar ira /eid uoirdit; 

4 In/uir enti inyinstri: dazi ist rehto viriniib' ding, 
upi sia avar ki/talönt di6, di6 dar fona Aimile quemint, 
enti si der6 engilö eigan uuirdit, 

did priflgent sia sär üf in himilö rihhi. 

5 Däri ist^ /ip ftno lAd, fiohl ftno finstii, 
«elida ftno «orgun ; dar nist n6o man sinh : 
denne der man in /^ardisä p& kiuuinnit, 

Aus in Aimile . , dar quimit imo Ailfa kinuok. 

6 Pidiu ist dürft mhbil aller6 mannb uueltUiemo 



. . . . daz in es 
daz er £otes uaiÜan 



sin muot kispan^, 
^emo tuo, 



7 Enti Aella fair 
pehhes /^ina, 
Aeizzan laue. 
^org6n dräto 



Aarto uuisö, 
dar j^iutit der satanaz altist 
sA mac Auckan za diu, 
der sich ^nntigan uueiz. 



8 Uu6 demo in t^instri scal sin6 t^irinä stuen, 

/?rinnan in pehhe ; daz ist rehto pahrnic dink, « 
daz der man Aarftt ze gote, enti imo Ailfa ni quimit» 
i^nit sih kinädä diu uuknagh s61a. 

^ Ni ist in kiAucün Aimiliskin gote 

(i^anta hiar in t^t^erolti after ni t^erkdta), 

so denne der mahügo khuninc daz mahal kipannit : 

dara scal ^/ueman cAunnA kilihhaz. 



6, 9 fr. bezeichnet hier keine lüeke, nimmt sie dagegen hinter kispa- 
n^ an. ' 6, 3 fangt auf einem neuen blatte an; es scheint daher ^ 
weil die handschr\ft oben und unten verstümmelt ist (vergl. Schmei- 
lers MuspilU s, 9), vorher etwas weggeschnitten, ähnlich verhalt $m 
sieh mit den str. 14 und 21 angenommenen lücken. die unvollstän- 
dige Str. 14 bildet den sehlt^ft attffol. 11^0^, str. 2i den a^fang at^ 
foL 1?!^; woraus hervorgeht dt{fk Jol. \%\ verstümmelt ist. 



<i 



4»4 HILDBBRANDSLIBD UND MDSPILU. 

10 Oenne oi Utar /9arn6 nohheio den pan {vainizun, 
ni allerö viaonö aaelih se demo a»ahale souli. 
dftr scal er vora demo rihhe az rahhu stantan 

pi daz er in uutvolü kittuerkH bap6t. 

11 Daz hörüh rahhöu di& aaeroltrebtauison, 
daz sculi der <znticbristo mit Eliase pAgan. 

der t^arch ist kit^i^äfanit 

denne umrdii nntar in t/2ak.arhapan. 

12 Rkenfan sint ad Areflic, dia Ardsa iat aö mihhil. 
HUhn atritit pi deo tfwigon lip, 

uuili d^n rehtkernön daz rihhi kistarkun: 
pidiü «eal imo Aelfan der Aimiles kiaaaltit. 

13 Der ^nticbriato stit pi demo ultSante, 

st^t pi demo sataoäse der inan fiirseiikan scal: 
pidiu scal er in deru tmicsteti uuiini pivallan 
enti in demo ^inde rigalöa uaerdan. 

14 Doh uaänit des yila gotmannd 

daz H^lias in demo umgt an^a 



15 Sär sd daz jfiT^liases pluot in M*da kitriufit^ 
so in/;rinnant di6 jvergA, ^oum ni kistentit 
ßinic in «rdu, ähä artrakn^nt, 

muor var^uuilhit sih, mlizöt longjd der himil* 

16 l/Ano vaUit prinntt mittilagart! 
^fein ni ki^/entit ' einik in erdu : 

11, 3, 4 bei W, ohne lijtcke als eine langzeile, 

lA, l dob aa4nit des vUa | * goUnaau6 AT. vila scheint nicht die rechte 

ksßrti oQff, qula, vielleicht mWa pladtum^ $ententia^ vergl» (^<^ 

J, 821^, über die folgende lücke vergl, »u 6, %. 

16, :2. 3 nach Schmeller eine UrngMÜe ohne Sieke. ^ Stmn ni ^sten^ 

tifc. I deiine #Aiatago in Uat Vorit mit dtd vnird /F. v, % ist aU^ 

dings verdHohUgi vergL 15, 1^. 3. 



mmM 



HILDBBRANDSLIBD UND MUSPILLI. iS5 

'verit denne staatago .... in knt, 
2?erit mit diu ituirä t*irih6 uaisön. 

17 Dar ni mac denne mkk andremo. belfan vora deuio 

i7t uspille : 
deene daz /ireita uoasal allaz yai7»reonit, 
enti vair eoti luft iz allaz ar/urpit. 
uuär ist denne diu »larha dar man dftr 60 mit sin^n 

mägon piec? 

18 Diu marha ist farpninnan; diu s61a st^t pidnungan, 
ni uueiz mit uuin puoz£: sär verit si za ttvize. 
pidiu ist demo manne so guot, denner ze demo mahale 

quimit, 
daz er rahh6nö uuelihha rehto arteil^. 

19 Denne ni darf er sorgbn, denne er ze deru süomi 

quimit. 
ni uueiz der tiM^nago man tiuielibhan urteil er bap^l^ 
denner mit den miatdn marrit daz rehta, 
daz der duval dar pi ki/arnit stenüt. 

20 Der hap6t in ruovu rahhdn6 uuelihha, 

daz der man ::::::::: upiles kifrumita, 

daz er iz allez kis%gkt denne er ze deru «uonu quimil. 

ni scoUa sid mann6 nohhein 

21 , 

mannt nohhein miatun intfähan. 

22 Sd daz Aimilisca Aorn kiAIütit uuirdit, 
enti sih der «uonäri in den sini arhevit: 
denne Aevit sih mit imo Aerjd mcista, 
daz ist allaz so j^ald, daz imo nioman ki/?Ägaß ni mak. 

^f ^ daz der man in firihia? 

21. vergl, Ätt 6, %, 

22, 2 nach Sohmellers früherer Vermutung, — «n«* "•• der : » : ^ 



# \l 



JM HILDBBRANDSLIED UND MUSPILLI. 

23 Denne verit er ze dem mahalsteti dera dkr kimarchAt ist. 
dar auirdit diu «aona dia man dAr io sagtta. 
denne varant engiiä. nper diö marhä, 
toiechanl deoU tmissant ze dioge. 

24 Denne scal mannö gilih fona deru molta arstftn, 
Mssan sih ar derA /AnuA vazzAn: scal imo avar sii 

Rf piqueman, 
isLX, er sin reht allaz kirahhAn muozzi, 
enii imo after sinAn ^tin ar^eilit uuerdA. 



25 Denne der gi^zzit, der dftr ^uonnan scal 
enii ar/eillan scal ^AtAn enii quekkhto: 
denne stAt dar iimpi engilA menigi, 
^uoterA ^omAnA ^art st ::::::: : 

26 Dara qaimit ze dem rihtunga sA vilo Aiä dar 

arstAnt, 
sA d4r yytannA nohhein uuiht pimidan ni mak. 
dar scal denne Aant sprehhan, Aoupit sagAn, 
allerA AdA uuelih unzi in den /uzigun vinger, 



27 Uuaz er nntar desAn maunun mordes JdfrumiU. 
dar ni ist Ao sA /istic man, der dar iounilit arfia- 

gan megi, 
daz er ki/aman megi ^AtA dehheina, 
niz al fora demo ^Auninge kiArAundit uuerdA: 



28 C/zzan er iz mit alamasanu fu 

enti mityastun diA t^irinft kipuazta 

denne der kipuazzit hapAt, 

denner ze deru ... 

29 Uirdit denne, /uri kitragan daz^AnA chruci, 
dAr der AAligo christ ana arAangan noard. 

: : : in den sind arhevit, der dar : : : nnan scal toten enti lepen : : 
eod. enti sih der in den «ind arhevit, der dir «nonnan scal. Denne 
hevit fr. 
25,4. gart stnenterö? 



HILDEBRAINDSLIED UND MIJSPILLL 



457 



deniie augit er di6 znäsün did er in dem //lenniski 

dm fir duruh deses luaDcuxineB . 

WILHELM MÜLLER. 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN AUS DEM 
XYI JH. 

In dem landesarekive des kensogthnns Oldenhitrg be- 
Jindet nch eine mifzeickiumg frieaiseher weüsagungen m 
drei persckiedenen handsckrijten (einseinen bogen), von de- 
nen die älteste um 1580 gesekrieben zu sein scheint, die 
beide?i a?ide?'n vielleicht ein paar Jaftrzehende später, nach 
der ältesten {A)y die zwar die richtigste, aber doch nicht 
ohne fehler ist^ gebe ich hier die wahrscheinlich einst viel-- 
verbreitete auf:seiehnung der Weissagungen: das besondere 
der beiden andern handschrtßen (B und C) überall genau 
anzugeben schien mir jiicht überfliijsig, es bedarf wohl 
kaum der bemerkung dqß diese unter sich verschiedenen 
Weissagungen einen innern z?isammenkang nur scheinbar 
durch die susarnmenstellung erhallen haben. 

Wenn de Kercke tho BQsckmonnyckenn Js benwech vnd 
dal Cruitze tbo Maryenhauc, Vnd ein Raue* Jnn den Kerfs- 
hilllgen Daglien Jungen tho Narden vp den Thornn helft, 
Vnd ein Smeene Iho Oistell vp den Welerkolck^ Jungen 
hefftj So schall Freelslandt Jnn so grote Noedt syun alse 
Jdt vorhenn niehtt^ gewesen Js- 

Hyr by werth gesecht, dat Wanueer ein witte Arendt 
buyten Oistell witte Jungen tüchtige tj Vnd wenn alle Vn- 
lande tho Lande werden, So schall sulckes alles gescbeen. 

Noch Jst geseht, wenn de Ekenhobm ibo Auwrick vor 
dea Stalle wech genhanien where, So schulde* Jdt myt den 
Hnl'smann vp dat hogeste synn, Vnd wenn die Pocrte tho 
Anwrick vptynimerth wurde, So schulde ^ darnha die Adel 

1. ein schwarte Baue B, %. Schmente vp den ElsLlock by Oistell 

J?j smeciidt vp d« Elleklock tho Osteel C. 3. ntiwerle ß* 

4. wert, So schal B€* ä. nyest fetimuicrl wcrl. So schall Bt\ 



458 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN. 



Jnn so grote vorachiunge kamen alse hie nicht' gewesen 
where, Aoersl * vann Eyner Vngcachteden wedder Iho Ehrenn 
geuorderth werden, gelyck alse hie gewesen where. 

Airsdann scholen Diier Wedewen Sone einen Slach^ 
yp den Rifspell dhoen, Vnd dat kleene Heer van Oisten, 
welck van Wittmunde vnd den Vpsloth^ tho samende knmpt, 
schall Erstenn den boep van Westen slaen, Auerst van Ey- 
nen myt Eynen bruynen Peerde vnd Einer witten Vedder 
vp dem Helme entsetteth werden, vnd den Priefs beholden ^, 
Vnnd den Freesen ere olde Frieheit vormhanen, vnd thom 
Lestenn die Freesen by Vpstaendes Born vhoeren^, alse by 
ere olde Richtplaetze, vnd myt einer witten Roden dar aha 
slaen, Spreeckende: 6y Freesen, sehet nu tho, wat gy 
dhoen, Nu synn gy alle wedder frie. Vnd dieser schall synn 
Einer myt gele kruyse harenn, Jck gedencke affgescharen ^. 

Hir by Jst gesecht, Dat eyn Meer by Reepsolth gele- 
gen (oder darnmme trenth^) vnd dar by ein Deep, wenn 
dat Deep vnd Meer werden Jn Einander lopen, Alfsdan 
schulde^) Esens Wittmunde vnd J heuer Einen heren hebben. 

Auerst Embdea vnd Gronunghen scholen eines dages^^ 
gewfaunnen werden'*,' Vnd de Baden ** scholden sich bejcge- 
nen vp den Delffizyll (Ettliche seggen vp der Mherde), vnd die 
Eine;3^^all seggen van Groningen vnd die andere van Embden. 



I. nawerle B. ^. B hat diesen schlt{ft niöht in C hefftt es da- 

ßlr Aaerst wenn der Vogeachter wedder tho ereon geworden, alCs 
yorhen gewesen, dan sali der Wedewen soen ein schlach u. s, w. 
darin ist also der schlufs zum anfang der folgenden Weissagung ge^ 
macht. 3. schall der wedewen söhne ein schlachtnnge B. 

4. vnd auer den Vpschlot BC, 5. vielleicht ynd de schall den 

Priefs beholden ? wenn einer mit einem bnraen perde kiunpt vnd 

ein Witte Fedder vp dem Heimet setten, wert den Priefs v. s. w, B, 
wen Einer mit ein brun Pert vnd ein witte Plum yp den Helm hefft, 
wert den stritt beholden C. 6. vormahnen, vnd vöhren na dem 

Vpschlotsbohm t/. s, w, B, vermanen, und foeren see by de Vpstals - 
bom M. *. w. C, 7. dieser etwas seltsame schlvfi (fck g. affg.) 

fehlt BC. 8. das hier und weiter unten eingeklammerte fehlt BC. 

9. wenn de in einander sint gegranen, alsdann schall u. s. w, BC. 

10. yp einen Dach BC. i\, B schiebt hier noch ein Die eine Stunde 
sefaall Gronningen nergen nichts van weten, de ander stunde de grauen 

mit Sparren vnd Vuhren . .- , einige warte sind erloschen. 

\2. Baden, de de Tidnnge . . . . , ein wort erloschen, B. 



FRIESISCHE WEISSAGUNGEN. ip0 

Dit Js Jarcke van der Muyden syn Propbecie i * Äuerst 
die Herenn van Freeslandt scholen seggen : Dit Js vnsc Va- 
dcrlandt gewesen, wenn sie vor Freeslandt vor abuer ihecn. 
Vnd Ein wedwe myt Einen gnldea Wagen Jnt LandL ge- 
uoreth, scholde myt Einen Meftwagen dar vth geaoreUi wer- 
den. Vnd dit scholde gescheen, wenn die hereim WyU Jnt 
Oisten frienn. > 

1. dieser anfang der letzten weUsagung fehlt BC, %. hierauf Ein 
Jeder mach biddeo, dat em Gott bewahre vnd de «tralfe mach vth 
bliuei^ Amen. C. 

Die eine dieser Weissagungen, welche von einer schlackt ssu 
Rüpel spricht, erinnert an eine ganz ähnliche die im Pa- 
derbömischen zu hause ist. ich hörte sie von landhut&n 
in der gegend von Büren im december 1832, ais man über- 
all in der erwartung eines schweren krieges war, und schieb 
sie mir damals mit folgenden werten nieder, bald, so sag- 
ten die landleute, werde eine grofse schlacht auf dem Stnt- 
Jelde geschlagen werden, gegen ein heer das aus westcn 
komme, das sei schon eine alte prophezeiung^ die gröste 
noth des krieges werde angehen wenn der hafer reif sei^ 
dann werde eine zweite schlacht geliefert am birnbaume bei 
Werl^ und die letzte endlich bei den Fürstmei* linden un-^ 
weit Eruntte, . in der erst das heer aas westen den sieg 
habe, bis von links her (aus süden?) ein gmeral auf wei- 
fsem Schimmel ansprengend die schlackt ßlr die unsrigen 
entscheide, so kabe es auck sckon lange der alte ff^teker 
zu fVeiberg bei Büren gesagt, nack der schlacht bei Er- 
witte aber werde das volk so dimne sein dafs die menschen 
sich wieder zu einander suchen müsten. — diese Weissagung 
veranlqfite bei einer ungewöhnlichen naturersckeijmng im 
herbste 1832 ein gesicht von einer scklackt, über welches 
damals von den anwoknem des Sintfeldes (des sckiacktfei- 
des Karls des grofsen) wenigstens zwanzig mmscken eid- 
lich zu Protokoll verhört worden sind, die stellen am bim- 
bäum bei fVerl und an den Fürstmer linden kaben, so viel 
ich mich erinnere, aufser dafs kreuze daselbst aufgerich- 
tet sind, nichts in die äugen fallendes, sind aber weit und 
breit im munde des volks bekannt. 

OLDENBURG, DR LE VERKUS. 



1' 



460 



ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSEN AUS 
S. PAUL. 

Zwei pergamentblätter eines uncialcodex der epange- 
lien aus dem 6n oder In jh .^ mit übergeschriebenen glossen 
des Snjh.9 vorgebunden einem uncialcodex des Ambroshu 
de fide catholica aus derselben zeit, in der benedictbier- 
abtei Sanct Paul im Lavan tthale, die besternten Wörter 
sind susätze des glossators, das eingeklammerte ist von mir 
ergänzt. HOFFMANN. 



Evang. Lucae 1, 64. loque- 
batar, sprah. 

65. facttts est, (ke)tan 
(uua)rdh. 

timor, fraktay forahta. 

* super, ,wier. 
omnes, alle. 
uicinos, kepurun. 
eorum, iro. 

* super, (u)ber. 

uniuersa, *omnia, alle, alle* 
montana, peracara, pergara. 
iudaee, dra . d. 
diffamabantur, * diuulgaban- 

tur, kemarit (uua)run. 
hacc, deisu. 4^VV- 
uerba, (uuor)t. 
omnia, (al)liu. 

66. posuerunt, sazton. 
'^omnes, alle. 

*qui, dea. 
'^audierant, horten. 
Gorde, (her)zin. 
suo, iro. 
dicentes, chu{e)danti. 



quid, nuaz. 
^pnlas, uuanis. 
erit, ist. 
puer, chind. 
iste, deze. 
*etenim, so, 
manus, (han)t. 
domini, (truhti)nes. 
cum, (mi)t. 
illo, imu. 

67. eius, (si)nef;. 
impletus, eru(u)lter. 
spiritu, atume. 
saucto, uuihemo. 
profetabat^ uuizagota. 

68. benedictus, k(i)u(uihiy 
ter. 

quia, (huuan)ta. 
uisetauit, . , . . ta. 
fecit, (mahho)ta. 
redemptionem, urlosida. 
populo, (Jbl)che. 
suo, (sine)mu. 
70. qui, d(ea). 
aba, J(o)na. 



-^^maammmm 



S. PAULER BLOSSEN. 



mi 



eo, imu.* 

72. memorari, k{e)hukit uue- 
san. 

testamenti sancti, {uui)hun 
euua. 

73. iusiuranduiiiy rehtan eid.^ 
iaraiiit, {suu)ar. 

daturam, k(eban)tan. 

76. praeibis, J(o)racas. 

77. ad dandam, z(a ke)bänne. 
scientiam, utdstuam. 

in remissionem, in antlass. 

78. per uiscera, {du)ruh in- 
nodi. 

oriens, uf chuuemoy uf 

chumji. 
ex alto, ßfina ha)hemo. 

79. illuminare, {liuhtan)U. 
r umbra, scue (h^cßi^iee). 

dirigendos, (rih)tan, 

80. crescebat, (uu)has. 
conroborabatur, * confortaba- 

tur, kestarchit uuasy ke- 

strengit uuas. 
in desertis, in tmiasüm^ in 

uua(stim). 
diem, (ta)c* 
ostensionis suae, (nn)ura 

keatigida. 
2, 1. exiit, uz kerne. 
edictum, kechuuit. 
a caesare, ßjond) kheisure. 
agusto, eruuirdiskemu. 

* im texte qui aba bo. der 
Schreiber des uncialcodex schrieb 

Jür a saecnlo , wie die vulgata 
hat, deutsch aba eo oder meinte 
ab aevo. der glossator nahm es 

für ab eo. 



"'uninersas orbis, aiäu umöi- 
uurft. 

2. haecy deze. 

professio, ^^descriptio^ kesmip. 

prima, einst. 

facta est, imartfinaz. 

(*a) praeside, Jona demu fo- 

rakesa . . . 
syriae, £f(e)ra sir. 

3. ibant, keangu(7i). 
omnes, {at)le. 

vXy daz. 

profeterentur, sie f aar in. * 
unusquisque, "^ singuli, ain* 
luze. ffi 

in snam, in iro, 

4. ascendit, ußteic. A ^frn 
ciuitatem dauid, (bu)ruc da- ^ 

uides. 
qne uocatur, diu ist* 
eo quod cssit, pidiu daz 

uuas. 
domo, huse. 
patria, *famüia, htumske. ^^^.jf'^^firft, 

5. profeterclurj er fu^iri.*^ 
cum maria, {mi)t (mari)un. 
spunsa, '^despoDsata, kema- 

haltera. 
"^sibi, imu. 
^iixore, chuuenun. 
pringnata, ♦pregnantCj^zf?/^??- 

grera^ suuangrera. 

6. factum, {ke)tan. 
autem, keuuisso. 
dum, denne. 

* der glossatar halte profieiBcc- 
rentur im sinne. 

** der glossator meint pnificis- 
ceretur. 



4ßßt 



S. PADLBR 6L0SSBD(^ 



ibi, dar. 

essent, (uu)arun. 

impleii sunt, eruulte (uua)run. 

dies, (ta)ga. 

pareret, pari. 

7. pcpcrit, par. 

filiam, ckindh. 

*saum, tra. 

primogenitom, {e)rütporma%. 

pannis, lackanum. 

eum, (i)nan. 

conuoluit, '^inuoluit, pütuant. 

posait, ^reclioauit, kesaasta. 

eain, inan, 

iü praesepianii in pamin, in 

chripiun. 
quia, \huuan)ta. 
erat, uuas. 
*ci, imu, 
locus, stat^ 

\vl diuersorio, in casthuse. 
^pastores, (kir)te. 
erant, (uua)run. 
in regione, in lanUcafi. 
illa, '^eadem, deraselbun. 
uigilantes, {uuah)hente. 
cnstodientes, haltente. 
uigilias, (uu)ahta. 
noctis, d(e)ra naht. 
gregem suuin, choriar iro* 
9. ecce, inu. 
angelus, (an)gil. 
domini, (truhti)nes. 
stetit, stuant. 
circa, *iuxta illos, pi im. 
claritas, perhti^ perehti. 
*dci, cotes. 

circumfulsit, (umbi s)kein. 
illos, sie. 



timuerant, forohton. 

iimori^ /orahtim^ 

magno, michilleru. 

10« dijdt, (tpr)ah. 

Ulis, im. 

angeln», {an)gü. 

nolitc^ ni^hurü. 

timere, ßarahtan. 

ecce, inu. 

nnntio, * euangelizo, ouat- 

spellon. 
uobis, iu. 
gaudium, mmdi. 
magnum, michila. 
quod, daz. 
erit, ist. 

omni, eocouuelichemu» 
populo, (fol)che. 

11. quia, daz. 
natus, keporaner. 
nobis, iu. 
hodie, hiuto. 
conseruator, "^saluator, hei-- 

lant. 
qoi, {de)r. 
xps, uuiher. 
dominus, (truh)tin. 
eiuitate, {pu)riki. 

12. hoc, '^est, uobis, daz 
ist iu. 

Signum, zeiehan. 
inaenietes, findat ir. 
infantem, ckindh. 
^pannis, lachanum. 
'^inuolutum, pHmntanaz. 
positum, kesaztaz. 
in praesepio, in pamin. 

13. subito, chahun^ cahun . 
facta est, (ke)tan uuardk. 



S. PADLBR GLOSSEN. 



463 



^cum angelo, wnit angele. 

multitado, manaki. 

exercitas, heri. 

*iiiilili^, dera chamß eitL 

caelestes, d{e)ra himiliski. 

laudantium, lobontero, 

deum, (co)ian. 

dicentiniD, (quedan)tero. 

14. gloria, {ruami)da. 

n altissimis, * excelsis, in 

hohem. 
leo, (co)te. 
erra, {er^du. 
tax, ßridw, fridu. 
lominibus, {man)nwfn. 
)one uoluntates, d{e)s cuatin 

uuülin. 
L5. pastores, (hir)te, 
lixerunt, "^loquebantar, spra- 

chun. 
id inuicem, untar im, 
ranseamus, farames. 
isque, {un)zi. 
n bethelm, in bedhiem. 
ledeamus, kesehemes. 
IOC uerbum, daz uuort. 
[uod factum est, das (ke)tan 

ist. 
quod, daz. 
stendit, kfiaucta. 
obis, uns. 

6. ueneruQt, ckuuamun. 
»tinantes, iUante. 
laenenint, funtun. 
lariam, (mari)un. 
ifantem, chindh. 
asitum, kesaztaz, 
1 praesepio, in pamin. 



17. '^uidentesy kesenntOs kese- 
hante. 

cogaoaerimt, er(cha?i)ton. 
de aerbo, piuuorte^ pi umrle^ 
quod dictum est, daz kechu- 

uetan uuas. 
illis, im. 
de poero hoc, Jona chinde 

demu. 

18. omnes, (al)le. 
qui, (de)a. 
audierunt, kehortan, 

mirati sunt, eruuntrote uum- 
run. I. 

de bis, idei (1. mnpi dei?) 

que, dei. 

dicta erant, kechmietan uua- 
run. 

a pastoribus, J{o)na hirlum. 

ad ipsos, ze im. 

19. coDseruabat, kehealL 
omnia, (al)liu. 

*uerba, uuort. 
haec, deisu. ^o *':; 
conferens, ebano ketraganti^ 

ebanoketraganti ^ 
corde, (her)zin. 
svLOj ira. 

20. reuersi sunt, uuarpante 
{uua)run. 

pastores, hirte. 

*glorificantes, ruamante. 

landantes, lobonte^ 

deum, (co)tan. 

Omnibus, (at)lem, 

quae audierant, dei kehorton. 

ttiderant, kesahun. 

* dictum est, chunviau. 



^ 







464 



S. PAULER GLOSSEN. 



'^ad illos, »e im. 

21. cam impleti sant, *post^ 
qaam consammati sunt, qf- 
ter diu keenteote (uua)run. 

dies, (tä)ga. 
viii, hatouui. 
at circumcideretur, daz um- 

bisnitan tmari. 
puer, chind. 

aocatum est, kenemit uuas. 
namen eius, {nä)mo nner. 
qaod, daz. 

aocatamesi, kenemmit(uua)s. 
ab angelo, ßfina ange)le. 
priumquam, er denne. 
*in atero, in innode . 
conceperetur, entfangan uua- 

ri. 

22. cum, '^postquam, impleti 
sunt, eruulte (uua)run. 

dies, {ta)ga. 

purificatioDis, dera reinidassi^ 

reinidassi, 
eins, sinera, 
secandam, (qf)ter,, 
legem, euu. 
mosi, d(e)s moysenes. 
duxeruat, '^tulerunt, namun, 
'^illum, inan. 
*vA sisterent illum, daz saz- 

tiriy saztin inah. 
domino, (truhti)ne. 

23. scriptum est, (kescri)ban 
ist. 

lege, euu. 

domini, (trukti)nes. 

quia, daz. 

omne, eoceuvelichez. 



masculmn , * mascolinnm, 
comman chunt, chunt. 

{* ad)aperiens uuluam, intuan- 
ti uuamba. 

sanctura, uuihaz, uuihaz. 

domino, (truhit)ne. 

aocabitur, kenemmii ist. 

24. ut darent, daz k ebin . 
sacrificium, *ostiam, zebar, 

zebar. 
secundum, {af)ter. 
quod dictum est, daz chuue- 

Um (uua)s. 
lege, euu. 
par turturum, zuuei kenestt- 

diu turturono. 
duos puUos columbamm, 

zuuei iungi huaninchüi tu- 

bono. i^^i,t^fJ,^.KM/Ai^T,i, 

25. ecce, inu. 
homo, (ma)n. 
ctti, demu. 
nomen, (nä)mo. 
erat, uuas. 
homo, (mä)n. 
hie, *iste, deser. 
ittstus, (rek)ter. 
religiosus, "^timoratus, ybr^A- 

taler. 
expectans, peitonti. 
consolationem, trost. 
israhel, (israhe)les. 
Spiritus sanctus,a/z;m {um)her. 
cum ipso, '^in eo, mit imu. 

26. respunsum, antuurti. 
acceperat, entferne. 

ab spiritu saticto, J{o)na atu- 
me (uui)hemu. 



S. PAÜLER GLOSSEN. 



465 



non, {nal)les. 
uisumm, kesekan. 

mortem, d(o)dh. 
(*nisi) prius quam, uzan er, 
uederit, kesahu 
Christum domini , (uui)fum 
trohtines. 

27. uenit, chuuam. 
in spirita, in atimie. 
in templo, in huse. 
cum, (den)ne. 
induceriot, inlei(titun). 
*parenlcs eius, no t 

. Jhrd(o)ron aldo, 
iesum, heilant. 
ut, (dä)z. 
facerent, tatin. 
secundam, (af)ter. 
consuetudinem, keuuonekeiti. 
legis, d(e)ra emm* 
pro eo, pi inan, Jbra imu. 

28. ipsc, er. 
accipit, entferne. 
eum, inan. 

in manus, '^ulnas, suas, t» 
elinpogtmy in elinpogun 
sino. 
benedixit, uuihta. 
deiim, (co)tan. 
dixit, (chuud)dh. 
'29. nunc, nu. 
dimitte, forlax. 
seraum, {scat)c. 
secundum, {af)ter. 
uerbum, (uuor)t. 
taam, (di)na». 
pacc, (Jri)diu, 
30. quia, (lmum)ta. 
Z. F. D. A. m. 



uiderunt, kesa(km). 

oculi mci, {ou)gun (fni)niu. 

salutare tnam, dax lieil din. 

31. quod, (da)z. 
parasti, kekarotes. 

ante faciem, J\pyra siune. 
omnium, (al)lero. 
populorum, liut{ed). 

32. lumen, lehot. 

in, ^ad, reuelationem, xe an- 

trihidu, 
gentium, deotono. 
gloriam, ze (ruami)da. 
populi tui, *plebis Ine, d(e)s 

(Jolc)hes (d{)nes. 

33. maier, (mua)te{r). 
mlrantes, {uuun)trontiu. 
super bis, (ü)ber dei. 

qne dicebantnr, dei kechu(ey 

tan (uua)run, 
de eo, fipna) imu. 

34. benedixit es, uuihta siu. 
dixit ad mariam, (chua)dh 

ze (mari)un. • 
eins, ({)ru. 

positus est, kesazter ist. 
in niinam, in ual. 
resurrectionem, vrristu. 
mnltornm, {mana)gero. 
in Signum? in zeichan. 
cui, demu. 
contradicitur,ta/idar cbu(etan) 

ist. 
35. tuam ipsius animam, din- 

na selbes sela. 
pertrattsiet, (du)ruhfarit. 
gladius, uuafan. 
reuelentur, sin"" entrigan. 
30 



• 

4 



cl 



466 



S. PAULBR GLOSSEN. 



ex maltis oordibus, ^ mann'- 

gern her »cm. 
cogiliitioneS) ke(dan)cha. 

36. erat, (uuä)s. 
profeiissa, uuizaga. 

'^ iiliaj tkoter. 

fanoel, (Janoe)les. 

de tribu ascr, y(o«Ä) chunne 

{ase)res. 
haec, disu. 

processerat, framgeanc. 
diebus, {ta)gum. 
niiiltis, managem. 
Uffi ^ uixerat, leb^a. 

cam uiro '^soo, {ini)t mane 

ira, 
a uirginitale sua, ß^o)na ma- 

gahtheiti ira. 

37. haec, disu. 
uidua, uuituua. 
(usqiie) "^ad annos, unzi ze 

iarun, 
Lxxxiv, hahtozo feoriu. 
que non discebat, diu ni ke- 

leid. 
de templo, f(pna) huse, 
ieiiniiis, (Jas)tom. 
# orationibus, '^obsecrationibus, 

pisuMartiniy pisuuartim, 
seruiens, deononti. 
nocte et, *ac, die, {td)kes 

enti nahtes. 

38. haec, disu. 
ipsa *hora, d{e)ra selbun 

rnnhi. 
^ueniens, chuuemanti. 
confitebatur, iah. 
Aommo j{trtihti)ne. 
loqaebatar, sfparch (so). 



^qui, dea, 

expectantibus, ^exspeetabant, 

peitoton. 
redemptionem, irlosida. 

39. ut, so. 

perfeceruiit, (du)ruh taiun. 

omnia, (al)liu. 

secundam legem domiai, (qf)- 

ter euu (truhtt)?ies. 
reuersi sant , (uua)rpante 

(uua)run, 
ciaitatem suam, {bu)ruc sind, 

40. crescebat, uu.as. 
pleaus sapientia, foller spa- 

hida, 
conroborabatur, * fortabftlur, 

(ke)starchit uuas. 
gratia dei, enstl {co)tes. 
erat in eo, '^cumillo, (uua)s 

(mi)t imu* 

42. cum, (den)ne. 

factos esset, {ke)taner {vud)s. 

*iesus, {het)lant. 

annorum xii, {ia)rum (ocij) 

ueo. 
asceodentibus, vfstigantem. 
secundam consuetudinem, 

{apjter keuuonaheiü. 
diei festi, {tul)dt tagin. 

43. *consummatisque diebus, 
enti keentolem tagum, 

cum redirent, (den)ne uuar- 

pton. 
remansit, pileip, 
puer, chenehi, cheneht. 
non cognouerunt, ni erchan- 

ton. 
parentes eins, cataHnge sine. 

44. existimantes, ntiannanie. 



S. PAÜLEft GLOSSEN. 



m 



cum, MUum, (i)nan. 

esse, (uue)san. 

in comitatu, inkesindey (t)n' 

gewide. 
uenerunt, (chuua)mun- 
*iler, sindh. 
diei, d(e)s tages. 
quirebant, suahton. 
eum, {i)nan. 



obslepuenint, ammirali sunt, 

emunirote {nua)run. 
ad cum, *adillum, {a)s ^^"- 
matcr eius» imua)ter (si)mu^ 
fili, chmL 

quid, i/iffls* ^ 

fccisli, tati. % 

uobis, if^iÄ. 1 

sie, £0' *' 

Später Lüus, (ß)ter diner- 



inter cogaaios, tiwtor kelan^ _ 

notos, chundem. "^^^^ ' 1^^.«^^ 

' . ^ querebamus, suahtomes, 

45. non inucnienlcs, »« /^- ^^^ ^^^^j^ 

(fowfe. 49 ^ji^it, *ait, ad eos, *iUos 
vtwts\sMxA,miarpante{uMy ^^j^^^^^^y/^ ^e m.. 



rcquircBlcs eum, auar sua- 
chante (t)nan. 

46. factum, (ke)tan. 

posl dies ires, nriduum, aß 

ter drim tagum. 
inuenerunt eum, funtum nan. 
templo, huse. 
sedentem, sizantan, 
iu medio magislrorum, *do- 

ctorum, in metolode meistro, 
audientem, horrantan. 
♦ilios, im. 
inlerroganiem, fragentan. 

47. stopebanl, erchuuamtm. 
omnes, {al)le. 

audientes eum, *qui eum au- 
diebant, dea inan kehortofu 

super prudentiam , «^*^^ 
clamndq. 

et respunsa, *rcsponsis, en- 
ti antuurtim sinem. 

48. uidcntes, kesehente. 



(chuua)dk se im^ 
quid *est, tiua^s ist, 
(♦qood mc) quaerebatis, da^ 

vüh suühtQt, 
nescitis, * nesciebatis, ni ui- 

so tot ir. 
quia IQ *hjs que^ daz in dem 

dea. 

patris mei * sunt, d(e)s Jäte- 
re (min)€S sint. 

oportet, ketreklL 

me, (mi)h, 

esse, (uu€)san. »i^i »• 

50. ipsi, sie^ 

non inleUexerunt, mjarsluan- 

tun. 
uerbnm, (mor)t^ 
quod locuius est, d^^ ^P' 

vhanter (uiia)s. 
eis, *ad iUos, m- 
51. discendlL, mdarstezc. 
cnm eis, {m)i ifn. 
ucnit, .^^dh. 




468 



vy7. io,?>fr^. 



PRAGER GLOSSEN. 



Pergamenthandschrift des iinjahrh. in octav, in der 
ftirstlich lobkowitzischen bihliothek xul^rag. auf dem var- 
setzblatte wm alter hand Liber . s . Pclri . a . in Aug ia mi- 



nori; 



und unten von neuerer Biblioth. 



Wcifscnav. 

HOFFMANN. 



1^ Adam liomo uel terreoHS. 

Abel aapor ael lactas u. s. w. 
2^ Antidotum contradatam i. 

tranc. 
Ala ascella. 5cbesa. 
Arisa haathaba l hasta. 
Arala aas prunanim gl5t- 

pbanna. 
Alietum aiiis. erigriz. 
Attacus. hebera ~t uel ul qui- 

dam uolunt biumbel. 
Areola lectalus in borto. i. 

bette. 
Alx genus besti^. elaho. 
Aqua manile bantcar. 
Andeia brantreita. 
Arioia hiba. 
Amiculum peplum. fascia pe- 

ctoralis. bovbetScb. 
3* Absintbium wann5ta. 
Accp berba {dies wort über- 

geschrieben) gundereba t 

arbor mazziltra. 
Anetum tille. 
Apiam epbi. 
Alliam coobelovbc. 
Ascolinum asciovcb. 
Anguilla aal. 



Alapa orsclae. 

Anrugo. spes coloris. i. ge- 

liu. 
Aulicas .bouelinc t bouetrat. 
Ancomiscos incastratura. i. 

n5U 
Aspidiscos. uncinus. i. cr&pho. 
3^ Axidonum sesse^iom. i. 

stol. 
Alopiciosus intra caluus. 

Grindoble. 
Ascia debsdn l barla. 
Auca t Anser gans. 
Aruina pinguedo i. unslit. 
4* Alliceo. inuiio. spano 

(aus a ein e gemacht, aber 

so spemo) 
Assen tior adulor i. stichelon. 
Amus angil. 
Achalantus carduelis l car- 

dellus distilvinco. 
Alibrnm baspil. 
Alnus erle. 
AIofHcia grint. 
Alopitiosus grindocbte. 
5* Birsa pellis. i. hut. 
Botboma urna. i. eimber. 
Botholicnla stovE. 



PRÄGER «LOSSEN. 



Am 



Balafium ymago. i. bilide. 
5^ Bubulcus i. ohsinare. 
Bucerus bubalas. i. wiesent. 
Bubalus wiesent. 
Braga femorale i. broch. 
Bulla äperola aurea. i. rinch. 
Balista sagitla t genus iaculi. 

i. phederare. 
Ballena. i. walare. 
Brancia guUur. i. chela. 
Bästaban bremo. 
Bitumen i. ertlim. 
Buculare labium. i. lauitroc. 
Bracile brac^aho. 
Bipennis barta } pial. 
Botrus wintrubo. 
6* Birnis cottus fimbriatus. i. 

cbozo. 
Basis, u stafel. 
Buccella. i. pizzo. 
Balbutto blabpizon. 
Bombix goteweppewrm. 
Basterna sp^cieü uehiculi. i. 

samboch. 
Baibus neselente. 
Blatta species purpurn bla- 

tera. ^ 
Bulla blfttera. 
Blesus lisbinier. 
6^ Cidarim. mitra 1 pilleus. i. 

b5tili. . 
Catarus mundus. i. reine, t. 
Ciclad^ gottevvppc. 
7* Cinifes huntflivga. 
Cenocephalus hunhovbeto. 
Cardiacus herzesuhtige. 
7^ Contubemalis hergeselle. 
Caprea siluatica steingeiz. * 
Cartilago ossis. i. crustila. 



Castor. i. biber. •) 

Cuniculus c5nol. a) 

Capreolus rech. ij 

Capedo. i. alant. « 

Conca t concula m^'alta« t. 

(die a sehr undeutlich). 
Cancer crebizo. 
Cuculus govch. ^ 

Caradrion leripha. ) 

Carduvellus disülvinco. 
Cotturnix i. rebhSn. 
Cicendula cleno. 
Cautio scripgezuch. 
Calnana gebej. i 

Caluitium cälua. t. ^ 

Ceruix hals. * 

Colaphus halslac. « 

Colaphus elnie. 
Cost^ rippe. 

Cleffal tenar. f,^,ii£\ 
Coxe ): clunes diech t goffe, 
Cerebella himecreba. 
Calix t calcaneum uersena. 
8* Crus 1 tibia swcha (lies 

scincha). t. . 
Cliens. gnoz. 
Camera absida l arcus. i. ge- 

weihe. 
Cripta cruft. 
Cementum pflaster. 
Calces calch. 
Cementarius mdrare. 
Curia dinchvs 1 sprahus. 
Curialis 6sago. ^,9H/f, ^k H}<^'*, 
Calips ferrum. i. stal t isin« 
Clauus tvyirnagel 1 zvcc, 
Clauis sluzzil. 
Circinus rizza. 
Ceagra fvscinula. i. crowiL 




/ 



«ro 



PRAGER GLOSSEN. 



I 



Circus. rinc. 

Carro l carraca. vragen. 

Carpentarius vrageoare t bolz- 

wercman. 
Cuna. vvagc. 
Cenaealam musgadem. 
CarUllam canistram. i. cratto. 
Calatus zeina. 
Ciatus calix modicas. i. 

stovf. t. 
Cratera napf. t copf. 
Coclear lephel. 
Caldarium chezzilin. 
Celatura erhcvei. 
Cantarus naph ) canneta. 
Ciminani chömihe. 
Cucumis l Cucurbita, i. cur- 

biz. 
Cucumerarius curbizgarto. 
Carectum riet 1 saherah. 
Cicuta wotich. 
Cepa loTcb. 
Cepe pbla nza^ 
8^ Cerofolium oheruilla. 
Coriius hasel. 
Carduus distel. 
Gauiua hanif. 
Celidonia scellewrz. 
Colocasia wiltminza. 
Casia uirgula eorticis robusti 

purpureiis foliis. i. wih- 

boum. 
Coriandrnm cc^Iindir. 
Caulis choli. 
Gardanius wildeoresso. 
Crocus^. ordgo. 
Consitus ) plaütatHs gimbe- 

tote. 
Gitte l cortex. i. rinda. 



Cippus stoc t bI<Mi. 
Cedrns cederbovin. 
Cerasns crisebonm. 
Cinus crihbonm. 
Carpenus hagenbSch. 
Colurnns hesebrier (50). 
Calculas. chiselinc. 
Coccus rotphellol. 
Coccinum rotez. 
Culix mugga. 
Caliga sc5h } soc. 
Calicula soehili. 
Ciange hosvN. 
Capulus heize t hanthaba. 
Cassidapera muhsina t fa- 

scha. 
Cb6s wezzein. 
Culler mezzer. 
Cliuus halda. 
Crepido stecchili l bäli. 
Controuersia. i. strit. 
Card US ange. 
Cällis phat } vvec. 
Callus svvil. 
Cetramentum blacha. 
Colostrum biest. 
Carbasus segel. 
Constellatio gestirae. 
Cola siha. 

Calcatorium torcular Irfita. 
Conpluuium dachlrovf. 

9" Colus rocco ) ehuocola. 

Cölum siha. 

Claua kolbo. 

Crispus reide. 

Curtis hof. 

*Curtile honestat. 

Conmanipularis bergesello. 



PRÄGER GLOSSEN. 



471 



Colossus altJsäitua coluuina, 

j. iraicüsvl. 
Calccus t caligii scuh. 
9^ Cistella capsell». i. tasca. 
Clitella cistella ineissa, L 
CarroJo ditacero. i. bignago. 
Clepo i'uror. 1. stüo* 
Catillo alienas damus mori: 

caiiLlorum giro« i. Dasco. 
iiauillum I cauillatio hoch I 

spot. ' 

Coaciio in acetuiu uerlor. i. 

irsvrcn. 
CoDsullalio raltraga. 
Colli Uli to aitainercho» 
Cüufulo gcilDUQ. 
Confrico gcrosto 1 geUerlo. 
Compilalor zcsamiriiplezzare. 
Caplstrum halbere. 
CapJtiuin hobetluvch, 
CoUarium hastvvch {so), 
Ceruical rlmssi. 
Consistori 11111 diiiühus. 
10* Caslorium bibervviz (jTo)» 
Causape mensale l ambet- 

lachen. i * 

Caha. J. cle. 
CoBcioDator sprachare. 
Corbis corp. 

Comedo glulto. uilepbraz. 
Corimbus Irübo, 
CyUndrttin welleblcc, 
Cribrtim sib, 
Cortiii^ aurea uelamma. t. 

Tugelachefi. , 

Cinoglossa huDlzunge. 
Cymex wajiüüs. 
CicoDia storch. 
ComuDi herba letalis et per- 



niciosa [lac stunii, stara 

uescuDtur sine perictilo. 
Ctoaca pbuL 
Colus arsdarm. 
IV Didimus geminus gczvri- 

nele. 
Doliuia eruca. i, grasewnu. 
DisGUS magna scutella. scu- 

Lra, 
Diäcororiis. ]. tr^hsaz, 
DiscnmiDalia mulieris capitis 

ornameuta, i. härscaida« 
Dainnia 1 damniula. i. daiaa. L 
Delicatus zarlicbe. 
11^' Dumus Spina, i. dorn. 
Dedido zurgift. 
Decipula ualla. laqueus i 

drub. 
Dülubra ascia. i. barta. ^ 
DtiütilemetaUum. gcslageuez. 
Digero ordino t deuito. t. 

frizzo, 
Dolo snido. 
l^"" Debisco serindo. 
Dedo, irgibo* 
12'' Eclesiastes coucionator. 

i. sprabare. 
£phebia lupanar horbus. 
Electrup. g«smelze. 
Ellcbomm ueratrum hemera. 
Enigma. ratsca. 
Eucharistia bonum doEiun. i. 

vvizzot, 
13^ Exlalisgrüzdarm. I groz- 

magga. 
Emissus emissarius. i- "^'^ 

uescare. 
Empücius coüfscaicb. 
Erodius wiltfalco. 



Ǥ 



PRAGBR 



^ 
., y.^ 



Circus. rinc. 

Carro t carraca. wagen. 

Carpentarius wageüare l holz 

wcrciuan. 
Cuna. wage. 
Cenaculum imisgadem. 
Cartallum canistrtua 
Calatus ^eiaa* 
Ciatus calix 

stovf. t* 



^JlllS 



jgabeimneT, 



^^^eütfiro ueatrem aperio 

tf^^co"*' ß*'** * sclndo. 
^Lubero nodosus fio, i. ma- 

seloht, 
Exploro spehon- 
Extnado* bloe. 
EmoTToidae Ficblaiera. 
Ejiblaltes scrale. 
Ergasterium werchus. 
15' Furcilla gabela. 
Fistula calamus t swegela. 
Fas Cialis windinc. 
Furga hacge l zivselle. 
Fuluum rotez. elewez. pra- 

nez* 
Feminale l femoralia brage. 

i. brScb. 
Femur coxa. i. dich. 1H)V'. 
Fiscella sportula. i. c5rbilie. 
Fascis } fasciculus gebundili. 
Fibula Goncatenatica muskil. 
Forceps zanga. ~ 



GLOSSEN., 

f^. ^ ^1 foscioala crovi^l l 

p, pho. 
iX sichela. 

/alx fenaria segense. 

Feniseca madare. 

Falcastrum rutsegensa l ge- 
tisen. 

Fornix swibclo. 

Furnas l fornax omh. 

Fumarium rovbcbas. 

Flanus falwe. 

Fcri^ firra. 

Fanda slinga. 

Fenus questus l asttm i le- 
ben. 

Fundibalarius slingare. 

Fiscedala snepba. 

Fringellus uinco. 

Fucus api similis treno. 

Ficones socscaba. 

Fagus b5cba. 

Fraxinus asce. 

Fusus spinnela. 

Fusarias spinnelbovm. 

Farnaicus cippus. i. stoc. 

15^ Feniculum fenicbil. 

Fenicium fenicb. 

Fragum erlbere. 

Fungus swam. 

Fascinum zovber. 

Fertus flado. 

Flabrum 1 flabellum uentus. i. 
wale. 

Fenicium rotez. 

Fimbria fase l treimo. 

Fidis cord^ seito. 

Fundus praedium l grant 1 
bodim. 

Fidicen seitspilare. 



yus taiscb. stercas boum. 
Fax faccola. 
Slia stup§ lucernarum» i. 

\- 

\ arefio. marceo wc- 

V 



|to. 
iOzovbcron- 
iico tflsto. herto 
gnito. 
ircimen yvrst. 



ribo. 



r 



Gazophilatium, scazbvs. 



'is cisimus^ 1 potius giirgu- 
U(to efigericb. 
ii mmi fli et; 
eae. bafelen. 

iogia^ caro circa dentes. i. 
bilare. 
livla slunt. 
ippus hover. 
ula kela. 

esticulaüo motus musicas. 
i. wigunga. 

lobalus gloeli. $^^1"^^ 
ratiosus engestiger (lies 
enstiger). 
luten lim. 

remium siccamen lignorum 
} gramen novam post se- 
ctionem. i. ftmat. 
*illus macho. 
area griez. 
'aculas rvcho^ 
adiola svvcrtella. 
nuin us dens kinnezan. 
lli castrati l baniN. 
rgulio engerich. 
' Gnato golosus. i. uilefraz. 
as cranich. 



LOSSEN. ^*73 


* * 


ET^^F 


Glans eichilla t dros. 




^^^^^^^^^^H 


Glandula drfisilL 


^' 


^H^^r J^^^^^^^^ 


Gannio grino. 




^^^^^^^^^^^^^B 


Glis gliridis bllicb. 




^^^^^^B^H^^^^^^H 


Glis glissis est lappa. i. 


c 


^ ^^^H 


ztfisila; 




^H^^^^^^^^^ ^^^^ 


IT*" Herodion auis ignota. i. 




^^^^^^^^^^^. 


wiltfac (so). 




^Bi^HV^mHli^^H^tt>#»i 


Hydropicus waz crsu h ti ger . 




^H 


Habena scvbel (ao), • 




^H 


Humerus ahselie.^ f '*7^*/- 




^B 


Hamerali chipphen. ^y^\ *i 




^H 


Hinnit weioth, u « 




^H ^m 


Holcitum hülst* *mm* \ 




^H 


Hirundo swalwa. A 




j^M 


Heruca grase wrra. 




^m 


Hirudo sanguisuga. i. egela. 




^H 


Hibix steinboc ^ steingciz. 




^M 


18* Herniosus ponderosus. i. 




^H 


bölolt. 




^H 


Hio ginen. 




■ ^m 


18^ Icboos sonüs \ galm» 


^^^ 




Inuolucrum coiiuolutio ua- 




^m 


stiam. i. weL 




^M 


lecur lebera* 




B 


Ilia lancba. 




H 


Ingaina pudenda 1 hegcdros* 




■ 


Inaares orriuge. 




1 


Interrasilis in terliraatas . i - 




H 


underfigelote. 






Incastralura coniuüciio tabu- 






larum. i^ süiit (ä^)- 






Inpetigo griiiLlus. ruda. 






IuQj()erus recbeltcrbom. 






Inclusus closenare. 






Imbrex tegula. i- scbindela. 






Iritius igil. 






laculus. linlvvrm. 


■^H 




Ittniperus wecbelter. 


y^n 




__^ 


rt 


IL_.. i— 



4T4 



PRAGfiR GLOSSEN. 



^y 



19" Incauslum atramentum. 

i. tincta. 
lagerum lach. 
lurUicus esagftre. 46^ > 
Incas aneboz. 
lotrula interior tanioa. i. 

hemede. 
19^ Libra xji. pbaot. unti^ 

l wage. 
Librum humor sub cortice 

saph. 
Laras musare* 
Luter Otter. 
Lumbricus rogenwnn. 
Laudula lerioba. 
Locusta. bovstaphel. 
Licisca mistbella l breebinne. 
Linter canis. i. wint. t. 
LiDx btbs. 
Lumbi lendiv. 
Lacertas musculas brachii. i. 

mAs. 
Lamia quoddam moDstram om- 

lieri simile. i. holzmua. 
Large lares mali. qu^dam 

monstra. i. s crate . 
Iian^o fructus matums car- 

duum \ lana terr^. i. mieis. 
Latbomus ateinmeizeL 
20* Laqueare himelze. 
Libisticnm Inbestecbel. 
Lufiati fireni aculeati i. cbami. 
LoruiD z5hel. ^ 

Lacinia ora aestimenti» i. 

govm. } hdre. 
Licinin harlvfe. 
Lumbare modica braca. i. 

diehbrSh. 
Loliom raten. 



Laceroa uestis fimbriata sce* 

cho. 
Lamina blech. 
Lagena uas fictile l lapideam . 

i. lagella. 
Lubram } tibrum l labium 

lefs labetrocb« 
Leater conca labrum t labil. 
Lapates. i. fladen;' fmcUis ^ 

fici inter daasTtörtas pressi. 
Lappa lapatiam bleticha t 

zaisla. 
Leos lendis niz. 
Laseinia. i. nahtegel. 
Lepas base. 

Lincus strabus. i. schilbinte. 
Later ziegel. 

Lenowibgeroerl hSrmaehare. 
Leuir zeicbir. 
20^ Ligo sech. 
Lexiaa. i. lovga. 
Laraa scema. 
21* Miric^ geneste. 
Malagma confectio medko- 

rum. i. gSfa*c^. 
21^ Min^ muroram suramita- 

tes. i. cinna. 
Macilentus macer. i. magere. 
Maurus swarce. 
Mentuin chinnebein. 
Murena. i. lantprida. 
Mitra h5ba. 
Medulla marg. 
Mammar maxilla 1 tatti. 
Matrona firovva. 
Menbranam t menbranula uel- 

lili. 
Manipulus. i. garba. 
22* Museum bisemo i mies« 



PRAGBR GLOSSEN. 



475 



Ifentt minza. 

{alua jjapillau. 

ffillefolium garua. 

dalleus hamer. 

ilalleator hamcrare» 

doneta maneza. 

Üediolas naba. 

Hansas h5ba l bisaz. 

Ilagalis poreas eastratus bafc . 

Sensale tislaehen. 

Mlappalis mappula haatfan l 

hantilla. 
üerga soarba. 
Herulus l merula amissel. 
Herops gr5nspeht. 
ilurio cazza. 
Hustela. i. wiscla. ^ 
tfigale harma. 
Helos dabs. 
klunicipiale gestum gehnrli- 

cber dinge. 
Uatricularitts oompbaffo (so). 
tlattalis matta l tucha. 
Hulgeo miloho. 
Mantica tasca l malaba. 
diogo. i. seicbo^ 
^2^ Jifastico dentibas commi- 

nuo. i. cbiao. 
^anticor fraadem facio. i. 

stilo. 
STanus getuverc. 
feuii& macula l leb#o(?) 
^3*" Nouacola searsacb. 
^ueifraga nuzbrecha. 
^ucleus nuzzecberne. 
^octua. i. vrelc. 
fasturtinm cressa. 
<faiilaiii feriscaz. 
^autioös sokefflicber. 



Natcs arspcUi. 

Neo spinno. 

No nato swimme. 

23** Oriza aubülis fariiia si- 

mila. 
Onocrotttlas hort^beL 
24' Orawum, hantfano. 
Ora sovm. 
Ornus ribpvm. 
Olor belbez. 
Obses giscL 
Ocre§ arma trarium. i. bein- 

berge. 
Offa balla. '^^ 

Omasus uilevart {so).*'^^^ 
Operculum lit. 

24'' Ostrum rotephellel. 1' 
Opium thwalin. ' 

Offa pars frusü ainbiz. •>* 
25' PlaUnus aliorn. **' 

Ptisana far 1 hordeum nondum 

exatum cortice, i- fesa. 
Pilatus b5r. 
Palus^ paludis. i- mos, 
Palus, i slccco 1 pbal. 
Pala scuacla, 
Paxillus dauuis. i. nagil. 
Parix meisa. 
Papaucr mago. 
Pbalanga perLlca gerla- 
Paliurus bagcii 1 hagelia. 
Paredus uilis equsis. i. pare- 

frit. 
Pardua lebarle. 
Palina l patcUa pUanna. 
Palambes hagetvba, 
Pauo pbavvo, 
Paule hovstadil. 
Paniiiiim fcnicb- 



'« i 



I 




476 



PRAOBR GLOMEN. 



Patibulum galgo. . 

Pessulara rigel. 

Pepo phedema. 

PeffnluiD fl6z (wohl Pessulam 

sloz). 
25^ Persicus phersicbibioi. 
Pastina mqrha. 
Peta herba bieza. 
Pedacalus Ivs. 
Pellicaniis husegome {so), 
Pelex gella. 
Petigo prurigo iucfaedq* 
Perna bacbo. 
Pecten kambe. 
Pituita. morbas gaUinarum 

phiphiz. 
Pilleus h5t. 
Pila offa balla. 
Pila staiP4ph. 
Picus spehte. 
Pisa aruiz. 
Pixis bohsse. 
Pica agelstra. 
Pinus binbovm. 
Picea foraha. 
Pirus birbSm. 
Pisälis domns qae calefien 

polest, i. fiesel. 
Pons bragga. 
Pormm lovcb. 
Poledntt folo. 
PoUrina fulicha. 
26' Pub pn. 
Plumen os gattoris quo cibus 

deuoratur sluntbein. 
Pulmo lungenne. 
Poples kpirade. 
Pustula pülle } angweiz. 
Ptts sanies wäre. 



Pupa simulacrumpuerornm. i. 

toch^ 
PuluiJ^s c ussie. 
Pumex pelra cauernosa et le- 

uis. i. piimiz. 
Puluinar cvssi. 
Plaustrum wagen. 
Plantaga wegerich. 
Ran» ferrum scabe. 
Platona lapis politus. i. platta. 
Pluteus tabula parietis dile. 
Plumbum bli. 
26^ Prinus phlimaboyni. 
Priuignus &tiufsim. 
Prurigo iucfaedo. 
Quasquila wabtela. 
2T Querctts eich. 
Querms eichine. 
27^ Reumatica herba quedam 

eraniches' snabeK 
Racemus trvbe. 
Rasorium scarsach. 
Rana fros^ f AvU.^^,* 

Ramnus spina albi cohms. i. 

agaleia. 
Radii Speichen. 
Radix ratih. 
Rafanum merrathich. 
Rasa uestis. i. flosa. 
Rastrum hova. 
Rastelluni reche. 
Renunculus niero t lendibrato. 
Reticulum nezzili. 
Regius morbus, i. lancsuht. 
Remus rSder. 
Remiges/ ferigen. 
Reclinatorium lineberga. 
Repagulum obiectio qua ostium 

ciauditur. i. dremel. 



l'RAGEH GLOSSEN* 



477 



2^* Riscus isurobir. 

Rlma servata. 

Renicium acus I speniihi 

Runcina nol. 

Rumex tut, 

Rostrum snabil. 

Rubigo rdst I milva. 

Ruf gowe, 

Ruga zücbd. 

RumiDO itniche. 

Haucedo heis^i. 

Rugosus runzellote^ 

Rapa robe> 

29^ Stina guttn 4 stiHa i, is- 

Sielaba offa balla. 
30^ Sagma stol t sovm. 
Saturn filz. 

Sarcina in qua portaniur. i, 
meissa. 



Sardo naige. beslo. b6ze* 
Sartor nAtare. 
Sohim erde. 
Sandix weithia« 
Sandiceus wailine. 
Sarculum getisen 1 h5ye« 
Sacmanos sumatK 
Sambucus bolder. 
Sa n gu i nari u s hart tr u gel 1 n . 
SaLurela chenela* 
Sarcile tuniolacben. 
Saisities vvrsL 
Sali Uli ca rieigras. 
Sellarius satelare. 
Sedatium häsib, 
Semisj^aliiim. i. sahsa. ^ 

Serpillum vviitkenele. 

afies übrige aus dem ein- 
bände ausgert/sen . 



«^ ^ 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 



i, ^is^ 



Die hündschriji aus weicher ick die nachfolgenden aus- 
ziige mittheile entkUll ein vollständiges deutsches passians- 
spiel, das erste und bis jct^t das einzige dieser art wel-^ 
ches sich aus der getoiss großen menge vorhanden gewe- 
sener' spiele solches inhalts hat wollen wiederfinden Iqfsen. 
sie besteht aus 82 links am untern rande ge zählten (oder 
vielmehr^ da durch übergeknng der jsahl 77 die Zahlung 
falsch ist, aas 81) und zicei ungezählten blättern von oeh- 
senkopjpapier in gebrochenem folio oder richtiger der lange 
nach zusammengelegtem €juart — ein seltsames, aber auch 
bei der Ins br ucker ks. ähnliches inhalts, aus welcher Mone 
die'altteütschen Schauspiele' herausgegeben hat, vorkommen- 
des /ormat. die Zeilen sind abgesetzt^ bis bL 31 auch dir 
initialen mit rotk durchstrichen und die iiberschrißen eben 
so unterstrichen ^ interpuncHon ist nicht vorhandeji^ mit aus- 



478 



ALSFBLDBR PASSIONSSPIEL. 



, i>tjjm;ftiu 



nähme eimiger memmgdUtmetionen in den üterechrfften und 
solcher Jalle wie (hier 1, 165) das stehet zu, monchenvnd 
pfaffen; OMff der Seite ßnden sich 62 — 53 zeilen» sie ist 
von einer und derselben dem ausgange des 1 5» jh. ange* 
hörigen hand geschrieben; es finden sich aber im i$mem 
mehrere eingeh^ete zettel mit erwetterungen des Ursprung* 
liehen textes von drei andern händen, sämmtfich gleiches 
alters mit der ersten. 

Das spiel ist in drei tage eingetheilt, der erste tag 
reicht von bL 1 bis 33*". bL 33^ he^fst es Hk incipit secuii* 
da . dies passionis {beginnt mit der frage Domine ubi vis 
parari tibi pascha); bL 55^ Hie incipit tercia dies passionis 
{beginnt mit der domenkrönung). der ursprüngliche iext 
schliefst mit bL 82* {fvürklich 81), woratif noch atf dem- 
selben blatte von der ersten hand Processio hiiius Inii /blgt' 
auf den beiden nicht gezählten blättern steht dann noch 
von der dritten hand eine fortsetxung des passtansspiebi 
Apostolorum dimisio. 

^tf einem vom eingehefteten quof^tblatte stehen fol* 
gende notizen von der zweiten hand. 

Anno Domini 1501 habuimus hunc ludum passionalem 
tribus diebus festiuis. post festum pasce. 

Anno Domiai 1511 post pasce tribus diebus eundem ba- 
huimus ludum scilicet multum dilatatum sicut duodecim vexjl- 
lis. resurrectione. ascensione Spiritus sancti missio«! et di- 
misione. 

Anno Domini 1517 die dominica in Septuagesima ha- 
buimus ludum de natiuitate Domini et Tribus Regibus satis 
oompetentem a nona usque ad terciam horam. 

Anno Domini 1517 diebus tribus seqnentes diem pasce 
habuimus ludum passionalem usque ascensionem quia pluvia 
et ingens frigus nos abire compulit 4**" hora. 

Die handschriß befand sich bis 1842 in dem archwe 
der Stadt Alsfeld im grofsherzogthum Hessen; als in dem 
genannten Jahre das rathhaus umgebaut wurde, fand man 
es wohlgethan die unnützen scripturen des alten städUschen 
archivs an die Juden zu verkaufen; auch diese handschriß 
hatte dieses, Schicksal und gelangte so in meinen Jfesitsi- 
allem anscheine nach ist das stück nicht allein in Alsfeld 



ALSPBLDRR PASSIONSSPIBL. 



479 



mfgeßütrt (worauf sich die so eben mitgetheHiBn notizen 
)eziehen)y sondern auch daselbst niedergeschrieben, wo nicht 
\ar detn gröfseren theile nach abgefafst worden» der dialect 
st mit ganz geringen ausnahmen der noch Jetzt in Stadt 
md Umgegend herschende halb nieder deutsche hessische : 
ner {wir und mir), der (dir), er (ihr), en (ihn und ihnen), 
mweilen durch den reim sicher gestellt, x, b. mer : bege- 
e(D), mer : hern ; sodann brengen (bringen), hen (hin), bie 
wie), siberlich (süberlich), sieben (suochen) u, s. w, nur 
las in der hs. ojt vorkommende dit (ditze) ist nicht mehr 
lessisch, da an dessen stelle in diesem dialect jetzt das 
ihd, dils getreten ist, 

Fon bL 62^ bis bl, 69^ ßndet sich die aus einer Trierer 
s. in Hoffmanns fundgmben 2, 260 — 272 abgedruckte 
^arienklajge mit einigen abweichungen theils im gemein- 
chaftlichen texte selbst theils in der anordnung desselben, 
odann aber mit ziemlich umfangreichen Zusätzen, so wie 
inigen geringeren und einer ansehnlicheren auslafsung 
Hoffmann 270, 1 — 271, 3) ; die singstücke sind auch hier 
nt noten versehen. 

Einer der eingehefteten zettel enthält auch eine scene 
wischen dem marktschreier, dessen frau und diener^ wei- 
he in der haltung der in dem osterspiele bei Hoffmann 
indgr, 2, 31 Sy*. vorkommenden sehr ähnlich ist und sogar 
\ einzelnen zeilen wörtlich mit derselben übereinstimmt, 

Zeichen am rande beweisen dafs die rollen Christi und 
er Maria Magdalena aus der hs, ausgeschrieben wor- 
3n sind. 

Ich gebe, ohne für jetzt die wüste Schreibung corri- 
leren zu wollen, jedoch mit hinxufügung der interpunction 

1, die einleitung des ganzen mit dem vorspiele, dem ge- 
sprach der teufel, welche zum theil dieselben namen 

fuhren wie in Schembecks frau Jutten spiel, bl. V 
— 4* mit dem hier eingehefteten zettel; 

2, die bekehrung der Maria Magdalena, bl, 20^ — 23^, 
als einen der eigenthümlichen abschnitte des spiels, 

3, die Salbung Christi durch Maria, ah fartsetzung des 
vorigen Stücks und als probe^ der matteren stellen des 




480 ALSPELDBR PASSIONSSPIBL. 

Spieles, nebst der schhf/sdeclatnation des ersten tages, 
bl. 3r— 33'. 

4. die höllenfahrt ChrisH bl. 76'— (78)79^ zurverglei- 
chung mit den darstellungen in den vsterspielen bei 
Hoffmann ßmdgr, 2, 303 — 307 undMone altt. schausp. 
s, 115 — 121 . auch hier folgt die höllenfahrt erst nach 
der auferstehung. 
. MARBURG. DR A. VILMAR. 



1. EINLEITUNG UND VORSPIEL. 






bl. V Primo igitur omnibus personis ordinate in 

suis locis constitutis Angeli canunt si- j^.'tff.'üjJ^M,^ 
kte proclamator in medio ludi dicit 

Nu höret alle vnd vornemet mich, 

Er sijhet alt, jung, arm adder rieh, 

Alle die hie vorsampt syn 
• Vornemet wol die redde mynn: 

§zo wie ich dick hon gelefsenn 5 

Das nummer mentsch magk genefsenn 

Des ewigen todes vnd helscher pynn, 

Hie bedenke dan yn dem hercze synn 

Das grojfs lyden vnd den bittern toid 

Vnd alle die manchfeldige noitt io 

Die vnser her gelidden hott 

Vor vnfser alle missetadt. 

Synt en das nu nit hot vordrossenA, 

Hie hot dar vmb syn blat vorgossenn 
S2h,ciS.^'t,3o. AI an dem fronen crucze here, 15 

Szo sola mer efs em danckenn (/. d. sere), 

Wan hie es tad durch vnfser willenn, 

Das hie da midde mochte gestillenn 

Synes hymmelsches vatters grosfses^ zomn 

Mer weren anders alle vorlornn. 20 

Alfso noch hude vff disser erden 

Alle die verloren sollen werdenn 

Vnd nach disser zyt zu den tufeln farenn, 
Dye sich nicht von snnden bewarenn 



ALSFELDEÄ PASSI^SSfiBPl^L. ^ 

sW^. ei 

Vnd alfso sie vorgosCzcn goddes 
Das sie nicht achten synes geboddes 
Vnd alzyt von em wanckenn, 
Die em synes lydes nit endanckenn 
Das hie szo williglichen leyt 
AI vor die arm mcnschfeyt 
Die grosfse vbel hatte begangenn^ 
Do vor gab hie sich gefangenn 
Vnfser her ihu crist 
Der fso ser gepynniget ist 
Vmb das mer gesundiget hon. 
Das sollen mer cn genisfscn Ion 
Vnd danckcn eb cm myt grosfsw flyfs. 
Das hie vns hyr nach nyt vjrwyfs 
Wan mer kernen vor gerichte, 
Kond^n mer das bewarn mit i<?hte, 
Das mer dan mochten fynden gnadgi « 
Ja wer da folgelte roym ra^ [ 

Als ich: dp vor vormanet hpan, 
^ Den magk es dan alle wol her gann 
Vnd dor zu gudes vcle gescheenn. 
Dar vmb sollet ir nu ansehenn 
Myt Innikeit das schone spyell 
Das man hie begynnen well 
Vonn dem lydenn vnsers Herrenn. 
1^ Dor zu sollet er vwer hercze kerenn 
It. man vnd auch er frawenn; 
Mit andachl sollet er difs schawenn 
Vnd in aÜe vwern tagenn 
Jhiv syn crucze hclffen tragen 
Mit wiczen vnd synnen. 
Nu woln mer begynncnn 
Disfses Spieles vnd hebenn an 
Von dem teufer sancte Johan, 
Wye der prediget eyn bufsverüg lebenu. 
Dar nach sollet er mercken ebenn 
Wie en Herodes toden lyfs 
Dar vmb das he en losfsen hyfs 
Die sunde die hie hatte gethayn.^ 

Z. F. D. A. III. 



31 




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482 ALSnSLDBR f«SSlONSSPlEL. i 

Dar nacli wifi matt an hbenn -^ 

Wie viiber ber Jhü^ crist 6.^ -^ 

Noch Johanoi kofiien ist «^ 

Ynd synes predigeos begaim, .| 

Alszo vorgesprochenn hatte Johann, -^ 

Vnd was hie anders wonders thet, «^^ 

Das meroket wol wan er es seth *^' m 

Szo man es vbet yn dem spyelc ^^ 

Zu sagen wirlxs zu vieL ^.^ 

Des wel ich die redde beslysszenn, - « ^ 

Das vch do numer darffe vordrisrsenn $ -^^ 

Des losrsen mer die redde nfl bltben. >. 
6ot gebe das mer das spiel sso triben 

Das mer got da midde erenn .^ ^ 
Vnd alle Sünder vnd sanderyn «ich bekerenn ^ 

Die dissze boren vnd sehenn» % ^ ^ 

/|.^. Das diez alszo geseheen, k^Xm^ ^,^. n^^ 

Das helffe vns ^er meyde son » 

Der do besioeet des hyäkels throntt, * *^ 

Vnfser herre JbA crist ^"^ i 

Der vor vns gestorben ist* ^•^ 

Deinde ^egeni dtoit rigmum *^- 
Nu swiget lieben lade 

Vnd lat vch betfidenn ^ *l 

Wie dit spiel sal vor sich gehenn 5 - «^ u^ 
Dar vmb mer bidden vch vnd flehen 

Das er alle swiget stille ^*'»i a 

Dorch vnser liebenn frawen wyllen* ^ ^ i^< 
Mer woln hude spielen von dier martel Jhü crist *^ §^, 

32V. Der aller wernt eyn erloAer ist; ;^*3w: '^^ a 

Dar vmb solt er alle innigk synn, ^ ^ < 

Vnd eben' bedenckenn die groisfse pynn ^i>!^mi 

Die Jhs al an dem cruc^ gelidden hot ^ ^i^ 

Vmb vnfser sunde vnd missetad, ^ ^ j^^ 

Want alle vnser heyl dar an lyt ^ »«^^^ 

Nu vnd vmer zu ewiger zyt. ^^"^ ^^ 

liU. Nu stehet stille vnd swiget schone, ^* ^^ 

Das vch got von hymeln lone; ^ ^^^ 
Want wer hie zu siet mit ynnikeyt> 



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Off <• ■! fAmtt n «1 :^pri. 
Vorwar ich Ttii 4u Mgtnn wri^ 
D^r «isz fym Mm groifiM^li mtfli'iii* 
%t te tdtk mim er ym di^ ^Hlr jtjui 
^ i^(% m1 btbhiI hie Inbenn 
^Vei Idt arien ▼• 4er herr^n hni^e Mitirmi 
l)T vmh üo fwiget tW horrt ynf^**r r^^fid** 
id stefcet stille, 4es woln rtw-r irrb fiill«^ ^' 

biittlf'Ti. 
id swigei aach imt zu^ 
zo iBo^t er das apirl irU in t»^'* 

T sdMdÜieys marht \r d*ri ^btffc^ 
^ sich cyn ii^licher nmeh firU»**n " 

s ^de nU aach die bntmiiM^ 
? len-e vnd aarh dif- f*"^^^ 
5 sai nvnuints irr^i. 
r woi»'vni?edmni;rn -^'^^^^ 
ot wol rrHorrtder 



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474 



PRAGfiR 6L0SSBN. 



19" Incauslum atramentum. 

i. tincta. 
lagerum iuch. 
luriücus esagftre. A^ 
locus aneboz. 
Intrula interior tanioa. i. 

hemede. 
19^ Libra xji* pbaot. unti^ 

l wage. 
Librum humor sub cortice 

sagb. 
Laras musare* 
Luter Otter. 
Lumbricus rogenwmi. 
Laudula lericba. 
Locusta« bovstaphel. 
Licisca mistbella l brechinne. 
Linter canis. i. wint. t. - 
LiDX lithiB. 
Lmnbi lendiv. 
Lacertus musculas bracbii. i. 

mAs. 
Lamia qvoddam moDstram om- 

lieri simile. i. holzmua. 
Large lares mali. qu^dam 

monstra. i. scrate. 
Lan^o fructus matums car- 

duum \ lana terr^. i. inieis. 
Latbomus steinmeizel. 
20*" Lagueare himelze. 
Libisticam Inbestecbel. 
Lupati fireni aculeati i. cbami. 
Lorum z5hel. 
Lacinia ora uestimenti» i. 

sovm. } bore. 
Licium harlvfe. 
Lumbare modica braca. i. 

diebbrSh. 
Lolium raten. 



Lacerna uestis fimbriata sce* 

cbo. 
Lamina bledi. 
Lagena uas fictile l lapideum. 

i. lagella. 
Lubrum } ||l>rum l labium 

lefs labetroch. 
Leuter couca labrum l labil. 
Lapates. i. fladen^ fmctas^^ 

fici ioter duaslurtas pressi. 
Lappa lapatium bleticha I 

zaisla. 
Leos lendis niz. 
Luseioia. i. nabtegel. 
Lepus base. 

Lincus strabus. i. sebilhinte. 
Later ziegel. 

Lenowibgernerl hormaebare. 
Leuir zeicbir. 
20^ Ligo secb. 
Lexiua. i. lovga. 
Larua scem a. 
21* Miric^ genestc. 
Malagma confeetio medieo- 

rum. i. gefa*c^. 
21^ Min^ murorum summita- 

tes. i. ciona. 
Macilentus macer. i. magere- 
Maurus swarce. 
Mentum cbinnebein. 
Murena. i. lantprida. 
Mitra höba. 
Medulla marg. 
Mammar maxilia t tatti. 
MatroDa lEirovva. 
Menbranum l menbranula uel- 

üli. 
Manipulus. i. garba. 
22* Museum bisemo ) mies« 



PRAGER GLOSSEN. 



475 



Menta minza. 
Afalua papILla. 

Milterolium garua. 

Maüeiis hamer. 

Malkalor bamerare* 

MoDeta muneza. 

Medio Ins naba. 

Mansus b5ba I bisaz. 

Mngalis f>orcus castratus bare. 

Mensalc lislachen. 

Mappatis mappula banlfan ) 

bantiUa. 
Merga scarha, 
Merulus i merula aniisset. 
Merops grt>nspebL 
Murlo eazza* 
Muslcla, i, wisela. 
Migale barma. 
Melos dahs. 
Mouicipialc gestum gebuHi- 

cher dinge. 
Matricularlus comphaffo (sa)^ 
Mattalis maUa I tueba. 
Mülgeo milcbo, 
Mantica tasca t malaba. 
Mingo. ]< seicho. 
22^ Mastico dentibus commt- 

nuo. i* cbluo. 
Manticor fraudem faeio. i* 

stilo. 
Nauus getuverc. 
Neuus macula i lebeto(?) 
23' Nouacuk scarsach. 
Nucjfraga nuzbrecba, 
Nucleus üuzzecherne. 
Noclua, i. wcle. 
NasLurtmm cressa. 
Nanlum feriseaz* 
Nauticus scbeSlicher. 



Nates arspelÜ. ^^-^ -»^^ 

Neo spinno. 

No Dato swimme. 

2Z^ Oriza subiilii fariua si- 

mila. 
Oßocrotulus hortnbel* 
24" Orapiunij bantfaoo. i 

Ora sovm. *i 

Ornuä ribovnii 
Olor heJbcz- 

Obses giseL a^^ m%k^f< 
Ocre^ arma emrium. L beia- 

berge. 
Olfa balla. ti^M» i « rmm f i 

Omasus uilevart (so). 
Operculuni jit. 
24'' Oslrum rotephelleL 
Opium tbvvaini, p»^^ 

Offa pars frusti ainbiz. • •* 
25^" Pia tan US ahorn. 
Ptisana far \ bordeum nandum 

exutum cortice, i. fesa. 
Palatus bor. 
Palus paludis* i, mos. 
Palus, i stecco I phal. . ^ 
Pala scuuela* 
Paxillus clauuis* i* nagiL 
Parix nieisa. 

Papauer mago, f 

Pbalanga pertica gerta- 
Paliurns bageii l bageiia. 
Paredus uilis equus. i. parc- 

frit. V ' 

Pardus lebarle. 
Patina i patelLa phanna. 
Palumbes bagelvba, 
Pauo phavvo. 
Palile bovstadilp 
Pauitiiim fenich. 




484 ALSPBLDBR PASSIONSSPIEL. 

Das vch die ridde niAsz schiddenn, ^^f- 
Vnd losszet mich nit alleyn itan, 
Willet er anders den Ion von mer honn. 
Et tunc omnes dyaboli circueunt doleum cori- /.vjv, 
sando et^ canioTido 
Lneifer in dem throne, rjngelyn rysz. 

Der was ein engel schone, ryngelyn rysz. 140 

Post hoc Luciger dicit 
Eya wilch eyn gut gesangk! 
Ach vnd ach were hie langk! 
Wie schyer sollet er mer mer syngenn 
M^ JU^ ). 'fS^t^. Das ich vff disser bodden möge gespryngenn. 

Et dicit sine intermedio 
I Owe vnd owe, hoffart vnd pbermüt, 145 

Nu erwirbestn doch numer gut! 
Ach nu byn ich vorlorenn, 
' Want ich hat die hoffart vfserkoreftn. 
2*' Ich thnn vch allen kant in truwenn 

Das vch nummer magk berfiwenn: 150 

Hye vor was ich eyn cngel dar, 
' Nu byn ich vorstoissen gar; 
^•'« Geheysszen was ich lucifer, 

Ich was in dem obersten thron eyn licht ^r^- 

treiger; 
Des erhnb ich mich alfso sere, 155 

Ich wol myii stull seczen vber myn scheppere 
•Vnd wol mich em glichenn 
In den fronen hymelrich ; 
Dar vsz wart ich vorstoisszen 
Myt allen mynen genoisszenn 160 

Viel tieff in der helle grnnt, 
Dar vmb werde ich numer gesunt. 
fCni:f.(rr<yi -i/' /i/^u^^ Rpttclrei^ diaöo/us dicit 

r^wL ,^^, i!t n^' Luciper here, 
^'-yK*.'^. Xc 'l^ ^ Bistu nu worden eyn predigere? 

"jf^^x:^Zj sif ^*'.^v •%. Das stehet zu monchen vnd phaffen; 165 

Ich wel dich nu glichen eym affenn, 
Want dyn predigen vns schaden thut, 
Dar vmb saltu lygen in der helle glut. 



1 



"^rr 



ALSF£LDfiR PASS10MS8PI£L; 4K 

Et Sic percucimt lueiferum. Et iuetfer didt 
Neyn, neyn ich liegcnn^ ^.2t5.^,%|U/ 
leb wolde veh alfso betriegean, 170 

Er sollet disses nicbt gleuben mere ; 
I«b werde widder als ee, 
Viel scbooer dan die sonne 
Vnd lachte als ejn röstrige phanne. 2f^* 

Et sulgungit sine medio m^ Wfh>c 

Nu radet liebes irunde vad knecht, 175 

Das thut er als wol mit recht,, 
Wie mer dit dingk griffen an, 
Das vas der zeuberer Jhüs nit entga, 
Want hie ist alfso gar swynde -% 

Mit synen listigen fyndenn; 180 

Begriffißl er en szo haldet en feste, • 
Szo wel ich vch eatphaen als liebe geste: 

Sathanas dicü 
O edelc herre Inciper, * 

Ich han volnbracht dyn beger : 
Ich bya gewe^ in der Juddea scblur, 185 

Ich han sie alle vörsencket gar, 
Sie hon gesworn Jhii brengeh ymb syn lebenn, 
Das sal der gefallen gar ebenn. 
Ich wel dar vff deneken £roe vnd spad« 
Das ner en bren^n zu dem tode; 190 

Ich wyl kommen yn synen Jangem Judas, 
Das der vfserwelt was. 
Den wel ich dar zu brengen gar trode 
Das hie synen meynster sail vorraddenh, 
Vnd sal den Judden syn blut vorkeuffenn; 195 
Dar vmb mocfat hie wol sehryen woffenn. 
Dar vmb saltu mer Ionen in der belle 
Vor anders allen mynen gesellenn. 
3* Ludper dtcit 

Danck habe, sathanas, myn lieber knecht ! 

Zu ynsen dingen bistu gerecht. ^ 200 

Dar ymb wel ich der Ionen schyer 

Bfit der heischen krönen fiier; z^s. 

Du salt jo der beste synn, 



4M ALSPOiDBR PASSHMfBSPIBL. 

SatbtBai in lieber kneoht 11171111; 
Vor anders allen dyaen gesellen ^ 205 

i^. Benellen ich ier die porien der hellenn« 
Bone didt 
Lnciper, dn werest eyn morgen stem vor,. 
Nn luchstn als eyn swarcz kesser gir. /;4. 
Ich wel kommen in der Jndden gedinge 
Das sie ihm keuffen ymb dryssigk penninge; 210 
Das magk der wd lieb synn, 
Want hie bot dich vorstoissenn 
Myt allen dynen genosszenn. 
Luoiptr respamdit 
So myn lieber knecht bene, 
Dn dienest mer alAo schone, 215 

Dar vmb wel ich dir geben xe lone 
Was mer entfeUet nach der none. h:jii^f.,.,jj^ ^ 

Milach dieii 
du edeler her LueifeJiiii^ 
Aach wel ich der dienen gern: 
Ich wel faren in annas vnd eaiphas 220 

Vnd wel sie besiezen als myn eygen vafii, 
rv^ A r^'^. 7?t?. Vnd wel en das wd radden 

Wie sie ihm bvengen za den tode; ^ 

Hyr nnb wel ich keyn mwe gewynnen, 

Ich brenge en ^n zn der groissze pynnf 225 

Dar vmb salta mer Ionen 

Ich wel ihm mit uichte schonen. 

Ludper responüt 
Habe danek, milach, myn lieber kneoht, 
Sieh, dym dinge thnstn sere recht; 
Dar vmb saltn der beste synn 230 

Vnder allen den gesellen dynn, 
Vnd wel der geben zn Ion 
In der helle eyn fiirige krön. 2*2. 

NahfT tHdt 
Luciper, du werest der schonen sonnen 

glancz. 
Ich wil mich machen an der Jndden danez, 235 
Ich wel besiezen sinagogen, den alten Jndden, 



ALSFi^LDEH PASSIONSSHEL. 



48? 



Vnil solde en die ritte schiddeiin, p.Hpf. 
Ynd wel das thun froe vnd s|)ade , i 

Vff das Uie ihm brengc zvl dem lade, t 
< Want hie ist gar e^a w^fser phafTc, 240 

4*# Vfs der Juddischen cc tan lue viel ktafTev]!. 

Dar vmb gcberi^t der dai» nu ^ ^ 

Das du iner Salt loaen dar zu. « 

3** Luciper dwit 

Eya du Heber kuecbt itatyr, i 

^m^ Ich wet der geben das lou gar schyer, Uh 

Vnd weL der des viker sagen daock 
Vnd der beuetlen der belle banck i 

Vor anders alle dynen gesellen, 
Want du bist gar wert yii der hellen«,, li 

^^^* Rosenkrancz dicit f 4^f* 

Luciper, du werest eyn elar engel zarl- 250 
Ich wel mich auch macben yff die fart, 
Do Ich ihm den trogeiiere 
Möge mit der martel besviereun 
inil! ^^^^ pilatum den richter faesiezeun* 

Dar vö" wel ich deucken niyt syn vnd wiczen, 255 

Das hie shI eyn falsch orlel vber ihm geben 

Das em müls gehen au syua lebenn. 

Want er e» tbul mer uLt a^u synen Sachen, 

Sko wirt efs sich korczlich macbenn 

Das hie kommet vor der belle tbore 260 

Vud kloppet do also geweldi glichen vor: 

Lesseslu eu dan nkbt en, 

Sxö byndet bie dich iu die belle pynn; 

Dar vmb saitu mer Ionen soel 

Vor anders allen mynen geseüenn. 265 

Luciper dioit 
Szo myn lieber knecht rorsenkrancz. 
Du weyst den aldea reyen gancü^ ; 
Dar vmb wel jch dich fugenn 
In die helle zu den grossen kriegeun; 
Dar vfs saltu den alden Judden scbengkcn, 270 
Myt swebel vnd bech salLu sie dreugken. 



H' 



48a 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 



Rqffhnzann dicit 
Her Lucifer, da hoist groisfse ere, 
Der du doch woil cnlbcrcj^ 
Da bist eyn tufel dar vnd fynn, 
Da mast ewiglichen yn der helle synn. 275 

Ich wel der sagen za disser frist 
Wie myn name gebeyssen ist, 
Das da mer destn bafs mögest gelonenn 
In den ewigen hellen trone, 
Vmb das ich szo viel schände han gebraet 280 
Vnd da midde dyn freydde han ernöwet. 
Ich byns gebeyssen raffenzan; 
Alle bofsheyt heben ich gern an ; ih. 
Myn hercz ist falscher list vol, 
Das hon ich bewyfset an den Jadden wol; 285 
Den hon ich geradden alzyt 
Das sie solden tragen hafs rnd nyt 
Vff ihm den fromen mentschenn, 
Dar vff was alle myn gedenckenn ; 
Ich hon aach gestifftet vnder en^ 
Das sie en nit woln boren adder sehen. 
Vnd vorsmehen enals eyn vntedigen man, 
Vnd hie doch nie keyn snnde gewann 
Adder nie keyn vbbel yn sym herczen bot 

gedacht. 
Her Luciper, das hon ich als volnbracht; 295 

Ich wel mich der erbeit vort vnderstan, 
Abe es möge nach mynem willen gegan 
Das sie en brechten za dem tode ; 
Das wel ich en flyssiglichen raden, 
Szo triben mer mit den Jadden vnfser gewalt 300 
Vnd synt yn vnfsern reyen gezalt, 
Den woln mer mit en treden yn der hellen 
Mit allen tafelsehen gesellenn. 
Das sal wefsen* ir lone 

Das sie an ihü vordienet hon. 305 

Her Laciper nu gib mer orlaapp, 
Szo wel ich alwege prisen dyn loib. 



^ 



290 



ALSFELDER PÄSSIONSSPIEL. 48» 

Lueiper dicit 
Sathanas vnd djnn gesellen, 
Ir sollet vch dar zu stellen, 

Vnd nym dissen frunt raffenzan, 310 

Der hebet alle schalkeit an. 

Ir jsoUet vch vmb thun yn alle länt, ;^ ^im^^ ^ 

Dor in wirt vch bekant 
Alle vbel vnd snnde, 

Vff das mer die Judden künden 315 

Brengen in vnfser schar. 
Na laoffet in erem lande alle here vnd dar. 

Bmckenbangk dicit ^-^»^^ 

Herre Inciper wol gemiitt, 
Dich het gott vorstoissen yn die helle glat. 
Myn nam ist dyr wol bekant, 320 

Ich byns biückenbangk gnanl; 
Vil han ich dter gethayn zujoibe. 
Dar vmb saltu mich birlich begabenn. ■'^' 

Ich han gefaren die wernt alle vmB 32. 
Die wyde vnd auch die krumme, i*'- 325 

Dar in hon ich viel arges zu bracht, 
Beyde tage vnd nacht, 
Das wel ich alles losszen stan, 
Vnd das nu eyn fromekeyt wisszen lan. 
Eyn from mentsche ihüs gnant, 330 

Dem wart nye keyn sunde bekant. 
Des hon die Jadden gefangen eyn hasz, 
Vmb syn gerechdikeyt geschach das; 
Das hon ich geradden en allen, 
Das las der, lieber herre, woil gefallenn. 335 

Ich wel die sach vort tribena, 
Abe sie an em wolden beclibenn 
Das sie em^brechten vmb syn leben, / 

Das sal vns allen kommen gar ej)en: 
Gefyellen sie vns vff der selben fart, 340 

Mer wolden sie werffen zu vnfserm hart 
Vnd myt vnfsern zenen zurissen. 
Das sie des solde sere vordrissenn. 



V'^ 



4M ALSFELOBR PASStONSWIBL. 

Her Lucifer, ich wel mich des vnderwynden 
Vnd wel myt flyfs dor nach riogeim. 345 

4^ Lucifer reddü sibi grßt^ 

Sathanas vnd dyn gesellen , 
Ir sollet vch dar zu stellen, 
Vnd rnym knecht binckenbangk 
An thun helle pyn an wangk 
Vmb solch groisse gut, 350 

Dar yff lange gestat myn miit. 

Sptegelgjant^i* 
Herre m^ch heysrset Spiegelglant^, 
Vnd fnre disüsen schonen danti« 
Die rntter han ich gar lieb, 
H9 $f reober oder diep, 355 

He konde^g^stellen^oder gemordet, 
Szo han ich sie gerne in mynem orden. 
Hiramb wel ich von henen faren 
Her vnd dar vnder der Juden scharen 
Vnd wil sy reyfsen mit noidt 360 

Yff des mentschen sone vnsehiüdigen toidt* 
Hiramb bore mich, lieber fmpdt anaas, 
Vnd mit der Juden schaden bischoff cay- 

phaS| 
Gntten raidt wel ich vch geben c 
Loysfset hiesos nicht leben, 365 

He wil vch euwer ehe zwbrechen, 
Das solt ire ane synem hals rechen« 

Krentzltitm. ^.h/^. "f^i^^^ 9j^^i,i^i. 
^k, SIT!,. Sit, ?5;. Meinstcr, ich heys krentzlynn, 

Das ist mit recht der name myne. 

Ich han mich des besonne, 370 

Vnd byn gerne byc der frawen summe^^ 

Vnd vorde den alwege, 

Sye sollen vnkuscheyt. plege. 

* das von hier an /olgende gespräch der tevfel ist Ansatz einer 
andern hand (und %war derselben welche die notizen über die at{f- 
ßihrung des Stücks vom eingeschrieben), auf einem besondem klei- 
neren hier eingehefteten blatte beßndlieh. 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL, 



mi 



Federwfßch* 

Herrej fso heya ich myt aamea fedderwysch, 

Vnd byn zw alier scbalkeyt rjsche, 37ö 

Ot> * Vod kau myt moniehen vnd mit pfafTert 

Schalkeyt trieben vnd vorschafTen, ' i 

Vnthogent zw aller stuiidt, 

Vfld ftire sie dan ia der helle grandt, 
Bellzbugk, 
^H^ Meinster, ich kan schalkeit gaungk, äSÜ 

. >i Vnd bin zw aller boifshcil klugkt 

Dem riehen rade ich vff mynen eydt f ^% 
i. *r Das ire trybe groifse gyrheit, f\ 

Vnd Wucher sere dar zw ; / 

Das trybe ich spade vnd fru4!4fl irif>9b ^1 3B5 
wji jistorodt, ij 

Herre, ich heys astoroth \ ^1 

Phunt qwenÜQ vnd layth 

Lere ich die kremer falscb niacheaf *^tn 

Myt solichen hebeüchen Sachen .f^ 

Wel ich syc ja die helle djnfse oj ^j^f^^^ff 390 

Szo mysszen sie eh thür gnung verzynfseii. 
Ben'th. 

Schande vnd laster kan ich wol, 

Dar mit mach ich die helle voll; 

Myt zorne kan ich mich rechen, 

Morden huwen vnd stechen 395 

Trybe ich in der taberne; 

Das kan ich myne kynder gelerne. 
Belml. 

Herre^ ich heys belialL 

Wart wye dyr myn dynst gefalle: 

Ich mache die gelarten n iOQ 

Das sie werden die vorkarte nw, ^w 

Vnd predigen defs sye thun nicht* 

Mancher selber die ehe bricht 5 

Den neme ich zw der selben stundt 

Mit royr in der hellen grundt, 405 

Scher brantk. 

Schorbranl ist myne name^ 



492 ALSPBLDBR PASSIONSSPIBL. 

Ich byn in den lenden lame; 

Dannoch kan ich bofsheit triben 

Myt manne ynd auch mit wyben, 

Die lere ich affter korsen, * 410 

Liegen, triegen vnd bofsen, 

Szo mafsen sie in der helle pynn: 

Das ist die arbeit myn. 

Heihundt. 
Ho ho ho lieber meyster, 

Was soUn dyr alle die leyster? 415 

Ich kan die lute geleren 
Das sie fluchen vnd swerenn 
Ynd brechen die zcene geboth, 
Ire eitern thun sie hoen ynd spot: 
Dafs sint myne bofsen fünde 420 

In der helle aptgrnnde. 

Schoppenstugk. 
Her, ich heys schoppenstack ; 
Die lute ich in dye helle zwgk, 
Ich reyfse sye zw vnthogent 
Inn alter vnd in jugenth; 425 

Morden Stelen vnd rauben, 
Vnkuscheit trieben mit frauwen, 
Das kan ich alle gare, f U-^vj«^ «^w 

Szp ich die werlt durch fare; 
Des muTs sich in der hellen 430 

Mancher bornen vnd qwellen. 

Hellekrugk. 
Sone, du hayst myne vorgesfsen, 
Doch byn ich auch myt schalkeit besesfsen : 
Ich byn dyne mutter hellekrugk. 
Ist myr wol krorome der rück, 435 

Dach bene ich in der kyrchen gerne: 
Die alten wyber ich lerne 
Hebeln, swatzen vnd waschen; 
Das synt myne lieben glapperdeschen ; 
Szo brenge ich sie in der helle gludt, 440 

Der zw willen, lieber sone gudt. 



ALSFELDBR PASSIONSSPIEL. 



Am 



445 



450 



455 



Sathanas. 
Hcrc lucifer, lieber meyster myne, 
Das ist das soode gesinde dyne: 
Fcdderwusch beltzbock vnd spiegclglantz, 
Astorolh berith vnd Rosenkrantz, 
Kattelrcy bonc mylach vnd qatyr, 
Raffenlzenc vnd binckebangk dar zu schir, 
Scherebranth heibunt vnd sohoppenstuck, 
Krentzlyn beUal vnd dyn mutter hellekruck ; 
Die leufict hynden an den reygch nach, 
Das ene geschee leyt vnd vngemach. 
Efs ist eync, gesinde bafse, 
Habet die giecht in euwenn gckrofs. 

Luciper.: 
Ja ja mutter vnd vil lieben knecht, 
Euwer dynst gefeilet myr wol vnd siecht; 
Ire syl togelsam vnd kynder frome, 
Vnd sollet alle zw samen komme. 
Myr willen widder in die helle, 
Die armen sele syden vnd qwellcn.* 
, Sic Lucifer descendü de doleo. Proclamator dicit rigmum 
'^^' smerius notaturnscilicetlr lieben mentschen Tunc Johan^ 
nes baptista eweat de deserto cum düdpnhs Et cantan. 
rox clamantis in deserto et dicit rigmum 
Na boret alle arm vnd nch 
Johcs der teufet byn ich 
u. s. tv. 

* vßn noeh anderer hand ist ndbh qwclleo hinzugefügt Sic omnes 
currunt ad infernum, luciper primus, et tunc sathanas seqmtar et 

^^^ Hanget an hanget an 

Ir theufel alle gemeyne 

Mir woln in die helle gan 

Vnd trupen vnd weynen. 
fnit Sic Lucifer, welches sich an i. 351 anschürst, beginnt wieder d^r 
text der ursprünglichen hs. 



«4 



ALSFBLDBR PASSIONSSPIBL. 



2. BEKEHRUNG DER MARIA MAGDALENA. 



20' 



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\i A*w, 



f ^ fidAi*,*, ' 



mt €«£«^, 



.''». X 



Hoc facto maria magdalena stiperbo häbitu 
incedit cum lucifero et alü» demonibus 
v^. corisans . Luciper dicit 

Wan, mam, bie schone bistu gestaltl 
> Dye mati werden nummer alt, 
Die dioh an schanwen. 
Die schonheyt aller franwen 
Die bosta genczlicb woil an der, 5 

Des salin gleuben mer. 
Nn sieb ber an dit Spiegel glaTs 
Der sobonesten scbone d^r da hoist; 
Nacb scboner dan noch ye keyn wypp, 
Sieb szo schone ist dyn lipp. 10 

Man sal vns aber lieren, 
Ich wyl dich wol denczerenn. 
Maria magdalena respondet demonibus 
Ja viel lieben knecht, 
Er kofiiet mer wol gerecht. 
Da fiagest mer freyden gnnngk, 1^ 

Du bist woil myn gefiig; 
Du hiUFest danczen vnd singen, 
Ich wel mit der springen 
Manchen frolicbenn sprungk. Natyr sp. sit 
• apud mariam. 
Dyaboli omnei clamant 
Das was eyn gud fündt. /^. .20 

Et sie vjgellator incipit vigettare et coti'- 
sant luciper cum maria magdalena et 
alii demones, Maria magdalena dicit 
Ich wel zieren mynen lipp, 
Want ich byn eyn schönes wypp, 
Vnd wel auch gern reyen 
Mit paffen vnd myt leyen ; 

Dar vmb wel ich springenn 25 

Vnd eynt gut litgen singenn. 

Quo finito cantat cprisando sola 
Ich breytte mynen mantel yn die awe. 



/r. 



T-rv^/ 7'rvvif '» 



ALSPELDER PAS8IÜ1VSSPIEL. 



41J5 



Du begunde mich zu fragen mj'Tie frawe, 
Wo ich szo lange werc gewest. 
*•** Was woltte sie des? 30 

Sal ich mynes jungen 
Libes nicht gewaldigk synn?* 
^ Wole mich, wole mich der seligen stundtl 

Nach freyden wel ich reygen (/• ringen), 
' Freyde ist mynesi bereden kunt 35 

Mit tanczen vnd rayt spryngenn. '^ 

t. ^öie niicb, wole mich der lieben 5Eyl! 
Dye blümlyn yn der auwe, 
*'*^ Der hot miub alszo grosszen nyl; "*^. 

Die geselscbaff kan micb erfrauwen» si! 40 

21* Et tunc primns mifes Herodis desceiidei 
<fc Castro ad tnariam magdaienam sa- 
bitandü emn. Et dicit 
• Gol grussze dich, frewiyn zartl 

Du bist geborn von hoher artj ^ £iU 
"* Alles das da lebet ^"^'^' 

Vnd yn den lufften swebet, ^ tiA 

^^ Das mocbL mer nyt szo lieb gesynn ' 45 

Als du vlser weites frewlyun, 

Maria ampiej^ando miUtem dicU ^'* 
Danck habe, her jungelingk; 
Is magk gut werden vwer dingk, 
Want vwer reddc kont er vorzelen wnh 
Von recht man vcb eren saiK 50 

' Nu neüiet byn das krenczlyn, 
Dar zu wel icb vwxr eygen synn, 
Vnd myt vcb danczen vnd springenn 
Vnd myt vcb frolichen singenn. 

Maria vertit sc ad anciltam et dicit 
Eya nu gib mer her den sclieyben hnt, 55 

Der ist mer vor der sonnen gut; 
Mer woin gehen vff die awenn, 
Vnd woln da springen vnd vns da frawen. li, 

' diese Helk^ (Ich breitte — gewaltig syn) üt m der Aa\ mü 
noUn vertehen, ^~ 



!-%, A*.<r^ 



Z' 



496 



/.7.^« 



ALSPBLDBR PASSIONSSnEL. 



^ 



rtTi 



Ancilla sua dicii 
Gerne liebe frawe mynn, 

Was ir gebiedet das sal synn. 60 

Dissen hat soll er vff vwer heabt seczenn 
Vnd dar vnder gar wol ergeczenn. 

Maria dicit ad servum sciL dyabelum 
natyr 
Wo bista knecht natyre ? 
Brenget mer den spiegel gar schyre. 

Seruus seil, dyabolus natyr offert ei spe- 
eulum et dicit 
Nemmet hen den spigel, frawe, 65 

Dar yn sollet ir vwer schone schawenn. 
Maria didt ad seruum seil, 
natyr 
Alle hobscheyt hon ich von d er^ 
Lieber front vnd knecht natyre; 
Des müfs ich vmmer wefsenlrö, 
Want myn gemüde heldestu ho; 70 

An der wel ich nyt vorzagenn, 
Ich wel vmb dynt wyllen hoch geraude tragenn. 

Maria suspieiendo speeulum dieit 
Myn frunt spiegel, habe dangk, 
»w /<»Xf> Want myn hercz nymet manchen wangk, 

Wan ich die schone klarheyl myiili 75 

Bescbawe yn dynes glanczes schynn. 
Et maria eorizando cum milite' et seruus 
dyabolus natyr eum ancilla. Et amtat 
vt supra Ick breytte etc. Miles dieit 
Frewlyn, er sollet mer orlanpp gebenn; 
Got lofs ych myt freyden lange lebenn. 
Maria regraciando ei dicit 
^^7./^ 657 Ich dancken der des danczes dynn, <i*i^jUj$w,2U-2f. 
Loib saget der das hercze mynn. 80 

Miles reuertitur ad castrum suum. Et 
maria incedendo jubilat canit vt Ick 
breytte postea koc dicit 
21'* So, so, her so, 



ALSFELDER MSSIQNSSPIEL. 

Was wolde ich der 'geseluhin ' daneben vif eyii 

slro! 
Der ist gereyde müde worden joj 
Wer er mer, ich tede en allen alfso. 
Post hoc martha obuiando ei dicii 
Maria liebe swester tnyun^* 
Wcrlich ich focht sere dyQD, /35. 
Das du vordyenes^ godes zorn : 
Szo mussestu syn vnuner vorlorn. 
Das enhostu giide gelesfse (?) 
[Ichj thu das ich dich heyfse (?) 
Vnd thu oyt alfso lorlich ; 
Liebe s wester bekere dich, 
Vnd nym au eyn gotlich lebeiin^ 
Szo wel der got das ewige rieh gehenn. 



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i4i4L/iArfMn'" 



83 



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105 



Du Salt mj^ uu horeuu. ^2h 
Maria dicü 

Nu höre vmb die aide tharen, 

Kau sie nicht yr kibbelii gelan? 

Ich wel myn freude han^ 

Sie magk es woil begcbeuo, 

Ich wel hon eyn freyes lebenn. 

Eya liebe swester, 

Ich wen der treymet gesternn: 

Das frage disse liide. 

Was der träum hetude. 

Lofs mich au disser wyfse farenn \ 

Kundestu dyn eygen sele vorwarenn, 

Das gonde ich der von herczeu woiL 

Myu frcyde ich doch trihen saiL 
-^ Swester auch bidden ich dich sere, 

Want du dich wylt zu hymel kerea, 

Szo lofs mich des enlgelden nicht, 

Vnd steuhe mer yu die äugen nyl. 
Martha dicü 

Ach, maria^ das ye wordest geborn ! 

Du host dyn synne vorlornn. 
' mrgL die vrdnung de$ passionsspiels der BaTtholomäistifU- 
s€hnh zu FrmhfuH am Main in Fichards frani^f. archiv 3, 142, 
Z. F, Ü. A, in. 32 



^i. 



110 



4M 



ALSFBLDBR PASSIONSSPIEL. 



Lofs disfse vnwipplioh mere: 115 

Da host nicht gude gebere, 

Dyn lipp ist torheyt vol. 

Maria, swester, horesta das woil? 

Da host viel za viel.gethan, 

Da magest nach wol abe lan. 120 

Liebe swester bore mcr cyn worl. ^r. 

Maria respondens 
Ich hon dich gnangk gebort, 
Lofs dyn allen effen fort. 

Luciper dirit 
Nu bore aach mer, maria, 

Du solt myt mer bliben, 125 

Wer wollen freyde trybenn. 

Maria rfit. 
Das behaget mer viel wol; 
Ich ^el thun was ich sail, 
Vnd springen aber eynen sprang. 
22"" Dyaboli respondent omnes 

Das was eyn gut fund. u. 130 

Martha dicit 
Ach liebe swester, bedenck liich noch, 
Vnd lofs dir nyt syn iiaeh der dorheyt goch. 
^« Ich föchte efs neme eyn bofse ende, 

Szo werden dich die tafeln alle sehenden. 
Maria respondit vertenda se ad papulum 
et dicit 
Warte, her, warte, 135 

Was wil myn swester marthe? 
Er klaffen ist gar vmb nicht, 
Wie clcyn gebenn ich dar vff icht. 7^« 
Myn bercz ist myt freyden vormyst 
In viel lenger in disser frist (?) 140 

Mit zieren vnd pryfseu, 
Vnd mynen holen fruntschafft bewyfsenn. 
Solde ich alfso eyn stulczes lebenn 
Vmb myner swester klaffen begebenn? 
Mer woln mir dar zu raden (?) 145 

Ich wel er schyer eyn bodenn 



ALSFELDEft FASSIONSSPIEL. 



48tl 



n^uT^ 






SchigkeHj der si sere aaii slauj 
Wel sie mich iiit mit freydden laii^ 
Vnil losszen mich yii disser wyfse farenn. 
*>'*l KoudesUi dyii sele selber vorwarenu. 

Das gonde ich der von hercze wol^ * 

Mvn freyde ich doch tribcnn snil. 
*■ Martha dicif 

Maria, swester oiynii, 
Kere dich von den Sauden dynn^ 
Vnd kere dich zu godcs worl, 
Szo niagk dyu woil werden raytt. j- 

Maria dicii 
Martha j heUestu synn vud wyczenn, 
Du hyssest dyu huuer vbber die eyer siczena, 
Adder spynuest dyuen rocken u ^ 
Ich wel mich myt den Juugelynn zuckeun* 
Solde ich dar vmb dynen wyllen losszea? 
Du iJeUeuerszen^ ganck dyuu strayssen, 
Vnd kaslyge dyuen lijtp, 
Want du bist eyu aldes wipp. 
Du kircheniislern, ganck von mer, 
jj, Das radden ich sicher der. 
Ganck hen^ du bitter galle, 
Vnd lals mich yn freydeu schalle, 
^.jfts, angelt canunt Sßete^ Hoc Jaclo ordman- 
tur sesfiones predteadanes et wps se- 
dendo predicat dücipuih ei martke et 
magdukne ponmdo thema scii. Dko 
mlfis gaudium est angelis dei super vno 
peccütore agente peidtenliam. et dicii- 
£r seligen lüde, ir godes kynnt, * 
All difi nü hie gesammet syut, 
Vornemet heylsameu raydt. 
Das er vmb vwer misseladl 
22^^ Habet ruwe vnd leydt; 

Das hymmelrich ist vch bereydi* 
Ich sagen vch auch vor wäre, 
Das sich aller engel schare 

' }wt^L Fif^hard a, 142. 

32* 



150 



155 



160 



165 /. i^T tirrWa 



170 



175 



SeO ALSPELDER PASSIONSSPIEL. 

Frawct werdeclicbe, 
Wao eyo sonder sich 
Bekereo wel von sunden. , , 

Dar vmb ich vch vorkundenn^^^ )f.. 180 

Das er myt ganczen triiwen 

Vch losPset vwer sunde ruwenn. 

Hoc facto Sinagoga cantat cmn Judeis. 
Interim ihüs vadit ad alium locum Ja- 
ciendo sermonem marthe et magdalene 
ponendo thenia seil, beati pauperes spi- 
ritu et dicit 

Seligk synt die armen, '^ 

Want got wel sich erbarmen 

Vber sie vnd wel en geben 185 

Das hymelrich vnd das ewige lebenn. 

Die synt auch seligk anderwert, 

Die hie halden myldikeyt. 

Die das ertrich besiezen traerlich. 

Die synt auch seligk ewiglich: 190 

Der leben hie ist frolich, 

Die sollen dort syn tnierlich. 

Vnd die synt godes kynde guaut, 

Seligk synt sie auch erkaut. 

Der von herczen reynn ist sunder spot, 195 

Der schauwet auch ewiglichen gott. 

Die synt auch seligk sunder wan 

Die hie betrübet leben hau, 

Die da truren vnd weynen hie: 

Got wil selber trösten sye. 200 

Seligk synt auch die godes kynt, 

Die hie barmherczig synt; 

Die sollen alle wolle genefsen, 

Got wel en barmherczig wefsenn. 

Seligk synt aber alle dye, 205 

Dye sich losfsen tersten hye 

Vnd hongern nach gerechtikeyt ; 

Den wirt gnung bereyt. 

Ir syt seligk alle gar, 
* vergL Fichard a. a. o. 



ALSFELDEH PASSiüNSSHEL. 



mn 



Waii vch die lüde schare 

Begynet hassen bie dorch mich { 

Do Widder wel vch sicherlich 

Mya vatter dar zu Iod6 gebenti 
• 1 In dem byminebich das ewige iebeau. 

Sermone foutü sui^gif ancitia ?narthe de 
ioco predicaeioms et clamat Beatus ve/t 
ier gm te por tarnt et dicü 

Gebenediget ist der lypp, * 

Vnd seligk gar vber alle wypp, 

Der den hcrreii bot getragenn ^ 

Die bnist sal man seJigk sagenu, 

Die da berrc bost gesogen, 

Vod dich lypplicb band erzogeuu. ^ 

tT Jhüs 7'Mt. beati qui audiunt ver/mm dei de. 

Ja du host viel recht gebort: 

Seligk synt die gottes wort 

Hören vnd die behalden woil ; - * 

Mynes vatler rieh en werden sail 
Cünversto marie 

mügdalcne^ dahma coimertitur recederis a xpo 

et dicii circamemido circuium 

Nu geseyne mich hude aller meysl 

Gott valter, sone vnd bejjgejst. ^\ if ht^ij 

Owe rosenkrencz ! 

Owe myner swencz \ 

Owe geie gebende I J^;«*«^ f^Jw^ ^,^i- 

Owe myner wyszen hende I 

Owe myner hoffart! 

Owe das ich ye gehoru wart! * 

Nach ist iijyner sunde me 

Dan Wasser treppen yn dem sehe, 

Vnd laubes hot der walt, 

Do zn des mercs sant vngezalt. 

Nach mer ist der sunde mynn 

Wan Stern yn den hyinel synii. 

leb Lyn nit wirdigk, das icb gehen, ^^^ f 

Das myn äugen sollen sehen 
' i'er^L Fichard a. a. o. 



210 



219 



220 



Hie ikus'manet Hure, Müria mag- 



2^5 



230 



235 



240 



mt 



ALSFBLDER PASSIONSSPIEL. 



23»* 



??■ 



Die hohe von dem hymmelrich. 

leh byn nit wirdigk das die (erde) trage mich. 

Ich hon gesundiget leyder. 

Woil hen, ir vorfluchten kleyder ! 

Ir hot mich gar vorwont 245 

Ynd gesencket yn die helle grünt. ' 

Yorfluchet musz der Spiegel synn, 

Da ich en besach die schone mynn. 

Owe du vnreynes hare! 

Du host mer gemachet die sunde gar. 250 

Woil hen er vorflucbten lock! 

Ich wel nicht mere gehen ajs eyn tock. 

Vorbafs wel ich nyt springenn: 

Nach bufs wel ich rynngeü. 

Myn hobscheyt wel ich lan, 255 

Dar yn ich mich gepriset han. 

Vorworffen syn äugen vnd wengelynn, 

Die dick wollen hobsche synn. 

Myn sele hon sie gar vorwont. 

Dar Ktt der vnselige mont, 260 

Vnd anch myn sfyczen ischoe, 

Vorworffen «ynt sie vmmer nö. 

Wes iißfa Bu myt vch gegangen han, 

Des wel ich vorbas nd mer lan. 

We mer das ich ye wart gebornn I 265 

Wie eyn torlich leben hat ich vfiserkornti ! 

Hoc facto chorus cantat vi sequitur 
Mirabantur omnes de hys (piae procedebant 
de ore dei.* 

Sub tdli e«ntiöo marin magdukna füutat 
habitum et «fe'd't martke 
S wester niisirtht^) nü gleube m^t,*'' 
Ich wel sicher yolgen der^ 
Ich wel dil torecfat lebenn 

Vff nach dym rade gebenn. 270 

Ich sehen woil, «fe ist **er seien toid. 
Das btT ihus nu g<ebo!% 



dtege stelle ist mit noten versehen . 
vergl, Fichard a. a. o. 



ALSFELDER PASSIONSSPIEL. 



^n\ 



28Ü 



Mao solde myt ganozcn trfiwen 
Haben stcde leyde vnd ruwenn 
Vas (/. vmb) alle sunüich taid, 
Das was syu lere vnd syn raid. 
Ach were mich nu entbunde 
Von mynen groissen sunde, 
Die ich arme honn gethann! 

Martha resp^dit 
Vnrser herre Jhüs crißt* 
Jo barmherczig ist, 
Der vns zu irost wart gesant 
Vom hymmel herre yn disse lant. 
Zu dem ich hoffnung bann 
Sicher gar an allen wan; 
Hie dut vns gnade kunt 
Vnd hiliaFet vns zu dis$er stund, 
Das mer von sunden werdenn fry, 
Vnd syn barmbcrczikeit sij vns by. 

Quo facto angeli canunt cantieum aliquid. 
Et martha et maria Magdalena rece- 
dunt. Sed Jhesvs manet in loco^ Inte- 
rim venit regnlus ad ihm et dtcit 
Her ibtts hcilger geyst** 
Myn sone yn groissen sicbtagenn i$t 
u. s. w. 



3. 



SALBUNG CHRISTI DURCH MMUX MAGDA- 
LENA. SCHLUSS DER ERSTEN AßTHEH^üNG. 



31 



Tunc sinagoga erntet. Interim lymm le- 
proms preparat mmam ad iwitmdtm 
Christum. Et trantit ad cAri*tum d,cem 
i,n^f. 7^. Herre mcjnster ihü*,'" 

Myt mer saltu gebe» %^ hufe^ 
Du Salt essen da mit mer; 
Des saltu herre mich gewerrenn, 
Want ich myt trüwen von dir gern^^ 
* vergL Fiehard 3, 144. 




M4 



^ ALSVBLDBR PASSIONSSMEL. 



Saluator didt 
FruBt symon, westn host begeri,*^ 
Des saltu recht syo geweri: 
Ich wel zn dym tisch kommen, 
Recht als ich hon vornummea. 
Nu gangk da vor, szo volgen mer, 10 

Das mer erfolleo dyo begere. 

Jhüs cum di^puHs suü vadunt cum eo et 

cum pervenerint ad mensam domum sy- 

monis Symon dicit inclmando ad cum 
ByTs wilkom, dauides sone, 
Du host mer nü liebe getbayn. ^ 

Syt wilkom er aadera, 

Die mit ihü plegen zu wandern, 15 

Die do Junger sint des hem. 
31^ Syt alle wylkomen mer, 

Seczet vch nidder myn lieben gest. 
Ich wel vch thun das best. 

Et sie pcnvnt se ad mensam prandendo. 

prandio facto tunc venu maria m^j^da- 

lena cum vnguento- et cantat 
Viel Sandes bot des meres grünt, 20 

Nach mer hon ich dan tasent stund 
Widder got misse thayn; 
Owe das ich das leben han!'^'' 

Chorus canit Jesu mea redempcio etc. vnum 

versum post hoc maria magdalena dicit 
Ich klage der ihüs herre 

Myt myner ganczen begerre, 25 

Das ich viel vnseliges wypp*** 
Habe eynen sundigen lipp: 
Hoffart han ich viel getbayn 
Die wyl ich gelebet han, 

Myt Worten vnd auch gyrikeyt, 30 

Myt zorn vnd myt ylelkcyt. 
Vnkeusch byn ich gewefsenn, 

• vergL Fichard a, a, o, ^ 
•* diese stelle ist mit noten y er sehen, 
*• vergL Fiekard a, a, o. 



ALSFELDEB PASSIONSSPIEL. 



m* 



Des enkan icb nyt wol geuefscDti. 
J^^ ^fi. Des biddeD ich dich herre ynniglich, 

Das du wy liest begnadcun mich, Ii5 

Vnd gebbest mer heyläuoiDieo troist. 
Das ich von uiyu^n suaden werde erlös l. 
. Et Sic accedit ad pedes ihü, Chorus cantt 
jiccessU ad pedes etc, Sult isto ca?iiico 
maria magdakma lauat pedes ihü et (er- 
git capillis suis et tmgit eam et pasiea 
dicit 
herre vatter ihä crist, 
Wie gar eyn mylde herre da bist, 
Zu vorgeben die sunde ! 40 

Alten mentscben ich künde ; 
Die da gnade an der sieben (/* siicben), 
Den gibbestu, her, mvldiglichenn. 
Du hülst, here, bewyrset an mer,^ 
Des wel ich viner daucken der. 45 

Want ich arme was gar vorlornn : 
Do ich dich, heylant, hat vfserkorn, 
Do was dyn harmherczikeyt 
Mer armen sunderyn bereyl. 
ü^fjAIIso wirt sie aller wernde gemeyn f.*ß- 50 
Die sunde sij groifs adder kleyn i 
Hot der mentscbe ruw dar vor 
Sie (L So) wiltu sie em herre vorgebbeu gar. 

Hoü facto St/moft phariseus dielt 
Czwar eynes dinges wondert mich* 
In mynem herc2eii sicherlich i Sfi 

Werre eyn prophete disser man, 
AU'so hie sich bewyCsen kan, 
Er wusle wer disse frawe wer. 
Von der man saget soliche mcre. 
Das sie eyn sunderyn ist, 00 

Die en roret zu disser Trist. 
32' Jhüs dicit symo hnbm tibi ah'fjuid diverv^ 
Ifs was ein rechter wucheret. 
Der bat zwen schulder: 
' vcrgt. Ficharä ö. a. r/. 



I 



506 ALSnUiDBR PAS8I0N8SPIBL. 

uijuhh^ Der eyn sdde em fanffidgk pennigfe, 

Der aoder funffiEigk Schillinge; 65 

Do erlieEs er sie der schulde, 
Vnd gab eo beydea syo holde. 
Nu salia mich des bescheydeo, 
Wilcher danckei bilcher vnder den beydeun? 
Simon dicii 
^*L Meynster^ dem hie mehe lesset fare^ 70 

Der dancket em bilcher zware. 

Jhs dicii rede judicasti ei dicii 
Symon yn dissen sundenn (/. stunden) 
Hosttt eyn recht orteyl funden. 
Wissze der mentsche sunde fruobi )U/iMf? 
Han mich vff disse erden bracht; 75 

Doroh eren wyllen qwame ich here. 
Auch sistu disser frawen ger, 
Wie sie er sunde kan geklagenn; 
Myn fufs bot sie mer gezwagenn 
Myt eren treuen vorware; 80 

Sie drucket sie myt eren bare. 
Myt gutter salben sie mich begofs 
Myn heubet, des sie nyt vordrofs. 
Dar vmb wirt sie erhöret 

Vnd wirt yn raynes vatlers bufs gefort. ' 85 
Judas clamtU vt quid perdido haec. Ei 
cmnes uposioU si placet. Ei Judas dicii 
Sehet was tbut noit disser voriust?'^ 
Disse salbe bot fso viel gekost, 
/ Man het disse salbe woil vorkaufft. 

Als nu ist der wemde laufft; ^9^ 
Man het golt da midde gelost, 90 

Vnd arme lüde da midde getrost. 
Jhüs rat Quid molcsti estis hmc mulieri 
ei dicii 
Ir herren, saget, vmb was*^*^ 
Draget er der frawen hafs? 
Gude werck bot sie gethayn; 
Ir moget arme lüde hayn 95 

" vergl. Fiekard a. a. o. " vsrgl. Fiekard 3, U5. 



^ ft 



HO 



ALSFELDEH PASSION 8 St^IEt, S07 

Za aüeu zydeo wan ßr wytl^ 
Nicht knge er mich haben soll. 

Ms dhit murie magdahm 
Staut vff, maria, selick wjt>|»; 
Nicht %orsuudige dynen ly|tp> 
Habe vorbaFs eya reya lebeno^ * tW 

Djrn sunde synt der vorgebbcDn. 
Nu ganck vud habe gutten miid, 
Vnd dvDe godc, das ist dfr gud. 

Ducipulf canvni Dimissn sunt m peecaiti 
muita etc^ Pkilippus dicü 
du anner suuder, bie sich au, < 

Was dyn scheppere habe gethaun ^ 
32'' Magdaleaca dem sündigen wybe- 

Myt erem boffcrüichea lybe « 

Hot sie viel suade gaüiayao, 

I>ie hot ir gott alte vorlan* 

Groisse sunde syöt er vorgebbeo, 

Want sie hol lieb gehabt an eren leben 

Inn der zyt der barmhercKikeyt. 

Sie hat gestindigel, das was ir leyt : 

Sie hat sieh hude zu dem arcz gekarl f %p 

Vnd ist getiefsen vff disser Tart. 115 

Wer der arcx nyt hye gewerscun, 

Si2fi enwere magdalena nicht geiiesaea. 

Wer bude vff disser erden 

Gesunt wel werden, 

Der saii an dit exempel sebenn, lÄft 

Wie madalenen ist gescheejin, 

Sie soln auch ieyt vnd ruw han, 

Szo wel en gott alle er sande vorian, 

Maria ma^d&iena dicil 
leb hon verstehet der werndc rieh 
Vnd eren gesmock siberlidi 125 

Vmb die liebe mynes herren, 
Der mer die seic magk erneretin. 
Der iner den Lipp hol geg^ibenn. 
Dem hyn ich nö worden cbenn. 



4\ 



1 



508 ALSPBLDBR PASSIONSSPIBL. 

Ich hat eo lieb vod ban eo gesehen, 130 

Des ist mer eyn groisfses heyl von em ge- 

scheen. 
An en hon ich geglaabet gancz, 
Das hie sij der sonnen glancz, 
Von dem Johannes sprichet vorware: 
Got ist eyn licht clare, 135 

Ynd ist vns za troiste gesant 

Von sym vatter dem heylant, 

Die snnder alle zu erluchten gar. 

Hyr vmb wer do wnlde war 

Syner sunde werden ledigk yn der zyt, 140 

Der mercke den synne der da lyt, 

Do got sprichet yn der warh^yt, 

Ynd die schrifft vfs leyt: 

Des sunders toid ich nicht begere, 

Sunder das hie sich bekere. 145 

Hyr vmb keret vch vmb, 

Szo werdet er syn ynn. 

Das mercket alle by myner geschieht: 

Das er von mer bot geseheki, 

Das mufs vch auch allen gescheen. 150 

Des helff vch der vatter vnd der sone, 

Vnd der mer disse gnade bot gethayn. 
Maria recedit et incipit canere rigmum 
mundi etc. chorus conttnuabü, post hoc 
dicit 

Woil mich das ich tragenjtas lebenn! ;>H^- 

Groisfse sunde bot mer vorgebbenn 

Myn liebe herre ibüs crist, 155 

Der gottes sone vom hymmel ist. 
33^ Alle die an dem wege stan, 

Die sollen mynen frunt emphan. 

Ich was eyn vorloren wipp 

An sele vnd an lipp; 160 

Ich hat mich sere vergessen: 

Sieben tufel hatten mich besessenn, 

Nn ist myn[er] lieber her ibüs Xq komen, 

Vnd hat da von genomen. (/. die von mir genommen). 



ALSFEtDEH PASSIONSSFIEL. 

Ich was gar eyn sundiges vars, 
Nu ist mer wordenn liafs» 
Alfso rnuis vch got helffen allen giicb, 
i ßeyde arm vnd rieh. 

Tunc laciper dicü piangendö ad mmimm 
vmgdalenam ^i * 

maria magdalene. 

Wie wereslu jn mynen aug€n sza schone! 
Do werest myn fafs der vnreynikeyt. 
Das vol was aUer bofsbeyl, ^ 

Ntt hoistu mieb szo gar vorlayssen, 
Das Ihüt mer we vnd allen oiyiien gnosfsen. 
In dieh woren geplanczet die sieben heubl 

sunde: 
Da von bot dich gelofset ihüs der swynde 
Myt synen falschen listen. 
Ich rech es an der yn kurczen fristen^ 
Mer brengen yn nach in groisse noitl, 
Hie mocht lieber kiefsen den toidt. 
sathanas, dar vF la fs vns dencken 
Wie mer eii myt er krencken. et recedit. 
Tunc Vkrütm recedtt a Simone et dtcit 
Syman, dich muls got bewarenn,* 
Vnib das mer woil han gefarenn^ 
Des habe ewiglichen lone, 
Var woil lieher symon. 

Et XPo müdicum revedente 
(Jo/icitmo pnme dm. proclamator dicü 
Allen den die hie gewest synt, 
Den danck das hymelscbe heiige kynt, 
Das szo vnschuldiglicben wart erniort. 
Nu swiget vnd höret vort : 
Hie musszen mer dyt speie lasfsen bestan; 
Zu der kirchen sollen mer alle gann, 
Vnd göt danckende synn 
Syner grossen martel vnd pynn, 
Alfso Ityfs morn fro*. 
GfU gebe vns gnt widder dar zu, 
ver^L Fichavd a. a. o. 



lefi 



170 



175 



180 



185 



190 



1Ö5 



51« 



ALSPBLDBR PASSI0NS8PIBL. 



Szo woId mer vorter an spielenn, 
Auch vorter vprzelen 
Von 4er martel gottes, 
Was em die Jadden toden quodes, 
Vnd wie die noit sy an em gescheen, 
Das soll er vorbafs. sehen ; 
Vnd wie die reyne maria die mutter synn 
Anch hot gelidden groisize pyn 
Von syner martel swere. 
Gehet heym vnd komet mom widder here. 
F. 



4. CHRISTI HÖLLENFAHRT. 



200 



205 



I 



iiA/r»^ 



76* Tunc saluator cum angelü facit proceuto- 

nem ad infemtan cantando En rex glo- 
riae etc vsque advenüti. Dein anhne in- 
females cantani adtienisti vsque te no- 
stra. Tunc tuciper dicit ad Satkanam 
Sathanas was betudet das. 
Das die seien an hafs 
Singen vnd frolich syn 
Alhye in der helle pyn? 

Sathanas respondit 
Luciper her, des bifs bericht, 
Das ich dir sagen die geschieht 
Von ihü dem gerechten man, 
Den die iudden gemartelt hon. 
Der ist von dem tode erstanden 
Vnd wel disfse sele lofsen vfs banden, 
Vnd syn gewalt wel ober vn» gen. 
Nn hilff herre laciper das mer em widder sten. 

Luciper clamat horribiliter 
Ach sathan nu riegel feste zn, 
Das vns keyn schade gesche nü. ' 

Sathanas dicit 
Herre laciper des engym^ ich nicht; 2v. 
Ich ryegel zn, des syt bericht. 



10 



15 



ALSFELDBR PASSIONSSPIBL. 51t 

Luc^ei' dicit ad sathanam 
Ach sathaD, wie hostu gesehen 
Das dem man ist gescheen 
76'' Der (?) von der iaddischeytj 

Den du myt raidc hoist zn ge leyt 20 

Vnd die betrogen alfs^^gar, 

Dafs mer efs nii wol werden gewar? 

Satkanas rnt. 
Luciper herre, des bifs bericht, 
Das ich ifs hon gesimet nicht, /r. 
In der wustenung ich en fand, 25 

Da mir syn banger wart bekant 
Alfso von eyn mentschen vorware : 
Ich leget em dry steyn vore, 
Ab hie keyn zeichen wille thun, 
Das ich erkent godes sone. W 

Auch forte ich en vff- den tempel hohe 
Vnd hiefs en her abe fallen do, 
- Ab ich do mochte haben gesehen, 
Das em ichte wer wee gescheen. 
Auch forte ich an wane 35 

Vorbafs vff eyn berck dan, 

Vnd wyfset en aller werndc rieh, 

Vnd hiefs en an bedden mich; 

Do mer nicht me geschach, 

Her luciper, dan das hie sprach : 40 

Sathana nu ganck hen dan, 

Nymandes dan eynen gott sol man bedden an. 

Auch hordc ich en sohryen an dem crncze 

Nach der iudden gedinczc: ry.;^. Htf\, 

Do konde ich nit erkennen mere, 45 

Wan das hie eyn puer^ mentsche werc. 
Deinde angelt canunt Tollite portas prin- 
cipes vestras Sextvs angelus dicit 

Ir fursten thut vff vwer thor, * 

Hie ist der konig der eren vor. 

• vergl^ Piehard 3, IW. 



r 



12 ALSPBLDBR PASSIONSSPIEL. 

Diaboli respondent Quis est Ute rex glo- 
rie cum strepitu Luc^er didt 
Wer isl der konigk der ectu fso rieh/ 
Der do Tso geweldiglich 50 

Cloppet an vor myner thore? 
Vff myne pyn, koiqgve ich hervor, 
Ich gebe.em eynen kiden slagk, 
Hie feilet nidder vff synen sagk. 

Angeli canunt submisso tono Dominus vir- 
tutum ipse est reo; glorie. Quintus ange- 
lus dicit 
Ich sagen vch zu disser frist, 55 

Das der konigk der eren nu hie ist. 

Beinde saluatar procedit circueundo a lan- 
ge cantando En reo; glorie vt supra 
vsque advenisti. Tunc anime infernales 
canunt Te nostra vocäbant etc vsque 
Tu /actus es. Post hoc sewtus angelus 
cantat TolKte portas principes vestras 
et dicit 
Ir forsten nu thot vff vwer thore, 
Hie ist der konigk der eren vor. 
DyaboU respondent Quis est iste rex glo- 
rie Angeli canunt subtnisso tono Domi- 
nus virtutum ipse est rex glorie. Pri- 
mus angelus dicit 
77'** Ich sagen vch nu zu disser firist, 

Das der konigk der ere hie vor ist. 60 

Luciper videns per fenestram legit Sub 
qccentu prophecie 
Quare rubrum est ergo indumentum tuum. et 
vestimenta tua sicut calcancium in torculari 
Et dicit 
Nu du so geweldigk bist. 
So sage mer, wo von ist 
Der dyn kleyt von binde roit. 
Als ab du sijest geslagen doit? 
• vergl. Fichard a. a^ o, ** nach der bezetehnung 78. 



ALSFELDER PASSiONSSPlEL. 



613 



Saluatar eantat Sub acceniu propkecie Tor* 
cular calcaui solus De ^entibus /ton erat 
mr mecum Et cantat Alpha et o Ei dicü 
rig^mnm 

Ich bya mcntsche vnd ^ott, 65 

ÄD der mentsclieyt Lod ich geliddtQ dea doit, 

Das alle dyn gewall 

Die du au d€tt mentscheo boet gesuüt « 

Sal dir syn beiiomeo^ 

¥nd vort den myaen zu hillf koüiea. 70 

Ter eins ungelus dicü ad Luctperum 

Lticiper dya obennul: 

Der wirt dir im nach mimer gut; 

Dar vmb mustu vorstoissea sya 

Von den bymeln yn dissc heJJe pyn- 

Von dem das du geliddeu holst, 75 

Der boit gehangen aa des crnczes ast 

Vnd ist geweldiglich erstanden, 

Vnd wel nemmen vis dynen banden 

Alle die da bon 

Vff erden synen wyileu gelbon. SO 

Tune tercio procedunt ümita?tdo En rex 
ghrie Tunc auime itifernaies cununt Tu 
Jacius es de speralis mque aiieiu/a. An- 
geli cantant ToUite portas etc. Jesu iru- 
dente mnuam infemi et aperiütm\ Sai- 
uator dicü 

Myn lieben, nö gehabet vcb woil, 

Want ich vcb crlolsen mW 

Hyune von disser pyn. ; 

Nu kommet ber vor ir lieben myn, 

Time omnes üngeJi canunt aUa voce Ad- 
UE/iütt usqiie le nostra- Adam dicit 

Bys wilkoin, lieber tierre szo bcre I 85 

Mer bon dyn begerel. sere, 

Vnd hon lange dyn gebeyt 

In disseu betrüb len jamer leyt. 

Vnfser betrupnils hol dich dick gcruffcn an^ 

Der du vns nicht mochte vngestrauJft lau. 90 



l 



z. F, D. A* \y\. 



33 



H 



M4 * ALSPBLDER PASSIONSSPIEL. 

Nu bista komen zu iroist yn vnrser pyn, 
DflB raer nyt lenger sollen dar yn syn. 
Woil mich das ich ye gewart 
Disrser seligen fart! 

Der schepper der mich gemacht hat, 95 

Der wel mich eiiolsen von disser stad. 
Et post hoc vertu se ad euam et dicit 
77^ Nu ftawe dich eoa, da fraawe myn! 
Ich sehen den geweidigen gottes schyn 
Ynd syn gebeneditten bant. 

Woil mich das ich ye wart mentscb genant, 100 
Got bot geloissen synen zom. 
Woil mich das ich ye wart gebomt 
Hie wel vns yn syn riebe, 
Das sollen mer besiezen ewigliche. 

Adam et Eua cum alüs carUant Gloria tibi 
trinitasetc. Dein Eua dicit ad saluatorem 
Gebenediget sista, worbafftiger gott, 105 

Das du vns wilt nemmen vis der helle noit. 
Mich sol ruwen vort vmmer mer, 
.y Das ich dyn gebot vorsme^^ 

du hocbgeloibter gott! 

Want mer hatten geb^chen dyn gebott, 110 

Ynd mästen [syn] ewiglichen wersen toid; 
|Iyr vmb hostu vorgoisrsen dyn blat szo roit. 

Ysaias dicit 
Ich heysrse ysaias. 
Die wile ich an dem leben was, 
Do wysagette ich das licht, 115 

Ynd bot mich betrogen nicht. 
Das erlucbte vnfser vinsternisfse gar, 
Ynd wart (/. wirt) vns genczlicb vnd vorwarc 
Myt em foren gar sicherlich 
In synes ewige vatters rieb. 120 

Symeon propheta dicit 
Ir berren, ich heyssen^ Symeon, 
Ynd kan vch wol sagen da von. 
Ich mag wol yn der worheit ieben: 
Mit mynen aa|pen hon ich en gesehen 



ALSFELDER PASSmNSSPlEL. 



51& 



78' 



In syner beilgeu kyatbeyt, 

Nu wysfsel von der worbeyt 

Das liie im kommen ist 

Vnd wel vns lofsea zu disser frist. 
Jühannes bapiista dicii 

Johannes der teuß'er heyssen leb, 

Vnd der herrc erkant woil micb^ 

Do icb en dauin yn dem Jordan. 

Do thet sich vff an alle wane 

Die oberste bymmel porLen : 

Des vatlers slymme wart gehorte, 

Den heiligen geist bon ich gesehen. 

Nu Wirt hie sich zu vns neben 

Vnd wirt sich an allen tu fein rechen ; 

Ir gewalt wirt hie zubrechen. 
Daniel dielt 

Daniel der prophet byn ich gnaat, 

Vnd wyfse saget alle zu hant, 

Do ich yn dem leben was : 

Vnd erkant woil das, 

Das ihiis vnfser lieber scheppere 

Solde kommen schyere. 

Moyses dicii 

Moyses heisszen ich, 

Vnd nam auch an mich 

Zn erkennen den sone ihfim crist^ 

Der vns zu troist komcn ist, 
* Saümtor dicit ad hicijerum 

Liicifer ist des nit zu viel? 

Wisfse ichs nicht lenger liden wiL 

Ich wel mich au dir rechen, 

Die helle wel ich zu brechen, 

Vnd dar ul's nemmen an wanc 

üit mynen w^yüen hon gelhan. 

Saluator tocat migehim primum ad alH- 
gandum dyahotmn f^t dicU 

Wo btslu nu, michael, eyn engcl elarV 

Ganck her vnd nymme des war: 
naoh d^r bezeiühnung 79, ^ 



129 



lao 



135 



140 



14,1 



\m 



155 




516 ALSPBLDBR PASSIONSSHBL. 

Nym Inciper deo lielle haut 

Ynd byot en yn der helle grünt; 

Du sah en feste heften. 

Das hie myt allen synen kreffltenn 160 

Myme volck nicht möge geschaden; 

Die wel ieh yn den hymel laden. 

Primus angelus dfcit ad taluatorem 
Myn herre md myn gott, 
Ich erfolle gern dyn gebott. 

Et sie intrat ad üiferum et dieit ad luci- 
perum 
Woil her, da borser' valant, 165 

Du bist vmer an ende gesehant; 
Ynd dyn groifs vbermnt 
Der sal nummer werden gut. 
Ich wel dich bynden sere. 

Das du nach nummer mere 170 

Keynen menUcheu mögest betriegenn 
Mit dynen bofsen falschen liegenn. 

Saluator voeat sahuwdos et dicit cantando 
f^enite benedicti patris mei. Ei dicii 
Gebet her, ir gebenedrten, yn myn hant, 
Ist das vwer pant. 

Das ich vch erlost hon von dem tode 175 

Vnd von vwern groisszen neden. 
Ich wel vch fnren yn mynes vatier rieh. 
Dar er in blibet ewigliche. 

Ad maledictos dtcit 
Blibet ir vorfluchten yn der ewigen pyn: 
Do solt er ewigliehen yn syn. 180 

Du armer sunder, nu ganck von mer, 
Trost vnd gnaHe vorsagen ich dir, 
Vnd kere dich von den äugen myn; 
Myn anczlicz wirt dir nummer schyn. 
Gehet von «er vnd schriet ach und we, 185 

Vwer wirt keyn raid aunmer me. 
Tunc amme infernales caniant miserere mi- 
serere populo tuo primo amma mfematis dicit 
Mer bidden dich lieber herre szo sere, 



ALSFELDEB PASSIONSSPIEL. 



117 



Das du gn^idcD wollest zu vns keren 
Dun |] dyn tixiires bloil sza roit, 
^Üa:ü du vorgnisi'iäeu davcU iiller aunder Doit. 190 
^ JhA^ dicit sub aeceniu ewangelfj Amen 

Amen dico v&Ns nesvm vm et dkk 
\orware ich enweisz tiicbl wer ir sfjl, 
Waut ir Dach uye zu keyner zyt 
Mich selber erkaut hot, 
Nach gedieuet friie adder spade. 
Oei mu^szet ir bliheii yn der ewigen [»yii, 105 

Vnd auch des hymmeis freude beraübei syn^ 
78'* Et sie diahoH eiaudunt inferum Et perdile 

tmime ciamant in infernü. Secundu am- 

ma dicit sciL in sinistro latere 
Owe die thüfel thuu vns alfso we ! 
Lieber herre lafs yiis miL dir gehen \ 

Saluator non adver tili vadit cum suis q/it 

cantant in via Jesu nostra redempcio ete^ 

imwtt iiersum* Et pQst primum ver&um 

Secunda anima inJWnalis ewtendit caput 

vltra ianuam mj'erni et elmnat post sal- 

vatorem^ ei dicit 
Owej owe, vud vmer iiierel 

Lieber herre loiJs vns myt dir gehen 1 200 

Die thufel thun vns alfso we, 
Das mer enkonnen gcsiczen adder geslen. 

Et cjrijL Cui adam respofidit 
Man gauL der des wegcs woil^ 
Wart das dich oytnaodes widder hoile. 
Tunc dyabolus seilieet Hueganek imiadit 

istam unimaifi redueens eam ad inferum 

et dicit 
Du eaferest allso von hynnen nicht, 205 

Dn werest eyn rechter borse wicht. 
Du enkanst mer nicht eüLlauifen, 
Ich wel dich slan vnd reyffen. 
Du must auch yn der helle bliben 
Vnd ewiglichen dar yn heelibemi, 210 



518 ALSFELDER PASSIONSSPIBL. 

Demde anima prima stans in porta infemi 
clamat miseremini mei miseremini mei 
sattem tos etc. Et dicit 

Nu helffet) finmde ynd mage, 

Mer yfs disser helle plage! 

Hilff her gott vnd erbarm dich ober mich! 

Zu der wel ich hoffen ewiglich. 

Tunc saluator procedit cum suis ad celum 
Qui canunt Gloria tibi domine qui sur- 
rexisti a mortuis etc. Et eua dicit stans 
in porta celi 

Gelobet sijsta, milder crist, 

Want du eyn geweidiger konig bist. 

Geloibet sistu, heiiger geist, 

Want dyn hilff aller meynst ;>. ^j9. 

Vns ZQ dissen fireiden hoT bracht. 

Woil vns das vnfser ye wart gedacht! 

Woil vns hude vnd vmmer mer 

Das mer dich nu sollen ewiglichen sehen me! 
Sub isto rigmo Cayphas annas Synagoga 
cum vudeis coeunt ante sinagogam. Et 
finita rigmo Saluator cum suis intrat^ 
cehm cantantes Gaudent in ceUs anime 
Sanctorum etc. 



215 



220 



DIE BEKEHRUNG DES H. PAULUS. 

BRÜCHSTÜCK AUS DEM XII JH. 

Grqff" hat bekanntlich in seiner Diutiska 2, 297—301 
ein bruchstäck einer sehr alten, wohl noch früh im zwölf- 
ten Jahrhundert gedichteten geistlichen erxählung unter der 
schon von Lachmann (über singen und sagen s. 5) gerüg- 
ten bexeichnmg als * eines gereimten oder vielmehr as^o- 
nierenden gebetes' aus der handschrift 77 des klosters 
Rheinau abdrucken lafsen. einer freundlichen mittheilung 
Ettmüllers danke ich es dqfs ich diesen abdruck vervoll- 
ständigen kann, aber Gruffs geringe genauigkeü zeigt sich 



^^'^-n^K^ TymjA'^y^'Kr. , j ', j^^Y ^l^'^. 



DIE BEKEHHÜNG DES H. PAULUS. 



U9 



au^k kier, u/ttl dttjh ihn nirgend weniger s^n trauen tut üls^ 
wo er durch cursiüsvhrift die urkundliekkeit seiner te^^ie 
ü erst eher L statt seine nngaben zu berickilgen lajse ick He- 
ber Ettmällers absckrijt des ganzen kleinen stUckes ah- 
drucken. 

Die kandschriß:^ in fuari, aus dem t^n jh.y enthält 
einen lateinischen commentar über das neue testament und 
anderes lateinisehes* von anderer aber gleich alter hand sind 
die deutschen verse in Jortlaufenden zeüen auf die erste 
Seite und (von heizin v. 135 an) ai{f die unterste haljle der 
ictsten Seite y dicht unter den dort sühliejsenden lateinischen 
tewty geschrieben* früher mögen mehrere blätter oder eines 
vorgebunden geuwse?i sein ; aber es begreift sich nicht leicht 
warum dei^ Schreiber mit dem deutschen gedickte nicht auf 
der leeren r Uckseite des ersten blattes Jortjukr^ sondern ^u 
ende der ganzen handsckrifi. 

ff^^as auf der letzten seile steht^ und von Graff über~ 
sehen worden ist^ hat Ettmäller durch gatläpfeltinctur les- 
bar gemachte es lehrt dq/s das bruchslMck ton der hekeh-^ 
rung des apostels Paulus handelt, und danach habe ich es 
benannt * H. 



Ik. 



- . . . . . steine 

daz ich niut besize 

die vereislichiii izze 

di die lielle dioe th , . , habm 

des bitlicb lieh dur die drie cliaabin 

die du beschirdos domiae 

in deniQ glugindin hoviiie ^ 

Auaaias. asarias 

io sagit uns daz buch daz 

dir tnlLe daz was niisahel 

in let daz vir niüit we 

ez inmahte sie uiut ^^ebrenniu 

dn wai'e saud in drinne 

do beschirndos tu die diae 

mit dinis selbes segine 

die da bullin vehlin 

wider dem unrehle 



19 



m 



i t» 



590 DIB BBKEHR0N6 DBS B. PAULI». 

daz yur si niat inoiHte en>niu^fc 

sui hurte der ovin glvte 
^,H2.HSM.^.h.U.Bj.iiä.iu. Unze du mit ünime UtHMe 20 

sie deroz lostds 
nu bit hieb die cbnabin drie 
daz fti mir bdrinte sien 
daz da miob iriosest dmen schaloh 
mit der dinir gewaltb 2d 

»it demi selbin troiftte 

so dn sie dmz lostos j 

so lose ooeb mine sele V 
ge&adicblieb berre ^ h '>^^^ ^^ '^'i- 

daz siu Diatb brinne sere J 30 

€fe rcx angelomm 
na sbolto mieb irborin 
dar dine wann triuwe 

also da remami dine diwe i 

mariam unde martara 35 

die unbe dicb irdigiton i^»/t.>^, /«/i M«.i,?2^,r 
daz ir bnldir lazarus gbeaas 
i der drie nathe begrabin was 
- '^ andi da in biÄe uf slen 

vrolicbe dane gen 40 

in den seibin namin bit ich tiob id. 
dazUi gelicb^aftos miob 
^ibrnir t^iiti^ir undi gimQiir urstendide- 

dar tinin beligin totb 45 

den du dur unsir notb 
an dem crnce iresturbe 
do da dir mite irwurbe 
daz du die dine alle 
• irlostest von der belle 50 

dur die sdban losangte 
bittit dicb min zuoge 
daz du irlolSest mine sele 
gnadicblicber beive 

dur tine gotilichen oraft 55 

42. Graffs selihMtoa ist wenigstens ein« tiökHge cöf^'ectur. 



um uEKEnBüNCi um n. ^AtlÖtk m 



p. 



imüi (Jur liiz lielige grab 

da dia licham lutie Laub 

HimJlclmuiTJcb lierre 

io bulfi (iii dariicle 

uzer der lewin gruhe 

daz in niüwet getorston bernm 

der er drin was gegebin 

daz in zcrbracbin die lewin 

do heächirmdos tu dinin scbalch 

mit tinir g:ewaltb 



90 



65 



daz tie lewia von imo vlubin 

in einin wincbil Bith smugin 

daz machöt al din o'olebait 

sin taün ime mbein laith 

uuzi du lait abacucbis brote 

in druz lost6s ^ 

un bit icb den berriti 

den gutin danieiin 

daz er mir sie wegindc Z/7ia.f,tp^, 

undi du mir sie^ vergebinde 

die sundi minis libis , 

a]äD du täte dem mbe 

diu dnr rüge 

vur dicb warlb g«vuritb 

die dl indin vnrtin 

)kfttftni. dretbin dir gute 

vur dich dur daz eini 
daz du si bizist ßteinin 

% ' si scigin si ciuis huris 

siu wäre wertb des todes 
ab ie din alte euwe gebot 
do loslos tu si uzir der not 
^^ do scribi du an der erde 
den iudin nowerde 
der ane sunde M'are 
daz er niuwin verbare 
er ni wnrH an si elniti stein 
do inwas ir allir incbein 



H 



n 



I 



AS 



90 




DIE BEKEHRUNG DBS H. PAULIS. 






^ . infifiq äJi^ hl. 



der sich des vermasze 9f 

aini si sie liezio 

do gingin si alle dannin 

eine nach andirmo 

nnus post unum nt. 

do begondon sie ramin 

do ruwin si ir snnde 

dv vergäbe ir zer stunde 

dar dine gati 

allis daz siu ie gusandote 

do hisze da si herre 

daz sin isz iatati nintb mere 

daz ir sondon Uze sin 

do warth siu din trutinne 

vaste gl5bte siu an dich 

des anthlazes gerin ich 

des tu ubir si täte 

dar dine gute 

vro du si lieze 

nu la mich ir genizin 

undi d^ielis 

dinis wisagin heris 

undi dinir schalcb allir 

di du irlostdst von der helle. 

dar di seibin caritate 

so d5 ubir se täte 

so bit ich tich gotes snn 

dnr dinis vatir willin 

daz tu gebitis herre 

sancte^ michahele 

daz er mine sele bringe 

swenne siu geschaidi fainnin 

in den barm abrabamis 

zi dinin genadin 

dar dine trie namin. amen. 

Do der hedine man |^J. 

so verre warth gehorsam 

mit gloube unde mit pjgithe 

undir also warlich 



95 



100 



105 



77.2»i. 



110 



115 



120 



125 



130 



DIE BEKEHRUNG DES H. PALXUS, ta$ 

i^me sunde begundi rugiii 

do inphing ia der goLes suo 

da biez er in toHn t$5 

atidiris heizin 

«^ hiz er safus 

nu 15 er genamot der mute sanclüs paulus 

welb e wäre der name sin 

im uist $'m guadigir nHieiu 140 

DU ist er eia irwelUz gotis vas 

den sclbin gcwiuie er iuie gab 

do sieb . i . iudis von i. stiz 

den beirL er do vari hiz 

in daz lant zen cbriecbeu 145 

do becberter mit den bucbin | 

mauigin bedioin man >^. { • 

DU sint jse goLe geborsam 

und ist daz diu allir eristc dietb 

nu ist der berre gote uil lieb . 150 

er in da ze bimiie * . , . 

der oncb uns hi niden ir gebiz 

Z6 uns vil mstnege guade 

westin wir umb tu verdiniu 



DIE FÜNFZEHN ZEICHEN DES JÜNGSTEN "-^^V^^ 



GERICHTES. 

Prima dies seculo tale sigDum dabit* 
Mare surgens tnrgidtim undas elevabit; 
Quadraginta cubitis moutes superabit: 
Terram uon operiet, sed ut murus stabil. 
Signum erit poslea tale quod sequetur. 
Mare pclet infiaia : sie et absorlielur, 
Quod vix illud oculis bominum cernetur: 
Et ad statum pristiuam post bec revertelun 
Die ptsecs terda supra aquam stabunt 
Et rugitus maximos versus eelum dabnnt: 



dtti handschrift 1,1. die seit' 1, 3. cubitu« 

%j 3. ucli 5 bomi 3, 2- rugUo!» 






l. 4. Tfu 



524 DIB XV ZBIGHBN DES GeRICffTBS. 

Congregali volucres plangeni et clamabailt : 
Nee non omnes besiie planctu resonabant« 

4 Quarta lux horribile signam exbibebit. 
Mare cum fluminibus omnibus ardebit: 
Omne genus bominum videns hoc pavebit: 
Tremens meto nimio pro se quisque flebit. 

5 Non bis minus horrida quinta lax moostrabit. 
Totam terram sanguinis sndor occapabit: 
Omnis herbe species sanguine rorabit: 
Totum genus arboris pariter sodabil. 

6 Sexta die menia euncta diruentur: 
Domus turres opida simul distruentur: 
Instrumentis bellicis non hec sie labentnr; 
Ymmo propter proximum finem contundentnr. 

7' Die veroseptima lapides pugnabunt 
Et alternis ictibus in vicem certabunt: 
In cavemis bomines metu latitabunt 
Et ut illos obruant montibus ciamabunt. 

8 Totam terram tremere lux octava dabit: 
Supra pedes animal snos nuUum stabil, 
Cunctis terram partibns nona lux equabit, 
Valles implens arduos montes inclinabit. 

9 De cavemis bomines prius delitentes 

9, 4. plaDclvre sonabaot 4, 1. lux] die» 4» 3. honü 

5, 1 . hijs nimis 5, 3. oiBs herbe species sagwine r. 6, %. simalj 
sunt 6, 4. pronn finen confundent^ 7, 2. Et ictibus alterius 
7, 4. ut ipsos? 8, 3. noua 8, 4. ardaas 9, 1. dieser zeile 

geht voraus Nona dies ptibas nooa lax eqaabit Valleas implens ardoas 
montes inclinab' ; statt De steht In, und auf 9, 4 folgt noch Plaage- 
bat sais manibas corde trepidaäles. man könnte ift eaverois bomines 
nach 7, 3 für ein versehen des Schreibers halten und darum Jeden fol- 
genden ersten halbvers eine zeile höher rücken und 9, 4 plangent suis 
manibas loqui nescientes schreiben wollen, wodurch man eine völlig 
untadelhafte Strophe bekäme : doch zeigt sich in keiner der übrigen 
darstellungen der 15 zeichen von dem zusatz plangent sola manibas 
eine spur, während die worte de cayeniis bemiBe» bestätigt werden 
durch Petrus Comestor hist. evang, oap, 141 Decima (die) exibunt 
bomines de cavemis et ibunt velut amentes, nee poterunt mutue loqui, 
und durch Berceo de los signos que aparecerän ante del Juicio 17, 1. JJ 
Ei dia que viniere el noreno passado saldrin todos loa ames cada und 
de SU forado. 



sm 



Om XV ZEICHEN DES GEmCMTBSi. 
Iliiint die decimu camfjos per poteutes 
El errabunt undiqiic veluti demcate», 
Pre timorc oimio bqui nesderitcä, ^^ 

Post termrem siquidem tulium .sigtioniiri ^^ 
Di€ mh andeeim^ij clauslris squjlcrorüm 
Fraclis, foras salient ossa mortuoriim 
El terrorem ocuJis facieut vivorniu* m 

De supernis partibus postea pressure 
Die duadecima niunda sunt venture 
Fixe eeli peuitus stelle sunt castirc 
Et per partes aeris Qamme valatiire. 
Die teroa decima cüucti morientur 
Qui viveotes sccub taac reperieiilur, , 

Cum dei'uuetis Mus ui resuscitentur 
Et secuudum menta sua iudJceutur. 
Igßii quartadecjnia die aticcendetur, 
Ut qiiod bonia pollurl ignibu.s purgetun 
Ergo superficies ccli combureiur • 
Älque terrc facies idcui pacietur, 
Dies quin lad ecima celum renovahit 
Atque Icrre pmiler novam forjuara dabit; 
Et post liec angdi<:e lube vox f^onabit, 
Qtie defüficlos iusitntil oiniies susd Labil. 
Aer post incipiet tolu5 rulilare ; 
Nam in luee veuietis ClirisLus nube clare 
losaphal videbitur supra valleni stare, 
Vivos atque mortuos omnes iudieare» 

t 4. Pretimorc 10, 2. si^pulturum 10, 3. Tori» IL, S» äletle] 

e cetü : vielleicht liegt der fehkr vielmehr in ceti penitus nitd hei d« 
ein int nrtv de zu »treif^km 11^4. ptif plagas ? 12, j, teraii 

vwmisilhfg)? cücta 12, 2, Qae 13, 2. Et 14, 1* Die 

i, 3. t!>l»a 15, 3 ttnd i tind umgestellt, vlvos alqoe mortuua 

lütibe teil nicht ü/iderti :^ti dürfen {etwa i!n justoj atijue ncjxiüs), rveil 
nr dich t er* vtel/eieht absiditliek den bib/i.-:die?i ausdrtiek beiffehiell^ 
hwohl derselbe hier ungenau öf, da am dreizelmfcn tage aUe men* 
7hm gestorbm und am ßwfzehnten aiU au/erstatidea *ind. 

Dieses gedickt ßichl Bnm von ScMnelteck seiner nm- 

':hrcif}m4g und erklär ung des hohen licdeH ein {hs- der 
Miger^chm mUgthek ^n Breslau, in eimm l^attde mit 



10 



11 



12 



13 



U 



15 



i 



526 DIB XV ZEICHEN DES GERICHTES. 

der von JVüh. Grimm mit f bezeichneten hs. der goldenefi 
schmiede^ s. 370 — 375). ich habe nur die abkürzungen 
aufgelöst, die Orthographie unjDcrändert gelajien. Brun 
übersetzt Jede Strophe einzeln in drei kurzen reimpaaren 
und sagt ausdrücklich, so spreche Der v^ he yliger sente 
Jerom^ {so), wonach er Hieronymus vielleicht för den ver- 
fajser des gedichtes selbst hielt, bekanntlich benifen sich 
»/. t^j. auch sonst mittelalterliche schrißsteUer bei angäbe der ßinf- 
zehn zeichen welche dem jüngsten tage vorangehen wer- 
den auf Hieronymus; doch kommt in den werken dessel- 
ben eine solche Zusammenstellung nicht vor (myth, s. 473, 
vergl. Hoffmanns ßindgruben 2, 127), und es ist nicht zu 
bestimmen ob diese berußmgen sich atff eine verlorne schrift 
von Hieronymus beziehen oder durch irgend einen irrthum 
veranlafst sind, erweisen aber Iqfst sich dqfs schon im 
i2n Jh. zwei verschiedene Schilderungen der 15 zeichen 
vorhanden waren, die beide Hieronymus als gewährsmann 
nannten, so dafs wenigstens bei einer von beiden die beru- 
ßmg bereits traddtion war, mit unserem gedickte nämlich 
stimmt Petrus Comestor (f 1 178) in der historia evangelica 
cap. 141 * genau überein, eine völlig andere beschreibung 
und anordnung der 15 zeichen enthalten dagegen zwei 
deutsche gedichte des \2n Jh., in Hoffmanns fundgruben 
^ 1, 196—199 imrf 2, 127 — 129; und obgleich auch diese 
wieder unter einander abweichen, so ßüiren sie doch auf 
eine gemeinsame quelle, die von Thomas Aquinas. in quor- 
tum librum sententiarum magistri Petri Lömb. dist. 48 
quaest. 1 art. 4 (opp. Parisiis 1660 tom. 10 s. 730^) und 
von Richard von Middletown, ebenfalls in den commenta- 
rien zum An buche des Petrus Lombardus dist. 48 art. 1 
qu. 3 (f^enetiis 1509 s. 214*), ziemlich genau scheint erhal- 
ten zu sein ; da Jene gedichte beide, besonders aber das zweite, 
oft wörtlich mit Thomas und Richard übereinstimmen. ** die 
* zu Lucae %i, ^5 et erunt sigoa in sole et luoa et stellis. die 
steile ist wiederholt in Nicolqus_ de Lira, postillae perpetuae sive 
brev, eomm. in universa biblt'a {Norimh. 1487, unpaginiert; auch mu 
Lueae ^l, ^5) und fast wörtlich übersetzt in Felth ems spiegel histo- 
riael b. 8 eap, 11. 

** vergl, z, b, Thomas und Richard Qnioto (die) omnia volatilia 
caeli congregabantnr in campis, invicem ploraotes, noo gustantes neqae 



DIE XV ZEICHEN DES GERfCHTES. 



S2r 



mptühtmchmgm dieser darstellt/ng mm dem httdnüehen 
idicktc htati*ken darin dq/k m ihr die piijr erslen zmch&i 
'j wa/seTf die drei ßlgendm an der luftf das achte bis 
miße an der erde^ und die drei ictzten an den memvhen^ 
lersl an den %adtvn dann an den Ichendigen^ gescheiten ^ 
fß der angstrnf der ßsehe pügel und der thiere des fit- 
s an drei bemvdern iagen^ dem in 5« und llÄ/i, ver- 
\mfnen teird^ indt*m jedes ge tider bei den zeiclien seines 
^mentes iilagt; dajs das eins für :ien der ge bände nnd berge 
i demselben tage (dem 14^, im gedickte dem %n und 9«) 
fülgi^ die rnckfieiir des waßers in seinen früheren stand 
wr JUr ein besonderes^ das dritte, seichen gilt (s. 2, 4 
fj tat ein* ged.)^ und dafi endlich, der die weil reinigende 
and und die ernenung des himmeis und der erde nickt 
eitr SU den por^eiehen deji Jüngsten tagcs^ sondern zum 
ngsten tage selbst gehören (j. ßmdgr. 1, 199 y. und 

12^ J\; Thomas von Aquinü und Riehard von Middle- 
um erwähnen den wettbrand gar nichts dock ohte swei- 
l nm* weil sie J)lr ihren sweck blojs die 15 vorseiehen 
\s gerichtes anßlhren tmlUeny offenbar sind die zeichen 

dieser darstellung befser geordnet, was das laieiniscke 
^dieht jedock verliert^ indem es die gleichsam logisch 
renge anordnung aufgibt und vorzüglich die noth der 
ensehen, die auch hier am 10/< tage besandm^s geschildert 



y 




bentes {&6) ; fundgr. 2, 128, 2 dea vivnflin dagis begiuDiot sich ki- 
iti aa deti veldin daz gevngele, igehchis nah siner edili?> zeaamin sie 
smt, vil hart« sie rbtnt; de^^ mazes c^ie vergtizintf sie driachiat auh 
GzinU — Nono omii^s lapldes tarn magni qoau] parvl dividentar in 
atnai' partes, nnaqnaquc aliam coLlideiit<3 {fwi liic/i. unaqaaque petra 
, colL) ; /i/^rfö',». 2j J2iij 28. des üivndin dagis ein jsUch stein, er ai 
sine adir groz, in vier deil er mvz. diu steine ^eräpHnpat^ dly atv« 
e sainial riagint- fitndg^\ 1^ 1D8, 23 au dem niwend^n ta^e . . • ao 
rbrestent di staine grozz vade chloine. daz jt^achilit v«r dem vrteiL 
cbli^bent sich ea vier tail, — Dnodecimo omnia animalia yenient 
campos de silvis tt monübns rngientia *'t nihil gastantia ; ftmd^, 
129} 1 ez i% yibe oder dier, an dum zivelFtcn dage viL sebir sie 
trliDt vz dem walde an duz vclt bolde, sie rvhÜiüt vii lu^otj keiais 
izitis sie sich mvgint ; ftindgj\ 1, 19^, 3 au deai zwelPten tajje so 
iFt VHS daz vibe (ablagen, so gSt daz vi'he vf dem velde, daz tier uz 
im walde; vil lote si rcrent, ao si »esamen cherent mit lulem ge* 
hreie. 



SiS MK XV ZEKHIN DBS 6ERICHTB8. 

wirdf sehan mehreren früheren tagen einmischt^ das ge- 
winnt et an poetischer kraß; und schon dies ßlhrt auf 
die Vermutung dq/s der lateinische dichter selbst erst von 
Jener früheren darstelhmg abwich, und da/s die übrigen 
gleichlautenden Schilderungen, aus dem latelkischen gedickte 
genommen sind, zweifelhaji wird dies nur durch einen gU" 
satz bei Petrus Comestor. bei der erscheinung Christi näm- 
lich sagt er et ante eum erant instrumenta mortis suae qnasi 
rexilla triumphi, crnx, clavi, lancea, et in carne eins vide- 
bnntnr cicatrices; dies mufs auch in der ursprünglichen 
von Hieronymus verfqfsten oder ihm zugeschriebenen quelle 
gestanden haben, da es auch in jenen beiden deutschen ge- 
dichten, fundgr, 1, 200, 10 und 2, 130, 42— 131, 5, die 
mit Comestor durchaus nichts gemein haben, vorkommt 
doch läfst es sich, wenn Comestor das lateinische gedickt 
auszog, nicht anders erklären als daß er entweder die an- 
dere darstellung auch kannte, oder daß dem gedickte der 
Schluß ßhlt, das letztere ist weniger wahrscheinlich, da- 
gegen sprechen ßlr die annähme daß Petrus Comestor 
nicht mit dem lateinischen dichter aus gemeinsamer quelle 
schöpße, sondern daß er das lateinische gedieht selbst vor 
sich hatte, die stärkeren gründe, daß bei ihm kein einzi- 
ger zug vorkommt der nicht im gedichte stünde, während 
einige z^ge die das gedieht mehr hat auch in der darstel- 
lung der entgegengesetzten klasse erscheinen (z. b, beim 
2n und Zn tage), und daß vorzüglich Comestor mehrmals 
im ausdruck mit dem gedichte übereinstimmt, wie er z. b. 
beim 3» tage von den fischen ebenfalls sagt rugitus dabunt, 
was im gedichte nur eine durch den reim veranlaßte Um- 
schreibung scheint, die einleitung bei Comestor, Hierony- 
mus in annalibus Hebreorum invenit signa xv dierum ante 
diem iudicü; sed utnim continui futuri sint dies illi an in- 
terpolati non expressit, kann durch eine Überschrift des ge- 
' dichtes veranlq/st sein, aus der wahrscheinlich auch Brun 
von Schönebeck seine bexiehung auf Hieronymus nahm, 
sehr viel älter aber als Petrus Comestor wird das gedieht, 
seinem versbau nach, wohl nicht sein. — tmzweifelhaft ist 
j^. es von Berceg dqfs er die he bis 22c Strophe seines ger 

dichtes de los signos qne aparecer&n ante del jnicio (Sanchez 



« DIS XV ZEICHEN DES GERICHTES. 829 

coleccwn Z, 273) nach die^m lateinischen gedickte gear- 
beitet hat. er stimmt nicht blofs in der ganzen anordnung 
und beschreibung der zeichen, sondern in fast allen ein^ 
zelheiten der ausßihrung die dem lateinischen dichter al" 
lein gehören mit ikm überein, was niemand entgehen wird 
der beide gedickte mit einqnder und mit den übrigen be- 
handlungen des Stoffes vergleicht, sckeinbar abweickend ist 
nur das zeicken des An tages, los mares h los rios andarin 
k grant poder (10', 2), dock ist statt andaräo, welckes über-^ 
haupt kein deutlickes bild gibt, wohl ardr&n zu lesen, auf 
Hieronymus bezieht sick Berceo zwar auck, dock verspricht 
er nur un sermon que fae priso de un sancto libriello qae 
fizo.Sant Jheronirao (1, 2. 3), worin nock nickt liegt dcfs 
er selbst nack Hieronymus gedicktet kabe, denn für den 
verfafser des gedicktes konnte er als priester Hieronymus 
weniger kalten als Brun, der sick mekrmals einen laien 
nennt, vielleickt drückte sick Berceo, indem auck er diese 
beziekung aus der Überschrift des gedicktes beibekielt, ab- 
sickilick so allgemein aus. der folgende bei weitem grö- 
Jsere tkeil von Berceos gedickt, welcher das gericht selbst 
sckildert, cn^ält nur allgemeine bibliscke und kircklicke 
Vorstellungen und ist wokl von Berceo zugeßigt, dessen 
gedickt übrigens unter den mir bekannten iiber die 15 zei' 
cken^mchstdemlateinisdim.^s ist. die frage 

aber ob der lateiniscke dickter vielleickt nack Berceo (er 
ist sckon 1220 diaconus, f 1264 ; Brun dicktet 1276 nack 
s.Sl der ks.) arbeitete und von ikm den ^Jerfyqhmi reim 
beibekielt, wodurck sick meine obige Vermutung über Co- 
mestor von selbst widerlegte, ist darum unzulUfsig weil die 
wenigen züge welcke das lateiniscke gedickt doek mehr 
entkält auck sonst vorkommen, z. b. die genaue bestim- 
mumg dqfs das wqfser am ersten tage um vierzig eilett die 
berge überrage, wäkrend das was Berceo mehr hat (vergi. 
13,. 4. 19, 4. 21, 2 — 4) nirgend wiederkekrt. — mit d^m 
lateiniscken gedickt stimmt ferner die im Wunderk orn y^ fU^^^^^ii-'f. 
3, 199 — 202 gedruckte darstellung überein; und ikm steht 
auch das Asegabuck absckn. 7 § 11 weit näker als dem 
Tkomas Aquinas und den verwandten sckilderungen, ob- 
gleick es auck von dem lateiniscken gedickt im gange und 
Z. F. D. A. III. « 34 



V. Kro 



580 MB XV ZBIGHBN DES GBRICHTBS. j; 

tit den eingMeiten mehrfach abweicht und an das gedieht 
selbst nur durch den ausdruck beim ^n tage mit ftna bl6- 
diga dftwe bifangen (sind bäum und gras; occapabit 5, 2) 
erinnern könnte^ der jedoch nichts beweist, aufserdem be- 
^ rühre ich nur noch das im \n bände dieser xeitschr. s. iMff* 
mitgetheüte gedieht^ welches sich durch viele eigenthiim- 
, liehe zusätse auszeichnet, die gewiss nicht vom dichter er- 

funden sin^, sondern auf dem Volksglauben beruhen, an 
eine annäherung an die ursprüngliche beschreibung der 15 
zeichen ist jedoch nicht zu denken : vielmehr glaube ich 
dqfs des verfafsers schriftliche quelle nur das gedieht im 
\n bände der ßindgruben war; da sich in diesem alle zu' 
ge wiederfinden die jenes jüngere gedieht überhaupt mit 
den übrigen darstellungen gemein hat, und da besonders 
beide gedickte mehrmals in den ausdrücken überein kotH' 
men; z, b. zeitschr. /. rf. «. 1, 118, 29 (vom meer) cz 
laiht sich üf, fimdgr, 1, 197, 2 vil hAh laiot iz irich wider 
uf ; zeitschr. 118, 32 des widersetzet sich der strftn, Jundgr. 
197, 13 so widergAt im der str&m ; zeitschr. 119, 62/ des 
tages allez daz zergftt daz fl6ze ande gd^t h4t, Jimdgr. 

197, 23/ sA wirdet des latzel rät swaz flAzzc unde grät 
hat; zeitschr, 122, 169/ des tages allez daz zerg4t daz veder 
und clä hat, ßmdgr. 197, 35/ des tages harte zegftt swaz 
vetiißh unde chl4 hat; zeitschr. 122,222^/ sA vervallcnt die 
bürge die [da] durch übermuot gewerht wurden, Jimdgr. 

198, 33/ sA zervallent di bürge di durch ruom gebewen 
wurden; eben so zeitschr. 118, 35 =: ßmdgr. 197, 15; 
zeitschr. 123, 2 (/. flühen si denne in diu hol; vergl. 7, 3 
des lai. ged.) z=z ßsndgr. 194, 18; zeitschr. 123, 227 = 

ßindgr. 198, 38; zeitschr. 123, 232 =:fundgr. 197, 39 
u. s. w. auch dq/s das meer am ersten tage sinkt tmd 
am zweiten steigt, so wie dqfs die thiere sterben ist die- 
sen beiden gedickten eigentkümlick; und das jüngere hat 
den letztem zug nock weiter ausgebildet, indem kier eigent- 
lick nur die drei ersten tage den Weltuntergang verkün- 
den, der an den folgenden schon geschildert wird. 

E. SOMMER. 

. a^v.w6v', ^..WJ*r^ ^V^/^^ >-'V'^-^, /^.^Aj/^ ''^3?^.//S^^ ?:<ft.*i 



«Sl 



PICrLEGIEN ZUR DEUTSCHEN GRAÄIMA- 
TIK AUS DER KELTISCHEN. 

3 DIE REDUPLIGäTION DER VERBA. 

In ganz Hbuüclier form wie die gothische spräche kenut 
e galiscbe eine red upIicaÜDa der verba. im goLblschen bilden 
?rba deren stamm den vocal a oder eiaeu m\l a coDiponier- 
:n doppellaut hat ihr prateritum redupliderend ; im gälischcn 
Iden verba welche ein a im stamme haben durch die rc- 
iplicalio» factiti